Hans Peter Doskozil, Minister ohne Empathie

Dass als Spitze des Eisbergs ein Rekrut an Überhitzung nach einem Marsch starb, ist für den Verteidigungsminister nur ein „Vorfall“, wie er in der Zeit im Bild 2 im Interview mit Armin Wolf sagte. „Oje, sehr schlechtes Krisenmanagement und Kommunikation von #Doskozil. Nun wirklich rücktrittsreif“, postete dazu ein User auf Twitter. Oder dies: „ technisch, macht die . Gute Krisenkommunikation sieht anders aus.“ Manche werfen die Frage auf, ob Leute in der SPÖ Doskozil abmontieren; dies ist eine Antwort darauf: „Mit dem heutigen Auftreten hat sich jedenfalls der nächste interne Putsch, diesmal gegen Kern, erledigt. Tote in Friedenszeiten, unfassbar!“ Zuerst konnte man Doskozil im Mittagsjournal hören: es sei „ein sehr unangenehmer Fall“, bei dem ein Soldat „gesundheitlich in Mitleidenschaft gezogen“ wurde – „der ist tot! „, meint ein User auf Twitter dazu.

Doskozils technokratisches Gerede von „lückenloser Aufklärung“ und „Sonderkommission“ (nicht eine, sogar zwei!) kann nicht mehr verbergen, dass der Minister ohne jede Empathie ist. Er bekommt gerade noch Situationen in den Griff, wo er eine Auszeichnung überreichen oder ein paar Hände schütteln kann, jedoch nichts, wo Menschlichkeit gefragt ist. Dass er gefühllos ist, haben zuvor nicht viele mitbekommen, auch weil er – freilich vor allem auf dem Rücken seiner Vorgänger – gute Presse hatte und scheinbar auch einiges angepackt hat. Sinnlose Schinderei und Schikanen sind beim Bundesheer ein Endlosthema, aber auch Doskozil nicht wichtig genug, um Ausbilder zu feuern, die Rekruten quälen und demütigen. Damit wir uns richtig verstehen: nicht dass ihn berührt, wie manche immer noch mit ihnen anvertrauten jungen Männern umgehen, sondern unter dem Aspekt seiner weiteren Karriere. Schliesslich ist er als Landeshauptmann des Burgenlandes im Gespräch oder als Vizekanzler, wenn Christian Kern bei der Wahl nicht Erster wird.

Tweets zur ZiB 2

Doskozil meinte wohl, puncto Option Burgenland den Landesrat und Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos aus dem Weg räumen zu müssen (S**** auf den Landeshauptmann, das ist sowieso keine Option für diesen!). Dabei schien er mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, als er mit dem US-Agenten Peter Pilz bei einer Klage (mittels US-Anwaltskanzlei) gegen Airbus wegen der Eurofighter an einem Strang zog und es zur Uńterstützung wieder einen U-Ausschuss gab. Freilich ist es nur zu durchsichtig, dass hier die europäische Industrie im Visier ist, und es ist nicht sehr schlau, einen Hersteller zu klagen, auf den man nach wie vor angewiesen ist. Was den Ausschuss betrifft, sollte dieser nicht nur Munition für das angestrebte Verfahren liefern, sondern auch Darabos wegen des 2007 geschlossenen Vergleichs mit EADS opfern. Dabei sprachen Zeugen immer wieder an, dass Darabos via Kabinettschef Kammerhofer abgeschottet wurde, also sein Amt nicht wie vorgesehen ausüben konnte. Exakt diesen Zustand habe ich unter Schikanen bis zum Wohnungsverlust immer wieder beschrieben.

Doskozil deckte dies alles (dankenswerterweise kann man fast sagen) auch wenige Tage vor Darabos‘ Ladung in den U-Ausschuss am 1. Juni 2017, da ich ihn bei einer Veranstaltung im Burgenland darauf ansprach und er gewohnt eiskalt reagierte. Da Kammerhofer „beurlaubt“ wurde, als Doskozil Minister wurde, meint Doskozil allen Ernstes, dass jedweder angerichtete Schaden das Problem der Geschädigten ist. Also weit und breit keine „lückenlose Aufklärung“, wie er sie jetzt verspricht (bei den EF war der Terminus „volle Kooperation“ mit dem Ausschuss und ein Märchen), sondern vollständiges Zudecken. Wenn Doskozil auftritt, kann man feststellen, dass er vielleicht 30 Sekunden rein übers Bundesheer spricht und dann schon bei Assistenzleistungen und schliesslich bei der Polizei ist. Wie soll so ein Mensch begreifen, was es für Eltern bedeutet, Angst vor den Erfahrungen ihrer Söhne beim Bundesheer haben zu müssen?

Als der burgenländische Künstler Peter Wagner für sein Stück „71 oder der Fluch der Primzahl“ über die 71 toten Flüchtlinge, die im Sommer 2015 in einem LKW in Parndorf gefunden wurden, mit dem früheren Polizeichef Doskozil reden wollte, wurde er immer wieder versetzt. Einmal wartete er im Verteidigungsministerium mehrere Stunden und ging dann, weil Doskozil den Termin nicht einhielt. Er konnte den Minister zwar dann in einem Beisl in Oberwart ansprechen, aber das war nicht das Interview, welches er eigentlich geplant hatte. Als Autor (wie auch als Journalist/in) arbeitet man dann eben mit dem, was vorhanden ist bzw. was man recherchieren kann. Es fragt sich aber, wo das Problem dabei war, über diese für Doskozils Karriere als Wendepunkt wirkende Tragödie zu sprechen. Wäre es wieder um Empathie gegangen, die sogar dann präsent ist, wenn Bekannte von an den Ermittlungen beteiligten Polizisten deren Worte im Stil von: „so etwas Schreckliches habe ich noch nie gesehen“ wiedergeben?
Mit Empathielosigkeit wird Doskozil auch als Wahlkämpfer nicht weit kommen, wenn sich die SPÖ auf die soziale Frage konzentriert. Schliesslich kosten nicht nur Inserate wie das oben abgebildete eine Menge Geld, auch die Klage gegen Airbus kommt uns in mehrfacher Hinsicht teuer zu stehen. Und wenn am 6. August 2017 noch zu lesen war, dass eine Mehrheit Doskozil für den besseren Innenminister hält, wird die Kurzlebigkeit von Schlagzeilen daran deutlich, dass der Minister jetzt nur mehr mit dem toten Rekruten in Verbindung gebracht wird. Es ist eine Mogelpackung, wenn er verspricht, dass die Ausbildung durchleuchtet wird, wenn fatale und ewiggestrige Vorstellungen von Mann und Soldat sein ihn bislang nicht interessiert haben. Dies gilt übrigens auch für den Bundespräsidenten und Oberbefehlshaber Alexander Van der Bellen, der Probleme im Bereich der Einstellung nicht wahrhaben will. Bevor man SPÖ-Intrigen gegen Doskozil vermutet, sei auf die Demontage anderer scheinbarer Pilz-Verbündeter, nämlich der Grünen verwiesen. Außerdem scheitert jede gefühllose Person an Situationen, wo man Betroffenheit nicht simulieren kann.
PS:  Wie hier beschrieben, suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich (und hoffentlich auch Athos, der seit einigen Tagen verschwunden ist) ein neues Quartier, wo wir uns von alldem erholen können und wo ich dann wieder neue Kräfte schöpfe und aus den bisherigen Erfahrungen etwas Neues entsteht. Vor allem möchte ich die Ruhe haben, einmal um Verlorenes und Vergangenes trauern zu können, denn das war bisher nicht möglich. Doskozil findet es übrigens lustig, dass ich wegen der Machenschaften von Kammerhofer und Co. in dieser Lage bin. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)
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6 Gedanken zu “Hans Peter Doskozil, Minister ohne Empathie

  1. Nun ja, Typen wie der sind in die Politik gegangen weil sie eben wenig Charakter haben und sich dort also ganz wohl fühlen.
    Natürlich wurden die in langen Jahren derart geschliffen das sie keine Ecken und Kanten mehr haben.
    Darum findet Doskozil nicht die richtigen Worte, ja finden sie diese eben allesamt nicht mehr, ebenso Ferkel, Schulz und Co.
    Die leben nach den langen Jahren nicht mehr in unserer Realität, können die nicht mehr fühlen.

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    1. allerdings scheitern sie dann, wenn wirkliche betroffenheit angesagt ist – und dass niemand vom dienst freigestellt wird, weil das angeblich eine vorverurteilung sei, empört zusätzlich.

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  2. Natürlich, dass ist es ja auch, warum ich das Pack in unseren Länderspitzen so verachte.
    Die tun nie das was angebracht wäre.
    Nein, die versuchen aus alter Gewohnheit immer es allen recht zu machen, nur den geringsten Widerstand zu gehen.
    Konsens muss erreicht werden, aber Konsens ist auch ein Gift wenn man ihn als Untätigkeit wahrnimmt, …….die Menge macht es aus.

    Wie in meinen anderen Kommentaren gesagt, ……..7.5 km mit Marchgepäck, auch wenns heiss ist, das ist ganz normales Soldatenfutter.
    Aber sollte es dabei 10 oder gar 20 Ausfälle gegeben wie im den Zeitungen beschrieben, was dann faktisch an die 2 Züge in einer Kompagnie von meist 5 Zügen sind, also dann sollte man erst mal einen Stopp veranlassen.
    Da bin ich ihrer Meinung.

    Klar kommt da nun nichts angesichts des Charakters dieser Nichtsnutze wie Doskozil.
    So ein Stopp wäre meiner Meinung nach keine Vorverurteilung, sondern nur der Marschhalt zu Klärung der Umstände.

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  3. Auch hier in der Schweiz sind Politiker wie ihr Doskozil mittlerweile der Standard.

    Tja, die weichen allem aus, sie wollen lieber in EU Gremien untereinander Wohlfühlkuscheln und am Volk vorbei etwas beschliessen.
    Denn das Volk ist für die Mittlerweile nur noch ein Ärgernis.
    Wie schön wäre das leben als Politiker ohne das ständige Fragen und die lästigen Wahlen.

    Die Demokratie in Europa ist zu einer gefährdeten Spezies geworden.
    Hier in der Schweiz haben wir Instrumente ( Referendum und Initiative ) um sie zu stoppen, aber dazu muss das Volk erst mal begreifen was gespielt wird.
    Und eben das den uninteressierten zu vermitteln ist sehr schwierig.

    In meiner Familie sehe ich das ständig. Unsere Jungen sind in der Finanzkrise aufgewachsen und kennen gar nichts anderes, die nehmen das ganze nicht mehr Ernst.
    Sie wollen davon nichts mehr hören.
    Und eben da setzen die Defätisten in unseren Parlamenten an, am Desinteresse welches ihnen so manches leicht macht.
    Und sogar Volksinitiativen werden hier in der Schweiz inzwischen ausgehebelt.

    Aber das werden wir auch noch in den Griff bekommen, unsere „Oberen“ unters Volk zwingen, Links aus dem Bundesrat werfen.
    https://www.novo-argumente.com/artikel/die_schweizer_volksveraechter

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    Für Österreich kann es trotzdem nur einen Weg geben, den zu den selben Volksrechten der direkten Demokratie wie wir sie schon haben.
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