Wie gross ist Putins Einfluss in Österreich?

Ausgesprochen zaghaft berichten Medien, die viele zunächst als transatlantisch einschätzen würden, über Oligarchen und das russische Netzwerk bei uns. Man merkt dies permanent, wenn man sich damit intensiv beschäftigt hat und bei jedem erwähnten Detail noch so vieles zu ergänzen ist. Dies erweckt dann aber den Eindruck, dass Personen und Verbindungen geschützt werden sollen, was im Widerspruch zur Kriegsrhetorik zu stehen scheint. Wir sehen unten einen internationalen Beitrag, in dem es um Yachten von Oligarchen, aber auch von Rosneft geht. Damit sind wir dann bei Ex-Aussenministerin Karin Kneissl, die dem Aufsichtsrat von Rosneft angehört, aber nicht mehr in der vom Verteidigungsministerium geförderten Gesellschaft für strategische Studien Strateg aktiv ist. Dies stellt jedoch reine Symbolpolitik dar, weil man im BMLV Subversion durch russische Geheimdienste nie wahrhaben wollte.

Als blosse Kosmetik haben Christian Kern und Wolfgang Schüssel russische Aufsichtsräte verlassen, und zwar bei den Staatsbahnen (RZD) und beim Ölkonzern Lukoil. Siegfried Wolf trat hastig als Aufsichtsratsvorsitzender der Sberbank Europe zurück, unmittelbar bevor diese von der Finanzmarktaufsicht gesperrt wurde. Ich halte Sanktionen eigentlich nicht zuletzt wegen uns selbst für falsch (auch wenn Putin selbst diese verurteilt), gerade wenn nach zwei Jahren C-Panik schüren ohnehin ein Klima der Hysterie geschaffen wurde. Denn es geht hier um eine Vorgangsweise Russlands, der man nur dann entgegentreten kann, wenn man ein dichtes Netzwerk mit zahlreichen einheimischen Handlangern und Profiteuren auch in der Regierung aushebt. Dies könnte einen Weg zu normalen Geschäften ohne alte KGB-Seilschaften, Staatsoligarchen und Mafia ebnen, die jetzt vielleicht ein wenig in Deckung gehen.

Die Yachten der Oligarchen

Wer an eine bestimmte Sichtweise des Ukraine-Konfliktes gewöhnt ist, wird das Gespräch mit Masha Gessen möglicherweise nicht sehen wollen, das ich unten einbinde. Da und dort bewerte ich etwas anders oder ich kann wichtige Details hinzufügen, aber vor allem ist ungemein interessant, was Gessen zu sagen hat. Wenn der Sturz von Viktor Janukowitsch 2014 Thema ist, muss man wissen, dass Paul Manafort und Alfred Gusenbauer für ihn lobbyierten, die beide Verbindung zu Oleg Deripaska haben. Und wenn Gessen die US-Wahl 2016 anspricht, so war Manafort zunächst Wahlkampfmanager von Donald Trump. Gessen spricht die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi an, bei denen Staatsbahnen und Gazprom in das Schaffen notwendiger Infrastruktur involviert waren. Informierte Österreicher wissen, dass die Strabag in Sotchi das Olympische Dorf baute und die Novomatic bei einer Nachnutzung als russisches Las Vegas mitmischen wollte. Die beiden Konzerne gehörten wie Magna, Signa und Wirecard zu den besonderen Förderern der österreichisch-russischen Freundschaftsgesellschaft, die vielfach miteinander verbunden sind.

Masha Gessen

Gessen betonte, dass die amerikanische Regierung bewusst nicht prominent in Sotchi vertreten war; aus Österreich reiste zum Beispiel Bundeskanzler Werner Faymann an. Es heisst, dass sich Sportminister Gerald Klug auf die Spiele freute; er war zugleich für Landesverteidigung zuständig, durfte aber nur als Staffage für russische Subversion fungieren. Aktuell können wir bei Siegfried Wolf ansetzen, dessen Sprecher Josef Kalina zu Gusenbauers Zeiten als Kanzler SPÖ-Bundesgeschäftsführer war und der sich jetzt über Kalina gegen einen Beitrag des „profil“ wehrt. Erst in der Früh verkündete die Zeitschrift, dass einer für sie von Kalinas Institut durchgeführten Umfrage zufolge eine Mehrheit Angst vor einem Atomkrieg hat. Dies zeigt nicht nur interessante Verbindungen, sondern auch, dass man nach 1945 aufgewachsene Menschen nicht nur mit C leicht triggern kann. Das „profil“ befasst sich mit „dem grossen und dem kleinen Oligarchen“, also mit Deripaska und Wolf; Letzterer teilt über seinen Sprecher (am Rande von Umfragen?) mit, dass er nicht Stellung nimmt zu Recherchen. Es wird zunächst auf den Umgang von Putin mit Deripaska Bezug genommen, wie ihn die Plattform Narativ schilderte.

Eine Frage..

Es geht unter anderem darum, dass Deripaska – wie Dmytro Firtash – einen Privatjet von Raiffeisen leaste, den die Avcon Jet in Wien betreute. Jener von Firtash war bisher bekannter, weil mit ihm Jan Marsalek von Wirecard 2020 aus der EU flüchtete und Sebastian Kurz im März 2021 von einem Besuch in Israel zurückkehrte. Das „profil“ deutet an, dass auch ein Anwalt mit Avcon Jet-Flügen zu tun hat, was wegen der Erwähnung von Kasachstan auf Gabriel Lansky hinweist. Das „profil“ nennt Hans Peter Haselsteiner als Partner Deripaskas bei der Strabag (gemeinsam mit Raiffeisen, das an der Zeitschrift beteiligt ist), lässt jedoch den Aufsichtsratsvorsitzenden Gusenbauer beiseite. Als es über Immobilien im Besitz von Wolf berichtete, kam nur vor, dass dieser an Firtash vermietet; jetzt wird „Deripaskas Schwiegervater“ auch genannt, freilich nicht mit Namen. Es handelt sich um Walentin Jumaschew, der in zweiter Ehe mit Boris Jelzins Tochter Tatjana verheiratet ist; er kommt in den FinCEN Files vor, leitete Jelzins Präsidentschaftskanzlei und berät Putin. Die Jumaschews wurden vor Jahren über Gusenbauer, seinen Anwalt und Geschäftspartner Leo Specht, Günther Apfalter und Franz Schnabl von Magna eingebürgert. Auch Landeshauptmann Hans Niessl und sein damals neuer Mitarbeiter Hans Peter Doskozil waren involviert, weil ein Scheinwohnsitz im Burgenland eine Rolle spielte.

Lukoil am Schwarzenbergplatz

Bei der Avcon Jet muss man auch an den eingebürgerten russischen Frächter Andrej Kotchetkov denken, der bei Gustav Poschalko bei der KPÖ-Firma Express Interfracht tätig war (später Rail Cargo der ÖBB). Poschalko war der Lebensgefährte der KPÖ-Treuhänderin Rudolfine Steindling, die mit Martin Schlaff kooperierte, der wiederum mit dem in Dresden stationierten Putin Technologietransfers abwickelte und Tarnfirmen errichtete. Als Christian Kern 2010 ÖBB-Chef wurde, erstattete er pro forma Anzeige wegen mutmaßlich von Poschalko veruntreuten Millionen. Mit Kotchetkov ist auch die inzwischen gesperrte Alizee Bank verbunden, an der sich u.a. Franz Schnabl, Richard Schenz, Hannes Jarolim, Franz Löschnak, Andreas Staribacher (siehe auch Avcon Jet) beteiligten; die russische VTB Bank mischte ebenfalls mit. Weil das „profil“ Sachverhalte umschreibt und Geschichte(n) umschreibt, sind weitere Ergänzungen erforderlich. Denn stets wird die Rolle Gusenbauers ausgelassen, der 2007 von Putin, Oligarch Viktor Vekselberg und Deripaska besucht wurde, als Deripaska bei der Strabag einstieg. Damals machten auch Vekselberg und der russische Staat Deals mit der Strabag und Magna-CEO Wolf gelangte auf Wunsch Deripaskas in den Aufsichtsrat. Unmittelbar danach wurden Verhandlungen unter der Leitung von Wolfgang Peschorn von der Finanzprokuratur über einen Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag (auf Weisung von Verteidigungsminister Norbert Darabos) zu Scheinverhandlungen ohne Peschorn mit einem Vergleich als Ziel.

Die Sberbank Europe am Schwarzenbergplatz

Es ist beim Bundesheer und auch in der SPÖ Tabu, die Wahrheit über den Eurofighter-Vergleich zu sagen, wie man beim Abgeordneten Robert Laimer gut erkennen kann. Nachdem die Beschaffung der Jets damit zu tun hatte, dass Magnas Russland-Connections für EADS interessant waren, musste ein Vergleich das SPÖ-Wahlversprechen eines Ausstiegs ersetzen. Denn per Dekret Putins wurde 2006 die United Aircraft Corporation gegründet, für die sich die VTB Bank mit 5 % an EADS beteiligte. Dies war für Gusenbauer die Richtschnur, und Darabos wurde eh überwacht, bedroht, abgeschottet, weil er dem KGB-Netzwerk nicht dienen wollte. Übrigens wurde das SPÖ-Team im Eurofighter-U-Ausschuss 2017 von einer Mitarbeiterin der Kanzlei Lansky gebrieft, weil Gusenbauers Verantwortung für den Eurofighter-Vergleich und Druck auf Darabos vertuscht werden mussten. In bewährter Weise wurde der UA von Peter Pilz manipuliert, der dies auch beim neuen Korruptions-UA übernimmt. Als vermeintliche „Vertrauensperson“ bei der Befragung von Darabos fungierte SPÖ-Anwalt Michael Pilz, dessen Büro sich im Nachbarhaus von Andrej Kotchetkovs E & A Beteiligungs GmbH befindet. Übrigens sah Hannes Jarolim (der sich bis 2005 gemeinsam mit Leo Specht um Klienten aus der Ex-Sowjetunion kümmerte) als SPÖ-Vertreter im ersten Eurofighter-UA 2007 beim Umgang mit Darabos weg. Der UA-Vorsitzende Peter Pilz spielte und spielt jedoch immer eine üble Rolle.

SPÖ ehrt Gusenbauer (von Facebook)

Im August 2021 wurde Gusenbauer von der SPÖ für Landesverrat Verdienste um die Sozialdemokratie ausgezeichnet. Zum KGB-Puzzle können wir noch das Firmenschild der Gazprom in der Löwelstrasse neben der SPÖ hinzufügen; auch Gusenbauer und Specht hatten in diesem Haus lange ihr Büro. Ausserdem sind zum Beispiel die Partyfotos von Rene Benko höchst aufschlussreich, der Kredit von der Sberbank Europe bekam und dessen rechte Hand Gusenbauer ist. Vor zehn Jahren wurde diese Bank aus den ehemaligen Osteuropa-Töchtern der Volksbanken gegründet; Aufsichtratsvorsitzender der Volksbanken wurde Hans Jörg Schelling, der später die Gazprom bei North Stream 2 beriet. Als Schelling von 2014 bis 2017 Finanzminister war, hatte der frühere OMV-Chef Gerhard Roiss Probleme mit einer Russland-affinen Gruppe um Wolf (der alles via Sprecher Josef Kalina zurückweist). Dieser kam wegen der über die ÖIAG verwalteten staatlichen Beteiligung von 31,5 % an der OMV ins Spiel. 2014 wurde Wolf Chef der ÖIAG, die heute ÖBAG heisst und an deren Spitze sich Sebastian Kurz seinen Förderer Wolf gewünscht hätte. Dass es schliesslich Thomas Schmid wurde, sorgte für Turbulenzen; seine Nachfolgerin Edith Hlawati kommt von Cerha Hempel, der Kanzlei, welche die Sberbank Europe vertritt. Die OMV teilte inzwischen per Aussendung mit, dass sie nicht mehr in Russland investiert. Roiss bezahlte eine Firma für PR, die mehrheitlich Patricia Pawlicki gehört, die mit dem damaligen „Kurier“-Herausgeber und jetzigen NEOS-Abgeordneten Helmut Brandstätter verheiratet ist. Kann es sein, dass es ihm um positive Berichte trotz des russischen Netzwerks ging, zu dem auch der „Kurier“ gehört?

Stimmen aus den USA

Der Politikwissenschafter John Maersheimer macht vor allem die USA für den Krieg in der Ukraine verantwortlich; er wird vom russischen Aussenminister Sergej Lawrow (der Deripaska-Connections hat) lobend erwähnt. Ray McGovern war viele Jahre für die CIA tätig und spricht von einen Putsch 2014, den die USA sponserten; er zählt auch auf, welche Schritte verschiedene Seiten 2021 setzten. Masha Gessen wies im Video weiter oben hin auf Putins Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2007, in der er die NATO-Osterweiterung und den damals erst geplanten Raketenschild kritisiert. Bei uns kommt nicht gut an, dass sich die Regierung nicht neutral verhält; aber wie kann man es bei den beschriebenen tiefen Verstrickungen sein? Man muss sich vergegenwärtigen, dass Walentin Jumaschew und seine spätere Frau wesentlichen Anteil daran hatten, dass Putin Präsident wurde. Zuvor schützte Putin den Jelzin-Clan als FSB-Chef mit einem Kompromat gegen Generalstaatsanwalt Juri Skuratow vor Ermittlungen und dann als Präsident per Dekret vor Strafverfolgung. In Österreich ist das KGB-Netzwerk freilich auch schon vor Putin stark gewesen, sodass er es nur ausbauen musste.

PS: Weil ich mich seit Jahren mit solchen Hintergründen befasse, wird mir sehr zugesetzt. Natürlich kommt man Drahtziehern im Hintergrund erst allmählich nahe, weil sie über vorgeschickte Handlanger agieren. Diese Drahtzieher haben bei uns noch völlig freie Hand, sodass sie einem auch alles antun können und dann gedeckt werden. Auf diese Weise habe ich meine Wohnung und alles andere verloren, ich wurde arm gemacht und niedergehalten. Immer wieder stehen Tage an, an denen ich nicht mehr weiterweiss. Ich schreibe auch deshalb, weil mir die Netzwerke um Gusenbauer nicht auch noch meinen Geist rauben sollen; dies wurde dann dazu, dass ich diese Netzwerke enttarne. Ich freue mich daher über eure Unterstützung und den Austausch mit euch und bin unter 066499809540 erreichbar. Weil „Zusetzen“ wie gesagt auch bedeutet, mich ökonomisch zu treffen, bedanke ich mich auch für eure finanzielle Unterstützung unter Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX vielen Dank!

8 Kommentare zu „Wie gross ist Putins Einfluss in Österreich?

  1. Es wird spannend, welche korrupte Personen sich nun für die Ausnahmen der Sanktionen gegen russiches Oligarchen zur Eigenbereicherung oder Parteibereicherung einsetzt 🙂
    Die Sanktionen werden sicherlich maximal ausgehöhlt und marginalisiert.
    Ich kann es immer noch nicht fassen, dass unser Bundeskanzler öffentlich und für jeden erkennbar und nachvollziehbar, Geschichtsfälschung betreibt.

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  2. Die Realität beißt, und sie beißt kräftig zu. Man muss sich nur die Parade der Talking Heads und „Experten“ von CNN oder die westliche Presse ansehen, die darüber spekulieren, wie verrückt Putin ist: Sie verstehen es nicht, also muss er verrückt sein und schauen sich in den eigenen Spiegel. Für den Westen ist es, wie immer, vorbei. Die Verwirrung, der Schwachsinn, die Prahlerei, die Hysterie, die Verbote: Der Westen hat nichts mehr zu bieten. Russischen Wodka in die Toilette schütten, einen Sänger und einen Regisseur feuern, den Namen eines Getränks oder eines Salats ändern, Katzen oder Bäume verbieten, einen russischen Plutokraten sanktionieren und seine Jacht stehlen, ein blau-gelbes T-Shirt tragen. Erbärmlich. Und gestatten Sie unter keinen Umständen, dass ein russischer Sender die Schafe mit „Desinformation“ verführt. Genau wie in der UdSSR, nur noch dümmer. Und wer hätte gedacht, dass es noch dümmer geht? Nehammer schießt sich gerade in beide Knie und das ist „geisteskrank im höchsten Stadium“. Wir Bürger zahlen für diese „Schwachköpfe“ die Zeche und Putin lacht.

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      1. Könntest du kurz darlegen, warum man sich das ansehen sollte? Ich finde es ermüdend, immer irgendwelche links anklicken zu sollen, ohne zu wissen warum und zu welchem Thema eigentlich.

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    1. Diese Doku ist sehr interessant und hat auch viel mit uns zu tun:

      Es geht um den Diebstahl am ukrainischen Volk durch Janukowitsch und Co. Für ihn lobbyierte ja Gusenbauer und der damalige Ministerpräsident Mykola Azarov wurde von Gusenbauers Partner Leo Specht und auch von Gabriel Lansky vertreten. Natürlich hat auch Selenskij geklaut, siehe Pandora Papers, und der Gipfel der Heuchelei ist, dass er jetzt mit einer NGO namens Global Citizen kooperiert, die Armut bekämpfen will.

      Und all diejenigen NGOs bei uns, die jetzt Flüchtlingen helfen, sind mehr oder weniger mit dem ursprünglichen Geheimdienste – Mafia – Oligarchen-Netzwerk verbunden, das Janukowitsch stützte.

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  3. Liebe Frau Bader,

    zunächst möchte ich anmerken, dass ich Ihren Blog als Institution für unzeitgemäße Wühlarbeiten sehr schätze, auch wenn mich die Fülle des zitierten Materials und der dargestellten Hoch-, Tief und Querverbindungen manchmal unter sich zu begraben droht und ich durchaus nicht in allen Punkten mit Ihnen übereinstimme.

    Was mir aber wirklich sauer aufgestoßen ist, ist das oben von Ihnen verlinkte Interview mit Masha Gessen (im folgenden MG). Ich habe 2 Stunden meines Lebens damit vergeudet, mir dieses anzusehen und finde, Sie tun Ihrer eigenen Glaubwürdigkeit keinen Gefallen, wenn Sie Aussagen solcher Personen unkommentiert als Tatsachendarstellung übernehmen. Anbei meine Rezension des Interviews, welche diese meine Aussage begründen soll:

    Das Interview ist Teil des Projekts „Putin Files“ von frontline PBS. Andere Interviewpartner sind „fuck the EU“-Nuland und CIA-Brennan; insbesondere Frau Nuland könnte und sollte durchaus selbst Gegenstand einer investigativen Serie sein. Einer der Financiers von Frontline PBS ist die Ford Foundation, welche naturgemäß keinerlei Agenda hat.

    MG reitet auf der Welle des liberalen Zeitgeistes. Boboesque-hippster, gebildeter, rhetorisch versierter daumenberingter LBGT-Aktivist mit blauen Fingernägeln.

    Sehr viel ferndiagnostische Küchenpsychologie, die Putin auf schwachen Grundlagen unschöne Eigenschaften und Motivationen unterstellt. MG gibt das teilweise sogar zu. Diese Zuschreibungen müssen nicht notwendigerweise falsch sein, teilweise sind sie plausibel, aber sie bleiben trotzdem spekulativ und dienen vor allem einem gewissen Narrativ (der im Moment in der Kriegspropagandaformel „Putin ist wahnsinnig geworden“ kulminiert).

    Teilweise werden historische Ereignisse angesprochen, die tatsächlich interessant sind, insbesondere die Russian apartment bombings im Sept. 1999, die zur Popularität Putins in R und somit zur Konsoldierung seiner Macht führten. Die ganze Geschichte wirkt wie ein älteres Geschwister von 9/11 (auf maximale psychologische Wirkung angelegt, Begründung für einen im folgenden gestarteten Krieg, Machtausbau der Exekutive, „war on terror“).

    Ausblenden und und Vereinfachen ist die Devise, aber immer in wohlgesetzten Worten. Vor allem der Ukraine-Konflikt und seine Geschichte werden sehr einseitig dargestellt, so als hätte es keine massive US-Interventionen gegeben. Das ukrainische Gericht, welches die Wahl 2004 aufhob, war anderen Quellen (amazing polly) zufolge zuvor von kanadischen Exil-Ukrainern unterwandert – pardon: nach westlichem Vorbild modernisiert – und auf Soros-Linie gebracht worden; MG beschränkt sich darauf, die angebliche Wahlmanipulation als Tatsache darzustellen. Die Zusage an R, die NATO nicht nach Osten zu erweitern, wird auf den Strohmann reduziert, es sei lediglich versprochen worden, auf dem Boden der DDR keine Nato-Truppen zu stationieren bzw. Infrastruktur zu betreiben, etc.

    Die Beschreibung der Cyber-Attacke auf Estland bringt die beiden oben erwähnten Punkte zusammen. Laut MG ist Estland eines der „technisch fortschrittlichsten Länder“ der Welt; was sich hinter diesem Euphemismus aber tatsächlich verbirgt, ist – wie es aus ihren eigenen Schilderungen hervorgeht, allerdings ohne dass sie dies als Problem erkennen würde – die totale digitale Überwachung der Bürger Estlands durch eine nicht nur den Bürgerrechten abträgliche, sondern auch noch offensichtlich unsichere technische Infrastruktur. Etwas, was uns nun in Form div. grüner Pässe auch im Rest Europas droht.

    Das Russen-Denkmal in Wien findet MG ebenfalls problematisch. Das ist wohl Teil des woken Bilderstürmer mindsets (s.o.). Ich persönlich mag es (das Denkmal, nicht das mindset).

    Putin mag paranoid sein, als Geheimdienstler legt man diese Eigenschaft wohl auch nicht mehr ab; das heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass es keine im Hintergrund agierenden „puppet masters“ gäbe. Tatsächlich gibt es sehr starke Evidenz, dass dem so ist (siehe z.B. „Ukraine on Fire“ von Oliver Stone). Lt. MG ist alleine die Vorstellung, dass das state department (welches sie explizit erwähnt) in irgendeiner Weise an einem versuchten regime change beteiligt gewesen sein könnte, lächerlich. Ich finde die Behauptung, dass die Vorstellung lächerlich ist, lächerlich. Von NED und Soros ganz zu schweigen.

    Fazit: interessante und erhellende Passagen sind enthalten, aber spärlich gesät. Der transatlantische Narrativ wird 1-zu-1 übernommen. Ansonsten: Personalisieren, Moralisieren, Psychologisieren. Es gibt keine geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen, Konflikte und Strategien, sondern nur gute und böse Menschen, wobei letztere alle a) größenwahnsinnig und krankhaft eitel sind b) im Kreml sitzen und c) Putin heißen. Und wenn der russische Präsident Probleme mit Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidat und Merkel als Kanzler hat, so liegt das natürlich nicht an der von ihnen verfolgen Politik, sondern ausschließlich daran, dass sie Frauen sind.
    liberal hypocrisy at its worst.

    Vor diesem Hintergrund erscheinen auch die validen und diskussionswürdigen Punkte, die MG anspricht, in einem fragwürdig(er)en Licht. Das gilt auch eine Ebene darüber für alle, die sich auf dieses Interview berufen, ohne auf die Auslassungen und Einseitigkeit der Darstellung aufmerksam zu machen.

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    1. Lieber Herr Melzer, wenn Sie meinen Blog so sehr schätzen, sind Sie bestimmt bereit, diese Wühlarbeit zu unterstützen. Das ist natürlich wunderbar, weil Ressourcen in einer prekären Situation immer sehr wichtig sind.

      Was Masha Gessen betrifft, hilft sie doch auch, die Dinge zu beleuchten, auch wenn sie etwas auf Trump böse – Clinton gut fixiert ist. Sie hat auch ein entsprechendes Buch geschrieben, das ich mir in der Bücherei angesehen habe. Doch sie kennt noch die Sowjetunion, was sie wohl von den meisten hier unterscheidet. Für meine Recherchen bietet Yewgenia Albats mehr Anhaltspunkte, aber auch deswegen, weil ich Verbindungen mit Bezug zu uns rekonstruiere. Und stets geht es darum, die dranzukriegen, die vielen Menschen schaden. Ich wäre sehr froh, wenn dies auch viele andere täten…

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