Coup Teil 37: Wenn Gusenbauer über Leichen geht

Die SPÖ freut sich über eine einstweilige Verfügung gegen Sebastian Kurz – nun darf er sie, Tal Silberstein und dessen Umfeld nicht mehr mit Ibizagate in Verbindung bringen. Das kann aber nicht verhindern, dass man sich fragt, welche Rolle Ex-Parteichef Alfred Gusenbauer immer noch spielt. Eine Meldung aus dem Jahr 2008 macht dies auf den ersten Blick deutlich: „Kanzler-Sprecher Stefan Hirsch bestätigte, dass die Familie Gusenbauer gegen ‚Österreich‘ ‚umgehend juristische Schritte eingeleitet‘ hat. Medienanwalt Michael Pilz hält die ‚Österreich‘-Berichterstattung über die Kanzlertochter für eine ‚Sauerei‘.“ Auch heute schürt Wolfgang Fellner Stimmung, Stefan Hirsch ist SPÖ-Kommunikationschef (und setzt Pamela Rendi-Wagner eher schräg in Szene), und Michael Pilz erwirkte die einstweilige Verfügung gegen Kurz. Geheime Justizakten, aus denen der „Falter“ gerade zitiert, schlagen eine Brücke von Gusenbauer-Silberstein-Wahlkämpfen gegen die Eurofighter zum U-Ausschuss 2017, bei dem Peter Pilz feststellte: „Gusenbauer hat Darabos politisch geopfert.“ Er vergaß nur darauf, dass es genau so mit Gusenbauer, Hans Peter Doskozil und Silberstein ausgeschnapst war. Bekanntlich zeigte Pilz Darabos am 22. Juni 2017 wegen des Eurofighter-Vergleichs an (der in Wahrheit auf die Kappe Gusenbauers geht), was ihm die Grünen aber am 25. Juni nicht mit dem gewünschten Listenplatz honorierten

So kam es zur Kandidatur als Liste Pilz, die später in Jetzt umbenannt zuerst Misstrauen gegen Kanzler Sebastian Kurz forcierte und dann mit dem Neuwahlbeschluss lieber zuwarten wollte. Gerade löst sich das Pilz-Projekt rapide auf, weil Mandatare abhanden kommen; seine Schuldigkeit hatte es aber schon mit dem Aufrechterhalten des Eurofighter-Narrativs getan. Bis zuletzt verbreiten Medien bereitwillig Pilzsche Lügengeschichten: „Nach dem Abgang von den Liste Jetzt-Mandataren Alfred NollStephanie CoxBruno Rossmann und Wolfgang Zinggl wird Alma Zadic für die Grünen kandidieren. ‚Menschlich war ich noch nie so enttäuscht‘, sagt Peter Pilz gegenüber dem KURIER. Über ihre Entscheidung war der Aufdecker mehr als ‚überrascht‘. Denn vor wenigen Tagen hatten sich die beiden noch geeinigt, dass Zadic neben ihrer Tätigkeit im Parlament eine Anwaltskanzlei  gründen will. ‚Bei diesem Gespräch habe sie dezidiert ausgeschlossen, für die Grünen zu kandidieren‘, so Pilz.“ Es handelt sich um jene Zeitung, die ihn und Doskozil gegen Airbus unterstützte und für Drohungen gegen Darabos zur Verfügung stand. Freilich wurde auch seine Kooperation mit Doskozil gegen Darabos und Airbus immer seltsamer und Pilz äußerte bald sich lieber zur BVT-Affäre, die ja schließlich auch andere beackerten.

Der „Falter“ neu zu den Eurofightern

Pilz war gerade noch gefragter Gesprächspartner und wurde eben noch gemeinsam mit Rendi-Wagner für ein Puls 4-Sommergespäch angekündigt: „Die Ausgangssituation ist so unberechenbar wie nie: Wer geht mit welchen Themen in den Wahlkampf? Erwarten uns weitere Enthüllungen und ein schmutziger Wahlkampf? Wer kann sich mit wem nach der Wahl eine Koalition vorstellen?“ Diese Fragen könnten sich noch als prophetisch erweisen, ohne dass Pilz den (Pseudo-) Aufdecker spielen kann. Wie eng Pilz mit der Gusenbauer-Agenda verwoben war, konnte man besonders deutlich 2006 und 2007 um das Eurofighter-Thema erkennen. Das brachte mit sich, dass SPÖ-Wahlkampfmanager Norbert Darabos „das große Los“ mit dem Verteidigungsressort ziehen musste. Dabei wurde jedoch unterbunden, dass er das Amt verfassungsgemäss ausübt, was im U-Ausschuss mit Pilz als Vorsitzendem auch zugedeckt wurde. Wenn man bedenkt, dass Rendi-Wagner als Quereinsteigerin in die Politik kam und Gusenbauer als Mentor der Regierung Kern fungierte, ahnen wir weitere Querverbindungen. Kaum dass sich Schwarzblau 2002 für Eurofighter Typhoon statt F-16 oder Saab Gripen entschieden hatte, warfen sich Gusenbauer-SPÖ, Pilz-Grüne und Einzelkämpfer Rudi Fussi in die Schlacht. Fussi fanden wir bei Fellner als regelmäßiger Gast und bei der SPÖ als „Berater“ wieder, zuletzt 2017 mit Silberstein; 2003 erstattete er eine bizarre Anzeige gegen die gesamte Regierung wegen der Jets (siehe Medienberichte vom 27.10.2003). Dabei half ihm Anwalt Thomas Höhne, dessen Kanzleipartner Heinrich Vana Gusenbauer am 20. Juni 2017 in den U-Ausschuss begleitete. 2017 bedrohte Fussi eine für Silberstein angeheuerte Übersetzerin, was zu einem Gerichtsverfahren führte, das mit Freispruch endete.

Fellner mit Pilz

Bei Ibizagate lenken u.a. Fellner und Gert Schmidt (Novomatic-affin) die Aufmerksamkeit weg von den Gusenbauer-Netzwerken hin zur ÖVP. Deshalb wird auch als kleiner Sieg gefeiert, dass die Türkisen nun keine Vermutungen mehr anstellen bzw. auf bestehende Verbindungen hinweisen dürfen. Im „Sozialfighter statt Eurofighter“-Wahlkampf mischte auch Gabriel Lansky mit durch die Fundraising-Initiative „Change ’06„, deren Sitz bei der Österreichisch-Israelischen Handelskammer in Wien-Innere Stadt war (warum soll der Rechnungshof eigentlich nicht die Bücher der SPÖ Einsicht nehmen?). Sowohl Ibizagate-Anwalt Ramin Mirfakhrai als auch Michael Pilz waren einmal Konzipient bei Lansky, auch zu Eurofighter-Staatsanwalt Michael Radasztics gibt es eine Verbindung. Der Wahlkampf 2006 war eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Darabos nun aus der Politik eliminiert wurde, und das, wo er auch guter Stratege gilt, weil damals der Druck auf ihn begann und dies der Omerta unterliegt. Gusenbauer sah ihn aber eher als eine Art Laufburschen, der ein unmögliches Wahlversprechen einlösen sollte; als das nicht mit normalen Verhandlungen (Finanzprokuratur) praktikabel war, pfuschte er dazwischen, übernahm aber nicht die Verantwortung. Wahrscheinlich machten sich Gusenbauer und Silberstein zunächst wenig Gedanken über einen Ex-Zivildiener als Heeresminister, stellten dann aber fest, dass Darabos kein Lakai fremder Geheimdienste sein will. Deshalb wurde er abgeschottet, totalüberwacht, unter Druck gesetzt und man gab illegale Befehle über Kabinettschef Stefan Kammerhofer. Wenn nun Hannes Jarolim die Korruptionsstaatsanwaltschaft ins Visier nimmt, lässt dies tief blicken: „Kritik an ’skandalöser Vorgangsweise‘ gegen Ex-Kanzler Gusenbauer“.“

Silberstein ist tabu: Einstweilige Verfügung gegen Kurz

Denn wie der Rest der Fraktion hat er kein Problem damit, Darabos zum Bauernopfer zu machen und er sah auch im 1. U-Ausschuss weg. 2017 wurde über Novomatic berichtet: „Stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bleibt Martina Flitsch, Kanzleipartnerin des SPÖ-Justizsprechers Hannes Jarolim. Die beiden anderen Aufsichtsrätinnen sind die Wiener ÖVP-Gemeinderätin Barbara Feldmann und Martina Kurz.“ Auch Gusenbauer darf nicht fehlen: „Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) berät Novomatic seit einigen Jahren in Südamerika und Osteuropa und war auch Aufsichtsrat der deutschen Tochter Löwen Entertainment.“ Novomatic-Eigentümer Johann Graf ist natürlich auch mit Rene Benko vernetzt, der sich auch von Gusenbauer beraten lässt und diesen seit 2004 kennt. Warum wurde ein Gusenbauer-/Novomatic-freundliches Ibizagate-Narrativ via Gert Schmidt kreiert? Immerhin erwähnte Heinz Christian Strache in der uns bekannten Sequenz Unternehmen wie Glock, Novomativ, Strabag oder Signa – und Gusenbauer ist mit den drei Letztgenannten verbunden. Wir wissen, dass Gusenbauer mit Tal Silberstein und Beny Steinmetz selbst ins Glücksspielbusiness einsteigen wollte, Steinmetz mit Benko bekannt machte und dass Silberstein einmal mit Leo Specht als Anwalt die Casinos Austria klagte. Specht ist jener Gusenbauer-Freund, der Helmut Koziol für Eurofighter-Verhandlungen empfahl und der im Herbst 2008 eine Projektentwicklungs- und Beteiligungs GmbH für Gusenbauer einrichtete.

Mit Gusenbauer um die Welt

Ist Gusenbauer immer noch alles, was zählt? Wir erinnern uns, dass Kern Gusenbauer nicht böse sein durfte, weil dieser ihm Silberstein eingebrockt hatte – und Gusenbauer bis November 2017 Präsident des Renner-Instituts blieb, was vor ihm an den Parteivorsitz gekoppelt war. Außerdem bestimmte nicht Kern, wer Direktorin wird: „Im Sommer (2016) stirbt der allseits respektierte Direktor der SPÖ-Parteiakademie, Karl Duffek. Kern will die Chance für eine Totalreform des Partei-Thinktanks nutzen und Barbara Blaha als Duffeks Nachfolgerin installieren. Doch Alfred Gusenbauer, zu dieser Zeit Instituts-Präsident, legt sich quer. Blaha hatte ihm als Kanzler das Leben schwer gemacht. Die ehemalige ÖH-Vorsitzende war öffentlichkeitswirksam aus der SPÖ ausgetreten, nachdem Kanzler Gusenbauer die Studiengebühren nicht abgeschafft hatte. Kern kann sich nicht durchsetzen und sucht Ersatz, ehe er seine Kabinettschefin Maria Maltschnig ins Renner-Institut schickt. Die Arbeiten für das neue Parteiprogramm werden still entsorgt, stattdessen beginnt die Tätigkeit an Kerns persönlichem Programm, dem ‚Plan A‘. Es ist Herbst 2016, und in dieser Zeit fällt auch eine weitere folgenschwere Entscheidung, die Alfred Gusenbauer mitbestimmt. Er empfiehlt Kern seinen alten Wahlkampfchef aus Israel, Tal Silberstein.“ Heute wissen wir, dass nicht nur Silberstein, sondern auch Fussi an der „Plan A“-Rede mitwirkte und dass die Mitterlehner-ÖVP (so vereinbart?) bereit war, die Koalition nachzuverhandeln (= Erfolg für Kern). Gusenbauers Tarockpartner Mitterlehner kam damals mit Katia Wagner in Kontakt, heute „Krone“-Moderatorin und Ex von Anwalt Mirfakhrai. Wie in Coup Teil 35 ausführt, könnte auch die Publikation eines Mitterlehner-Buches mit einer „Falter“-Redakteurin zum Vorlauf von Ibizagate gehören (mehr zu Gusenbauer 2006, 2007 und danach siehe Teil 36). 

Der Falter anno 2007

Als Ex-Vizekanzler war Mitterlehner am 12. Juli 2017 der letzte Zeuge im U-Ausschuss, was zugleich das Ende der Kooperation zwischen Pilz und Grünen markierte, da man den Ausschuss noch abarbeitete. Und er wurde gelobt, wie es sonst nur Doskozil erging: „‚Sie waren der einzige verantwortliche ÖVP-Politiker, der beim Eurofighter-Kauf die Interessen der Republik Österreich vertreten hat‘: Ausgerechnet der ansonsten unerbittliche Noch-Grüne Peter Pilz fand am Mittwoch zum Finale des Untersuchungsausschusses ungewöhnlich milde Worte für einen Zeugen. Adressat der Huldigung war mit Reinhold Mitterlehner der jüngst abgetretene Wirtschaftsminister und VP-Obmann.“ Wie üblich verkaufte Pilz von ihm aufgestellte Behauptungen als erwiesene Tatsachen: „Peter Pilz – noch von den Grünen – sagt, dass es einen Deal zwischen SPÖ und ÖVP gegeben habe. Die SPÖ habe den Kanzler bekommen, dafür habe die SPÖ Eurofighter geschluckt. Darabos habe den Vergleich dann schlecht verhandelt. Die Hauptschuld am Debakel liege aber nach wie vor bei ÖVP und FPÖ, dies seien die ‚Eurofighter-Parteien‘.“ Darabos beauftragte den heutigen Innenminister Wolfgang Peschorn, doch Kammerhofer teilte ihm mündlich mit, dass er nicht mehr an Bord sei – ausgerechnet am 24. Mai 2007, als Gusenbauer Bill Clinton zu Gast hatte, der auch für Boeing und Lockheed Vorträge hielt und mit Lobbying verbandelt ist.

Der „Falter“ für Pilz und gegen Eurofighter

Reinhard Bösch von der FPÖ sprach einen interessanten Punkt an: „Ein Dokument ist die Aussage Darabos vor dem U-Ausschuss, wonach Mitterlehner ihm erzählt hat, dass viele Gegengeschäfte vorgeschoben seien. Mitterlehner: ‚Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das im Rahmen einer Sitzung mit ungarischen Kollegen vorgebracht habe. Das macht keinen Sinn.‘ Darabos habe mit den Gegengeschäften nichts zu tun gehabt. ‚Was soll das für mich für einen Sinn ergeben.‘ Er könne nicht beurteilen, ob Darabos hier nicht die Wahrheit gesagt habe. Ihm sei das jedenfalls nicht in Erinnerung.“ Da denkt man unweigerlich an den Strabag-Lobbyisten Zoltan Aczel, der Fîrmen mit Alexander Zach betreibt, dem Gusenbauer 2006 ein Mandat angeboten hatte. Es heißt, die NEOS kamen 2015 über Aczel zu Gratis-Beratung von Tal Silberstein, der für Kultusgemeinde-Mitglied Aczel „wie ein Bruder“ sei; ihm wurde das Ibiza-Material im Sommer 2017 angeboten. Ebenso Johannes Vetter, einem Liberalen, der als Folge des Wahlkampfes 2015 sozusagen im Schlepptau von Silberstein bei Kern landete und den Wahlkampf nach dem Ausscheiden von Stefan Sengl leitete (suiehe Teil 35). Während Silberstein u.a. wegen Geldwäsche verhtftet wurde, saß Aczel zeitweise als Lobbyist in ungarischer U-Haft. Er stand 2006 bei uns im Mittelpunkt von Vorwürfen: „Sie bezogen sich auf die Lobbying-Agentur Eurocontact, die er gemeinsam mit dem ehemaligen Liberales-Forum-Parlamentsabgeordneten Alexander Zach betrieb. Der Baukonzern Strabag soll sich gezielt der Eurocontact bedient haben, um Kontakt zu ungarischen Parteien zu suchen. Ein Korruptionsverfahren gegen Strabag-Gründer Hans Peter Haselsteiner wurde 2013 eingestellt. Bis heute ist Aczél für die Strabag als Berater tätig, wie profil vorliegende Aufträge belegen.“

Kern-Berater Fussi und Video-Kenner Daniel Kapp

Zach und Aczel müssen nicht einmal werben: „Die Lobbying-Agentur ‚ACZ Beratungs GmbH‘ in der Wiener Innenstadt ist nur Eingeweihten bekannt; sie hat nicht einmal eine Website. Doch das Unternehmen muss nicht über Kundenmangel klagen. Es liefert Orientierungshilfe für österreichische und internationale Konzerne im Dickicht der Politik und Märkte Osteuropas. Die ACZ wird von zwei Geschäftsleuten betrieben, die in derlei Dingen Erfahrung haben: dem ungarischstämmigen Wiener Zoltán Aczél sowie Alexander Zach, ehemals Nationalratsabgeordneter des Liberalen Forums (LIF).“ Und es wird ergänzt: „In Österreich jedenfalls sorgten die Geschäfte des Zoltán Aczél auch schon früher für Kontroversen – nicht nur im Zusammenhang mit der Strabag. Im Jahr 2007 etwa berichtete profil, dass Aczél und Zach 2003 für Eurofighter lobbyiert haben. 2009 berichtete profil weiters, dass sich auch Ex-ÖVP-Innenminister Ernst Strasser (inzwischen wegen einer anderen Korruptionscausa verurteilt) nach seiner Ära als aktiver Politiker am Unternehmen von Aczél und Zach beteiligt hatte.“ Gusenbauer ließ sich übrigens nie als Lobbyist registrieren, gilt aber schon allein wegen seines Ukraine-Engagements als einer. Zu U-Ausschuss-Aktionen gehört auch, EADS-Spenden an die SPÖ ausfindig machen zu wollen, allerdings wird die Gusenbauer-Vertraute Ex-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures nie mit Fragen behelligt. Dabei war sie und nicht Darabos damals für die Parteifinanzen zuständig; man machte aber viel Tamtam darum, dass er sich beim SK Rapid engagierte, wo man ihn auf der VIP-Tribüne antreffen konnte (im November 2016 warf man ihn hinaus, während Pilz blieb). 

 

Doskozil folgt Darabos bei Rapid

Was aber, wenn die Gusenbauer-Schiene zu den Liberalen eine andere Möglichkeit  darstellt? Und man denke an Change ’06 nicht nur mit Gabriel Lansky, sondern auch mit Andreas Rudas: „Am Dienstag sagten Andreas Rudas, ehemaliger Magna-Vorstand und Lorenz Fritz,ehemaliger IV-Generalsekretär, aus – beide konnten oder wollten aber keine Hinweise zu Eurofighter-Geldern an Parteien geben. Sowohl Magna als auch die Industriellenvereinigung sind an den Vier-Milliarden-Euro-Gegengeschäften für die Kampfjets interessiert.“ Dieser Bericht vom 12. Juni 2007 leitet wieder das Finale eines U-Ausschusses ein; danach wurde am 13. Juni aber noch Abwehramtschef Erich Deutsch befragt, der zugab, dass Kammerhofer nie sicherheitsüberprüft wurde. Und schließlich Darabos zum zweiten Mal (nach dem 7. Mai 2007), der wieder von Kammerhofer beeinflußt wurde, wogegen Maria Fekter vergeblich beim Vorsitzenden Pilz Protest erhob. Rudas war einmal SPÖ-Zentralsekretär gewesen; 2002 wurde seine Nichte Laura Bundesgeschäftsführerin, deren Vater Stephan das SPÖ-Schweigekartell stets mit aufrechterhielt. Später wechselte sie zur CIA-Gründung Palantir (2013 spielte sie noch „Aufpasserin“ für Darabos); 2008 begleitete sie Günther Kräuter, der wie Jarolim im U-Ausschuss geflissentlich wegsah. Ihr Partner Markus Wagner hat mit Eveline Steinberger-Kern und Niko Pelinka das Innovation Club Network gegründet, an dem sich auch Anwalt Michael Pilz (via Cielo Privatstiftung) beteiligt.

Die Gusenbauer-Pilz-Farce 2017

Dass man bei den Eurofightern ermittelt muss, ist ein Narrativ, das SPÖ und Grüne/Jetzt pflegten. Nun wird offenbar, dass die Justiz damit komplett überfordert und man von einer Anklage noch weit entfernt ist. Das gilt umso mehr für erst vor zwei Jahren angestrengte Verfahren (Airbus und Darabos) und wirft die Frage auf, warum man – für den „Wirtschaftskrieg“ zwischen den USA und Europa – überhaupt langwierige Verfahren und teure Gutachten braucht. Oben sehen wir, wie Fellner (nicht als Einziger) noch suggeriert, Pilz ĥabe im Juni 2017 lange überlegt, wen er anzeigen soll, dabei war abgemacht, dass Darabos Gusenbauer geopfert wird. Denn von Gusenbauers Ukraine-Lobbying (mit den Lockheed- und Boeing-Lobbyisten Podesta Group) engagierte Doskozil FTI Consulting und Skadden für „seinen“ Krieg gegen Airbus, was auf den wahren Ausgangspunkt hinweist. Skadden finden wir übrigens – wie die Beny Steinmetz Group – auch bei Rene Benko wieder, noch so ein Gusenbauer-Zufall. Vielleicht kommt Karl Heinz Grasser bekannt vor, was man auch puncto Darabos und Airbus feststellen kann –  Hauptsache, es gibt ein Verfahren, egal wie es um die Substanz bestellt ist; als Damoklesschwert reicht es. Dazu tragen auch mittlerweile drei U-Ausschüsse mit Berichten bei, die 2017 und 2019 von Verfahrensanwalt Ronald Rohrer stammten und einem gängigen Narrativ folgten. Dass Darabos abgeschottet wurde und z.B. mit dem Chefverhandler von 2003 Edwin Wall nie reden durfte, wurde zwar deutlich, sollte aber keine Rolle spielen. Es ist im Gegenteil so, dass ich mittels Justiz eingeschüchtert, vefolgt und schwer in meiner Existenz und meinen Rechten geschädigt werde, weil ich diese untragbaren Zustände thematisierte und dafür auch Zeugen nannte, Anzeigen erstattete. Aus dem 1. Ausschuss 2007 unter Vorsitz von Pilz ist weiß man, wie sehr Zeugen attackiert wurden (unter ihnen Wall); auch beim 3. Ausschuss wurde so beständig abgelenkt mit der Unterstellung, jeder müsse irgendwie bestechlich gewsen sein, der den Eurofighter bevorzugte. 

Fussi und Gusenbauer

Darabos musste 2007 bei seinen beiden Auftritten Kammerhofer als „Vertrauensperson“ mitnehmen, der ihm auf Schritt und Tritt folgte und ihm jede Antwort vorsagte, wie Maria Fekter kritisierte (man kann im Protokoll auch nachlesen, wie Pilz Darabos abkanzelte). Am 1. Juni 2017 war Michael Pilz „Vertrauensperson“, dessen Geschäftspartner Stefan Sengl da gerade den Silberstein-Wahlkampf leitete. Tags darauf wurde Darabos genau getimt von Meinhard Lukas belastet, der als JKU-Rektor von den Grünen unterstützt wurde und jetzt mit den Kern-Firmen (an denen Haselsteiner, Gusenbauer, Schlaff usw. beteiligt sind) einen Innovation Hub aufzieht. Man sollte meinen, dass ein Ex-Manager wie Christian Kern sich für Doskozils Krieg gegen Airbus interessierte, doch weit gefehlt. Am 27. Juli 2017 (also nach der Produktion des Ibiza-Videos) wurde berichtet, dass Kern aufgrund von Erfahrungen für eine außergerichtliche Einigung sei; das war es dann aber auch schon. Auch Mitterlehner hatte, als er noch im Amt war, nichts gegen diese abenteuerliche Vorgangsweise einzuwenden. Der weitere Gusenbauer-Verbündete Pilz tönte bei der Befragung: „Wir können beweisen, dasses sich bei den Gegengeschäften um einen organisierten Betrug handelt. Wir haben Hinweise, dass Berater des Wirtschaftsministeriums als Beihelfer involviert waren. Man müsse sich genau überlegen, was nun die politischen Konsequenzen seien. Wichtig sei aber eine ‚radikale Reform des Beschaffungswesen‘. Mit dem jetzigen Verteidigungsminister Doskozil habe man da einen ‚hervorragenden Partner.'“ Er vergaß, dass er 2016 einen Pakt mit Doskozil einging, der sich gegen Airbus und gegen Darabos richtete, den man als Bauernopfer brauchte.

Pilz am 3. Juli 2019

Mitterlehner war ganz auf Pilz-Linie: „Jedes Gebrauchtauto hat einen längeren Benutzungsspielraum“, da die Jets jetzt nur zehn Jahre geflogen sind, es aber Doskostilok ist, der sie abschaffen soll. „Er kritisiert auch den Vergleich von Darabos, der zu alten Flugzeugen geführt hat“, wobei ihm sein FreundGusenbauer die näheren Umstände nicht verklickert hat. Pilz streut ihm so Rosen: „Bei den zahlreichen ÖVP-Politikern, mit denen ich zu tun hatte, sind Sie meines Wissens der einzige, der nicht die Interessen von EADS, sondern der Republik Österreich vertreten hat.“ Wenn man sich Pilz‘ aktuelle PK ansieht, könnte man vor Wut an die Decke springen, wenn man weiss, wie ungeuer verlogen er ist. Aber es steht auch dafür, dass Doskozil und Gusenbauer der Eurofighter.Tempomacher abhanden gekommen jst. Wie beim BVT wird wohl der „Falter“ die Pseudo-Aufdeckerrolle übernehmen, etwa wenn er Fragen an den leitetenden  Oberstaatsanwalt Johann Fuchs hat: „Er verweist aber darauf, dass das Eurofighter-Team verstärkt worden sei. Ein Wirtschaftsexperte, eine Staatsanwältin und ein Oberstaatsanwalt seien nun zusätzlich an Board. Und der von allen so belastete Eurofighter-Staatsanwalt Michael Radasztics, was sagt er?“ Ich telefonierte einmal mit ihm wegen der Situation von Darabos, die durch das Drohpostings unten zusammengefasst wurde; es zeigte sich, dass Fuchs gezielt gestreuten Gerüchten über Darabos Glauben schenkt. Wer mit Minister Darabos reden wollte, sollte, musste, wurde von Kammerhofer ferngehalten und bedroht und verleumdet, wenn er rsich sich nicht abwimmeln ließ; ich wurde schließlich auf Üblste diffamiert und existentiell ruiniert, weil es besonders perfide ist, wenn es um eine „harmlose Frau“ geht. Daran wird ja offenkundig, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und ein Minister in Gewalt einer Mafia ist – also vernichtet sie!

Drohposting 2011, keine Ermittlungen 
Die Gerüchte begleiteten die Vorbereitung von U-Ausschuss und Anzeige und sind mit Beginn zu jener Zeit festzusetzen, als Silberstein auch begann, Kurz observieren zu lassen. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass das berüchtigte „Prinzessinnen-Dossier“ Doskozil den Vorzug vor Kern gab: „Am 9. Februar (2017), zwei Wochen nach der großen ‚Plan A‘-Rede des SPÖ-Chefs, schickt der langjährige Gusenbauer-Mitarbeiter und nunmehrige Pressesprecher des SIGNA-Konzerns, Robert L., um 6.45 Uhr morgens ein umfangreiches Papier, in dem er Stärken und Schwächen der SPÖ-Kampagne zusammenfasst. Die Empfänger sind Tal Silberstein, Rudi Fußi und Silbersteins Übersetzerin Anna J. Beauftragt hat das Papier Tal Silberstein, der mit Robert L. seit der gemeinsamen Zeit bei Alfred Gusenbauer befreundet ist. Als das Dokument später an die Medien gelangt, wird vor allem über die Analyse der Schwächen des SPÖ-Chefs diskutiert. Das Papier nennt Kern unter anderem eine „Prinzessin“. Doch in der Zusammenfassung listet der SPÖ-Kenner recht ausführlich den Status quo der Partei aus unterschiedlichen Punkten auf und analysiert die Ausgangslage für einen Wahlkampf, der für L. schon ‚am 17. Mai 2016 begonnen‘ habe. An diesem Tag wurde Christian Kern als Kanzler angelobt.“ Man beachte: am 17. Mai 1999 siegte Ehud Barak mit Tal Silbersteins Hilfe bei der Wahl; am 17. Mai 2019 platzte die Ibiza-Bombe per „Süddeutscher“ und „Spiegel“.
Gusenbauer für Haselsteiner und Kuhn
Nicht von ungefähr interviewte Fussi Gusenbauer 2017 nach dem Neuwahlbeschluss; er lobt Mitterlehners Koopertaionsbereitshaft, die jedoch Leute in den eigenen Reihen hintertrieben haben. 2016 hieß es über Kern: „Der Aufstieg des Christian Kern ist zu einem wichtigen Teil auch das Comeback des vor fast acht Jahren von Faymann gestürzten Ex-Kanzlers Alfred Gusenbauer. Dieser ist in letzter Zeit zum wichtigsten Berater, manche sagen – etwas übertrieben – ‚Mastermind‘ von Kern geworden. Gusenbauers wichtigster Wegbegleiter An­dré Heller ist nun auch zum Wegbegleiter für Kern geworden. Gusenbauers Pressesprecher Stefan Pöttler ist Kerns Pressesprecher und Politstratege. Gusenbauers Netzwerk – von Immo-Millionär René Benko (Signa) bis zu Ifes-Chef Karl Blecha – wird jetzt Kerns Netzwerk.“ Gusenbauer „soll in den letzten Tagen für Kern aktiv geworden sein und für ihn auch Headhunter bei der Ministerauswahl gespielt haben“. (Und Silberstein machte den Ministern Vorgaben für das Pressefoyer.) Mit anderen Worten mischte Gusenbauer auch mit, als zuerst Michael Rendi Drozdas Kabinettschef wurde und dann seine Frau Joy-Pamela Ministerin und schließlich Parteichefin wurde.

3 Kommentare zu „Coup Teil 37: Wenn Gusenbauer über Leichen geht

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