Die Saga von Sebastian und Silberstein

Gerade gab es wieder Aufregung um Ex(?)-SPÖ-Berater Tal Silberstein wegen eines für ihn verfassten Dossiers, das Parteichef Christian Kern nicht eben schmeichelhaft als „Prinzessin “ mit „Glaskinn“ zeichnet. Doch der Name Silberstein darf auch im Duell zwischen Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz Christian Strache (FPÖ) bei „Österreich“ nicht fehlen  – ironischer Weise dort, wo man Kern nach der Veröffentlichung des Papiers nicht mehr sehen wird. Zunächst sagten Kurz und Strache, dass man so ein Dossier durchaus publizieren kann, doch dann „nahm das Gespräch jedoch eine skurrile Wendung: ‚Sie, Herr Kurz, sollen doch selbst Silberstein in einem Flugzeug nach Tel Aviv getroffen und eingeladen haben. Da gibt es Zeugen‘, warf Strache seinem Kontrahenten vor. Kurz konterte: Er sitze jede Woche im Flieger. ‚Sie sind ja auch öfter geflogen, nach Ibiza, wie ich gehört habe. Das sind immer große Flugzeuge mit sehr vielen Menschen drin‘, parierte er Straches Angriff.

Doch der FPÖ-Chef ließ nicht locker: ‚Sie sollen doch mit ihm sogar eine Stunde gesprochen haben.‘ Prompt folgte die Antwort des ÖVP-Chefs: ‚Daran erinnere ich mich nicht.‘ Er werde täglich von Menschen angesprochen und wisse nicht mehr, wer mit ihm im Flieger gesessen sei. Jedenfalls sei Silberstein zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema gewesen und er habe ihn nicht gekannt.“ Kurz bezog auch Isabelle Daniel von „Österreich“ ein, die unter den begleitenden Journalisten war, die Kurz bei besagter Reise umgaben. Inzwischen hat das Büro von Kurz im Außenministerium aber einen (kurzen) Kontakt zwischen den beiden bestätigt: „Das Büro ist den Behauptungen nachgegangen. Ein Mitarbeiter erinnert sich, dass es im April 2014 bei einer Reise nach Israel im Flugzeug eine kurze, zufällige Begegnung gab, bei der sich Silberstein vorstellte. Rund 10 österreichische Journalisten sowie eine Delegation der jüdischen Gemeinde aus Österreich haben die Reise begleitet. Eine längere Unterhaltung fand definitiv nicht statt, die Rolle Silbersteins war damals weder bekannt noch Thema. Alle sonstigen Mutmaßungen sind angesichts der Enthüllungen von ‚Profil‘ über die Rolle Silbersteins als Wahlkampfleiter der SPÖ für jeden sofort als absurd erkennbar.“

Kurz vs. Strache

 

Freilich war der ÖVP, etwa Kurz‘ Mentor Wolfgang Schüssel durchaus auch vor drei Jahren bekannt, dass Silberstein für Dirty Campaigning berüchtigt ist. Man schrieb den kappen Sieg der SPÖ bei der Wahl 2006 ja dessen Mitwirkung zu und erkannte jetzt gewisse Parallelen zur damaligen „Sozialfighter statt Eurofighter“-Linie. Die FPÖ betrachtet das Herumeiern von Kurz als Beweis dafür, dass er die Unwahrheit sagte. Bislang wurde medial u.a. erörtert, dass Silberstein im Befehlston agiert und erwartet, dass seine Vorgaben auf Punkt und Beistrich umgesetzt werden; schließlich sei er Offizier der israelischen Armee. Was jedoch weniger Beachtung fand, war die Zuordnung zum Mossad, die zuerst in Medien in Botswana und Rumänien und dann auch bei uns zu lesen war. Denn sie deuten darauf hin, dass Silberstein auch verdeckt vorgehen und Leute an die Wand drängen kann, die mit ihm und seinen Methoden nicht einverstanden sind.

Sehen wir uns einmal an, wie auf Twitter reagiert wird, wo  sich Journalisten und PR-Leute austauschen: Isabelle Daniel postet: „Wobei Andeutung von Strache, Kurz habe quasi mit Silberstein gemeinsame Sache gemacht hat, wohl echt eher klassische Verschwörungstheorie,“ Und in Richtung Rudi Fußi (siehe Screenshots): „Sag, Rudi, willst Du jetzt sagen, Silberstein sei ein Kurz Agent????“ Oliver Pink weist auf einen interessanten Punkt hin: „Pointe am Rande: 2006 lancierte SPÖ gemeinsamen Flug von Schüssel mit Elsner. Chef-Stratege damals: Tal Silberstein, der heutige Elsner.“ Da ich mir Meldungen über den damaligen Wahlkampf kürzlich ansah, ergänze ich: “ interessanter einwurf, damals gings um (mit dem gusi flog) pointe am rande: bei RHI, wo fast anheuerte, hält schlaff ca 30%,“ Eva Weissenberger schreibt: „Liebe -Supporter: Den Namen Silberstein im Spiel zu halten, ist nicht gescheit.“ Heidi Glück dazu: „Ich seh das auch als Boomerang für die SPÖ. Der Auftraggeber für Silberstein bleibt SPÖ. Das werden sie bei denn Leuten nicht mehr wegkriegen.“ Die Vorstellung wäre tatsächlich absurd, dass eine Begegnung 2014 etwas damit zu tun haben kann, dass der SPÖ-Wahlkampf 2017 schiefgeht.

Rudi Fußi

Doch anders wird sehr wohl in Schuh daraus, da man beim besten Willen nicht behaupten kann, Christian Kern werde gestärkt und gepusht. Die Saga von Sebastian und Silberstein kann da nur ein weiteres Manöver sein, das nach hinten losgehen wird, ohne den Überbringer der Botschaft (FPÖ) zu beschädigen.Sehr wohl aber entsteht der Eindruck, dass Kurz wie einst Schüssel (2006) angepatzt werden soll, um der SPÖ doch noch zum Sieg zu verhelfen. Es ist nur ein scheinbarer Widerspruch, dass Kern demontiert wird, denn das Dossier vom Februar 2017 zielte offenbar darauf ab, ihn bis zum regulären Wahltermin 2018 durch Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil zu ersetzen. Dies weist auch auf die alte Anti-Eurofighter-Linie hin, der er brav folgt und die viel mit Ex-Kanzler (und Silberstein-Geschäftspartner) Alfred Gusenbauer zu tun hat, von dessen Rolle vermeintliche Kern-Unterstützer wie Rudi Fußi  und Robert Misik am 26.9. bei oe24 ablenkten. Zwar hat sich Kern jetzt auch noch eine Debatte über Pressefreiheit eingehandelt, doch ohne die Veröffentlichung des Dossiers würde er seine Feinde nicht kennen. Die Saga von Sebastian und Silberstein weist uns auf einen weiteren Punkt hin: denn Negativvideos über Kurz (wie es sie 2006 gegen Schüssel gab) kamen über das Entwurfstadium nicht hinaus, da Doskozil statt Kern ja das eigentliche Ziel ist.

PS vom 29.9.: „Silberstein hatte von Alfred Gusenbauer gehört, dass Kurz der kommende Mann der ÖVP sei. SPÖ-Insider berichten jetzt, Silberstein habe damals Interesse daran gehabt, eine allfällige ÖVP-Wahlkampagne mit Kurz zu betreuen. Damals war noch Werner Faymann SPÖ-Chef, der Gusenbauer 2008 demontiert hatte. Laut Kurz gab es keine weiteren Gespräche mit Silberstein. 2016 wurde Silberstein von der SP engagiert – auf Empfehlung Gusenbauers“, schreibt „Österreich„. Fragt sich, wie die Info vom Kurz-Silberstein-Gespräch zur FPÖ gelangte, die Kurz‘ Reaktion jetzt ausschlachtet. Die FPÖ geht mit „ihrer“ Kanzlei Gheneff – Rami – Sommer (die auch Gusenbauer gegen „Österreich“ wählte, das ihn mit dem SPÖ-Dossier in Verbindung bringt) gegen Kurz vor, der behauptete, ein ÖVP-Dossier sei via FPÖ geleakt worden. Im Netz wird auf die Eröffnung des Park Hyatt Hotel der Signa Holding (Gusenbauer im Aufsichtsrat) 2014 in Wien hingewiesen, u.a. wegen eines Fotos von Rene Benko mit Gusenbauer und Kurz. Nebenbei bemerkt: die Feier 10 Jahre „Österreich“ 2016 stieg ebenso dort wie kürzlich 10 Jahr „Madonna“ (Frauenmagazin von „Österreich“) und 2014 feierte Wolfgang Fellner seinen 60.Geburtstag – wo wohl? Bei der 10 Jahres-Feier sah man u.a. ÖVP-Wien-Chef Gernor Blümel mit Freundin Clivia Treidl, die sich als oe24.tv-Moderatorin über Kerns Reaktion auf das SPÖ-Dossier empörte. Auch Kurz, Doskozil, Sobotka, Rupprechter, Glawischnig, Hofer usw. waren dabei.

PPS:  Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bvorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

6 Kommentare zu „Die Saga von Sebastian und Silberstein

  1. Sehr geehrte Frau Bader,

    Sie laufen ja zuletzt zur Hochform auf, chapeau.
    Doch Ihren letzten Satz möchte ich doch etwas relativieren (Doskozil statt Kern als eigentliches Ziel).

    Das war sicher nicht von Anfang an so, es ergibt keinen mir ersichtlichen Sinn.
    Denn beide sind schleppende Willkommensklatscher und beide würden mit der FPÖ koalieren, wenn es der Machterhalt verlangt (beide würden zu diesem Zweck auch die eigene Omama verkaufen).
    Ich denke, es ist etwas passiert, was Soros et al. von Kern abrücken ließen…mir fällt dazu momentan ein, dass Kern vor nicht allzu langer Zeit im Gleichklang mit Sigmar Gabriel eine erstaunlich mutige Absage an die USA richtete, als es um die erneut geplante Russland-EU-Pipeline ging.
    „Wir Europäer bestimmen selbst über unsere Energielieferanten“ war die Ansage, die Kennern ob dieses Mutes ein Staunen ins Gesicht zauberte – denn wie Sie und ich wissen, ist diese Frage jene, wegen welcher Kriege geführt werden und „Diktatoren“ von „Demokratiebewegungen“ weggespült werden.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Akt – aus meiner Sicht Kerns einzig sinnvoller während seiner gesamten Kanzlerschaft – sein Ende eingeläutet hat.
    Dosko, der Streiter für die nordamerikanische Luftwaffenindustrie, wird sich eher nicht zu solchen Aussagen hinreißen lassen, wenngleich ich ihm keinen besonderen Einblick in diese Dinge zutraue,
    er ist ja noch quasi grün hinter den politischen Ohren – ich denke, er wird in diesen Dingen gekonnt instruiert, ob er es weiß oder nicht.

    Gruß!

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    1. Ich denke auch, dass Doskozil nicht von Anfang an im Spiel war, aber ab Februar sehr wohl . dann kam auch seine Anzeige gegen Airbus und der EF-U-Ausschuss, und wer noch Zweifel hat, sehe sich die zukünftigen Bundesheer-Uniformen an : (Afrika, Kampfeinsätze) https://kurier.at/politik/inland/neue-bundesheer-uniformen-mit-fleckenmuster/288.445.664 – was grün hinter den politischen ohren bedeutet, stellt ja auch kern grad unter beweis – wer seine wahren feinde sind, wird er erst jetzt realisieren

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