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Und nun: Die grosse Kern-Show

Mehr als alle anderen Kandidaten setzt Christian Kern auf Privates, nach einem zum Vatertag präsentierten Video nun Interviews gemeinsam mit Ehefrau Eveline Steinberger-Kern. Dies klingt dann ähnlich wie bei sogenannten Stars, deren nach außen gezeigtes Bild aber oft genug nur Fassade ist. „Dieses Kern-Doppelinterview ist reine PR. Sowas spricht weder für die Kerns, noch für News“, postete Florian Klenk vom „Falter“ zur „News“-Titelgeschichte „Diese Kerns“. Nächste Woche gibt es dann  „Eine phänomenale Liebe!“ in voller Länge in Uschi Fellner-Pöttlers „look!“.  Beide Magazine sind bestrebt, ihr Kern-Doppelinterview als die absolute Ausnahme zu verkaufen –  wenn das nur keine Nachahmer auf den Plan ruft.

Im Grunde ist der Unterschied z.B. zu Schauspielerpaaren nicht so gross, denn auch sie bemühen sich, zugleich Normalität und Besonderheit zu vermitteln. Selbstverständlich ohne jede Konkurrenz, sondern in perfekter Partnerschaft auch bei engem Zeitkorsett. Dabei ist Eveline Steinberger-Kern eine Kanzlergattin, die mit dieser Bezeichnung nun überhaupt nichts anfangen kann, weil sie selbst beruflich erfolgreich ist. Dies passt zumindest oberflächlich zur Wahlkampflinie, die uns Frauenquoten, Frauenförderung und Gleichberechtigung verkauft – ungeachtet dessen, dass viele in der SPÖ immer noch ein Problem mit eigenständigen Frauen haben. Steinberger-Kern ist in der Start Up-Szene aktiv, die – wie sie feststellt – eher männerdominiert ist; dabei ist sicher nicht von Nachteil, dass Christian Kern gerne bei Start Up-Events auftritt und solche Unternehmen auch fördern will.

Cover von „News“

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„Karriere mit BH“ – wie das Bundesheer um Soldatinnen wirbt

Wer sich je fragte, wie Männer beschaffen sind, die sexistische Kalender oder Werbungen basteln, wende sich an das Verteidigungsministerium, denn dort sind entsprechende Geistesgrößen beschäftigt. Vor dem Girls‘ Day am 27. April wurde nämlich ein Inserat unter dem Titel „Karriere mit BH“ geschaltet. Männer, die aus dem Alter der Pimmelvergleiche und der schwülstigen Träume nie herausgekommen sind, dachten sich ein ungeheuer witziges Wortspiel mit der Abkürzung BH für Bundesheer aus.

Zunächst thematisierte dies Lucia Marjanovic in der NZZ, dann griffen es auch „Wienerin“ und „Standard“ auf. Binnen kurzem gab es 600 Postings im „Standard“, die meistens verkündeten, Frauen sollten doch nicht so zimperlich sein und sich durch so eine Lappalie herabgewürdigt fühlen. Diese Reaktionen erinnern aber an User z.B. beim „Standard“, die mit ihren Postings zum Frauenvolksbegehren vor 20 Jahren am besten begründeten, warum es doch so notwendig ist. Es scheint keine Zeit vergangen zu sein, was jene Bereiche betrifft, in denen Frauen selten sind und auch ihr Vorhandensein im allgemeinen Bewusstsein als Ausnahme und Anormalität betrachtet wird. Zwar gibt man sich – auf frischer Tat ertappt – im Verteidigungsministerium „zerknirscht“, doch Frauenverachtung ist beim Bundesheer Alltag.

Ausschnitt aus dem Inserat im Weekend-Magazin

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Game of Power

Es heisst, Frauen hätten die  Bundespräsidentenwahl entschieden, also bei der Frage den Ausschlag gegeben, welcher der beiden Männer das Rennen macht. Dass in Österreich manch eine politische Funktion noch nie von einer Frau übernommen wurde, wird durch Forderungen nach Quoten, vereinzelt Parteichefinnen, dem Getue um die neue „First Lady“, Frauen für Van der Bellen (und gegen Hofer) sowie mediale Debatten übertüncht.  Bislang gab es weder die Chefin einer Regierungspartei noch die Präsidentin, die Kanzlerin, die Verteidigungs- oder die Wirtschaftsministerin, auch keine ÖGB-Chefin oder Präsidentin von Arbeiter- oder Wirtschaftskammer.

Die Länderebene scheint Männerdomänen noch eher mal auf weiblich zumutbar, jedenfalls dann, wenn Schwierigkeiten zu bewältigen sind. Längst wurde auch feministisches Engagement so abgebogen, dass nicht mehr Raum erkämpft, sondern weibliche Dünnhäutigkeit im Sinne politisch korrekter Wortwahl kultiviert wird. Ein Meme zu Verteidigungsministerinnen und -ministern illustriert ganz gut, worum es gehen muss, denn als Grundlage wird ein Foto von vier Ministerinnen verwendet, die in verkrampfter, bescheidener, weg Raum beanspruchender Haltung dasitzen. Dieser Aspekt fällt jedoch den wenigsten auf, während viele sich über die Vorstellung lustig machen, dass Frauen an der Spitze eines solchen Ministeriums stehen können, haben sie doch keinen Wehrdienst abgeleistet.

defmininatoTwitterfund

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