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Relotiuspresse: Jetzt fälschen sie auch noch Beziehungen!

Alles ist im Mainstream möglich, doch meistens gibt es Fakten, anhand derer man Märchen widerlegen kann. Vieles ist gerade im auch internationalen politischen Kontext entweder so oder so, auch wenn man interviewte Gefangene und geflüchtete Kinder siehe Claas Relotius erfinden kann. Dabei gibt es zwar Kontrollmechanismen, letztlich aber müssen sich die Redaktionen (und die Leser und Zuseher) darauf verlassen, dass ihnen keine Bären aufgebunden werden. Beim Spiegel waren die Überprüfungen eher lasch, wie man am Beispiel Fergus Falls sah oder wenn Relotius das Zuhause von Traute Lafrenz in South Carolina an den 600 km entfernten Mississippi verlegte. Nun sind besonders perfide Fälschungen des WDR aufgeflogen, nämlich mit dramatischen Beziehungsgeschichten. Fies ist das deshalb, weil man Fakes schwer überprüfen kann, es sich um nicht dokumentierte Innenansichten einer angeblichen Privatsphäre handelt. Es blieb daher aufmerksamen Zusehern vorbehalten, die merkten, dass ihnen die gleichen Darsteller jeweils anders verkauft wurden. Mit „Menschen hautnah“ wollte der öffentlich-rechtliche Sender bei scripted Reality-Formaten von RTL und Co. andocken und sich doch davon unterscheiden.

Dabei wählte man aber eine geradezu abenteuerliche Vorgangsweise: „In einer Folge der Reihe aus dem Januar wird ein Ehepaar − es heißt hier Manuela und Oli − als Beispiel für eine Vernunftehe begleitet. Die beiden, so heißt es, lebten auch deshalb zusammen, weil sie Geld für eine zweite Wohnung sparen wollten. Allerdings sagt Manuela in dem Film auch, ihre Beziehung gehe über reine Freundschaft hinaus. In einer früheren Folge war das Paar hingegen als Manuela und Sven aufgetreten. Dort hatten beide versichert, sich nach einer Trennung wieder gut zu verstehen. Manuela versicherte, dass sie Sven ‚auf eine gewisse Art liebe‘.“ Aus „redaktionellen Gründen“ steht diese Episode auf der Webseite des WDR nicht mehr zur Verfügung. Was kann man bei den anderen Sendungen noch glauben, fragt man sich:  „Jetzt kam durch Twittermeldungen heraus: Mit der journalistischen Sorgfalt nahmen es die WDR-Macher nicht so genau. In einem Fall handelt es sich laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung um ein Paar, das in drei verschiedenen Dokumentationen unter wechselnden Namen und Altersangaben mit jeweils leicht abweichenden Beziehungsgeschichten präsentiert wurde.

Sendung vom 10.1.2019 (noch im Google-Cache)

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Relotius und die Recherche

Dieser Tage kursiert ein Video von einer Veranstaltung, bei der sich Claas Relotius seltsam vage zum Reporterdasein äußerte. Er diskutierte mit Daniel Puntas Bernet und Roland Schulz, der als Einstieg über eine Geschichte zu einer Überfallserie sprach. Dies wird sofort konkret und man erfährt, dass Schulz durch eine Zeitungsnotiz darauf aufmerksam wurde und ein halbes Jahr lang immer wieder recherchierte. Hingegen erzählt Relotius von einem Besuch in einem US-Gefängnis bei einem Inhaftierten, der einen dementen “ Kollegen“ betreut. Relotius eiert so sehr herum, dass man erst im „Spiegel“ nachsehen muss, ob es um einen Gefangenen und einen Pfleger, zwei Gefangene und einen Pfleger oder um zwei Gefangene geht, von denen einer als Pfleger fungiert. Ausserdem hat er ganz lässig unter Hackern recherchiert; eine Erfindung, wie Armin Wolf in seinem Blog betont.  In einem der zahlreichen Berichte über Relotius stand,  er wollte nicht, dass seine Texte online gestellt und ins Englische übersetzt werden. Nun ist die Geschichte im Netz abrufbar und mit dem Vermerk versehen, dass sie überprüft wird. Relotius wollte sich beim Event cool geben und sagte, dass er einen Tag im Gefängnis verbringen und alles wie die Häftlinge machen konnte, nur dass er nicht duschte, aber er musste Schnürsenkel und Gürtel abgeben.

Das ist dann wohl ein Fall für die Dokumentationsabteilung des „Spiegel“, doch ich bin sicher nicht die Einzige, die da gleich stutzig gewesen wäre. Eingefädelt hat er den Besuch via Mail an die Gefängnisleitung, sagt er, da noch bewundert von „REPORTAGEN„-Chefredakteur Daniel Puntas Bernet,  der ihm auch Arbeiten abnahm und meinte, so etwas sei unmöglich. Bei Schulz klingt das Reporterdasein nach systematischer, auch harter Arbeit, bei Relotius hingegen easy und sexy. Es fällt auf, dass Frauen dann Fragen stellen und Relotius sofort direkten Draht zu ihnen hat, auf du und du Auskunft gibt, während bei Schulz und Bernet eher ein wenig Distanz des Fachmanns dabei ist. Bei ihnen spielt immer wieder eine Rolle, wie sie auf Menschen reagierem, über die sie schreiben. Schulz spricht von einem abgehobenen Professor, wo nach ein paar Tagen aus ihm herausbrach, was er von ihm hielt; Bernet war im Dilemma, als er über die dunklen Seiten eines Konzerns in Afrika recherchierte, dessen CEO ihm auf Anhieb sympathisch war. Während beide hier Ausgleich durch die Redaktion brauchen, hat Relotius keinerlei Probleme mit emotionaler Involvierung im positiven oder negativen Sinn.

Diskussion im Freitag-Store in Hambur

 

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Wie uns „Haltung“ aufgezwungen wird

Der Fall Relotius zeigt, welche Elemente zu einem Brei vermengt werden, der ausdrücken soll, dass man die richtige „Haltung“ einnimmt. Nach erfundenen syrischen Kindern und der letzten „Weißen Rose“ Traute Lafrenz zugeschriebenen Aussagen hätte noch eine Reportage von der Krim gefehlt, um das Bild zu vervollständigen. Doch Relotius wurde vorher enttarnt von seinem Kollegen Juan Moreno, der damit seinen Job riskierte und von seinem Freund Mirco Taliercio, einem Fotografen, bei der Recherche unterstützt wurde. Es überrascht nicht, dass nun bekannt wird, wie Relotius seine Rührstücke dazu nutzte, Spenden zu sammeln, die auf seinem privaten Konto landeten. Der Spiegel konnte vorher noch auf „familiäre Betroffenheit“ machen, muss aber jetzt die Staatsanwaltschaft einschalten. Auch unter den Menschen, die mit privaten „Refugees Welcome“-Initiativen von sich reden machten, gibt es schwarze Schafe, die vor allem an sich selbst dachten. Und zwar über jenes Maß hinaus, in dem es alle taten, weil man mit der richtigen „Haltung“ nun einmal toll dasteht. Da sind dann alle böse Rechte, die in alterlinker Tradition empört sind über die Not Obdachloser oder von Hartz IV-Empfängern.

Wenn „Haltung“ aufgezwungen wird, geht es nie um verordnete Mitmenschlichkeit (ohnehin ein Widerspruch in sich), sondern um handfeste Interessen im Hintergrund. Dabei werden Überzeugungen geopfert, die man eigentlich fest etabliert hielt wie die Emanzipation der Frauen. Nun aber sollen sie Kopftücher und die Verhaltensweisen von Männern aus anderen Kulturkreisen als Bereicherung empfinden. Es gab spätestens 2015 eine Zäsur, die gestandene Feministinnen von Anhängerinnen eines Fake-Feminismus trennte, denn Letztere stellten Männer über Frauenrechte. Damit lieferten sie aber andere Frauen einer Gewalt aus, deren Opfer diese Frauen immer wieder werden. Eine solche „Haltung“ wäre undenkbar, wenn es um „einheimische“ Täter geht. Man/frau stelle sich einmal vor, in den sozialen Medien um Verständnis für häusliche Gewalt zu werben oder der Gesellschaft Schuld zu geben, wenn ein Chef ein Angestellte zu vergewaltigen versucht. Man muss genau hinsehen, wer sich hier besonders ins Zeug wirft und wird erkennen, dass Organisationen wie die „Neue Linkswende“ zugleich bei jeder noch so kleinen Demo oder Kundgebung u.a. mit Tafeln präsent sind, um einer No Border – No Nation-Ideologie zu frönen und jede staatliche Ordnung zu kritisieren/zu unterminieren. Nicht von ungefähr wurde in einer Recherche einmal der sektenartige Charakter dieser Gruppe beschrieben.

Kopftuch als Rasse?

 

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Warum Relotius kein raffinierter Fälscher war

Wie konnte es nur jahrelang unentdeckt bleiben, dass der mit Medienpreisen überhäufte Journalist Claas Relotius Geschichten erfindet – diese Frage beschäftigt dieser Tage viele Menschen. Der „Spiegel“ hat nun einen Teil seiner am Freitag erscheinenden Online-Ausgabe frei ins Netz gestellt als Erklärung, die zugleich eine Flucht nach vorne darstellt, da Methoden der Recherche demonstriert werden. Im PDF ist auch davon die Rede, dass Relotius immer dann zu dichten begann, wenn in seinen Texten Musik vorkommt. Dann wird er wohl von 440 Hertz dazu inspiriert worden sein, den geläuterten Gefangenen 440 in Guantanamo zu erfinden; dies als kleiner Beitrag zur Aufarbeitung. Es kommt immer mehr durch, dass Relotius keineswegs so brillant fälschte, wie man zuerst anzunehmen bereit war. Man konnte schon bei kleinen Details stutzig werden, etwa bei seinem Interview mit Traute Lafrenz, die mit 99 Jahren das letzte lebende Mitglied der „Weißen Rose“ ist. Denn vor Relotius sprach Thomas Kittan mit ihr in South Carolina, wo sie zurückgezogen lebt. Da war ihr die AfD zwar vage ein Begriff, doch sie kommentierte deutsche Tagespolitik nicht (und auch nicht amerikanische oder Trump).  Bei Relotius schien sie dann erstaunlich genau informiert, sogar über die Ereignisse von Chemnitz, von denen sie schon wegen der Zeitdifferenz von sechs Stunden nichts wissen hätte können. Außerdem ist es absurd anzunehmen, eine 99jährige, die kein Internet hat, würde alles wie eine twitternde Politikerin verfolgen.

Dass Relotius jetzt aufgeflogen ist, verdankt er seinem Co-Autor bei „Jaegers Grenze„, Juan Moreno. Da der gebürtige Spanier mit seiner Familie in Berlin lebt, Relotius aber am Sitz des „Spiegel“ in Hamburg, sind sie sich praktisch nie begegnet. Daher war Moreno auch nicht von seinem Nimbus gefangen und gegen die sonst typische Überhöhung des Jungstars im Kollegenkreis immun. Bei der Story aus Nordamerika sollte Relotius bei Bürgerwehren an der Grenze recherchieren, während Moreno die Migrantenkarawane auf der mexikanischen Seite begleitete. Es war dann Relotius‘ Aufgabe, alles zu einem gemeinsamen Text zusammenzufügen. Als Moreno dieses Elaborat las, fielen ihm Ungereimtheiten auf: Berge, wo alles flach ist, ein medienscheuer Patrouillenführer, der vor ein paar Jahren im Mittelpunkt der Doku „Cartel Land“ stand, und ein Artikelende zuerst ohne angebliche Schüsse, dann mit. Als er Relotius damit konfrontierte, redete bzw. schrieb er sich geschickt aus de Affäre. Dann aber fand er heraus, dass angeblich geführte Gespräche nie stattgefunden haben, was ihm Personen auch bestätigen, die „zitiert“ wurden. Für Moreno ging es auch um journalistische Integrität, sein Vertrag beim „Spiegel“muss jedes Jahr verlängert werden und er wollte seinen Namen nicht für ein Fake hergeben.  Auf der anderen Seite aber wurde anfangs befürchtet, er sei dem jüngeren Kollegen einfach dessen großen Erfolg neidig.

Juan Moreno 

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Der Fall Relotius: Wenn der Spiegel Fake News eingestehen muss

Die wahrhaft geehrten Journalisten des Jahres sind jene, die keine Auszeichnungen bekamen, denn diese werden für Treue zu etablierten Narrativen in einer bestimmten Blase verliehen. Es hätte nicht besser passen können, dass der „Spiegel“ nun einräumen müsste, dass sein mehrfach preisgekrönter Autor Claas Relotius Geschichten erfunden hat.  Das Magazin muss nun einen Wegweiser online stellen, damit man sich in seinen auch im Kollegenkreis sehr geschätzten Texten zurechtfindet. Um die Peinlichkeit auf die Spitze zu treiben, nahm man eben noch an, Relotius habe wieder einmal eine der besten Stories des Jahres geliefert. Sie passte aber auch zu gut, da es um einen syrischen Jungen ging, und sich die Jury schon z.B. diese Worte zurechtlegte: (sein Bericht sei) „von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz, der nie offenlässt, auf welchen Quellen er basiert.“ doch nun muss die Redaktion eingestehen, dass sie jedes angebliche Detail in Zweifel zieht. Das hat etwas von Lonely Planet, als aufflog, dass Führer in exotische Länder von Personen verfasst wurden, die noch nie dort waren. Relotius stolperte unmittelbar vor einer Preisverleihung u.a. über die Mail einer Janet aus Arizona, die sich beschwerte, dass er über ihre Bürgerwehr schrieb, ohne je vor Ort gewesen (Jaegers Grenze). Pech war auch, dass sein Co-AutorJuan Moreno den Schwindel nicht mitmachen wollte, dadurch aber zuerst in Verdacht geriet, der eigentliche Betrüger zu sein, da ihm der „Spiegel“ lange nicht glauben wollte.

Der „Spiegel“ steht vor einem Debakel, weil manche von Relotius‘ Geschichte (angeblich) Fake-frei und sauber recherchiert, andere aber faktenfrei sind. Und das mit der Recherche sind wieder nur seine eigenen Angaben, wobei er sich mit Erfolgsdruck rechtfertigt. Man will die Leser nun mit „Qualitätssicherung“ beruhigen, die zwar individuelle Märchen verhindern kann, aber nicht z.B. gegen NATO-Narrative schützt. Nun bittet man all jene Menschen pauschal um Entschuldigung, die durch seine Erfindungen verletzt wurden. Doch wie das Beispiel von Fergus Falls in Minnesota zeigt, wurden Hinweise nicht einmal ignoriert, denn eine Bewohnerin reagierte auf Twitter, als der „Spiegel „die Geschichte im Frühjahr 2017 veröffentlichte. Relotius hielt sich drei Wochen in der 13.000 Einwohner-Stadt auf, um eine „typische“ amerikanische Kleinstadt in der Ära Trump zu porträtieren. Echte Menschen, die keineswegs so provinziell waren, wie er es sich erwartete, gaben aber nichts her, sodass er kaum mit ihnen redete und sich Biografien und Geschehnisse aus den Fingern saugte. Die Leute in Fergus Falls waren fassungslos über die über sie verbreiteten Lügen, aber auch darüber, dass sie mit der Wahrheit keine Chance beim Spiegel hatten.

Diskussion auf Twitter 

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Das ist der wahre Relotius

In Wahrheit besteht die Lüge beim mehrfach preisgekrönten Hochstapler Claas Relotius darin, dass er seine Geschichten so portionierte und es nicht wagte, alles an einem Stück zu erzählen. Das hätte sich dann allerdings auch auf das Honorar und die Preise ausgewirkt, wie ja auch Geheimdienst-Überläufer gut beraten sind, ihre Infos häppchenweise anzubieten, um im Geschäft zu bleiben. Hier nun exklusiv die ganze Wahrheit:

Die Mexikanerin Maria aus Fergus Falls, Minnesota, schloss sich dem Islamischen Staat an, weil sie sich dank Trump und Obamacare keine neue Niere leisten konnte. Ihre Aufgabe war, Teenager gehirnzuwaschen, die sie als Löwenjungen bezeichnete. Einmal wurde sie in die Türkei geschickt, wo sie ein syrisches Mädchen sah, das als Kindersklavin in einer Fabrik arbeitete und von Angela Merkel träumte. Mohammed aus dem Jemen, der in Guantanamo geläutert wurde, nahm das Mädchen zur Frau und ging mit ihm nach Deutschland, wobei das Schlepperboot fast kenterte.

Diskussion auf Twitter

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Christian Kern schreibt zum Abschied einen Brief

Nachdem Christian Kern angekündigt hat, als SPÖ-Chef zurückzutreten, entschuldigt er sich per Brief an die Mitglieder und auf Facebook für das Chaos der letzten Tage. Man merkt gleich an den ersten Worten, wie sehr ihn getroffen hat, dass Behauptungen in die Welt gesetzt und medial kolportiert wurden, die ihn unter Zugzwang setzten: „In der Politik steht häufig Nebensächliches im Zentrum. Posten und Privilegien, Gerüchte, Intrigen und immer wieder die Frage, wer mit wem kann, oder eben nicht.“ Man sagt ihm nach, dass er versuchte, neue Leute zu fördern; andererseits wurden im Wahlkampf Personen beigezogen, die anderen politischen Lagern angehören. Am Ende konnte er dann kaum mehr jemandem trauen, weil Vertrauliches in verzerrter Form weitergegeben wurde. Kern beteuert in seinem Brief, dass es ihm stets um Inhalte und nicht im Posten gegangen sei: „Mein Antrieb für Politik war das nie. Ich habe Politik immer als Möglichkeit und Auftrag verstanden, zu gestalten. Gestalten im Einsatz für diejenigen, die selbst nicht die Möglichkeit dazu haben. Weil sie nicht über genug Einfluss oder Geld oder einfach nur Zeit verfügen. Für diese Menschen sollte die Politik meiner Meinung nach da sein. Um für sie das Leben einfacher und besser zu machen, um ihnen und ihren Kindern mehr Chancen und Möglichkeiten im Leben zu geben.“

Kern gibt sich demütig, was aber die Frage aufwirft, welche Chancen er nicht genützt hat: „Es war für mich eine riesige, unbeschreibliche Ehre und ein ganz besonderer Höhepunkt in meinem Leben, Vorsitzender dieser im besten Sinn einzigartigen Partei zu werden. An der Spitze dieser Bewegung zu stehen und diese große, stolze Partei von dieser besonderen Position aus mitzugestalten, wird bis zur letzten Sekunde in diesem Amt eine Herzensangelegenheit für mich sein.“ Kritiker meinen, dass er dann Selbstlob betreibt, indem er den pluralis majestatis verwendet; „In der Zeit an der Spitze unserer Partei und auch als Bundeskanzler Österreichs haben wir viele Fortschritte im Zeichen sozialdemokratischer Politik für unser Land gemacht.“ Kern führt dann Maßnahmen an, die in seine Zeit als Bundeskanzler fielen, von der Abschaffung des Pflegeregresses über Forschungsförderung bis zur Aktion 20.000 für ältere Arbeitnehmer. Für manche – auch in den Medien – klingt all dies sehr nach „Selbstlob“, doch warum sollte Kern keine Inhalte anführen? „All diese genannten Maßnahmen und viele weitere in meiner Amtszeit plus die kluge und umsichtige Politik meines Vorgängers Werner Faymann haben dazu geführt, dass Österreich deutlich besser durch die Finanzkrise gekommen ist als nahezu alle anderen europäischen Länder und heute so stark ist wie wohl noch nie zuvor“, schreibt Kern und bringt damit Anhänger des weggemobbten Faymann auf die Palme.

Kern auf Facebook

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Verfassungsschutz: Hilfe, die Russen kommen!

Zu den Nachwehen des Besuchs von Präsident Putin bei der Hochzeit von Außenministerin Kneissl gehört ein umso stärkerer Russland-Spin gegen die Bundesregierung in den Medien. Es wäre ja angebracht, über Sozialabbau und manche Ansichten zu diskutieren, doch was jetzt versucht wird, ist ziemlich durchsichtig. Da wird von einer „merkwürdig russophilen“ FPÖ gesprochen und gleich eine gezielte Demontage des Verfassungsschutzes vermutet, der auch bisher keine Spionage abwehrte. Anhaltspunkt und Rettungsanker ist ein Artikel in der „Washington Post“, wonach das BVT keine Geheimdienstinfos mehr bekomme. Gemeint sind wohl u.a. jene der CIA, die der WP nicht nur wegen Verflechtungen mit Amazon mehr als nahesteht (ironischer Weise gibt es neben dem „Standard“-Bericht Werbung für Alexa von Amazon). DIe erzeugte Hysterie ist ansteckend, sodass vernünftige Userpostings wie dieses in der Minderheit bleiben: 

„darum geht es, der versuch der lenkung öffentlicher meinung durch selektive ‚freigabe‘ von information, ein gatekeeper der weiss welche medien staatsdiktionen apportieren und das so aufbereiten (‚Keine sensiblen Infos mehr an Österreich wegen BVT-Affäre‘), dass user für entsprechende reaktionen getriggert werden und multiplikatoren werden.. aber warum österreich? wir sind nicht nato-mitglied.“ Man mag zur „weltpolitischen“ Hochzeit stehen, wie man will, aber hier werden Narrative kreiert, um uns alle zu Spottdrosseln zu machen, englisch „Mockingbirds“, wie eine CIA-Medienoperation genannt wurde. Wir sollen auch falsche Basics unreflektiert nachplappern, etwa wenn aus der Sicherheitsbehörde Verfassungsschutz ein Geheimdienst gemacht und übersehen wird, dass Infos von anderen immer mit Hintergedanken und nie uneigennützig gegeben werden. Ein besonders krasses Beispiel ist das Verhindern des Verhinderns des Terroranschlags vor Weihnachten 2016 in Berlin, weil die CIA Anis Amris Kommunikation mit dem IS in Libyen noch weiter verfolgen wollte. Warum werden in Deutschland und Österreich viele sogenannte Gefährder nur beobachtet, ohne dass man etwas unternimmt / unternehmen darf, sollte man da fragen.

Der „Standard“ auf Twitter Verfassungsschutz: Hilfe, die Russen kommen! weiterlesen

Offener Brief an die Chefredakteure

Bereits bei Schwarzblau nach der Jahrtausendwende befürchteten die Medien, dass in den Redaktionsstuben aufgeräumt werde, um den damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider zu zitieren. Aktuell wird die Sorge um die Pressefreiheit festgemacht an Aussagen von Innenminister Herbert Kickl im ORF-Report am 26. Juni mit Kritik an „gewissen Medien“, die immer wieder etwas in der BVT-Affäre ans Licht zerren. Kolportiert wurde im weiteren auch,  dass „mehreren Quellen“ zufolge im BMI darüber gesprochen worden sei, Durchsuchungen in Redaktionen vorzunehmen. Das geht natürlich absolut gar nicht, auch wenn Medien mitunter fragwürdig arbeiten, denn es würde Willkür Tür und Tor öffnen; was auch immer in der Presse schief läuft, muss man anders und zwar offen diskutieren. Als verständliche Reaktion wehren sich nun  Chefredakteure gegen Einschüchterungsversuche und veröffentlichen ihre Stellungnahmen auch sozusagen crossmedial, was wie üblich in der Twitterblase verstärkt wird. Sie erwecken damit aber den Eindruck, dass bisher unerschrocken und ohne Tabus recherchiert wurde und dass man eh unabhängig sei – meine Erfahrungen sehen aber ganz anders aus, sodass ich die Herren und eine Dame beim Wort nehme und mit einem offenen Brief antworte:

Sehr geehrte Chefredakteure und -in!

Einer von Ihnen, Martin Kotynek vom „Standard“, schreibt: „Dort nachzusehen, wo Dinge im Dunklen geschehen; dort zu recherchieren, wo es gilt, die Mächtigen zu kontrollieren; dort nachzufragen, wo Zusammenhänge unklar sind, um die Menschen zu informieren. Das ist der Job von Journalisten. Dafür gibt es die Pressefreiheit, sie erlaubt Redaktionen zu arbeiten, ohne Repressalien der Mächtigen fürchten zu müssen. Eine freie Presse ist die Basis für eine starke Demokratie. Nach den Entwicklungen von vergangener Woche ist unklar, ob alle in der Regierung dieses Prinzip verstanden haben.“ Ich frage mich da, ob Sie selbst verstanden haben, worum es dabei geht, denn ich kann nicht als einzige zzahlreiche Themen nennen, wo sie dieser Richtschnur nicht folgen, einseitig sind, Dinge verzerrt darstellen oder überhaupt ignorieren. Nun ist jede Berichterstattung auch Zensur insofern, als dass aus Sicht der Redaktion Wesentliches herangezogen wird, man aber niemals alles erwähnen kann und so betrachtet auch keiner Sache und keiner Person je ganz gerecht wird. Das sollte aber dadurch kompensiert werden, dass dieses Medium jenes Detail bringt und ein anderes eben etwas anderes innerhalb einer Rahmenerzählungen, sodass mit Querlesen und -hören ein einigermaßen komplexes Bild entsteht.

Ingrid Brodnig auf Twitter

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Sind die Identitären eine kriminelle Vereinigung?

Setzt sich die Staatsanwaltschaft Graz selbst ins Unrecht, wenn sie Anklage gegen 17 Identitäre erhebt, denen sie u.a. Sachbeschädigung, Verhetzung, Nötigung, vor allem aber die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorwirft? Schließlich kann man dann – nüchtern betrachtet – zu einer ähnlichen Einschätzung anderer Gruppierungen kommen, die sich mit manchmal missionarischem Eifer für etwas einsetzen bzw. etwas anderes vehement ablehnen. Vor allem aber wird jetzt entschieden, wer in Zukunft die Deutungshoheit hat bzw. ob wir überhaupt weiterhin in solchen Begriffen denken sollen. Denn Vorwürfe gegen die Identitären bauen auf deren Aktionismus auf, den man in dieser Form bisher nur „links“ kannte, sodass hier schon mal Methoden streitig gemacht wurden, mit denen man Aufmerksamkeit erregt. Was ihre Positionen betrifft, befinden sie sich in Übereinstimmung mit geltendem Recht, das jedoch spätestens seit Sommer 2015 von einer koordiniert agierenden „Zivilgesellschaft“ mit großem Einsatz in Frage gestellt wird. Dies müsste den Verfassungsschutz, auf den sich alle so gerne berufen, mindestens ebenso sehr interessieren wie die Identitären, zumal es hier um den Einfluss transatlantischer Stiftungen geht.

Das Vorgehen gegen die Identitären, zu dem auch Hausdurchsuchungen vor ein paar Wochen gehörten, erinnert an die Kriminalisierung des Vereins gegen Tierfabriken, aus der die Justiz offenbar nichts gelernt hat. Außerdem passt sie gut zum BVT-Untersuchungsausschuss, weil dieser sich auch damit befassen wird, nach welchen Vorgaben und mit welchen Zuträgern das Extremismusreferat beim Verfassungsschutz arbeitet. Der Begriff „Verfassungsschutz“ wird ohnehin ad absurdum geführt, wenn selbst einfache Internetuser, die sich zur Verfassung und zum Schutz territorialer Integrität bekennen, sls „Nazis“ und „Rechte“ beschimpft werden können, das aber im BVT-Umfeld angeblicher Gegner von „Hass im Netz“ nicht weiter auffällt. Es treten stets die üblichen Muster in Erscheinung, was sich u.a. im Einsatz der Chefin der Grazer Grünen Tina Wirnsberger zeigt, deren Partner Michel Reimon einer von vielen „verlässlichen Verbündeten“ des George Soros im EU-Parlament ist und der in der FPÖ Putin-Trolle sieht. Von (anderen) ehemaligen Grazer Grünen ist zu erfahren, dass die Partei vor Ort sachpolitisch auslässt, was nicht verwundert, wenn man weiß, dass die Grünen gezielt transatlantisch unterwandert und auch kalkuliert via Peter Pilz aus dem Parlament geschossen wurden.

Die Grazer Grünen

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