Wirecard und die österreichisch-russische „Freundschaft“

Der Wirecardskandal ist im Handumdrehen zu einem Geheimdienstskandal in Österreich geworden; da wir aber nur Nachrichtendienste haben, sind damit fremde Dienste gemeint. Weil Markus Braun und der verschwundene Jan Marsalek seit 2011 die Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft unterstützt haben, ist deren Existenz nun einer breiten Masse bewusst. Auch die Verbindung zu Heinz Christian Strache und Johann Gudenus, seit dem Ibiza-Video weltweit bekannt, gehört hierher und passt hervorragend ins Bild. Zu Wirecard selbst wird immer mehr auch an Nachlässigkeit bei jenen Organen bekannt, die Aufsicht ausüben sollten sowie fehlendes internes Procedere, das bei einem Unternehmen dieser Größenordnung zu erwarten wäre; außerdem gibt es Verdacht auf Insiderhandel.. Man muss genüßlich lesen, was Anna Thalhammer in der „Presse“ schreibt, die ansonsten aus dem Verfassungsschutz schnell mal „unseren Geheimdienst“ macht: „Ist der flüchtige Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek gar ein russischer Spion? Darüber wird derzeit gemutmaßt. Fakt ist: Er hatte offenbar gute Kontakte nach Russland und zu dessen Geheimdienst GRU. Auch in Österreich unterstützte Wirecard Russland-Connections. Die Firma spendete jährlich zwischen 10.0000 und 20.000 Euro an die österreichisch-russische Freundschaftsgesellschaft (ORFG). Die Vorstände Markus Braun und Jan Marsalek wurden darum zu Ehrensenatoren ernannt. Einstimmig.“

Das Tag Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft kommt in meinem Blog immer wieder mal vor, wenn ich diverse Mitglieder und ihre Netzwerke erwähne, etwa Vizepräsident Christoph Matznetter, SPÖ, der Mitglied des Ibiza-U-Ausschusses ist, oder Harald Mahrer, ÖVP, unter anderem Präsident der Wirtschaftskammer, oder Anwalt Gabriel Lansky, der mit Matznetter publiziert und Vertrauensanwalt der russischen Botschaft ist. Wir finden in der ORFG auch Ex-Innenministeriums-Kabinettschef Michael Kloibmüller, der eine eher negative Rolle im sogenannten BVT-Konvolut einnimmt, das die legendäre Hausdurchsuchung 2018 auslöste; übrigens ging es im anonym verbreiteten Papier auch um Lansky. Peter Fichtenbauer und Johannes Hübner von der FPÖ gehören ebenfalls der ORFG an und bis nach Ibizagate 2019 auch Johann Gudenus und Markus Tschank, der auf Anraten von Ex-SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil das „Institut für Sicherheitspolitik“ gründete, das vom Ministerium, von Novomatic und von der ILAG der Familie Turnauer unterstützt würde, bei der Ex-Vizekanzler Michael Spindelegger im Aufsichtsrat sitzt. Wir sehen, dass die Strabag, an der sich Oligarch Oleg Deripaska beteiligte, durch Diana Neumüller-Klein vertreten ist oder dass auch Anwalt Hannes Jarolim mit von der Partie ist, der sich bis 2006 gemeinsam mit Leo Specht um Klienten aus der Ex-Sowjetunion bemühte und dann andere Partner suchte.

Artikel von oe24

 

Zu den Mitgliedern von Präsidium und Vorstand kann man einige weitere Infos zusammenstellen; es ist aber auf den ersten Blick klar, dass die gesamte politische Szene direkt oder indirekt vorhanden ist und man z.B. über das Firmenbuch auch weitere Vernetzungen recherchieren kann. Es erscheint bizarr, dass Marsalek eine Miliz von 15.000 Mann für Libyen aufstellen wollte und deswegen auch im Verteidigungsministerium vorsprach; viele dachten, das könne allenfalls bei Türkisblau 2018 der Fall gewesen sein, doch es begann 2017 bei Doskozil: „Die Gespräche zwischen dem Ressort und der deutschen Expertengruppe haben demnach bereits 2017, also noch unter SPÖ-Minister Hans Peter Doskozil, begonnen und sich bis 2018 gezogen. Sie mündeten in einer Absichtserklärung des Ministeriums, sich zu beteiligen. Unklar ist, ob es auch eine finanzielle Unterstützungszusage gegeben hat: Laut ‚FT‘ wurden 120.000 Euro zugesagt, das Ministerium bestätigte das nicht. Umgesetzt wurde das Projekt nach Angaben des Verteidigungsressorts nicht: ‚Weiteres Interesse des deutschen Expertenteams hat es nicht gegeben, und es hat auch keinerlei finanzielle Zuwendungen gegeben.‘ Geführt wurden die Gespräche von der Direktion für Sicherheitspolitik. Einer der führenden Mitarbeiter dieser Direktion sitzt im Präsidium der Österreichisch-Russischen Freundschaftsgesellschaft, mit der Marsalek vernetzt war.“

Kurz 2012 bei der ORFG

Ein Blick auf die ORFG-Vorstandsmitglieder genügt, um sich da weiter schlau zu machen; dass Marsalek davon ausging, im BMLV auf offene Ohren zu stoßen, erklärt sich wohl auch aus der Präsenz von SPÖ-Mitgliedern bei der ORFG; immerhin ist Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Strabag. Sein Stellvertreter ist Erwin Hameseder von Raiffeisen, jenem Konzern, der auch den früheren ORFG-Präsidenten Ludwig Scharinger stellte, als Treuhänder für Dmytro Firtash fungierte und Benko Kredit gibt sowie an der Strabag beteiligt ist. Ein Gerücht in der Wiener Szene besagt, dass für den Berner Club weniger die Hausdurchsuchung beim BVT 2018 das Problem war als vielmehr die Russland-Connections in Verteidigungsministerium und Bundesheer sowie die Rolle von Strache und Gudenus. Dies scheint sich zu bestätigen, weil beide auch mit Marsalek Kontakt hatten, der zwar auch ein Angeber gewesen sein wird, zugleich aber Dinge tat, die ohne Kenntnis der GRU kaum gehen. Bei oe24 berichtet Isabelle Daniel, für die alles so lange „Verschwörungstheorie“ ist, bis sie es erwähnen muss. Am 17. Dezember 2017 wurde die türkisblaue Regierung mit Strache als Vizekanzler angelobt; unter diesem Gesichtspunkt muss man den Hinweis auf Dezember betrachten: „Mit dabei bei dem rund einstündigen Termin war auch Ex-FP-Klubchef Johann Gudenus, der dieses Treffen auf ÖSTERREICH-Anfrage ‚bestätigt‘. Es sei ein ‚Kennenlerntermin‘ gewesen. Gesichert ist, dass sowohl Marsalek als auch Strache gerne über Geheimdienste geredet hatten. Gudenus hatte den Mann mit dem offenbaren Doppelleben danach noch vier bis fünf Mal getroffen. Im Zuge der Auswertung des Handys von Gudenus wurden, wie berichtet, auch Nachrichten eines Mittelsmannes – der wie Marsalek und Gudenus Teil der österreichisch-russischen Gesellschaft war – sichergestellt. Darin verschickte der Mittelsmann ‚Geheimdienst-Infos‘, die Marsalek angeblich von Kontakten im Verfassungsschutz hatte.

Redakteur des „Handelsblattes“ auf Twitter

Dem Vernehmen nach sei Strache von Marsalek – dem damals noch nichts vorgeworfen wurde – beeindruckt gewesen. Und wollte, dass Gudenus mit ihm ‚Kontakt hält‘.“ Heute wissen wir so ungefähr, was am 24. Juli 2017 auf Ibiza passierte und wie es eingefädelt wurde; auch ohne diesen Aspekt fragt man sich wohl, wie grenzenlos naiv Strache und Gudenus sein mögen, und mit Ibizagate gilt dies umso mehr. Tatsächlich sind beide für Geheimdienste sicher sehr leicht einzuschätzen (cherchez les femmes!) und man weiss, wie man sie im Handumdrehen aufs Glatteis führen kann. Darüber dürfte sich aber gerade in der „Männer-Blase“ kaum jemand aufregen, die via Twitter anderen vorgeben will, was sie denken sollen, weil alle beim Wort „Geheimdienst“ zu Mini-James Bonds werden. Weder Strache selbst noch diese Männer haben bis heute begriffen, dass Strache eine Geheimdienstaktion unterstützte, als er Alfred Gusenbauers und Hans Peter Doskozils Bündnispartner Peter Pilz dabei half, 2017 einen weiteren Eurofighter-U-Ausschuss auf Schiene zu bringen. Wenn man derlei recherchiert und rekonstruiert, kommt man übrigens mit der bei Regierungsmitgliedern beliebten Kombination „Smartphone und Tablet“ nicht weit, auch wenn dies anscheinend Status und daher „Macht“ durch Delegieren symbolisieren soll.

2016. Christian Kern und Markus Braun

Es geht nicht ohne Laptop, schriftliche Analyse und das mühsame Zusammensammeln sehr vieler Puzzleteile, die man immer wieder neu ordnet; auch mündliche Informationen sind natürlich von Bedeutung, allerdings zu einem geringen Teil.  Hat man einmal ein Puzzle, kann man zum Beispiel beim Wirecard-Skandal feststellen, ob dieses Bild an den Rändern andocken kann – und siehe da, es funktioniert. Einiges spricht nämlich dafür, dass Wirecard eine „front organisation“ ist, also eine Firma, deren wahrer Zweck ein anderer als der vorgebliche ist. Dies würde auch erklären, warum Braun und Marsalek so viel unterwegs waren und es dabei auch um ganz anderes ging; bei Marsalek zum Beispiel um Söldner für Libyen oder um eine libysche Zementfabrik, die mit Asamer zu tun hatte, wo wir wiederum die Strabag finden. Manche Details kann man nicht erfinden, ohne sich dem Vorwurf aussetzen zu wollen, schlechte Drehbücher zu verfassen: Etwa, wenn Wirecards Anfänge darin lagen, Dienste für Pornoprovider und Glücksspiel anzubieten, weil beides auch mit Geldwäsche zu tun hat. Damit nicht genug überprüften BVT-Beamte als Nebenjob die „Seriosität“ der Pornoanbieter, und zu den Österreich-Connections von Wirecard gehört auch ein stellvertretender Aufsichtsratschef, dessen Stiefmutter Botschafterin in Moskau war (wir reden von Brauns Stellvertreter und Vertrautem Stefan Klestil und Margot Klestil-Löffler).

Geldwäsche wird auch in Österreich geduldet…

Wir wissen, dass Markus Braun zuerst für die NEOS (Haselsteiner/Strabag) insgesamt 125.000 Euro spendete und dann 70.000 für den Wahlkampf von Bundeskanzler Sebastian Kurz, als er 2017 Neuwahlen vom Zaun brach. Eh nur dreimal sei Braun bei Treffen des „Think Austria“-Thinktanks unter der Leitung von Antonella Mei-Pochtler gewesen, die sich beim Kurzschen „Projekt Ballhausplatz“ um Sponsoren kümmerte. Mit Türkisgrün gibt es den Think Tank wieder, zusätzlich auch ein Komitee für Zukunftsfragen mit dem Adjutanten von Bundeskanzler Alexander van der Bellen Thomas Starlinger und Mei-Pochtler. Man kann das Geschehen und die Verstrickungen jedoch nicht auf Hick-Hack zwischen Parteien reduzieren, sondern sollte Netzwerke analysieren und auch Ibiza berücksichtigen. Unten kann man sich ein neues Strache-Interview von Wolfgang Fellner ansehen, in dem es um die Minute 20 um Ibizagate geht und sich Strache erneut rechtfertigt und als komplett unschuldig hinstellt. Zuvor rühmt er sich seiner Ablehnung des UN-Migrationspaktes gegen den Widerstand von  Kurz und impliziert, dass die Regierung aus Gründen wie diesem per Video-Veröffentlichung in wenigen Ausschnitten gesprengt wurde.

Strache bei Fellner

Wenn man russische Netzwerke analysiert, kommt man nicht um Magna International und Ex-CEO Siegfried Wolf herum. Er ist heute Aufsichtsratsvorsitzender von Deripaskas Russian Machines und bei der 2012 aus den Osteuropa-Töchtern der Volksbank kreierten Sberbank Europe. 2014 wurde er (Regierung Faymann/Mitterlehner) Aufsichtsratsvorsitzender der ÖIAG, die inzwischen zur ÖBAG wurde mit Ex-Finanzministeriums-Kabinettschef Thomas Schmid als Alleinvorstand. Jüngst wurde bekannt, dass auch die Austrian Real Estate privatisiert werden sollte, was an die Privatisierung u.a. der BUWOG in den 2000er Jahren erinnert, als Karl Heinz Grasser von Magna Finanzminister war. In der Zeit von Wolf als CEO wäre es Magna beinahe gelungen, gemeinsam mit der Sberbank und dem russischen Autobauer GAZ (mehrheitlich im Besitz von Deripaska) Opel zu erwerben. Es passt hervorragend ins Bild, dass die Tochter Sberbank Europe von der EZB bestraft wurde, weil sie zu hohe Großkredite vergab und auch Rene Benko einer der Nutznießer derartiger Kredite ist. Wolf ist ein Förderer sowohl von Benko als auch von Sebastian Kurz; deshalb trug Mei-Pochtler in ihre Sponsoren-Liste auch „Sigi Wolf, Russian Machines“ ein.

Video über den Wirecard-Skandal

Martin Schlaff ist Deutschen vor allem deshalb bekannt, weil er Embargo-Geschäfte mit der ehemaligen DDR machte. 1986 trat er der SPÖ bei, als der Banker Franz Vranitzky Bundeskanzler wurde und die Koalition mit der FPÖ beendete; 1997 nach seinem Ausscheiden aus der Politik wurde Vranitzky Magna-Aufsichtsrat. Ehe der Sieger in den blutigen russischen „Aluminiumkriegen“ Oleg Deripaska 2007 bei Magna und bei der Strabag einstieg, beteiligte sich Schlaff am Feuerfest-Konzern RHI; heute RHI Magnesita. Bei RHI wurde Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer einmal Aufsichtsrat; der Nachfolger von Werner Faymann, Christian Kern hatte schon einen Vertrag um 2 Millionen Euro als Vorstandsvorsitzender in der Tasche, als er im Mai 2016 Bundeskanzler wurde. Schlaff ist jetzt ebenso an Firmen der Kerns beteiligt wie Alfred Gusenbauer und Hans Peter Haselsteiner (NEOS-Förderer und Strabag). Mit Deripaskas Mentor Michael Chernoy verbindet Schlaff einiges, der selbst seine Laufbahn in der 1952 gegründeten Robert Placzek OHG begann, die im Trattnerhof in Wien-Innere Stadt logiert, von dem aus bis 1955 von den Sowjets requierte Betriebe verwaltet wurden.

Der Wirecard-Vorstand zieht Konsequenzen

Oleg Deripaska heiratete 2001 Polina, die Tochter des ehemaligen Leiters von Boris Jelzins Präsidentschaftskanzlei Walentin Jumaschew. Dieser verfasste in den letzten Jelzin-Jahren alles, was angeblich vom Präsidenten stammte, und entdeckte den Ex-KGB-Mann Wladimir Putin; 2001 heiratete er Jelzins Tochter Tatjana. 2019 machte Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel Platz für Jumaschew im Aufsichtsrat des russischen Mobilfunkanbieters MTS und wurde dafür in jenen von Lukoil aufgenommen. 2008/9 bemühte sich Deripaska letztlich erfolgreich um die Einbürgerung des „Jelzin-Clans“ dank willfähriger Sozialdemokraten. Aktiv wurden Günther Apfalter, seit Monatsnbeginn Magna-Chef für Europa und Asien, Franz Schnabl, früher Magna-Sicherheitschef, heute Landeshauptfrau-Stellvertreter in Niederösterreich, Hans Niessl, damals Landeshauptmann im Burgenland und Hans Peter Doskozil, damals in Niessls Büro und heute sein Nachfolger. Angeblich wohnten die Jumaschews in einem Haus in Winden am See an einer Durchzugsstraße, für das ein Russe Miete bezahlte, wo sie aber nie auftauchten; der tägliche Weg Niessls von Frauenkirchen um den Neusiedler See nach Eisenstadt verlief exakt dort. Außerdem waren Gusenbauer und sein Freund und dann auch Geschäftspartner Leo Specht im Spiel; Specht bildete bekanntlich bis 2006 mit Hannes Jarolim von der ORFG eine Kanzleipartnerschaft. Elena Baturina war lange die reichste Russin und wurde von Specht vertreten; ihr und ihrem verstorbenen Mann Juri Luschkow werden Verbindungen zu organisierter Kriminalität nachgesagt.

Markus Braun 2019 im Gespräch (inzwischen offenbar gelöscht, Anm. August 2020)

Luschkow erhielt 2007 das Große Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ); gegen Ende seiner Amtszeit als Moskauer Bürgermeister 2010 fiel er durch Stalin-Verehrung auf. Im Oktober 2008 errichtete Specht eine Projektentwicklung- und Beteiligung GmbH, die sein Freund Gusenbauer im Dezember beim Ausscheiden aus dem kanzleramt übernahm; seit November 2008 war Doskozil im Büro Niessls tätig. Man residierte in der Teinfaltstraße Nr. 8 in der Wiener Innenstadt, wo auch bei einem anderen Anwalt unzählige (Briefkasten-) Firmen angemeldet sind und die LPG Projektentwicklungs GmbH errichtet wurde, mit der Deripaska Luxusappartements in der Riemergasse bauen wollte. Das dafür benötigte Objekt erwarb der Oligarch um 15 Millionen Euro über dem Marktwert; all das sollte als Argument dafür dienen, in der Einbürgerung des „Jelzin-Clans“ einen wirtschaftlichen Vorteil für Österreich zu sehen. Mehr als eine Fußnote ist der 2008 erfolgte Bau des Luxushotels Aurelio in Lech am Arlberg; damals galt Deripaska als reichster Russe. 2010 heiratete dort Rene Benko von der Signa Holding, der dann selbst das dem Aurelio ähnliche Chalet N errichtete.

Gusenbauer, Wolf, Böhmdorfer bei Benkos „Törggelen“ (c Andreas Tischler)

Bei der Signa Holding finden wir Gusenbauer und seinen Ex-Sprecher Robert L. im Aufsichtsrat, der bereits im Dezember 2008 zum Immobilienkonzern wechselte.  L. unterstützte SPÖ-„Berater“ Tal Silberstein im Wahljahr 2017 unter anderem mit einem Dossier über die Kampagnefähigkeit der Sozialdemokraten; als Silbersteins Engagement nach seiner Verhaftung zur Affäre wurde, sollte Christoph Matznetter von der ORFG als SPÖ-Bundesgeschäftsführer alles planieren. In die Signa investieren Gusenbauer, Haselsteiner, Johann Graf von Novomatic, Roland Berger und andere. Berger war wie Mei-Pochtler einmal bei der Boston Consulting Group, was auch auf den Wirecard-Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Eichelmann zutrifft, der seit 2019 bei Wirecard ist. Eichelmann war – wie Stefan Klestil – auch bei Roland Berger und ist AR-Vorsitzender bei Hochtief, jenem deutschen Baukonzern, an dem sich Deripaska beteiligte. Wenn es um Rechtsbeistand geht, engagiert Benko z.B. Dieter Böhmdorfer, Justizminister der Grasser-Zeit, oder die amerikanische Kanzlei Skadden, die wie Alfred Gusenbauer für den Deripaska-Geschäftspartner Paul Manafort für die russlandtreue ukrainische Regierung Janukowitsch lobbyierte. Böhmdorfer vertritt auch den ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtash, der sich in Österreich der Auslieferung an die USA wegen eines Deals mit Boeing entzieht und der eine Agentur für die Modernisierung der Ukraine mit Ex-Vizekanzler Spindelegger gegründet hat.

Marsalek, Libyen und Asamer Baustoffe (mit Strabag-Beteiligung)

Die Eurofighter-Affäre wird in Österreich seit Jahren diskutiert und hat mit der 2002 beschlossenen Anschaffung von Eurofighter Typhoon zu tun; ihr russischer Aspekt wird in der Regel heruntergespielt oder verschwiegen. Im Jahr 1998 begann die Kooperation zwischen Magna und dem damals noch planwirtschaftlich geführten russischen Autobauer GAZ; Magna hatte von wegen Steyr Daimler Puch auch Verbindung zu Daimler Chrysler mit dem (heutigen) Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Bischoff, der dies auch bei EADS war. Magna mit Siegfried Wolf und Manager Hubert Hödl sollte EADS helfen, den russischen Markt zu sondieren; 2001 bot Bischoff Finanzminister Karl Heinz Grasser eine „Paketlösung“ mit Eurofightern und MiG-29 an, welche die Bundeswehr von der DDR übernommen hatte; sie wurden dann auch von Russland selbst angeboten. Das Finanzministerium war eigentlich nicht zuständig, manövrierte aber mit MiG-Fans das Verteidigungsministerium mit Herbert Scheibner aus, der als Nachfolger für Saab Draken Saab Gripen wollte. Damit die Entscheidung für Eurofighter fiel, betrieb EADS „politische Landschaftspflege“ unter anderem über die Agentur 100 % Communications mit Erika und Gernot Rumpold (er wirbt jetzt für Strache). Diese wurde auch von Deripaska engagiert, um eine Veranstaltung in Wien 2006 mit ihm und anderen durchzuführen; die Rumpolds kamen auch ins Spiel, als Deripaska das Hotel Aurelio baute.

#Wirecard-Debatte auf Twitter: Stefan und Thomas Klestil

EADS (heute Airbus) war bereits am russischen Flugzeugbauer Irkut beteiligt (bei dem auch Deripaska mit seiner Firma Aviakor eingestiegen ist), als per Dekret Wladimir Putins im Jahr 2006 die United Aircraft Corporation gegründet wurde, zu der dann auch Irkut oder Jakowlew gehörten. Die UAC erwarb 5 % der Anteile von EADS und behielt sie auch; 2006 führte die SPÖ mit Spitzenkandidat Alfred Gusenbauer einen „Sozialfighter statt Eurofighter“-Wahlkampf. Vranitzky wurde 1997 von Viktor Klima abgelöst, bei dem Andreas Rudas Bundesgeschäftsführer der SPÖ war, der Einladungen seines Gegenübers Olaf Scholz zu Treffen im Rahmen des „Dritten Weges“ der Sozialdemokratie nach Deutschland annahm. Für das Versagen der Finanzaufsicht BaFin im Wirecard-Skandal ist nicht nur Staatssekretär Jörg Kukies verantwortlich, sondern auch Finanzminister Scholz. 2000 wechselte Rudas zu Magna, sodass Gusenbauer ihm in der Parteizentrale nachfolgte und dann nach Klima Vorsitzender wurde. Im Wahlkampf 2006 heuerten Gusenbauer/Specht die israelischen Ex(?)-Agenten Tal Silberstein und Chaim Sharvit an; Silbersteins erster Wahlkampf wurde von Martin Schlaff 1999 für Ehud Barak finanziert. Mit Gusenbauer und dem Benko-Geschäftspartner Beny Steinmetz wollte Silberstein auch ins Glücksspiel einsteigen; sein Anwalt war Leo Specht.

Disput mit Matznetter über Druck auf Darabos (Juli 2020)

Nach der Wahl im Herbst 2006, die Gusenbauer knapp gewann, wurde mit den Stimmen von SPÖ, FPO und Grünen der 1. Eurofighter-U-Ausschuss eingerichtet, der ein bisschen an der russischen Komponente kratzte, sie aber nicht ernsthaft aufdeckte. Der formale Wahlkampfmanager der SPÖ Norbert Darabos wurde Verteidigungsminister, was er nie angestrebt hatte; er wollte echte Verhandlungen über einen Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag, doch Gusenbauer hatte einen heimlichen Deal über Scheinverhandlungen. Gusenbauer/Specht sahen vor, dass die alten Freunde Meinhard Lukas (heute Rektor der Kepler-Universität in Linz) und Helmut Koziol (Zivilrechtler) Verhandlungen simulieren, der einen auf Seiten von Eurofighter, der andere „für die Republik“, um einen Vergleich zu erzielen, der den Jets zugleich ihre „NATO-Kompatibilität“ raubte. Kanzler haben in Österreich keine Richtlinienkompetenz, sodass allein der Ministerwille zählt; Darabos machte so den Präsidenten der Finanzprokuratur Wolfgang Peschorn zum Verhandlungsleiter und widerrief dies auch nie. An einem denkwürdigen Tag, dem 24. Mai 2007, als sowohl Oleg Deripaska und Wladimir Putin als auch Bill Clinton (wegen einer AIDS-Gala; Gusenbauer und Co. organisierten eine Million für die Clinton Foundation) in Wien waren, fungierte plötzlich Koziol als Verhandlungsleiter und Peschorn war draußen (hier mehr zu den Clintons und Oligarchen).

Jänner 2016: Wirecard und die ÖBB mit Christian Kern

Darabos wurde und wird überwacht, abgeschottet, bedroht; man hing ihm den Gusenbauer/Specht-Vergleich von 2007 im Jahr 2017 extra nochmals um, damit Doskotzil Landeshauptmann werden konnte. Kurz gesagt nimmt Darabos für das Leben seiner Kinder in Kauf, seit Jahren todunglücklich zu sein, auch weil das Bundesheer vollkommen versagte. Dies trifft auch das Abwehramt, das nicht nur die Sicherheitsüberprüfungen nachlässig handhabte, die mit der Einführung der Eurofighter zu tun hatten, sondern auch den „Minister spielenden“ Ex-Kabinettschef Stefan Kammerhofer nicht überprüfte. Der Gerüchteküche zufolge betrifft das Misstrauen des Berner Clubs auch das Abwehramt, das offenbar von russischen Geheimdiensten unterwandert ist. Im Jahr 2016 ging Doskozil einen Pakt mit dem Abgeordneten und Geheimdienst-„asset“ Peter Pilz ein, um Darabos entgültig zuloszuwerden und Airbus zu attackieren; für Letzteres engagierte Doskozil auch die ehemaligen Ukraine-Lobbying-Partner Gusenbauers Skadden und FTI Consulting. Die Lobbyingfirma FTI sollte die Marktkapitalisierung von Airbus treffen, was dem österreichischen Pendant zur BaFin, der Finanzmarktaufsicht auffallen hätte sollen.

Die Recherche der „Financial Times“ über Jan Marsalek via Twitter verbreitet

Man kann die russischen Netzwerke bis ins Detail ausführen und darüber Romane schreiben; es gibt auch mehr dazu in vielen anderen Beiträgen in meinem Blog. Es sei aber noch erwähnt, dass es nach der Ibiza-Falle tatsächlich auch um den Verkauf von Wasser ging, nämlich um eine Auseinandersetzung zwischen einem bulgarischen Investor und dem eingebürgerten Russen Andrei Kotchetkov um Güssinger Mineralwasser. Dabei kommt wiederum Johann Gudenus auf der Seite des Russen ins Spiel, während ein Wiener PR-Berater des Bulgaren tödlich verunglückte. Bei Kotchetkov sollte man auch an die Alizee Bank denken (wo z.B. Jarolim, Schnabl, Graf, Andreas Staribacher, ORF-Präsident Richard Schenz an Bord waren) oder an sein Bedarfsflugunternehmen mit dem ehemaligen Finanzminister und Privatpiloten Staribacher. Bei Wirecard fällt auf, dass wohl als letzter Deal noch am 16. Juni 2020 die Kooperation mit dem russischen Onlineversand Wildberries bekannt gegeben wurde. Wildberries wurde von der ehemaligen Lehrerin Tatyana Bakalchuk gegründet, die Übernahmeangebote stets ablehnte und Elena Baturina als reichste Frau Russlands abgelöst hat. Während Wirecard einige Partner in China hat, gab es in Russland nichts zu holen wegen der dominierenden Stellung der Sberbank mit Yandex; wollten Bakalchuks Gegner, dass Wildberries mit ihr zusammenarbeitet?

Haselsteiner, Mikl-Leitner und das Landzinshaus

PS: Man findet das russische Netzwerk überall, auch scheinbar wohltätig – Hans Peter Haselsteiner mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mag die Performance von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner mit erklären. Tanners Schwager Stefan Steiner ist einer der Kurz-Vertrauten mit hochdotiertem Beratervertrag; Kurz wurde ja auch von Siegfried Wolf gefördert, der mit Deripaskas Einstieg bei der Strabag in den Aufsichtsrat aufgenommen wurde; sein Mandat hat der russische Ex-Militär Oleg Kotkov siehe unten übernommen. Dieser ist jetzt zwar nicht mehr dabei; dafür finden wir mit Ksenia Melnikova eine ehemalige Mitarbeiterin des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young, der wegen Wirecard ins Gerede gekommen ist. Tanner geht übrigens mit Mikl-Leitner „shoppen“, die man wiederum u.a. mit Barbara Meier posieren sieht, deren Gatte Klemens Hallmann Benko-Geschäftspartner ist. Welch ein Zufall, dass Gusenbauer die  Firma Sky Plastic an Lidl verkaufen konnte und nun Meier eine Kollektion für Lidl entwerfen soll. Gusenbauer erwarb bei Sky übrigens gemeinsam mit Alon Shklarek die Mehrheit, mit dem er auch Cudos Capital betreibt, wo sich wiederum Leo Specht beteiligt. Es fällt auf, dass Medien unbesehen Beteuerungen glauben, jemand sei bei einer Firma gar nicht mehr dabei (siehe hier zu Specht und Gusenbauer).

Siegfried Wolfs Nachfolger bei der Strabag

Puncto Marsalek und Libyen sah man sich nicht an, wer denn nun bei Asamer Baustoffe an Bord ist (nämlich die Strabag) und jetzt lesen wir, dass auch Wirecard Österreich „zum Bilanzrätsel“ wird: „Die Bilanz der insolventen Niederlassung in Graz wirft jetzt ebenfalls Fragen auf. Zudem rückt die Insolvenzverwalterin der Gesellschaft in den Fokus“, gemeint ist Ulla Reisch, deren Gatte bei TPA ist – jenem Wirtschaftsprüfer, der die Abschlußprüfung für besagte Niederlassung durchführte. Roland und Ulla Reisch haben auch gemeinsam eine Firma, doch es fällt noch mehr auf, dass an der Adresse „c/o TPA Steuerberatung GmbH Wi 13, 1100 Wien“ viele Firmen mit wohlklingenden Namen und Magister Reisch als alleinvertretungsberechtigtem Geschäftsführer angemeldet sind. Mit anderen Worten sind Herr und Frau Reisch sicher die Idealbesetzung, wenn es um Österreich und Wirecard geht.  Bei Jan Marsalek, der seit dem 18. Juni, also seit bald einem Monat verschwunden ist, wird spekuliert, dass er nie wieder auftaucht, oder dass er es dem ebenfalls aus Deutschland geflüchteten Florian Homm nachmachte. Über einen Anwalt hieß es zuerst, Marsalek wolle sich stellen, dann aber doch nicht; es erinnert an Julian H., den „Ibiza-Detektiv“, für den Anwalt Johannes Eisenberg auftritt. Das Geplänkel um ein Video-Angebot Eisenbergs überdeckte, dass niemand H. gesehen hat, der wie der „Lockvogel“ spurlos verschwunden scheint.

3 Kommentare zu „Wirecard und die österreichisch-russische „Freundschaft“

  1. Die ORFG redet immerhin mit der APA, deren Bericht manche Medien dann zitieren. Dieses Passage bestätigt alles, was ich schreibe:

    https://orf.at/stories/3173654/

    „In einer der APA vorliegenden Broschüre der Freundschaftsgesellschaft aus dem Jahr 2016 finden sich in der Rubrik ‚Senatoren‘ die Logos von Wirecard sowie von 15 weiteren Konzernen, darunter etwa von Magna, Novomatic, STRABAG und der Signa Holding.“

    Interessant, dass genau diejenigen erwähnt werden, bei denen man auch den Eindruck hat, dass sie russische „Fronts“ (geworden) sind…

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    1. haben sie nichts gelesen? weil er seit jahren von mafiakreisen bedroht wird, die doskozil auch zum LH machten und nicht nur die SPÖ beherrschen, googeln sie mal ismailova

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