Die SPÖ im Silberstein-Sumpf

Dass die SPÖ jetzt durch ihren Wahlkampfberater Tal Silberstein in den Abgrund gerissen wird, hat seine Wurzeln im Jahr 2002, als Alfred Gusenbauer ihn erstmals engagierte. Bereits damals hatten manche ein ungutes Gefühl wegen seines rüden Verhaltens bzw. ordneten ihn – wie später Medien in Rumänien und Botswana – dem Mossad zu.  Gusenbauer störte all dies nicht, hatte er doch auch damals Freunde (inzwischen Geschäftspartner), die ebenfalls so einzuschätzen sind. Vom Büro eines seiner Freunde (der auch Mitglied der SPÖ ist) soll 2010 die Ermordung eines Hamas-Führers 2010 in Dubai koordiniert worden sein. In der Regel checken weder Spitzen- noch Basisfunktionäre, was wirklich in der eigenen Partei gespielt wird und welche Zusammenhänge es gibt.Sie klammern sich deshalb gerne daran, dass Bundeskanzler Christian Kern in der Affäre um der SPÖ zugeschriebene Fake-Facebook-Seiten den Ball an Außenminister Sebastian Kurz weiterspielt, der offenbar Insiderkenntnisse habe.

Es war aber die SPÖ, die Silberstein auf Empfehlung Gusenbauers engagierte und alle Warnungen in den Wind schlug. Dass Kern jetzt (statt zurückzutreten, wie einige fordern) eine Task Force zur Aufklärung einsetzt, lässt Zweifel aufkommen, weil sie ein alter Gusenbauer-Freund leiten soll. Dieser ist auch offiziell mit „Gusi“ verbunden: „Christoph Matznetter scheint neben seiner jahrelangen politischen Tätigkeit im Nationalrat und in der Wirtschaftskammer als Geschäftsführer der ‚Merkur-Unternehmensbeteiligung, Vermögensverwaltung und Finanzierungsvermittlung Gesellschaft m.b.H. – Gartenhotel Altmannsdorf‘ auf. Dieser Gesellschaft gehört etwa die Café Gloriette Betriebs GmbH, die ‚Café Gloriette‘ und ‚Tiroler Garten‘ in Schönbrunn verwaltet. Und diese ‚Merkur‘ befindet sich laut Firmenbuch zu etwa 99 Prozent im Eigentum der SPÖ – der Rest des Anteils fällt auf das Renner-Institut, die Parteiakademie der SPÖ. Beim Renner-Institut wiederum trifft man auf niemand anderen als Alfred Gusenbauer als Präsidenten. Und Gusenbauer war es auch, der Matznetter, mit dem er seit gemeinsamen Jahren in der Sozialistischen Jugend befreundet ist, zur SPÖ brachte. Nicht zu vergessen, dass Gusenbauer in engem Geschäftskontakt zu Tal Silberstein gestanden hat, ehe der Israeli gemeinsam mit seinem milliardenschweren Landsmann Beny Steinmetz wegen Korruptionsverdachts verhaftet wurde.“

Von Fake-Seite zu Fake-Seite (Google Cache)

Ein Dreh- und Angelpunkt der roten Verstrickungen ist die Signa Holding von Rene Benko mit Gusenbauer im Aufsichtsrat. Ein Dossier u.a. über Christian Kern wurde vom Konzernsprecher (Ex-Gusenbauer-Sprecher) für Silberstein verfasst, der wiederum bei Wien-Besuchen in Signas Park Hyatt (Luxus-) Hotel absteigt.  Federführend bei der Verbreitung der Kern-Schmähungen war Wolfgang Fellners „Österreich“, das gerne in besagtem Hotel feiert (Fellners 60er, 10 Jahre „Österreich“ 2016  – „Regierung stark vertreten“ – , 10 Jahre „Madonna“ 2017). U.a. bei der Eröffnung des Park Hyatt 2014 posierten  Benko, Gusenbauer und Kurz miteinander. Seit dem TV-Duell zwischen Kurz und FPÖ-Chef Heinz Christian Strache (passenderweise auch bei „Österreich“, wo Frau Strache arbeitet) ist bekannt, dass auch Kurz Kontakt zu Silberstein hatte. Daraus aber abzuleiten, dass für Facebook-Seiten zum Zweck des Dirty Campaigning die ÖVP verantwortlich ist, kann zu peinlichen Fehleinschätzungen führen.  Das „Dossier“ bildete den Auftakt zur offen Demontage Kerns, auch weil es zur internen Demontage zugunsten von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil verfasst wurde.

Fake-FB-Seite

Kern reagierte empört, was die Aufmerksamkeit erst recht darauf lenkte, und seitdem die Fake-Seiten am Morgen des 30. September medial Thema wurden, überbietet sich Fellner mit Rücktrittsaufforderungen und verlangt, dass Doskozil an Kerns Stelle gelangt. Das Einsetzen einer Task Force verspricht Zeitgewinn, muss aber dazu führen, dass alle Leichen im Parteikeller exhumiert werden, die mit Silberstein und Gusenbauer zu tun haben. Nicht von ungefähr sagt Silberstein (in „Österreich“, wo sonst?) über seinen Freund und Businesspartner Gusenbauer: „Er ist einer der Menschen, die ich am meisten bewundere und respektiere.“ Und er könnte Desinformationen streuen: „Dieser ganze Leak wurde durch einen Maulwurf, der offenbar von der anderen Seite rekrutiert wurde, gemacht. Ich habe die nachfolgende Berichterstattung nicht verfolgt und bin nicht bereit, bezüglich der Echtheit dieser Papiere, Stellung zu nehmen.“ Schließlich meint er zu Kurz, der ihn erkannt habe: „Wir haben recht lange geredet. Ich weiß nicht mehr genau, ob es eineinhalb oder zwei Stunden waren, aber es war ausführlich. Er war sehr an der israelischen Politik und dem israelisch-palästinensischen Konflikt und meiner Meinung darüber interessiert. Ich habe ihm dann viel darüber erzählt und auch über meine Geschichte, als ich nach der Ermordung von ­Rabin eine NGO – die Generation Frieden – gegründet hatte. Wir haben dann auch über österreichische Politik geredet. Es war eine sehr interessante und nette Unterhaltung.“

Es klingt fast zynisch, wie er Kern anbetracht der Situation beschreibt:“Er ist einer der beeindruckendsten Persönlichkeiten, mit denen ich die Ehre hatte, arbeiten zu können. Er ist sehr talentiert und hat ein wundervolles und idealistisches Team.“ Denn offenbar waren Silberstein-Leute ohne Auftrag der SPÖ im Wahlkampf aktiv mit den abgebildeten, auch  via Facebook beworbenen Seiten, die  man dann im richtigen Moment medial mit Kern verband. Dabei ist deren Breitenwirkung begrenzt, da sie vor allem für Hardcore-Strache- oder Kurz-Fans interessant sind, denen man alles einreden kann. Bedeutung erlangen sie nur dadurch, dass sie der SPÖ zugeschrieben werden, um so die Ablöse Kerns durch Doskozil herbeizuführen (der wiederum gut mit Kurz „kann“). Dieser „drängt“ nun „auf Aufklärung der Facebook-Affäre“ und hat nie mitgekriegt, dass Silberstein eine höchst zweifelhafte Person ist. Dann sollte er aber rasch als Verteidigungsminister zurücktreten, denn er hat Hinweise auf eine Mossad-Connection ignoriert, statt die ihm unterstehenden Geheimdienste zu befassen. Seit dem „Sozialfighter statt Eurofighter“-Wahlkampf 2006 mit Silberstein ist übrigens Norbert Darabos (Verteidigungsminister 2007 bis 2013) unter Druck, einer von wenigen in der Politik, die verdeckte Operationen erkennen können.

„Österreich“ am 1.10.

Gegen Darabos arbeiteten u.a. Ex-Klubsekretär (bei Gusenbauer) Stefan Kammerhofer (2007 bis Anfang 2016 Kabinettschef im BMLV) und Stefan Hirsch (Ex-Gusenbauer-Sprecher, von einem anderen Ex-Gusenbauer-Sprecher in einem gewissen Dossier sehr gelobt und während der BUWOG-Privatisierung bei Lobbyist Hochegger tätig), die auch gegen mich vorgingen, als ich Darabos‘ Situation thematisierte. Doskozil deckt sowohl Kammerhofer als auch Hirsch, der sein Sprecher war und jetzt die Abteilung für Wehrpolitik leitet. Da Darabos seit Jahren unter Druck ist, abgeschottet und überwacht wird, ist kein größerer Aufwand (a la Kern) nötig, um  ihn nach dem 15.Oktober von der burgenländischen Landesregierung aufs Abstellgleis zu schieben. Bislang war den Genossen dies vollkommen egal, obwohl / weil es zu dem Sumpf gehört, in dem jetzt die gesamte SPÖ zu versinken droht. Es ist bezeichnend, dass auch Georg  Niedermühlbichler als am 30.9. zurückgetretener Wahlkampfleiter (wie zuvor Darabos) nur nach außen hin die Verantwortung hatte, aber nichts entscheiden durfte. Und es ist paradox, dass Berichte, wonach Silberstein keine „Randfigur“ war, sondern auch im Kanzleramt aus- und einging, damit einhergehen, dass Kern wie vor genau 30 Jahren Uwe Barschel über Fake Dirty Campaigning stolpern soll.

PS:  Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

 

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9 Gedanken zu “Die SPÖ im Silberstein-Sumpf

  1. Chère Mme. Baader,

    nur kurz zum mitschreiben:

    Wollen Sie uns also wirklich plausibel machen, daß irgendein SPÖ-Superhirn (welch contradictio in adjecto!) ein gefaketes dirty-campaigning-Projekt hochzieht, um einen eigenen Bundeskanzler durch dessen exakt getimete Enttarnung dann zu stürzen?

    Sorry, aber das ist doch um drei Ecken herum zu kompliziert geplant und „funktioniert“ höchstens in effekthascherischen Hollywood-Agentenfilmen, aber nie und nimmer in der Realität!

    Wenn da die Büroleiterin einer Wiener SPÖ-Stadträtin eine Domain „wirfuerkurz“ anmeldet etc. etc. … — dann soll das alles eigentlich bloß eine Intrige des Mossad sein, oder wie? Oder gar eine Intrige der Kurz-VP, die sich des Mossads bedient?

    Ich bin keineswegs der naive Tor, der annimmt, in der Welt gehe alles anständig und ehrlich zu — das kann ich mir schon von meinem Beruf (ich berate Privatunternehmer wirtschaftlich, rechtlich und finanzierungsmäßig) her nicht leisten, und wenn Sie meinen Blog lesen, werden Sie mir wohl allerhand unterstellen, aber blauäugige Weltsicht doch eher nicht!

    Nur: es gibt Grenzen der Komplexität, die kein Mensch mit halbwegs intakter Vernunft überschreiten wird — denn dann wird das kunstvoll aufgetürmte System so labil, daß es jederzeit (und damit auch zur Unzeit) kippen kann, was für den „Systemträger“ (der den Turm von „ganz unten“ irgendwie in Balance halten muß!) meist ziemlich letal endet. Da die Neigung zu selbstmörderischem Verhalten doch relativ selten ist, glaube ich einfach nicht daran …

    Ich glaube an Blödheit, an ideologische Verblendung, an Abgehobenheit nach dem Motto „Uns kann doch eh keiner an!“, und an vieles mehr — aber nicht an Selbstmord mit Anlauf!

    Wer quasi einen „umgekehrten Barschel“ plant, dem muß doch klar sein, daß er damit nicht bloß Kern entsorgt, sondern ggf. auch die SPÖ gleich mit! Sowas ist als Racheakt vorstellbar (Gusi könnte bspw. alte Rechnungen mit der Faymann/Rathaus-Fraktion begleichen wollen) — aber warum wollte der dann seinen Schützling Kern damit killen.

    Aber vielleicht haben Sie für all das eine plausible Erklärung. Dann bitte ich um diese — denn aus dem von Ihnen bislang geschriebenen erschließt sich mir der Sinn solcher „dreimal-ums-Eck“-Aktionen leider noch nicht!

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    1. Lieber „Denker“, ich will andere Aspekte beleuchten und dazu gehört auch, dass hier massiv mit Externen agiert wurde. Der Falter stellt das ganz gut dar: https://cms.falter.at/falter/2017/10/02/die-affaere-silberstein/

      Was Kern betrifft, muss er darauf vertrauen können, dass loyal für ihn gearbeitet wird – er kann nicht alles im Blick haben weil er ein ganz anderes Arbeitspensum hat. Dennoch muss er sich fragen lassen, ob er Warnungen und Hinweise ignoriert hat.

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    2. Aufgrund Ockhams Rasiermesser tendiere ich auch zu der Erklärung, welche Sie hier abliefern, als da wären Dummheit und Hybris.
      Das Sprichwort „wer andern eine Grube gräbt“ birgt doch einiges an Weisheit in sich.
      Ich wurde vor einigen Monaten stutzig, als es um die wirfürseb..-domain ging, welche von einer Dame aus dem SPÖ-Dunstkreis angemeldet wurde; wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt hat, so weiß man, dass es Möglichkeiten gibt, eine domain-Anmeldung von einem Dienstleister (in der Karibik zB.) durchführen zu lassen, und außer einem Geheimdienst wird dann niemand herausfinden können, wer hinter der Anmeldung tatsächlich steht.
      Das ist nicht passiert, der Klarname war ersichtlich.

      Wie man weiß, tobt in der SPÖ seit längerem ein interner Machtkampf, und es gab neben Rücktritten sogar eine Schlägerei, in die MA des Kanzleramts sowie der Bundesgeschäftsstelle Löwelstraße involviert waren, also Team Kern/Silberstein versus Team Niedermühlbichler.
      „Krüppellied“ Pöchhacker (Niedermühlbichler unterstellt), Holzunternehmer Schweighofer (Konnex Silberstein – Rümanienbusiness) und Hr. Puller (Verbindungen zu früher ÖVP, dann Neos und SPÖ) sind die handelnden Personen in Sachen FB-Gruppen…

      Ich halte es für denkbar, dass ein SPÖler der „Realo“-Fraktion (…) diesem Treiben der „Globalo“-Fraktion, gestützt durch Helferleins vom südlichen Mittelmeer, nicht mehr zusehen wollte und darum relevante Unterlagen weitergab.
      Es gibt auch Wiener SP-Kreise, die sich türkis-blau wünschen, um ihre kriminellen Machenschaften mit einem neuen, alten „Antifaschismus-Wind“ prolongieren zu können, die Wiener Wahlen sind nicht mehr so fern und es schwant ihnen Übles.
      Oder es war eine anders gelagerte interne Intrige.

      Es sieht für mich jedenfalls momentan nach extremer Dummheit samt Hybris oder nach extremer Dummheit samt Hybris gepaart mit einer internen Intrige aus.

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      1. es wird vieles zusammenkommen, sowas ist nie eindimensional, aber jetzt stehen auch die verflechtungen um gusenbauer zur diskussion, die bislang kaum jemanden interessierten (nur ein beispiel dafür, was nun aufbricht).

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      2. Das wird interessant, was mit dem Präsident des Renner-Instituts passiert…da haben Sie recht, und Sie haben einiges dazu beigetragen, dass er vor den Vorhang gebeten werden könnte.
        Momentan sieht es aber eher nach Durchtauchen aus, wenn man sich zB Matznetters Gestammel (dekodiert) zu Gemüte führt.
        2 Bauernopfer (?) wurden schon gefunden, der Agent, pardon, Berater, hat Kern schon weißgewaschen (vielleicht hat das auch mit etwaigen Honorarrückforderungen zu tun).
        Aber ob auf diesen SPÖ-Topf noch lange der Deckel gehalten werden kann, ist fraglich.

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      3. Danke für die Blumen 🙂 Gusis Geschäfte sind jetzt ja tatsächlich Thema, muss sich aber noch steigern. Was Silberstein betrifft, wäscht er Kern nicht rein (das sieht auch Kern selbst so), sondern agiert ähnlich wie 2008 in Israel:

        https://www.haaretz.com/ex-barak-aide-says-has-incriminating-evidence-on-campaign-donations-1.248792

        „In an interview with Army Radio last month, Silberstein said Barak is ‚the last person to speak out on moral issues‘ in reference to Olmert’s allegedly receiving illicit funds. Referring to Moshe Talansky, the Jewish-American millionaire whom police suspect gave Olmert illegal cash contributions, Silberstein said: ‚You’ll find that politicians in Israel have many Talanskys.‘“

        Er schiebt zwar den Schwarzen Peter auf die Konkurrenz, provoziert sie aber damit und stellt zugleich dem „Kunden“ die Rute ins Fenster.
        Mehr dazu hier:

        https://alexandrabader.wordpress.com/2017/10/03/welche-dimensionen-hat-die-silberstein-affaere/#more-18607

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      4. Ja,
        das könnte schon sein, wobei T.S. in der Olmert-Sache ja direkt den ehemaligen Kunden anschwärzt, was im aktuellen Fall nicht so ist.
        Jedenfalls ist an Goethes „Die ich rief, die Geister, die werd‘ ich nun nicht los“
        zu denken
        Scheint übrigens, als würde die Krone bei Ihnen mitlesen – http://www.krone.at/591706 🙂

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