Liste Pilz, Festspiele Erl und der falsche Feminismus

Feministisch ist es, wenn Frauen andere Frauen unterstützen und verteidigen, wenn sie lautstark auf Frauenrechten, auf Selbstbestimmung, auf Solidarität pochen – möchte man/frau jedenfalls meinen. Doch längst werden uns Feministinnen präsentiert, die eine Maske für die Interessen von Männern sind; vielleicht waren sie einmal feministisch, vielleicht niemals; so oder so schaden sie Frauen, oft ohne dies zu realisieren. Es ist müßig,. darüber zu spekulieren, ob sie eventuell niemals selbstbewusst und eigenständig waren oder ob sie aus ökonomischen Gründen so opportunistisch sind. Denn Tatsache ist, dass sie nach wie vor vorgeschoben werden und Wirkung entfalten, dass sie ein Puffer zwischen den sie dirigierenden Männern und den Forderungen von Frauen sind. Dies betrifft auch die kommende Parteichefin der Liste Pilz, Maria Stern, aber gehen wir in medias res zunächst mit einem anderen Beispiel: bei den Festspielen im Tiroler Ort Erl ist dank des Bloggers Markus Wilhelm von sexuellen Übergriffen, Demütigungen und Ausbeutung durch den künstlerischen Leiter Gustav Kuhn die Rede, was dazu führte, dass eine Ombudsfrau eingesetzt wurde. Man möchte meinen, dass Christine Baur als ehemalige Gleichbehandlungsanwältin und grüne Landesrätin einen Ruf zu verlieren hätte. Doch Wilhelm beschreibt ihr Wirken so: „Das Unglück mit Christine Baur gibt es spätestens, seit es Christine Baur in einer öffentlichen Funktion gibt. Hier sei nur an die highesten Highlights ihrer politischen Tätigkeit und Nichttätigkeit als Soziallandesrätin erinnert: den niederträchtigen Umgang mit den Heimopfern, den Flop mit dem Durchreiseplatz für die Roma, das Fiasko mit dem Kauf und Verkauf der Traglufthallen für Flüchtlinge und das Desaster bei den Tiroler Sozialen Diensten.“

Wilhelm weist auf Baurs leere Worte hin, da sie natürlich die Kampagne „Nein heißt Nein“ unterstützte, wie auch die Ex-Abgeordnete Berivan Aslan, die meiner Erfahrung nach ebenfalls nur Alibifrau/-feministin war. Nebenbei gemerkt gab es bei den Grünen vor der Gemeinderatwahl in Innsbruck auch Vorwürfe sexueller Belästigung, sodass Baur auch damit vertraut sein dürfte, wie es ist, wenn die eigene Organisation betroffen ist. Was den Umgang mit Heimopfern betrifft, muss man wissen, dass in Tiroler Kinderheimen nicht nur geschlagen, sexuell missbraucht, gedemütigt, vernachlässigt wurde, sondern man Kinder auch zu Zwangs/Sklavenarbeiten heranzog, die so schwer waren, dass viele bleibende Schäden davongetragen haben, selbstverständlich auch einige Frauen. Baur kandidierte 2017 nicht mehr, stimmte aber vorher in der Landesregierung noch Subventionen für Erl in der Höhe von 1,5 Millionen Euro zu. Keiner weiß, was Baur jetzt als Erler Feigenblatt verdient, das Wilhelm so beschreibt: „Und dann, als Politikerin abgehalftert, geht sie ausgerechnet nach Erl, um die zuvor dort aufgedeckten Zustände möglichst zuzudecken. Die Frauenlandesrätin verdingt sich bei der Macho-Partie Haselsteiner-Kuhn-Kalina-Krüger. Das ist so, wie wenn, was weiß ich, die ehemalige Grünen-Chefin Eva Glawischnig zum Glücksspielkonzern Novomatic wechseln würde oder der sozialdemokratische Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sich dem kasachischen Diktator Nursultan Nasarbajew als Lobbyist an den Hals schmeißen würde.“

Markus Wilhelm auf Twitter

Der Haselsteiner-Freund und -Geschäftspartner Alfred Gusenbauer ist übrigens auch immer wieder in Erl zu sehen und machte Kuhn die Mauer; seine Aktivitäten sind unter vielen Gesichtspunkten fragwürdig, was oft Haselsteiner-Bezug hat. „Greenwashing“ durch Baur fand in Erl auch bei der diesjährigen Eröffnung statt: „Baur sitzt fußfrei erste Reihe bei der Eröffnungsrede des Festspielpräsidenten Haselsteiner, als dieser – nach Bekanntwerden schwerer und schwerster Vorwürfe gegenüber Kuhn – davon spricht, dass dieser ‚ganz der Alte‘ geblieben sei und ’noch immer keinen Hehl daraus macht, welche Vorlieben er hat‘, nämlich ‚Wein, Weib und Gesang‘. Die Ombudsfrau ist nicht aufgestanden, sondern ist sitzen geblieben.  Sie hätte aufschreien müssen, als Kuhns Anwalt Michael Krüger verbreitet hat, die Engagements der Verfasserinnen des ‚Offenen Briefes‘ seien aus künstlerischen Gründen in Erl nicht verlängert worden. Sie ist stumm geblieben.“ Was sie deckt, stellt Wilhelm im Detail dar, etwa dass ein anderer offener Brief zur Unterstützung von Gustav Kuhn zwar viele Unterschriften hatte, diese aber überwiegend aus dem Ausland, z.B. aus Weißrussland kamen. Offenbar ist Baur sogar stolz darauf oder fühlt sich zumindest bestätigt, weil sich keine Betroffene bei ihr gemeldet hat.

Sie schrieb die Verfasserinnen des offenen Briefes an und wies sie darauf hin, dass die Bundesgleichbehandlungskommission sich mit den Vorwürfen gegen Gustav Kuhn befassen wird (der zwar „vorübergehend“ von der künstlerischen Leitung der Festspiele suspendiert wurde, aber immer noch dirigieren soll). Haselsteiner betonte gegenüber Medien, dass bei der Kommission die Beweislastumkehr gelte, sodass Kuhn offenbar nach besonders strengen Maßstäben beurteilt wird. Dabei hat er aber seine Verantwortung als Festspielpräsident übersehen, zumal er auf das Bekanntwerden von Vorwürfen über Monate hinweg mit einer Klagsflut gegen Wilhelm reagierte. Die Alibiombudsfrau nickte immer alles brav ab und behauptete, sie arbeite mit der Gewerkschaft zusammen, die längst in mehrsprachigen Flugblättern den (prekär) Beschäftigten ihre Hilfe angeboten hat. Tatsächlich kontaktierte sie keinen Gewerkschafter und sah sich auch keinen Arbeitsvertrag an. Und was die Gleichbehandlungskommission betrifft, soll sie „gesammelte Fürbitten“ (c Wilhelm) an diese übermitteln, die auf das Betreiben der Freunde der Festspiele bei Kuhns Lebensgefährtin Christin Kim landen sollen (die WhatsApp-Nachricht sieht man auf dietiwag). Die Parallelen zum Fall Pilz sind offenkundig, denn auch hier spielt die Gleichbehandlungskommission eine Rolle, an die sich die Abgeordnete Martha Bißmann wegen Mobbing wandte. Zwar wissen wir, dass Gudrun Pilz existiert, doch es hat was von Mrs. Columbo, wenn Pilz immer wieder auf sie hinweist, etwas angeblich ohne sie nie durchgestanden hätte.

Martha Bißmann auf Twitter

Gustav Kuhn kann auf Christin Kim und Christine Baur bauen, und Peter Pilz auf Gudrun Pilz und Maria Stern, die am Montag zur Obfrau der Liste Pilz gewählt werden soll. Eigentlich sollte daraus nie eine Partei werden, man wollte nur die paar Mitglieder, die vom Parteiengesetz her notwendig sind (schließlich geht es um eine Menge an Förderungen). Nun werden aber 20 Personen die neue „Chefin“ einer Art Briefkastenfirma (im toten Briefkasten?) wahlen, der man zurufen kann, was Wilhelm Baur kürzlich mailte: „Merkst du nicht, wie du missbraucht wirst? Nein, du merkst es offenbar nicht.“ Die Aufgabe von Stern war es,  Vorwürfe der sexuellen Belästigung zuzudecken und abzulenken, indem sie etwa behauptete, dass man Täter am besten in der Anonymität beläßt, wo sie dann reuige Sünder werden. Natürlich nahm sie nie zu Erl Stellung, wo ja die Aufklärung auf dem genauen Gegenteil basiert, da Frauen an die Öffentlichkeit gingen und aussagten. Letzteres allerdings bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck, die auch Vorwürfe gegen Peter Pilz untersucht hat. Wie jenseitig und unnormal die Liste Pilz ist, sieht man daran, dass weibliche Abgeordnete (nach dem Kriterium „Jugend“ von älteren Herren ausgesucht) schweigen und sich nicht solidarisieren oder positionieren, sieht man von einem einzigen Posting Daniela Holzingers im „Standard“-Forum ab. Wir können nur vermuten, was sie getan hätte, wenn in ihrer Gegenwart über den jedes Mal auf der Tagesordnung bei Klubsitzungen stehenden Antrag auf Ausschluss von Bißmann abgestimmt worden wäre.

Was Stephanie Cox oder Alma Zadic denken, ist nicht bekannt, da sie schweigen; zum großen Entsetzen des ehemaligen Referenten Sebastian Bohrn-Mena (der die LP vor dem Arbeits- und Sozialgericht klagt) war Maria Stern nicht bereit, Bißmann wenigstens gegen Mobbing im Netz in Schutz zu nehmen, weil sie nicht für Pilz auf ihr Mandat verzichten wollte. Tatsächlich wurde Bißmann übel attackiert, wobei vernünftige Stimmen in der Shitstorm-Flut fast untergingen; bezeichnender Weise wurde sie in Unkenntnis dämonisiert, ohne dass die Aktivitäten von Pilz auch als „Aufdecker“ und sein Umgang mit anderen kritisiert wurde. Schließlich warf Peter Kolba alles hin, der selbst Mobbing ausgesetzt war, aber unverdrossen Pilz verteidigt und einen Picker auf Bißmann hat; für ihn hätte Stern nachrücken sollen, die dann aber als „zutiefst feministischer Akt“ für Pilz verzichtete. Es ist natürlich Psychoterror, wenn Pilz Bißmann zeitweise jeden Tag anrief, um sie zu fragen, wann sie endlich zurücktritt – sie schilderte dies Barbara Toth vom „Falter“, und Pilz reagierte darauf nicht. Dies und immer das Damoklesschwert des Ausschlusses auf der Tagesordnung erinnert mich an meine Zeit im Vorstand der Wiener Grünen rund um die Gemeinderatswahl 1991 mit Pilz; ich musste immer damit rechnen, dass er vor kuschenden anderen ein Tribunal über mich veranstaltet. War Bißmann seiner Mission im Weg, befürchtete er bei mir stets, dass ich dahinterkomme, für wen er arbeitet und was er und Sonja Puntscher Riekmann mit Johannes Voggenhuber angestellt haben (der von 1988 bis 1990 praktisch Parteichef und dann bis Jänner 1992 Klubobmann war).

Mona Somm über Erl

Wenn Moma Somm  ihre Erfahrungen in Erl beschreibt, geht es auch um Demütigungen coram publico, darum, dass sie und andere brutal abgekanzelt wurden. Dies gehört zum Umfeld von Übergriffen aller Art, ist ja auch selbst einer, und wird doch von vielen immer noch nicht als tiefste Verletzung der Würde eines anderen Menschen angesehen.  Angesagt ist daher Wegstecken, was man in der Liste Pilz ebenso kennt wie in den Grünen und anderswo. Sobald aber mehrere unhaltbare Zustände ansprechen und es dafür auch Medienöffentlichkeit gibt, werden Frauen vorgeschickt, die Kritik abfangen und kanalisieren sollen, sodass die Männer geschützt sind, die verursachen und ermöglichen. Viele kritisierten das ORF-Sommergespräch mit Pilz, weil es kaum um Inhalte, umso mehr aber um seine Person ging; doch Anna Gasteiger hat es in „News“ ganz gut auf den Punkt gebracht: „Montagabend, Sommergespräch im ORF und das merkwürdige Gefühl, in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Pilz spricht über die alten Missbrauchsvorwürfe. Er tut es mit denselben Worten, demselben Tonfall und demselben Gesichtsausdruck, wie er es seit einem Jahr tut. Die Chance, die ihm die Moderatoren einräumen – eine neue Erzählung auf den Trümmern der Vergangenheit aufzubauen, das Publikum zu überzeugen, zu überraschen oder zur Not halt zu rühren -, verstreicht bemerkenswert ungenützt. Man muss kein Meister der Empathie sein, um zu erkennen: Da tut sich nichts.“

PR-Berater Josef Kalina, der übrigens in Sachen Erl für Haselsteiner arbeitet, meinte auf Twitter: „Keiner kann so glaubwürdig Emotionen vortäuschen wie der Hut ab!“  Und er kommt damit durch, denn viele nahmen Pilz bei seinem Rücktritt im November 2017 die vermeintliche Einsicht ab, was jetzt nicht mehr so zieht, er aber immer noch versucht. Er hat sich bei niemandem jemals persönlich entschuldigt oder angeboten, Schaden wiedergutzumachen, im Gegenteil, er pflegt jene falschen Narrative weiter, die auch durch ihn etabliert wurden. Darin liegt wohl auch der wahre Grund dafür, dass er wieder ins Parlament musste, koste es, was es wolle. Er absolvierte noch ein „Bürgerforum“ bei oe24 und das Sommergespräch, wohl weil es für Stern schwieriger gewesen wäre. So oder so wird sie ab nun Rede und Antwort stehen müssen und sich dabei immer mehr Menschen fragen: : „Merkst du nicht, wie du missbraucht wirst? Nein, du merkst es offenbar nicht.“ Einfacher haben es andere Alibifrauen, die andere Frauen verraten wie die kaum  bekannte Gleichbehandlungs- und Diversitybeauftragte der ÖBB Traude Kogoj, die dem als Abteilungsleiter untergebrachten Ex-BMLV-Kabinettschef Stefan Kammerhofer (ein Deal von Doskozil und Kern) die Mauer machte, obwohl / weil er u.a. mir schwer geschadet hat.

PS: Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich DRINGEND ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgebung. So kann ich die von euch geschätzte Arbeit auch viel effizienter und mit euch gemeinsam fortsetzen, denn nachdem ich meine Wohnung in Wien verloren habe, bin ich auf dem Land gelandet. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra).

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2 Gedanken zu “Liste Pilz, Festspiele Erl und der falsche Feminismus

  1. Für mich ist Maria Stern eine, die weiß, was sie will. Sie wird meines erachtens deshalb nicht missbraucht, weil sie bewusst, durch das Verhalten von Peter Pilz, einen Vorteil annimmt. Sie erhält eine politische Funktion, die sehr gut bezahlt wird. Sie kann ein paar Jahre gut verdienen. Mit dem Ende dieser Legislaturperiode versinkt sie im politischen Nirvana.

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    1. das seh ich anders, gerade als Frau ist mir sehr daran gelegen …dass die Rechte und die Gleichberechtigung der Frauen erhalten bleiben und fortschreiten wo es noch Mankos gibt.
      Frauen wie Stern arbeiten mit aller Kraft gegen diese Entwicklung.
      Sie sind im Grunde Feinde der Frauen egal welcher Kultur.

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