Herrn Gusenbauers seltsame Geschäfte

Wenn Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer davon spricht, nur  ein „gesetzestreuer österreichischer Kaufmann“ zu sein, sind viele in der SPÖ empört. Doch die Tragweite seiner Handlungen versteht man nur dann, wenn man sie chronologisch ordnet und nicht erst bei Gusenbauers Ausscheiden aus der Regierung im Dezember 2008 beginnt. Dann fällt auf, dass es nichts zu geben scheint, wo er nicht die Finger drinnen hat und er auch mit Personen gut vernetzt ist, die dem israelischen Geheimdienst zugerechnet werden. Es ist bezeichnend, dass Spitzenkandidat und Bundeskanzler Christian Kern keine Entscheidung trifft, obwohl ihm Gusenbauer und der von ihm empfohlene, in Israel unter Hausarrest stehende Wahlkampfberater und „Kanzlermacher“ Tal Silberstein schaden.

2006 engagierte Gusenbauer wie schon 2002 Silberstein, was u.a. bedeutete, dass Wahlkampfmanager Norbert Darabos an die Wand gedrängt wurde. Gusenbauer holte ihn 2003 aus dem Burgenland nach Wien und bezeichnete ihn als eines der grössten politischen Talente der SPÖ. Im Wahlkampf wird die ÖVP als sozial kalt dargestellt und Gusenbauer zum „Sozialfighter“ statt der von der Regierung beschafften, aber noch nicht gelieferten Eurofightern stilisiert. Mails vom Hersteller EADS legen nahe, dass Gusenbauer und Co. einen Deal im Hintergrund laufen hatten. Im Wahlkampf hatte die SPÖ auch mit dem BAWAG-Skandal zu kämpfen, bei dem die Zeichen – auch bei Gusenbauer – auf Verschleiern standen, sodass Helmut Elsner zum Sündenbock wurde und Wolfgang Flöttl außen vor blieb. Inzwischen thematisiert auch der Mainstream Silbersteins z.B. hier beschriebene Verbindung zum Mossad: „ÖSTERREICH erhielt am Freitag einen Anruf eines höchstrangigen SP-Insiders, der Sensationelles erzählte. Tal Silberstein – also jener SPÖ-Berater, der vor zehn Tagen in Haft genommen wurde und der nun unter Hausarrest ist, soll beim Mossad gewesen sein. Er habe Silberstein 2002 bei der (erfolglosen) SPÖ-Kampagne für Alfred Gusenbauer kennengelernt – Silberstein sei damals durch seine Schreiereien im Wahlkampfteam aufgefallen: ‚Der ist aufgetreten wie ein Sergeant‘, so der Zeitzeuge.“

Gusenbauer-Stipendium vergeben (Twitter, Juli 2017)

2007 wurde Gusenbauer Kanzler und sprach zynisch vom „großen“ Los, als Darabos („gegen seinen Willen“, so Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel 2017 im Eurofighter-U-Ausschuss) Verteidigungsminister wurde. Milliardär Martin Schlaff richtete eine Feier für Gusenbauer aus, ganz als ob er selbst ins Bundeskanzleramt eingezogen wäre. Parallel zum ersten Eurofighter-U-Ausschuss (Vorsitz: Peter Pilz) sollte Darabos, der von Anfang an durch Gusenbauers Ex-Klubsekretär Stefan Kammerhofer (der Kabinettschef wurde) abgeschottet wurde, einen Vergleich mit EADS aushandeln. Er beauftragte die Finanzprokuratur, die Kammerhofer aber rechtswidrig mündlich auslud und die durch den von Gusenbauers (und inzwischen auch Silbersteins) Anwalt Leo Specht empfohlenen Zivilrechtler Helmut Koziol ersetzt wurde. Weil es bei EADS Lieferverzögerungen gab, wäre ein deutlicher Preisnachlass möglich gewesen, statt den Lieferumfang und den Preis zu reduzieren im Darabos zugeschriebenen Vergleich. 2007 ist auch das Jahr, in dem Specht auf Wunsch Gusenbauers Mitglied des ÖBB-Aufsichtsrates wurde, was er bis heute ist.

2008 löste Werner Faymann (zuvor als Infrastrukturminister u.a. für die ÖBB zuständig, von denen Kammerhofer „ausgeliehen“ wurde) nach vorgezogenen Neuwahlen Gusenbauer ab, der dann einen (Versorgungs-) Posten in der Arbeiterkammer (bis Juni 2009) annahm. Im Oktober 2008 wurde die „Specht Projektentwicklung & Beteiligung GmbH“ mit Sitz in der Teinfaltstraße 8, 1010 Wien geschaffen. Laut Firmenbuchauszug datiert die Erklärung über die Errichtung der Gesellschaft vom 16.10.2008 mit Nachtrag vom 05.11.2008, wonach Dr. Leopold Specht seit 21.11.2008 die GmbH selbständig vertritt und als weiterer Gesellschafter die „Specht Asset Management Services GmbH“ fungiert. Von der vorgesehenen Einlage von 35.000 € ist die Hälfte geleistet, als das Handelsgericht Wien die Gesellschaft am 21.11.2008 registriert. Beim angegebenen Firmenbuch-Link scheint aber auf: „Firmenbuch-Bekanntmachung der Firma: Gusenbauer Projektentwicklung & Beteiligung GmbH Firmenbuchnummer: FN 319413 a“ als Neueintragung mit „Datum der Bekanntmachung: 09.12.2008“ (Gusenbauer war bis zum 2.12. 2008 Kanzler).

Sucht man nach „Specht Projektentwicklung & Beteiligung“ und „Gusenbauer Projektentwicklung & Beteiligung“ zeigen die Resultate, das man beide Bezeichnungen synonym verwenden kann. Bei „kompany.at“ lesen wir: „Gusenbauer Projektentwicklung & Beteiligung GmbH hat ihre Tätigkeit zuvor unter dem Namen Specht Projektentwicklung & Beteiligung GmbH ausgeführt.“ Als Adresse wird Rooseveltplatz 4-5/8, 1090 Wien angegeben; wie spätere Medienberichte zeigen, nutzte Gusenbauer aber ein Büro bei seinem Freund Specht. Nach „Gusis“ Abschied vom Bundeskanzleramt gehört die GmbH zu 100 % ihm und zu 0 % Specht Assets. In einem etwas älteren Corporate Governance-Bericht der ÖBB lesen wir zu Aufsichtsrat Specht („unabhängig“), dass er am 27.4.2007 erstmalig gewählt wurde und und bis zur Hauptversammlung 2010 bestellt ist: „Funktionen außerhalb des ÖBB-Konzerns: Geschäftsführender Gesellschafter Specht Rechtsanwalt GmbH, Dr. Leopold Specht Beteiligungs- und Vermögensverwaltung GmbH, Geschäftsführer Specht Asset Management Services GmbH,  Aufsichtsrat Austro Control Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt GmbH“.

Infos Gusenbauer im „Falter“ (23.8.2017)

2009 gelangte Gusenbauer in den Aufsichtsrat der Alpine Holding und von Rene Benkos Signa – jenes Unternehmens, das mit Gusenbauers Geschäftspartner Beny Steinmetz bei der Übernahme der Karstadt-Gruppe zusammenarbeitete. Dazu Andreas Unterberger jetzt: „Immerhin war Haselsteiner so wie Steinmetz an der Immobilien-Großspekulation Signa/Benko beteiligt, der unter anderem das ‚Goldene Quartier‘ rund um die Tuchlauben gehört (dessen Geschäfte tagelang leer stehen, wenn nicht gerade ein russischer oder chinesischer Oligarch auftaucht …).“ (siehe auch Infos bei „Fass ohne Boden“) In jenem Jahr gab es auch ein Beraterhonorar der Hypo Alpe Adria in der Höhe von 60.000 €, wie sich später herausstellen sollte. „Gusis“ Wikipedia-Eintrag verrät auch: „Seit Sommer 2009 ist Gusenbauer in beratender Funktion als Osteuropa-Experte für die WAZ-Mediengruppe (u.a. Beteiligungen an den Tagesblättern Kronen Zeitung und Kurier) tätig.“  Außerdem: „Im Herbst 2009 übernahm Gusenbauer einen Posten als Europa-Direktor des chilenischen Investmentfonds Equitas European Funds (Immobilien, Informationstechnologie, Umwelttechnik und Agrarindustrie), einer Tochter der Fondsgesellschaft Equitas Capital SpA mit Sitz in Santiago de Chile.

2010 wechselte er zur Empörung der Alpine in den Aufsichtsrat der Strabag, dessen Vorsitzender er bis heute ist; zudem ist er Vorsitzender der Haselsteiner-Familienstiftung. „Im Juni 2010 wurde er weiters in das Board of Directors des kanadischen Bergbaukonzerns Gabriel Resources berufen,  eines Unternehmens, dass zu 80,46 % an dem umstrittenen Rosia Montana Gold-Projekt in Rumänien beteiligt ist.“  Hier haben wir wieder Beny Steinmetz, der am 14. August 2017 wie Tal Silberstein in Israel verhaftet wurde; derzeit stehen beide unter Hausarrest. Die NGO „Public Eye“ (früher „Erklärung von Bern“) schrieb 2013 zur Steinmetz-Gruppe, deren Beteiligungen sie akribisch darstellte: „Alle Schlüsselpersonen der Beny Steinmetz-Bergbaugruppe (BSG), gegen die wegen Korruption beim Erwerb von Schürfrechten in Guinea ermittelt wird, wohnen am Genfersee oder im benachbarten Frankreich. Firmengründer Steinmetz ist am 18.10.2013 erstmals in dieser Sache von der Staatsanwaltschaft Genf vernommen worden. Recherchen der Erklärung von Bern zeigen derweil ein äusserst undurchsichtiges Firmengeflecht, das der israelische Milliardär von Genf aus dirigiert. Diese für aus der Schweiz operierende Rohstoffkonzerne exemplarische Komplexität dient zwei Zielen: sich der juristischen Verantwortung wie auch dem Zugriff des Fiskus zu entziehen.“

Dies macht Ermittlungen schwierig, weil einige Länder daran mitwirken müssen: „Das von der EvB rekonstruierte BSG-Organigramm erklärt die grossen Schwierigkeiten von Steuer- und Ermittlungsbehörden bei der Untersuchung solch verschachtelter Konstruktionen. Schweizer Rohstoffunternehmen siedeln ihre Beteiligungen und Tochterfirmen zwar fast immer in kaum regulierten und steuerlich attraktiven Weltgegenden an. Die BSG-Strukturen übertreffen den diesbezüglichen Branchenstandard aber noch. Deshalb beschäftigt der aktuelle Korruptionsverdacht gegen die Gruppe wegen der Vergabe von Schürfrechten für eines der weltgrössten Eisenerzvorkommen derzeit die Justizbehörden von sechs Ländern (Guinea, USA, Schweiz, Grossbritannien, Frankreich und Guernsey). Zum Verständnis der Finanzflüsse bei BSG muss man aber auch die Jungferninseln, Zypern, Liechtenstein und andere Jurisdiktionen mit tiefen Steuern und hohem Verschleierungsgrad von Eigentumsstrukturen im Blick haben.“ In einem Dossier zum Thema Rohstoffhandel argumentiert „Public Eye“ mit dem Fall Steinmetz: „Die Vergabe von Bergbaulizenzen in Guinea an die Beny Steinmetz Group Resources: Der israelische Milliardär Beny Steinmetz ist in Genf wohnhaft und beschäftigt seit 2013 die Justiz von sechs Ländern. Nach Rechtshilfegesuchen hat auch die Genfer Staatsanwaltschaft ein Verfahren eröffnet.

„profil“ vom 21.8.2017

Das Kontrollzentrum einer opaken Struktur von Offshore-Gesellschaften befindet sich ebenfalls in Genf. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Bestechung. Eine der Frauen des ehemaligen Präsidenten Guineas soll bestochen worden sein, um die Lizenzen für die Nutzung der hochwertigen Eisenerz-Lagerstätte in Simandou zu erwerben. Steinmetz bezahlte dafür 2009 lediglich 165 Mio. Dollar. Im Folgejahr kaufte der brasilianische Bergbaugigant Vale für 2,5 Mrd. Dollar 51 Prozent der Aktien jener Firma, welche die Lizenzen besass. Dieses Geld wäre eigentlich der Staatskasse Guineas zugestanden.“ Als „Vordenker und Prolemlöser“ beschreibt die „Bauzeitung“ Gusenbauer 2010: „Die noble Kanzlei Specht ist der Innenstadt-Bürostandort von Alfred Gusenbauer. Dort ist auch der offizielle Sitz seines Unternehmens ‚Gusenbauer Projektentwicklung und Beteiligung GmbH‘.“ Wie wir bereits wissen, steht eine andere Adresse im Firmenbuch; bei Specht ud bei der Cudos Group wird auf das Renner-Institut verwiesen, wenn man mit ihm Kontakt aufnehmen will (auch die „Presse“ scheitert an Mauern). „Doch natürlich hat er auch bereits in der Zentrale der Strabag in Wien einen Schreibtisch. Ein ehemaliger Bundeskanzler in einem Baukonzern? Was versteht ein Politiker vom Bauen?“

Dann spricht er über sich selbst: „Meine Stärken sind sicher, dass ich Situationen sehr rasch erfassen kann, analytisch denke und einfach schnell im Erfassen, Verstehen und Bewerten von Problemen bin. Ich bin immer mit einem gewissen Zug aufs Tor unterwegs.“ Deshalb machten ihm seine häufigen Reisen auch nichts aus, heisst es. „Als Schwäche sieht er zeitweilig seine offensichtlich angeborene Milde und Güte: ‚Aber ich bin eben so, ich bin gern mit Menschen und habe einen positiven Zugang zum Leben.’Ungeduldig oder gar aufbrausend sind keine Charaktereigenschaften von ihm, was ihn aber zur Weißglut bringt, ist Dummheit und Ignoranz – doch als Politiker lernte er, sich in Geduld und in einer gewissen Großzügigkeit zu üben.“ – „Seit Kasachstan Anfang 2010 den OSZE-Vorsitz übernommen hat, berät Gusenbauer den kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew“ schreibt Wikipedia auch (und er hat gute Beziehungen zu Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion). 2015 wurde daraus eine Affäre, als geleakte Mails aus der Kanzlei von Gusenbauer-Freund Anwalt Gabriel Lansky zeigten, dass dieser „Gusi“ empfohlen hat.

2015 sickerte dann auch ein Schreiben Gusenbauers von 2012 an Nasarbajew an die Medien durch, das den Eindruck erweckt, er habe Ermittlungen gegen dessen Ex-Schwiegersohn Rachat Alijew beeinflusst. Lansky war übrigens 2006 Leiter von Gusenbauers Personenkomitee bei der Wahl und unterstützt heute Christian Kern. Über die ersten beiden Jahre der Gusenbauer-GmbH schrieb der „Trend“ 2011, dass 2009 mehr als 845.000 € erwirtschaftet wurden und 2010 mehr als 1, 6 Millionen €, was zusammen über 2, 5 Millionen € ausmacht: „Für das Geld gibt der selbstbewusste Niederösterreicher, der nach dem Ausscheiden aus der Politik kurz bei der Arbeiterkammer andockte, Ratschläge etwa an das IT-Unternehmen S&T, den Glücksspielkonzern Novomatic, die Hypo Alpe Adria oder die WAZ-Ostholding. Er ist Chairman von Equitas European Funds, ist im Board of Directors des kanadischen Bergbaukonzerns Gabriel Resources und Mitglied des European Advisory Board der Citigroup. …. Ein relativ neues Standbein ist die Investmentgesellschaft Cudos Advisors, an der Gusenbauer 25 Prozent hält. Eine Heuschrecke sei er aber damit nicht geworden, stellt Gusenbauer klar. Das Geschäftsverhältnis mit dem durch Tipps an die Immofinanz in die Bredouille geratenen PR-Profi Peter Hochegger hat der Kurzzeitkanzler vor einem halben Jahr beendet.“

„Österreich“ vom 20.8.2017

Damit sind wir auch schon im Jahr 2011, in das neben der Gündung  von Cudos (mit Alon Shklarek von ASP, Andreas Frech und Leo Specht auch der Vorsitz der Wartenfels Privatstiftung (von Immobilienunternehmer Axel Mader) fällt. Wir erinnern uns, dass „Gusi“ auch im Bereich Glücksspiel berät und wundern uns vielleicht nicht, dass er 2011 bei Tal Silbersteins Firma „Novia“ mit Sitz in Malta an Bord ging. Damit geriet Gusenbauer 2017 nach Silbersteins Verhaftung in die Schlagzeilen, doch bereits 2015 hatte die „Novia“-Gruppe Interesse am Kauf der Casinos Austria. 2016 klagte Silberstein die Casinos mit Anwalt Specht auf Entschädigung, weil ein Deal platzte, und konnte sich mit ihnen vergleichen.  2016 kam das (dementierte) Gerücht auf, Gusenbauer solle Aufsichtsratschef der Novomatic werden; im Bericht darüber lesen wir auch: „In seiner Beratungsgesellschaft Gusenbauer Projektentwicklung & Beteiligung GmbH wies Gusenbauer zuletzt einen kumulierten Gewinn von 5,7 Millionen Euro aus. Mit seiner Gusenbauer Projektentwicklung & Beteiligung GmbH residiert der ehemalige SP-Parteichef in einem unscheinbaren Zimmerchen in der Wiener Innenstadt-Kanzlei von Freund Specht. Vom finanziellen Erfolg der Ein-Mann-Firma können viele Berater nur träumen. Für 2009 bis 2011 weist die Mini-GmbH einen kumulierten Bilanzgewinn von 3,23 Millionen Euro aus.“ Bei Specht war es auch, wo Silberstein 2016 mit Reportern des „profil“ über die Klage gegen die Casinos Austria sprach. Für 2011 hat Wikipedia noch einen Hinweis: „Von November 2011 bis Jänner 2012 hielt Alfred Gusenbauer als Gastprofessor mehrere Vorlesungen zum Thema „Die Realpolitik der EU-Institutionen im politikwissenschaftlichen Fokus“ an der Universität Innsbruck.“ 2011 scheiterte übrigens ein „regime change“-Versuch in Israel von George Soros und Stanley Greenberg, für den Silberstein lange arbeitete.

2012 kam zu Cudos Advisors Cudos Capital hinzu, mit den gleichen Eigentümern und wieder 25 %-Anteil für Gusenbauer. Die Cudos-Gruppe geriet auch mit der Übernahme des Traditionsunternehmens Backhausen in die Schlagzeilen. Im Korruptions-U-Ausschuss behauptete Lobbyist Peter Hochegger, in dessen Firma Sicon Energy Gusenbauer dem Beirat angehörte, er habe ihm und Ex-Innenminister Ernst Strasser je 100.000 € bezahlt, was „Gusi“ via Specht als unwahr zurückwies (auch teuer essen mit Gusenbauer kam zur Sprache). 2012 wurde auch bekannt, dass Gusenbauer mit seinem SPÖ-Diensthandy z.B. in seiner Tätigkeit für Nasarbajew allein 2011 Kosten in der Höhe  von 30.000 € verursacht hat:“Laut Berechnungen von Parteiinsidern wären das 100.000 Gesprächsminuten pro Jahr, also viereinhalb Stunden täglich.“ 2015 wurde thematisiert, wie „Gusi“ 2012 intervenierte: „Zwar bestreitet Altkanzler und derzeitiger Berater des kasachischen Regimes Alfred Gusenbauer jegliche Einflussnahme auf den momentan in Österreich laufenden Aliyev-Prozess. Das Nachrichtenmagazin ‚profil‘ hat aber nun einen Brief veröffentlicht, in dem Gusenbauer dem kasachischen Staatschef Nursultan Nasarbajew versichert, er habe mit Entscheidungsträgern und ‚informierten Vertretern‘ gesprochen.“ Am 1. Mai 2012 war Gusenbauer hoffentlich ohne Honorar bei der SPÖ Vorarlberg zu Gast.

2013 wurde Gusenbauer Berater Serbiens, das einen Beitritt zur EU anstrebt, was auch Josef Cap publizistisch unterstützte (Cap war geschäftsführender Klubobmann, als Gusenbauer SPÖ-Klubobmann war; aktuell ist Cap geschäftsführender Präsident des Renner-Instituts und Gusenbauer Präsident).  Es war auch das Jahr, in dem er in den Aufsichtsrat des Feuerfest-Unternehmens RHI gewählt wurde, dem auch David Schlaff angehört, dessen Vater Martin an der Firma beteiligt ist. „Der Investor Martin Schlaff schmiss für ihn eine Party beim Einzug ins Kanzleramt“, erinnerte der „Kurier“ in einem Porträt. 2013 war das Jahr, in dem wie weiter oben erwähnt, die Schweizer Justiz gegen Gusenbauers Geschäftspartner Beny Steinmetz ermittelte, was die Vorgeschichte zu dessen Verhaftung in Israel 2017 ist, denn er verlegte dann seinen Aufenthaltsort. Aufgrund der aktuellen Entwicklung fasst der „Tagesanzeiger“ diese Causa zusammen und meint unter Verweis auf den „New Yorker“, dass Steinmetz enge Verbindungen zum Mossad haben soll. Das SPÖ-Mitglied Schlaff war übrigens 2012 in den Korruptions-U-Ausschuss geladen und machte sich über diesen lustig; bei einem damaligen Bericht über den Schuldenberg der SPÖ verweist ein User auf Gusenbauer-Freunde wie Schlaff.

Unterschriftensammlung gegen Rosia Montana-Projekt

Zu einer Fußnote bei Schlaffs Wikipedia-Eintrag schweigen sowohl SPÖ als auch Gusenbauer: „In Austria it’s believed that he is actually an Israeli Mossad agent, which explain his connections with the stasi police in east Germany during the cold war and his connections with top Israelis officials. Also it’s believed that during the operation in Dubai, the network connection was established in Austria from his company building.“ Gemeint ist der Einsatz eines Kidon-Teams des Mossad, der via Überwachungsvideos  nachvollziehbar war und bei dem ein Hamas-Führer 2010 in einem Hotelzimmer ermordet wurde. „There are those in Austria who believe he is very close to the Israeli Mossad espionage agency and that he continues to come to Israel under a false identity“, schrieb „Haaretz“ in einem Porträt. 2014 kam Außenminister Avigdor Lieberman inoffiziell nach Wien u.a. um Schlaff zu treffen. Wegen Ermittlungen gegen ihn (die bis 2013 liefen) in der Casino Jericho-Affäre zog Schlaff es vor, Israel zu meiden.

2014 hieß es, Gusenbauer habe 4, 76 Millionen € Gewinn gemacht: „Zu Beginn des Jahres hat Gusenbauer eine weitere Firma gegründet, die Gusenbauer Projektentwicklung und Beteiligung GmbH & Co KG. Einzige Kommanditistin ist Gusenbauers Tochter Selina. Wobei sich der finanzielle Einsatz der 22-Jährigen in Grenzen hält: Ihre Haftung ist auf 300 Euro begrenzt.“ Im April war von einem Beraterteam von Außenminister Sebastian Kurz die Rede, dem auch Gusenbauer angehört. Zuvor wurden Ermittlungen gegen ihn und Anwalt Lansky in der Alijew-Affäre eingestellt.

2015 nahm Gusenbauer an der 63. Bilderberg-Konferenz in Telfs-Buchen teil. Es war auch das Jahr des Hypo-U.Ausschusses, in dem er sich als Zeuge mehr als bedeckt hielt. Als Berater soll er 84.000 € erhalten haben und für einen Vortrag 18.000 €, wobei die Beratung 2009 erfolgte. Wie bereits erwähnt, wollte 2015 Silbersteins „Novia“ mit den Casinos Austria ins Geschäft kommen und es war das Jahr, in dem geleakte Mails Aufschluss gaben über die Kasachstan-Connection von Lansky und „Gusi“. Im Sommer 2015 wurde der langjährige Gusenbauer-Freund und damalige ÖBB-Chef Christian Kern zum „Kanzler der Herzen“ gehypt, weil er „Flüchtlinge“ mit Sonderzügen durch Österreich transportierte. Der „Kurier“ schrieb über Gusenbauer: „Im Zentrum der unternehmerischen Aktivitäten steht die Gusenbauer Projektentwicklung & Beteiligung GmbH. Dem KURIER liegt die druckfrische Bilanz vor:  Laufender Gewinn 945.517 Euro, der kumulierte Gewinn summiert sich auf 5,707 Millionen Euro. Bankverbindlichkeiten von 1,650 Millionen stehen zum Ultimo 2014 Guthaben bei Kreditinstituten von 1,835 Millionen sowie Forderungen von 1,356 Millionen Euro gegenüber. Nicht schlecht für eine Ein-Mann-Firma, die erst Ende 2008 startete.“ 2015 beriet Silberstein nicht die Wiener SPÖ, sondern- angeblich oihne Honorar – die NEOS.

2016 wurde er nicht in den Aufsichtsrat der Novomatic geholt, aber in jenen des in Berlin ansässigen Think-Tanks „Dialogue of Civilizations Research Institute“.  Als Bundeskanzler Werner Faymann abmontiert wurde, soll auch Gusenbauer mitgemischt haben, den man zum Netzwerk von Nachfolger Kern zählt. „Kern – Zwischen Renzi und Gusenbauer“ war dann auch der Titel eines Artikels über den Neuen, in dem u.a. Ex-Bundesgeschäftsführer Joe Kalina zitiert wird: „Kalina sieht den Kanzler sogar unter dem Schlagwort ’solidarische Hochleistungsgesellschaft‘, das von Alfred Gusenbauer geprägt wurde. Mit seinem Vorvorgänger pflegt Kern eine Freundschaft. Mitunter holt er auch seinen Rat ein. Es gab sogar das Gerücht, Kern und Ex-Siemens-Chefin Brigitte Ederer hätten diese Gusenbauer-Vision, in der die Sozialdemokratie Anleihe beim Liberalismus nimmt, einst mit erfunden. Doch Kern hat das vor Kurzem in kleiner Runde bestritten: Gusenbauer habe hier die alleinige Urheberschaft.“ Es war das Jahr, in dem Kern auf Gusenbauers Rat hin Silberstein engagierte, der dann auch zum Bundespräsidentenwahlkampf Alexander Van der Bellens beitrug.

Anfrage der Grünen, August 2016

Und während die Partei in Veranstaltungen gegen CETA mobilisierte und sich in einer Urabstimmung mit überwältigender Mehrheit dagegen aussprach, fiel Christian Krn um. Da „Gabriel Resources“ mit dem „nicht geschäftsführenden Direktor“ Gusenbauer den Sitz in Kanada hat und den Staat Rumänien klagen will, erscheint dies in anderem Licht.  In der „Signa Times“ blickt Gusenbauer auf „ein ambitioniertes Jahr 2016“ zurück, in dem es zahlreiche Käufe und Verkäufe gab.  Im Sommer 2016 warf der 2. Eurofighter-U-Ausschuss seine Schatten voraus, da Peter Pilz – damals noch bei den Grünen – den sog. Darabos-Vergleich, einen Verschlußakt,  Medien zuspielte.Und er stellte eine Anfrage an Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil zur Rolle Gusenbauers. Wie zu erwarten schweigt Doskozil auch formal begründet dazu, doch die Anfrage nimmt im Grunde die Dramaturgie des U-Ausschusses vorweg. 2016 lobbyierte Gusenbauer für die Schweizer Firma Stadler Rail bei den ÖBB; diese beliefert bereits Haselsteiners Westbahn.

2017 beschwert sich die ÖVP im Jänner über Recherchen im Umfeld von Kurz, was sie mit Silberstein in Verbindung bringt. Kern tut auch Hinweise auf einen rumänischen Haftbefehl gegen diesen als Unfug ab, obwohl er im Gspräch war und  im März 2016 ausgestellt und veröffentlicht wurde – zwei Monate, ehe Kern ins Bundeskanzleramt einzog. Die SPÖ schweigt zu Berichten, wonach man Silberstein dem Mossad zuordnen kann, die ich damals entdeckte und zitierte. Im Februar zeichnet sich ab, dass es auf Betreiben von Peter Pilz einen neuen Eurofighter-U-Ausschuss geben wird, in dem Gusenbauer und Specht aussagen und sich der Ex-Kanzler an Darabos abputzt. Obwohl Darabos‘ Abschottung durch Kammerhofer zur Sprache kommt, machen alle Fraktionen und der Verfahrensanwalt dabei mit. Drehbuchgemäß zeigt Pilz den seit Jahren unter Druck gesetzten und überwachten Ex-Minister an und lässt die Rolle Gusenbauers außen vor.

Wenig später wird er nicht auf den gewünschten Listenplatz gewählt und beschließt, gegen die Grünen zu kandidieren. Die SPÖ ist trotz (wegen?) „Guru“ Silberstein im Wahlkampf von Pech verfolgt; vieles wirkt wie bloßes Recycling eigener und fremder Kampagnen. Da alle Warnungen betreffend Silberstein ignoriert wurden, erwischt die Nachricht von seiner und Steinmetz‘ Verhaftung am 14. August 2017 Kern und Co eiskalt. Zwar trennt man sich in Windeseile von „Mastermind“ Silberstein, weicht jedoch auch jeder kritischen Auseinandersetzung aus. Stattdessen lässt man Gusenbauer in Selbstverteidigung keinen Fettnapf auslassen und will auch nicht begreifen, dass seine Rolle bei den Eurofightern aufgeklärt werden muss, statt ganz auf „Gusi“-Linie Darabos zu opfern. Niemand wagt sich aus der Deckung, wenn sich Gusenbauer zum ehrlichen Kaufmann stilisiert. Vor ein paar Tagen schrieb der „Standard„: „Berater des Diktators Kasachstans, umstrittene Geschäfte und die Causa Silberstein: Alfred Gusenbauer beschert der SPÖ Erklärungsbedarf. Doch einen Verstoß hat der Exchef derzeit nicht zu befürchten.“ Will sich denn niemand seine seltsamen Geschäfte ansehen?

PS:  Bezeichnende Schlagzeile: „René Benko kauft sich halb Wien“. Ausserdem: „Haselsteiner kauft sich erneut bei Firma von Benko ein“ und hier auch mehr dazu.

PPS:  Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte fertiggemacht; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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7 Gedanken zu “Herrn Gusenbauers seltsame Geschäfte

  1. Der Standard-User @amber 103 hat guten Einblick in diese Netzwerke. Er findet über einen Hedgefond (Och) auch eine Verbindung zu Trumps Schwiegersohn Kushner.

    https://derstandard.at/userprofil/postings/6585

    Oder – den heimischen „Markt“ betreffend
    von@Ich00

    Sie wissen aber schon, dass diese Herren etliche Immobiliengeschäfte im Wiener Umfeld getätigt haben. Da kann ein Gusenbauer zumindest theoretisch schon helfen.

    Ist zwar eine andere Baustelle, aber vielleicht für Sie von Interesse.

    Bei einem Zinshaus errechnet sich der Wert über die möglichen Mieteinnahmen. Diese hängen wiederum vom von der Stadt Wien veröffentlichten Lagezuschlagsplan ab. Als nun vor kurzem unsere allseits geschätzte Altpolitikerin Fr. Brigitte Ederer ein Zinshaus im 2. Bezirk erworben hat, da wurde doch zufällig genau in der Gasse wo Ihr Zinshaus steht ab sofort ein höherer Lagezuschlag im Plan ausgewiesen. Es ist natürlich auszuschliessen, dass das etwas anderes als pures Glück war.

    Gefällt 3 Personen

      1. den artikel wollt ich gerade hier einstellen…

        nein haselsteiner kauft nicht EINE partei. er sorgt dafür, dass seine ganze koalition angelobt wird…

        wär ja auch blöd von ihm, das risiko nicht zu streuen…

        das würde ja seinen einfluss mindern.

        besser ist er hat noch das eine oder andere pferderl auf der oppositionsbank startbereit, falls ein partner wieder erwarten strauchelt…

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