BVT-Affäre: Anwalt Lansky ist gleicher als gleich

Wenn der Gusenbauer-Freund und Anwalt Gabriel Lansky im BVT-U-Ausschuss permanent die Aussage verweigert und User „Beugestrafe!“ und „Beugehaft!“ posten, ist klar, dass etwas Ungewöhnliches vor sich geht. Dabei gibt es auch einen Konnex zum Buwog Prozess, denn dort werden Tagebuchnotizen Walter Meischbergers zu den Freimaurer-Kontakten von Peter Hochegger erwähnt. Meischberger meint dazu, dass es damals darum gegangen sei,  wie seine geheime Selbstanzeige zum „News“-Verlag kam; er sieht die richtige Spur so: Lansky, Hochegger,  ein Journalist – „alles Freimaurer“. Lansky nahm den Verfassungsjuristen Heinz Mayer als Vertrauensperson mit in den U-Ausschuss, was zusammen ein bißchen nach dem Mobster Meyer Lansky klingt. Wie wir am Ticker des „Standard“ sehen, wollte sich Lansky entschlagen, indem er meinte, seine Kanzlei beharre auf Verschwiegenheit, also er selbst. Der Anwalt kommt ins Spiel, weil es auch um einmal beschlagnahmte Dateien ging, die gelöscht werden sollten und die sein Engagement in der Causa Rachat Alijew betreffen. Es wurden gegen ihn (und gegen Alfred Gusenbauer, der für Kasachstan lobbyierte) Spionagevorwürfe erhoben, deswegen gibt es Gerichtsakte. 

Lansky-Dateien spielen aber deshalb in der BVT-Affäre eine Rolle, weil sie der Justiz imehrmals übermittelt wurden: „Laut WKStA-Bericht wurden immer wieder Datenträger (USB-Sticks) mit Lansky-Unterlagen den österreichischen Justiz- und Sicherheitsbehörden zugespielt, sogar Ministern zugeschickt und auf Pressekonferenzen verteilt. Mit Dezember 2014 soll ‚eine unbekannte weibliche Person an Beamte des BVT eine Festplatte der Marke Chili Green übergeben haben‘ – mit Lansky-Daten. Angeblich mit 500.000 eMails. Die Festplatte wurde der Justiz übergeben.“ Zugleich aber wurden Kanzleidaten auch offiziell gesichert: „Durch den Hinweis eines Insiders wurden Lanskys Datenserver in Luxemburg im Rechtshilfeweg beschlagnahmt, die Daten wurden aber nie nach Österreic übermittelt, wie die WKStA-Ermittler in einem aktuellen 28 Seiten starken Bericht festhalten.“ Der Anwalt erhebe seit Jahren Vorwürfe gegen den Verfassungsschutz: „Diese Vorwürfe gehen auf den schillernden Krimi um den früheren kasachischen Botschafter Rakhat Aliyev und auf den kasachischen Opferverein Tagdyr zurück. Tagdyr, vertreten von Lansky, bezichtigte Rakhat Aliyev des Mordes an zwei kasachischen Bankern.

Aus dem U-Ausschuss 

Ohne Rücksicht auf Verluste wurde jahrelang eine medialen, rechtliche und wirtschaftliche Schlammschlacht geführt, die nicht nur tiefe Verletzungen erzeugte. Der Verein, so die Arbeitshypothese des BVT, sei eigentlich eine Tarnorganisation des kasachischen Geheimdienstes KNB, deshalb wurde auch gegen Lansky ermittelt.“ Die Brisanz dieser Causa mag erklären, warum sich Lansky so gar nicht vom U-Ausschuss befragen lassen will. Ein anderer Aspekt von Lansky und Kasachstan ist Lobbying, für das er auch seinen Freund Alfred Gusenbauer gewinnen konnte; nach diesem Muster bildete dieser dann die „Habsburg Group„, um für die frühere ukrainische Regierung zu lobbyieren. Noch ehe Lansky und Gusenbauer ihr Herz für Kasachstan entdeckten, reiste übrigens Bill Clinton 2005 mit befreundeten Geschäftsleuten an, Stichwort Uranium One-Affäre. Der „Kurier“ erwähnt den engen Bezug zur Ex-Regierungspartei: „Der SPÖ-nahe Wiener Gabriel Lansky, Gabi genannt, ist als Anwalt eine große Nummer. Für Alfred Gusenbauer organisierte er 2006 eine Wahlplattform,  folglich wurde er als möglicher Justizminister gehandelt. Über Jahre machte er aber wegen seiner Kasachstan-Connection fragwürdige Schlagzeilen. Im Fall BVT hat er seine Kontakte mobilisiert, damit seine Datensätze aus dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Linz gelöscht werden. Das Justizministerium hat die Daten (500.000 eMails) aber auf Ersuchen dem U-Ausschuss übermittelt. Lansky will nun diese Daten zurückhaben.“

Seine Verweigerungshaltung klang im Ausschuss etwa so: „Die Daten sind aus der Führung einer großen Causa bei uns entstanden, ich habe diese Daten daher zu schützen und tue das auch. Mein Wissen um einen Missbrauch dieser Daten ist in Ausübung der anwaltlichen Tätigkeit entstanden. Sollten wir von Daten anderer Causen sprechen, sind das Daten der Mitarbeiter meiner Kanzlei, die mich allesamt nicht entbunden haben, oder anderer Klienten, die mich nicht entbunden haben, oder Daten meiner Kanzlei im allgemeinen, die mich ausdrücklich schriftlich angewiesen hat, diese Fragen nicht zu beantworten.“ Er legt den Schutz seiner Mandanten und von sich selbst sehr eng aus, auch als er nach dem „Konvolut“ gefragt wird, das der Justiz und anderen anonym zuging und wo von Korruption, Unterschlagung, aber auch Mobbing im BVT die Rede ist. Peter Pilz sieht es als „überraschender Seitenwechsel“, wenn ein Anti-FPÖ-Anwalt (siehe etwa Personenkomitee zur letzten Wahl mit Hans Peter Haselsteiner, Eveline Steinberger-Kern, Brigitte Ederer und anderen) an das Kabinett Kickl herantritt. „Pilz spricht außerdem die Affäre Silberstein an, und er fragt, ob es richtig sei, dass Lansky im Wahlkampf eine Besprechung mit dem neuen Wahlkampfleiter der SPÖ hatte, wo es darum ging, wie man das Konvolut gegen die ÖVP verwenden könne.“ (Ticker des Standard) Der Anwalt reagiert kaltschnäuzig: „Ich werde Ihnen sicher nicht helfen, ein politisches Portrait von mir zu verfassen.“ Denn er „stehe politisch dort, wo er stehe, es gehe um keinen Seitenwechsel, es gehe ’nur um den Rechtsstaat‘.“

Ö1 auf Twitter

Und außerdem: „Ob ich bei irgendwelchen Wahlkampfteams dabei war, geht Sie überhaupt nichts an.“ Es ist auch seine Sache, ob eine Mitarbeiterin der Kanzlei namens Johanna Goldgruber vielleicht mit BMI-Generalsekretär Peter Goldgruber verwandt ist. An diesen kam er über denn Stadthauptmann Wien Innere Stadt heran, der ein guter Freund von Goldgruber sei; woher er den Stadthauptmann kenne, wolle er nicht sagen. Der Ausschuss erfährt nicht, wann er das Konvolut erhalten hat, geht aber von Sommer 2017 aus; immer wieder schaltet sich Mayer ein, der Lansky Fragen ersparen will. Als Pilz wieder an der Reihe ist, will er wissen, „ob es richtig sei, dass der ‚damalige SPÖ-Spitzenkandidat‘ auf die Frage, ob man das Konvolut im Wahlkampf einsetzen solle, geantwortet habe, man werde das nicht tun. Auch darauf antwortet Lansky erwartungsgemäß nicht“, doch immerhin ist es am Tapet. „Pilz fragt Lansky, ob er am Konvolut mitgeschrieben hat. Konkret fragt er, ob die ersten Seiten jener Fassung des Konvoluts, das Goldgruber vorgelegt wurde, von Lansky eigens für Goldgruber geschrieben wurden. Lansky antwortet nicht. Pilz fragt, ob es weitere Treffen mit Goldgruber gegeben habe. Lansky antwortet auch darauf nicht.“ Und offenbar kann sich der Ausschuss brausen gehen, den mehr als eine Beugestrafe von 1000 Euro, die das Bundesverwaltungsgericht beschliessen müsste, kann Lansky nicht passieren.

Friedrich Ofenauer (ÖVP) kommt auch nicht weiter, als er wissen will, warum er das Konvolut nicht selbst der WKStA übergeben habe, welche Rolle der Stadthauptmann Wien I gespielt habe oder warum dieser das Konvolut nicht selbst übergeben habe“: „Fragen Sie das ihn.“ Die Vorsitzende Doris Bures (SPÖ) ermahnt ihn, jedes Mal zu begründen, warum er die Aussage verweigert. Das klingt dann so: „Das betrifft eine Angelegenheit, in der wir uns selber rechtsfreundlich vertreten. Wir unterliegen einer Verschwiegenheitsverpflichtung.“ Jan Krainer (SPÖ) erfährt immerhin, dass es kein Mandantenverhältnis mit Peter Goldgruber gibt, doch dann versteht er nicht, wieso Lansky nichts zu einem Telefonat mit Staatsanwältin Ursula Schmudermayer sagen will (die er attackiert). „Diese Interpretation ist falsch. Es ist nicht so, dass irgendetwas, was zu diesem Verfahren gehört, nichts mit meiner Causa zu tun hat“, meint Lansky.  Und er will gegen den Ausschuss vorgehen: „Lansky kündigt an: Er wird die Verpflichtung, hier auszusagen, bis zum EGMR bekämpfen: ‚Ich bin nicht bereit, diese Art von Rechtsmissbrauch zu tolerieren. Ich bin ungern so pathetisch, aber ich meine es so. Wir werden das bis zur letzten Sekunde durchkämpfen. Wir werden das nicht akzeptieren'“

Ticker des Standard

Man vergleiche die Berichterstattung über Lanskys Verhalten mit der Empörung darüber, dass ein paar bisherige Zeugen die Kanzlei Gheneff zur Seite gestellt bekamen, weil diese so FPÖ-nahe sei, was aber der Bereitschaft auszusagen keinen Abbruch tat. Was das Konvolut betrifft, wurde zuvor Martin W. befragt, der früher Abteilungsleiter im BVT war und den z.B. Sibylle G., die Leiterin des Extremismusreferats für den Verfasser hält. W. traf einmal zufällig den Ex-BVT-Chef Gert Polli, der ihn auch (vielleicht ironisch?) darauf anredete. Als er mit Polli in der Zigarrenlounge im Hyatt plauderte, meinte dieser, dass FBI und CIA am Konvolut mitgewirkt hätten; wir haben also US-Dienste, Lansky und wen noch zur Auswahl? Hyatt steht übrigens für das Park Hyatt Hotel der Signa Holding, in dem der Mossad-Mann Tal Silberstein bei seinen Wien-Besuchen zu übernachten pflegt. Er ist mit Signa-Sprecher Robert L., dem Verfasser des Dossiers, in dem Christian Kern als Prinzessin mit Glaskinn bezeichnet wird, seit dem Gusenbauer-Wahlkampf 2002 befreundet. Anteile an Signa hat auch Haselsteiner, in Aufsichtsräten finden wir – Bingo! – Gusenbauer. Wenn wir die Sache mit dem Konvolut und Lansky ein bisschen drehen und wenden, ergibt es vielleicht auf andere Weise Sinn.

Denn was ist, wenn die Dramatik der Ereignisse mit Hausdurchsuchung im BVT und an Privatadressen am 28. Februar 2018 sich gegen den neuen Innenminister, die neue Regierung richten sollte, auch wenn es um Vorfälle geht, die im Jahr davor eben per Konvolut beschrieben wurden? Dann ist auch Lanskys Insistieren logisch, zu dem er ja ebenfalls jede Aussage verweigert. Während sich die anderen Fraktionen eher ärgerten, gab es aber Lob von der FPÖ per Presseaussendung, weil Lansky das „korrekte Vorgehen“ bestätigt habe. Ansonsten macht Lansky mit seiner Karriere von sich reden: „Der globale Verbund von Rechtsanwälten und Steuerberatern bestellt den Wiener Anwalt in das European Regional Board of Directors.“ Oder auch so:  „Aus Anlass der Jahreskonferenz der International Bar Association (IBA) in Rom lud die Anwaltskanzlei LANSKY, GANZGER + partner (LGP) am 7. Oktober zum Empfang mit Professor Romano Prodi und dem Spitzendiplomaten Wolfgang Petritsch, Of Counsel bei LGP.“ Petritsch ist ein anderer Beinahe-Minister der SPÖ, da er das Außenamt übernehmen hätte sollen, wenn die SPÖ 2002 die Wahl gewonnen hätte; er ist derzeit Präsident der Marshall Plan Stiftung Austria. Und Prodi war mit an Bord beim Ukraine-Lobbying von Gusenbauer, Manafort, Mercury LLC und der Podesta Group (die auch für den Airbus-Konkurrenten Lockheed lobbyierte); er wurde dort konkret, wo Gusenbauer so tat, als habe all das nichts mit ihm zu tun.

Beugestrafe? Peanuts

Beim Fall Alijew ging es darum, dass der Verdacht aufkam, Ermittlungen würden im Interesse Kasachstans via Lansky (und Gusenbauer) beeinflusst. Erst dadurch kamen Zweifel daran auf, ob Lansky wirklich noch der tolle „Menschenrechtsanwalt“ ist, als der er seine Laufbahn einst begonnen hatte. Gestohlene Kanzleidaten sind auch deswegen interessant, weil man ihnen z.B. die Bespitzelung eines Staatsanwalts entnehmen kann. Als die BVT-Affäre hochkochte, schrieb der ehemalige ÖVP-Abgeordnete und Anwalt Georg Vetter: „Opfer sein adelt. Das weiß Lansky schon lange. Nun aber begann er zu übertreiben und stellte sich nach der Einstellung der gegen ihn gerichteten Ermittlungen selber als Opfer dar. Da die ihn betreffenden Daten im BVT nicht gelöscht worden wären, wandte er sich im Jänner 2018 an den frischgebackenen Generalsekretär im FPÖ-geführten Innenministerium. Peter Goldgruber hatte auch ein offenes Ohr für das Datenopfer Lansky, der noch ein paar Monate zuvor eine Wahlplattform gegen die FPÖ mitgegründet hatte. Goldgruber war gerne zur Zusammenarbeit bereit. Lansky soll ihm sogar einen Termin bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft avisiert haben.

Was Lansky mit seinem Ansuchen in der Folge ausgelöst hat, ist bekannt: Hausdurchsuchungen, Strafverfahren, BVT-Untersuchungsausschuss. Noch nie hatten so viele Leute Einsicht in seine emails. Nun wendet er sich sogar medienwirksam an den Verfassungsgerichtshof.“ Dies kam im U-Ausschuss auch zur Sprache, jedoch verbunden mit Aussageverweigerung Lanskys, der eben, wie von Vetter vorausgesehen, in der Opferrolle verharrte. In einem anderen Text erinnert Vetter an einen U-Ausschuss zu Abhörmaßnahmen im Bereich des Parlaments: „Im Jahr 2009 setzte das österreichische Parlament einen Untersuchungsausschuss im Zusammenhang mit dem Fall Aliyev ein. Gerüchten zufolge soll der kasachische Geheimdienst versucht haben, österreichische Abgeordnete zu beeinflussen. Das BVT bestätigte später diese Gerüchte.“ Schließlich spielt Vetter auf eine weitere Causa an, der 1989 ein U-Ausschuss gewidmet war: „War ich seit den Tagen des Untergangs der Lucona ein Befürworter einer weisungsfreien Staatsanwaltschaft, habe ich nun meine Meinung revidiert. Kasachstans Versuch, in Österreich einen Stellvertreterprozess führen zu lassen, hat mein justizpolitisches Denken beeinflusst. Es bedarf einer politischen Letztverantwortung, abgefedert durch Transparenz und Weisenrat.“

Gert Polli wird befragt 

Lucona deshalb, weil damals die Justiz jahrelang untätig war, während sie heute übereifrig (eben pro Kasachstan) zu sein scheint, um das einstige Versagen zu kompensieren. Und auch da schließt sich der Kreis zu Lansky, denn dieser gehörte damals zu den Anwälten von Udo Proksch. Auf dem Server des Parlaments findet man eingescannte Protokolle des seinerzeitigen U-Ausschusses und kann vergleichen, wie umfangreich die Materie einst war, während heute oftmals Haarspaltereien betrieben werden bzw. man siehe Eurofighter desinformiert (hier ein weiteres Protokoll und hier auch). Manche Namen sind immer noch bekannt, etwa jener von Alfred Schätz vom Heeresnachrichtenamt, den „Aufdecker“ Peter Pilz 1989 nicht unfreundlich befragte und den viele aus seinen (CIA-affinen) Führungsoffizier betrachten. Während Pilz im U-Ausschuss saß, wurde in den Grünen dafür gesorgt, dass der formale Parteichef Johannes Voggenhuber unter Kontrolle einer Agentin gebracht wird. Allein dies sollte Zweifel daran aufkommen lassen, dass der Fall Lucona genau so ablief wie es Pilz und „sein“ Experte Hans Pretterebner behaupteten. Es wäre aber falsch, jene Personen weißzuwaschen, die schwarz gezeichnet wurden, da alles in einer ungeheuren Menge an Verfilzungen stattfand, aber die Cui Bono?-Frage immer noch offen ist. Was Lansky betrifft, verdiente er sich (wenn man es so sehen will) seine ersten Sporen als Promi-Anwalt mit dem schrägen Klienten Proksch.

Der „Falter“ recherchierte einmal monatelang (warum dieser Aufwand?) über „Genosse Gabi“, und zwar wegen des Falls Aliyew; im zeitweise frei lesbaren Text ist von Lanskys trauriger Familiengeschichte und davon die Rede, dass es einen ständigen Wechsel zwischen seiner Kanzlei und Posten bei der Justiz gibt. Man kann sich so auch den Aufbau von Möglichkeiten der Einflussnahme vorstellen, etwa in Anlehnung daran, wie es Lansky erlebt haben muss, als er zu jenen Kreisen gehörte, die Proksch die Treue hielten, darunter Arbeitsgerichtspräsident Karlheinz Demel (der durchaus Verdienste hatte). Es sei auch an den Club 45 als „eine Art sozialdemokratischer Herrenclub“ erinnert: „Dem Club gehörten unter anderem die damaligen Minister Karl Blecha (Innenminister), Leopold Gratz (Außenminister) und Karl Lütgendorf (Verteidigungsminister, parteilos) an. Der damalige Wissenschaftsminister und spätere Bundespräsident Heinz FischerHannes Androsch sowie Franz Vranitzky gehörten dem Club ebenfalls zeitweise an. Der Fall Lucona bereitete dem Club 45 das Ende. 1992 wurde der Club endgültig aufgelöst. Es gibt zahlreiche Verschwörungstheorien um einen ‚Geheimclub‘ im Stile der italienischen Geheimloge Propaganda Due. Lange Zeit machten Gerüchte die Runde, Proksch hätte allerlei Treiben der Mächtigen mit versteckten Kameras mitgeschnitten. Damit soll er diese erpresst und so eine Aufklärung des Falles Lucona verhindert bzw. verzögert haben.“ Bezeichnender Weise hatte ein Bericht den Titel „Wie Proksch unverwundbar wurde“, da Politiker Verfahren verzögerten.

Die Presse auf Twitter

Auf Unantastbare stoßen wir auch heute, wenn wir uns kritisch mit SPÖ-Vorgängen befassen, denn damit ermittelt wird, muss öffentliches Bewusstsein vorhanden sein, das Mainstream-Medien wie der auf Kickl fixierte „Falter“ nicht schaffen. Wie sehr Lansky in die BVT-Affäre involviert ist, zeigt auch eine Recherche von Addendum, die „Die Agentin, der russische Politiker und sein Anwalt“ genannt wird: „Die deutsche Privatagentin Christina Wilkening sollte dem damaligen Parteichef Vladimir Kishenin bei der Lösung ganz besonderer Probleme unter die Arme greifen: Kishenin wurde nämlich von Behörden in Deutschland und Österreich als Mitglied einer kriminellen Organisation angesehen, 170 Millionen Dollar waren eingefroren. In Abstimmung mit der bekannten Wiener Anwaltskanzlei Lansky sollte Wilkening Beamte von München bis Moskau kontaktieren. Nun tauchen Unterlagen auf, die zeigen, dass die Agentin offensichtlich den Einsatz von Schmiergeld geplant hatte.“ Gegenüber der Rechercheplattform gab er sich zugeknöpft, was seine Mails betrifft: „Gabriel Lansky will die Causa auf Anfrage nicht kommentieren. Er selbst wird dem Hohen Haus im Oktober als Auskunftsperson Rede und Antwort stehen müssen. Zumindest über seine Berührungspunkte mit dem BVT und dem Innenministerium. Vielleicht auch über mehr. Sofern ihn Verschwiegenheitspflichten nicht daran hindern.“

Über die Aussageverweigerung wird zwar berichtet, aber auch nicht viel WInd gemacht, was Bände spricht über einflussreiche Netzwerke, die über unsere Landesgrenzen hinausreichen und in denen wir die meisten nicht namentlich kennen werden. Es erinnert auch daran, wie der Gusenbauer- und Kern-Freund Martin Schlaff mit dem Affront einer Ladung in einen U-Ausschuss umzugehen pflegt. Eine Beugestrafe für Lanskys Portokassa dient eher nur dazu, den Schein demokratischer Kontrolle zu wahren. Doch Lanskys Gebaren lüftet auch den Schleier von Gepflogenheiten in jenen Kreisen, die mit Gusenbauer-Kern die Sozialdemokratie untertan machten, wo man keine Rechenschaft ablegt und meint, Regeln gelten nur für andere, für das gemeine Volk ohne mächtige Freunde. Durch die Finger sehen auch Politiker, die integer bleiben und nicht für andere Länder, Rüstungs- und andere Konzerne lobbyieren und so ihre offizielle Funktion benutzen wollen. Sie haben mit die Nachrede von Gusenbauer und Co., können aber nur wenig bewirken, weil sie nicht mitspielen und enttäuschen von daher ihre Wähler. Übrigens wird Lansky auch anders als anderen Zeugen von den Medien nicht übelgenommen, dass er die Vorgangsweise von Innenminister und Justiz verteidigt.

PS: Um zum Anfang zurückzukehren gibt es auch einen Gusenbauer-Hochegger-Konnex, den Gusi gerne bestreitet. Ob Gusenbauer 100.000 Euro vom Lobbyisten erhalten hat oder nicht, sein Ex-Sprecher Stefan Hirsch arbeitete jedenfalls bei Hochegger während der Privatisierung der BUWOG; die gerade im Mittelpunkt eines Prozesses steht. Hirsch wird im Dossier eines anderen Ex-Gusi-Sprechers für Silberstein besonders gelobt und für höhere Aufgaben vorgesehen; er fungierte neben u.a. Ex-BMLV-Kabinettschef Stefan Kammerhofer als Aufpasser für Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos, der kein Vasall fremder Mächte sein wollte. Reiner Zufall war wohl, dass mir, als ich mit Darabos‘ Abschottern in Berührung kam, via BUWOG zugesetzt wurde, sodass ich meine Wohnung verlor. Als Ex-Rechnungshofprüfer Wolfgang Lederbauer eine Sachverhaltsdarstellung zum BUWOG-Verkauf einbrachte, reagierte die Staatsanwaltschaft in Club 45-Manier und ließ ihn polizeilich bei Psychiater Kurt Meszaros vorführen – sein Vater(?) gehörte zum Klub – mit dem Ziel einer Zwangsentrechtung. Meszaros wurde auch gegen eine Klavierlehrerin verwendet, deren gepflegter Flügel nach einer Reparatur mit einem ramponierten aus der der Residenz der US-Botschaft vertauscht wurde; Richter machten Witze, dass die CIA die Frau entmündigen lassen wollte; sie wehrte sich mit teuren Privatgutachten.

PPS: Ein neuer Artikel von Addendum zeigt Lanskys Verbindungen in die Justiz und weist auch auf ein Darlehen für Christoph Matznetter 2008 hin (er deckte 2017 die Silberstein-Affäre zu).

PPPS: Es gibt natürlich auch eine Connection zwischen Lansky und „Eurofighter-Staatsanwalt“ Michael Radasztics: „Auf das Paket aus Zürich wartet Michael Radasztics seit Weihnachten. Ausgelöst durch eine Strafanzeige der Rechtsanwaltskanzlei Lansky Ganzger und Partner im Februar 2009, untersucht der Wiener Staatsanwalt seit über einem Jahr die Affäre Medici rund um die Finanzberaterin Sonja Kohn.“

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5 Gedanken zu “BVT-Affäre: Anwalt Lansky ist gleicher als gleich

  1. Das Problem bei den Staranwälten ist , sie sind meist in die grausigsten oder verworrensten Fälle verwickelt.
    Es ist oft naheliegend zu sagen, sie wären mit-verwickelt.
    Ich habe das auch bei anderen Themen beobachtet.
    Klarheit gibt letzten Endes nur das Wort Beweis.
    Dieses Posting soll weder für noch gegen Lansky sprechen, es ist einfach nur eine Beobachtung zb Astrid Wagner, Fall Kampusch, BUWOG usw

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  2. Im #BVTUA hat gestern der als SPÖ-nahe geltende Anwalt Gabriel Lansky ausgesagt. Er verteidigt die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft und des Büros von Innenminister Herbert #Kickl https://t.co/a3wJD54OGk pic.twitter.com/X81bt8cFoq

    Jetzt scheinen bereits d ersten Rückläufer sich in Bewegung zu setzen. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, wird der BVT-U-Ausschuss noch vor dem Sommer 2019 als beendet zu bewerten sein; und unser Beider Freund und Zwetschkenröster Peter Pan verfängt sich allmählich aber hoffnungslos in den Spinnfäden, welche PP zuvor mit großer Arglist, flankiert mit viel MedienTrara, eigentlich für Unschuldige hat spannen lassen.

    Der Krug geht eben nur solange zu Brunnen…… usw.

    Wie auch immer

    MfG

    P.S.: Ab 2022 ist spätestens auch für den PP Schluss mit der schützenden Immunität. Immerhin erwartet PP ein nicht so ganz gemütlicher Lebensabend bei freier „Kost und Logis“ LOL

    MfG

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    1. Übrigens setzt sich Pilz unschwer zu erkennen für Lansky und Gusenbauer ein https://www.facebook.com/peterpilz/posts/1966726246704512?__tn__=K-R

      Zitat:

      Lansky bekannte sich immer zu SPÖ. Aber viele in der Partei betrachten ihn ebenso als Belastung wie sein politisches Pendant Alfred Gusenbauer. Im Untersuchungsausschuss gibt es niemanden, der versucht, Lansky zu stützen. Auch die SPÖ hat Interesse, dass die Causa „Lansky“ geklärt wird. Und die SPÖ beim nächsten Beweisthema unbelastet Fragen zum Schwarzen Netzwerk im BVT stellen kann.

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      1. Ich lese mir täglich das nervige Gezwitschere von Pilz auf Twitter und dort läßt Pilz unschwer zu erkennen einen anderen Wind wehen. Aber vielleicht ist beim Pilz Schizophrenie im Spiel ? LOL

        Ein Beispiel möge genügen:

        Peter Pilz

        Verifizierter Account @Peter_Pilz 17. Okt.

        DER NÜTZLICHE LANSKY.

        Gabriel Lansky heißt einer der Stricke, an dem die FPÖ den Rechtsstaat aufhängt. Rechtsanwalt Lansky will das durch Schweigen aussitzen. Aber dafür ist es zu spät.

        1. DER TRICK

        „Ich vertrete… https://www.facebook.com/peterpilz/posts/1966726246704512

        Wie auch immer

        MfG

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      2. Das Folgende von Shakespeare scheint wie angegossen, den Charakter von Peter Pilz zu dokumentieren. WiederErkennungsrate: 100 Prozent !!!

        „Ich tu das Bös‘ und schreie selbst zuerst.

        Das Unheil, das ich heimlich angestiftet,

        Leg ich den andern dann zur schweren Last.

        […]

        Dann seufz ich, und nach einem Spruch der Bibel

        Sag ich, Gott heiße Gutes tun für Böses;

        Und so bekleid ich meine nackte Bosheit

        Mit alten Fetzen, aus der Schrift gestohlen,

        Und schein ein Heil’ger, wo ich Teufel bin.“

        — Shakespeare, aus Richard III.

        Wie auch immer

        MfG

        Gefällt mir

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