Make Love not War?

Seit mehr als zwei Monaten greifen russische Truppen die Ukraine an; für uns ist dies ein weiterer Grund, mit anderen aneinander zu geraten. Wenn es doch bloss so einfach wäre, dass man „Make Love not War“ zur Maxime erhebt! Aus unserem Verhalten „im Kleinen“ ergibt sich nicht automatisch, dass dann auch „ganz oben“ alles in Ordnung kommt. Tatsächlich provozieren sowohl diejenigen, die jedes andere militärische Eingreifen ausblenden, als auch Menschen, die sich zu sehr darum bemühen, Russland Verständnis entgegenzubringen. Beide Seiten tendieren dazu, der Politik etwas abzuverlangen, das sie nicht liefern kann. Oft wissen es gerade die am allerbesten, die am allerwenigsten Ahnung haben und tragen dazu bei, die Stimmung noch mehr anzuheizen. Es ist auch falsch, gebetsmühlenartig mehr Waffen und mehr Sanktionen zu fordern, weil man wirkungsvoll gegen das russische Netzwerk bei uns vorgehen kann.

Wie stets stellt Thomas Gast wichtige Fragen und weist auf Punkte hin, die andere nicht beachten; ihm kommen seine Erfahrungen in Bundeswehr und Fremdenlegion zugute. Tatsächlich findet man stets auch empfehlenswerte Videos, von denen ich hier ein paar verwende. Am 1. Mai gab es nicht nur traditionelle Kundgebungen, sondern auch jene der neu entstandenen Szene der Kritikerinnen und Kritiker von C-Massnahmen. Ankündigungen fassen dann zusammen, dass es nicht nur um C geht, sondern auch um Teuerung, Neutralität, Energie und Krieg. Es ist ein fortschreitender Prozess der Destabilisierung, den man nur dann wahrnimmt, wenn man sich vom Geschehen zu distanzieren vermag. Dann taucht nämlich die Überlegung auf, ob alles Kalkül ist, und man möchte herausfinden, wie es zusammenhängt.

Thomas Gast

Gerade in Deutschland erweisen sich Vertreter der Ukraine als Scharfmacher, was aber Widerstand hervorruft, wie das Interview unten mit Alice Schwarzer zeigt. Es erinnert an die Proteste gegen den NATO-Doppelbeschluss, die in den 1980er Jahren massiv waren, aber vielfach diffamiert wurden. Man musste jedoch keine fünfte Kolonne Moskaus sein, um die Vorstellung abzulehnen, dass Europa zum atomaren Schlachtfeld werden soll. Leider prangern jetzt viele jedes Engagement ab, das früher für Linke charakteristisch war und sie sehen auch in einigem, vom Kindergarten bis zur Emanzipation marxistisch-leninistische Zersetzung. Diese aber soll dann dort, wo sie wirklich passiert, nichts mit Russland und Wladimir Putin zu tun haben, oder allenfalls mit China. Offenbar weckt „Erwachte“ nicht einmal auf, dass wir an einem Einsatz von Nuklearwaffen entlangschrammen, der dieser alten Friedensbewegung ein Begriff war. Freilich ist der russische Aussenminister Sergej Lawrow bemüht, in Interviews den Schwarzen Peter westlichen Fehlinterpretationen zuzuschieben. Deshalb verteidigen die einen unbeirrt Putin, während andere in Panik und planlos Waffen für die Ukraine fordern, welche auf eine Kriegsbeteiligung der NATO abzielen. In beiden Fällen würde ich am liebsten laut schreien: „verdammt noch mal, habt ihr überhaupt eine Ahnung, was ihr da macht?“

Alice Schwarzer

Wir müssen die Situation möglichst realistisch einschätzen, wozu auch die unten gezeigten Gespräche unter anderem mit Yanis Varoufakis beitragen; vielfach aber bevorzugen die Leute Scharfmacher, die sie emotional triggern. Es ist auch beliebt, nur von der CIA zu sprechen und damit zu ignorieren, dass der Einsatz von Geheimdiensten zur russischen Militärdoktrin gehört. Dieser bedeutet, sich auf asymmetrische Weise einen Vorteil zu verschaffen, der dann auch symmetrisch genutzt werden kann. Dazu kann man auch das Etablieren von Narrativen zählen, die von nützlichen Idioten frei nach Lenin besonders eifrig verbreitet werden, wobei einige völlig wegdriften. Diese sehnen dann sogar einen Einmarsch Putins herbei, weil so das „korrupte politische System“ beendet werde; doch Korruption geht oft Hand in Hand mit Subversion. Realiter hinterlässt die asymmetrische Vorgangsweise Russlands im Westen genug sichtbare Spuren, um das Agieren hinter den Kulissen zu rekonstruieren.

Zur Situation in der Ukraine

Gerade weist die Psychotherapeutin Susanne Lohrey darauf hin, dass wir mit Horrormeldungen zugeschüttet werden, bis wir uns fügen und nicht mehr zur Wehr setzen wollen. Sie vergleicht dies mit der Szene im Dschungelbuch-Trickfilm, in der die Schlange Kaa Mowgli umringelt und mit ihrem Blick hypnotisiert. Um uns zu ent-wirren, sollten wir uns gegenüber den Angstauslösern desensibilisieren. Es gibt den Begriff „flooding the zone“ with …. „brief judgements“ oder schlicht „shit“, den sich Kontrahenten um die Ohren hauen, die andere manipulieren wollen. Lohrey erläutert, dass wir nicht in dem Sinn desensibilisiert werden, dass wir Ängste bewältigen, sondern dass wir durch Reizüberflutung nicht mehr unterscheiden können, ob etwas gefährlich sein kann oder nicht. Dies führt zu Lethargie, in der wir hinnehmen, was uns unter anderen Umständen auf die Barrikaden bringen würde. Bei verworrenen Situationen kommt aber kognitive Dissonanz hinzu, auf die es manche anzulegen scheinen, wenn sie stets das Gegenteil von dem tun, was sie vertreten. Wir sind permanent mit Personen konfrontiert, die in irgendeiner Weise Macht über uns haben und auf die das zutrifft.

Zur Geschichte der Atomkriegsgefahr

Bereits in den 1950er Jahren gab es massiven Widerstand gegen die Aufrüstung von NATO und Warschauer Pakt; auch dank erfolgreicher Spionage konnte die Sowjetunion atomar mithalten. Man beruhigte die Bevölkerung mit Zivilschutzmassnahmen siehe Doku oben, die jedoch im Ernstfall vollkommen nutzlos wären. Heute wendet sich die IALANA (Juristen gegen den Atomkrieg) an Bundeskanzler Olaf Scholz, weil die nukleare Teilhabe nicht beendet wird, sondern dafür amerikanische F-35-Tarnkappenbomber angeschafft werden sollen als Nachfolger des Panavia Tornado. Im Gespräch ist aber auch der Eurofighter Typhoon, ein Jagdflugzeug mit verringertem Radarquerschnitt, das in Österreich eher bekannt ist als F-35 oder Tornado. Für viele ist es schon ein Affront, Fakten nüchtern zu bewerten statt krampfhaft „dem Mainstream“ eine „andere Sicht“ entgegenzusetzen. Mein vielseitig einsetzbares Demoschild unten verbindet die persönliche mit der geopolitischen Ebene, ohne schlicht das Individuelle auf das Politische umzulegen. Dies wäre auch der Fall, wenn ich sagen würde, dass ich automatisch gegen alles sein muss, das im Mainstream erwähnt wird, denn das wäre Gruppenbildung anstelle von Wahrheitssuche. Sehr wohl aber merkt man, was tabu sein soll und man sollte selbst Details und Zusammenhänge in Erfahrung bringen, mit denen man andere konfrontiert. Das Peace-Zeichen stammt von der britischen Campaign for Nuclear Disarmament, die in den 1950er Jahren gegründet wurde.

Peace

Es versteht sich von selbst, dass viele in Österreich die Neutralität gegen die Regierung verteidigen wollen, da sie nicht nur durch ein Zensurgesetz gegen russische Medien in Frage gestellt wird. Da Österreichs Neutralität eine bewaffnete ist, gehören auch Landesverteidigung und der Schutz des eigenen Luftraums dazu. Darauf spielt mein neues Schild siehe unten an, mit dem ich auch die Kundgebung der SPÖ am Rathausplatz besuchte. Zufällig stand dabei Herbert Lackner vom „Profil“ neben mir, der mit Ex-Bundespräsident Heinz Fischer Bücher veröffentlicht. Lackner erwiderte nichts, als ich meinte, er wisse ja genau, dass das stimmt. Dass Österreich nur 15 statt 18 Eurofighter ohne Selbstschutzeinrichtungen (Praetorian und Pirate) kaufte, geht auf die Kappe von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, der auch von Fischer gefördert wurde. Seit 2010 ist Gusenbauer Aufsichtsratsvorsitzender der Strabag, an der Russland über den Oligarchen Oleg Deripaska beteiligt ist. Eurofighter hat sehr viel mit russischen Interessen zu tun, wie ich hier ausführe; was das „Kastrieren“ der Jets betrifft, wird es üblicher Weise Ex-Minister Norbert Darabos zugeschrieben. Doch er wurde abgeschottet, überwacht, unter Druck gesetzt, was beim Heer einfach hingenommen wurde, aber unter dem Aspekt einer Unterminierung des Ressorts durch den russischen Militärgeheimdienst nicht verwundert.

Mein Schild am 1.Mai

Gerade wurde Christa Zöchling vom „Profil“ mit dem Concordia-Preis ausgezeichnet, die in ihrer Dankesrede von der Rettung einer Richterin aus Afghanistan spricht. Natürlich ist Afghanistan ein Kapitel für sich, und Zöchling agitierte einst als Vertreterin der KPÖ für den Linzer Appell gegen den NATO-Doppelbeschluss. Heute bedankt sie sich, was die Richterin anlangt, bei Alice Schwarzer, aber auch dem Putin-Netzwerk in Österreich mit Gusenbauer, Fischer, Gusenbauers Geschäftspartner Leo Specht und Ex-Kanzler Christian Kern. Obwohl Zöchling aus Graz stammt, lieferte sie im „Profil“ nur ein höchst fehlerhaftes Porträt des grünen Vizekanzlers Werner Kogler. Doch das „Profil“ gehört zum „Kurier“ mit Erwin Hameseder von Raiffeisen als AR-Vorsitzendem, der Gusenbauers Stellvertreter bei der Strabag ist; beim russischen Einstieg 2007 wurden Anteile von Raiffeisen verkauft. Auch Rene Benko mit Gusenbauer als rechter Hand ist an „Kurier“ und „Profil“ beteiligt; bei Benko und bei Kern investiert Strabag-Anteilseigner Hans Peter Haselsteiner mit Gusenbauer.

Quot licet Putin…

Kommen wir schliesslich doch noch auf die persönliche Ebene, wenn Alina Kabajewa Thema ist? Wer jetzt aufheult und meint, dass es doch egal sei, wenn Putin eine Geliebte hat, die in der Schweiz lebt, muss auch an den plötzlichen Reichtum von ihr und ihrer Familie denken. Das passt zu Lawrows Freundin Swetlana Poljakowa, die den Aussenminister unter anderem nach Wien begleitete. Nicht von ungefähr weisen Putin-Gegner immer wieder auf allgegenwärtige Überwachung hin und sprechen darüber hinaus von Angriffen auf ihre physische Existenz (siehe z.B. Wladimir Kara-Mursa). Zugleich wird Dienern des Systems auch Stümperei beim Vorgehen gegen andere verziehen, während „Verräter“ gnadenlos verfolgt werden. Darauf weist auch der deutsche Politikwissenschafter Helmut König hin, wobei wir die beklemmenden Beschreibungen von Putins Russland zum Teil längst bei uns wiederfinden. Wir bekommen den Hauch einer Ahnung von Kompromat, wenn wir an Ibizagate denken und können nur vermuten, was alles nicht publik wird und Akteure wirkungsvoll einschüchtert. Öffentlich geht man soweit, Putin-Gegnern wie Ex-Labour-Chef Jeremy Corbyn, der immer vor Einflussnahme via Oligarchen warnte, zu unterstellen, nicht aufgestanden zu sein. Manche Kommentatoren (siehe Video oben) meinen, man könne Putin wirklich treffen, indem Kabajewas Vermögen im Westen eingefroren wird. Dies verkennt das Ausmass der Willfährigkeit der Politik, in der echte Gegner Putins auch bei uns längst ausgeschaltet sind.

Diese Recherchen erfordern sehr viel Aufwand und sind in dieser Form einzigartig. Es ist immer notwendig, alles neu zu bewerten und weitere Puzzleteile zu einem sehr komplexen Bild hinzuzufügen. Davon profitiert jeder, der mit einzelnen Bereichen in Berührung gekommen ist oder der sich fragt, wie etwas einzuordnen ist. Als Grundlage für weitere Recherche, für parlamentarische Untersuchungen, für Ermittlungen der Justiz eignet es sich auch sehr gut. Es kommt oft darauf an, durch Zufall an eine mögliche Verbindung überhaupt mal zu denken, um sie und einiges mehr zu finden.

Jeder finanzielle Beitrag dazu ist herzlich willkommen:
Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX

Vielen Dank!

Für Inputs und Feedback etc. bin ich auch telefonisch erreichbar unter +43 (0)66499809540

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