Feminismus und Krieg

Bei uns wird wenig beachtet, dass auch Frauen in der Ukraine kämpfen und nicht nur Flüchtlinge sind oder im Keller von Krankenhäusern entbinden. Ausserdem sind Darstellungen in „unseren“ Medien eher stereotyp als in ukrainischen. Während linke Feministinnen siehe z.B. Code Pink zwar oft amerikanischen Imperialismus kritisieren, tun sich einige schwer damit, auch russischen Imperialismus zurückzuweisen. Wie weit aber unser Handeln und die Realität im Krieg auseinanderklaffen, ist überall zu bemerken. Bei uns gibt es zum Beispiel bunte Zebrastreifen, in der Ukraine soll aber ein LGBTIQ-Batallion aufgestellt worden sein. Wir müssen aber auch wissen, dass Russland nicht erst seit dem 24. Februar 2022 symmetrisch und asymmetrisch kämpft, denn Letzteres findet schon länger auch bei uns statt. Das bedeutet konkret, dass wir uns nicht auf virtuelle Gesten, Waffenlieferungen, Embargos, Sanktionen und die Aufnahme von Flüchtlingen und viel Drumherumgerede festlegen lassen sollten. Denn asymmetrischer Krieg via Geheimdienste wird zwar aus dem Hinterhalt geführt, hinterlässt aber Spuren, die wir zu einem richtigen Bild zusammenfügen können.

Da sind Frauen vielleicht sogar im Vorteil, weil Männer viel zu rasch bei ihren Überzeugungen und ihrem Ego sind, als dass sie geduldig Puzzleteile sammeln würden. Männer beschäftigen sich lieber mit Waffengattungen und Frontverläufen und der Frage, wer wohl den Krieg gewinnt. Dabei übersehen sie, dass sie sich bloss mit der symmetrischen Seite befassen und von der asymmetrischen nur allgegenwärtige Propaganda wahrnehmen, die sie nicht unbedingt durchschauen. Ausserdem sehen viele (auch Frauen) Wladimir Putin als Alternative zu „unfähigen, schädlichen, verweichlichten Politikern im Westen“, ohne für möglich zu halten, dass diese sozusagen das Produkt einer asymmetrischen Vorgangsweise sind, entweder unter Druck stehen oder korrupt oder schlicht ahnungslos sind.

Feministische Perspektiven

Das Panel mit Ksenya Kiebuzinski, Marusya Bociurkiw, Tamara Zlobina und Tamara Martsenyuk ist höchst interessant, weil es auch einen deutlichen Kontrast etwa zu Diskussionen über den US-Angriff auf Afghanistan darstellt. Damals wurden auch Frauenrechte vorgeschoben, doch betroffene Frauen waren klar Opfer der Taliban, denen „wir“ doch unbedingt helfen mussten. Freilich ist das Land inzwischen wieder den Taliban überlassen, was Interventionen ad absurdum führt. In der Ukraine aber gingen schon vor 2022 zahlreiche Frauen zu den Selbstverteidigungskräften und man spricht jetzt davon, dass 25 % der Soldaten im Einsatz weiblich sind. Es gibt heute Friedensappelle von feministischen Organisationen, die Ukrainerinnen gar nicht erst einbezogen haben. Zugleich aber sind gerade Feministinnen in Russland gegen den Krieg aktiv, was sicher auch Mut erfordert. Bei den Protesten auf dem Maidan in Kiew wollten einige Männer, dass sich Frauen fernhalten, weil es „zu gefährlich“ sei; sie sollten Sandwiches bringen und Wunden verbinden. Wie jetzt im Krieg liessen sich Frauen aber nicht in die zweite Reihe drängen, sondern gingen in Gruppen buchstäblich auf die Barrikaden. Man behauptete damals, dass Abtreibung verboten wird und Frauen aus dem öffentlichen Leben verschwinden werden, wenn Ministerpräsident Viktor Janukowitsch im Jahr und Premierminister Mykola Azarov gestürzt werden.

Frauen im Krieg

Tatsächlich ist dies nicht eingetroffen, denn sowohl Janukowitsch als auch später Wolodymyr Zelenskij scheiterten beim Versuch, Abtreibung zu verbieten, und Emanzipation und Gender-Bewusstsein haben nach dem Maidan einen Anschub bekommen. Es ist auch üblich, jetzt von „Heldinnen und Helden“ zu sprechen und den Krieg in allen Aspekten zu zeigen mit Frauen und Männern in vielen Rollen. Eine der Teilnehmerinnen am Panel erzählt, dass Freunde auf ihren Facebook-Profilen zeigen, wie sie sich um ihre Kinder kümmern oder Haustiere aus Trümmern retten. Vielleicht wird Zelenskij ja in westlicher Presse martialischer dargestellt als in der Ukraine, um zu kompensieren, dass sein Hintergrund alles andere als martialisch ist?! Wie um Klischees zu bestätigen testete Russland eine neue Interkontinentalrakete, die mit 10 auch nuklearen Sprengköpfen bestückt werden kann. Es war übrigens früher Usus, Vergewaltigung im Krieg zu bagatellisieren, die jedoch immer auch eingesetzt wurde; gegenwärtig flammt in Polen die Abtreibungsdebatte wieder auf wegen Flüchtlingen, die Opfer sexueller Gewalt sind. Dagegen kämpfte etwa Susan Brownmiller an, die Krieg als patriarchale Gewalt verstand, was er ja ist. Es ist etwas völlig anderes, Gender in der Sprache anzuwenden und kostenlose Tampons fordern als in einen Krieg involviert zu sein. Dieser begann natürlich im Donbass bereits 2014 und im Rückblick sollte klar sein, dass Putin auch zuvor symmetrische und asymmetrische Elemente kombinierte.

Thomas Gast zum Raketentest

Hier gibt es einen Auszug aus dem Buch „Lüge und Täuschung in den Zeiten von Putin, Trump und Co.“ des deutschen Politikwissenschafters Helmut König. Er erwähnt die russische Militärdoktrin vom Dezember 2014, die den Einsatz von Geheimdiensten als Mittel der Kriegsführung festlegt. Dies kam nicht überraschend, sondern zeichnete sich zuvor etwa in einem Strategiepapier des Verteidigungsministeriums von 2011 ab. Es befasste sich mit „Aktivitäten der russischen Verteidigung im Informationsraum“ und richtete sich gegen „propagandistische, informelle und psychologische Operationen des Feindes“. Zwar wird nicht jeder Helmut König da zustimmen (wollen), aber er schreibt, dass die Annexion der Krim ein „Geheimdienst-Coup“ war, der in „einer dreisten Kombination von Irreführung, Lüge und Gewalt umgesetzt“ wurde. Krieg ist ja insofern symmetrisch, als dass Soldaten beider Seiten das Risiko eingehen getötet zu werden. Putin aber ist sein Leben lang von den Möglichkeiten des asymmetrischen Krieges fasziniert gewesen, der via Geheimdienste aus dem Hinterhalt geführt wird. Natürlich kann man beides kombinieren, und das findet ja jetzt statt. Hybrid und asymmetrisch ist Subversion unter anderem in der Politik, die man erkennt, wenn man sich nicht ablenken lässt. Da kann auch jeder und jeder selbst bei dem Puzzle weiterrecherchieren, das ich zusammengetragen habe.

Frauen im Kampf

Männer müssen in der Ukraine kämpfen, Frauen aber melden sich freiwillig. Inzwischen profilieren sich bei uns Battle Groupies und Armchair Generals, die gar nicht wissen (wollen), dass man etwas anderes tun kann als die Heizung herunterzudrehen und die ukrainische Flagge zu posten. Vielen – Frauen wie Männern – würde es einiges an Überwindung abverlangen, dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow siehe unten zuzuhören. Doch das ist schon deshalb empfehlenswert, weil er dem Westen explizit mit asymmetrischem Krieg gedroht hat, den Russland in Wahrheit schon lange führt. Nicht nur bei C reagieren aber die meisten Menschen rein emotional, also getriggert, was bedeutet, dass sie nicht in der Lage sind, Fakten in Erfahrung zu bringen und abzuwägen. Es erinnert mich auch an die Zeit nach dem Beginn des Afghanistankrieges, der als NATO-Bündnisfall gerechtfertigt wurde. Es dauerte nicht lange, bis diverse Bücher erschienen, wobei Männer sich mit Geopolitik befassten und Frauen mit weiblichen Einzelschicksalen unter dem brutalen Joch der Taliban. Wir sollten heute doch soweit sein, dass alle sich einen ganzheitlichen Überblick verschaffen können, auch weil das Internet viel mehr Möglichkeiten bietet als damals. Wenn jetzt aber jeder Content produziert, schon indem er etwas postet, ist es leicht, so auch Desinformationen zu verbreiten.

Interview mit Lawrow auf Englisch

Asymmetrische Kriegsführung nutzt das Netz für Fake News, Propaganda und Hackerangriffe; Helmut König erwähnt in seinem Buch, dass unmittelbar nach der Ermordung des Oppositionellen Boris Nemzov 2015 in Moskau hunderte absurde Thesen via Bots verbreitet wurden. Man kann bald nicht mehr feststellen, woher etwas stammt, und mittlerweile rangiert haarsträubender Unsinn, den irgendjemand von irgendwem quasi per stille Post erhalten hat, bei vielen neben oder über sorgfältiger Recherche. Dies prägt auch „unsere“ Wahrnehmung von Politik und Journalismus, da beides langsam delegitimiert wurde.Eben leistete der Sänger Xavier Naidoo Abbitte, weil er Verschwörungstheorien folgte, ohne jedoch konkret zu werden. Man kann dies kaum entwirren, weil sich vieles verbreitete, ohne dass man es zu einem bestimmten Ursprung zurückverfolgen und daher auch überprüfen kann. König rät, Werke von Franz Kafka wie „Der Prozess“ zu lesen, denn so bekommt man ein Gefühl für eine Welt, in der nichts wahr und alles möglich ist. Er schreibt: „Es sind keine Lügen im engen, wörtlichen Sinn, mit denen wir es zu tun haben, sondern gleichsam materialisierte Lügen, Kulisse und Fassade, die vor die Wirklichkeit geschoben werden und sich für die Wirklichkeit ausgeben, aber mit lauter blendendem Schein eine ganz andere und höchst unerfreuliche Realität verdecken. Dieses Kulissen-Realitäten-Spiel sorgt bei allen Beteiligten für Verwirrung und Unklarheit, sodass am Ende niemand mehr wissen kann, woran er ist.“ Natürlich gibt es in diesem beklemmenden System Lügen, die man jedoch mit wenigen Sätzen aufklären könnte; sie werden dann aber mit jener materialisierten Lüge samt Fassade umgeben, von der König spricht. So sind Politiker keine Politiker, Unternehmer keine Unternehmer, Richter keine Richter, Journalisten keine Journalisten – man hat den Eindruck, ständig in Watte zu greifen. Weil aber nichts wahr und alles möglich ist, kann es einmal einen Politiker geben, der zuhört und bei dem Verstand aufblitzt. Es kann einmal passieren, dass ein Richter Recht spricht, ein Journalist recherchiert, ein Unternehmer etwas Eigenes schaffen will; man darf es aber nicht erwarten, sondern sollte vom Gegenteil ausgehen.

Maschek über die SPÖ

Dies beschreibt auch die Situation in Österreich, wo Putins asymmetrischer Krieg höchst präsent ist und man oft den Eindruck hat, dass nach aussen hin Theater gespielt wird, aber von vornherein ausgemacht ist, wie mit einer Person oder einer Angelegenheit umgegangen wird. Das Satireformat Maschek ist nahe an der uns vorgegaukelten politischen Wirklichkeit, erwähnt jedoch nicht die Verbindungen der SPÖ zum Putin-Netzwerk, was Lobbying für Janukowitsch und Azarov beinhaltete. Es werden permanent emotionale Reaktionen stimuliert, etwa indem Männer Politikerinnen wie Pamela Rendi-Wagner oder Verteidigungsministerin Klaudia Tanner nicht rational beurteilen, sondern auch persönlich in Frage gestellt fühlen sollen. Sie werden leicht dazu verleitet, an zwei Teams zu glauben, die Konflikte austragen, und wollen wahrhaben, dass im asymmetrischen Krieg an jeder Ecke Täuschung lauert – mal subtil, mal recht plump. Es braucht aber nicht mehr als die Ressourcen einer Frau, die sich aus einer toxischen Beziehung befreit, in der mit Gaslighting Verwirrung gestiftet wird; nicht von ungefähr schafft Gaslighting Asymmetrie zwischen Menschen. Nämlich Informationen, ein Handy, Papier und Stift, um die Situation zu skizzieren und möglichst objektiv zu bewerten und potenzielle Unterstützer zu kontaktieren. Besonders schwierig ist da der Umgang mit denen, die sich täuschen haben lassen und die Beteuerungen der Betroffenen nicht hören wollten, dass sie dreist belogen wurden.

Diese Recherchen erfordern sehr viel Aufwand und sind in dieser Form einzigartig. Es ist immer notwendig, alles neu zu bewerten und weitere Puzzleteile zu einem sehr komplexen Bild hinzuzufügen. Davon profitiert jeder, der mit einzelnen Bereichen in Berührung gekommen ist oder der sich fragt, wie etwas einzuordnen ist. Als Grundlage für weitere Recherche, für parlamentarische Untersuchungen, für Ermittlungen der Justiz eignet es sich auch sehr gut. Es kommt oft darauf an, durch Zufall an eine mögliche Verbindung überhaupt mal zu denken, um sie und einiges mehr zu finden.

Jeder finanzielle Beitrag dazu ist herzlich willkommen:
Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX

Vielen Dank!

Für Inputs und Feedback etc. bin ich auch telefonisch erreichbar unter +43 (0)66499809540

2 Kommentare zu „Feminismus und Krieg

  1. Eine Darstellung der eigenen Fähigkeiten, auch militärisch, kann nicht als Drohung aufgefasst werden. Ob etwas eine Drohung ist oder nicht hängt vor allem mit dem subjektiven Empfinden eines Menschen ab. Eine Drohnung bedingt nicht nur einen Nachteil, sondern vor allem eine Gesetzeswidrigkeit. Nachdem auf internationaler Ebene das Völkerrecht, die Menschen-, Grund- und Freiheitsrechte stets mit Füssen getreten werden, ist es schwierig zu unterscheiden, ob etwas bedingt angekündigt wird oder die bedingte Ankündigung als Drohung aufgefasst werden kann.

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    1. Es geht immer um die Möglichkeit, Drohungen Taten folgen zu lassen. Siehe etwa hier:

      https://exxpress.at/es-starben-noch-mehr-bereits-vier-gazprom-manager-tot-angeblich-selbstmord/

      Sie können dazu auch Verbindungen zur Gazprom bei uns googeln bzw. bei mir im Blog die Tags verwenden. Dann bekommen Sie vielleicht eine Vorstellung davon, in welchem Klima mit Russland kooperiert wird. Helmut König erwähnte in seinem von mir zitierten Buch auch, dass Stümpern (z.B. im Fall Skripal) in der Regel nichts passiert, für sie wird gesorgt, etwa mit einem Sitz in der Duma. Aber es wird gefährlich, wenn jemand zum Verräter wird oder zu werden droht. Wie gesagt, die Drohungen des Systems Putin sind nicht leer, sodass das Kräfteverhältnis auch komplett asymmetrisch ist für Gegner des Systems – die dies werden, weil sie sich frei entfalten, weil sie Menschenrechte haben wollen – gibt es keinerlei Sicherheit egal wo. Vielleicht ist in den USA ein russischer Auftragsmord, als Unfall oder Selbstmord getarnt, noch am ehesten unwahrscheinlich. Dennoch gibt es auch dort sehr viel an „Kooperationsbereitschaft“…

      Übrigens verletzt das Agieren Russlands in Österreich auch die völkerrechtliche Neutralität…

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