Sebastian Kurz und die Oligarchen

 

Ist es Zufall, dass in Österreich ein grüner Impfpass ab April eine Zwei Klassen-Gesellschaft von gegen Corona-Geimpften und Nicht-Geimpften schaffen soll? Und dies wenige Tage nach der Rückkehr von Bundeskanzler Sebastian Kurz von einem Besuch in Israel verkündet wird? Es ist jedenfalls keine Überraschung, dass der Trip mit russischen Netzwerken zu tun hat, die mit dem Aufstieg des vermeintlichen politischen Talents verbunden sind. Nun wurde bekannt, dass Kurz mit einem Privatjet des Oligarchen Dmytro Firtash flog, den das FBI mit dem Russenmafia-Paten Semjon Mogilevich in Beziehung bringt. Die Embraer wurde von Firtashs Ukrinvest Holding AG von der Raiffeisen Aircraft Finance AG geleast und wird von der Avcon Jet betrieben.

Damit sehen wir ein Zusammenspiel, das Ermittler in den USA interessiert und das uns auch ins Umfeld der SPÖ bringt, selbst wenn es im Moment besonders für Kurz entlarvend ist. Wir müssen z.B. bei Raiffeisen auch an Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer denken und damit siehe Strabag an den Oligarchen Oleg Deripaska, der wie Mogilevich in den USA von Ex-FBI-Chef William Sessions vertreten wurde. Die Avcon Jet war wiederum (und ist es inoffiziell noch) mit dem eingebürgerten russischen Spediteur Andrei Kotchetkov verbunden und auch Ex-Finanzminister Andreas Staribacher und Ex-SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim spielten eine Rolle. Auch Gusenbauer ist mit Kotchetkov verbandelt und bei der Alizee Bank hatte Kotchetkov Johann Graf von Novomatic, Jarolim, Staribacher, den Ex-Sicherheitschef von Magna, Franz Schnabl, Richard Schenz (Ex-OMV, ehemals Präsident der Österreichisch-russischen Freundschaftsgesellschaft und jetzt Präsident der Österreichisch-kasachischen Gesellschaft) und andere an Bord.

Aktueller Bericht

Wie zu erwarten wiegelt das Bundeskanzleramt ab, doch die Verbindungen von Kurz zu Firtash sind vielfältig und typisch dafür, wie sich russische Netzwerke etablierten. Da haben wir einmal Ex-Vizekanzler Michael Spindelegger, der Kurz 2011 als Staatssekretär in die Bundesregierung holte und ihm 2013 das Außenministerium überliess. 2014 übergab Spindelegger an Reinhold Mitterlehner, der aber nur ein Platzhalter für Kurz war, wie auch in seiner Befragung im Ibiza-U-Ausschuss herauskam. Firtash gründete nach dem Regime Change 2014 eine Agentur zur Modernisierung der Ukraine, an deren Spitze Spindelegger gestellt wurde. Der ehemalige Sprecher von Ex-Vizekanzler Josef Pröll, David Kapp, macht PR für Firtash, um dessen Auslieferung aus Österreich die USA kämpfen. Der ÖVP- Großspender Alexander Schütz ist der Vermieter von Firtash in Wien-Hietzing und mit Markus Braun von Wirecard, Rene Benko, bei dem Gusenbauer, Graf, Hans Peter Haselsteiner investieren, Harald Neumann von Novomatic, Thomas Schmid von der ÖBAG und anderen interessanten Personen befreundet. Jan Marsalek von Wirecard, der im Juni 2020 mit einer Maschine der Avcon Jet nach Russland floh, verschaffte Firtash ein Konto bei der Wirecard Bank trotz dortiger Bedenken wegen der FBI-Ermittlungen. Alexander Schütz betreibt die C-Quadrat Investment Group, die zeitweise der chinesischen HNA-Group gehörte, die sich an der Deutschen Bank beteiligte, in deren Aufsichtsrat er so gelangte. Bei C-Quadrat war auch Karl Heinz Grasser nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung; heute ist Alfons Mensdorff-Pouilly einer der Aufsichtsräte, der wie Grasser mit der Beschaffung der Eurofighter verbunden ist.

Zum Medienprojekt von Eva Schütz

Eva Hieblinger-Schütz wurde rein zufällig Vizekabinettschefin im Finanzministerium, als der Minister Hartwig Löger hiess, arbeitete mit Schmid zusammen. Nun startete sie mit Richard Schmitt das Online-Magazin Exxpress, das die komplette Ibiza-Tonspur veröffentlicht. Sie betrachtet es als sexistisch, die Verbindungen ihres Mannes ins Spiel zu bringen; und doch wird sie sich der Frage stellen müssen, ob ihr Medium nicht auch zu einem komplexen Puzzle gehört. Als sie begann, Ibiza-Material ungefiltert zu publizieren, gab Florian Klenk vom „Falter“ bekannt, dass er sich von Twitter zurückzieht. Immerhin war er unter denen, die das Video sahen, ehe am 17. Mai 2019 „Süddeutsche“ und „Spiegel“ Ausschnitte ins Netz stellten. Und der Ibiza-U-Ausschuss startete damit, dass Klenk befragt wurde, weil er den Abgeordneten etwas zum Inhalt der Aufnahmen sagen konnte. Bei den aktuellen Zeugen Hans Niessl und Herbert Kickl sollte es auch über den Untersuchungsgegenstand hinaus darum gehen, was sie mit den Netzwerken zu tun haben, die Kurz an die Macht brachten. Kickl hätte schon einiges mitbekommen können, auch wenn er selbst von den Russland-Kontakten Heinz Christian Straches nicht begeistert war. Hätte er während der Koalitionsverhandlungen nach der Wahl 2017 vom Ibiza-Kompromat gewusst, hätte es keine Regierungsbeteiligung der FPÖ gegeben. Er nimmt Kurz nicht ab, dass er wirklich kein Vorwissen hatte, weil er viel zu gelassen reagierte, während er selbst geschockt war. Übrigens war Kickl Karoline Edtstadler als Staatssekretärin zugeordnet, die offenbar aufpassen sollte, dass nicht gegen Korruption vorgegangen wird. Sie wurde von Justizminister Wolfgang Brandstetter zur stellvertretenden Leiterin der Korruptionsstaatsanwaltschaft ernannt, ohne dort auch nur einen Tag zu arbeiten.

Kickl zum U-Ausschuss

Brandstetter wurde nach dem Rücktritt Mitterlehners im Mai 2017 auch Vizekanzler; danach wurde er von der ÖVP in den Verfassungsgerichtshof entsandt und ist als Vertreter des Investors Michael Tojner jetzt selbst im Visier von Ermittlungen (Brandstetter und Spindelegger stammen aus der gleichen Studentenverbindung). Übrigens wurde eben bekannt gegeben, dass der ÖVP-Großspender Stefan Pierer mit Tojners Varta kooperiert, und zwar im Bereich der E-Mobility. Brandstetter war einmal Vertrauensperson für einen Raiffeisenbanker, der Geschäfte mit Firtash machte, in einem anderen U-Ausschuss, und natürlich verhinderte auch er eine Auslieferung Firtashs an die USA. Mit Alfred Gusenbauer und Gabriel Lansky verbindet Brandstetter der Bezug sowohl zur Ukraine als auch zu Kasachstan; dass er Tojner per SMS mit Venceremos! (Lied des sozialistischen Chile) aufmuntert, passt auch ins Bild. Wir sollten aber die FPÖ nicht aus der Verantwortung entlassen, denn auch sie kooperierte z.B. mit Wirecard siehe unten; dies war auch mit Kontakten ins Verteidigungsministerium verbunden, die es aber bereits zu Zeiten der SPÖ gab. Man kann einiges zum Oligarchen ohne Nichte Igor Makarow recherchieren, das wiederum auch Aufschluss über Firtash und Co. bietet. Nicht vergessen werden darf, dass auch Oleg Deripaska nicht weit ist, wenn es um Kurz geht, denn die „Spendenralley“ für den Marsch auf das Bundeskanzleramt begann im August 2016 in Schloss Reifnitz, also bei Siegfried Wolf, der auch Benko fördert, der wie Firtash von Dieter Böhmdorfer vertreten wird.

Tweet der Grünen

Firtash und Deripaska kann man auch über Siegfried Wolf verbinden, der bis 2010 Magna-CEO war und jetzt Aufsichtsratsvorsitzender bei Russian Machines und Sberbank Europe ist, oder über Paul Manafort. Dazu kommt dann die Gazprom in Wien, die mit Martin Schlaff kooperiert, der wiederum Connections zu Michael Chernoy hat, den Israel wegen Organisierter Kriminalität loswerden wollte. In Österreich ging man damit anders um, Stichwort Telekom-Deals und generell Schlaff, der auch israelische Politiker wie Ehud Barak unterstützte, bei dem Tal Silberstein 1999 sein Wahlkampfdebut hatte. Als Christian Kern im Mai 2016 SPÖ-Chef wurde, hatte er schon einen Vertrag als CEO von RHI in der Tasche, einem Feuerfest-Konzern, an dem Schlaff mit 30 % beteiligt ist und wo Gusenbauer im Aufsichtsrat war. Schlaff ist ebenso wie Gusenbauer und Haselsteiner an den Firmen der Kerns beteiligt; Silberstein wiederum fungierte seit 2002 immer wieder als Berater der SPÖ und auch einmal der NEOS. Wenn wir bei der SPÖ sind, ein paar Worte zu Hans Niessl, der im U-Ausschuss sagte, dass er eine Casinolizenz im Burgenland aus Gründen der Gerechtigkeit aufs aufs Tapet brachte und Johann Graf vielleicht zwei Mal, Harald Neumann etwas öfter gesprochen hat. Freilich ist damit noch nicht bewusst, dass auch Niessl und sein Nachfolger Hans Peter Doskozil Oligarchen-Connections haben, halfen sie doch Deripaska bei der Einbürgerung des Jelzin-Clans (und Niessl posiert gerne mit Gerhard Schröder von der Gazprom). Man beachte auch, dass beide dem Corona-Narrativ folgen, wobei der Fanatismus von Pamela Rendi-Wagner aber schwer zu toppen ist. Nicht von ungefähr träumen manche auch von einem fliegenden Koalitionswechsel – Oligarchenpartei zu Oligarchenpartei sozusagen.

15 Kommentare zu „Sebastian Kurz und die Oligarchen

  1. Interessant ist, daß Kickl im U Ausschuß gesagt hat, daß er vom Tiroler Verfassungsschutz überwacht wurde. Da frag ich mich, hat das etwa der ÖVP nahe BVT Insiderclub veranlasst? Wem wurde das Überwachungs-Material letztendlich geliefert? Etwa den Innenminister Vorgängern ÖVP Mikl Leitner und Sobotka?

    Überwachen sie auch andere Minister und Oppositions-Politiker? Der Bundespräsident hat die Ernennung Goldgrubers, der ausputzen sollte, verweigert.

    Kickl ist nicht zufällig in den BVT reingefahren.

    Da gibt es noch viel zu wissen.

    Ich bin neugierig auf das Volltextprotokoll der Kickl Einvernahme.

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      1. Und wie das passt!

        Bei Ibiza ists wahrscheinlich ganz anders als uns seit zwei Jahren weisgemacht wird.

        EXXPRESS beweist einen undeutlichen Wortsalat, ein vielsprachiges Durcheinander mit zuviel Hall. Noch viel ärger unhörbar als ich mir vorgestellt habe.

        Wir werden jetzt bei EXXPRESS HÖREN was die ganzen 7 Stunden wirklich oben ist.

        WENN wir zu später Stunde erotische Töne hören, dann werden wir wissen, daß wir von Klenk im U Ausschuß auf eine falsche Fährte gelockt wurden.

        Die Aufnahme war KEINE AKTION gegen RECHTS, keine Aufklärung, kein polit. Protest gegen rechts, wie man medial suggerierte, sondern ich denke, in Wahrheit haben Kriminelle dem Strache ganz simpel eine Nutte ins Bett gelegt und abgefilmt.

        Und seine Politfeinde haben nachträglich dieses schändliche Produkt der kriminellen Erpresser benützt, ihnen abgekauft, und veröffentlicht, obwohl die Veröffentlichung privater Sachen bei Strafe verboten ist.

        So haben sie den politischen Gegner vernichtet.

        Jetzt wird bei den GRÜNEN und bei den NEOS untersucht werden müssen, der Präsidentenkalender, der Mitarbeiter M, das schubladisierte email, der Verein Ute Bock, warum gibts eine Schweigegeldvereinbarung? Was wird versteckt?

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  2. Und Kurz ist einer der miesen Figuren, das ist mir schon lange klar, die bei diesem bösen Spiel, voll Engagement mitmachen. Zuerst klang es nur wie ein gewöhnlicher Ruf „Kurz muß weg!“ Er muß mit seinem Troß abgewählt werden, auch wenn diese verbrecherische Truppe längst weiß, wie man eine Wahl fälscht, siehe VdB!

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    1. Viele wollen immer noch nicht verstehen, dass es nicht nur Kurz und sein Umfeld betrifft, sondern viel weiterreicht. Das ist auch unbequem, denn man kann zB SPÖ und NEOS eben nicht auslassen. Oder wenn Exxpress stolz ist, dass sie schreiben, dass Wrabetz betrunken am Steuer erwischt wurde:

      Wrabetz – Benko – Alexander Schütz – Eva Schütz – Exxpress.

      Ich glaube, Wrabetz gehört auch selbst zum Schütz-Freundeskreis.

      Oder: Wrabetz und Bierlein (bei ihr wurde berichtet) bei Benko….

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      1. Die angeblich linken Reichen sind halt viel schlauer als die angeblich rechten Reichen. Deshalb glauben viele Leute, es gäbe nur rechte Reiche und die Linken sind alle arm.

        Ich habe viele Namen hier das erste Mal gehört, dank Alexandra.

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      2. Danke für das Kompliment 😉 wenn man die Namen kennt, verändert sich Medienkonsum. Blätterte gerade neue Woman durch, da wird das Restaurant des Hotel Aurelio in Lech empfohlen (Deripaska mit Sacher) und die Bollibox des Park Hyatt mit Essen zum Mitnehmen Am Hof (Benko, der 2010 im Aurelio heiratete). Es kommt auch anderes vor, aber wenn man sensibilisiert ist, fällt es auf.

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  3. Wer sich die ganze Audioaufnahme anhört und etwas Besonderes bemerkt, gerne hier die Überlegungen dazu posten. Es kann durchaus auch die Falle an sich Hintermänner gehabt haben, und wir verstehen jetzt, warum das Video dann so eingesetzt wurde. Für Strache war es dann die Befürchtung, was alles passiert sein mag, nachdem er ja in der Nacht einen Filmriss hatte.

    Rein rational wäre am 17.5.2019 klar gewesen, dass die Ausschnitte schon das Ärgste waren, aber in so einer Situation reagiert niemand nur rational. Zumal ja das Gefühl des Verrats und der Scham hinzukommt.

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    1. Von dem abgesehen, dass es sowieso Wurscht ist, scheint eine Stimme nicht wirklich dazuzugehören zur Diskussionsrunde. Kann das sein, dass das Russische post-produktionsmäßig hinein geschnitten klingt ? Oder muss ich mir ’nen neuen Kopfhörer besorgen LOL

      Wie auch immer
      MfG

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  4. Vielleicht wäre eine Überschrift „Sebastian Kurz und der mutmaßliche Kokskonsum“ treffender gewesen

    https://www.wochenblick.at/koks-kanzler-kurz-ibiza-detektiv-schockt-u-ausschuss/

    Ich hab den autokratisch agitierenden Kurz schon die längste Zeit im Verdacht, auch schon vor der Plandemie, dass das empathielose „Ohne-Rücksicht-auf-Verluste“ agitieren, einem kontinuierlichen Drogenkonsum geschuldet sein muss.
    ——-
    „Als sie begann, Ibiza-Material ungefiltert zu publizieren, gab Florian Klenk vom „Falter“ bekannt, dass er sich von Twitter zurückzieht“

    Da wird aber Flos Fangemeinde auf Twitter traurig sein. Für Andere, welche eh bloß verleumdet und ungerechtfertigt von Flo Klenk mit Lügen und Auslassungen durch den Kaukau gezogen worden sind, wird durch Flos angekündigte Twitterkarenz, eine Zeit der Rehabilitation hereinbrechen und das kann doch nur gut sein.

    Wie auch immer
    MfG

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  5. Ich hab schon immer gesagt:“Wer Kurz kurz denkt, hat zu kurz gedacht!“
    Wie ein Schwammerl die Blüte des in der Erde liegenden Myzels ist, ist die Person Kurz die sichtbare Ausgeburt eines für die Allgemeinheit unsichtbaren Geflechtes von Nutznießern und Abhängigen.
    Ihre Recherche ist großartig, Fr. Bader!

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