Geheimdienste realistisch betrachtet

„Versagen der Geheimdienste“ kritisieren die einen, „schon wieder eine False Flag“ behaupten die anderen – so stehen sich verkürzt gesagt die Lager Mainstream und Alternativmedien gegenüber. Dabei muss zunächst einmal geklärt werden, wie Geheimdienste arbeiten, weil sich die Vorstellungen darüber zwischen NSA-Überwachung und neuem James Bond-Film bewegen.

Dass Wikipedia keineswegs unparteiisch ist, sollte bekannt sein; dennoch sei auf die knappen Definitionen unterschiedlicher Geheimdienstbegriffe verwiesen, damit wir wissen, wovon überhaupt die Rede ist. Im alternativen Bereich wird in der aktuellen Debatte manchmal von „Strategie der Spannung“ verwendet:

„Die Werkzeuge sind illegale, meist gewaltsame Mittel wie Terroranschläge, Morde, Entführungen, paramilitärische Operationen, ferner psychologische Kriegführung und wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen, außerdem das Schüren von Unruhen und die zielgerichtete Eskalation von ursprünglich gewaltlosen Konflikten durch Agents Provocateurs. Diese werden typischerweise unter falscher Flagge und in Kombination mit der Verbreitung von Falschinformationen angewendet, um die Urheberschaft einem unbeteiligten Dritten anzulasten. Im Fall von auf diese Weise durch Staatsorgane inszenierten oder geförderten Terroranschlägen wird auch von Staatsterrorismus gesprochen.“ (1)

Der Begriff stammt aus der italienischen Erfahrung mit Terror, der schliesslich den Namen „Gladio“ erhielt und inzwischen Synonym für ähnliche Operationen in anderen Staaten westlich des Eisernen Vorhangs ist. Gladio ist eine klassische „False Flag“, die wiederum dem Bereich „verdeckte  Operationen“ zugeordnet wird: „According to the U.S. Department of Defense Dictionary of Military and Associated Terms, a covert operation (also as CoveOps or covert ops) is ‚an operation that is so planned and executed as to conceal the identity of or permit plausible denial by the sponsor.‘ It is intended to create a political effect which can have implications in the military, intelligence or law enforcement arenas. Covert operations aim to fulfill their mission objectives without any parties knowing who sponsored or carried out the operation….Covert operations may include sabotage, assassinations, support for coups d’état, or support for subversion. Tactics include the use of a false flag or front group.“ (2)

Im deutschen Sprachgebrauch wird „verdeckte Operation“ verwendet, während man im Englischen zwischen „covert“ und „clandestine“ unterscheidet: „A clandestine operation is an intelligence or military operation carried out in such a way that the operation goes unnoticed by the general population. The United States Department of Defense Dictionary of Military and Associated Terms (Joint Publication JP1-02, dated 5 January 2007) defines ‚clandestine operation‘ as ‚An operation sponsored or conducted by governmental departments or agencies in such a way as to assure secrecy or concealment. A clandestine operation differs from a covert operation in that emphasis is placed on concealment of the operation rather than on concealment of the identity of the sponsor. In special operations, an activity may be both covert and clandestine and may focus equally on operational considerations and intelligence-related activities.‘ (JP 3-05.1).“ (3)

„Clandestine“ bedeutet versteckt, „covert“ hingegen, dass man die Operation leugnen kann, erläutert Wikipedia. Mit anderen Worten erkennt im einen Fall auch die Öffentlichkeit, dass etwas vor sich geht (und erst recht andere Geheimdienste), ordnet es jedoch vollkommen falsch ein; wenn „clandestin“ operiert wird, erkennt im Idealfall nimmt, dass überhaupt etwas vor sich geht, das nicht ohne gezielte Einflussnahme geschieht. Die erwähnte „front group“ kann eine extra geschaffene Tarnorganisation sein, etwa eine Firma; der Begriff wird aber auch verwendet, wenn z.B. NGOs über Geheimdiensten vorgelagerte Stiftungen und Sponsoren finanziert und dirigiert oder von vornherein für einen verdeckten Zweck gegründet werden. (4)

In der Berichterstattung über auf Edward Snowden basierende Enthüllungen über die Arbeitsweise der NSA geht unter, dass „signals intelligence“ nur einen Teil der Geheimdiensttätigkeit ausmacht und gar keine Spionage im eigentlichen Sinn ist, nur zu dieser beiträgt, die aber auf „human intelligence“ basiert. Außerdem hat Snowden auch für die CIA gearbeitet und erklärte in einem Interview, dass er dies in einer Tarnfirma unter falscher Identität in der Schweiz getan hat  – also in einer „front“ als „non official cover“.

„In espionage, agents under non-official cover (NOC) are operatives who assume covert roles in organizations without ties to the government for which they work“, teilt uns Wikipedia mit. Abseits aller Hollywood-Actionfilme bedeutet dies im Extremfall, dass solche AgentInnen sich keineswegs heldenhaft aus Gefahr freikämpfen, sondern – wenn sie enttarnt werden – in manchen Ländern mit dem Leben bezahlen. Wer verdeckt arbeitet, braucht eine glaubwürdige Legende, muss also Situationen in seiner Rolle auch ausgeliefert und auf sich gestellt sein. Alle Geheimdienste verfügen über Personal, das mit der Tarnung eines anderen plausiblen Berufs operiert, nicht immer auch mit Tarnnamen oder in speziell geschaffenen Tarnunternehmen tätig ist.

Dann gibt es noch die „black operation“: „A black operation or black op is a covert operation by a government, a government agency, or a military organization. This can include activities by private companies or groups. Key features of a black operation are that it is clandestine and it is not attributable to the organization carrying it out.The main difference between a black operation and one that is merely clandestine is that a black operation involves a significant degree of deception, to conceal who is behind it or to make it appear that some other entity is responsible (‚false flag‘ operations).“ (6)

Der Filmemacher Dirk Pohlmann befasst sich seit 2003 mit Geheimdiensten, als er in einer Fliegerzeitschrift auf einen Artikel stieß, wonach es im Kalten Krieg geheime Flüge in den Ostblock gab, die über Wiesbaden abgewickelt wurden. Seine Neugier war geweckt, er recherchierte in Wiesbaden, fand heraus, welche Bedeutung diese Stadt geheimdienstlich hat, und drehte eine Dokumentation über das Projekt „Wild Cherry“. (7) 2015 sendete „Arte“ seine Doku „Täuschung- Die Methode Reagan“, in der es auch um eine „black operation“ gegen die schwedische Regierung ging. (8)

Kaum war die Regierung Palme wieder im Amt, tauchten vermeintlich russische U-Boote vor der Küste auf; sofort sprangen natürlich auch die Medien darauf an, es wurden U-Boot-Jagden veranstaltet. Dies sollte Palmes Entspannungspolitik unterminieren, wobei auch Teile der Marine involviert waren, basierend auf „Navy to Navy“-Gespräche, wie Ex-US-Verteidigungsminister Weinberger in Pohlmanns Film sagte. Marineoffiziere glaubten, Palme sei in Wahrheit ein Handlanger der Sowjets, und es wurde ihnen auch weisgemacht, obwohl sie hätten wissen müssen, dass Palme beim Prager Frühling auf der Seite der tschechischen Bevölkerung war und Solidarnosc in Polen unterstützte. Auffallen hätte aber auch müssen, dass die Russen ein tatsächlich in Schweden gestrandetes, auf einer Felseninsel aufgelaufenes U-Boot unbedingt zurückhaben wollten; bei diesen U-Booten aber meinten, Schweden solle sie ruhig zerstören. (9)

Es fällt auf, dass jene AutorInnen, die sich seit Jahren mit Geheimdiensten befassen, bei Paris nicht in die“False Flag“-Rufe einstimmen. Dies gilt auch für Mathias Bröckers, der in einem aktuellen Interview von einem „Anschlag in klassischer Form“ spricht. (10) Manfred Petritsch, der als „Freeman“ auf der Webseite „Alles Schall und Rauch“ bloggt, vergleicht auf seiner Seite und in einem Videointerview Kennzeichen von „false flags“ mit den Anschlägen von Paris. (11) Er wirft jenen vor, die wegen eines gefundenen syrischen Passes sofort „false flag“ rufen, dass sie genauso agieren wie von ihnen geschmähte Leute im Mainstream.

Es ist nicht kriminalistisch, nicht jeden einzelnen Fall genau zu prüfen, sondern zu sagen, das kennen wir doch schon, aha, deshalb muss es so gewesen sein. Petritsch zeigt auf, dass bei einer „false flag“ die Täter phantomhaft agieren, Schemen sind, die ihre Gesichter nicht zeigen; sie verschwinden, während sich die Jagd nach den Tätern auf Dummies konzentriert. Hier aber sind die Täter diejenigen, die sich in die Luft sprengen, die sich töten oder die in Auseinandersetzungen mit der Polizei getötet werden. In der Bataclan-Konzerthalle haben die Menschen ihre Gesichter gesehen und betonen dies auch in Interviews.

Was diese Halle betrifft, fanden dort immer wieder Solidaritätsveranstaltungen für die israelischen Streitkräfte statt; deswegen sind die Besitzer auch immer wieder bedroht worden. Im September ha haben sie den Veranstaltungssaal schliesslich verkauft, um nach Israel zu ziehen. (12) Am Morgen des Attentats wurden Sicherheitsbeauftragte der französischen jüdischen Gemeinde informiert, es bestehe im Lande die „starke Möglichkeit“ eines bevorstehenden grossen Terrorangriffs. (13) Außerdem gab es am 13. November eine Notfallübung im Norden von Paris, ausgehend von der Annahme, dass mehrere Anschläge zugleich stattfinden. (14)

In seinem Blog beschreibt Petritsch die Abläufe beim Reichstagsbrand und beim Überfall auf den Sender Gleiwitz, beides typische „false flags“, die mit falscher medialer Darstellung einhergingen: „Beide Ereignisse sind klassische Operationen unter falscher Flagge. Man greift sich selber mit Profis an, stellt einen unschuldigen Sündenbock als Täter propagandistisch hin, und benutzt den Angriff, um unmittelbar eigene Verbrechen zu rechtfertigen, wie die Einführung des Polizeistaates und einen Angriffskrieg. So ist Paris aber nicht abgelaufen. Die Personen, welche die Terroranschläge verübt haben, sind auch diejenigen, die als Täter genannt werden. Also ist Paris keine False Flag, sondern ein echte Operation durch islamistische Terroristen, die zum Teil als Flüchtlinge getarnt von Syrien nach Europa gelangten. Wer behauptet, Paris wäre eine False Flag, sagt damit, es gibt keine Terroristen, sondern die Anschläge haben eigene französische Sondereinheiten durchgeführt, die sich als Terroristen nur verkleidet haben. Anschliessend haben sie sich aber selber getötet. Ist doch absurd! “ (15)

Will man ernsthaft annehmen, junge Männer, die in Syrien kämpften, haben keine Kampferfahrung und könnten nicht mit Waffen umgehen? Dies hält auch Petritsch allen entgegen, die im „false flag“-Muster denken wollen oder die sich jetzt darüber streiten, ob der erwähnte Pass nicht doch ein entsprechender Hinweis sein kann, da man den Weg des Passes genau zurückverfolgen kann. „Obwohl zur Zeit alles darauf hinweist, dass jeder einzelne Angreifer bei den Attacken in Paris europäischer Bürger mit einem Reisepass eines Mitgliedsstaats der Europäischen Union war, heizte der Fund eines syrischen Reisepasses an einem der Tatorte heftige Reaktionen gegen Flüchtlinge in aller Welt an, darunter hektische Aktivität von US-Governors, die heftig gegen syrische Flüchtlinge durchgreifen wollen“, heisst es in einem von Antikrieg.com übernommenen Artikel von Jason Ditz. (16)

Der Inhaber des Passes sei ein syrischer Soldat, der loyal zum Assad-Regime steht, schreibt Ditz und verweist auf Deutschland: „Laut dem deutschen Innenminister Thomas de Maiziere war das wahrscheinlich kein Zufall, und der Pass war wahrscheinlich eine Operation unter falscher Flagge mit dem Ziel, Angst vor den Flüchtlingen anzuheizen. Sie scheint gewirkt zu haben.“ Die Plattform „Friedensblick“ meint, einer der Terroristen war Flüchtling, daher fragt sich, ob mit diesen Anschlägen nicht Spannung im Sinn der „Strategie der Spannung“ erzeugt werden soll. (17) Manfred Petritsch sagt im Interview, dass der „große Gewinner“ Putin sei, dessen Vorgehen gegen den IS nun auch von den USA unterstützt werden muss, zumal er die Financiers des Islamischen Staates bei den G20 offenlegte.

Es heisst jedenfalls, dass Obama sich Kooperation mit Russland vorstellen kann, wenn die Russen den IS und nicht die „Rebellen“ bombardieren. Im ORF wird betont, dass man zusammenarbeite und dass dies auch für amerikanische und europäische Geheimdienste gilt. Man zeichnet wie üblich ein sympathisches Bild von Obama, der alle paar Monate ein Veteranenspital besuche, wo so viele verstümmelte junge Frauen und Männner aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan liegen. Er wolle keine weiteren toten und verletzten US-Soldaten, wird erklärt – ohne zu erwähnen, dass es auch verdeckte Kriegsführung gibt und dass dafür andere Menschen den Preis  bezahlen. (18) Außerdem nehmen die USA auch weiterhin kaum syrische Flüchtlinge auf – junge Männer machen nur rund 2% aus, während vor allem Kinder und Leute über 60 – in sehr geringem Ausmaß – willkommen sind.

„Die schrecklichen Attacken am Freitag in Paris haben wie vorhersehbar zu viel Überreaktion und Forderungen geführt, noch mehr von genau den Dingen zu tun, die Menschen radikalisieren und in ihnen den Wunsch wecken, uns zu attackieren. Das französische Militär verlor keine Zeit und bombardierte Syrien als Vergeltung für die Attacken, obwohl unbekannt ist, woher die Angreifer stammten. Tausende ISIS-Kämpfer in Syrien sind keine Syrer, sondern kamen aus einer Reihe von Ländern nach Syrien, um die Regierung Assad zu stürzen – darunter aus Frankreich und aus den Vereinigten Staaten von Amerika“, schreibt der Kritiker amerikanischer Geopolitik Ron Paul. (19)

Er bringt das Dilemma auf den Punkt, das immer dann auftaucht, wenn man sich bis zu einem gewissen Grad des Terrors bedient: „Weil die USA und ihre Alliierten im wesentlichen auf der gleichen Seite stehen wie ISIS und andere Gruppen – nämlich den Sturz Assads erreichen wollen – sind viele der Waffen, die sie den mehr ‚gemäßigten‘ Fraktionen geschickt haben, die ebenfalls den Sturz Assads suchen, in den Händen radikaler Gruppierungen gelandet. Gemäßigte Fraktionen haben sich mit radikaleren Gruppen die ganze Zeit über zusammengetan, wobei sie ihre von den USA beigesteuerten Ausbildungen und Waffen mitbrachten.“ Dabei lernten sie natürlich auch immer besser, mit Waffen umzugehen und wurden zugleich von den USA immer besser ausgestattet, wie Paul kritisiert.

Bei einer Diskussion kürzlich in Wien meinte ein Experte aus Deutschland, dass Radikalisierung in Europa via soziale Medien und Netzwerke sehr rasch gehen kann und auch junge Menschen erfasst, die keinerlei Bezug zum Islam oder zum Nahen Osten haben. (20) Die Erwartungen an Geheimdienste sind „viel zu hoch“, zitiert der „Kurier“ den Grazer Wissenschafter Siegfried Beer. Der Artikel beginnt mit diesen Feststellungen: „Alle hatten es geahnt, hatten Hinweise, dass in Frankreich ein großer Terroranschlag droht: US-Geheimdienste, die Paris vor rund zwei Wochen warnten, dass die Kommunikation zwischen IS-Kämpfern in Syrien und Adressen in Frankreich auffällig zugenommen habe. Und auch der irakische Geheimdienst hatte sich vor Kurzem in Frankreich gemeldet: 24 Personen würden sich auf einen großen Angriff in Paris vorbereiten, 19 davon für den Anschlag, die anderen fünf seien mit der dafür notwendigen Logistik und Planung beschäftigt.“ (21)

Auch in Frankreich war man nicht untätig: „Nur zwei Tage vor den verheerenden Attentaten des vergangenen Freitags, die 132 Menschen das Leben kosteten, verkündete Frankreichs Innenminister Cazeneuve die rechtzeitige Verhaftung eines 25-jährigen Dschihadisten. Dieser hatte einen Anschlag auf eine militärische Einrichtung der Marine in Toulouse geplant. Und doch, so warnte Cazeneuve erneut, bleibe die Terrorgefahr in Frankreich hoch.“ Beinahe alle Beteiligten hatten (auch wenn Belgien ein Zentrum des Terrorismus zu sein scheint) Akten mit dem Vermerk „s“ für „surveillance“.

Beer meint, „die französischen Dienste sind nicht schlecht“, sie arbeiteten seit Charlie Hebdo permanent auf höchster Stufe. Kritisiert werden sie von Israel, weil sie „offenbar nicht mitbekommen, dass die Terrormiliz Islamischer Staat in den vergangenen Monaten ihre Strategie gewechselt hat“, so ein Experte in der „FAZ“. Er wirft ihnen vor, dass sie auf „einsame Wölfe“ fixiert haben, statt eine größere Aktion für möglich zu halten.
„Nach einer genauen Analyse wird man wissen, was schiefgelaufen ist. Und vor allem wird man herausfinden müssen, wie es den Attentätern gelungen ist, in ihrer Kommunikation aus dem Belauschungsfeld der Geheimdienste herauszukommen“, sagt Beer dazu.

Der Experte traut sich nie, bei den Amerikanern anzustreifen, sodass man sich fragen muss, warum er die ohnehin absurde Anforderung zurückweist, dass Dienste „jeden potenziellen Gefährder 24 Stunden lang über das ganze Jahr hindurch beobachten und belauschen“ müssten: „Berechnungen haben ergeben: Für eine zu beobachtende Person wären 30 Sicherheitsleute notwendig.“ 10.500 Personen haben „s“-Akten, macht 315.000 Geheimdienst-Bedienstete, rechnen Beer und der „Kurier“ vor.

Willy Wimmer stellt die Frage in einem Kommentar andersrum, indem er wissen möchte, warum Deutschland von der Migrationswelle so sehr überrascht wurde: „Wenn der BND im amerikanischen Auftrag nicht so damit beschäftigt gewesen wäre, uns Deutsche auszuspionieren, hätten der BND und die Cocktail-Brigade des Auswärtigen Amtes vermutlich aus ihren Einsatzgebieten schon früher etwas melden können. So hat uns die nach eigenem Eingeständnis informierte Regierung sehenden Auges in eine Lage gebracht, dass sich Hunderttausende Menschen im Land aufhalten, von denen niemand etwas weiß. Man muss sich doch derzeit in Europa und der Welt umsehen, um zu wissen, welche Konsequenzen das hat. Merkel will den Terrorismus bekämpfen, den sie selbst vor unsere Haustüren geführt hat.“ (22)

In der Gratis-Tageszeitung „Heute“ fragt Chefredakteur Christian Nusser am 18. November, was Geheimdienste eigentlich so tun. Durchaus berechtigt, denn er registriert, dass die vorgegaukelte Welt eines James Bond halt doch nur fiktiv ist. Umfangreiche Überwachung ist ihm bewusst, und er möchte wissen, wozu das alles, wenn „die Dienste“ ihre Erkenntnisse über potenzielle Terroristen nicht weitergeben, sodass Polizisten in Oberösterreich einen der Täter  vor zwei Monaten bei einer Verkehrskontrolle weiterfahren ließen. Nusser stellt auch fest, dass das Gefühl der Sicherheit weg sei, weil „es“ jederzeit und überall wieder passieren kann. Da müsste es ihm aber auch um die Rolle der Medien gehen, sein eigenes Blatt eingeschlossen, das am 19. November wie die Konkurrenz „Österreich“ von einem identifizierten „Terror-Paten“ spricht, was Geschichte und Hintergründe von IS, Al Qaida und Co. ausblendet.

Der Ankündigung zufolge im Wesentlichen auf „signals intelligence“ reduziert ist eine Veranstaltung der Österreichischen Computer Gesellschaft am 26. November in Wien. (23) Dabei wird auf ein neues Papier der EU-Grundrechteagentur Bezug genommen, die am Symposium teilnehmen wird. (24) Worum es aber gehen muss, illustriert ein Artikel des australischen Journalisten John Pilger über den vergessenen Putsch gegen den sozialdemokratischen Premierminister Gough Whitlam im Jahr 1975. Dieser Politiker war CIA und MI6 ein Dorn im Auge, und so infiltrierten sie Parteien und Gewerkschaften und bedienten sich des Generalgouverneurs, den sie als „unser Mann Kerry“ bezeichneten – man erinnere sich an „our guy Jaz“ der US-Vizeaußenministerin Nuland 2014 über den ukrainischen Premier Jazenjuk. (25)

Manfred Petritschs Warnung vor Verallgemeinerungen gilt selbstverständlich nicht nur für unsere Sicht auf Terror, sondern auch für die Einschätzung jener AkteurInnen, mit denen wir es z.B. in der Politik und in den Medien zu tun haben. Falsche Erklärungen, die etwa der Situation nicht Rechnung tragen, in der sich einzelne PolitikerInnen befinden, dienen nicht dem Widerstand gegen Diktate von außen, sondern unterstützen sie, weil so keine Alternativen angeboten werden. Genauso verhält es sich mit Panikmache, oder wenn man andere Töne nicht zur Kenntnis nehmen will, die es manchmal in Medien gibt. Anders gesagt geht es immer darum, ob man die Täuschung (auch unfreiwillig) unterstützt oder den Schleier herunterreißt, damit wahrhaftig gehandelt werden kann.

Das Beispiel Australien, aber auch Schweden zeigt, dass öffentliche Meinung generiert wird, indem Personen Vorgaben machen, die wissen, was sie tun – doch zugleich laufen ungleich mehr Leute diesen nach, ohne zu realisieren, dass sie manipuliert werden. Eine Debatte über Geheimdienste müsste daher bedeuten, die Frage zu stellen, warum unsere Dienste dagegen nicht vorgehen und der Politik nicht ermöglichen, frei von auch via Medien ausgeübtem Druck entsprechend der österreichischen Verfassung tätig zu sein.  Doch den Bereich der verdeckten Operationen offen zu diskutieren, würde mit sich bringen, dass in vielen Bereichen kein Stein auf dem anderen bleibt – und das geht bis in die Zivilgesellschaft hinein. Übrigens ist auch die historische Perspektive wichtig, wie Peter Haisenko erklärt, der Frankreichs Entscheidung, den Beistandsmechanismus der EU und nicht der NATO zu aktivieren, mit Charles de Gaulles Misstrauen gegenüber der NATO vergleicht. De Gaulle hat nach Attentatsversuchen, in denen die Geheimdienste ermittelten, den Entschluss gefasst, die militärischen Strukturen der NATO zu verlassen – und Francois Hollande war im Fußballstadion, in dem Sprengsätze gezündet werden und eine Massenpanik entstehen sollte. (26)

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung
(2) https://en.wikipedia.org/wiki/Covert_operation und https://en.wikipedia.org/wiki/False_flag
(3) https://en.wikipedia.org/wiki/Clandestine_operation
(4) https://en.wikipedia.org/wiki/Front_group
(5) https://en.wikipedia.org/wiki/Non-official_cover
(6) https://en.wikipedia.org/wiki/Black_operation
(7) Pohlmann im Interview: https://www.youtube.com/watch?v=_af_uTuza2A – Infos über „Wild Cherry“: http://www.spyflight.co.uk/p2v.htm
(8) https://www.youtube.com/watch?v=rc0jThe2F4Q
(9) siehe auch „The Secret War Against Sweden: US and British Submarine Deception in the 1980s“, ein dazu passendes Buch, dass man hier auszugsweise lesen kann: http://books.google.at/books?id=cN-ETroO0zEC&hl=de –  außerdem interessant: http://en.wikipedia.org/wiki/James_Jesus_Angleton – „Angleton accused Swedish Prime Minister Olof Palme, West German Chancellor Willy Brandt and British Prime Minister Harold Wilson of using their access to NATO secrets to benefit the USSR.“
(10) https://www.youtube.com/watch?v=BZ1cJ9oq2WU
(11) hier wird darauf Bezug genommen, das Video ist eingebunden: http://www.altermannblog.de/breaking-news-gearoid-o-colmain
(12) http://www.timesofisrael.com/jewish-owners-recently-sold-pariss-bataclan-theater-where-is-killed-dozens/ und http://alles-schallundrauch.blogspot.co.at/2015/11/warum-wurde-das-bataclan-angegriffen.html
(13) http://www.timesofisrael.com/in-france-defense-experts-see-parallels-to-israel/
(14) http://www.heise.de/tp/artikel/46/46585/1.html
(15) http://alles-schallundrauch.blogspot.co.at/2015/11/warum-paris-keine-false-flag-operation.html
(16) http://antikrieg.com/aktuell/2015_11_18_falsche.htm
(17) http://friedensblick.de/18603/einer-der-pariser-terroristen-war-fluechtling-welches-ziel-verfolgt-merkel-wirklich/
(18) http://oe1.orf.at/artikel/425813 „Rücken USA und Russland näher zusammen?!
(19) http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/009498.html
(20) einer der Beiträge hier: https://www.youtube.com/watch?v=iP82ttdMoGc
(21) http://kurier.at/politik/ausland/geheimdienstexperte-volle-gewissheit-wird-es-nie-geben/164.803.218
(22) http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/willy-wimmer/zarin-im-tollhaus.html
(23) http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151118_OTS0148/intelligence-services-law-nachrichtendienste-recht-am-26-november-2015
(24) http://fra.europa.eu/en/publication/2015/surveillance-intelligence-services?_cldee=YWxleGFuZHJhQGNlaWJlcndlaWJlci5hdA%3d%3d&urlid=1
(25) http://johnpilger.com/articles/the-forgotten-coup-and-how-the-godfather-rules-from-canberra-to-kiev
(26) http://www.anderweltonline.com/politik/politik-2015/frankreichs-misstrauen-gegen-die-nato-laeutet-neue-europaeische-politik-ein/

4 Gedanken zu “Geheimdienste realistisch betrachtet

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