Was Wirecard mit Österreich zu tun hat

Eh klar, Markus Braun und Jan Marsalek haben mit Österreich zu tun?! Es ist eben nicht so einfach, denn Kay Gottschalk (AfD), der Vorsitzende des deutschen Wirecard-U-Ausschusses, sagt in einem Interview, dass sie immer wieder neue Schubladen öffneten und jede Spur nach Österreich führte. Er lässt durchklingen, dass vieles noch nicht aufgeklärt ist, auch wenn er natürlich nur über den öffentlichen Teil der Zeugenbefragungen sprechen darf. Zunächst einmal fallen Verbindungen von Wirecard zu unserem Verfassungsschutz auf, die aber wiederum mit der ÖVP zusammenhängen, die das BVT ja auf Schiene brachte, als der Kanzler Wolfgang Schüssel und der Innenminister Ernst Strasser hiess. Eine Dokumentation bei Sky macht deutlich, mit welchen Methoden Whistleblower eingeschüchtert wurden und gegen Recherche vorgegangen wurde; all das zu einer Zeit, als Braun und Marsalek in Österreich bestens vernetzt waren. Gottschalk war erstaunt, welche Enthüllungen zu diesen Verflechtungen bei uns keinerlei Konsequenzen hatten, obwohl man sie nicht achselzuckend hinnehmen kann.

Etwa die Verbindung von Brigadier Gustav Gustenau, der dem Präsidium der Österreichisch-russischen Freundschaftsgesellschaft angehörte undim Verteidigungsministerium in der Direktion für Sicherheitspolitik arbeitet, zu Jan Marsalek. In den Informationen zum Video unten wird auf Gustenau, aber auch auf Wolfgang Gattringer hingewiesen, dessen Firma Repuco mit Wirecard in Verbindung stehen soll; er war bei Ernst Strasser im Innenministerium tätig und ist aus der Tetron-Affäre bekannt. Bei dieser ging es um Blaulicht-Funk und es war auch Alfons Mensdorff-Pouilly involviert, dessen Namen wir auch von Eurofighter kennen und der dem Aufsichtsrat von C Quadrat Investment AG angehört. Damit sind wir auch bei ÖVP-Großspender Alexander Schütz, seines Zeichens Nachbar von Markus Braun in Wien und Kitzbühel und Vermieter von Dmytro Firtash.

Kay Gottschalk im Gespräch

Bei Wirecard hatte man Bedenken wegen US-Ermittlungen, die Firtash in der Nähe Organisierter Kriminalität sehen, doch dank Marsalek bekam er ein Konto. Im Gespräch mit Kay Gottschalk erinnert sich Christian Hafenecker von der FPÖ daran, dass die Auslieferung Firtashs an die USA in den Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ 2017 vereinbart wurde, dann aber auf geheimnisvolle Weise unter den Tisch fiel. Justizminister und nach dem Rücktritt von Reinhold Mitterlehner auch Vizekanzler war Wolfgang Brandstetter, der Kriminalität jeder Art immer deckte. Auch die da noch regierende SPÖ hatte wegen ihrer eigenen Verstrickungen kein Interesse daran, einem Putin-nahen Oligarchen ans Bein zu pinkeln. Es ist nachvollziehbar, dass sich der deutsche U-Ausschuss fragt, welche Rolle eigentlich österreichische Player in der Genese von Wirecard spielten angesichts eines dicht gewobenen Netzes.

Das Neueste von Wirecard

Der Wiener Markus Braun war bei KPMG (ausgerechnet Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung) in Deutschland, ehe er ab 2002 Führungsfunktionen bei Wirecard innehatte. KPMG gehört zu den Mitgliedern der Austrian Chinese Business Association, deren Kuratorium Christian Kern vorsteht; im Kuratorium finden wir auch Wirtschaftskammer-Vizepräsident Christoph Matznetter. Er war bis zum Wirbel um Wirecard auch Vizepräsident der Österreichisch-russischen Freundschaftsgesellschaft und vertritt die SPÖ im Ibiza-U-Ausschuss, der sich ja paradoxer Weise mit käuflicher Politik befasst. Unten sehen wir einen Screenshot von der Webseite der Blue Minds Group (= die Kerns, Alfred Gusenbauer, Hans Peter Haselsteiner) von einer Veranstaltung 2016 mit Markus Braun. Damals war Christian Kern Chef der ÖBB, die zu den Geschäftspartnern von Wirecard gehören, woran übrigens auch Jan Marsalek mitwirkte. In der ARD/Sky-Doku „Wirecard – Die Milliarden-Lüge“ kommt auch Matthew Earl zu Wort, ein Investor und Shortseller, der 2016 anonym im Zatarra-Report frisierte Umsätze, Scheingeschäfte und Geldwäsche aufgedeckt hatte. Es gab bereits 2015 eine Razzia bei Wirecard auf Ersuchen von US-Behörden; wir wissen inzwischen, dass Justiz und Finanzaufsicht ebenso nachlässig agierten wie Wirtschaftsprüfer.

Kern, Bierwirth, Braun, Zadrazil

Mit Kern und Braun diskutierten 2016 auch Andreas Bierwirth von T-Mobile und Robert Zadrazil von Bank Austria/Kontrollbank. Letztere wurde von Marsalek bei seinem Libyen-Abenteuer, in das auch Gustenau und Gattringer involviert waren, zur Kasse gebeten. Dass Wirecard letztlich aufflog, mag mit dem Versuch zu tun gehabt haben, die Deutsche Bank zu übernehmen, deren Aufsichtsrat Alexander Schütz angehörte. An C-Quadrat war zeitweilig wie an dieser Bank die inzwischen insolvente chinesische HNA Group beteiligt. Freilich rochen auch immer wieder Personen inside Wirecard Lunte, aber auch Journalisten und Shortseller wie Fahmi Quadir in New York, die wie Matthew Earl im Wirecard-U-Ausschuss aussagte. Oder Pav Gill, der für Wirecard in Singapur tätig war und bald merkte, dass etwas nicht stimmte; er dachte zunächst, dass die Firmenzentrale dankbar sein werde für seine Hinweise. Doch die Missstände wurden nicht abgestellt, sondern Gill, der sich auch an die Staatsanwaltschaft und die BaFin wandte, stand plötzlich selbst im Visier. Die Zentrale wollte ihn im Mai 2018 auf Dienstreise nach Jarkata zu Edo K. schicken, der Asien-Pazifik-Manager von Wirecard war und damit prahlte, in einen indonesischen Drogenhändler-Clan eingeheiratet zu haben. Dieser sei in der Lage, Menschen spurlos verschwinden zu lassen; Gills Mutter nahm ihrem Sohn den Pass weg, weil sie um sein Leben fürchtete; aus der Münchner Wirecard-Zentrale erhielt er eine Warnung: „Geh nicht! Das ist eine Reise ohne Rückfahrschein.“ Gill blieb an seinen Recherchen dran, kündigte und erlebte, dass man ihm sein Wissen zunächst abkaufen wollte und ihn dann bedrohte; er solle an seine Mutter Sobkir Kaur denken. Damals war Andreas Matthä Christian Kern schon an der Spitze des Wirecard-Business-Partners ÖBB nachgefolgt und erweiterte die Kooperation mit Wirecard, auch er gehört zur ACBA. Kern ist auch Präsident einer an die chinesische KP angedockten Industrielobby und russischer Aufsichtsrat, was ihn mit dem Marsalek-Gast Wolfgang Schüssel verbindet.

Markus Braun im Kurzschen Think Tank

Marsalek traf den Innenminister von April 2016 bis Dezember 2017 Wolfgang Sobotka mindestens einmal, und zwar in Moskau; als Marsalek am 18. Juni 2020 aus der EU flüchtete, geschah dies mit einer von der Avcon Jet betreuten Maschine von Firtash via Bad Vöslau. Rein zufällig finden wir Andreas Bierwirth im Aufsichtsrat der Avcon Jet, bei der auch der russische Transportunternehmer Andrei Kotchetkov eine Rolle spielte (siehe auch Alizee Bank). Im März 2021 flog Sebastian Kurz mit diesem Flugzeug, das Firtash von Raiffeisen (seinem früheren Treuhänder) geleast hatte und das Avcon Jet betreute, aus Israel zurück nach Österreich. Während Pav Gill für die Öffentlichkeit bis vor kurzem ein anonymer Whistleblower war, begann Matthew Earl gegenüber Wirecard als Unbekannter, wurde aber bald identifiziert. Man beschattete ihn und schickte ihm Fotos, die ihn beim Verlassen seines Hauses, aber auch seine Kinder zeigten. Earl nahm über die Whistleblower-Hotline Kontakt mit der BaFin auf, doch ermittelt wurde nur gegen ihn. Dashiell Lipscomb war Country Manager in Dubai und wunderte sich, dass für die Abteilung Card-Systems (Drittpartnergeschäfte) die höchsten Umsätze gemacht wurden und immer größere Büroflächen angemietet wurden, es aber keine Mitarbeiter gab. Das erinnert an die Erfahrungen von Fahmi Quadir, die sich Wirecard in New York ansah und mit einem ahnungslosen Manager sprach, der ebenfalls zu viel Platz um sich hatte; sie wurde dann professionell niedergeschlagen, als sie mit ihrem Hund Gassi ging. Lipscomb begann lästige Fragen zu stellen und man kündigte ihm und drohte ihm ein Strafverfahren an, sodass er Dubai fluchtartig verliess (wo übrigens u.a. der Schweizer Anwalt von Firtash, Ralph Isenegger ein Büro hat). Er wies dann nach, dass es bei vielen Drittpartnergeschäften gar keine Kunden gab; hätte Wirecard die Deutsche Bank übernommen, hätte man vielleicht alles verstecken können.

Interview mit Pav Gill

Über die ORFG und deren Geschäftsführer Florian Stermann, der auch zur Zeit des ORFG-Präsidenten Ernst Strasser schon dabei war, kam auch Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in Kontakt mit Jan Marsalek. Auch Heinz Christian Strache war dabei, der 2016 einen Vertrag mit der Putin-Partei Einiges Russland geschlossen hatte. Es gibt noch eine Ibizagate-Connection, weil Julian Hessenthaler (der auch im Wirecard-U-A aussagte) von 2012 bis 2018 ein Konto bei Wirecard hatte und Marsalek traf. Außerdem dockte Marsalek noch zur Zeit von Hans Peter Doskozil (2016 und 2017)als Verteidigungsminister im Ressort an. Als man sich letzten Sommer gerade erst mit Österreich-Bezug bei Wirecard auseinandersetzte, ging die Commerzialbank Mattersburg Pleite, deren Umfeld ebenfalls mit Unterstützern der ORFG zu tun hat. Wirecard CEE in Graz wurde von TPA geprüft, einem Mitglied der ACBA mit dem ORFG-Sponsor Signa als grösstem Kunden; Rene Benko war in Kontakt mit Markus Braun; es ging um ein gemeinsames Medienprojekt. Benkos Kreditgeber sind u.a Bank of China, Sberbank Europe und Raiffeisen (bei Letzteren sprach man dann von 60 Millionen Verlust bei Wirecard). Bei der Commerzialbank ging es um Scheinkunden, die Entnahme grosser Geldmenge in bar und natürlich auch um verschwundene Millionen. Die Bank wurde von TPA geprüft und nachdem 2015 ein Whistleblower auf unsaubere Geschäfte hinwies, sah die Justiz selbstverständlich weg. Zwar wurde nichts unternommen, aber die Finanzmarktaufsicht sperrte zwei TPA-Prüfer von 2016 bis 2020. Demnach war TPA gesetzlich von der Prüfung der Bank ausgeschlossen, die jedoch weiterhin TPA beauftragte. Für ihren Mehrheitseigentümer, eine Kreditgenossenschaft ist das Land Burgenland zuständig, das jedoch an TPA delegierte. Dies lief bis Dezember 2017 über den Schreibtisch von Landesrat Helmut Bieler ab und dann über Doskozil zuerst als Landesrat und seit März 2019 als Landeshauptmann. Die SPÖ ist auch im Burgenland mit Oligarchen verbandelt, wie z.B. die Unterstützung für Oleg Deripaska bei der Einbürgerung des Putin-Beraters Walentin Jumaschew zeigt. Deripaskas Geschäftspartner Hans Peter Haselsteiner fördert die NEOS, denen sich Markus Braun zuwandte, ehe er der ÖVP spendete.

Felix Holtermann über Wirecard

Deutsche rätseln, warum Wirecard so viel mit Österreich zu tun hat und dies keinerlei Konsequenzen hat. Dabei geht es um die Henne und das Ei, denn zuerst war unser eng mit Korruption, Organisierter Kriminalität, Oligarchen und fremden Geheimdiensten verwobenes politisches System. Dann erst kam Wirecard, sodass Österreich Wirecard im Grossen ist oder Wirecard Österreich im Kleinen. Es wird deswegen nie wirklich aufgedeckt, nie unabhängig ermittelt, weil alles das Kartenhaus gefährden könnte. Man kommt von einer Ecke des Puzzles zum Gesamtbild, wenn man Einschüchterungen, korrumpierte Justiz, Komplizenschaft von Medien und Parteien wegsteckt und dennoch am Ball bleibt. Die Whistleblower von Wirecard waren zuerst auch allein, sie dachten, sie fänden Gehör, sie hätten einen Einzelbereich entdeckt. Doch dann wimmelte man sie ab, man glaubte ihnen nicht, sie würden bedroht und medial diffamiert. Mafia-Methoden sind auch in Österreich normal und werden deswegen aufrechterhalten, weil Journalisten nicht glauben, dass sie Mafia decken, weil Beamte es nicht wahrhaben wollen, weil jede Partei Kriminelle in den eigenen Reihen so lange wie möglich schützt. Weil man vielleicht noch bei Geschäftspartnern die Reissleine zieht, da aber auch oft Angst vor Repressalien hat, die weder Polizei noch Justiz interessieren. Wie zur Bestätigung des Gesagten und als passender Abschluss wird jetzt gemeldet, dass es Zweifel am Tod des Wirecard-Asien-Partners Christopher B. gibt, der 2007 eingestiegen ist.

Vorsichtige ORF-Doku

Doch man muss auch auf eine sehr vorsichtige Doku des ORF hinweisen, die wesentliche Details auslässt und mit einem „Satire“-Beitrag von Jan Böhmermann über die Türkisen abgestimmt scheint. Ist es Zufall, dass der Aufsichtsratsvorsitzende von Wirecard Thomas Eichelmann diese Funktion auch bei Hochtief innehatte? An diesem Konzern, der auch in Wien beim Bau der U 5 präsent ist, beteiligte sich wie an Magna und Strabag Oligarch Deripaska. Eichelmann war wie Roland Berger, der bei Benko investierte, und Antonella Mei-Pochtler (strategische Beraterin von Kurz, die Braun in dessen Think Tank holte) einmal bei der Boston Consulting Group. Roland Berger engagierte wiederum Wirecard-Aufsichtsrat Stefan Klestil, der Braun und Marsalek seit 2008 kannte und dessen Stiefmutter Margot Klestil-Löffler österreichische Botschafterin in Moskau war. Vor zwei Wochen besuchte Wirecard-Lobbyist Karl Theodor zu Guttenberg die Atos-Gipfelgespräche in Kärnten, die mit der Österreichisch-aserbaidschanischen Handelskammer, der ORFG, der ACBA, der Österreichisch-israelischen Handelskammer über ihre Teilnehmer verbunden sind. Dabei ging es auch um Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, der Aufsichtsratsvorsitzender der Strabag, Aufsichtsrat bei Signa und für die Justiz z.B. bei den Eurofightern unantastbar ist.

PS: Weil ich mich seit Jahren mit solchen Hintergründen befasse, wird mir sehr zugesetzt. Ich freue mich daher über eure Unterstützung und den Austausch mit euch und bin unter 066499809540 erreichbar. Weil „Zusetzen“ auch bedeutet, mich ökonomisch zu treffen, bedanke ich mich auch für eure finanzielle Unterstützung unter Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX vielen Dank!

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