Always and Everywhere: My Body My Choice

Nachdem eine Entscheidung des Supreme Court der USA die Straffreiheit von Schwangerschaftsabbruch de facto beendet, wird auch anderswo demonstriert. Nicht nur in Amerika, wo demokratisch regierte Bundesstaaten Abtreibung weiterhin ermöglichen werden, treibt man so die ideologische Spaltung der Bevölkerung weiter voran; #SexStrike trendet außerdem. Als die Fristenregelung in Österreich beschlossen wurde, verfügte die SPÖ mit Kanzler Bruno Kreisky über die absolute Mehrheit im Parlament. Die Gegner von damals ÖVP und FPÖ würden heute aber nicht mehr daran rütteln wollen. In Frankreich geht man längst von einem Recht auf Abtreibung aus; hier startete aber der Widerstand von Frauen gegen das Verbot des Schwangerschaftsabbruchs. Das Mouvement de liberation des femmes begann 1970 mit einer Kranzniederlegung beim Denkmal des unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe. Ein Banner verkündete, dass die Witwe des unbekannten Soldaten noch unbekannter ist als er selbst; die Aktivistinnen wurden sofort verhaftet (2020 wurde daran erinnert). Medien sprachen am nächsten Tag von einer Frauenbewegung, was dann auch daraus wurde. In Plessis-Robinson, einem Vorort von Paris, brach in einem Heim für schwangere Teenager eine vom MLF unterstützte Revolte aus.

Im Manifeste des 343, das am 5. April 1971 im Nouvel Observateur veröffentlicht wurde, bekannten sich 343 Frauen zu ihrer bis dahin verbotenen Abtreibung; den Text des Manifests verfasste Simone de Beauvoir. Am 6. Juni 1971 waren die Gesichter einiger Frauen mit dem Schriftzug „Wir haben abgetrieben!“ auf der Titelseite des „stern“ zu sehen; die neue deutsche Frauenbewegung war entstanden. In Österreich war (ist?) die SPÖ eigentlich zu patriarchal, um Abtreibung als Angelegenheit von Frauen zu betrachten, doch auch hierzulande spielten Frauen nicht mehr mit. Auch wenn Abbruch in einer bestimmten Frist nicht mehr verboten war, fehlte es oft an Möglichkeiten zur Durchführung, sodass vielfach nur die Fahrt ins liberalere Holland blieb.

Protest bei der US-Botschaft in Wien

Davor war freilich die Zeit der berüchtigten Engelmacher:innen, und viele Frauen versuchten selbst alles, um die ungewollte Schwangerschaft zu beenden, was mitunter für sie tödlich endete. Leider müssen gewisse Basics immer wiederholt werden: Es geht keinen Mann auch nur das Geringste an, wenn eine Frau abtreibt. Es sind übrigens auch Frauen, die Kinder bekommen, die abtreiben. Jeder Mann, der meint, er hätte dazu etwas zu sagen, missachtet das Selbstbestimmungsrecht der Frauen um ihn – das seiner Mutter, seiner Schwester, seiner Partnerin. Seltsamer Weise wird in Deutschland ein Selbstbestimmungsgesetz auf den Weg gebracht, das vorsieht, dass man selbst entscheiden kann, ob man sich als Mann, Frau, trans, non binär oder was auch immer fühlt. Es fällt schwer, da noch zumindest Spurenelemente vom Kampf der Frauen für ihre Rechte festzustellen. Denn es wirkt artifiziell wie so manches, das bei der Kundgebung am 27. Juni 2022 bei der amerikanischen Botschaft in Wien gesagt wurde. Als Veranstalter:innen fungierten Links Wien, die KPÖ, das Frauenvolksbegehren und Rosa (Frauen der Sozialistischen Linkspartei). Es wurden explizit auch „schwangere Transmänner“ und „non binäre Personen“ als Betroffene genannt, was natürlich von „Frauen entscheiden alleine“ wegführt. Eher kühn ist die Annahme, dass wir wohl bereits ein Verbot von Spätabtreibungen hätten, wäre nicht Ibizagate gekommen und damit das Ende der Koalition von ÖVP und FPÖ. Die Warnung vor gut vernetzten christlichen Fundamentalisten ist nicht neu, sondern wird immer dann laut, wenn es um Abbruch geht.

Protest bei der US-Botschaft in Wien

Es ist jedoch richtig, dass in den USA ein jahrzehntelanger Kampf geführt wurde, nachdem das Urteil des Supreme Court Roe vs. Wade 1973 befunden hatte, dass der Bund die Rechte von Frauen gegenüber den Bundesstaaten zu schützen hat (Jane Roe – ein Pseudonym für Norma McCorvey – konnte in Texas nicht abtreiben). In Europa gibt es verschiedene Regelungen mit gewissen Extremen siehe Polen, wo ein digitales Register schwangerer Frauen angelegt wird, um genau zu verfolgen, wo eine Geburt stattfindet und wo nicht. Bei der Kundgebung wurde kritisiert, dass Initiativen wie #fairändern bei uns jetzt Oberwasser bekommen, die nicht wahrhaben wollen, dass es viel mehr Frauenleid gibt als abzutreiben. Einer der Vorwürfe ist, dass solche Gruppen auch medizinisch notwendige Spätabtreibungen kriminalisieren wollen, die schwer geschädigte oder nicht überlebensfähige Embryos betreffen. Offenbar wollte Puls 4 eine entsprechend kontroverse Diskussion veranstalten, an der Politikerinnen wie Eva-Maria Holzleitner von der SPÖ und Meri Disoski von den Grünen teilnehmen hätten sollen. Freilich versagten fast alle Frauen in der Politik, in NGOs, als Journalistinnen oder Wissenschafterinnen, als es darum ging, Selbstbestimmung gegen mit C verkaufte Diktate zu verteidigen. Ebenso stehen für die meisten Migranten, die das Recht auf Asyl als Vorwand verwenden, über den Rechten von Frauen auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit.

Eines meiner Demoschilder

Es dauerte, bis es Gruppen von linken Feministinnen auf C-Demos gab; dabei waren einzelne Frauen natürlich von Anfang an. Mit diesem Schild erinnerte ich an „my body – my choice“ und fügte dem noch hinzu, dass jedermann und jedefrau puncto „Impfung“ entscheiden soll, wie sie oder er will. Der Fake-Feminismus, der sich jetzt plötzlich wieder der Bedeutung von Selbstbestimmung bewusst ist, liess die Frauen sofort im Stich, sobald der erste Lockdown ausgerufen wurde. Diese fanden sich nicht selten in den 1950er Jahren wieder, was die Verteilung von Arbeit betrifft und auch das Ausgeliefert sein an Gewalt, während ihnen der offizielle Feminismus eine „Krise“ verkaufte. Doch auch vor C wurde ihnen weisgemacht, dass sie sich hintanstellen sollen gegenüber immer mehr lauten und mitunter aggressiven und übergriffigen jungen Männern aus fremden Kulturkreisen. Das dazugehörige Frauenbild sind verschleierte Mütter mit mehreren Kindern, fast immer getrennt unterwegs von Männern, welche es sich einfach gut gehen lassen. Der falsche Feminismus weiss natürlich auch nicht recht mit dem Krieg in der Ukraine umzugehen, in dem einige Frauen zu den Waffen greifen.

Bericht über die Kundgebung

Im Video oben werden gleich alle möglichen Geschlechter aufgezählt, um deren Selbstbestimmungsrecht es jetzt gehen soll. Man (frau) wähnt sich fast auf der Regenbogenparade, sodass kein Wunder ist, wenn viele mit der Sehnsucht nach patriarchalen Familien reagieren. Sie schwärmen dann auch vom Familienbild der (vermeintlichen?) Christen Donald Trump und Wladimir Putin und merken nicht, dass sie in eine Falle tappen, nicht weniger als jene, die brav an hunderte Geschlechter glauben. Zumindest Frauen sollte es nicht passieren, dass sie etwas verklären, das für sie Unterdrückung, Abhängigkeit und auch nicht gewollte Kinder und viel nicht gelebtes Leben bedeutete; ganz früher starben auch sehr viele Frauen im Kindbett. Immer wieder wird behauptet, dass „der Feminismus“ ja von Rockefeller erfunden wurde, was auch Frauen verbreiten, die selbst von Berufstätigkeit profitieren, aber wegen C alles in Frage stellen. Damit blenden sie jedoch fast die gesamte Frauengeschichte aus, die uns nicht nur zu Hebammen führt, sondern auch z.B. zu Zünften und zu Christine de Pizan.

Diese Recherchen erfordern sehr viel Aufwand und sind in dieser Form einzigartig. Es ist immer notwendig, alles neu zu bewerten und weitere Puzzleteile zu einem sehr komplexen Bild hinzuzufügen. Davon profitiert jeder, der mit einzelnen Bereichen in Berührung gekommen ist oder der sich fragt, wie etwas einzuordnen ist. Als Grundlage für weitere Recherche, für parlamentarische Untersuchungen, für Ermittlungen der Justiz eignet es sich auch sehr gut. Es kommt oft darauf an, durch Zufall an eine mögliche Verbindung überhaupt mal zu denken, um sie und einiges mehr zu finden.

Jeder finanzielle Beitrag dazu ist herzlich willkommen:
Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX

Vielen Dank!

Für Inputs und Feedback etc. bin ich auch telefonisch erreichbar unter +43 (0)66499809540

3 Kommentare zu „Always and Everywhere: My Body My Choice

  1. Sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder Mensch über seinen Körper und sein Leben entscheiden darf. Die Voraussetzungen sind leider nicht gegeben. Solange eine Schwangerschaft sofort Existenzfragen aufwirft und somit die Frage entsteht, ob ich eine Sozialfall werden möchte oder nicht, ist es müßig die Folgen zu diskutieren. Für gewöhnlich wandert dann die Entscheidungshoheit an die Mutter oder an den Kindesvater und führt letztendlich wieder in eine gewünschte oder ungewünschte Abhängigkeit. Ein vom Einkommen unabhängiges Kinderkonto könnte einige dieser dieser Probleme lösen, ist aber dieser Regierung sicherlich egal.

    Gefällt mir

    1. Manche driften jetzt weg, weil die US-Demokraten Pro Choice sind; wenn es aber danach geht, dass man zuerst nachschaut, welche Partei was vertritt, kommt man nicht allzu weit:

      https://www.bitchute.com/video/dSujtHdWn1C2/

      Auch anderswo bleiben die Scheuklappen, wie man bei den Grünen sieht; darauf weisen die Grünen gegen Impfpflicht und 2G hin:

      Aber vielen fällt gar nicht auf, dass Selbstbestimmung immer gelten muss – sonst ist es ja keine Selbstbestimmung….

      Zur erwähnten „Pro und Contra“-Diskussion bei Puls 4:

      https://www.derstandard.at/story/2000136956201/gruene-und-spoe-politikerinnen-sagen-teilnahme-an-abtreibungsdebatte-ab

      Es fanden sich dann halt andere, und die „Kronen Zeitung“ kündigte auch etwas an:

      https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20220629_OTS0026/abtreibungsverbot-ein-kampf-gegen-frauen-heute-um-2015-uhr-bei-katia-wagner-der-talk-auf-kronetv

      Hier haben Gegner zwar eine Plattform, aber auch Anwalt Robin Lumsden, der in den USA praktiziert und einiges erklären kann. Er meint, dass es nur der Anfang ist und dass auch andere Rechte ins Visier genommen werden…

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..