Die dunkle Seite der Erleuchtung

Gerade ist das World Economic Forum in Davos zu Ende gegangen, das man natürlich politisch betrachten sollte. Doch in früheren Jahren ging es dort auch einmal um Achtsamkeit (Mindfulness) und man meditierte täglich mit Jon Kabat-Zinn. Wenn wir genauer hinsehen, wird uns klar, dass die Reaktionen auf Corona stark von allem geprägt sind, das wir mit Achtsamkeit verbinden sollen. Wir sollen das nämlich nicht politisch bewerten, was uns zum Beispiel als Pandemie nahegebracht wird, sondern es als etwas verstehen, mit dem wir persönlich klarkommen müssen. Zugleich aber verstehen sich viele als Erwachte, was ja eigentlich ein spiritueller Begriff ist. Das passt recht gut zum Multi Level Marketing, mit dem wir immer wieder auf YouTube Bekanntschaft machen; wahrscheinlich würden wir so manches ohne all die Veränderungen „wegen C“ überhaupt nie zur Kenntnis nehmen. So aber scheinen viele motiviert zu sein, in Zukunft „frei“ von Zuhause aus via Internet „reich“ zu werden.

Doch dies sind Pyramidenschemata, die darauf basieren, anderen Menschen vermeintlich exklusives Wissen zu verkaufen, das man in jedem Selbsthilfebuch findet. Nicht immer werden Onlinekurse verhökert, denn es sind auch zum Beispiel Nahrungsergänzungsprodukte gefragt, die es aber im Drogeriemarkt wesentlich billiger gibt. Die Grenzen sind fließend zum Geschäft mit dem Glauben, wie der YouTuber James Jani (siehe unten) auch mit einem Video über Megachurches zeigt. Ist bei mageren MLM-Erlösen immer der neue Beteiligte selbst Schuld, so geht es jetzt um „Prosperity Gospel“ und „Miracle Crusade„. Du bist also selbst dafür verantwortlich, reich zu werden (und Prediger reich zu machen) und dich von Krankheiten zu heilen. Man kann einiges auf das New Thought Movement zurückführen, zu dessen Anhängern auch Donald Trump gehört, auf den ja viele immer noch Hoffnungen setzen.

Multi Level Marketing als Kult

Es heisst, dass viele jener Personen, die uns jetzt Achtsamkeit lehren, früher einmal Sanyassins waren. Viele der hundertausenden Anhänger von Bhagwan (Osho) waren Deutsche, siehe die Doku unten. Es gab selbst in der DDR Sanyassins, und zwar auf Rügen; Post an sie kam durch, denn offenbar wusste die Stasi sie nicht recht einzuordnen, sondern sprach von einer „Sekte Guru“. Doch Osho war vom Human Potential Movement inspiriert, das mit dem Esalen-Institut in Big Sur in Kalifornien verbunden ist, welches 1979 ein sowjetisch-amerikanisches Austauschprogramm startete. 1989 arrangierte man ein Treffen zwischen Boris Jelzin auf dessen erster Reise in die USA mit George Bush und Ronald Reagan. Es überrascht dann wohl nicht, dass 1995 bei Michail Gorbatschows Global Brain Trust – als der Begriff Globalisierung geprägt wurde – auch „New Age Gurus“ wie Deepak Chopra und Shirley MacLaine an Bord waren.

Bhagwan und Deutschland

Unten wird nochmals ein Video von James Jani eingebunden, der die Hintergründe von „The Secret“ und „The Law of Attraction“ erklärt und darstellt, warum Napoleon Hill („Denke nach und werde reich“) im Grunde bloss ein „MLM Scammer“ war. Jani weist darauf hin, dass Wahrheiten als Köder benutzt werden, um verwundbaren Menschen extreme Ansichten unterzujubeln; diese können nicht beurteilen, was stimmt und was nicht. Weil via Internet geworben wird, mischen sich Betrüger unter diejenigen, die ehrlich bemüht sind. Es überfordert viele, die Spreu vom Weizen zu trennen; Coachings erweisen sich auch als eine Art Einstiegsdroge, wie man beim NXIVM-Kult erkennen konnte, der auch mit MLM zu tun hatte (siehe diese Doku). Bei NXIVM sollte man an Connections zur Epstein-Affäre denken, aber das würde bedeuten zu recherchieren und Dinge einzuordnen. James Jani zitiert Zeitgenossen von Napoleon Hill, dessen Betrügereien so offensichtlich waren; und dennoch fielen einige Menschen darauf hinein. Hill gründete etwa ein Automobil College als Scam und behauptete fälschlich, er habe den damals reichsten Menschen Andrew Carnegie getroffen und interviewt. Leichtgläubigkeit gegenüber Hill lässt auch die Parallelen zwischen der bolschewistischen Operation Trust und QAnon nachvollziehbar erscheinen; das rund um Q samt Trump verbreitete Weltbild fügt sich nahtlos in das, wovon Scammer leben, weil Anhänger nicht recherchieren und überprüfen. „Rich Dad, Poor Dad“ von Robert Kiyosaki wird gerade massiv beworben, doch seine YouTube-Interviews wirken wie geskripted mit nicht überprüfbaren Beispielen.

Eine dunkle Welt

Obwohl er selbst unter anderem bei der US-Marine und im Vertrieb tätig war, stellt er das Dasein als „Entrepreneur“ dem als „Employee“ unvereinbar gegenüber. Letztlich delegitimiert er den Staat und jede Form der Ausbildung, doch vor allem geht es wieder einmal um Multi Level Marketing und aktuell auch um Bitcoin. Natürlich wird auch der Begriff „dunkel“ gekapert, der hier einen Blick hinter die Fassade meint; für Scammer sind diejenigen „dunkel“, die sie in Frage stellen. Wie James Jani weist auch die Doku unten auf James Arthur Ray hin, der eine Schwitzhüttenzeremonie leitete, bei der drei Menschen starben. Er wurde zwar wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, machte aber nach seiner Haftstrafe munter weiter und knöpft den Leuten Unsummen ab. Es passt ins Bild, dass Ray auch in „The Secret“ vorkommt; was die angebliche Wesenheit „Abraham“ angeht, sprach sie durch Esther Hicks, deren inzwischen verstorbener Gatte Jerry alles aufzeichnete. Jerry war früher bei Amway tätig, also im Bereich MLM; die Hicks spielen samt „Abraham“ auch eine Rolle bei „The Secret“. Unten wird auf Shaman Durek verwiesen, mit dem sich Hollywood-Promis umgeben und der dementsprechend teuer ist. Fast schon sympathisch wirkt Unicole mit ihrem Merchandising, die behauptet, eine Außerirdische zu sein; auch vor ihr wird aber gewarnt. Im Film wird auch gezeigt, wie einige Leute das Froschgift aus dem Amazonas Kambo nehmen, was zu heftigem Erbrechen führt. Dass dies nicht ganz ungefährlich ist, sieht man anhand eines Prozesses in Niederösterreich, weil eine junge Frau nach der Einnahme von Kambo beinahe starb. Kambo wird immer beliebter, was an Ayahuasca-Zeremonien erinnert; vielleicht hat beides ja auch etwas von kultureller Aneignung?

Shaman Durek, Unicole, NXIVM und Co.

Es war zu erwarten, dass der mit C gerechtfertigte Ausnahmezustand den Bedarf an Heilsversprechen noch steigerte. Dabei ist gar nicht entscheidend, wie man zu C steht, weil psychisch belastende Alltagssituationen kreiert wurden. Mit C werden in der Gesellschaft schon vorhandene frei flottierende Ängste kanalisiert und für eine „Mass Formation“ verwendet. C erfüllt die Kriterien eines Kultes ebenso wie es die Vorstellungen fanatischer Anhänger von Qanon tun. Gerade hier aber kommt es auf politische Reaktionen an, da es nichts ist, das man eben irgendwie wegstecken muss. „New Thought“ und „Law of Attraction“ erklären uns aber zu den Ko-Kreatoren dieser Rahmenbedingungen, als ob jeder von uns auf einer Ebene zum Beispiel mit der Regierung agiert. Es hätte bei allen Menschen intensiver Wissenserwerb einsetzen müssen, doch während die einen recherchierten und vielfach in einigen Gebieten auch Fachwissen hatten, verhielten sich andere wie Scammer. Sie bedienten sich bei der Expertise anderer und waren damit im nachprüfbaren Bereich, ergänzten jedoch Anekdotisches und Spekulatives. Somit ging es dann bald um angeblich gute Kräfte im Hintergrund oder auch um Übernatürliches, das uns ja auch von MLM-Akteuren immer wieder serviert wird. Es appelliert daran, dass doch jeder gerne an sich arbeitet und bei einer großen Sache Auserwählter dabei sein möchte.

Bentinho Massaro

Der Holländer Bentinho Massaro schart Anhänger um sich, weil er bis 2035 eine „erleuchtete Zivilisation“ erschaffen will. Massaro kann man für 199 Dollar pro Monat auf Telegram folgen; man kauft Zugang zu Videos oder man besucht ein Retreat; manche werfen ihm missbräuchliche Beziehungen zu seinen Fans vor. Ein junger Mann nahm sich nach einem Retreat in Sedona, Arizona das Leben; Frauen werden von Massaro mit Sex „belohnt“, der nicht von ungefähr mit Keith Raniere von NXIVM verglichen wird. Massaro behauptet, dass er levitieren und an zwei Orten zugleich sein kann; er ist auf das dritte Auge fixiert, also auf ESP-Fähigkeiten, die man seriös wie in „Third Eye Spies“ untersuchen kann (auch UFO-Kontakte könnten ernstzunehmen sein). Es passiert ziemlich leicht, dass jemand zum Guru verklärt wird, denn dies konnte man am Rande der ersten C-Demos bei Peer Eifler beobachten; er kündigte auch mit anderen eine Sammelklage gegen die Republik an. Besonders Frauen bewunderten ihn, der Maskenbefreiungs-Atteste ausstellte und dann verfolgt wurde; Falschgutachten werden Kammer und Justiz hingegen gedeckt, wenn sich kriminelle Netzwerke so bereichern. Eifler wanderte nach Tansania aus, wo er offenbar eine Gemeinschaft gründen wollte, in die Anhänger investieren sollten. Auch die Pro-Pro-C-Seite kommt bald mal als Guru daher, wie man bei Matthias Strolz sehen kann, der einst an der Spitze der NEOS stand. Wenn er mit einem Baum redet, widmet dem Thalia zwar ein ganzes Fach im Esoterik-Regal; es hat aber etwas von einem Scammer (der vielleicht bei Faun und Wolf-Dieter Stohrl mit „Gwydion“ klaut). Bezeichnend, dass Strolz von Schau TV interviewt wird, das zum „Kurier“ gehört, an dem Raiffeisen und Signa beteiligt sind. Mit Raiffeisen und dem russischen Oligarchen Oleg Deripaska ist wiederum NEOS-Sponsor Hans Peter Haselsteiner im Geschäft; die Partei deckt auch Haselsteiners Partner Alfred Gusenbauer.

Matthias Strolz

Das Wort Guru sollten wir eigentlich nicht verwenden, weil es ein religiöser Titel für einen Lehrer ist. Doch es gibt einige sogenannte Gurus wie William Toel, der „den Deutschen“ ein Heilsversprechen macht, nachdem er ihnen scheinbar verriet, dass sie durch Bletchley Park gehirngewaschen wurden. Die Blase, in der Toel verehrt wird, bezieht sich auch auf den Putin-Anhänger mit Reichsbürger-Verbindungen Hans Joachim Müller. Müller und seine Freunde treten auch bei Veranstaltungen unter anderem in Österreich auf; Videos werden ins Netz gestellt. Nun wird hier natürlich nicht das grosse Geschäft gemacht (verglichen mit Bentinho Massaro oder James Arthur Ray), aber die Leute bekommen für ihr Geld meist Unbewiesenes und leicht zu Widerlegendes. Es nimmt bei ihnen jenen Platz ein, den echte Informationen haben sollten, auf denen sie aufbauen könnten. Das gilt auch bei Anhängern von Monika Donner, die fast schon Lebenshilfe vermitteln will, aber im Verteidigungsministerium nie wirklich die Verfassung hochhielt, sondern sich immer fügte. Man kann übrigens auch Matthias Strolz buchen; abschliessend sei erwähnt, dass James Rani besonders empörte, dass „Abraham“ Täter und Opfer gleichsetzt. Dies liefert schwächere, auch naive Menschen denen aus, die sich ohne Skrupel auf Kosten anderer bereichern. Nicht die richtigen Gedanken des Opfers bieten Tätern Einhalt, sondern entsprechende Rahmenbedingungen.

Diese Recherchen erfordern sehr viel Aufwand und sind in dieser Form einzigartig. Es ist immer notwendig, alles neu zu bewerten und weitere Puzzleteile zu einem sehr komplexen Bild hinzuzufügen. Davon profitiert jeder, der mit einzelnen Bereichen in Berührung gekommen ist oder der sich fragt, wie etwas einzuordnen ist. Als Grundlage für weitere Recherche, für parlamentarische Untersuchungen, für Ermittlungen der Justiz eignet es sich auch sehr gut. Es kommt oft darauf an, durch Zufall an eine mögliche Verbindung überhaupt mal zu denken, um sie und einiges mehr zu finden.

Jeder finanzielle Beitrag dazu ist herzlich willkommen:
Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX

Vielen Dank!

Für Inputs und Feedback etc. bin ich auch telefonisch erreichbar unter +43 (0)66499809540

4 Kommentare zu „Die dunkle Seite der Erleuchtung

  1. Jap, die Erleuchtung bringt zwar Erkenntnis, mit ihr aber auch Sorgen und viele weitere Fragen 🙂
    So bin ich nun auf das Netzwerk der „Straussianer“ getroffen, die sich scheinbar für die Kriege verantwortlich zeigen und wohl die nächsten Kriege schon vorbereiten:
    https://parstoday.com/de/news/world-i69078-ein_neuer_krieg_bereitet_sich_f%C3%BCr_die_kommende_niederlage_gegen_russland_vor

    Dementsprechend hat Putin dieser Gruppe wohl den Krieg erklärt:
    https://linkezeitung.de/2022/03/02/russland-erklaert-den-straussianern-den-krieg/

    Interessanterweise hab ich davon noch nie gehört oder gelesen.

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    1. Sehr gut erklärt es Eckhard Tolle, den James Jani auch empfiehlt:

      Er sieht den Mainstream selbst sehr kritisch, warnt aber allgemein davor, auf Unterdrücker vs. Unterdrückte als geradezu obsessive Erklärung hereinzufallen. Er bringt als Beispiel für ein absolutes Extrem Kambodscha, wo am Ende jeder ein Unterdrücker war, der einmal schreiben und lesen gelernt hat; man hat solche Leute in Lagern arbeiten und verhungern lassen, ein Drittel der Bevölkerung wurde getötet.

      Ein simples Freund-Feind-Schema entsteht auch in Alternativmedien; letztlich muss jeder immer wieder prüfen, ob seine Vorstellungen nicht obsessiv werden. Zugleich gibt es inszenierte Abläufe, die ich ja beschreibe, wo sich aber Mitwirkende meist nicht als Unterdrücker verstehen (oder als Unterdrückte, die Unterdrückern zujubeln). Derlei ist komplexer, weil Mitmachende selten verstehen, dass sie nicht deswegen z.B. in den ORF eingeladen werden, weil sie so toll sind, sondern weil sie in ein Konzept passen. Oder ihre Freunde sind mal an der Reihe, die aber deswegen ihre Freunde sind, weil sie in dieses Konzept passen. Kritiker wissen zwar, dass da etwas nicht stimmt, aber wie konkret das ist, wie man es erkennt usw. ist dann schon wieder etwas ganz anderes. Und schon fallen sie genau auf ein Unterdrücker / Unterdrückte-Schema herein….

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  2. Es gibt auch noch die peinliche Seite der Erleuchtung. Das sind jene Gruppen, wie WEF, NATO, Regierungsberater oder think tanks, die vermutlich aus Arroganz und Selbstherrlichkeit, philosphischer oder idealisierter Verblendung oder aus moralischen Verfall geopolitische, militärische oder nationale Situationen falsch einschätzen oder nicht zu Ende denken. Diesen Schaden haben wir auch laufend auszubaden. Es schmerzt, wenn 100.000 Ukrainer von Beginn an ohne Aussicht auf Erfolg in den Tod geschickt werden, abgesehen vom finanziellen Desaster.

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