Bundespräsidentenwahl: How low can you go?

Seit neuestem wissen wir, dass Kandidat Alexander Van der Bellen als starker Raucher über eine „herrliche Lunge“ verfügt und für ihn das Lied „Nehmen’S an Alten“ neu getextet wurde. Konkurrent Norbert Hofer hat kein Personenkomitee, sondern zieht mit FPÖ-Unterstützung durchs Land, besucht Kirtage wie es neuerdings auch Van der Bellen tut. Mit der Aktion „I bin a Hofer“ will die FPÖ Rückhalt aus der Bevölkerung sichtbar machen, auf den sie bislang immer wieder verwiesen hat.

„Durchs Land“ muss man wörtlich nehmen, wie Agitation der „Zeit“ zeigt: „In ganz Europa werden abgelegene Landstriche vernachlässigt. Nun ballt sich in den verödeten Regionen Österreichs, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands die Rechte zusammen und fordert die etablierten Parteien heraus – so wie jetzt bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern.“ Wenn Van der Bellen aber Dialekt spricht (siehe Video) und bei der Airpower in Zeltweg auftaucht oder Tracht trägt, geht es darum, Vorstellungen der bisherigen Wählerklientel über den Haufen zu werfen. Damit steht er für alles und nichts, was seine treuesten Fans bereits verunsichert, da sie ihn schlecht beraten sehen.

Initiativen für Van der Bellen lassen sich in größeren Städten leichter auf die Beine stellen als am Land, wo jetzt aber anders als bei den bisherigen Wahlgängen eifrig Plakate an Masten befestigt werden. Allerdings findet das Meiste im Netz statt, einschließlich heftiger persönlicher Auseinandersetzungen der AnhängerInnen von Hofer und Van der Bellen. Selbst Menschen mit deutlicher Präferenz für einen der Kandidaten waren froh, als der Wahlkampf im Sommer Pause machte.

Im Frühjahr gab es „Gemeinsam für Van der Bellen“ als Personenkomitee mit den „üblichen“ mehr oder minder prominenten Namen, die bisher eher für die SPÖ warben. Seitens der SozialdemokratInnen bzw. deren Wahlkampfteam wurde es aber nicht als besorgniserregend betrachtet für den eigenen Kandidaten Rudolf Hundstorfer, der dann den Einzug in die Stichwahl deutlich verfehlte.Nun kommt „Es bleibt dabei“ dazu, wiederum eine angeblich unabhängige Initiative, bei der manche Namen von „Gemeinsam für Van der Bellen“ bekannt vorkommen. Wahlkampfleiter bzw. Sprecher der Gruppe haben früher für den Mainstream gearbeitet: Michael Kerbler beim ORF und Erhard Stackl beim „Standard“ (heute gibt er „Das jüdische Echo“ heraus und ist Herausgebervertreter beim entwicklungspolitischen „Südwind“).

Van der Bellen für einen Staat Europa

Dass Stackl mit „Heimatfimmel“ wenig anfangen kann, passt zur Linie seines Kandidaten, der gegen Nationalstaatlichkeit und für einen „Staat Europa“ ist (der bloß ein Zwischenschritt in der Agenda der Globalisten ist).  Als ehemaliger Außenpolitik-Redakteur ist er genau auf dem Kurs, der auch Bellen und Co. vorgegeben wird, wie man am Vorwurf der „Moskauorientierung“ in Richtung Hofer sehen kann, weil dieser das CIA-Projekt Europäische Union kritisiert. Freilich wirken Hofer und seine Partei oft ungeschickt, weil sie nicht mehr aus ihrer Positionierung herausholen, nicht dabei anknüpfen, dass immer mehr Menschen Van der Bellen das Bekenntnis zu Österreich nicht abnehmen.

Dass „Es bleibt dabei“ keineswegs unabhängig ist, sondern vom Wiener Magistrat und damit von der SPÖ profitiert, ist hier gut dargestellt. An der im Impressum angegebenen Adresse Rathausstraße 20 in Wien findet man übrigens alles Mögliche wie die leerstehenden sicher sehr repräsentativen Räumlichkeiten einer Privatbank, nur eben keine Van der Bellen-Initiative. Dafür hat „Es bleibt dabei“ aber kreative ProtagonistInnen, die „Nehmens an Alten“ auf Bellen umgedichtet haben: „Die 130.000er Reichweite dieser Seite ist erreicht. Dank dafür geht unter anderem an Agnes Palmisano und Paul Gulda. Ihr wunderbares Video für VdB wurde bereits 750 mal geteilt und bisher von 22.500 Menschen aufgerufen.

Das Original, hier von Bianca Bachmann interpretiert

Agnes Palmisano: ‚Nehmens an Alten darf eigentlich in keinem meiner Konzerte fehlen. Die Assoziation und Aktualisierung drängte sich quasi auf. Offenbar auch beim Mitbegründer der Initiative ES BLEIBT DABEI Michael Kerbler, der mich zur gleichen Zeit darauf angesprochen hat, als ich mir die ersten diesbezüglichen Gedanken machte. Dank der Mithilfe von Stefan Slupetzky und Paul Gulda ergab eins das andere. Danke auch an das wunderbare Team um Helene Maimann für Aufnahme, Ton und Schnitt‘,“ lesen wir auf der Van der Bellen for President-Facebook-Seite.

Mittlerweile wurde der Clip siehe unten auch auf Youtube gestellt, mit verhaltenen Kommentaren und in etwa gleich viel positiven wie negativen Bewertungen. Nicht von ungefähr verwirrt manche, dass ein Lied herangezogen wurde, in dem Frauen satirisch nahelegt wird, sich einen alten Mann zu angeln. Es klingt daher wie eine Aufforderung, mit dem Kandidaten ins Bett zu steigen, heisst es in einer Reaktion. Sarkastisch könnte man anmerken, dass Van der Bellen aus der Perspektive seiner rund 20 Jahre jüngeren Ehefrau Doris Schmidauer ja auch tatsächlich alt ist, sie also nach dem Motto „Nehmens‘ an Alten“ vorgegangen ist.

Und dies ist die Parodie

Charakteristisch in dieser Phase des Wahlkampfes ist, dass zahlreiche Fans nicht mehr erkennen, was nach hinten losgeht oder was selbstentlarvend ist, da sie alles unterschiedslos gut finden, wo ihr Idol auftritt oder was diesem helfen soll. Dazu gehört auch eine Petition unter dem Titel „Ärzte und Gesundheitsberufe für Van der Bellen“, initiiert vom Krebsspezialisten Christoph Zielinski, der Van der Bellen kürzlich bescheinigt hat, als starker Raucher über „eine herrliche Lunge“ zu verfügen. Im Text lesen wir u.a.: „Haltung und Menschlichkeit sind nicht nur in Medizin und Gesundheitsberufen gefragt. Sie braucht es auch in der Politik. Daher unterstützen wir Alexander Van der Bellen. Uns Ärztinnen und Ärzten und in Gesundheitsberufen Aktiven, liegt das Wohlbefinden der Menschen besonders am Herzen. Wir wissen, dass das gesellschaftliche Klima dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Freiheit, Gerechtigkeit und gegenseitiger Respekt sind Fundamente unserer Gesellschaft. Es ist heute wichtiger denn je aktiv für unsere Grundwerte einzutreten und sie auch gegenüber jenen zu verteidigen, die sie in Frage stellen oder untergraben.“ Freilich haben Zielinski und Co. ein breites Betätigungsfeld, wenn sie gegen schwarze Schafe in den eigenen Reihen vorgehen, aber so war das ja nicht gemeint mit Freiheit, Gerechtigkeit und Grundwerten. In erster Linie richten sich derartige Appelle an jene Menschen, die allen Ernstes meinen, man könne einem anderen Bewerber auf diese Weise absprechen, selbst etwas mit Freiheit, Gerechtigkeit und Werten am Hut zu haben. Denn gerade bei einem Amt, das von der Verfassung her viele Möglichkeiten bietet, muss es um konkrete Aussagen des Bewerbers, aber auch seiner UnterstützerInnen gehen.

„Bürgerinitiative“ Es bleibt dabei

Diverse „Persönlichkeiten“ aus Politik, Wissenschaft, Medien, Kunst, Kultur verbindet das Unterstützen einer transatlantischen / globalistischen Agenda, bei der kein Bundespräsident für Österreich das Ziel ist, sondern die Auflösung von Nationalstaaten. Dabei sind einige willentlich und wissentlich Komplizen, während andere schlicht ohne nachzudenken dem Mainstream folgen. Dagegen verblaßt der Vorwurf an Norbert Hofer, einer Burschenschaft anzugehören, die als „deutschnational“ eingestuft wird, denn Bezug zu Deutschland ist immer noch etwas ganz anderes als die eigene Staatlichkeit auf dem Altar von George Soros und Co. zu opfern. Doch diese nüchterne Debatte findet kaum statt, weil leicht verbal eskaliert werden kann und sich auf beiden Seiten auch Leute äußern, die lieber denken sollten, ehe sie posten.

Was auch immer besonders böse oder perfide ist oder aber bedrohlich erscheint, wird dann vom Mainstream per Berichterstattung verstärkt. Beide Bewerber haben mittlerweile Polizeischutz, der nach der Wahl für den Gewinner dann Alltag werden wird. Nicht unspannend ist ein Interview, das Rudi Fußi für „News“ mit Van der Bellen führt; laut Redaktion sollten es Streitgespräche auch mit Hofer werden. Doch dieser spielt nicht mit, weil Fußi ihn beständig in den sozialen Medien attackiert hat: „Es tut mir persönlich sehr leid, dass ich keinen Beitrag leisten kann, um Herrn Fußi aus seiner ‚augenscheinlichen Bedeutungslosigkeit‘ ins journalistische Rampenlicht zu heben. Fußis Darstellung zu diesem Streitgespräch ist völlig falsch, denn ich habe den Chef von NEWS.at, Sebastian Krause, lediglich mitgeteilt, dass wir gerne ein Gespräch mit NEWS.at führen würden, wenn NEWS uns einen Gesprächspartner zur Verfügung stellt, der zu Norbert Hofer in einem gleichen Verhältnis steht, wie Fußi zum Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen“, sagt Wahlkampfleiter Herbert Kickl.

Persiflage des Hofer-Wahlkampfes

Man habe bei „News“ auch vollstes Verständnis für diese Entscheidung gehabt, sagt die FPÖ. Daher bleibt es vorerst bei Folge 1 von „Rudi will streiten“, in der Van der Bellen bereits zu Beginn klarstellt, dass er der FPÖ niemals einen Regierungsbildungsauftrag geben würde. Das ist zwar nicht neu, sollte aber doch wieder in Erinnerung gerufen werden, weil sich so die Begeisterung vieler in der SPÖ für Van der Bellen zumindest teilweise erklärt. Denn Christian Kern kann damit auch dann Kanzler bleiben, wenn SPÖ und ÖVP den Vorsprung der FPÖ in Umfragen bei der nächsten Wahl nicht einholen. Deshalb wird der Wiener Bürgermeister Michael Häupl auch auf Plakaten für Van der Bellen werben, deswegen rennen rote Basisleute, und deswegen gestaltet die Unternehmerin Eveline Steinberger-Kern einen Abend für den Kandidaten, bei dem auch ihr Gatte auftreten wird.

Aus der Sicht der SPÖ müssten aber die Alarmglocken läuten, weil man für einen Bewerber mobilisieren soll, den nicht die eigene Partei stellt, und weil dieser Kandidat jener der transatlantischen, globalistischen Agenda ist, also gerade nicht österreichischer Bundespräsident gemäß Bundesverfassung werden soll(te). Und man sollte sich „Nehmens an Alten“ noch einmal genau anhören: hier wird spöttisch beschrieben, wie sich Männer leicht über den Tisch ziehen lassen, wenn sie von Jüngeren ausgetrickst werden. Es sollte jede Wählerin, jeder Wähler selbst beurteilen, wie fit und aktiv ihnen Van der Bellen vorkommt, und sie könnten sich fragen, ob er einen Auftritt hinlegen könnte, wie ihn Hillary Clinton beim Parteitag der DemokratInnen im Juli hatte. Anbetracht von Statements, die nur Minuten dauern, die ohne Journalistenfragen absolviert werden, könnte man sich fragen, warum in den USA „Hillarys health“ so heftig diskutiert wird, hier aber die Behauptung genügt, dass Bellens Lunge so „herrlich“ sei (wie inzwischen auch auf T-Shirts zu lesen ist).

Die FPÖ mit ihrer bewährten Linie

Wenig originell sind Plakate der FPÖ, weil man hier nur mit etwas anderem Design eine Abwandlung des Gewohnten sieht. Aber wer hat hier das Bedürfnis, die Fahne im Hintergrund im Photoshop zu verfremden? Bei Van der Bellen vor rot-weiß-roter Fahne meinen viele, dass man diese in Auflösung zeigen müsste, um die massiven Desinformationen zu entlarven, die einen Österreich-Bezug des Kandidaten suggerieren. Umfragen zufolge wird es ein knappes Rennen, was wir ja schon von der Stichwahl kennen, die vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurde. Das scheint erstaunlich, da der Mainstream für Van der Bellen wirbt und die Hofer-Leute nur Aktionen wie „I bin a Hofer“ aufbieten können, bei denen man sagt, was einem oder einer wichtig ist, und sich dann mit Hofer-Maske filmt.

Aber kommt es überhaupt zur Wiederholung der Stichwahl am 2. Oktober? Ein Anwalt will zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen, weil er in der Aufhebung des Wahlgangs durch den Verfassungsgerichtshof eine Verletzung seiner Rechte sieht. Dies passt gut zum VfGH-Bashing in diversen Medien, wie es seit zwei Monaten betrieben wird. Es ist auch kein Zufall, dass PolitikerInnen etwa aus den Reihen von Grünen und SPÖ darin einstimmen. Am 4.September befasste sich die Titelgeschichte der „Kronen Zeitung“ mit fehlerhaften Wahlkarten, die das Innenministerium versandt hat; inzwischen wird  beruhigt, dass man alles bis zum Wahltermin in vier Wochen in Ordnung bringen wird.

Nach der Stichwahl und vor deren Anfechtung auf CNN

CNN-Propaganda zeigt uns, wie wir die Kandidaten und die Wahl einzuschätzen haben. Die FPÖ sei nach dem Krieg von Nazis gegründet worden, die ja in anderen Parteien nicht vorkamen und die auch so überhaupt nicht von den USA gefördert wurden. Man denke eta an die deutsche NSU und die Rolle des von den Amerikanern gegründeten Verfassungsschutzes oder des rechten Gladio-Terrors in Europa. Moderatorin Amanpour lobt Österreich als eines der ersten Länder, die letztes Jahr „refugees“ willkommen geheién haben, vergisst aber natürlich den Hinweis auf die Rolle von Medien, NGOs und US-Stiftungen wie jenen des George Soros bei der illegalen Masseneinwanderung zur Destabilisierung Europas.

Die britisch-iranische Journalistin Amanpour ist geradezu ein klassisches Beispiel für „embedded journalism“, war sie doch immer vorne dabei, wenn Kriegsvorwände gesucht und gefunden wurde, beginnend 1990/91 in Kuwait und im Irak (Ehemann Jack Rubin arbeitete zu Bill Clintons Zeiten im US-Außenministerium). Van der Bellen ist also der Kandidat transatlantischer Seilschaften, deren Ziel ein „One World Government“ ist, dem Nationalstaaten im Weg stehen, die man am besten durch Einwanderung destabilisiert was auch für die USA selbst gilt). Bellen-Fans müssen sich darüber klar werden, dass alle Errungenschaften, denen sie ihre vergleichsweise komfortable gesellschaftliche Position verdanken, Geschichte sein werden, wenn dieser Plan Erfolg hat. Und die Hofer-Leute sind oft tatsächlich zu sehr auf ihr persönliche Situation fixiert, sodass sie nicht begreifen, wie viel auf dem Spiel steht und dass die Grünen, deren Chef Van der Bellen war, instrumentalisiert sind.

2 Gedanken zu “Bundespräsidentenwahl: How low can you go?

  1. Ich möchte ihnen mal ein Dankeschön für die tolle investigative Arbeit aussprechen.
    Das Problem heutzutage ist, dass viele Menschen keine Medienkompetenz besitzen.
    Die vor allem internetaffine jüngere Generation hat durch eine im Internet stattfindene Medienrevolution die Möglichkeit, ein breiteres Angebot an Medien zu konsumieren und ist meiner Ansicht nach auch viel kritischer eingestellt als der Rest.
    Der transatlantisch wohlwollend berichtende Einheitsbrei („Mainstream“) ist mittlerweile unerträglich und zu Ende gedacht kommt einem die Welt wie ein großes Irrenhaus vor. Das Schlimme ist, dass man für ÖR-Sender gezwungen wird, eine Abgabe zu zahlen (man bezahlt somit für Propaganda, und genaugenommen für den eigenen Untergang).

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    1. Danke sehr; genau für solche Leserinnen und Leser schreibe ich, denn wie Sie sagen, hapert es bei der Medienkompetenz. Für viele ist das breite Angebot an Medien auch im Netz einfach viel zu viel, d.h. sie verwirrt eher, was für andere Aha-Erlebnis und Aufklärung ist…

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