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Die EU – ein transatlantischer Spaltpilz

Von Wolfgang Effenberger, Histortiker und Buchautor („Wiederkehr der Hasardeure“)

Am 24. Juni, keine 24 Stunden nach der Abstimmung, fragt Paul Craig Roberts auf der Websiteauf der Website des von ihm gegründeten „Institute for Political Economy“: „The Brexit Vote – What does it Mean?“ und gibt in seinem sprengstoffgeladenen Artikel eine eindeutige Antwort: „Hoffentlich ein Auseinanderbrechen der EU und der NATO und damit die Vermeidung des Dritten Weltkriegs.“

Für den ehemaligen stellvertretenden Finanzminister von Ronald Reagan sind die EU und die NATO „bösartige Institutionen“ (evil institutions), die von den USA kreiert wurden, „um die Souveränität der europäischen Völker zu zerstören. NATO und EU ermöglichen Washington die Kontrolle über die westliche Welt. Unter dieser Tarnung wird Washingtons Aggression erst möglich. Ohne EU und NATO kann Washington Europa und das Vereinigte Königreich nicht in einen Konflikt mit Russland zwingen. Ohne EU und NATO hätte Washington in den letzten 15 Jahren nicht sieben muslimische Länder zerstören können, ohne als Kriegsverbrecher gehasst und isoliert zu werden. Kein US-Regierungsmitglied hätte ins Ausland reisen können, ohne verhaftet und vor Gericht gestellt zu werden.“

Paul Craig Roberts´ vernichtende Analyse ist es wert, im historischen Kontext gesehen zu werden: De Gaulle hatte schon früh durchschaut, dass es US-Amerikanern und Briten vor allem um die Anbindung der westeuropäischen Länder an die transatlantischen Pfeiler NATO und EU (damals EWG) ging. Schon in den ersten Monaten des Jahres 1947 hatten die USA aus Resten der Kriegskommandostrukturen des Zweiten Weltkriegs zwei Kommandozentren behalten: im Osten Eurasiens das pazifische Militärkommando PACCOM und im Westen Eurasiens das europäische Militärkommando EUCOM. Am 4. April 1949 wurde die NATO gegründet mit dem Ziel, „die Russen draussen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten“ so der erste NATO-Generalsekretär Lord Ismay. Die EU – ein transatlantischer Spaltpilz weiterlesen

SPÖ: Schein und Wirklichkeit

Beim Bundesparteitag der SPÖ am 25. Juni war Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil nur einer von vielen RednerInnen nach dem neuen Parteichef Christian Kern, jedoch derjenige, der auch im Netz viele Reaktionen auslöst. Manchen ist er „zu rechts“, während andere bedauern, dass nicht er Parteichef wurde und sie 80% bei der Wahl der Kern-Stellvertreter so interpretieren, dass auch er mehrheitsfähig ist.

Tatsächlich sind jene Bereiche der Partei einflussreich und nicht zu unterschätzen, die von Kern begeistert sind, sie basteln jedoch an einer Scheinrealität mit. So werden traditionelle Inhalte und Positionen dadurch verdrängt, vor allem „weltoffen“ und „tolerant“ sein zu wollen und auf drängende Fragen der Bevölkerung nur unverbindliche Antworten zu haben. Was nicht nur am Parteitag und an der Basis auf die Roten eintrommelt, kann man an der Debatte um den Brexit sehr gut erkennen.

Bereits ehe Kern von fünf Landesparteichefs als Ersatz für Bundeskanzler Werner Faymann gepusht wurde, bejubelten ihn Leute wie Andre Heller, der Traiskirchner Bürgermeister Andreas Babler, Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger oder die AktivistInnen der Sozialistischen Jugend, der „refugees“ wegen. Denn als ÖBB-Chef tat Kern weit mehr, als illegale Masseneinwanderung nach Österreich und Deutschland zu ermöglichen in einer Zeit, als auch Faymann selbst dem nichts entgegensetzen konnte oder wollte. Die Bundesbahnen stellten auch Infrastruktur und Arbeitskraft zur Verfügung, damit medien- und publikumswirksam eine Willkommenswinker-Szene an zentralen Bahnhöfen entstehen konnte.

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Kern und Parteitagspublikum (SPÖ auf Flickr)

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Des Kanzlers neue Kleider

Fast 97% der Parteitagsdelegierten haben Christian Kern zum neuen SPÖ-Chef gewählt, was auch in manchen Medien bejubelt wird, etwa in „Österreich“. Hingegen übt die „Kronen Zeitung“ verhalten Kritik und schildert einen Arbeitstag v0n Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil. Dessen Statement beim Parteitag hat sich von allen anderen Wortmeldungen krass unterschieden, denn er betonte, dass Politik den Menschen zu dienen hat.

Damit Kern Parteichef werden konnte (einen Monat, nachdem er als Bundeskanzler angelobt wurde), musste er in den SPÖ-Vorstand gewählt werden. Diese Ergebnisse zeigen auch, dass exponierte „WillkommenswinkerInnen“ für ihr Engagement gegen Österreich belohnt wurden, während burgenländische Rote wie Doskozil (82%) oder Landesrat Norbert Darabos (84%) Streichungen erhielten. Da Landeshauptmann Hans Niessl darauf verzichtete, sich wie Michael Häupl (Wien) oder Peter Kaiser (Kärnten) der Wahl zu stellen, kann man nur vermuten, dass er noch weniger Zustimmung als Doskozil und Darabos gehabt hätte (statt Niessl kandidierte Doskozil fürs Parteiüpräsidium und wurde von 80% gewählt).

Am Tag des Parteitags, dem 25. Juni 2016 berichtete übrigens der „Kurier“, dass beide Politiker für die Niessl-Nachfolge in Frage kämen und z.B. Landtagspräsident Christian Illedits den „soften“ Darabos favorisiere, der als Verteidigungsminister „glücklos“ gewesen sei. Zum Mainstream-Ritual gehört es, selbst kreierte Bilder stets zu reproduzieren, wofür ein Wink genügt und die LeserInnen wissen, was sie sich vorzustellen haben. Weder der „Kurier“ noch andere Medien haben aber jemals darüber berichtet, dass Darabos abgeschottet und an der Amtsausübung laut Bundesverfassung gehindert wurde. Dies hätte ja den Schluss zugelassen, dass er einiges zuwege gebracht hätte, würde man ihm nicht so zusetzen.

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