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Warum Vizekanzler Mitterlehner zurückgetreten ist

Gerade die ÖVP hat den Ruf, eine Partei der Köńigsmörder zu sein, doch beim heute verkündeten Rücktritt von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner spielt viel mehr als Kritik in den eigenen Reihen mit. Der Ablauf erinnert an den Abgang von SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann vor ziemlich genau einem Jahr, da auch diesmal Teile der SPÖ und die Medien ein Klima schafften, in dem Mitterlehner aus Selbstschutz das Handtuch werfen musste. Nicht von ungefähr widmete Mitterlehner einen Teil seiner Erklärung der Rolle der Presse und bezeichnete die Anmoderation eines Beitrags von Armin Wolf in der Zeit im Bild 2 am 9. Mai 2017 als das letzte Mosaiksteinchen, denn war für ihn sehr kränkend, dass auf Totengräber angespielt wurde. Natürlich verteidigen die Wolf-Groupies ihr Idol, das es ja niemals böse gemeint haben kann.

Es geht um weit mehr als nur konstantes Mitterlehner-Bashing, da seine Tochter letztes Jahr an Krebs starb und er erst in einem Ö 3-Interview darüber sprach, weil er sich zuvor der Medienmeute nicht aussetzen wollte. Damals ging er auch darauf ein, dass ein bestimmtes Narrativ über ihn wieder und wieder erzählt und so gefestigt wurde: „Es kränkt mich, wenn ständig die gleiche Platte vom ‚Abschießen‘ kommt, und man irgendwo den Eindruck bekommt, man wird eigentlich unter dem Wert geschlagen.“ Verständlich, dass es irgendwann nicht mehr dafür steht und man sich selbst wieder an die erste Stelle setzen muss, statt sich unter diesen Bedingungen aufzuopfern.  Es ist schade, dass Mitterlehner und andere bislang nicht auf die Idee kamen, dass man den Mainstream nicht fördern und zusätzlich noch mit Inseraten belohnen sollte, wenn dort objektive Berichterstattung Seltenheitswert hat. Denn natürlich erwischt es auch andere, wobei diese Art Presse auch Desinformationen verbreitet, z.B. um Druck auf Politiker zu verschleiern und ihnen Handlungsspielräume zu nehmen.

Die Rücktrittsrede Mitterlehners

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ORF-Weltjournal über mächtige Frauen: Recherche überflüssig?

Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, wollte der ORF ein Zeichen setzen u.a.mit einem Weltjournal zum Thema „Mächtige Frauen und männliche Untergriffe“. Recherchiert man aber ein wenig hinter dem ORF her, stellt sich die Frage, ob man am Küniglberg überhaupt Faktenchecks macht.  Präsentiert wurde die Sendung von Cornelia Vospernik, als Interviewerin war Christa Hofmann unterwegs; dem Publikum wurden Aufnahmen von Auftritten von Hillary Clinton und Angela Merkel und von beiden gemeinsam gezeigt. Natürlich war eine sachliche Bewertung der Politik dieser Frauen nicht angesagt, sodass Merkel auch als mächtigste Frau der Welt beschrieben wurde, die Europa regiert, während z.B. Berlusconi schon lang aus dem Rennen ist.

Man ist beim ORF dem offiziellen Narrativ verpflichtet, wonach Merkels Willkommenspolitik Eigenständigkeit und Souveränität und nicht das genaue Gegenteil ausdrückt. Hillary Clinton wiederum muss eine großartige Politikerin sein, die man mit Merkel u.a. nach Beratungen über die Situation in Libyen sieht. Dass ebendiese tolle Außenministerin dieses Chaos selbst verursacht hat und am Tod Zehntausender Schuld ist, spielt selbstverständlich keine Rolle. Eine legendäre Rede der früheren australischen Premierministerin Julia Gillard von 2012 zum Sexismus von Oppositionsführer Tony Abbott (siehe Video) wird vom ORF so zusammengeschnitten, dass der Eindruck entsteht, Gillard schlage ihm vor, zurückzutreten und als er dies nicht tut, halt in sich zu gehen und sein Verhalten zu reflektieren.  Bewundernd heisst es, dass ihr der Kragen geplatzt sei, als ausgerechnet Abbott über Sexismus debattieren wollte.

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Bundespräsidentenwahl: Norbert Hofer ist FPÖ-Kandidat

Medien sind schon dabei, dem frisch gekürten Kandidaten der FPÖ bei der Bundespräsidentenwahl Norbert Hofer keine Chancen einzuräumen. Zudem spekulieren sie, dass sich Ursula Stenzel gewünscht hätte, Kandidatin der FPÖ zu werden, zu der sie bei der Wiener Wahl von der ÖVP wechselte.

Es heisst, dass sich die Burschenschafter bei den Freiheitlichen durchgesetzt hätten, da Hofer einer der Ihren ist, während Stenzel die Favoritin von Parteichef Heinz-Christian Strache war. Wie dem auch sei – sie wirkte jedenfalls bei der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Kandidatur routiniert, was man aber auf ihre berufliche Vergangenheit als Fernsehmoderatorin zurückführen kann, ehe sie in die Politik wechselte. Man stellte es so dar, dass Hofer von Anfang an im Rennen lag, sich jedoch aufgrund seiner Behinderung nach einem Sportunfall gründlich überlegen wollte, ob er die Belastungen eines Wahlkampfes auf sich nehmen kann.

Noch am 27. Jänner stand Stenzel etwa in „Österreich“ als Kandidatin fest, mit der Ankündigung, dass Strache an diesem Tag einen einstimmigen Beschluss seiner Partei wolle. Freilich widmete man dem „Geheimnis von Straches neuer Liebe“, „Ex-Wetterfee, Model und erst 27“ mehr Platz. In einer Kolumne spekulierte Isabelle Daniel über „Straches gefährliche Strategie“, da Stenzel im bürgerlichen WählerInnenpotenzial wildern und so zur Konkurrenz für ÖVP-Kandidat Andreas Khol (1) werden kann. Stenzel sei für „schillernde Auftritte“ bekannt und würde daher für mehr Medienpräsenz als andere Kandidaten sorgen; erwartet wird ein auf das Thema Flüchtlinge konzentrierter Wahlkampf. Allerdings berichtet „Österreich“ auf der gleichen Doppelseite über „Flüchtlinge: Terror auf Bahnhöfen“ und macht von Deutschland abgewiesene Marokkaner verantwortlich. Also doch nicht bloss Panikmache von Rechts?

„Er liebt Philippa – Er will Stenzel – Straches neue Frauen“ stand übrigens auf den Titel von „Österreich“, plus Abbildungen Straches mit der privaten und der politischen Auserwählten.  „Totales Chaos in der FPÖ“ war am 28. Jänner Thema, da die „Basis“ Stenzel gekippt habe; Strache sei „beschädigt“ und Hofer ist der Favorit.  Es habe einen Aufstand in der FPÖ gegeben, Norbert Hofer habe sich überreden lassen zu kandidieren. Wolfgang Fellner kommentiert die „strategische Meisterleistung“ der Blauen, wegen der „läppischen“ Hofburg-Kandidatur ihren eigenen Parteichef zu beschädigen. Wer auch immer nominiert werde, habe keine Chance, da er/sie bereits im Vorfeld demontiert wurde.

Auf die Kür Norbert Hofers, die  bei einer Pressekonferenz am 28. Jänner bekanntgegeben wurde, reagierten Medien wie „Österreich“ aber dementsprechend. „NEUE HOFBURG-UMFRAGE: Van der Bellen führt, Hofer ist chancenlos“ steht am 29. Jänner auf der Titelseite. Der „parteiunabhängige“ grüne Kandidat Alexander Van der Bellen (2) liegt bei 33%, die ehemalige Höchstrichterin Irmgard Griss (3) bei 27%, Rudolf Hundstorfer (4) von der SPÖ bei 17%, Andreas Khol (1) von der ÖVP bei 15% und Norbert Hofer bei 8%.  „Österreich“ bezeichnet Griss gerne als „Wut-Oma“; ein bisschen Sexismus gegen eine von zwei Kandidatinnen muss immer drinnen sein. (5) Und Fellner freut sich in seiner Kolumne: „Jetzt droht auch der FP eine Blamage“, neben SPÖ und ÖVP, wie er vermutet, denn es ist „hoffnungslos“ für Hofer. Strache wisse seit Wochen, dass Hofer als „fader Blauer, der schon als NR-Präsident niemandem aufgefallen ist“, keine Chance habe.

Es fällt auf, dass Begriffe wie „chancenlos“, „hoffnungslos“, „keine Chance“ das Bild von einem zugegeben bislang nicht breit bekannten Kandidaten prägen sollen. Stenzel sei, meint „Österreich“, von Burschenschaftern ihrer jüdischen Wurzeln wegen abgelehnt worden; Hofer wiederum wüsste bis vor der Pressekonferenz gar nicht, „dass er ins Rennen gehen muss“.  Es  passt zu unseren (medial geprägten) Vorstellungen von innerparteilicher Demokratie in der FPÖ, dass die Favoritin des Parteichefs durch einen Kandidaten ersetzt wird, der davon selbst überrascht ist. Allerdings ist es transatlantische Presse, die Bilder von Parteien und PolitikerInnen kreiert und die beispielsweise nicht näher darauf eingeht, wie im „roten“ Verteidigungsministerium Minister durch Kabinettschef abgeschottet und damit am Regieren gemäss  der Bundesverfassung gehindert werden. (6)

Die FPÖ war bemüht, diesen Ablauf der Ereignisse darzustellen: Hofer kam immer in Frage, überlegte aber länger wegen seiner Behinderung; zudem hatte man auch keine Eile mit der Entscheidung. Dass eine Partei, die in Umfragen auf Bundesebene in Führung liegt (mit 33% vor der ÖVP mit 23% und der SPÖ mit 22%; die Grünen kommen auf 11% und die Neos auf 7%), bei der Direktwahl des Staatsoberhauptes einen Kandidaten stellen muss, sei selbstverständlich. Schliesslich haben sich die Parteigremien einstimmig dafür ausgesprochen, dass sowohl Hofer als auch Stenzel in Frage kommen, jedoch Hofer zuerst gefragt werden soll. Stenzel erklärte, dass sie immer für Hofer gewesen sei und selbst keinerlei Ambitionen hatte.

Nüchterner als „Österreich“ sieht es „Heute“, denn für Chefredakteur Christian Nusser lässt es Hofer wegen seines persönlichen Schicksals im Wahlkampf „menscheln“, hat aber das Handicap, dass ihn keiner kennt. Eine Stichwahl Van der Bellen gegen Hofer sei „gut möglich“, was natürlich ein weiterer Dämpfer für die SPÖ-ÖVP-Koalition wäre. Gerade die FPÖ setzt auf eigene Medien, etwa mit dem wöchentlichen Magazin FPÖ-TV, das den neu gekürten Kandidaten auch gleich interviewt hat. (7) Zudem hat Parteichef Strache mehr als 315.000 Fans auf Facebook, und man bietet mit der Webseite Unzensuriert alternative Informationen an.

Man kann es nicht ganz vergleichen, aber bei den Vorwahlen der Demokraten in den USA liegt der linke Senator Bernie Sanders gleichauf mit Hillary Clinton;  er setzt im Wahlkampf auf das Internet und ist abseits des Mainstream populär. (8) Während „unsere“ Medien Clinton seit Monaten feiern, nehmen sie erst jetzt Sanders verstärkt zur Kenntnis. (9) Hingegen war Clinton in der kritischen Gegenöffentlichkeit mit ihrer Bilanz als Außenministerin Thema und stellte keine Alternative zu den Republikanern dar. Bei der FPÖ-Pressekonferenz gab es auch Medienkritik zu hören, denn Strache erinnerte daran, dass bereits das erste Gerücht falsch war. Er selbst habe nie Ambitionen auf dieses Amt gehabt, denn er wäre ein besserer Bundeskanzler als Bundespräsident.

„Dann hiess es, die FPÖ habe keine ausreichenden Persönlichkeiten“, tatsächlich aber gäbe es „viele exzellente Persönlichkeiten in der freiheitlichen Bewegung“, die alle in Frage kommen könnten. Dass sich die Partei mit ihrer Entscheidung Zeit lässt und die Vorstellungen der anderen KandidatInnen abwarten wollte, war bekannt. (10) „Mitte und Mitte-Rechts sind nicht vertreten“, analysiert Strache die Positionen der Konkurrenz, denn „wir haben zwei stramm Linke“ (Van der Bellen und Hundstorfer) und „zwei Linksliberale“ (Griss und Khol). Ein besonderer Affront ist die Kandidatur des bisherigen Sozialministers, der „für die grösste Arbeitslosigkeit der Zweiten Republik“ verantwortlich sei. Wie heiss umkämpft die soziale Frage zwischen SPÖ und FPÖ sein wird, zeigt eine Aussendung des Wiener SPÖ-Pensionistenvertreters Rudolf Edlinger, seines Zeichens einmal Finanzminister. (11)

Andreas Khol wirft Strache vor, den Islam als zu Österreich gehörig zu bezeichnen; gegen Van der Bellen spricht, dass dieser „die Entscheidung des Souveräns  nicht anerkennen will“ und als Bundespräsident einer stimmenstärksten FPÖ keinen Regierungsbildungsauftrag geben würde. Irmgard Griss wiederum ist bereit, sich von den Neos unterstützen zu lassen, die aber noch keine Festlegung getroffen haben. Eines ist jedenfalls klar: „solange das Amt existiert, werden wir es nicht anderen überlassen“, so Strache. Als „stärkste politische Kraft in Umfragen“ kann man nicht darauf verzichten, selbst einen Kandidaten zu stellen. Allerdings kann sich die FPÖ  – dies betont auch Hofer in den ersten Interviews in der neuen Rolle –  bei einer Verfassungsreform eine Zusammenlegung der Ämter von Bundespräsident und Bundeskanzler vorstellen.

Spekulationen in den Medien über das Verhalten der FPÖ waren „teils belustigend“; die Zeit des Nachdenkens für die Partei aber durchaus „spannend“. „Machtkämpfe“ in der FPÖ, wie sie etwa „Österreich“ vermutete, waren jedenfalls „an den Haaren herbeigezogen. Strache selbst, Parteimanager Herbert Kickl, Norbert Hofer und Ursula Stenzel haben sich in den letzten Tagen mehrmals besprochen; der Beschluss der Parteigremien wurde dann noch einmal per Rundlaufbeschluss bestätigt. Schliesslich enthüllt Ursula Stenzel das Plakat hinter Strache und Hofer, man sieht Hofer zum Spruch „Flagge zeigen“, der mit den Begriffen „Wahrheit, Freiheit, Heimatliebe“ verbunden ist. (12)

Stenzel sprach von einer „Jagdgesellschaft“ in den Medien gegen die FPÖ und sieht im Bundespräsidenten den „obersten Schutzherren der Bevölkerung und unserer Heimat“. Strache lobt an Hofer, dass er sich nach einem schweren Unfall beim Paragliding 2003 von der Prognose, querschnittsgelähmt zu sein, hochgekämpft hat; der Wahlkampf wird so gestaltet sein, dass er nicht zu strapaziös wird. Hofer selbst sagt, dass er nicht stundenlang stehen und auch nicht zu Fuß von Haus zu Haus spazieren kann, um mit der Bevölkerung zu sprechen. Dass ein Wahlkampfmitarbeiter Hundstorfers ihm das „Krüppellied“ widmete, ist aus Sicht der FPÖ bezeichnend für den Zustand der SPÖ; es hat Hofers Mutter aber sehr getroffen.

Weil Hofer bis heute immer wieder Schmerzen hat, überlegte er länger, erklärt Strache, der aber betont, dass die Kandidatur auch ein Zeichen für Gleichwertigkeit ist. Man müsse Behinderte wie alle anderen Menschen behandeln, da sie genauso fähig sind wie alle anderen in unserer Gesellschaft. Dass ein SPÖler „alle Menschen mit Behinderung beleidigt hat“, war für Hofer erst recht ermutigend. Zudem gab es viel Zuspruch von älteren Menschen, die auch meinten, er sei mit 44 keineswegs „zu jung“ für dieses Amt. Hofer ist von seiner Ausbildung her Flugtechniker, er hat beim Bundesheer gedient und würde als Bundespräsident (und Oberbefehlshaber) nicht zusehen, wie es kaputtgespart wird.

Hofer war am Zustandekommen der Koalition zwischen SPÖ und FPÖ im Burgenland beteiligt und streut dieser im „Kurier“ (29.1.2016) Rosen: „Es funktioniert so  gut, weil sich die Partner kennengelernt haben, sehen: Es gibt ein Grundvertrauen. SPÖ-Landeshauptmann Hans Niessl sagt: Er hat es bei einem ÖVP-Stellvertreter noch nie erlebt, dass man sich gegenseitig besucht.“ Hofers Vater war ÖVP-Gemeinderat, schied aber nach dem Tod seiner Tochter aus der Politik aus; der Sohn landete bei der FPÖ und sitzt seit 2006 im Nationalrat. Aus der politischen Erfahrung im Burgenland weiss Hofer, dass es wichtig ist, mit allen zu reden; daher sei er „hart in der Sache, aber fair“. Untergriffe sind seine Sache nicht, denn „es steht immer auch eine Familie dahinter, es gibt Angehörige, die leiden, wenn ein Politiker öffentlich angegriffen wird“.

Die vielen JournalistInnen im FPÖ-Medienraum und davor lauschen aufmerksam, als Hofer von dem Tag spricht, der sein Leben von Grund auf verändert hat. Er wollte schnell noch vor dem Wochenende ein wenig Paragleiten, doch die Fallschirme öffneten sich nicht. Er stürzte 15 Meter zu Boden und dachte, er würde sterben. „Das ist, wie wenn einem die Festplatte neu formatiert wird; alles, was vorher war, ist ohne jede Bedeutung“, erzählt er. Aus einer Querschnittslähmung, die ihn in den Rollstuhl verbannt hat, wurde ein inkompletter Querschnitt, Gehen mit Stock und regelmässige Physiotherapie. In den sechs Monaten Rehabilitation hat er „ganz tolle Menschen kennengelernt“, die ebenfalls bei Null wieder anfangen und die beweisen, „dass nichts unmöglich ist“.

Hofer sagt, dass er durch seine Erfahrungen „viel gelassener“ wurde, wie er sich überhaupt als anderer Typus Politiker betrachtet. Seine Chancen stehen sehr gut, in die Stichwahl zu kommen, aber auf Prognosen will er sich nicht festlegen. Bei den nächsten Nationalratswahlen wird es „ganz, ganz knapp werden“, er rechne mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen und traut Umfragen nicht, welche die FPÖ voran und die SPÖ abgeschlagen sehen (denn die SPÖ wird alles mobilisieren, was sie mobilisieren kann). Seiner Einschätzung nach wird es heuer ohnehin Neuwahlen geben, da die Koalition  zerbrechen wird. Somit hätte er als Bundespräsident also auch nach dem Wahlkampf gleich eine Menge zu tun, da er ja dann mit den Chefs der Parteien sprechen und die Regierungsbildung vorantreiben müsste. Im „Kurier“ bezeichnete er übrigens Andreas Khol als den schwächsten seiner Konkurrenten, und er wünscht sich Rot-Blau auch auf Bundesebene.

(1) https://alexandrabader.wordpress.com/2016/01/11/andreas-khol-moechte-bundespraesident-werden/
(2) ) https://alexandrabader.wordpress.com/2016/01/10/alexander-van-der-bellen-will-bundespraesident-werden/
(3) https://alexandrabader.wordpress.com/2015/12/18/irmgard-griss-will-bundespraesidentin-werden/
(4) https://alexandrabader.wordpress.com/2016/01/16/willkommen-auf-der-titanic/
(5) die Schriftstellerin El Awadalla, bekannt auch als Gewinnerin in der „Millionenshow“, kandidiert ebenfalls: https://neuwal.com/2016/01/12/neue-kandidatin-el-awadalla-bestaetigt-kandidaturversuch/
(6) http://kurier.at/politik/inland/neo-heereschef-holt-entmachtete-generaele-aus-der-verbannung/176.579.951 – dsss sich nichts geändert hat, weil auch Doskozil („ich möchte auf alle Menschen offen zugehen“) abgeschottet wird, kann ich bereits bestätigen.
(7) https://www.youtube.com/watch?v=iKv1qL_J2X4
(8) https://go.berniesanders.com/page/content/splash und „Bernie 2016“-Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCH1dpzjCEiGAt8CXkryhkZg
(9) http://www.nzz.ch/international/amerika/das-duell-das-keines-sein-duerfte-1.18684849 und Bericht auf alternativer US-Plattform: http://readersupportednews.org/opinion2/277-75/34867-bernie-sanders-drawing-huge-crowds-and-contrasts-with-clinton
(10) https://alexandrabader.wordpress.com/2016/01/13/die-fpoe-zu-asyl-und-bundespraesidentenwahl/
(11) http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160129_OTS0105/edlinger-warnt-vor-bp-wahlkampf-auf-dem-ruecken-der-aermsten-der-armen
(12) http://www.fpoe.at/artikel/norbert-hofer-will-als-bundespraesident-das-amt-mit-leben-erfuellen/

Mediale Selbsttäuschungen

Es war wie eine Zeitreise ins Jahr 2000 zu den Protesten gegen die schwarzblaue Regierung, als KünstlerInnen zur Kundgebung für den Erhalt des Funkhauses als Standort von Ö1 einluden. Und tatsächlich behauptete der letzte Redner, dass Fernsehen und Radio am selben Standort geradezu heraufbeschwören, dass der Rechtspopulismus noch stärker wird.

Es werde „noch reflektiert“, wurden die Beiträge auf Ö1 pauschal gelobt, denn der Sender stehe für Qualität und intellektuellen Anspruch. Denn es gäbe viele Menschen, die Nachrichten lieber in den Ö1-Journalen hören, als die „Zeit im Bild“ aufzudrehen oder gar im Internet zu recherchieren. Würde die Redaktion in der Argentinierstrasse in Wien-Wieden in jener am Küniglberg in Hietzing aufgehen, wo Fernsehen produziert wird, droht der Verlust der Vielfalt, hiess es.

Betrachtet man sich nicht als Teil einer Menge, deren Argumentation jahrein, jahraus im Wesentlichen gleich bleibt – daher auch das Zeitsprung-Gefühl -, fällt auf, dass ORF-Fernsehen und ORF-Radio in entscheidenden Fragen die gleiche Linie verfolgen. Was bei der Kundgebung als „Unabhängigkeit“ bezeichnet wurde, die unbedingt erhalten bleiben muss, ist NATO hier und NATO dort. Es ist den TeilnehmerInnen an diesem Protest sicher nicht bewusst, doch man wüsste vom Beobachten sofort, wie die Anwesenden politisch einzuordnen sind. Ein wenig künstlerische Ausdrucksform, viel Pathos – „demokratie- und kulturpolitisch so wichtiger Sender“; Autor Robert Menasse kettete sich an usw. (1) und eine Rhetorik, die alle sofort zurückbeamt ins Jahr 2000 – und die Frage drängt sich auf, ob irgendjemand hier auch banale Alltagssorgen hat oder gar unter Druck gesetzt wird, weil sie/er wirklich recherchiert und auf Dinge gestoßen ist, die andere unter der Tuchent halten wollen.

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