Coup Teil 66: F*ck off, Peter Pilz!

Macht es überhaupt Sinn, sich noch mit der Liste Jetzt/Pilz zu befassen, die ja kaum wieder ins Parlament kommen wird? Doch Peter Pilz verkörpert das gewollte Ibiza-Narrativ in reinster Form, sodass man seinen Wahlkampfauftakt analysieren sollte, der voller Täuschungen steckt. Es wirkte siehe Aufzeichnung auch unfreiwillig komisch, als ein aus Bayern stammender Moderator die Kandidaten anpries, als ob er Gemüsehobel oder Heizdecken verkaufen wollte. Das Interesse in der Wiener Mariahilferstraße war am 30. August 2019 endenwollend; sieht man sich den Auftritt von Jetzt im Web an, wird auch deutlich, dass sehr vieles noch Baustelle ist wenige Wochen vor der Wahl. Auf Facebook geht es vor allem um Martin Balluch vom Verein gegen Tierfabriken, der offenbar noch nicht weiß, dass Pilz angelt und daher Fische quält. Unfreiwillig absurd wird auch der alte Pilz-Kumpel Wolfgang Fellner, der schon eine türkisrote Regierung zusammenstellt und den Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer dabei zum Verteidigungsminister macht. Das freut wiederum den (satirisch gemeinten) Dornauer-Fanclub, den man mit dem Hashtag #Dornauer ganz leicht auf Twitter findet. Pilz buhlt übrigens um die Stimmen der SPÖ, aus der er ja eigentlich kommt. 

Der Rheumadecken-Bayer wies auf einen Ibiza-Pool hin (ein Kinderplantschbecken), Liegestühle und einen Schmiergelddrucker und darauf, dass es Getränke nur gegen entsprechende Zahlungen gibt. „Uns kann man nicht kaufen, uns kann man wählen“ steht auf der kleinen Bühne, die für ein paar Kandidaten und -innen gerade reicht. Diese kommen auch im Verhältnis zu Pilz nur kurz zu Wort; er selbst soll dem Moderator zufolge von allen in der Politik und sowieso von halb Österreich gefürchtet werden. Pilz selbst zieht dann vom Leder, dass Sebastian Kurz vor ihm davonlaufe (bei TV-Duellen), aber der erste auf seiner Zeugenliste im Ibiza-U-Ausschuss sei, der nach der Wahl eingesetzt werde. Dieses Vorgangsweise erinnert an den Eurofighter-Ausschuss nach der Wahl 2006, dessen Vorsitzender Pilz dann auch wurde. Doch diesmal ist nicht in Sicht, dass Pilz dem Ausschuss auch nur angehören, geschweige denn an seiner Einsetzung mitwirken wird. Es dürfte seine frischg’fangten Kandidaten  und -innen sehr enttäuschen, aber von „Aufdecken“ war auch 2006/7 nicht die Rede, sondern vom Dienst an einer Agenda, was man genauso gut als korrupt bezeichnen kann.

Die Gebrüder Moped bringen es auf den Punkt

Im Grunde ist das Wort „Ibiza“ austauschbar, es könnte hier ebensogut „Lucona“, „Noricum“, „BVT“ oder „Eurofighter“ stehen, weil es um eine Masche geht. Und darum, dass Pilz immer ablenkte und diejenigen schützte, deren Einfluss auf keinen Fall bekannt werden durfte. Wenn er jetzt den „dubiosen Investor“ Rene Benko attackiert, deutet dies nur darauf hin, dass es einerseits zum Anti-Kurz-Narrativ passt und andererseits andere im Hintergrund mächtiger sind. Pilz klingt emotional, doch man darf sich nicht täuschen lassen und darin Ausdruck echter Gefühle, gar von Idealismus sehen. Er unterstellt allen anderen Anbiederung an die ÖVP, die bereits als Wahlsieger feststeht, weil sie so weit vor allen anderen Parteien liegt. Wenn er sagt „der große schwarze Dienstwagen kommt“ und dann drängen sie sich alle darum, wer hineindarf, drückt dies auch seinen Neid auf die aus, die Regierungsfunktionen übernehmen können. Pilz diente zwar fremden Herren, schaffte es jedoch nie, auch einer solchen Rolle für wert befunden zu werden. Es reicht immerhin noch dazu, dass ohne Jetzt/Pilz Kurz niemals nicht als Kanzler gestürzt worden wäre.

Fürchtet Kurz Pilz?

Mit dieser Legende wird man im Wahlkampf nicht weit kommen, liegt die ÖVP doch deutlicher als 2017 vor SPÖ und FPÖ. Pilz will von 1% in Umfagen auf mindestens 4% aufholen, NEOS liegen bei 8% und Grüne bei 11% als süße Rache für die Abwahl 2017 auch dank Pilz. Noch im Schutz der Immunität unterstellt Pilz Heinz Christian Strache und Johann Gudenus, in Ibiza gekokst zu haben, was nicht auf dem Video  zu sehen sein soll. Die beiden sagten aber die Wahrheit, was Einflussnahme betrifft, und zwar in Pilzscher Diktion über schwarze Netzwerke, deren Griff nach der Macht nach der Wahl umso ungenierter sein werde. Typisch war für ihn das Vorgehen gegen den Verein gegen Tierfabriken, mit Bundeskriminalamt, Spitzeleinsatz, BVT und Justiz; deshalb kandidiert auch Balluch, um zu unterstreichen, dass Pilz auf der richtigen Seite steht. „Die Korruptionsstaatsanwaltschaft bittet öffentlich um Hilfe“, so Pilz, und Ex-Innenminister Herbert Kickl (der Pilz als Agenten bezeichnete) wollte verdeckte Ermittler im Rechtsextremismusbereich in Gefahr bringen, indem er deren Namen outet. Damit spielt er auf die BVT-Affäre an, aber auch auf die Eurofighter-Ermittlungen und den Auftritt von Innenminister Wolfgang Peschorn in der Zeit im Bild 2, der Pilz die Stirn bot. „F*ck off, Peter Pilz“ heisst diese „Coup“-Folge auch deshalb, weil er von jedem erhellenden Vorstoß ablenkt, indem er hallt „Haltet den Dieb“ schreit. Er gefährdet selbst Ermittler, und zwar jene Mitglieder der Soko Ibiza, die vom BVT stammen.

Peschorn in der Zib 2

Für Pilz ist es daher auch ausgemachte Sache, dass die ÖVP schon lange vom Material weiß, das am 24. Juli 2017 in Ibiza aufgenommen wurde. Er hat den konkreten Verdacht, dass Ex-Minister Gernot Blümel nicht nur „Internet-Trolle organisierte“ und Festplatten schreddern ließ, sondern Mitwisser war. Damit bewiest Pilz erneut, dass er ganz im Interesse der Ibizagate-Auftraggeber agiert, die wohl kaum im Umfeld der ÖVP zuhause sind. Pilz preist den U-Ausschuss in spe an, denn dort müsse man „unter Wahrheitspflicht“ aussagen – ein bitterer Scherz, bedenkt man, dass er 2017 daran beteiligt war, von der Verantwortung der Gusenbauer-Seilschaften für den Eurofighter-Vergleich abzulenken. Was Ibiza betrifft, wissen wir immer mehr über die Handlanger, die jedoch schon früher Aufträge ausführten, dabei auch mit Behörden kooperierten, was für die nun gesuchten Masterminds vielleicht zusätzlichen Schutz bedeutete. Recherche war nie Pilzens Sache, sondern er lebte von „Zugespieltem“, das auch den einen oder anderen Journalisten miternährte (und er griff auf, was andere öffentlich machten).

Pilz bei Fellner

Wichtig sind immer die Weglassungen und das, was er deckte – etwa, dass nicht nur Ex-Innenministeriums-Kabinettschef Michael Kloibmüller selbstherrlich agierte, sondern auch Stefan Kammerhofer im SPÖ-Verteidigungsministerium. Bei Kloibmüller gab es aber Ermittlungen und den BVT-U-Ausschuss, während Kammerhofer auch von Pilz unterstützt wurde. Doch der eine scheint persönliche Ambitionen gehabt zu haben, während Kammerhofer als Diener fremder Herren „Minister spielte“. Bezeichnender Weise stört Pilz zwar (siehe u.a. Wahlkampfauftakt), dass die WKStA Ermittlungen gegen Benko einstellte (einstellen musste?) während er jene gegen Martin Schlaff gar nicht erst erwähnte. Trotz allem wird Pilz von den Medien sehr sanft behandelt, was man auch daran sieht, dass das „gekaufte“ Mandat von Alfred Noll (fast 1000.000 Euro Wahlkampfspende 2017) nicht ins Gewicht fiel. Auch nicht der autoritäre Umgangston von Pilz (etwa das Mobbing gegen Martha Bissmann) oder dass Balluch den VGT für Wahlkampfzwecke einspannt. Daher kann die Pilz-Liste nur deshalb bei der Bevölkerung abstinken, weil diese die Nase von ihr voll hat, übersättigt ist an immer der gleichen alten Leier.

PS: Ich bin jetzt in Wien, werde jedoch weiter schikaniert, um mich endlich mundtot zu machen und brauche daher eure Unterstützung! Bitte meldet euch unter 06508623555 DANKE Alexandra Bader

5 Kommentare zu „Coup Teil 66: F*ck off, Peter Pilz!

  1. Pilz diente zwar fremden Herren, schaffte es jedoch nie, auch einer solchen Rolle für wert befunden zu werden.

    So ist es. Bei Pilz überwogen eben die Querulanten Elemente in all seinen Handlungen dermaßen ausgeprägt, dass ihm objektiv ein spezifisches Können, egal in welchem TeilBereichen oder auf welchen Ebenen, leider nie nachgesagt werden konnte.

    Es reicht immerhin noch dazu, dass ohne Jetzt/Pilz Kurz niemals nicht als Kanzler gestürzt worden wäre.

    😛😜😝

    „F*ck off, Peter Pilz“ heisst diese „Coup“-Folge auch deshalb, weil er von jedem erhellenden Vorstoß ablenkt, indem er hallt „Haltet den Dieb“ schreit.

    So Typisch für Schwätzer, die sich aufgrund dissonanter Mutmaßungen, ständig auf sehr sehr dünnem Eis bewegen 😦

    Pilz selbst zieht dann vom Leder, dass Sebastian Kurz vor ihm davonlaufe (bei TV-Duellen), aber der erste auf seiner Zeugenliste im Ibiza-U-Ausschuss sei, der nach der Wahl eingesetzt werde.

    …[…]… Doch diesmal ist nicht in Sicht, dass Pilz dem Ausschuss auch nur angehören, geschweige denn an seiner Einsetzung mitwirken wird.

    Das ist der abschließende und zugleich schönste Satz, den es 28 Tage vor der entscheidenden Nationalratswahl am 29 Sept 19 zu lesen gibt; birgt er doch den Hinweis, dass P.P. in 28 Tagen bereits vom politischen point of view Geschichte ist, während gleichzeitig für Pilz schon ab dem 30. Sept. 2019, spät aber doch, aufgrund des Immunitätsverlustes, erstmals der Ernst des Lebens beginnen wird – juristisch gesehen, versteht sich, und das ist gut so.

    Wie auch immer

    MfG

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  2. Ich werde froh sein, wenn er weg ist mit seinen ständigen Anpatzereien, wo die Hälfte gelogen oder zusammengeschustert ist. Linke beim Lügen zu erwischen ist etwas auf Dauer Nervendes.
    Und dann sein Schmäh mit den weinenden Augen, um beim nächsten Mal zuversichtlichen Blickes bei F. zu sitzen, dann wieder die weinenden Augen. Das ginge ewig weiter, würde er nicht endlich abgewählt werden.

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    1. Bzgl der Drogengerüchte um Kurz und Martin Ho gibt es noch immer nichts Neues. Dieser Florian Schweitzer hat entweder nur eine Nebelgranate fallen lassen, um den Wahlkampf zu stören, oder er spart sich tatsächlich die Bombe bis zum Schluss auf, bis kurz vor der Wahl. Das ist spannender als der Wahlausgang, der eh schon festzustehen scheint.

      Fellner auf OE24 meint, dass Schwarz-Rot schon feststünde und nennt gar die Ministerbesetzung. Was ich für unwahrscheinlich halte, aber man wird sehen.
      Würde PRW darauf eingehen, dann nur um die SPÖ zu retten. Weil sonst reißen die auf lange Sicht keine Bäume mehr aus, soviel ist fix.

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