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LGBTI und Gewalterfahrungen: Neue Studie präsentiert

Erinnert man sich daran, wie die Regenbogenparade in Wien beworben wurde und was man sich auch im Pride Village am Rathausplatz ansehen konnte, entsteht der Eindruck umfassender gelebter Toleranz. Dies ist jedoch ein oberflächliches Bild, wie eine Studie deutlich macht, in der Gewalterfahrungen von LGBTI-Personen im Auftrag der GayCops Austria erhoben wurden. Man möchte auch als Außenstehende/r meinen, dass die „Community“ für ein Gefühl des Angenommen Seins sorgt, das sich auf die Bereitschaft auswirkt, Gewalt nicht hinzunehmen.

Tatsächlich machen aber die meisten traumatische Erlebnisse mit sich aus, und nicht wenige der Betroffenen entwickeln posttraumatische Belastungsstörungen. Die Haltung der Befragten zur Polizei an sich ist neutral, und doch wenden sich nur 20% der Opfer von Übergriffen an sie. Für die Studie wurde auf der Webseite der GayCops (1), auf Facebook und in der Szene geworben; größtmögliche Anonymität bei der Durchführung war gewährleistet. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexed sind zehnmal häufiger Opfer von Gewalt als die Gesamtbevölkerung, so ein Ergebnis der Untersuchung. Dabei ist der „typische“ Gewaltakt das Vorgehen mehrerer junger Männer gegen einen Mann, den sie nachts allein auf der Straße im städtischen Umfeld stellen.

Übergriffe reichen von Beleidigungen über Drohungen bis zu Körperverletzung und Eigentumsdelikten; dabei wurde in der Befragung angegeben, welche Handlungen als Straftaten bewertet werden. Die TeilnehmerInnen wurden also gefragt, ob Ihnen dies schon einmal in Zusammenhang mit ihrer sexuellen Orientierung angetan wurde. Sowohl bei Beleidigung als auch bei Körperverletzung ist der Prozentsatz an Betroffenen, die Posttraumatischen Stress entwickeln, höher als in der Gesamtbevölkerung, wie Patrick Hart von IG Soziologische Forschung ausführt. Aber es wird auch festgestellt, dass „nur die wenigsten Opfer professionelle Hilfe“ suchen, „auch wenn sie von den Taten schwer mitgenommen sind. Offensichtlich fällt es den Opfern also schwer, über das Erlebte zu sprechen.“ (2)

 

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