Eurofighter-Ausschuss: Ex-Minister Doskozils Blamage

Im Eurofighter-U-Ausschuss kamen am 14. März 2019 Minister Mario Kunasek und sein Vorgänger an die Reihe; bei Kunasek fielen aber nur 13 Tage, vom 18.12. bis zum 31.12.2017 in den Untersuchungszeitraum. Immerhin enthüllte er, dass Ex-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil ohne ihn zu informieren im Dezember 2017 die Verteidigungsminister der USA und Schwedens (per Weisung) in Kenntnis setzte, dass Österreich die Beschaffung einer Alternative zu den Eurofightern plane. Kunasek distanzierte sich von Doskozil, der 2016 einen Pakt mit Peter Pilz schloss, um Airbus und seinen Vorvorgänger Norbert Darabos anzuzeigen. Nun war Doskozil vor Kunasek in den Ausschuss geladen, in dem ihn doch tatsächlich auch sein Verbündeter Pilz befragte. Dieser fehlte tags zuvor im BVT-Ausschuss, wurde nicht wie von oe24 seines Freundes Wolfgang Fellner angekündigt interviewt und war letzte Woche zu krank für den EF- und den BVT-Ausschuss. Doskozil geriet gewaltig ins Schwimmen und entlarvte sich permanent selbst, etwa wenn er so tat, als habe er zwar mit Pilz kooperiert, diesem aber keine Dokumente gegeben. Na, wird er sie in einen toten Briefkasten legen lassen, wo Pilz sie dann abholt? Zur Gesprächsverweigerung gegenüber Airbus meinte er, dass es sich ja um einen „Verdächtigen“ handle, ohne zu erwähnen, dass er (und Pilz) den Konzern dazu erst machten.

Er berief sich auf seine „Anzeigepflicht“, die er jedoch nicht sah, als Pilz im August 2016 mit dem bis dato streng geheimen Eurofighter-Vergleich von 2007 auftrumpfte, den er auch Medien zuspielte. Als es 2006 das gleiche Spiel mit dem kaufmännischen Teil des Kaufvertrags von 2003 gab, erstattete Minister Günther Platter sehr wohl Anzeige. Doskozil nutzte auch die Zeitspanne vom 4.11. bis 17.12.2017 nicht, als Pilz zurückgetreten und daher nicht mehr immun, er aber noch Minister war. Im Ausschuss war er bestrebt, Verantwortung und Schuld auf Airbus und Ex-Minister Norbert Darabos abzuwälzen, wobei er puncto Airbus auch meinte, dass er ja auch mit niemandem rede, der ihm „die Nase gebrochen“ habe. Die Regierung forderte er dazu auf, das Bundesbeschaffungsgesetz zu verletzen und Airbus von Ausschreibungen auszuschließen (etwa wenn es um Hubschrauber-Nachbeschaffung geht). Als Doskozil 2016 Minister wurde, informierte ich ihn, dass Darabos abgeschottet wurde, was auch Druck und Überwachung impliziert, und dass es eine Menge Zeugen dafür gibt.

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Statt jedoch zu recherchieren und seiner „Anzeigepflicht“ nachzukommen, brachte er einen der Haupttäter, Ex-Kabinettschef Stefan Kammerhofer als Abteilungsleiter bei den ÖBB unter. Und er profitierte von Darabos‘ seit dem „Sozialfighter statt Eurofighter„-Wahlkampf (mit Stanley Greenberg und Tal Silberstein) bedrängter Lage, weil er wusste, dass Darabos sich gegen seine Intrigen nicht wehren wird. Er schiebt ihm den Schwarzen Peter zu, wenn es darum geht, dass man die Eurofighter ohne Nachtsicht- und Selbstschutzeinrichtung eingeschränkt nützt. Dabei blendet er aus, dass Darabos 2007 die Finanzprokuratur mit der Verhandlungsführung beauftragte und dies auch nie widerrief, während Kammerhofer es rechtswidrig zum Nachteil Österreichs änderte. Doskozil deckt damit auch Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, der für den 24.5.2007 Bill Clinton zu einer AIDS-Gala nach Wien eingeladen hatte. Clinton war der erste US-Präsident, der 2000 im Airbus-Konzern eine Bedrohung für die Vormachtstellung von Boeing in der Luftfahrtindustrie (zivil und militärisch) sah. Abseits von in Medien zitierten Aussagen muss man auch an den Begriff „Interesse der nationalen Sicherheit“ denken, der die Schlüsselfeststellung für den Einsatz von Geheimdiensten ist.

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2001 (Wien), 2002 und 2006 (Bund) wurde dann erstmals mit Stanley Greenberg wahlgekämpft, der seit der ersten Clinton-Kampagne mit John Podesta verbunden ist, dessen Bruder Tony bis 2017 für Boeing und Lockheed lobbyierte. Die Podesta Group war auch bei jenem Ukraine-Lobbying an Bord, für das Paul Manafort in den USA verurteilt wurde und an dem sich auch Gusenbauer und die US-Kanzlei Skadden beteiligten. Doskozil engagierte Skadden gegen Airbus und ihm wurde dort die internationale Lobbyingfirma FTI Consulting empfohlen. Man bereitete den Schlag gegen Airbus so vor, dass ein Bericht der Eurofighter-Task Force am 15.2. 2017 als Medientermin für den 16.2. angekündigt wurde. Mit seinen Kabinettsmitarbeitern Stefan Hirsch und Raphael Sternfeld wurde gleichzeitige möglichst weltweite Negativ-PR für Airbus organisiert, als am 16.2. bekanntgegeben wurde, dass Doskozil soeben Airbus wegen „Betrug und arglistiger Täuschung“ angezeigt hatte. Sternfeld/Hirsch übernahmen nationale Medien, während FTI internationale und Marktanalysten bearbeitete. Da sich Lobbyfirmen und Börseplattformen usw. an Complianceregeln halten müssen, sollte als schwergewichtiges Argument dienen, dass immerhin ein Minister von Betrug und Täuschung spricht (siehe Mail unten).

Lutz Golsch, FTI, 10:29 Uhr, 16.2.17 an seinen Verteiler

Bedenkt man, dass sich auch (bereits gebriefte) Journalisten an Analysten wenden, welche Prognosen über die Entwicklung des Aktienkurses und des Unternehmens abgeben (siehe hier ein Marktanalyst zu Boeing), wird klar, welche Falle da für Airbus aufgebaut wurde. Dass Airbus von möglichen hohen Schadensersatzforderungen an die Republik sprach, kann man nachvollziehen, wenn man sich den Einbruch der Boeing-Akte nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max ansieht, die als Konkurrenz zum A320neo entwickelt wurde. Es geht leicht einige Milliarden auf und ab, sodass Airbus jetzt vom Boeing-Einbruch profitiert und über Nacht zwei Milliarden mehr wert ist. Daten zur Marktkapitalisierung beider Unternehmen ändern sich ständig, da sie aus dem Aktienkurs und der Gesamtanzahl ausgegebener Aktien errechnet werden (14.3.2019: 188,39 Mrd € Boeing, 88,96 Mrd € Airbus, Boeing verlor 4 Plätze im  weltweiten Ranking; Airbus gewann einen gegenüber 13.3.). Dass Doskozil im U-Ausschuss stereotyp vor Airbus warnte, kann man nur bizarr finden, denn wenn die AUA noch staatlich wäre, würde er ihr wohl verbieten, Airbus-Jets zu kaufen.

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Auf den Wert eines Luftfahrtunternehmens auf dem Kapitalmarkt wirken sich nicht nur Abstürze aus, sondern auch, wenn Staaten (z.B. für die Luftwaffe) oder Fluggesellschaften sich nach Verhandlungen doch für Konkurrenzprodukte entscheiden (Wikileaks liefert dafür reichlich Belege siehe Cablegate). Darauf zielten die Doskozil-Anzeigen ab, die als öffentliche Warnung vor Geschäften mit dem europäischen Rivalen von Boeing und Lockheed zu verstehen waren. Passender Weise zeigte Doskozil Airbus auch in den USA an, was nun wirklich nichts mit der Beschaffung von Eurofighter Typhoon zu tun hat und worüber auch fast nichts bekannt ist. Geht es darum, das Interesse der US-Börsenaufsicht (SEC) zu wecken? Will Doskozil, dass Airbus – wenn schon seine österreichische Anzeige eingestellt werden wird – dort zu einer empfindlichen Strafe verurteilt wird, wo Boeing-CEO Dennis Muilenburg eine Million Dollar zur Inaugurationsfeier des Präsidenten 2017 beisteuerte? Und wo Patrick Shanahan Verteidigungsminister ist, der bei Boeing für die 757 und den Dreamliner verantwortlich war? Wo FTI Consulting-CEO Steven Gunby auch Direktor des Lockheed-Zulieferers Arrow Electronics ist? Wo Skadden u.a. General Electric vertritt, den Hersteller der Triebwerke der F-16 und des Gripen?

Ticker des Standard (Andreas Ottenschläger, ÖVP)

Wo Ace Aeronautics, das junge Unternehmen von Ex-Lockheed-Manager Darrell Kindley, a,s Starthilfe unsere Black Hawk updaten soll (Sikorsky gehört seit 2015 Lockheed)? Wo General Dynamics beheimatet ist, das bis 1993 die F-16 produzierte und wo Doskozil 2017 Panzer zu stolzen Preisen aufte? Als sei umgekehrt Pilz der Minister und er ein engagierter Abgeordneter meinte Doskozil, dieser habe ihn in seine Unterlagen (woher er sie bloß hat?) Einblick nehmen lassen, aber da sei nichts Geheimes darunter gewesen.Viele staunten, als Pilz von Doskozil zu einer „Im Zentrum“-Sendung nach der Doskozil-Anzeige chauffiert wurde. Damit wurde auch ein Pakt sichtbar, in den Interviews und die Bücher „Sicherheit neu denken“ von Margaretha Kopeinig über Doskozil mit Pilz-Interview und „Heimat Österreich…“ von Pilz genug Einblick geben, um Zweifel an Doskozils Aussagen im Ausschuss zu bekommen. Es muss doch eine engere Kooperation gewesen sein, als Doskozil uns weismachen will, der jedoch niemanden täuschen kann, der auch Pilz kennt. Eben war er noch bei Bundeskanzler Sebastian Kurz, und doch hilft ihm sein Netzwerken nicht, wie diese ÖVP-Aussendung zeigt:  „Ex-Verteidigungsminister und Landeshauptmann Doskozil hat heute im Eurofighter U-Ausschuss gleich in seinem Eingangsstatement bestätigt, was wir schon lange vermutet und kritisiert haben.

Doskozil bei Kurz

Peter Pilz wurden als Spiritus Rector der Strafanzeige gegen Eurofighter Tür und Tor ins Verteidigungsministerium geöffnet. Er hatte exklusiven Zugang zu allen Unterlagen des Doskozil-Ressorts und konnte scheinbar ungebremst schalten und walten.“ – „Der heutige Landeshauptmann erzählte im Ausschuss, wie er Pilz vor allen anderen Abgeordneten Unterlagen zur Verfügung stellte und argumentierte dies auf sehr eigenartige Art und Weise damit, dass Pilz diese öffentlich machen und zur Aufklärung beitragen sollte. Warum die Informationen nicht durch das Ministerium veröffentlicht wurden oder zuerst an die Justiz übermittelt wurden, blieb unbeantwortet. ‚Doskozil spricht damit nicht nur allen anderen 182 Abgeordneten im Parlament ihren Aufklärungswillen und ihre Unvoreingenommenheit ab, sondern auch dem eigenen SPÖ-Wehrsprecher!'“ Man muss wissen, dass Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel Darabos im U-Ausschuss am 20.6.2017 eher verteidigte als Gusenbauer, der nach ihm drankam und von Pilz geschont wurde (der am 22.6.2017 Darabos anzeigte). Es ist dennoch verwirrend, wenn die ÖVP unterstellt, Doskozil wolle etwas zudecken, das Darabos Schaden zufügen soll: „Hier hat sich offenkundig eine eigenartige Allianz gebildet aus ideologischer Agenda und dem fixen Vorsatz, das politische Totalversagen von Norbert Darabos bei der Vergleichsverhandlung 2007 zu verschleiern.“

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Denn sie meint auch; „In der heutigen Sitzung des Eurofighter-Untersuchungsausschusses hat der ehemalige Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil sehr klar Stellung zur Arbeit seines Amtsvorgängers Norbert Darabos bezogen und klargemacht, dass er den Eurofighter nachtblind gemacht hat. Er hielt sehr klar fest, dass ein Abfangjäger nachtflugtauglich sein muss und Selbstschutzsysteme braucht, wenn man Luftraumüberwachung ernst nimmt. Mit den Eurofightern nur tagsüber zu fliegen – diese Entscheidung hätte er selbst nicht getroffen.“ Wie bereits erwähnt interessierte Doskozil nicht, wer Darabos „dIe Nase gebrochen“ hat, sonst würde er die Umstände aufklären, wie es zu einem weder für uns noch für Airbus vorteilhaften Vergleich kam. Aber wie sollte er auch, wurde er doch von Berater Tal Silberstein gepusht, den wiederum Gusenbauer der SPÖ und damit auch Darabos eingebrockt hatte. Er scheint sein eigenes Verhalten gegen Kritik zu immunisieren, indem er die Gleichung aufstellt: bei „nachtblinden“ Jets bin ich ja gezwungen, gegen Airbus vorzugehen! Warum hat er nie innerhalb der SPÖ thematisiert, was 2007 und davor/danach gelaufen ist, wenn er schon Darabos für einen Gesetzesbrecher hält, den ihm sein Freund Pilz anzeigte?

Doskozil mit Volksanwalt Günther Kräuter

Es fällt auch auf, dass sich Doskozil gar nicht für das Zustandekommen des Kaufvertrags 2003 interessiert hat und nie mit dem (von Pilz attackierten) damaligen Chefverhandler Edwin Wall reden wollte. Dieser sagte am 22.6. 2017 im U-Ausschuss (= Tag der Pilz- Anzeige gegen Darabos), dass er keine Chance hatte, 2007 während der Vergleichsverhandlungen mit Darabos zu reden. Es sei ihm ein Rätsel, weil ihm so etwas in 40 Dienstjahren nie passiert sei. Doskozil scheint sich auch nicht in die Protokolle des 1. Ausschusses vertieft zu haben, auch wenn er diesen als Begründung dafür nennt, dass er Pilz beizog. Dieser hat aber damals als Vorsitzender gedeckt, dass Kammerhofer Darabos auf Schritt und Tritt folgte und ihm jede Antwort vorsagte, was Maria Fekter von der ÖVP kritisierte. So fiel ihm auch nicht auf, dass das Abwehramt Kammerhofer nicht sicherheitsüberprüfte und dieses auch nichts Verdächtiges bemerkte, obwohl/weil es Klagen beim Bundesheer gab, dass man nicht mit den Minister reden könne. Man beachte den Unterschied: Darabos durfte u.a. Mit Wall nicht sprechen, Doskozil hielt es für überflüssig. Darabos wurde oktroyiert, dass er die EF abbestellen oder zumindest „kastrieren“ soll (und er studierte u.a. den Kaufvertrag sehr genau und beauftragte die Finanzprokuratur), Doskozil wollte sie unbedingt loswerden.

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Er wirkte im Ausschuss geradezu paranoid, weil in jeder Ecke einen Handlanger von Airbus vermutete. Als „begnadeter Netzwerker“ zeigte er sich siehe Facebook-Screenshot mit Volksanwalt Günther Kräuter, der im 1.U-Ausschuss für die SPÖ beim Druck auf Darabos wegsah. Übrigens waren nicht nur die Protokolle als Warnung vor Pilz geeignet, sondern auch dessen politisches Tagebuch 2006/7 (hier analysiert), das deutlich macht, wie sehr er immer involviert war. Nun kann man ähnliche Verstrickungen auch bei Doskozil bemerken: „Es ist absolut inakzeptabel, dass sich ein Verteidigungsminister Doskozil und ein Peter Pilz als selbsternannter Polizeichef, Privatdetektiv, Staatsanwalt und Richter in Personalunion zusammensetzen und ausschnapsen, wie man den Eurofighter für Österreich abschießen kann.“  Er hätte erst kürzlich noch die Chance gehabt, es zu begreifen, als Pilz tobte, weil gegen den Staatsanwalt ermittelt wird, den dieser wegen der Anzeigen gegen Darabos und Airbus belagerte: „Es wird ein immer noch größeres Problem, dass sich Peter Pilz in seinen eigenen Rollenspielen verliert. Abgeordneter, Ankläger, Ermittler, Aufdecker und Verschwörungstheoretiker – das ist eine gefährliche Mischung aus Selbstüberschätzung und Kompetenzüberschreitung. Und diese geht nun so weit, dass Pilz wichtige Verfahren – bei denen es letztlich um enorm viel Geld für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gehen kann – aktiv gefährdet. Damit muss jetzt Schluss sein!“

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Und „auch die Akten des Untersuchungsausschusses werfen weitere Fragen auf. Der regelmäßige Kontakt von Peter Pilz mit dem Leiter der Taskforce Eurofighter ist dabei genauso zu hinterfragen wie seine Kontakte zur Staatsanwaltschaft.“  Doskozil geht zur Polizei, wenn „ihm jemand die Nase bricht“, statt mit dem Schläger zu reden und hat eine „persönliche Aversion“ gegen Korruption – das soll wohl an jenes Image anknüpfen, das in seinem Silberstein-Wahlkampf 2017 für ihn geprägt wurde. Es erinnert an Versuche von Pilz, sich selbst als Saubermann zu verkaufen. Doch er schweigt zu einfachen Fragen zu seinem Pakt mit Pilz und dem Vorgehen gegen Darabos, die auf Strafrechtsrelevantes hinweisen (hier an den SPÖ-Landtagsklub im Burgenland und hier an Doskozil). Doskozil wollte noch in seinen letzten Tagen im BMLV die Weichen dafür stellen, dass „Government to Government“ Ersatz für die Eurofighter beschafft wird. Dies, ohne Kunasek zu informieren, den er genauso hintergeht wie alle, die seinen Plänen im Weg stehen. Es impliziert, dass er Saab Gripen (Fly-by-wire, Triebwerke und anderes aus den USA, mehr zu Schweden und Österreich hier) oder F-16 (Lockheed) oder F/A-18 E/F (Boeing) oder F-15E (Boeing) anschaffen lassen will.

Am 13.3.2019 nicht wie angekündigt interviewt

Sein Verbündeter Pilz brachte im Sommer 2018 gebrauchte F-16 aus Israel ins Spiel, das die größte Flotte außerhalb der USA betreibt. Kampfjets kann man aber nur mit Zustimmung des Herstellers verkaufen; das Pentagon redet noch ein Wörtchen mit, wenn es ein (subventioniert erzeugtes) US-Produkt ist. Wie das mit der Regierungsebene konkret aussieht, zeigt Donald Trumps Ausbeute bei einem Staatsbesuch in Vietnam, wo VietJet dann 100 Boeing 737 Max erwarb (bestellen sie jetzt lieber A320neo?). Bei Doskozil ist es auch mit Feindseligkeiten gegenüber den Staaten verbunden, in denen es Standorte von Airbus gibt (Zulieferer übrigens auch bei uns). Er scheint auch nicht zu verstehen, dass man sich davor hüten muss, in verdeckte „Spiele“ involviert zu werden, wie sie nicht nur Pilz, sondern auch Silberstein betreibt. Die Abneigung gegen die EF scheint so groß zu sein, dass er den Betrieb zweistrahliger Jets mit dem natürlich günstigeren Einstrahliger wie der Gripen vergleicht. Er will nicht wahrhaben, dass er keine 1,1 Milliarden von Airbus „zurückbekommt“, sondern eher u.a. für den Versuch der Marktmanipulation zur Rechenschsft gezogen wird. Davon abgesehen, dass er sich vorstellt, man lege die Jets an einem Tag still und betreibt dann komplett andere, wie wenn man ein neues Auto kauft oder umzieht.

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Wie man an dieser Aussage sieht, bestätigt Doskozil seinen Pakt mit Pilz, der Darabos nicht wegen des Vergleichs vom 24.6.2007 allein wegen des Verdachts der Untreue (§ 153 StGB) anzeigen konnte. Wäre es um den Unterschied zum Kaufvertrag gegangen, hätten Doskozil und Pilz diesen ja im Widerspruch zur Anzeige gegen Airbus als legitim und korrekt hingestellt. Pilz brauchte daher den Entwurf vom 24.5.2007, den ihm Doskozil ebenfalls zur Verfügung stellte. Er landete so am 2.6.2017 im U-Ausschuss am Tag nach der Befragung von Darabos (1.6.17), der passende Zeuge wurde aber bereits am 31.5.17 für den 2.6. geladen, sodass man genauso gut Darabos hätte befragen können. Dieser sollte aber zum Bauernopfer werden, sodass Doskozil an einer perfiden Strategie beteiligt war, bei welcher er „Anzeigepflicht“ (auch gegen sich selbst) gehabt hätte. Im U-Ausschuss 2017, der nur die Theaterkulisse für Begleitwirbel zur Anzeige gegen Airbus sein und die Anzeige gegen Darabos „plausibel“ erscheinen lassen sollte, ergaben sich reichlich Anhaltspunkte für Druck auf Darabos und dafür Verantwortliche. Wir erinnern uns, dass Gusenbauer, der für den 24.5.2007 Bill Clinton zu einer AIDS-Gala nach Wien eingeladen hatte, nicht gewusst haben will, was zugleich im SPÖ-eigenen Hotel vor sich ging.

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Abermals verabsäumte Doskozil eine Gelegenheit, gegen Korruption zu kämpfen, sondern er trug lieber bei zur Nötigung eines Mitglieds eines verfassungsmäßigen Vertretungskörpers (§ 251 StGB). Er nahm auch in Kauf, dass dafür Geheimnisverrat (§ 252 StGB, siehe z.B. EF-Vergleich), Verleumdung (§ 297 StGB) und Üble Nachrede (§ 111 StGB, über Darabos gestreute Gerüchte) notwendig sind. Auch vor dem Verdacht, dass zu seinen Einflüsterern fremde Geheimdienste (§ 256 StGB) gehören, schreckte er nicht zurück. Wer bitteschön, wenn nicht ein früherer Verteidigungsminister (Darabos) weiß, was es geschlagen hat, wenn plötzlich der streng geheime Vergleich im Sommer 2016 in den Medien auftaucht? Wenn man solche Berichte in der Rückschau liest, sieht man, dass der Ablauf in den kommenden Monaten auch gegen Airbus schon via Pilz vorgegeben wurde. Für den Konzern ist sicher höchst interessant, wie Doskozil seine Argumentation ihm gegenüber selbst sabotiert, indem er auch bei Darabos vor nichts haltmacht. Er zerlegt seine „Anzeigepflicht“, wenn er zu allem bereit ist und damit all jene bestätigt, die Darabos unter Druck sehen. Denn dieser wehrte sich nicht, weil er es nicht konnte, und scheidet keineswegs freiwillig aus der Politik aus (siehe Video).

PS:Doskozil-Pilz-Achse wirft weitere Fragen auf„: „Doskozil hat Pilz gestern überschwänglich hofiert und zugegeben, dass dem Abgeordneten zahlreiche Akten aus dem Verteidigungsministerium übergeben worden seien. Wieso bekommt ein einzelner Abgeordneter Akten geliefert und auf welcher rechtlichen Grundlage? Welche Akten wurden genau übergeben und warum wurden diese nicht klassifiziert? Wer hat eigentlich die Akten übergeben? Doskozil sprach gestern davon, dass seine Kabinettschefin als Postillon beauftragt wurde – scheinbar ohne Wissen des Taskforce-Leiters Hamberger.“  „Doskozils Agieren mit der Taskforce als Verteidigungsminister sei anscheinend sehr schlecht dokumentiert, was angesichts der brisanten Aktivitäten mehr als hinterfragenswert sei. ‚Niemand kann heute mehr genau sagen, was Doskozil konkret mit der Taskforce besprochen hat. Hier gibt es keinerlei Nachvollziehbarkeit seiner politischen Entscheidungen‘, so (Andreas) Ottenschläger weiter. Ebenfalls bemerkenswert sei, was kurz nach der Strafanzeige gegen Eurofighter passiert ist: ‚Welchen Auftrag gab Doskozil dem Anwalt Stephan Hutter, der kurz nach der Strafanzeige plötzlich nach Paris reiste, um mit Eurofighter zu verhandeln?'“ (Eurofighter ist in München, Airbus in Toulose beheimatet, Anmerkung)

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