Christian Kern ist Regenbogenkanzler

Am 18. Juni 2016 konnten die Gegensätze scheinbar nicht grösser sein: beim „Marsch für Jesus“ sprach Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), bei der Regenbogenparade hingegen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). Freilich verbindet zumindest einen Teil der jeweiligen BesucherInnen mehr denn je, da beide Seiten sich für schrankenlose Zuwanderung unter dem Deckmantel „Schutzsuchende“ aussprechen. Was viele „Schutzsuchende“ von Homosexualität und „Vielfalt“ halten, wird denen erst bewusst werden, die nicht dadurch gewarnt sind, dass nach den Übergriffen von Köln feministische Überzeugungen über Bord geworfen wurden.

Absolutes Highlight bei der Regenbogenparade war eine kurze Ansprache von Kanzler Kern, die von Christine Tauzher in „Heute“ so beschrieben wird: „Einen Kanzler, der in verwaschenen Jeans ohne Krawatte auf der Regenbogenparade zu den Massen spricht, der bejubelt wird wie ein Popstar, der lächelt, der sich freut, der keine leeren Floskeln herunterratscht, der frei spricht, der ohne mit der Wimper zu zucken ’schwul‘ und nicht ‚heterosexuell‘ sagt, der es beschämend findet, dass Schwule und Heteros nicht gleichgestellt sind und der das ändern will – einen solchen Kanzler gab es in Österreich noch nie.“ Und sie fügt hinzu: „Das Erstaunliche: Man nahm ihm jedes Wort ab. Es  klang echt und nicht so aufgesetzt und künstlich wie die Reden, die wir von Werner Faymann gewohnt waren –  ganz abgesehen davon hätte sich Kerns Vorgänger nie auf eine derartige Veranstaltung verirrt.

aufderparade

SPÖ auf Facebook

Kern verirrte sich nicht, er stand selbstbewusst auf der Bühne und sprach den Menschen, die zu seinen Füßen jubelten, aus dem Herzen. Wenn man Kern so zuschaut, wie sympathisch und locker er auftritt,  fragt man sich, warum kein Kanzler vor ihm auf die Idee gekommen ist, einer von uns sein zu wollen. Oder zumindest so zu tun.  Das kommt total gut ab.“ Tatsächlich hätte Faymann selbst in Jeans auf der Bühne etwas deplatziert gewirkt, wird er doch als eher konservativ beschrieben, was seine Vorstellung von Familie betrifft. Während am 19. Juni die „Krone Bunt“ auf dem Titelbild „Unsere neue First Lady – Eveline Kern: Mutter, Managerin & Kanzlergattin“ auf dem Roller zeigte, befassten sich andere Medien (siehe etwa der „Standard„) vor allem mit Christian Kerns Auftritt  bei der Parade.

kern2016

Kern auf Facebook

Der „Kurier“ („meistgeklickt diese Stunde“, Sonntag Nachmittag) berichtete unter dem Titel „Bunt-christliches Fernduell: Kern gegen Kurz“, über „zwei Welten: Kanzler spricht zu Homosexuellen, Außenminister marschiert für Jesus mit“. Dabei hatte Kern eindeutig mehr Publikum, auch wenn man nicht genau sagen kann, wie viele Personen zur Parade gekommen sind; insgesamt werden es an die 100 bis 130.000 gewesen sein. Hingegen war der „Marsch für Jesus“ u.a. mit Kardinal Schönborn überschaubar bei rund 10.000 TeilnehmerInnen. Erwähnenswert ist auch, dass der designisierte Bundesratspräsident Mario Lindner (SPÖ) die Parade zum Anlass nahm, sich im Vorfeld zu outen. Laut „Kurier“ jubelte er über Kerns Teilnahme und meinte, dies sei „wichtig für das Miteinander in unserem Land“. Es heisst, Kurz‘ Besuch beim „Marsch“ sei am 6. Juni fixiert worden, während Kern drei Tage später puncto Pride nachgezogen hat.

kernatparade

Twitterlink zum „Kurier“

„Das gab es noch nie: Kanzler Kern: starke Rede vor Schwulen und Lesben“ meldete die „Kronen Zeitung“ auf ihrer Webseite samt Kurzvideo. „Für mich ist es beschämend, dass wir heute keine vollständige Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in Österreich haben“, sagte der Kanzler etwa. „Ich kann euch versprechen, in mir habt ihr einen Bündnispartner, wir werden alles daran setzen, dass dieser elende Zustand endlich aufhört.“ In einer Bildergalerie sehen wir Kern zum Beispiel in einem Rahmen mit zwei Männern, auf dem „We are Orlando“ steht. Freilich ist Kern nicht gegen, sondern für weitere Masseneinwanderung aus muslimischen Ländern mit vorsintflutlicher Einstellung zur Homosexualität. Aber gegen und für „Homophobie“ zu sein, ist in einer instrumentalisierten politischen Szene überhaupt kein Problem.

rep

Kern auf der Bühne (auf Facebook)

Seit Längerem sind die Regenbogenparaden auch gut auf Video dokumentiert, sodass man sich ein Bild davon machen kann, was gleich geblieben ist und was sich verändert hat. Hier sehen wir die Parade 2011, hier 2012, dies ist 2013 (ein Beitrag der Wiener Linien), das 2014, dies 2015, und von heuer gibt es diese Aufnahme, diese und diesediese (mit Kern). Auch der „Marsch für Jesus“, wie die Parade kein österreichisches Phänomen, hinterlässt Spuren auf Youtube, man findet etwa einen Eintrag mit Video von 1992 in Berlin (und den Marsch in Wien 2016 hier). Manchen wird es paradox erscheinen, dass FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der am Tag vor der Parade zum „Patriotischen Frühling“ (mit Marine Le Pen) rief, auch gegen Homophobie Stellung bezog. Andererseits hat Facebook (bzw. die deutsche Zensurstelle) den Account von Gaystream gesperrt, weil dieses Portal nicht auf Linie ist.

schochzukurz

Laura Schoch, brave SJlerin, arbeitet bei den Kinderfreunden

Aktuell greift Gaystream eine n-tv Reportage darüber auf, wie schwule Flüchtlinge von anderen misshandelt und bedroht werden, was den politisch korrekten Apologeten der „Vielfalt“ wohl auch nicht gefallen wird. Und anders als bei uns artikulieren sich in den USA verstärkt Homosexuelle, die nicht in die „linke“ Ecke passen, sondern konservativ sind. Die Opfer von Orlando sind Bevölkerungsquerschnitt mit starker Hispanic-Komponente, und man kann erahnen, dass sie sich politisch kaum engagiert haben, sondern mit ihrem Alltag von ausgelastet waren, wenn man die hier verlinkten Facebook-Profile anklickt. Mit anderen Worten kann es jede und jeden erwischen, es hat nichts damit zu tun, wie man lebt, was man tut und was nicht.

kernkurz

Tweet, zu dem Kern verlinkt

Der erste verpartnerte Parteichef Österreichs war übrigens bei einer „rechten“ Partei, Gerald Grosz beim aus der FPÖ hervorgegangenen BZÖ. Die Reaktionen waren durchweg positiv, sagte er damals, weil die Menschen viel toleranter sind, als man ihnen zutraut. In der „Wiener Zeitung“ waren er und Partner Thomas Grosz-Rauchenberger vor ein paar Wochen Thema, weil sie für Norbert Hofer bzw. Alexander Van der Bellen stimmten: „Gerald und Thomas haben die Diskussion über die Hofburg-Wahl einfach ausgespart. ‚Wenn sich bei zwei Meinungen, die sich nicht verändern lassen, kein Kompromiss abzeichnet, braucht man auch nicht darüber reden‘, sagt Gerald, der von 2013 bis 2015 Bundesobmann des BZÖ war. Das habe man zum Wohle der Beziehung so gehalten, sagt der nunmehrige Wirtschaftsberater aus Graz. ‚Es hätte auch keinen Sinn gehabt‘, sagt Thomas, der bei der Stadt Graz arbeitet.

duzdarparade

Staatssekretärin Muna Duzdar auf Facebook

‚Wir haben beide unsere unverrückbaren Ansichten, gerade bei der Bundespräsidentenwahl.‘ Zu einer Diskrepanz sei es dennoch nicht gekommen: ‚Unsere Beziehung hat auch nicht mit einer Parlamentsrede von Gerald begonnen‘, sagt Thomas. ‚Politik hat nicht den Stellenwert bei uns wie man vielleicht von außen glauben mag.'“ Ebenfalls aus der „blauen Ecke“ kommt „Gay Cop“ Josef Hosp, seit Jahren aktiv und trotz viel Bewusstseinsarbeit immer noch der einzige offen schwule Polizist in Vorarlberg. Als die Gay Cops Austria im Herbst 2015 im Wiener Café Berg eine Studie über Gewalt und Mobbing gegen LGBT präsentierten, kritisierte er, dass viele Menschen ihn und andere immer noch auf das Sexuelle reduzieren. Alle Gay Prides ändern  nichts an zählebigen Vorurteilen, unter denen besonders junge Menschen leiden, wie Mails von Cops, aber auch Rekruten an die Gay Cops zeigen. Was die Politik betrifft, meinte er später vor dem Regenbogenball in Wien, dass man schon merkt, wem es wirklich ein Anliegen ist und wer dabei ist, weil es zur eigenen Rolle dazugehört.

oberhauserregenbogen

Kurzzeitiges Facebook-Profilbild von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser

Wohin die Reise geht, wissen aber gerade schwule und lesbische PolizistInnen und SoldatInnen, wenn sie mit der sogenannten Flüchtlingskrise zu tun haben. Daher wird es sie nicht überraschen, wenn weitgehend ignorierte Erfahrungen und Erkenntnisse über Diskriminierung nur dann eine Rolle spielen, wenn man „einheimische“ Taten dazu benutzen kann, muslimische Männer reinzuwaschen – so verhält man sich ja auch, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht. Instrumentalisierte Organisationen wie „Grüne Andersrum“ oder „SoHo“ lassen sich gegen Russland ebenso benutzen wie dazu, nach Orlando falsche Schlüsse zu ziehen (hier stellt Glenn Greenwald solche Mechanismen dar). Es geht ja auch nicht darum, „Vielfalt“ in dem Sinn zu leben, dass jede/r privat tut, was sie/er will, andere in Ruhe lässt und in Ruhe gelassen wird. Welche Agenda durchgezogen wird, sieht man anhand der unter massivem Polizeischutz durchgezogenen Parade in Kiew mit „Prominenz“ u.a. von den Grünen, während zu gleich echte Neonazis aufmarschierten.

kernparade

Werbung der SoHo auf Facebook

Vor dem CIA-Putsch hatte die Ukraine eine lebendige Szene: „Das große Paradox ist: Es gab vor dem Maidan in Kiew eine funktionierende queere Infrastruktur.  Es gab Bars und Kneipen. Wenn ich den Berichten meiner ukrainischer Freunde Glauben schenken darf, war alles auf einem guten Weg, hin zu mehr Freiheit, langsam aber stetig. Es gab ganz viele funktionierende Infrastrukturen, denn die Ukraine war ein funktionierender Staat. Diese Infrastruktur wurde durch die vom Westen betriebenen politischen Entwicklungen in der Ukraine zerstört. Die Ukraine ist weit zurückgefallen. Ökonomisch, politisch, freiheitlich. Dass was Harms da tut, wird diese Rückständigkeit manifestieren. Man muss sich nur einen Augenblick hinein.“ Letzteres ist eine Anspielung auf die Teilnahme der gelernten Landschaftsgärtnerin Rebecca Harms an der Pride, die als Fraktionsvorsitzende der Grünen im EU-Parlament eine der NATO-Scharfmacherinnen ist und direkte Demokratie ablehnt.

haendchenhalten

Wien wirbt für „Vielfalt“

Dass die SoHo gemeinsam mit der US-Botschafterin um die Opfer von Orlando trauerte, hilft sowohl die roten Schwulen, Lesben und Co. einzuordnen als auch Kerns angeblich so neuen Stil mit einer Staatssekretärin Duzdar. Dort, wo niemand sagen würde „ich bin heterosexuell und gehe in die Kirche“, um allzu schrille Bekenntnisse einmal umzudrehen, wird bereits die Rute der Neuwahlen nicht nur der ÖVP, sondern auch Kern ins Fenster gestellt. Ministerin Oberhauser, die nach der Pride in der „Pressestunde“ war, bezeichnete dies prompt als „Hineinzündeln“, sprach aber auch davon, dass sich bei ihr im Ressort nichts ändern wird, also kein neuer Stil oder neuer Deal stattfindet. In den Beliebtheitswerten liegt der in sozialen Medien sehr präsente Kern gerade noch vor Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (16% Kern, 15% Doskozil beim APA/OGM-Vertrauensindex). Bei einer medial gelobten Rede im Parlament gegen FPÖ-Chef Strache als Kampfansage an den „Rechtspopulismus“ bezog er sich dauernd auf Doskozil, der inzwischen eine Einigung mit Ungarn trotz viel an von anderen zerschlagenem Porzellan zuwege gebracht hat.

profilbildkern

Neues Facebook-Banner von Kanzler Kern

Manchen ist Kern bereits zu cool und Vergleiche mit dem Minister of Sllly Walks der Monty Python’s fallen inzwischen auch Hans Rauscher vom „Standard“ ein. Dort holt man allerdings auch Andi Babler aus der Versenkung und lässt ihn nochmal die Rolle des Parteirebellen spielen, der jetzt nichts mehr zu kritisieren (melden?) hat. Freilich macht die Rede bei der Parade einen aufrichtigen, nicht eingelernten Eindruck, mit „Ich bin Bundeskanzler und auf der Regenbogenparade, na und?“ angelehnt an „Ich bin schwul, na und?“. Auch ohne politisches Handeln kann man als Kanzler punkten, indem man sich von der FPÖ abgrenzt, was Kern mittlerweile in internationalen Interviews tut: „Speaking to the Guardian, Poland’s Gazeta Wyborcza, France’s Le Monde and Germany’s Süddeutsche Zeitung, Kern said that a British exit from the EU would lead to ‚enormous economic upheaval and a shift in the continent’s political balance‘. He added: ‚Especially when it comes to foreign policy, Great Britain is an extremely important partner.'“ Damit passt er ganz gut ins transatlantische Konzept, zu dem ja auch die Aufspaltung der Bevölkerungen in x-Geschlechter gehört, um Solidarität, Identität und Widerstandsbereitschaft zu schwächen, indem Menschen pausenlos vorgeschrieben wird, wie sie zu denken und andere zu sehen haben.

6 Gedanken zu “Christian Kern ist Regenbogenkanzler

  1. wieder fantastisch, ihr artikel, wie recht sie damit doch immer haben, sooo vielen reichts und wir werden immer mehr, die die schnauze gestrichen voll haben. heute die lunacek im zentrum: mehr dummheit geht scho fast nimmer, was die gutmenschin von sich gibt.., einfach zum kotzen.

    Gefällt mir

    1. danke🙂 und was lunacek betrifft, hab ich sie noch nicht angesehen, der link zur tv-thek ist bei mir in der warteschlange… ich bring es nicht über mich…. lunacek und alle anderen sollen meinetwegen lesbisch, schwul, was auch immer sein, aber nicht die agenda der zerstörung unserer staaten mittragen; das wird dann ja als „offenheit“ und „toleranz“ verkauft…

      Gefällt mir

      1. … ich bring es nicht über mich…. Es ist wirklich nervenschonender, wenn man sich dasZentrum spart – sowie meistens. Ich war jedenfalls einem Tobsuchtsanfall nahe wg.Lunacek. Dazu noch Timmermans („Monokulturelle Staaten sollten ausradiert werden“) !!! Aber Kurz ist mit ihm per Du; er muß höllisch aufpassen, daß er nicht auch in diese parallele Gutmensch-Welt abgleitet. Er hat in Bezug auf die Russland-Sanktionen einen reichlich kindisch-naiven Kommentar geliefert, gut, er ist ja noch jung. Sonst hat er in gewohnter Manier faktenbezogen gesprochen. Sulik: Vernünftig wie immer.

        Gefällt mir

      2. Du hast recht, Kurz versucht, es allen rechtzumachen… das sieht man auch daran, dass er am Samstag mit Schönborn „für Jesus“ marschiert ist; meinetwegen soll Kurz für Jesus sein, die Alternative Regenbogenparade ist ja nicht Pflicht, nur: Schönborn verrät doch auch die Christen selbst!

        Gefällt mir

  2. Der zweite SPÖsen Kanzler, seit der Bruno Kreisky Aera, der weiß, wie man sich bei Zeiten (absolute?) Mehrheiten sichert. Jeder natürlich der Zeit und den Gegebenheiten entsprechend. Bravo !

    Wenn also 2018 alle Wahlberechtigten, welche außerhalb der sowieso bloß vermeintlichen Mehrheit sexuell veranlagt sind, Herrn Neo-Kanzler Kern wählen, blieben nach meinen, wenn auch unbedeutenden, Einschätzungen nach, nicht mehr genug Wählerpotential übrig, um wenigstens 5% der Wählerstimmen mit der doch eher zu ultrakonservativen FPÖ zu verknüpfen😉

    mfg, Otto Just

    Kurz versucht, es allen rechtzumachen… das sieht man auch daran, dass er am Samstag mit Schönborn „für Jesus“ marschiert ist

    Für JESUS zu marschieren, um symbolisch unsere Christlich-Abendländischen Werte zu verteidigen, ist immer ein Gewinn, schnurz egal, ob mit oder ohne Schönborn😉

    mfg, Otto Just

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s