Das waren die GrünInnen

Nach der Wahlniederlage am Sonntag sind Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek und Bundessprecherin Ingrid Felipe zurückgetreten; Lunacek wird auch ihr Mandat im EU-Parlament zurücklegen. Vorläufig steht der Noch-Abgeordnete Werner Kogler an der Parteispitze, um die verschuldete Organisation abzuwickeln. Damit ist auch klar, dass die Zeit der „GrünInnen“ vorbei ist, sich anscheinend nicht bewährt hat, vor allem Frauen in den Vordergrund zu stellen. Es ist den Grünen genauso wenig wie anderen Parteien gelungen, Geschlechterrollen in der Politik aufzubrechen; etwa dass sich Frauen an Regeln halten, während diese für Männer dazu da sind, umgangen zu werden. Deshalb legen Lunacek und Felipe ihre Funktionen zurück, während der SPÖ-Beschluss, mit ÖVP und FPÖ Gespräche zu führen dazu führt, dass Bürgermeister Michael Häupl und Landeshauptmann Hans Niessl in Parteispaltung machen. So eine Art Initiative wäre auch den Grünen zu empfehlen gewesen, als ihr Ex-Mandatar Peter Pilz eine Gegenkandidatur ankündigte und auch erfolgreich durchzog. Denn wie heißt es so treffend? Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse aber überallhin.

Die „GrünInnen“ umarmten einander fassungslos, was man bei einem gewaltigen Minus zwar verstehen kann, aber doch bei einer Männermehrheit auf der Bühne nicht so stattfinden würde. Sieht man sich die Geschichte der deutschen Grünen an, fällt wie in Österreich auf, dass sich Aussagen über die Jahre kaum ändern (als Beispiel Claudia Roth 2016), als ob Frau Sein schon als Programm ausreichen würde. Tatsächlich sparten weibliche grüne Abgeordnete einige Bereiche aus, mit denen sie sich auch in Konkurrenz zu Pilz hätten profilieren können. An gefeierte Schwesterlichkeit oder öffentliche Trostrituale kann ich mich auch nicht aus der Zeit erinnern, als ich selbst noch bei den Grünen war. Dabei wollte ich mit anderen Frauen ein Antreten der Grün-Alternativen bei der Grazer Gemeinderatswahl 1988 als Frauenliste durchsetzen. Das hätte aber bedeutet, dass sich Frauen mit allen Themen selbst auseinandersetzen und Kompetenz erwerben, sich auf Neues einlassen müssen. Die „GrünInnen“ konnten sich aber Rosinen herauspicken, sodass manches Männern vorbehalten blieb, die dementsprechende Medienpräsenz erhielten, während z.B. der „Grüne Frauenbericht“ akribisch zusammengestellt und interessant war, aber kaum erwähnt wurde.

 

 1. Wahlplakat 2017

 Der hohe Frauenanteil bei den Grünen ist dennoch ein Fortschritt, da anfangs aus der SPÖ importierter Sexismus eine wichtige Rolle spielte und Frauen, die mit niemandem etwas hatten, nur in Ausnahmefällen Chancen hatten. Das betrifft die Bundesebene, die zugleich der Hebel dafür war, die Partei zu instrumentalisieren und z.B. Peter Pilz zu pushen. Da sich die „GrünInnen“ nie mit der Pilz-Agenda befasst haben, erwischte sie auch auf dem falschen Fuß, dass Pilz gegen sie kandidierte, damit reüssierte und seine Liste schon als neue Grüne betrachtet. Die „GrünInnen“ weigerten sich, realistische Positionen z. B. hinsichtlich Asyl und Migration zu entwickeln, sondern verharrten in illusionären Ansichten. In vielem wirkte Pilz mit großer Medienpräsenz glaubwürdiger, obwohl er stets die Rolle eines Agenten einnahm. Selbst als er ihnen erhebliche Schwierigkeiten bereitete, scheuten die „GrünInnen“ die direkte Konfrontation und meinten, „Sachpolitik“ ersetze diese Ebene. Die Grünen sind dabei aber das Ergebnis Dirty einer Auslese, der etwa NATO-kritische Personen wie ich zum Opfer fielen. Pilz, der maßgeblich daran mitwirkte, die Partei zuzurichten, ist nun Werkzeug dabei, sie abzuschaffen.

 Die Grünen kauften Pilz nicht nur seine Aufdeckerei ab, sie waren auch noch darauf stolz, dass der Gegenkandidat mit ihnen noch beim Eurofighter-U-Ausschussbericht zusammenarbeitete. Sie waren auch nicht bereit, Pilz‘ Verbindungen zu Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und damit auch zu Ex-SPÖ-Berater Tal Silberstein zu hinterfragen, als Pilz einen U-Ausschuss in der Affäre um Dirty Campaigning forderte. Vielfach wird bedauert, dass jetzt keine „feministische“ Partei mehr im Parlament sei; zum einen ging es immer um NATO-kompatiblen „Feminismus“, was alle echt Friedensbewegten früher oder später ausschloss. Zum anderen ist aber bei allen anderen Parteien einschliesslich der Liste Pilz die dominante Position von wenigen Männern offensichtlich. Auch wenn die „GrünInnen“ nie „feministisch“ im Sinn von „spring ins kalte Wasser, es gibt nichts, was eine Frau nicht kann“ waren, machen andere Parteien tagtäglich den Unterschied klar. Heute sahen wir, wer zum Umfeld von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache gehört – alles Männer (auf dem Weg zu einer Sitzung); wer in der SPÖ Konflikte öffentlich austrägt, haben wir bereits erwähnt. Die „neue“ ÖVP hat zwar mehr Frauen denn je auf der Liste, zugleich aber mehr Kompetenzen denn je für den Parteichef. Hingegen verbuchen die „GrünInnen“ schon lange Frauenquoten für sich und eben auch die Wahl von Listen, statt diese nur durchzuwinken.

PS: Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

Advertisements

6 Gedanken zu “Das waren die GrünInnen

  1. „Der hohe Frauenanteil bei den Grünen ist dennoch ein Fortschritt, da anfangs aus der SPÖ importierter Sexismus eine wichtige Rolle spielte und Frauen, die mit niemandem etwas hatten, nur in Ausnahmefällen Chancen hatten.“

    heißt das die diversen stadträtInnen hätten…

    und der blade michi sei sowas wie der wiener wein-stein?

    da müssen aber zumindest beim finanzresort auch drogen im spiel gewesen sein…

    oder aber die entscheidung wurde schon vor langer zeit getroffen 😉

    Gefällt mir

  2. Böse Mädchen kommen in den Himmel, brave aber nirgendwohin.
    Den Spruch kenne ich anders:

    Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin.

    Offenbar habe ich den Paradigmenwechsel verschlafen 🙂

    Gefällt mir

  3. „Sei ein Mann: Wähl eine Frau. Das ist grün.“

    Wenn eine Frau so um Stimmen wirbt, eine Grüne, die ja an der Abschaffung der Zweigeschlechtlichkeit arbeitet, dann beweist sie, dass sie mit dem Klammerbeutel gepudert sein muss.

    „Sei ein Mann!“ Wie käme ich dazu, fühle ich mich doch in meiner „konstruierten“ Weiblichkeit ganz super. Für eine Lunacek würde ich mich doch niemals „dekonstruieren“. Ich fühle mich durch dieses Plakat diskriminiert, empfinde es geradezu als Mikro-Aggression.Ich bin geschockt über soviel Sexismus.

    Ist ein bißchen o.t., aber ich kann es nicht lassen. Man muss zwischendurch auch mal herzhaft lachen dürfen über Grüninnen und die Bieninnen:

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s