MeToo in der Medienwelt

Es geht rund in der eher überschaubaren österreichischen Medienszene, denn Wolfgang Fellner wurde von zwei Frauen als übergriffig geoutet, was niemanden überraschte. Die Umstände und die Vorwürfe erinnern sehr an seinen alten Hawerer Peter Pilz, der deswegen im November 2017 für ein paar Monate als Abgeordneter zurücktrat. Wenn jetzt alle über Schilderungen von Raphaela Scharf und Katia Wagner diskutieren, die seit einiger Zeit bei der „Kronen Zeitung“ beschäftigt sind, so darf man Fellners „Journalismus“ nicht vergessen. Er wirkt komplett von der Rolle, wenn er dauernd über eine Beziehung mit halb so alten Frauen fantasiert. Doch ist es nicht das Gleiche, wenn er sich für einen tollen Aufdecker hält, weil er Pilz ein Forum für dessen Bullshit bietet? Katia Wagner beklagte sich über ihr Unbehagen bei Abendessen mit Fellner, dessen Vorwand Berufliches war, der aber nach wenigen Minuten stets privat wurde. Sie habe nur wenig bestellt, weil sie befürchtete, sie müsse sich am Tisch übergeben, erzählte sie gestern Abend bei Puls 4.

Ich werde eines der Fellner-Pilz-Videos heraussuchen, bei denen mir das Kotzen kommt, weil die Old Boys Lügen mit nachhaltiger politischer Wirkung immer wieder bestätigen. Denn es sollte sich von selbst verstehen, dass Männer, deren Selbstwahrnehmung auf so peinliche Weise danebenliegt, die so ein aufgeblasenes Ego haben, dass sie über andere drübertrampeln, auch politisch/medial rücksichtslos vorgehen. Weil einige gerne fragen, warum „erst jetzt“, so hat dies mit Machtverhältnissen zu tun, die weder bei „Österreich“ noch bei Grünen/Liste Pilz aus der Luft gegriffen waren und als Problem betroffener Frauen betrachtet wurden. Und es gibt Frauen, die mehr ertragen als andere, sich auch verstellen können, wo andere längst Konsequenzen gezogen hätten, die für sie massive Nachteile bedeuten.

Fellner in der Opferrolle

In der inzestuösen Medienszene haben viele schon einige Stationen hinter sich; einige Frauen verzichten auf die Zugehörigkeit zu einer Redaktion, um nicht dauernd mit überbordendem männlichen Selbstbewusstsein konfrontiert zu werden. Bei Katia Wagner kommt hinzu, dass Richard Schmitt, der nach „Krone“ und „Österreich“ jetzt beim neuen „Exxpress“ ist, eine Karte Wagners zu Fellners Geburtstag zum Liebesbrief umfunktioniert. Natürlich greift Fellner diese Schützenhilfe dankbar auf, wie der oben eingebundene Screenshot unter Beweis stellt. Wagner war einmal die Freundin von Ibizagate-Anwalt Ramin Mirfakhrai, und wenn der „Falter“ ihre Erfahrungen und jene von Raphaela Scharf gross herausbringt, denkt man daran, dass der Anwalt der Zeitschrift Alfred Noll Ibizagate-Detektiv Julian Hessenthaler als dessen Vertrauensperson in den U-Ausschuss begleitete. Bei Wagner auf Puls 4 fällt auf, dass sie Moderatorenjobs als Zugang zur „grossen Politik“ betrachtete, womit sie bei Fellner genau richtig liegt, der sich zu Unrecht als „unabhängig – unparteiisch – wirklich kritisch“ verkauft. Immerhin waren auch die Partnerinnen von drei (Ex-) Regierungsmitgliedern einmal bei Fellner, nämlich von Gerald Klug, Gernot Blümel und Heinz Christian Strache.

Fellner und Pilz

Fellners Verständnis entspricht dem auch, weil er sich als grosser Ermöglicher von Frauenkarrieren sieht, die es ohne ihn nicht gäbe. Dass er eindeutig besser gucken als denken kann, beweist sein Beuteschema, weil er auch nur so ein Gefühl von Überlegenheit sichern kann. Als sein Kumpel Pilz gegen die Grünen wahlkämpfte und schliesslich über sich selbst stolperte, fand seine Ex-Partei erst heraus, wie viele Menschen von ihm vergrault wurden, weil sich die meisten leise zurückzogen. Pilz ging immer rüde und skrupellos mit anderen um und schreckte nicht zurück vor Drohungen und Verleumdungen – und dennoch feierten ihn Medien als vermeintlichen Aufdecker. Dies erklärt auch, warum so viele begierig darauf waren, zu Fellner „in die Sendung“ zu kommen, denn was anderen widerfährt, spielt keine Rolle. Wer hätte den Frauen helfen sollen, wenn „man“ wusste und in Kauf nahm, Gründe (er)fand, um zu relativieren? Auch inhaltlich war Fellner unangefochten, obwohl und weil er Desinformationen verbreitet – aber das tun andere schliesslich auch, wenngleich weniger marktschreierisch.

Link zur Sendung von Puls 4

Wie Fellner mit jungen Frauen umgeht, sollte das Publikum auch deshalb nicht überraschen, weil er auch manche seiner Gäste in einem fort herabwürdigt. Er entlarvt sich selbst, wenn er die Einladung zu Puls 4 ausschlägt, weil dort nicht er die Bedingungen vorgibt. Seine Kritiker in der Presse mögen schon etwas aufgeschlossener mit Frauen umgehen, meinen aber oft immer noch, dass nur Männer etwas aufdecken können. Andererseits vermuten einige, Fellner sei jetzt Opfer einer Intrige, in der es in Wahrheit um Rivalität zwischen Medienhäusern gehe. Dies soll ausgleichen, dass Fellner Frauen so behandelt, als ob es ein Ding der Unmöglichkeit wäre, in der Medienbranche tätig zu sein und sich anständig zu verhalten; auch die Geschäftsmethoden Fellners haben es ja in sich. Übrigens hat „Falter“-Anwalt Noll den Umgang von Pilz mit anderen (die keine 100.000 Euro für den Wahlkampf spendeten), nie bemerkt; das gilt auch für alle, die jetzt das Medium „Zackzack“ bewundern.

PS: Weil ich mich seit Jahren mit solchen Hintergründen befasse, wird mir sehr zugesetzt. Ich freue mich daher über eure Unterstützung und den Austausch mit euch und bin unter 066499809540 erreichbar. Weil „Zusetzen“ auch bedeutet, mich ökonomisch zu treffen, bedanke ich mich auch für eure finanzielle Unterstützung unter Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX vielen Dank!

3 Kommentare zu „MeToo in der Medienwelt

  1. Da hat Nina Proll Recht. Bei vielen Sternchen der Me too Debatte die ihre freiwillige Prostitution für für den Job in der Filmbranche mit einer Vergewaltigung verglichen das geht gar nicht.

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  2. Das Benehmen von Fellner erinnert mich an R. Lugner. Beide lachen so „patschert“ und sichtlich sind beide der Meinung, sie seien unwiderstehlich. Diese alten Sä…(pardon). Sichtlich gibt es Frauen, die sich solchen Typen anbiedern um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die „Waxing-Lady“ hat vermutlich in diesem Sinne
    schon einiges erreicht.

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