Und nun: Die grosse Kern-Show

Mehr als alle anderen Kandidaten setzt Christian Kern auf Privates, nach einem zum Vatertag präsentierten Video nun Interviews gemeinsam mit Ehefrau Eveline Steinberger-Kern. Dies klingt dann ähnlich wie bei sogenannten Stars, deren nach außen gezeigtes Bild aber oft genug nur Fassade ist. „Dieses Kern-Doppelinterview ist reine PR. Sowas spricht weder für die Kerns, noch für News“, postete Florian Klenk vom „Falter“ zur „News“-Titelgeschichte „Diese Kerns“. Nächste Woche gibt es dann  „Eine phänomenale Liebe!“ in voller Länge in Uschi Fellner-Pöttlers „look!“.  Beide Magazine sind bestrebt, ihr Kern-Doppelinterview als die absolute Ausnahme zu verkaufen –  wenn das nur keine Nachahmer auf den Plan ruft.

Im Grunde ist der Unterschied z.B. zu Schauspielerpaaren nicht so gross, denn auch sie bemühen sich, zugleich Normalität und Besonderheit zu vermitteln. Selbstverständlich ohne jede Konkurrenz, sondern in perfekter Partnerschaft auch bei engem Zeitkorsett. Dabei ist Eveline Steinberger-Kern eine Kanzlergattin, die mit dieser Bezeichnung nun überhaupt nichts anfangen kann, weil sie selbst beruflich erfolgreich ist. Dies passt zumindest oberflächlich zur Wahlkampflinie, die uns Frauenquoten, Frauenförderung und Gleichberechtigung verkauft – ungeachtet dessen, dass viele in der SPÖ immer noch ein Problem mit eigenständigen Frauen haben. Steinberger-Kern ist in der Start Up-Szene aktiv, die – wie sie feststellt – eher männerdominiert ist; dabei ist sicher nicht von Nachteil, dass Christian Kern gerne bei Start Up-Events auftritt und solche Unternehmen auch fördern will.

Cover von „News“

Es wäre nicht ganz fair, private Interviews als vollkommen unpolitisch zu betrachten; das Gleiche gilt auch für Partnerinnen oder Partner. „Diese Kerns“ werden aber perfekt vermarktet, wie man an einem Vorgeschmack auf das „look!“-Interview sieht: „Bundeskanzler Christian Kern und Ehefrau Eveline gewähren im entspannten look!-Gespräch selten private Einblicke: ihr erstes Date, Paar-Rituale & gelungenes Patchwork.“ Auch „News“ ging es bei seiner PR-Geschichte um moderne Beziehungen, denn „diesen Kerns“ folgen kurz vorgestellte andere Paare. „Verbiegen wollen sie sich nicht. ‚Es ist uns wichtig, authentisch zu bleiben‘, erklärt das Ehepaar Kern unisono im sehr persönlichen look!-Interview. Es sei verständlich, dass die Österreicher wissen wollen, wie ‚die Kanzlers‘ so privat sind, und ’sie haben auch ein Recht drauf‘, so Kern. Deshalb gewähren er und seine Frau Eveline Steinberger-Kern – erfolgreiche Selfmade-Unternehmerin im Energie- und Start-up-Business – erstmals private Einblicke und verraten, welche fixen Familienrituale sie haben, warum bei ihnen Patchwork so gut funktioniert und ihre Beziehung in 15 Jahren ‚jeden Tag phänomenal‘  war“, lesen wir auf der Webseite von „look!“

Im „News“-Editorial wird Interviewer David Pesendorfer zitiert: „Ich hatte den Eindruck, da wollen zwei Menschen zeigen: Wir sind der glückliche, menschelnde Gegenentwurf zu den kalten Polit-Karrieristen. Die beiden wirken absolut authentisch.“ Es klingt fast so, als wäre ihm diese Einschätzung in den Mund gelegt worden, weil die Kerns sicher genau so rüberkommen sollen. Doch auch Kern selbst hat etwas vom „kalten Polit-Karrieristen“, da er ja nicht von ungefähr Kanzler wurde und gerade kein einziges Wort darüber verliert, dass Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos über den Grünen Peter Pilz abgeschossen werden soll. Macht das wett, dass „diese Kerns“, geht es nach ihren Erzählungen, am Frühstückstisch miteinander scherzen? Nicht von ungefähr fürchtet die ÖVP auch schon jede Menge Dirty Campaigning gegen Sebastian Kurz, der sie in Umfragen vor der SPÖ hält, Privates aber privat halten will.

Vor ein paar Jahren hätten Uschi Fellner und Alexandra Stroh die Kerns noch für „Madonna“ befragt, wie die Frauenbeilage zu Wolfgang Fellners „Österreich“ heisst. Seitdem Christian Kern Bundeskanzler ist, taucht seine Ehefrau regelmässig in diversen Frauenmagazinen auf, entweder indem sie interviewt wird, über sie berichtet wird oder sie und andere Frauen zu einem Thema befragt werden.  Wir erfahren jetzt, dass Kern nur am Wochenende einkauft und seine Frau dazu meint: „Ich mag das gern, wenn Chris­tian einkauft, weil er einen guten ­Geschmack hat und auf den Märkten immer frische Sachen kauft.“ Unbedingt muss auch geklärt werden, wer fürs Kochen zuständig ist: „Christian ist ein Meisterkoch!“, sagt sie, und er lacht: “ Sagen wir mal so: Ich habe drei oder vier Rezepte, deren Ergebnis man auch wirklich essen kann. Rund um Pasta und Huhn. Wir sind beide Jamie-Oliver-Fans.“ Sie ergänzt. „Unsere Tochter und ich lieben es und dürfen die niederen Dienste ausführen und nachher aufräumen. Aber unser Jüngster kocht ja auch sehr gerne und sehr professionell.“ Er nochmal: Und der mittlere Sohn kocht ­vegan. Davon profitieren wir oft.“

Markus Huber vor ein paar Monaten in „News“

Beide erklären, warum sie ihre private Seite nicht aus dem Wahlkampf heraushalten wollen: „Das Privatleben ist ja nicht ganz zu verbergen. Die Österreicher wollen ja doch wissen, wer diese Person ist und wer dazugehört. Hat der Kinder? Wofür hat er schon Verantwortung getragen? Wie hat er sein Leben gestaltet? Das wird immer wichtiger, weil die Menschen immer mehr Personen und immer weniger Parteien wählen. Die Leute wollen das wissen, und ich finde, sie haben ein Anrecht darauf“, sagt er, und sie: „Man agiert aus dem privaten Zusammenhalt heraus ja auch beruflich, deshalb kann man das eine nicht losgelöst vom anderen betrachten. Uns ist wichtig, bei dem, was wir tun, authentisch zu sein, und daraus definieren wir auch unsere Grenze. Wir verbiegen uns nicht. Seit einem Jahr ist es ja so: Wenn wir die vier Wände verlassen, sind wir de facto nicht mehr privat. Und das ist auch okay.“

Sie gehen auch weiterhin gemeinsam joggen und dann einkaufen, können aber nicht mehr so spontan wegfahren. Gerne wird angesprochen, wie erfolgreich Frau Kern beruflich ist: „Ihrer Frau ist es gelungen, mit weXelerate Europas größtes Start-up-Zentrum nach Wien zu holen. Wann haben Sie das letzte Mal zu Ihr gesagt: ‚Schatz, ich bin sehr stolz auf dich!‘?“ Kern sagt: „In schwachen Wochen sechs Mal. Ich bin sehr stolz auf meine Frau. Unglaublich, was sie erreicht hat.“ Frau Kern ergänzt: „Christian ist auch mein wichtigster Gesprächspartner in beruflichen Dingen.“ Liest man die Interviewpassagen mehrmals aufmerksam, wird kein so modernes Rollenverständnis wie auf den ersten Blick vermittelt, sodass es wohl weniger Ausdruck von Authentizität ist als wohlkalkuliert. Deshalb mag Frsu Kern zwar als toll rüberkommen, Herr Kern aber als großartig, von seiner Frau bewundert und erhöht, sodass er dann lässig abwehren kann, dass z.B. seine Kochkünste nichts Besonderes sind. Soll das beim Verständnis einer breiten Mehrheit andocken, für die selbst erfolgreiche Frauen immer noch etwas unheimlich sind? Und was meint Markus Huber (siehe Ausschnitt aus einer früheren Ausgabe von „News“) mit „Männern, die sich nur auf ihre erfolgreichen Frauen verlassen“?

Frau Kern hat jedenfalls nicht nur zwei Firmen (Blue Minds Company in Wien und Foresight in Tel Aviv), sie mist auch mit bei  Wexelerate, einem „Supernetzwerk“ für Gründer, das auch so beschrieben wird:  „Mit Markus Wagner (i5invest), Eveline Steinberger-Kern (Blue Minds Group) und Dominik Greiner (Camouflage Ventures) hat Kirmaci weitere Mitstreiter gefunden, mit denen er sein Konzept noch einmal diskutierte. Das Quartett analysierte 12 Monate lang die Startup-Ökosysteme der Schweiz, von Israel, Deutschland und San Francisco. ‚Dann sind wir auf die ersten Unternehmen zugegangen und haben sie gefragt, ob es für unser Konzept einen Bedarf am Markt gibt‘, schildert der weXelerate-Geschäftsführer. Den gab’s. Und bereits im August 2016 letzten Jahres begannen Gespräche mit Investoren und Startups.  Anfang des Jahres ging man an die Öffentlichkeit. Kirmaci: ‚T-Mobile Austria war eigentlich fast von der Stunde Null mit dabei und hat uns wertvolles Feedback gegeben.'“

Die Kerns in „look!“

Als Frau Kern von „Horizont“ befragt wurde, ging es in erster Linie um die Unternehmerin, dann aber auch um Privates: „Zum Abschluss eine persönliche Frage: Im Interview mit bestseller vergangenen Sommer war Ihr Ehemann Christian Kern erst kurz im Amt des Kanzlers. Damals verrieten Sie uns, dass Sie am Küchentisch über die Zukunft von Start-ups sprechen und der Industrie dahinter. Worüber sprechen Sie denn momentan?“ Sie sagt dazu: „Wir unterhalten uns immer wieder darüber, wo und wie wir gemeinsam Zeit mit der Familie verbringen, das müssen wir wesentlich besser planen als in den vergangenen Monaten und Jahren. Wir sind eine Patchwork-Familie, umso mehr muss man darauf achten dass alle qualifiziert Zeit haben. Es ist ja nicht mehr so, dass nur wir Erwachsenen keine Zeit mehr hätten (lacht), auch die Kinder werden älter. Darüber hinaus unterhalten wir uns auch über das aktuelle Geschehen in Österreich und träumen, wie viele Österreicher, von einer guten Zukunft und was man dazu beitragen kann – jeder in seiner Rolle. Ich in der Wirtschaft und mein Mann in der Politik.“

Das größte Start Up-Zentrum Mitteleuropas, also Wexelerate,  war auch schon mal Thema in einem look!-Interview mit Frau Kern: „Der Grund, warum Ihre Arbeitstage aktuell sehr intensiv sind, ist, dass Sie ein Start-up-Hub in Wien initiiert haben, das demnächst Realität wird. Darf ich vorab einfach mal die Frage stellen: Was genau ist ein Start-up und was unterscheidet es von der Gründung eines ’normalen‘ Unternehmens?“ Antwort:  „Gut, dass Sie diese Frage stellen, weil nicht jede Neugründung auch ein Startup ist. Ein Start-up ist für mich ein Unternehmen, das sich mit einem disruptiven Geschäftsmodell beschäftigt. Das heißt, dieses Geschäftsmodell verändert viel, stellt Dinge auf den Kopf. Und zum Zweiten muss ein Start-up international funktionieren und ausrollbar sein. Ein prominentes Beispiel ist ‚Airbnb‘, das im Bereich der Hotellerie alles infrage stellt und international reüssiert. Und natürlich ist ein Start-up immer mit einem hohen Risiko verbunden.“

Im neuen look!-Interview gibt es auch diese Frage: „Wenn Ihr Mann ein Start-up wäre und Sie müssten einen Investor davon überzeugen, dann würden Sie das wie tun …?“ Fau Kern meint: „Noch wichtiger als die Geschäftsidee sind die Menschen, die diese Idee vorantreiben. Und ich glaube, wenn ich Christian anschaue, sehr zufrieden sein zu können. Christian ist leidenschaftlich in dem, was er tut, eloquent, analytisch und wirtschaftlich kompetent. Tolle Eigenschaften, um Investoren zu überzeugen.“ Er ergänzt: „Eine alte CEO-Weisheit: Wenn du dich entscheiden kannst, die richtige Strategie oder die richtigen Leute zu -haben – nimm die richtigen Leute.“ Christian Kern beschreibt das Kennenlernen so: „Unsere Geschichte hat sich ja über mehrere Stufen angebahnt. Ich habe Eveline das erste Mal gesehen, als ich beim Verbund-Konzern einen Vortrag über Strom-Trading gehalten habe. Sie ist damals in der letzten Reihe gesessen, und ich musste auf einmal aufgrund der Ablenkung meine Blätter vom Boden aufklauben (lacht). Zusammen kamen wir dann erst, als sich unsere beruflichen Wege getrennt haben. Das wollten wir auch nie vermischen.“

Kerns Facebook-Profilbild zur Regenbogenparade

Und Eveline Steinberger-Kern sieht es so: „Ich dachte damals: Der schaut gut aus – und dann kann er auch noch was. Sehr selten (lacht). Und viel später war dann unser erstes Date. Ein sehr schönes. So wie man sich das als kleines Mädchen vorstellt, wenn man sich Hals über Kopf verliebt. Und zum Glück hält es an. Das weiß man gar nicht genug zu schätzen.“ Gerne wird in der Kern-Story auch betont, dass es sich um eine schicksalhafte Begegnung gehandelt habe: „Wir haben viele Gemeinsamkeiten, nehmen aufeinander Rücksicht. Sich zu verlieben ist ja erst mal nicht ganz so außergewöhnlich. Aber jetzt sind wir schon so viele Jahre verheiratet, und es war jeder einzelne Tag phänomenal. Vielleicht hat es etwas Schicksalhaftes. Ich bin dem Leben wahnsinnig dankbar“, so Christian Kern. In „News“ beginnt das Interview dort, wo es in „look!“ zumindest auf der Webseite zum Heft endet, nämlich als Frau Kern wegen der Beziehung zu Herrn Kern beim Verbund ausschied; ob sie da nicht das Gefühl hatte, auf etwas zu verzichten. „Neue Herausforderungen zu suchen liegt in meinem Naturell“, sagt sie, und dass sie immer versuchten, einander Freiräume zu lassen.

Es sei auch „Family Business“, weil sie sich ja beim Verbund trafen; in jeder Beziehung sind „wechselseitige Rücksichtnahmen“ notwendig. Beide hatten immer wieder Jobangebote aus dem Ausland, die sie mit Rücksicht auf den Partner ablehnten, wobei Frau Kern aber inzwischen auch in Israel geschäftlich aktiv ist. „Zurückstecken musste ich nie. Wir haben uns immer wunderbar ergänzt, auch die Auswahl der beruflichen Stationen hat immer wieder zueinander gepasst“, sagt sie, und er: „Ich glaube, das Wichtigste an unserer Beziehung ist der Stellenwert, den sie für uns hat. Keiner setzt egoistische Prioritäten.“ Dann wieder sie: „Es geht darum, gut organisiert zu sein und sich immer wieder hinzusetzen und zwei, drei Wochen im Voraus zu planen“, was der Interviewer als „straffes Beziehungsmanagement“ versteht. Herr Kern platziert einen seiner üblichen Scherze: „Eveline bereitet die Sommerferien so vor wie die NASA eine Weltraummission.“ Und sie sagt: „Für den Sommer war ja ursprünglich nicht viel mehr Urlaub geplant, als sich jetzt ausgeht, dafür aber weniger Wahlkampf. Aber wenn man mit einem Politiker verheiratet ist, ist man darauf vorbereitet, dass Unvorhersehbares passiert, da war ich nie naiv.“

Allzu geplant soll es aber nicht wirken, denn Kern sagt; „Ich habe mit meiner Frau keinen einzigen Moment erlebt, der fad oder routinisiert war.“ Und sie meint: „Ich glaube, für uns beide sagen zu können, dass wir die große Liebe gefunden haben“, was bedeutet, viel miteinander zu lachen und viel zu unternehmen. Natürlich gäbe es Diskussionen, und dann fliegen die Fetzen (Herr Kern: „eher Fetzerln“), aber das müsse eine Liebe aushalten. „Ich glaube schon, dass wir etwas Besonderes aneinander haben“, erklärt sie. Für ihn ist das Wichtigste, „dass wir uns täglich über die banalsten Dinge amüsieren können“, denn „das gemeinsame Lachen verbindet, glaube ich, schon sehr“. Kern-Klischees und Geschichten, die über ihren Mann kursieren, gehören zu den Dingen, über die Frau Kern gerne lacht („Christian, ich hoffe, du verzeihst. Ich glaube, das macht uns auch aus, dass wir da drüberstehen.“). Er meint, er habe sich am Anfang noch gewundert, was alles über ihn erzählt wird, mittlerweile nimmt er es zur Kenntnis. „Das Bizarrste überhaupt“ sind aber die Spekulationen über seine Anzüge. Sie schätzt an ihm „seine Leidenschaft und seinen Humor“ und sie nervt, „wenn du mich am Wochenende um 6: 30 Uhr in der Früh fragst, ob wir joggen gehen. Um 7:30 Uhr wäre ich für deine Frage empfänglicher“.

Die Geschichte zu einem Wahlkampfvideo

Christian Kern spricht seine Frau nie direkt an, sondern über sie: „Am meisten schätze ich  ihren Humor, ihr Herz, ihre Intelligenz“, um dann den Scherz zu machen, dass es „unverzeihlich“ war, dass sie der Tochter eine Rapid-Kappe kaufte, obwohl diese sich nicht für Fussball interessiert. „Worin besteht denn seine Leidenschaft“, fragt „News“. Kern: „Ich habe eine tolle Briefmarkensammlung. (lacht)“ Steinberger-Kern: „Er ist ein leidenschaftlicher Familienmensch, ein liebevoller Vater, der da ist, wenn man ihn braucht.“ Im Wahlkampf wird es keine gemeinsamen Auftritte geben (ist das jetzt kein Wahĺkampf?), weil politische Konkurrenten „die Familie reinziehen“, denn „da werden bezahlte Spindoktoren engagiert, die in Wien die blödesten Geschichten verbreiten“. Er verweist auf seinen Sohn Niko, dessen „Sektion ohne Namen“ am Donauinselfest Kanzlerbesuch hatte und dem eine Rolle beim Abgang von ÖVP-Chef Mitterlehner zugedacht oder angedichtet wurde. Es ist übrigens sein persönliches Ziel, dass es nach ihm erstmals eine Kanzlerin gibt, doch dies müssen die Wähler entscheiden;  seine Ehefrau ergänzt: „Aber er arbeitet hart daran, mehr Frauen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu bringen.“

„Wahlkampf wird privat wie nie“ schreibt „Österreich“ am 25. Juni 2017, das Kern auch einreden will, er solle die SPÖ mit all den Gewerkschaftern usw. in Macron-Manier entsorgen. Zu Kern wird bemerkt, dass auch Bundeskanzler Viktor Klima 1999 mit Ehefrau Sonja wahlkämpfte, was in zweifacher Hinsicht kein gutes Omen ist.  Denn 2000 wurde die schwarzblaue Koalition mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gebildet, Klima ließ sich scheiden und ging nach Argentinien, wo er erfolgreicher Manager bei VW war. Dass Kern im Wahlkampf das Thema Sicherheit ausspart und sich als Sozialfighter 2.0 präsentiert (siehe Gusenbauer 2006) wird wohl nur „Österreich“ verblüffen. Es sei aber „noch überraschender“, dass Kern „ganz gezielt sein Privatleben in den Wahlkampf“ holt und „seine Stärke als ‚Family Guy‘, als viele Jahre alleinerziehender Vater, als nun glücklicher Ehemann mit Top-Frau“ ausspiele. Den „politisch genial frechen Sohn“ (Niko) habe er „sicherheitshalber in Bologna versteckt“, hole aber „seine Ehefrau Eveline bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Bühne und in die Medien“. Damit stellt man Sebastian Kurz als „sozial eher ‚kalten‘ Single“ dar, zumal dieser „seine Freundin versteckt, keine Kinder und damit auch kein Gefühl für Familie und soziale Werte hat“.

Darauf werde Kurz kontern müssen, den die ÖVP schon lange im Visier von Kerns (und früher Gusenbauers) Berater Tal Silberstein sieht. Freilich kann Kerns Familien-Outing auch nach hinten losgehen, weil dadurch auch Einblicke geboten werden, die für politische Gegner aufschlussreich sind. Als Reinhold Mitterlehner am 10. Mai 2017 zurücktrat und Sebastian Kurz zum Nachfolger bestimmt wurde, war Kern wochenlang so sehr außer Tritt, dass allen klar wurde, dass er kein strategisches Genie ist, sondern sehr vo Rat anderer abhängt. Inzwischen sind auch seine Ratgeber negativ in den Schlagzeilen, genauer gesagt Rudi Fußi, der im Eurofighter-Akt der Staatsanwaltschaft München auftauch: „Die E- Mail Fußis vom 23.5.2003 lässt jedoch darauf schließen, dass dieser sich offenbar dazu bereit erklärt hatte, seine Aktionen gegen den Eurofighter gegen die Zahlung einer finanziellen Zuwendung einzustellen. Tatsache ist weiter, dass dieses Signal des Einlenkens gegen Zahlung eines Geldbetrags auf nicht nachvollziehbaren Wegen an die EADS Deutschland Gmbh weitergeleitet wurde.“ Die „Kronen Zeitung“ ergänzt: „Fußi, der auch in der Strategie- Runde von Bundeskanzler Christian Kern im SPÖ- Gartenhotel Altmannsdorf mitredet, sieht sich als ‚Agent Provocateur‘   offenbar ähnlich wie Ex- ÖVP- Innenminister Ernst Strasser im Jahr 2011: ‚Ich wollte der Eurofighter Gmbh eine Falle stellen.'“ Übrigens trat Fußi im März 2003 der SPÖ bei und arbeitete 2006 im Gusenbauer-Wahlkampf mit; später bekämpfte er wie die Kern-Fans Kanzler Werner Faymann.

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7 Gedanken zu “Und nun: Die grosse Kern-Show

  1. Kennzeichen von Start-Ups im Vergleich zu „normalen“ Betriebsgründungen:
    Erstere sind lt.Frau Kern disruptiv. Klingt schon einigermaßen aggressiv…

    „Eine disruptive Technologie (englisch to disrupt „unterbrechen“) ist eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt.“ (Wikipedia)

    Und mit up-gestartet wurde Wexelerate durch die Fa. Camouflage Ventures (!!!).

    Renate Brauner, Stadträtin, Stadt Wien: Ich sehe in weXelerate ein Leuchtturm-Projekt. Ein Leuchtturm-Projekt, das der Szene, die sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat, noch mehr Schwung bringen wird. Als Finanzstadträtin bin ich stolz, den Bürgern sagen zu können, dass ihr Steuergeld für Projekte wie dieses verwendet wird.“
    https://www.derbrutkasten.com/a/wexelerate-startet-bewerbungsphase-fuer-accelerator-programm/

    Da Wexelerate sicher global arbeitet, wird der österr. Steuerzahler wohl (bestenfalls) nur einen Bruchteil der investierten Steuergelder in Form von neuen Arbeitsplätzen zurückbekommen. Von den disruptierten Arbeitsplätzen mal ganz abgesehen.

    Eine weitere problematisch-unlautere (typisch österreichische??) Verfilzung – von Alexadra meisterlich aufgedröselt. Danke!

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      1. Ich sprach heute mit jemandem,der auch flüchtlingsarbeit macht und sagte,dass praktisch niemand flüchtling gemäss GFK ist. und das ein tabuthema ist…

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  2. Ein Startup ist nicht zwingend disrubitv. Disrubtiv ist ein Produkt oder eine Technologie.

    Was sagt UBER über ein Auto aus?

    Als damals vor langer Zeit die Gütergleicheit am Marktplatz wurde aufgehoben und Güter in Investitions (zinstragende) und Konsum(enten)güter wurden unterteilt orientierte man sich an der Preishierarchie und damit verbunden der Komplexität der Bereitstellung. Daraus ergaben sich 4 Klassen.

    a) Investitionsgut (Zinstragend, teuer)
    b) Konsumgut insbesondere Verbrauchsgüter als Teilmenge (Folgen exakt der Verwendung von Geld im Übergabemodell des Konsumenten nämlich der Abbildung des Verbrauchs, nicht zinstragend, da sie sonst in der der Logik Bereitstellungslinie übergibt an Konsumenten Verbrauch würden ausweiten. Der Pfusch ist ökonomisch genauso wertvoll)
    c) investitionsgleich Konsum(enten)güter (nicht zinstragend, teuer)
    d) konsum(enten)gleichen Investitionsgüter (Geringwertige Wirtschaftsgüter und Werkzeuge)

    Ein Gut das im Konsumenten wird übergeben wird dem Verbrauch ähnlicher und die Finanzierung im Rahmen des Einkommens (im Konsumenten, egal ob Haushalt oder Unternehmen) erfordert einen konstanten Cash Flow. Wenn sie das Auto nicht im Eigentum können verwahren, dann ist es weg wenn sie die Leasingrate in Ermangelung von Cash Flow nicht können leisten. Sonst brauchen sie halt mal ein Zeiterl allein zu tanken.

    Wenn nämlich ein Wirtschaftsraum aus der Krise (Verstaatlichtenkrise) herauswächst, dann immer auf Kosten von Wachstumspotential in der Zukunft. Bezogen auf den Wirtschaftsraum wächst die Menge überproportional zu den Verbrauchern. Deswegen sinkt die Kaufkraft der Einkommen für den bestehenden Product Mix und um Neues zu erwerben brauchen sie entweder Zinszuflüsse (Spareinlage) oder Kredit. Konsum(enten)kredit ist so eine Sache von der ich potentiell mal abrate in unseren Breitengraden.

    Egal. Aus der Logik der Maximierung folgt, dass sie ein Gut auf dem Weg am billigsten übergeben wird und alle anderen Güter auf Marktplätzen übergeben.

    Im Kapitalismus in der Marktwirtschaft übergibt die Bereitstellungslinie noch immer der Logik der Marktplatzes. Die Industrielinie übergibt an den Konsumenten in der umgekehrten Logik.

    Zu oder bis nach die Kreisky/Schmidt Zeit galt die Sicht, der Menschen stellt durch die Entnahme des Gutes aus dem Regal das Gut bereit und der Rohstoff wird entland der Industrielinie in die Quelle weggeworfen. Das wäre eher die nachfrageseitige Sicht. Sie beziehen nicht ‚ihr‘ Einkommen sondern bestenfalls irgendeins in gleicher Höhe aber entlang der Unterseite eines abwärtsgerichteten Tendkanals in dem ein Preis schwnakt. usw…

    Schauen wir uns Häuser an. Der Häuselbauer war ein Mensch der als Verbraucher ein Gut hat im Empfang genommen und durch den Kredit von der Bank hat er die Geldmenge im Konsumenten soweit ausgeweitet, sodass der auf einmal (damit der Vergleich einfacher wird), dass das Haus als Verbrauch übergeben bekommen.

    Die sog. Märkte geben zwar ein ähnliche Antwort sind aber Marktplätze mit eigenem Geld zumeist organisiert von Investmentbanken aufgesetzt sind. Deswegen haben auch die Banken im Privatkundengeschäft die Kredite gemakelt.

    Damit man in so einem Markt einen Zugriff auf Wohnraum bekommt muss man in der ‚Old Economy‘ (Konsum(enten)gesellschaft) Konsumentengeld (was wir als Geld bezeichnen) einen Kredit aufnehmen und das damit verbundene Geld in den Markt einbringen und dort die Geldmenge anreichern. Das hat man früher zwar auch gemacht, aber es versucht alles über Konsum(enten)geld abzubilden.

    Mit dem Kredit einher geht unternehmerisches Handeln (Abschätzung der Zeitpräferenz) oder eben Spareinlagen als akkumulierter Zinszufluss im Konsumenten gebildet aus potentiellem Konsum(enten)geld.

    Ein Startup beschäftigt sich zwar auch mit disruptiven Produkten, aber alle anderen müssen das genauso. Sonst besteht die Gefahr, dass jemand eine Idee aus den U.S. nimmt, geschuldet der Idee eher Güter die Industrielinen rückwärts übergeben zu können – falls überhaupt, um hier billiger zu werden als die Industrielinie unter Annahme der Maximierung könnte bereitstellen. Vorsicht ;). Die U.S. machen das in Richtung E.U. kaum …

    —-

    Jetzt kommen wir zum Auto. Güter aus c) werden als echte Investitionsgüter gebraucht und damit erwirkt der Verbraucher einen Zinszufluss.

    In Zukunft ist eher angedacht reinen (substantiellen) Verbrauch im Konsumenten zu übergeben. In dem Zusammenhang mischt die sich dem Verbrauch sich annähernde Gestalt der alten bis zur Dematerialisierung verkommenen Industrie- resp. Konsumentengüter mit einer Klasse neuer Güter.

    Das wird bei Häusern lustig. Wenn 50% 2 Häuser oder Wohnungen halten braucht es eine zusätzliche Verwendung AirBnB.

    Prinzipiell werden teure Gütern zu reinen Investitionsgütern, da im Konsumenten wieder Verbrauch wird abgebildet.

    Die beiden zuvor genannten Entwicklungen bedingen einander, da sie für die Finanzierung des Verbrauchs einen zusätzlichen Cash Flow brauchen. Jeder der Auto hat wird zum Taxler und alle anderen könnten vom Sharing profitieren oder wären darauf angewiesen. Eigentumsverwahrung wird zurückgedrängt. Mehr Netto braucht man klarerweise.

    In einem Marktplatz tauscht jeder mit jedem. Damit empfängt der Mensch in Zukunft wieder Güter die er oder sie braucht und kann gebrauchen und entscheidet nicht was er oder sie gedenkt zu konsumieren.

    Sie verantworten wieder mehr ihr Einkommen im Rahmen der direkten Kopplung von Güterbereitstellung und Verteilung und für das Verweilen auf einem Betriebsgelände gibt es halt sinkende Einkommen.

    New Economy im Stile der 90er (Monopole von den der Investment Punkt gerne spricht) sind auch Märkte mit eigenem Geld. Apple Geld, Google Geld, Bank Money (Sparkasssengeld, Raiffeisengeld) usw…

    Die Übergabe an den Konsumenten ist eher die dominierende Marktform ;).

    Die Aussage vom Herrn Kern, dass es keine Märkte mehr gäbe ist kühn betrachtet man sein Umfeld. Die Aussage war vermutlich eher der guten alten Idee geschuldet den Menschen im Marktmodell des Konsumenten zu halten und der Zwangsbemutterung zuzuführen. Das ist ‚der‘ Trick‘ jedes links oder rechts orientierten Sozialisten (SPÖ und ÖVP).

    Der Markt aus unserer Perspektive ist ein Illusion die dem Konsumenten wird aufgebaut (Investmentfond usw…). Der Trick ist die Verlagerung der Eigentumsverwahrung und der Übergabe als Verbrauch (Besitz).

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