Tod eines Rekruten: Minister Doskozils „lückenlose Aufklärung“

Seit bekannt wurde, dass ein Rekrut als Folge von Überhitzung nach einem Marsch starb, gehen die Wogen hoch. Der „Falter“ wird mit Schilderungen von Schikanen beim Bundesheer überschwemmt, während die „Kronen Zeitung“ beschwichtigen will. Dabei spielt auch ein Schreiben eine Rolle, das drei Rekruten verfasst haben sollen. Freilich wird auch z.B. im Forum des „Standard“ von Quälereien, Demütigungen, Hitzekollapsen,  Erfrierungen, Nierenschäden und toten Soldaten berichtet. 41 Detailfragen einer parlamentarischen Anfrage der Grünen weist Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil als pietätlosen Wahlkampf auf dem Rücken eines Toten zurück. Wenn er aber „lückenlose Aufklärung“ verspricht, hat das erfahrungsgemäss mehr mit „Lügen los“ zu tun, wie man etwa in der Causa Eurofighter sieht.

Dort lässt er sich vor den Karren von US-Rüstungsinteressen spannen und versprach dem U-Ausschuss lückenlose d.h. volle Kooperation, enthielt ihm aber alles vor, was mit Druck auf Ex-Minister Norbert Darabos zu tun hatte. Jetzt wird auch angekündigt, dass  sich eine eigens gebildete Sonderkommission alle relevanten Ausbildungsvorschriften ansieht und auf das Beschwerdewesen verwiesen. Freilich gab es schon Minister – z.B. Doskozils Vorgänger Gerald Klug -, für die Soldaten, die sich beschwerten, in die Kategorie „Spinner“ fielen. Doskozil sah sich wohl schon als rote Hoffnung im Wahlkampf, da seine Beliebtheitswerte vor jenen von Spitzenkandidat Bundeskanzler Christian Kern liegen. Doch die Debatte ist losgetreten, wobei sie sich auch um den Unterschied zwischen zumutbaren Belastungen und reiner Schinderei dreht und so manch sadistisches Verhalten von Unteroffizieren zutage tritt.

Aus dem „Falter“: Aussagen des Vaters eines Rekruten

In den Foren ist auch davon die Rede, wie bei der Stellung jene jungen Männer behandelt werden, die doch lieber Zivildienst machen wollen.xEs ist nicht so lange her, dass Vertreter wehrpolitischer Vereine Zivis als „Drückeberger“ bezeichneten, was sie im Übrigen daran hinderte, Druck auf Minister Darabos zu erkennen, an dessen 1988 geleistetem Zivildienst sie sich hochzogen. Wer auch nur peripher Gender-Debatten mitbekommen hat (sinnvolle, nicht ums Binnen-I), weiss. dass traditionelle Vorstellungen vom Mann oder Frau Sein gerade beim Bundesheer langlebig sind. Bei einem Männeranteil von rund 97 % ist das auch kein Wunder, zumal Frauen jedwede Unternehmenskultur erst ab einem Anteil von etwa 30 % verändern. Nun kann Doskozil zwar selbst nichts mit weiblicher Kompetenz anfangen, hat aber immerhin die Dohnal-Weggefährtin Irmtraut Karlsson mit der (ehrenamtlichen) Entwicklung von Frauenfördermaßnahmen beauftragt.

Welch jenseitige Vorstellungen vom Mann und Soldat Sein viele nach wie vor pflegen und jeden neuen Einrückungsjahrgang spüren lassen, war dabei nicht Thema, obwohl das Problem auch im Interesse von Männern angepackt werden müsste. Mit der Úntersuchung von Ausbildungsrichtlinien kommt man dem nicht bei, da es seit Jahren notorische Einheiten gibt, über die von Betroffenen und von denen berichtet wird, die zum Glück andere Vorgesetzte haben. Mit einer Wem bei 40 Grad in der Sonne schwindlig wird, ist ein Weichei-Einstellung, sexuell erniedrigender Sprache und sinnloser Schinderei wird inszeniert, was man auch als falsches Männlichkeitskonzept verstehen kann. Offenbar ist Doskozil als Ex-Polizist (und Spitze der Befehlskette) nicht in der Lage, dies auch schon präventiv zu erkennen. Ein Hohn auch, was er heute im Mittagsjournal sagte: es sei „ein sehr unangenehmer Fall“, bei dem ein Soldat „gesundheitlich in Mitleidenschaft gezogen“ – wurde – „der ist tot! „, meint ein User auf Twitter dazu. Auf einer anderen Ebene, nämlich bei Fragen der Sicherheitspolitik und Verteidigung, war ich mit antiquierten Vorstellungen bei Offizieren konfrontiert und hätte meine Erfahrungen gerne dem Minister mitgeteilt, der aber vollkommen abblockte.

PS: Das Emanzipations-Schneckentempo beim Heer illustriert die Ernennung von Andrea Leitgeb zum Brigadier (unterster Generalsrang); sie war darin die erste Frau und auch die erste, der ein Kommando übertragen wurde (mit der Sanitätsschule das kleinste). Die Berichterstattung bemühte traditionelle Klischees, indem die kinderlose Ärztin als „Mami“ bezeichnet wurde, die „weibliche Note“ ihres Büros mit Pflanzen erwähnt wurde und dass sie sich schminkt und kocht. Bei einem General undenkbar wäre die Frage, wovor er sich fürchtet und wann er weint.

PPS:  Wie hier beschrieben, suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich (und hoffentlich auch Athos, der seit einigen Tagen verschwunden ist) ein neues Quartier, wo wir uns von alldem erholen können und wo ich dann wieder neue Kräfte schöpfe und aus den bisherigen Erfahrungen etwas Neues entsteht. Vor allem möchte ich die Ruhe haben, einmal um Verlorenes und Vergangenes trauern zu können, denn das war bisher nicht möglich. Doskozil findet es übrigens lustig, dass ich wegen der Machenschaften von Kammerhofer und Co. in dieser Lage bin. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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