Das Drehbuch der Pilz-Kandidatur

Wenn man sich die Rolle ansieht, die Peter Pilz über die Jahre in den Grünen spielte, kennt man das Drehbuch zu Vorgängen, die eine breite Öffentlichkeit in Erstaunen versetzen. Und die nicht wenige Grüne eiskalt erwischen, da er eifrig an einer Gegenkandidatur bastelt, weil er nicht den gewünschten Listenplatz erhält. Er tingelt von einer Redaktion zur nächsten und wirkt gutgelaunt, wenn er die Grünen als „Altpartei“ abkanzelt und von einer gerade entstandenen „Bürgerbewegung“ spricht, die ihn wieder ins Parlament tragen soll. Wer hier nur an Kränkungen, Eitelkeiten und Differenzen denkt, muss sich klarmachen,  dass nach einem Skript vorgegangen wird, das man für diesen Anlass kaum variiert.

Denn Pilz war immer schon mit den Medien verhabert, und seine Ansagen sind austauschbar und oft fast wortgleich dem, was er in den Jahren zuvor als angeblich neue Erkenntnis verkauft hat. Während einige in der Politik in Schockstarre verharren, da dieses Projekt nicht nur den Grünen schaden wird, erkennen andere schon, was als Nächstes kiommen bzw. ins Wanken geraten wird. Wirklich Abhilfe kann aber nur der Rat von Personen schaffen, die verdecktes Agieren identifizieren und vorhersehen können. Solche Methoden sind zwar sehr wirksam, laufen aber nach einem bestimmten Muster ab. Wer dies versteht, wird gegen die stimulierten Emotionen immun, da sie oder er dann Unzufriedenheit mit dem System nicht für eine Mogelpackung empfänglich sein lässt. Eigentlich müssten die Grünen Pilz in hohem Bogen aus ihrem Parlamentsklub werfen, doch sie appellieren nur daran, dass man sich doch „mit Anstand“ trennen sollte.

„Kronen Zeitung“ auf Twitter

Gerne ist von persönlichen Differenzen die Rede, durchaus auch abfällig,  was jedoch negiert, dass es politische Gründe hatte, warum Leute via Pilz in den Grünen marginalisiert wurden. Es hat weitreichende Konsequenzen, wenn jemand eine bezahlte Funktion, somit von Haus aus eine offizielle Rolle und dazugehörige Kontakte hat oder wenn sie oder er von dieser Ebene tunlichst ferngehalten wird. Dass Pilz nach einem auch weiterhin aktuellen Drehbuch eingesetzt wird, zeige ich später mit Abschnitten aus einem Text, den ich im August 2012 zur „hidden agenda“ der Grünen geschrieben habe. Der  Erkenntnisprozeß, dass Dinge sich nicht zufällig entwickeln, sondern gesteuert sind, ist durchaus schmerzhaft, weil man kapiert, mit wem man sich anlegt, dafür auch einen Preis zahlen muss und sich unweigerlich von anderen entfernt. Dabei ist das Isolieren von Kritikern Bestandteil des Drehbuchs, sodass diese ungewollt das Spiel des Gegners spielen. Wenn man aber massiven Diffamierungen, Verleumdungen, Drohungen und Existenzverlust ausgesetzt ist, würde es übermenschliche Kräfte erfordern, Naiven ihre Naivität, Dummen die Dummheit, Opportunisten den Opportunismus und den meisten ihre leichte Manipulierbarkeit zu verzeihen.

Nur vollkommen Skrupellose, die andere gerne bei deren Menschlichkeit packen, sind  von den Reaktionen ihrer Umgebung nicht berührt. Es ist klar, dass Peter Pilz keinerlei Skrupel hat, sondern seinen Auftrag ausführt; dass er keinerlei Grenzen kennt, hat er schon oft genug bewiesen. Pilz gibt selbst vor,  als was er betrachtet werden soll, und die Medien sprechen ihn dann auch genauso an, zum Beispiel als „Aufdecker“ in der Causa Eurofighter. Dieses Thema und anderes wird im Mainstream im Wesentlichen so gesehen, wie von Pilz vermittelt wird, ohne kritisches Nachfragen oder Nachrecherchieren. Das bedeutet konkret, dass Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos von Pilz zu Recht angezeigt wurde, weil es ja gar nicht anders sein kann. Dass der Druck auf Darabos und seine Abschottung (beides von Pilz immer ignoriert) auch im Ausschuss zur Sprache kamen, spielt da keinerlei Rolle. In der SPÖ hat man noch nicht verstanden, was es für Konsequenzen hat, wenn die Anzeige zum Rohrkrepierer wird, denn das werde der Pilz-Liste kaum schaden, meint man. Würde man selbst zum Scheitern von Pilz beitragen, müsste man das verfassungs- und rechtswidrige Agieren von Ex-Kabinettschef Kammerhofer thematisieren, der eine „Personalleihe“ der ÖBB war-

Michael Hufnagl vom „Kurier“ schert ein wenig aus dem Jubel seiner Medienkollegen aus: „Ich finde es im übrigen auch höchst bedauerlich, dass Peter Pilz nicht mehr für die Grünen im Nationalrat sitzen wird. Sehr sogar. Ich mag kluge Querköpfe mit dem Hang zur Unbequemlichkeit und dem Zug zum Tor. Und dennoch kann und will ich nach dem überraschenden Out das epische Wehklagen (das in journalistischen Kreisen mitunter auch einer jahrzehntelangen Verhaberung geschuldet ist) nur sehr bedingt nachvollziehen.“  Dass die Grünen einen Riesenfehler machten und deshalb nicht mehr zu retten sind, ist für ihn zu simpel. Hufnagel fragt, „wie irgendjemand ernsthaft glauben kann, eine Liste Pilz hätte bei der Wahl am 15. Oktober auch nur den Funken einer Chance. Diese Vision kann wohl nur dem Momentum einer (durchaus verständlichen) Empörung und der hohen Reizpräsenz geschuldet sein. Rund 7000 Likes unter einem Facebook-Adieu wird doch hoffentlich niemand als Auftrag für eine neue Bürgerbewegung interpretieren.“

„Kronen Zeitung“ auf Twitter

Er ruft ein paar nüchterne Fakten ins Gedächtnis: „In der Realität blieben Peter Pilz drei Monate für das Aufbereiten einer Kandidatur, das Rekrutieren eines Teams (mit großer Liebe zum Unterordnen), das Aufstellen von Geld und das Entwickeln eines wählbaren Programms. Nehmen wir an, dieser rasch einstudierte Trapezakt gelänge, dann müsste die Liste ab September in einem historisch zugespitzten Wahlkampf, der auch zu einer nie da gewesenen Materialschlacht ausarten und von unzähligen pilzlosen TV-Duellen geprägt sein wird, immer wieder verlässlich am medialen Radar auftauchen. Das wird sogar trotz der Gnade der Kronen Zeitung kaum möglich sein. Die aktuelle Aufmerksamkeit, ausgelöst durch den Rücktritt, wird es nicht einmal mehr ansatzweise geben. Und da ist die Spekulation darüber, wie groß in der Stunde der Wahrheit das tatsächliche Bedürfnis nach einer dynamischen 68er-Gang ist, noch gar nicht ausformuliert.“ Hufnagel meint, diese Liste bekäme nur ein paar Prozent (was immerhin rund 200.000 Stimmen entspricht), kann nicht Schwarzblau verhindern, schadet aber den Grünen.

Als Fan von Pilz kritisiert Hufnagl dessen „Lamento“ und meint, „nach 31 Jahren hätte ich mir von einem so hoch geschätzten Urgestein der Grünen neben der pointierten Darstellung des Zorns auch den Mut zur Selbstreflexion erwartet. Und eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage: ‚Welche Fehler habe ich gemacht?‘ Denn dass es keine gab, ist wohl Illusion.“ Unverhohlene Drohungen gegen die Grünen waren in der Zeit im Bild 2 am 28. Juni zu hören, wie man im Transkript nachlesen kann. Pilz werde nun ein paar Wochen mit dem Gedanken einer Listengründung spielen, „durchaus trotzig und bewusst in Kauf nehmend, dass er damit dem Team um Ulrike Lunacek das Leben schwer macht. Und dann wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit verkünden, dass es keine Liste geben wird. Wissend, dass der Nachweis seiner Großartigkeit in dieser Konstellation in der ersehnten Dimension unmöglich erbracht werden kann.“ Hufnagel vermutet als Motiv aber „persönliche Rache“ und schreibt auch: „ Ich mag kluge Querköpfe mit dem Hang zur Unbequemlichkeit und dem Zug zum Tor.“

Dass Pilz immer inszeniert war und ohne die Medien auf sich selbst reduziert wäre (der Abgrund würde auf ihn zurückblicken), zeigt die Geschichte auch der Grünen. „Exklusiv: Die große Abrechnung von Peter Pilz“ ist der aktuelle Newsletter von „News“ betitelt, was wieder die massive mediale Unterstützung bestätigt. Die Grünen sind, wie viele meinen, doch aus der Alternativen Liste und den Vereinten Grünen entstanden; ausserdem gab es Zwentendorf, Hainburg, die Kandidatur von Freda Meissner-Blau bei der Bundespräsidentenwahl und diverse Bewegungen. Im erwähnten Artikel 2012 schrieb ich aber: Innerhalb des Sozialistischen Jugend geschah im Jahr 1976 etwas, das später hinsichtlich der Proponenten auch für die Grünen Bedeutung haben wird. Ausgehend vom VSStÖ wurde das Programm in Richtung Linkssozialismus geändert, das dazugehörige „linkssozialistische Projekt“ bestand aus einem „inneren“ und einem „äußeren“ Kreis. Dem einen gehörten etwa 30 bis 40, dem anderen 100 bis 150 Personen an. Die Anführer der Linkssozialisten, also der „innere Kreis“, waren fest in der SPÖ verankert und an einem späteren Wechsel in eine Parteifunktion interessiert.

„Kronen Zeitung“ für Pilz

Vielen gelang der Aufstieg auch, etwa Michael Häupl, Alfred Gusenbauer, Peter Pelinka, Manfred Matzka, Christian und Josef Cap oder Peter Pilz. Die aufgebaute „linke Lobby“ beschrieb sich in ihrem Organ „tribüne“ so: „Der linke Arm kann nur am Körper seine Funktion ausüben, der Linkssozialismus nur am Parteikörper.“ Die Linkssozialisten wollten durch „schonungslose Kritik“ an der Partei als Garanten für Erneuerung wahrgenommen werden, „Unzufriedene sollten an die SPÖ gebunden werden“. Solch wertvolle Informationen kann man der Dissertation von Kurt Reissnegger, „Anspruch und Wirklichkeit rotgrüner Verhältnisse“. Institut für Politikwissenschaften der Universität Wien, 1987 entnehmen. Ich war im September 1992 am Institut, um mir die wichtigsten Stichworte herauszuschreiben und habe dann mit einem inzwischen verstorbenen kritischen Grünen den Autor besucht, der mittlerweile im ORF untergebracht wurde. Er saß in einem mehr oder minder leeren Büro, ich konnte mir danach bildhaft vorstellen, was mit dem Begriff „Versorgungsposten“ gemeint ist.

Wir stießen auf Schweigen und Herumgerede, als wir wissen wollen, wer die Finger in den Grünen hat. Schließlich gaben wir es auf und taten so, als würden wir einsehen, auf dem falschen Dampfer zu sein. Im Lift, der uns zum Ausgang des ORF-Gebäudes brachte, versicherten wir uns aber gegenseitig, dass wir nun umso überzeugter sind, dass da was nicht stimmt. In der Dissertation wurden Aussagen zitiert wie diese: „Rot geht in Grün auf“ (Bruno Aigner, rechte Hand von Bundespräsident Fischer, liiert mit Terezija Stoisits, früher grüne Abgeordnete, heute Leiterin der Volksanwaltschaft) oder „Das schönste Rot ist Grün“ (Günther Nenning, einst Herausgeber des früher von der CIA finanzierten „Forvm“, mittlerweile verstorben). Auch was die Sozialistische Jugend betrifft, gibt es eine CIA-Vergangenheit, da die verdeckte Finanzierung sozialistischer Jugendorganisationen bereits Ende der 1960er Jahre bekannt wurde. Anfang der 1980er Jahre initiierten Josef Cap und Paul Blau, Ehemann der späteren grünen Abgeordneten Freda Meissner-Blau, eine von Bruno Kreisky kritisierte rotgrüne Plattform innerhalb der SPÖ. Inzwischen gab es, gestärkt durch den Erfolg des Widerstandes gegen das AKW Zwentendorf und eine entstehende Ökologiebewegung, auch unabhängige Kandidaturen oder Bestrebungen in diese Richtung.

Bei den Nationalratswahlen 1983 wurde Josef Cap als Garant für ein „rotgrünes Bündnis“ hingestellt, was ihm österreichweit 100.000 und in Wien 63.000 Vorzugsstimmen einbrachte. Auf diese Weise erreichte die ALÖ das ansonsten sichere Grundmandat in Wien nicht, durch das es auch Restmandate gegeben hätte. Gegen die ALÖ wie auch gegen die ebenfalls kandidierende VGÖ werden Medien in Gang gesetzt, was auch eine Rufmordkampagne via „basta“ gegen den Schauspieler Herbert Fux von der Bürgerliste Salzburg beinhaltete, der für die VGÖ antrat. Caps Ruf als „kritischer Roter“ wurde aufgebaut, indem er mithilfe des burgenländischen Roten Pius Strobl bei einem Parteitag drei Fragen an Theodor Kery, damals Landeshauptmann in seinem Bundesland stellte. Die Empörung einiger in der Partei über Caps Verhalten sorgte auch dafür, dass der Mandatar in spe für „schonungslose Kritik“ und damit für Erneuerung (ohne die überwiegend linke ALÖ) stand. Karl Blecha, heute Chef der roten Pensionisten und als Innenminister Boss von Gendarm Strobl, stellte damals zufrieden im Kurier fest: „Das war das Aus für die Grünen.“ Peter Pilz hatte, um zu Phase zwei überzugehen, Reibereien mit Cap und trat aus VSStÖ und SPÖ aus.

Faksimile einer Analyse von 1992

Kurzzeitig vertrat er die ALÖ bei der Vorbereitung eines Volksbegehrens zur Rüstungskonversion, das jedoch nicht zustande kam, weil die Junge Generation der SPÖ absprang. Wie bei den deutschen Grünen spielten Friedensthemen damals eine wichtige Rolle, freilich nicht in dem Ausmaß wie in einem Land, das vom sogenannten NATO-Doppelbeschluss und damit von der Stationierung neuer Atomraketen direkt betroffen war. Ich war seit Herbst 1982 bei der Alternativen Liste Graz, die Anfang Jänner 1983 7% bei den Gemeinderatswahlen erreichte, und erinnere mich auch gut an die grosse Friedensdemo im Mai 1982 in Wien. Bei Koordinationstreffen im Bereich Frieden und Abrüstung nervte Christian Cap, aber wohl auch Alfred Gusenbauer all jene, die es ernst meinten und die „aber die Partei“…. nicht interessierte. Pilz erhielt 1984 vom damaligen Wissenschaftsminister Heinz Fischer den Auftrag zu einer Rüstungskonversionsstudie, was einige Konservative, die Pilz seit der Zeit seiner Artikel im linken Extrablatt ablehnten, verdächtig fanden. – Da Pilz‘ Dissertation (1983) und die Studie (1984) das gleiche Thema hatten, vermutete die FPÖ vor ein paar Jahren, die Diss sei „zu dünn für ein Plagiat„.

Gestern in der ZiB 2 sprach Pilz davon, wie er 1993 einen grünen Bundeskongress unter Druck setzte, damit sein damaliger Betreuer Alexander Van der Bellen auf die Liste für die Wahl 1994 gewählt wird (im Zug nach Klagenfurt fand mein erstes und einziges Gespräch mit diesem statt). Ich schrieb 2012: Die Linkssozialisten wollten nun „neue linke Mehrheiten schaffen“ und „dem Bewegungscharakter der Partei wieder Rechnung tragen“, da kam ihnen wohl der Konflikt um das Donaukraftwerk Hainburg wie gerufen. – Nach Hainburg entstand die „Bürgerinitiative Parlament“, ein Promi-Projekt, das die Existenz bestehender Grünparteien negierte. Doch in der BIP waren auch integre Bürgerliche wie Leopold Kendöl (früher Präsident des Katholischen Familienverbandes und vor seinem Tod vor ein paar Jahren grüner Gemeinderat in Langenzersdorf), der 1986 in einem „Furche“-Interview sagte: „Dass auf der anderen Seite die SPÖ auf den Plan tritt, war uns spätestens seit Weihnachten 1985 klar, als Kuno Knöbl bei uns auftauchte und die Bundespräsidentschaftskandidatur der Freda Meissner-Blau eingeleitet hat.“ Knöbl galt als „weißer Elefant“ im ORF und durfte im Hintergrund Grüne gründen, während parteipolitisches Engagement sonst ein No-Go ist; seine Witwe Rubina Möhring ist bei „Reporter Ohne Grenzen“.

Michael Mayerhofer, der mit Gerhard Heilingbrunner vom Hainburg-Volksbegehren die BIP im Februar 1986 verlassen hat, schildert im Wiener (3/86) detailliert, was ihm alles „komisch“ vorkam. Etwa, dass Knöbl „ständig tätig“ war, auch im Freda-Wahlkampf, aber von sich sagte, dass er wegen seines Arbeitgebers ORF „nicht richtig“ aktiv sein könne. Er war aber „dauernd tätig und hatte komischerweise auch keine Schwierigkeiten beim ORF, obwohl jeder, der dort politisch tätig ist, rausfliegt“. Knöbl wurde auch von jenen, die sich erst durch Hainburg und dann im Freda-Wahlkampf politisch engagierten, als „weißer Elefant“ beschrieben. Sie haben ihn nie gesehen, wissen aber, dass er eine wichtige Rolle spielt. Außerdem gab es das bereits von den Linkssozialisten her bekannte Konzept innerer und äußerer Kreis. „Normale Menschen“ hatten nicht die geringste Chance, jemals zum inneren Kreis zu gelangen. Peter Pilz engagierte sich im Volksbegehren gegen Abfangjäger, ätzte dabei aber immer wieder gegen alles (echte) Grüne und Alternative. Umso mehr waren einige verblüfft, als auch er bei der offiziellen Gründung der BIP am 6. Jänner 1986 in Graz dabei war. Knöbl reklamierte sowohl Nenning als auch Pilz in den eigentlich bei der Versammlung gewählten Initiativausschuss der BIP. Als Mayerhofer Meissner-Blau darauf ansprach, dass Knöbl „immer herummauschle“, meinte sie, dass sie diesen seit Jahrzehnten kenne und ihn daher besser beurteilen könne.

Gesteuerte Raktionen auf Pilz, 1992 analysiert

Mayerhofer wird vom Wiener gefragt, ob er angesichts des beschriebenen Szenarios nicht z.B. an „Spione und Agenten“ denkt, doch er erklärt es sich (jedenfalls nach außen hin) mit „einer Gruppe junger unzufriedener SPler“. Als die Nationalratswahlen auf Herbst 1986 vorverlegt wurden, kandidierte Kendöl in Niederösterreich gegen Meissner-Blau: „Sie hat relativ knapp gewonnen – und auch nur deswegen, weil Leute im Autobus herangekarrt wurden, die man vorher und nachher nie wieder gesehen hat.“ In Wien kam es am 4. Oktober 1986 zum Eklat: Im Wahlgang um Platz 1 unterlag Freda Meissner-Blau Andrea Komlosy (ALW) mit 155 zu 222 Stimmen. Bei Platz 2 siegt die Feministin und Buchautorin Erica Fischer, während Peter Pilz das Nachsehen hatte. Die Zahlen sind dem Buch „Nur kein Rhabarber!“ von Franz Schandl (AL Heidenreichstein) aus dem Jahr 1988 entnommen. An dritter Stelle stand dann Nenning, an vierter Manfred Srb, und erst auf Platz 8 kam Peter Pilz. Schandl: „Die Menschen um Meissner-Blau, vor allem Pilz und Strobl, konnten das Ergebnis nicht akzeptieren, da ein Einzug von Pilz ins Parlament fix programmiert gewesen war.“

In Reissneggers Dissertation heisst es dazu: „Die Medien nahmen die Botschaft ‚die linksextremen Chaoten haben geputscht‘ begierig auf: ‚Notwendige und vernünftige Spaltung durchgezogen‘.“ Strobl habe, schreibt Reissnegger, als Grund für die „Spaltung“ genannt, dass Meissners Eitelkeit „gekränkt“ wurde, weil sie in Wien nicht gewählt wurde, und weil das „sichere Mandat“ für Pilz verlorengegangen sei. In einem informellen Gespräch Anfang Jänner 1987 habe Pilz gemeint, dass man „diese Gruppe“, den linken Flügel der ALÖ, sowieso draussenhalten wollte. Freilich wird jede/r, die/der sich widersetzt, von Pilz und Co. als „linkschaotischer Putschist“ bezeichnet oder, siehe Grüne später, als überflüssige Basis, die in der eigenen Partei Einfluss haben will. In den Medien wurde der Putsch der vermeintlichen Sozialdemokraten hingenommen, sodass die „Gegenkandidatur“ der Opfer des 4. Oktober auch kaum Publizität hatte. „Denselben Cap begeht man nur einmal“ war einer ihrer Slogans. Kendöl fragt zu Recht: „Warum ist z.B. die AL 1983 in Wien untergegangen? Durch die Vorzugsstimmenkampagne des Josef Cap. Jetzt findet man dieselben Leute bei uns. Sie wollen sichere Mandate kassieren. Wenn nicht, dann zerstören sie alles.“

Die Etiketten „Fundi“ und „Realo“ werden auch in Deutschland verwendet, wo etwa die einstige Bundesvorstandssprecherin der Grünen Jutta Ditfurth zu jenen gehörte, die sich von der CIA nicht anwerben haben lassen. Sie schildert dies in „Das waren die Grünen“ und wurde via Medien als „Fundi“ zusammen mit anderen fertiggemacht, damit gefügige „Realos“ wie Joschka Fischer das Ruder übernehmen konnten. Freda Meissner-Blau meinte später, dass der 4. Oktober und anderes nicht ihre alleinige Entscheidung gewesen sei: „Ich bin unter einem extremen Druck gestanden.“ (Interview in der MOZ, 2/90). Sie zog zwar als einzige Frau unter sieben Männern 1986 ins Parlament ein, trat aber im Herbst 1988 zurück, als wieder etwas um jeden Preis forciert wurde. Nun zeichnete sich ein U-Ausschuss zur Lucona-Affäre ab, und da wollte Peter Pilz Hans Pretterebner als Experten der Grünen nominieren, dessen Seriosität Meissner-Blau bezweifelte. In den Monaten zuvor intrigierte Pius Strobl, mittlerweile Parteigeschäftsführer, permanent gegen sie. Pilz wurde (nach dem Rücktritt von Walter Geyer, der sich Meissner-Blau anschloss) „Aufdecker-Star“ in den Ausschüssen zu Lucona und Noricum. 1991 wechselte er in den Wiener Gemeinderat, um 1992 das Projekt „Parteireform“ mit Medienhilfe anzugehen:

Grüne bewerben den Eurofighter-Ausschuss (Twitter)

Man muss bedenken, dass damals der Wahlkampf des grünen Kandidaten Robert Jungk bei der Bundespräsidentenwahl, aber auch die Ablehnung eines Beitrittes zur EG die tiefe Kluft zwischen Mandataren und Parteibasis offenbarten. Demokratische Beschlüsse zuständiger Gremien wurden von Abgeordneten oft nicht mitgetragen, sondern boykottiert, so auch die Kampagne von Robert Jungk. Umso mehr engagierte man sich aber, mit bereitwilliger Medienhilfe, für die Pilz-Pläne. Zur „Parteireform“ gab es unzählige Aussagen in der Presse wie diese: „An der Spitze der Hierarchie wird es voraussichtlich zur Installierung eines ‚Parteisprechers‘ statt der jetzigen beiden Bundesgeschäftsführer kommen.“ (Salzburger Nachrichten, 4.5. 1992) „Es müsse gelingen, einen möglichst kleinen Parteivorstand zu installieren, der die grüne Programmatik in der Tagespolitik umsetzen könne… man müsse Zufälligkeiten bei der Besetzung von Spitzengremien vermeiden.“ (Pilz, Standard, 30.4.1992) „Was früher ‚Fundis‘ und ‚Promis‘ waren, sind heute erfolglose und erfolgreiche Grüne“, schrieb das profil am 11.5.1992 und gibt damit eines von vielen Beispielen eines absoluten Gleichklangs der Medien mit Pilz und Co.

Ähnlich waren auch Papiere, die via Pilz lanciert wurden und die Parteibasis auf Gröbste beschimpften. Man nahm Menschen die Ressourcen und die Gelegenheiten, sich politisch zu betätigen, und warf ihnen dann vor, dass sie mit Abgeordneten nicht mithalten konnten. Wobei jemand, der integer, wach und kritisch ist, jedem Parlamentarier und jeder Parlamentarierin überlegen ist, die bloss nachplappern und sich nach dem Wind richten. Wie Pilz dauernd in den Medien auf uns alle hinhackte, sei mit drei Beispielen gezeigt: „Der Bundeskongress war ein gutgezielter Warnschuss an die Freunde grüner Vereinsmeierei.“ (Kommentar von Peter Pilz nach einem Kongress im Dezember 1990 im profil) Pilz sagte in der Arbeiter Zeitung vom 6.8.1991, dass „nicht mehr hinter jedem Promi ein Hinrichtungskommando steht“. „Während die einen Großprojekte planen, bei denen nur ein paar mitmachen, halten die anderen Spiritismus-Sitzungen ab.“ (AZ, 9.8.1991 und völliger Schwachsinn, aber es wird gedruckt) „Der spiritische Funktionärskader solle zugunsten der Öffnung zu den Wählern aufgegeben werden.“ (Standard, 9.8.1991) – es kommt alles sehr bekannt vor, wenn man sich die heutigen Angriffe von Pilz auf die Basis ansieht und ist daher nichts als ein Vorwand.

Die Basis wurde permanent als „Infamos“ oder „Eisenhintern“ beschimpft, nur sehr sehr selten interessierte es die Medien, was die derart Diffamierten selbst zu sagen haben. Immer wieder stellten sie sich für Pilz-Abrechnungen zur Verfügung, etwa „basta“ im Frühjahr 1991 (ein Fellner-Produkt). Parierten die Wiener Grünen bzw. Einzelpersonen nicht, drohte Pilz, mit Menschen „Schlitten zu fahren“. Leider kuschten die meisten bei dem, was ich „Standpilzgerichte“ nannte, da ich klarerweise auch oft Zielscheibe war.  – Heute bezeichnet Pilz die Grünen als „Altpartei“, der er eine „Bewegung“ entgegensetzen will, was ihm viele abkaufen. Am 3. August 1992 erschien im „profil“ ein „privates“ Interview mit Pilz, der dann auf Tauchstation war,  in dem er verkündete, dass man in Bosnien „Belagerungsringe sprengen“ und einen „exemplarischen militärischen Schlag“ landen müsse. Über eine eigene militärische Teilnahme solle man sich, richtete Pilz dem neutralen Österreich aus, „ehrlich gesagt“ „nicht den Kopf zerbrechen“. Seltsamerweise wurde Pilz, dem der Golfkrieg 1991 zu wenig weit ging, im Interview als Vertreter der Friedensbewegung angeredet.

„Falter“ vom 28. 6. 2017 (Twitter)

Offenbar war ein Greenwashing von US-Militärinterventionen der neueste Streich jener Kräfte, die über die Linkssozialisten hinausgehend ihre Pfoten in den Grünen haben und denen auch einige Linkssozialisten dienen. „Es bedeutet für mich bereits sehr viel, die diese Debatte im grünen Bereich zu eröffnen“ war eine der Erklärungen von Pilz. Die „Debatte“ sah dann so aus, dass der gesamte Klub bis auf Voggenhuber ihn unterstützte, während einige an der Basis empört waren, aber nicht in die Medien kamen und zudem aus dem Hinterhalt in Geheimdienstmanier attackiert wurden, also über vorgeschickte / instrumentalisierte Leute. – 2012 zitierte ich aus echten und vorgeschobenen Reaktionen und verwendete den passenden Begriff PsyOp; damals sprach ich von konzertierter Aktion oder Desinformationskampagne. Die Liste an Desinformationen, Verleumdungen, Einschüchterungsversuchen wäre sehr lang, es geht auch nicht speziell darum, was mir zugefügt wurde.

Sondern es steht stellvertretend für alle, die man eliminiert hat, oft weil sie ursprünglich bei der Alternativen Liste waren und weder als Steigbügelhalter für Linkssozialisten noch ganz anderen Interessen dienen wollten. Es geht um Menschen, denen man ihre Partei weggenommen hat per feindlicher Übernahme, damit sie, so wurde es in einem der Papiere zur „Parteireform“ ausgedrückt, als „Brückenkopf“ dient. – Nicht von ungefähr verwendete Pilz in der ZiB 2 ebenfalls dieses Wort um zu benennen, wie u.a. die Türkei bei der „Islamisierung“ Europas vorgeht. Bekanntlich soll Pilz da die Vorgangsweise des türkischen Geheimdienstes aufgedeckt haben, aber wessen „Brückenkopf“ sind wohl die Grünen dank Pilz geworden? Diese Frage stellt sich auch angesichts des Eurofighter-U-Ausschusses, dessen Zweck offenbar damit erfüllt ist, Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos zu opfern. Pilz weiss sehr wohl, dass der Minister abgeschottet, überwacht, unter Druck gesetzt wurde (und wird), ist aber wie gesagt bar jeder Skrupel bereit, alles auftragsgemäss zuzudecken. Die Legende vom „Aufdecker“ ist auch Grundlage dafür, mit einer Pilz-Liste zu kokettieren, die das politische Spektrum in Zugzwang bringen soll.

Beispiele aus der Geschichte der Grünen zeigen, dass Pilz immer dazu verwendet wurde, eine Agenda zu setzen, mit der sich andere zu beschäftigen hatten, ob sie wollten oder nicht – schließlich berichteten ja die Medien brav darüber und schufen über die Jahre immer genau die Bilder von Personen und „Skandalen“, die erwünscht waren. Von daher bin ich nicht wie Hufnagel überzeugt, dass eine Kandidatur chancenlos wäre, denn auch Emmanuel Macrons „En marche!“ war gewünscht und gewollt, allerdings mit etwas mehr Zeitbudget. Was wie ein „natürlicher“ Gang der Dinge aussieht, bei dem Rahmenbedingungen, diverse Player, auch persönliche Aspekte zusammen kommen, ist oft nur dies: „Covert action is a term that describes our efforts to steer the course of events in a foreign country without our role being known.“ (Ex-CIA-Chef Admiral Stansfield Turner). „Unnatürliche“ Entwicklungen werden vor allem dadurch in Gang gsetzt, dass die menschliche Psyche schamlos ausgenutzt wird, etwa dass normale Menschen auch dann ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie selbst keine Schuld trifft, aber andere leiden mussten. Oder dass es bei Anständigen kein stärkeres Motiv als Liebe gibt, was sie zugleich höchst verwundbar macht.

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8 Gedanken zu “Das Drehbuch der Pilz-Kandidatur

  1. sehr gut zusammengefasst für die jungen leser!

    soll die dosko-anzeige und die pilz-zersetzung dazu führen, dass wir amerikanische abfangjäger bekommen?

    es sieht fast so aus.

    jedenfalls ist es so, dass es im parlament derzeit zwei fraktionen zu geben scheint: ahnungslose mitläufer und fremdgesteuerte charaktere…

    und das dürfte für alle derzeit wählbaren fraktionen gelten.

    wie oben schön beschrieben ist, werden anfänglich positive (aus sicht des „volkes“) bewegungen gekapert und umgedreht, damit sie fremden interessen mehrheiten verschaffen…

    also demokratiefeindlich für mehrheiten und gesetzesänderungen sorgen.

    so wurden aus staatsbetrieben konzerne, aus beamten manager und aus sinnvollen vorschriften muss-geschäfts-vorgaben…

    die sozialpartnerschaft wurde gezielt geschwächt, obwohl sie als vorbid für andere staaten galt.

    übrig geblieben ist ein verwaltungsapparat, der in immer kürzeren abständen neuwahlen, anlassgesetze und überwachungsausweitung betreibt, während der mittelstand ausgetrocknet wird…

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  2. Die Situation ist wunderschön zusammengefasst – und was lernen wir daraus?
    Politik ist ein schmutziges Geschäft – aber in letzter Konsequenz sterben sie alle einmal (Gott sei Dank)

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  3. Der Hinweis auf Macron ist entscheidend. Bis vor einem Jahr hätte niemand geglaubt, dass ein quasi Unbekannter ohne Partei in Frankreich Präsident werden und seine „Bewegung“ die Mehrheit der Parlamentssitze erreichen könnte. Man braucht dazu offenbar nur drei Dinge: Einen Auftrag, Geld und die Beherrschung der Wahlsoftware. Warum soll das in Österreich nicht auch funktionieren? (Obwohl: hat ja schon funktioniert…)

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    1. es ist ein angriff auf österreich – und die grünen müssen rasch erkennen, dass pilz nie einer der ihren war, weil er keinen gedanken mehr an sie verschwendet und keine skrupel hat

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      1. Sehr geehrte Frau Bader,

        vieles was sie aus den Gründungsjahren der Grünen (auch über P. Pilz) beschrieben haben kann ich nur bestätigen. Ich war damals als Student rund um Hainburg sehr aktiv, dazu auch Konrad-Lorenz-Volksbegehren, kannte G. Nenning ganz gut, auch andere aus der Szene damals usw…. Ihre Einschätzung, besonders was die 80iger und 90iger betrifft, zu Pilz/ORF/BIP usw. dürften sehr genau stimmen.

        Vielen Dank für diese Zusammenfassung
        und Liebe Grüße
        ein ehemaliger Stammwähler der Grünen

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      2. Unter alten Aubesetzern und -innen können wir gerne per Du sein 🙂 Ich möchte den jetzigen Grünen klarmachen, dass sie Pilz nie etwas bedeutet haben. Sie sind für ihn bereits Geschichte, da er nur seinem Auftrag nachkommt. Es ist für sie ein Schlag in den Magen, wie er sie behandelt, aber aus „historischer“ Perspektive, also mit Erfahrungen von früher, auch mit aufgehobenen Zeitungsausschnitten, erkennt man das Drehbuch (und die Regie).

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  4. Ein Angriff auf Österreich…..
    Die Parteienlandschaft fällt (wie auch die Zivilgesellschaft??) einer Atomisierung anheim. Sollen jetzt Weimarer Zustände herbeigeführt werden mit immer mehr (Splitter)Parteien? Damals führten Wirtschaftskrise und soziale Spannungen dazu, daß sich keine Regierung mehr länger als 21 Monate halten konnte. Kommt uns die Gemengelage bekannt vor?

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