Der Fall Chorherr und das Netz der Immobilien-Investoren

Einige sehen in der Anklage gegen den ehemaligen grünen Politiker Christoph Chorherr und seine Spender einen Beweis dafür, dass es auch Korruption jenseits der ÖVP gibt. Doch man kann ziemlich schnell Punkte verbinden, wenn man sich ansieht, wer mit wem vernetzt ist. Nicht uninteressant ist, dass Akteure von der Alternativen Liste kommen, der die Vorzugsstimmenaktion für Josef Cap bei der Wahl 1983 sehr schadete. Chorherr engagierte sich bei der Alternativen Liste Wien, und zwar bei der eher bürgerlichen Donnerstagsgruppe; die Montagsgruppe war radikaler. Auch Ex-Bundeskanzler Christian Kern war einmal bei der ALW, ging dann aber zur SPÖ. Vizekanzler Werner Kogler begann bei der Alternativen Liste Graz, was auch für mich selbst gilt. Bei Chorherr ist auch bemerkenswert, dass sein Vater Thomas Herausgeber der „Presse“ war, was auch auf Otto Schulmeister zutrifft, der zudem für die CIA tätig war und dessen Sohn Stefan linke Positionen vertritt. Der Sohn des Wiederbegründers der Zeitung nach dem Zweiten Weltkrieg Ernst Molden, Otto Molden, kreierte das Forum Alpbach, das als Vorbild des WEF in Davos diente; die Moldens standen auch für Widerstand gegen die Nazis. Vereinfacht gesagt würde man bei Christoph Chorherr eher eine gewisse Nähe zur CIA erwarten statt Sponsoren, die Connections zur Sberbank haben, die auch dem russischen Geheimdienst zur Verfügung steht. In der Chorherr-Anklageschrift fallen diesbezüglich die Namen Wilhelm Hemetsberger und Rene Benko auf.

Beide sind recht grosszügig bei Chorherr-Projekten, doch Hemetsberger war 2012 am Verkauf der Osteuropa-Töchter der Volksbanken an die Sberbank beteiligt. Diese gab heuer im Juni bekannt, dss sie ihre Präsenz in Europa reduzieren wolle, was natürlich die einst geschaffene Sberbank Europe betrifft. Darin ist nun die Wiener Kanzlei Hempel Cerha involviert, bei der ÖBAG-Chefin Edith Hlawati Partnerin ist. Wer sich mit Netzwerken und deren Wirken befasst, kennt schlechter Krimi-Momente, die wir hier sogar mehrfach haben. Denn 2019 war der Aufsichtsratsvorsitzende der Sberbank Europe Siegfried Wolf als ÖBAG-Chef im Gespräch; da er Ex-Kanzler Sebastian Kurz förderte, interessierte sich auch die Korruptionsstaatsanwaltschaft dafür. Man fragt sich unweigerlich, was denn jetzt so viel anders ist, zumal Kurz vom Strafrechtsprofessor Peter Lewisch, der für Hempel und Cerha tätig ist, per Gutachten zu WKStA-Ermittlungen entlastet wird. Der schlechte Krimi geht jedoch noch weiter, denn Chorherr-Spender Rene Benko erhält Kredit von der Sberbank Europe, wobei wir uns wohl auch Immobilien als Sicherheiten vorstellen können.

Sberbank Europe am Schwarzenbergplatz

In der Anklageschrift wird explizit die Signa Real Estate Management genannt, die eine Tochter der Signa Prime Selection mit Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer im Aufsichtsrat ist. Ausserdem erwähnt die WKStA die Signa Development Selection AG, an der die Haselsteiner Familien-Privatstiftung mit Gusenbauer im Vorstand beteiligt ist und auch Gusenbauer selbst, der dem AR dieser Signa-Firma angehört. Der schlechte Krimi geht noch weiter, weil die Signa Real Estate Management der grösste Kunde von Treuhand Partner Austria ist, den auch von Wirecard und Commerzialbank Mattersburg bekannten Wirtschaftsprüfern. Die WKStA hätte bei der Commerzialbank doch genauer hinsehen sollen, die TPA weiter beauftragte, obwohl die Kanzlei nach einer Sperre von Prüfern durch die Finanzmarktaufsicht gesetzlich ausgeschlossen war. Damit nicht genug delegierte das Land Burgenland die Revision des Fast-Alleineigentümers der Bank, einer Kreditgenossenschaft ebenfalls an TPA. Unten sehen wir eine Benko-Immobilie, die ehemalige Postsparkasse in Wien, die vorübergehend als Corona-Testzentrum diente. Genaugenommen gehört sie der Signa Prime Selection und wurde nach einem Deal mit der Bundesimmobiliengesellschaft um 300 Millionen Euro aufgewertet. Rein zufällig soll das Gebäude auch von der Universität Linz genutzt werden, deren Rektor Meinhard Lukas Signa-Aufsichtsrat Gusenbauer im Eurofighter-U-Ausschuss 2017 half, seine Rolle beim Eurofighter-Vergleich zu verschleiern. Die WKStA geht bei der Anklage gegen Chorherr und Co. auf die Bautätigkeit der Signa beim neuen Wiener Hauptbahnhof ein. 2017 wurde gemeldet, dass Benko mit TPA den grössten Immobiliendeal des Jahres mit dem Verkauf des Bürokomplexes The Icon Vienna an die Allianz machte.

Ehemalige Postsparkasse

Siegfried Wolf gehört seit wenigen Jahren auch dem Aufsichtsrat von Porsche an; der Porsche-Clan investiert in den „Falter“ mit Chorherr-Freund Florian Klenk als Chefredakteur. Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gehörte bis 2017 dem Aufsichtsrat der Signa Prime Selection an und schied dann aus, weil er immer wieder mangelnde Transparenz beklagte. 2011 erwarb er mit Benko und dem griechischen Reeder Georges Economou noch die Kaufhof-Kette. Mit von der Partie bei Benko war auch der kurzzeitige Bank Austria-Chef Karl Samstag, der lange im Vorstand der Bank war und Gerhard Randa nachfolgte. Randa brachte es in seiner Laufbahn auf mehr als 20 Bankfusionen, gehörte von Anfang an dem Aufsichtsrat der Sberbank Europe an und war von 2016 bis 2018 deren Chef. In einer umfassenden Darstellung der Verbindungen von Ex-US-Präsident Donald Trump zu Russland wird erwähnt, dass er 2013 unter anderem Sberbank-Chef German Gref traf. Ausserdem war sein aussenpolitischer Berater Carter Page auch Berater der Gazprom, was er übrigens mit Hans Jörg Schelling gemeinsam hat, der von 2012 bis 2014 Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbanken AG und dann von 2014 bis 2017 Finanzminister war. Erik Prince, der Gründer von Blackwater, dessen österreichischer Anwalt Leo Specht Geschäftspartner von Alfred Gusenbauer ist, etablierte für Trump einen inoffiziellen Kommunikationskanal mit Russland. Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort war Geschäftspartner von Oleg Deripaska, der bekanntlich an der Strabag beteiligt ist. Deripaskas Geschäftspartner Siegfried Wolf vom Aufsichtsrat der Sberbank Europe gehörte von 2007 bis 2015 dem AR der Strabag an, dessen Vorsitzender Gusenbauer seit 2010 ist. Als Manafort für die Ukraine lobbyierte, war auch Gusenbauer an Bord, jedoch ebenso die Kanzlei Skadden, die Benko vertritt, und Lobbyist Tony Podesta, dessen Bruder John den Wahlkampf von Hillary Clinton leitete. Podesta lobbyierte auch für die Sberbank, und sein Bruder beriet Barack Obama, in dessen Wahlkampf 2012 sich die amerikanische Ehefrau von Willi Hemetsberger engagierte.

Spiegel-Titel 2007

Hemetsbergers Weg führte von der Basisgruppe Roter Börsenkrach an der Wirtschaftsuniversität in den Vorstand der Bank Austria. Er wurde im Jahr 2000 vom „Falter“ angeheuert, als dieser nach dem Ausscheiden von Chorherrs Mitangeklagtem Günter Kerbler einen neuen Partner suchte. Hemetsberger machte auch Geschäfte mit den ÖBB, deren Aufsichtsrat Leo Specht bis 2017 angehörte. So sonderlich sozial ist die Tätigkeit des Vereins s2Arch offenkundig nicht, an den Bauträger spendeten, denn es wurden keine Schulen in Slums in Südafrika errichtet, sondern neben einem Golfplatz auf der Farm eines Österreichers und ausserhalb von Johannesburg. Die Projekte wurden nach der Ithuba Capital Hemetsbergers Ithuba genannt; Hemetsberger sorgte auch für Spenden seines Londoner Businesspartners Steven Heinz von Landsdowne Partners. Daran beteiligte Architekturstudenten mussten die Kosten für Flug und Aufenthalt selbst übernehmen. Es wurde auch bekannt, dass die Familie Chorherr mit der Privatstiftung der Familie Kerbler verbandelt ist. Kerblers Geschäftspartner Markus Wischenbart war vorübergehend mit der Ibizagate-Maklerin verheiratet, die er vorher schon ein paar Jahre kannte. Manche denken an dieser Stelle daran, dass das Ibiza-Material letztlich mit Krugerrand im Wert von 600.000 Euro bezahlt worden sein soll. Dieses Detail kann natürlich Zufall sein, aber gilt dies auch dafür, dass Hans Peter Haselsteiner bis 2015 in Kerblers Conwert investierte, deren Verwaltungsrat ebenfalls bis 2015 Eveline Steinberger-Kern angehörte?!

Verfassungsgerichtshof und Palais Harrach

In der Chorherr-Anklageschrift fallen auch Erwin Soravia und Peter Steurer auf; für Soravia ist Chorherr tätig. Bei der Soravia Investment Holding sind Erwin Soravia und Peter Steurer Geschäftsführer, sie gehört den Privatstiftungen von Erwin und Hanno Soravia. Rene Benko wiederum kooperiert mit Hanno Soravia, sodass erneut ein Chorherr-Spender ins Spiel kommt. Die WKStA erwähnt auch Klaus Edelhauser, der Vorstand der Hanno Soravia-Privatstiftung ist, und Hermann Klein mit der Nationalbank-Tochter IG Immobilien-Invest. Benkos Luxusresidenzen am Gardasee wurden über die russische VTB Bank finanziert, deren mittlerweile aufgelassene Europazentrale am Ring auch einmal Michael Tojner gehörte. Benko, Gusenbauer und Beny Steinmetz wollten 2014 bei den Casinos Austria einsteigen; auch Chorherrs Mitangeklagter Tojner wollte ein Casino betreiben. Ironischer Weise will er gerade mit Airbus ins Geschäft kommen und führt zugleich einen Rechtsstreit mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der Airbus wegen der Eurofighter angezeigt hatte. Tojner soll das Burgenland beim Erwerb gemeinnütziger Wohnbaugenossenschaften betrogen haben. Da hierbei auch Tojners Partner Günter Kerbler an Bord war, schliesst sich der Kreis; zuerst lernte bei den Grünen übrigens Chorherr Kerbler kennen ubd dann folgte Pius Strobl. Dieser wechselte 2006 zum ORF, als Alexander Wrabetz zum Generalintendanten gewählt wurde. Das Foto oben zeigt links Freyung Nr. 8 in Wien mit dem Sitz des Verfassungsgerichtshofes in Räumlichkeiten, welche die Bundesimmobiliengesellschaft von Benko gemietet hat. In diesem Gebäude befindet sich auch das Bank Austria Kunstforum, während im Palais Harrach in Freyung Nr. 3 die Signa residiert. Auf dem nicht so prominenten Level sieht die Wiener Szene so aus, wie ein Unternehmer erzählte, der seinen Firmensitz zu Zeiten von Christoph Chorherr als stellvertretenderm Vorsitzenden des Wohnbauausschusses ausbauen wollte. Ihm wurde nahegelegt, eine Machbarkeitsstudie von einem Architekturbüro erstellen zu lassen, an dem Chorherrs Gattin zu 25% beteiligt und dessen Geschäftsführerin sie ist. Weil er sich weigerte, verzögerte sich alles um Monate, obwohl er auch das Okay des Bürgermeisters hatte; für so eine Studie wird ein Prozent der Bausumme fällig. Während sich Peter Pilz, in dessen Schlepptau Chorherr bei den Grünen anzutreffen war, vom Angeklagten distanziert, hält diesem mit Florian Klenk ein anderer Freund noch die Stange….

PS: Weil ich mich seit Jahren mit solchen Hintergründen befasse, wird mir sehr zugesetzt. Natürlich kommt man Drahtziehern im Hintergrund erst allmählich näher, weil sie über vorgeschickte Handlanger agieren. Diese Drahtzieher haben bei uns noch völlig freie Hand, sodass sie einem auch alles antun können und dann gedeckt werden. Auf diese Weise habe ich meine Wohnung und alles andere verloren, ich wurde arm gemacht und niedergehalten. Immer wieder stehen Tage an, an denen ich nicht mehr weiterweiss. Ich schreibe auch deshalb, weil mir die Netzwerke um Gusenbauer nicht auch noch meinen Geist rauben sollen; dies wurde dann dazu, dass ich diese Netzwerke enttarne.

Ich freue mich daher über eure Unterstützung und den Austausch mit euch und bin unter 066499809540 erreichbar. Weil „Zusetzen“ wie gesagt auch bedeutet, mich ökonomisch zu treffen, bedanke ich mich auch für eure finanzielle Unterstützung unter Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX vielen Dank!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.