Österreich, Wirecard und russische Geheimdienste

Der Wirecard-Skandal hat immer mehr Österreich-Bezug, und das macht die politische Szene nervös. Dies drückt sich u.a. darin aus, dass ÖVP und FPÖ für den 13. Juli Pressekonferenzen ankündigten, bei denen sie einander den Schwarzen Peter zuschieben wollen. Hatte auch Wirecard-Chef Markus Braun viele Freunde in der Politik, so wird es beim untergetauchten Jan Marsalek heikel, denn hier kommt der russische Militärgeheimdienst GRU ins Spiel. Ich habe im Titel meiner Analyse aber bewusst den Plural verwendet, weil auch die Nachfolger des KGB in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Medien mitmischen. Wirecard-Gründer Markus Braun spendete zwar für den Wahlkampf der ÖVP mit Sebastian Kurz, war aber bei den NEOS – wo er u.a. Matthias Strolz begeisterte – noch spendabler (hier 70.000 Euro, dort aber davor 150.000). Und der Erste, der ihm hierzulande Rosen streute, war Ex-ÖBB-Chef Christian Kern, der im J#nner 2016 auch auf eine Partnerschaft zwischen den Bundesbahnen und Wirecard verweisen konnte. Beim Innovation Club Netzwork von Eveline Steinberger-Kern war Braun gern gesehener Gast, wie man hier sehen kann.

Die Propagandaseite des SPÖ-Parlamentsklubs kontrast.at tut wie immer, wenn es um SPÖ-Kontakte zu Oligarchen, Geheimdiensten, organisierter Kriminalität geht, als ob einzig andere Parteien involviert wären. Wirecard wäre auch ohne verschwundene Milliarden und Insolvenz höchst zweifelhaft, weil man damit Profit machte, die Überwachung von Menschen voranzutreiben, und dies nicht von ungefähr auch in Asien: „2007 wurde Wirecard Asia Pacific in Singapur gegründet. 2008 führte Wirecard virtuelle Prepaid-Kreditkarten für Online-Zahlungen ein und im folgenden Jahr zur Betrugserkennung eine Fraud Prevention Suite, die auch KI und maschinelles Lernen nutzt. 2014 expandierte Wirecard nach Neuseeland, Australien, Südafrika und in die Türkei. Durch den Kauf der Prepaid Card Services von der Citigroup ist Wirecard seit 2016 auch in Nordamerika vertreten. Im gleichen Jahr übernahm das Unternehmen einen südamerikanischen Internet-Zahlungsdienstleister in Brasilien. 2019 beteiligte sich Softbank an Wirecard. Durch den Kauf der AllScore Payment Services aus Peking ist Wirecard seit November 2019 auch in China vertreten.“ Wenn von „Betrugserkennung“ die Rede ist, mutet dies fast wie ein makabrer Scherz an.

Markus Braun 2016 beim Innovation Club (Foto: Sabine Klimp)

 

Wegen „Frau und Kind“ ist Markus Braun nicht untergetaucht wie Jan Marsalek, der Vorstand für das Tagesgeschäft war und angeblich eine Söldnerarmee für Libyen aufbauen wollte. Er zeigte sich nie bei Pressekonferenzen, klappte seinen Laptop sofort zu, wenn jemand zu ihm ins Büro kam, hatte weder Matura noch Studium vorzuweisen, führte ein ausschweifendes Privatleben und wirtschaftete beständig in die eigene Tasche, und: „Marsalek soll viele Sprachen sprechen und fasziniert gewesen sein von Geheimdiensten. Er soll sogar Kontakte in Geheimdienstkreise haben. Einige sollen in den vergangenen Tagen noch kurze Antworten über den Messenger Telegram von ihm erhalten haben – darunter ein Smiley mit Tränen.“ Im ersten Moment denkt man sich, dass die GRU ja wohl nicht so bedürftig sein wird, einen Aufschneider anzuheuern, der sich nicht diskret verhalten kann. Aber er konnte bei Wirecard ein anderes Gesicht zeigen und außerdem passiert ja selbst denen in der Regel nichts, deren Zugehörigkeit zu russischen Geheimdiensten relativ offensichtlich ist. „From Payments to Armaments“ nennt die „Financial Times“ eine Geschichte über das „Doppelleben“ Marsaleks, der jetzt angeblich auf den Philippinen ist, allerdings mit gefälschten Angaben zur Einreise.

Diskussion auf Twitter

Die FT schreibt darin: „Mr Marsalek is now a person of interest to three western intelligence agencies, according to officials in three countries. In particular, they are intrigued by Mr Marsalek’s association with individuals or networks linked to Russia’s military intelligence directorate, the GRU — the agency blamed for the attempted assassination of ex-spy Sergei Skripal in Salisbury, the covert war in Ukraine, and the manipulation of the 2016 presidential election in the US.“ Als der Bundeskanzler noch Werner Faymann und nicht Sebastian Kurz hieß (also nicht von Markus Braun „beraten“ wurde), entwickelte Marsalek Interesse u.a. für Libyen: „Since 2015, Libya has been a focus of Mr Marsalek’s world beyond Wirecard. His activities there — fragments of which have been pieced together by the Financial Times — are a window into his alternative work: secretive projects that took him across the Middle East, often into conflict zones. For the past decade, Libya’s bloody civil war has kept all but the most adventurous western investors and boldest politicians away. But it has become the locus for a hidden war of interests — both commercial and diplomatic. And a playground for spies. Over the past six months, the FT has spoken to half a dozen individuals who worked directly with Mr Marsalek on projects in the north African country, and gained access to documents and emails concerning his affairs far outside the scope of his job at the helm of a major German multinational.“

Vielleicht ist er ja in China?

Einem der Informanten der FT hatte er im Juni 2017 erzählt, dass er als Gast der russischen Truppen in Palmyra war, das gerade vom Islamischen Staat zurückerobert wurde. Ein anderer meinte, man könne schwer beurteilen, inwieweit sich Marsalek des Netzwerkes bewusst war, in das er sich verstrickt hatte. In München residierte er sehr nobel in einem Haus in der Prinzregentenstraße 61 genau gegenüber vom russischen Konsulat.  Im Februar 2018 empfing er Besucher in seinem „palastartigen“ Domizil in München, um über Libyen zu sprechen: „Months earlier, through contacts he had made at the Austrian-Russian Friendship Society — an organisation backed by the Russian government to promote networking between senior policymakers in the two countries — Mr Marsalek had recruited a small group of Austrian security and international development experts for such a project. The Friendship Society, which has courted criticism in the past because of its cosy relationship with Moscow, hit the Austrian headlines this week, after it was revealed that its finance secretary had been receiving classified documents from Mr Marsalek — illegally obtained from Austria’s interior ministry and security service — and passing them to the country’s far-right populist party, the FPÖ.“

Jänner 2016: Zusammenarbeit von Wirecard und ÖBB

Die Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft ist aber in allen politischen Lagern vertreten und gehört zu einem über die Jahre immer dichter gewobenen Netzwerk an legitimen Geschäften, aber auch Geheimdiensteinfluss, Oligarchen und Organisierter Kriminalität. Aus der Sicht der GRU würde daher wenig Sinn machen bzw. überflüssig sein, was die FT so beschreibt: „Some of those Mr Marsalek used the society to gain introductions to, however — who included senior serving Austrian government officials and former diplomats — grew less than comfortable with Mr Marsalek’s interest in Libya as they came to understand more about it.“ Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass Marsalek gar nicht so viel mit der FPÖ zu tun hat wie manche es sich wünschen würden: „Originally, Mr Marsalek had offered them €200,000 to work for him and produce a report to suit his needs, according to an informal agreement discussed in a series of emails. Through contacts in the Friendship Society, he secured the promise of an additional €120,000 funding from Austrian government ministries, including the Ministry of Defence, according to signed official documents. But as time passed, Mr Marsalek appeared to have little interest in the subject of rebuilding communities in war-ravaged Libya that he had initially discussed.“

Das Präsidium der ORFG

Wohlgemerkt handelt es sich um „Monate früher“ bezogen auf Februar 2018, und da war nicht Mario Kunasek von der FPÖ Verteidigungsminister, sondern Hans Peter Doskozil von der SPÖ. Es ist kein Wunder, dass er mit einem Deal in russischem Auftrag einverstanden war, da er ja dem Oligarchen Oleg Deripaska dabei behilflich war, seinen Schwiegervater, Wladimir Putins rechter Hand und Jelzin-Schwiegersohn Valentin Jumaschew, samt Familie die österreichische Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Dies fand 2008/9 statt und es waren auch der heutige Magna-Chef für Europa und Asien Günther Apfalter, der ehemalige Magna-Sicherheitschef Franz Schnabl (heute Chef der SPÖ NÖ) und der damalige Landeshauptmann des Burgenlands Hans Niessl involviert. Wir können davon ausgehen, dass auch der bis Dzember 2008 amtiernde Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und sein Freund, Berater und dann auch Geschäftspartner Leo Specht eine Rolle spielten. Um „additional funding“ ging es bei Doskozil auch beim von einem FPÖ-Mitglied des Vorstandes der ORFG, Markus Tschank gegründeten Institut für Sicherheitspolitik. Es bekam ab Jänner 2017 jährlich 200.000 Euro vom Verteidigungsministerium, ohne mit echten Einrichtungen mithalten zu können, die traditionell diesen Betrag erhielten.

Michael Spindeleggers Funktionen

Außerdem gab es – mit der BMLV-Förderung gekoppelt – Geld vom Glücksspielkonzern Novomatic und die ILAG der Familie Turnauer mit Ex-Vizekanzler und „Kurz-Entdecker“ Michael Spindelegger im Aufsichtsrat zeigte sich ebenfalls spendabel. Spindelegger leitete die vom seit 2014 in Wien lebenden Oligarchen Dmytro Firtash gegründete Agentur für die Modernisierung der Ukraine, die immer noch in seinem Firmenbuch-Eintrag aufscheint. Zwischen Firtash, dessen Auslieferung die USA fordern, und Deripaska gibt es natürlich zahlreiche Verbindungen schon allein über diensteifrige Netzwerke in Österreich. Wenn man Firmenverflechtungen verfolgt, landet man von der ILAG beim Hotel Grand Tirolia, nachdem die von Specht vertretene Oligarchin Elena Baturina es verkauft hatte. Was Libyen betrifft, so können sich Insider schwer vorstellen, dass Marsalek sich wirklich für dessen wirtschaftliche Entwicklung interessierte, da sein Verhalten eher zu verdeckten Operationen der GRU passte. Und dann gab Marsalek allen Ernstes bei einem Wirecard-Meeting in London 2018 damit an, dass er fünf hochsensible klassifizierte Dokumente der OPCW zum Fall Sergej Skripal in seinem Besitz habe; er wollte andere damit beeindrucken oder aber kompromittieren. Hier kommt dann doch die FPÖ ins Spiel, weil diese da bereits sowohl für das Innen- als auch für das Verteidigungsministerium zuständig war und spekuliert wird, dass Marsalek die Papiere der österreichischen Mitgliedschaft in der OPCW verdankt.

Es geht um SPD-Staatssekretär Jörg Kukies

Als 2013 syrische Giftgasbestände vernichtet werden sollten, beteiligte sich auch die ABC-Abwehr des Bundesheers und erhielt sozusagen mit den Friedensnobelpreis.  Für die FPÖ ist auch eher unangenehm, dass Marsalek eine Präsentation zum Thema Asyl im Innenministerium gab, die mit dem damaligen Ressortchef Herbert Kickl nichts zu tun haben soll; dabei kommt auch Johann Gudenus von Ibizagate ins Spiel. Sie spielt daher den Ball an die ÖVP zurück, denn wie kommt es, dass Markus Braun zu den Beratern von Kanzler Kurz gehörte, die Antonella Mei-Pochtler um sich scharte? Wieder bietet Wikipedia Aufklärung: „Seit 2017 gehörte er der nach Antritt der Bundesregierung Kurz I im Bundeskanzleramt eingerichteten ‚Stabstelle für Strategie, Analyse und Planung‘ (auch Think Austria genannt) des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz an. Nach der Auflösung dieser Regierung wurde das Gremium von der Bundesregierung Bierlein aufgelöst, aber nach der Nationalratswahl in Österreich 2019 unter der Bundesregierung Kurz II wieder weitergeführt. Während Antonella Mei-Pochtler, die Leiterin der Stabstelle, ihn noch im Jänner 2020 als einen der mitwirkenden Experten nannte, erklärte ein Sprecher des Bundeskanzleramtes nach Beginn der Ermittlungen wegen Bilanzfälschung, Braun sei seit Antritt der Regierung nicht mehr in der Stabstelle tätig. Auch Kurz distanzierte sich am 23. Juni 2020 öffentlich von Braun.“

Mei-Pochtler 2020 als Kurz‘ „Schattenkanzlerin“

Bei Wirecard ist nicht alles jetzt anders, da Thomas Eichelmann, der seit 2019 dem Aufsichtsrat angehört, seit Jänner 2020 AR-Vorsitzender ist: „Von 1994 bis 2007 arbeitete er als Unternehmensberater für The Boston Consulting Group (Frankfurt am Main, 1994–1997), als Senior Manager für Bain & Company (München, 1997–2000) und als Senior Partner und Geschäftsführer sowie als Leiter des Kompetenzzentrums Financial Services für Roland Berger Strategy Consultants (München, 2000–2007).“ Mei-Pochtler gehörte bis 2011 dem weltweiten führungsgremium von Boston Consulting an, entdeckte dann aber das junge Talent Sebastian Kurz und wollte (sollte?) es fördern. Roland Berger (ehemals bei Boston Consulting) investierte in Rene Benkos Signa Holding, die eng mit jenen hierzulande vernetzt ist, die man vielleicht als Deripaska-Freundeskreis bezeichnen kann. Das Wirecard-Aufsichtsratsmitglied aus Wien Stefan Klestil ist kürzlich bei Roland Berger an Bord gegangen; er wurde auch in Wirecard-Jubelberichten siehe „Kurier“ erwähnt. Berger wird sicherer Instinkt für Investitionen nachgesagt, der aber bei Rene Benkos Signa Holding anscheinend versagt hat – oder ist auch er Teil eines größeren Planes in Richtung „feindlicher Übernahme“ letztlich auch des Staates?

Kurz und Benko als „Krisenmanager“

Wikipedia erinnert übrigens daran, dass bereits 2008 die ersten Betrugsvorwürfe gegen Wirecard erhoben wurden; erneut muss man auf die Verbindung zu China und dessen politischem System hinweisen: „Seit 2015 bietet die Wirecard Bank mit Alipay chinesischen Reisenden ihre gewohnte Zahlmethode im Euroraum an. Dazu kooperiert es mit Einzelhändlern wie z. B. Rossmann, Printemps, The Body Shop, Swatch oder der National Bank of Greece Seit 2017 kooperiert Wirecard auch mit WeChat Pay.“  Nicht von ungefähr wird von einem fein ausgeklügelten, weltumspannenden Betrugssysten gesprochen und der „Vertraute“ von Markus Braun, Jan Marsalek schaffte ist vorerst, spurlos zu verschwinden, falsche Spuren zu legen. Zur unmittelbaren Vorgeschichte im letzten Jahr zählten Leerverkäufe, denen dann Ermittlungen folgten: „Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erstattete Anfang Juni 2020 aufgrund des Verdachts der Marktmanipulation Anzeige gegen den Vorstandvorsitzenden Markus Braun und drei weitere Vorstandsmitglieder der Wirecard und ließ deren Geschäftsräume durchsuchen.“ Zuvor war es wie bei anderen Senkrechtstartern eine Mischung aus Hypen, demonstrativem Wegsehen und wenigen, die Lunte rochen, auf die aber niemand hören wollte.

Ein Geheimdienstexperte zu Marsalek

Vielleicht ist es kein Zufall, dass der Deripaska-Mann Ex-Verteidigungsminister Doskozil 2017 versuchte, den Aktienkurs von Airbus zu manipulieren, einem für Deutschland wichtigen Konzern, der von seiner Marktkapitalisierung abhängt. Doskozil hing Airbus korrupte und geheimdienstaffine Netzwerke in Österreich wegen der 2003 erfolgten Beschaffung von Eurofighter Typhoon um. Er zeigte Airbus an und ließ die Lobbyingfirma FTI Consulting mit Desinformationen auf internationale Medien und Marktanalysten los, die mit dem Deripaska-Mann Alfred Gusenbauer für die russlandfreundliche Regierung von Viktor Janukowitsch in der Ukraine lobbyiert hatte.  Angeheuert hatte alle der Deripaska-Geschäftspartner Paul Manafort; auch die Firma Mercury LLC, auf die Deripaska selbst zurückgriff und die mit dem Führer der Mehrheit im US-Senat Mitch McConnell, genannt „Moscow Mitch“ in Verbindung steht. Der Vater von McConnells chinesischen Frau Verkehrsministerin Elaine Chao besitzt das Schifffahrtsunternehmen Foremost Group, das, bei chinesischen Staatsbetrieben bauen lässt. Wenn man sich mit solchen Zusammenhängen befasst, ist man auch aufmerksam bezüglich der Stichworte und Puzzleteile, die bei Wirecard auftauchen. Wie beim China- und Russland-Lobbyisten Christian Kern gibt es nun einmal immer wieder Bezug zu Ostasien:  „Seit 2018 kooperiert Wirecard mit Gebr. Heinemann, dem größten Betreiber von Duty-Free-Shops an Flughäfen in Europa, um auch chinesische Zahlungsmethoden zu integrieren. Ende 2018 machte Wirecard aus Stuttgart die erste ‚China Pay City‘ in Deutschland und führte Alipay und WeChat Pay bei zahlreichen Einzelhändlern, Restaurants, Museen und den Verkehrsbetrieben ein.“ Beim Geschäft mit Duty Free-Shops mischte einmal ein inzwischen verstorbener Inder namens Rakesh Sardana mit, der von Wien ausgehend bespitzelt, eingeschüchtert, verleumdet, ruiniert wurde und zwar von Personen aus dem Netzwerk des Ex-Kanzlers Alfred Gusenbauer.

Wird die Wirecard-Affäre in ihrer ganzen Tragweite vertuscht?

Dieser ist seit 2010 Aufsichtsratsvorsitzender der Strabag, bei der Deripaska 2007 einstieg; in Deutschland wird sein Name etwa mit Hochtief assoziiert.  Deripaska kommt beim Wikipedia-Eintrag zum Baukonzern zwar nicht vor, dafür aber der Aufsichtsratsvorsitzende von Wirecard: „Des Weiteren legte der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Wennemer sein Amt zum 31. Dezember 2012 nieder. Nachfolger wurde das bisherige Aufsichtsratsmitglied Thomas Eichelmann.“ Ohne die Rolle von Markus Braun bei Wirecard schmälern zu wollen, kann Eichelmann damit Alfred Gusenbauer, seinem Stellvertreter Erwin Hameseder von Raiffeisen (Aufsichtsratsvorsitzender beim „Kurier“, zu dem auch „trend“ und „profil“ gehören und an dem sich Benko beteiligte), Siegfried Wolf (Aufsichtsratsvorsitzender der Sberbank Europe und von Russian Machines) und einigen anderen die Hand geben. Bevor wir noch einmal auf die Geschichte von Wirecard eingehen, ein weiteres Zitat zu China: „Ab Ende 2019 stellt Wirecard die Bezahllösung für das Angebot Your Gateway to China der Schweizerischen Post bereit. Über das Cross-Border E-Commerce-Angebot können Schweizer Einzelhändler ihre Produkte auf virtuellen Marktplätzen direkt chinesischen Konsumenten anbieten. Wirecard wickelt alle Transaktionen mit führenden chinesischen Zahlungsmitteln ab.“ Zu diesem Zeitpunkt wurde längst u.a. aufgrund von Leerverkäufen Alarm geschlagen und die „Financial Times“ begann mit ihren Recherchen auch zu Jan Marsalek.

Tja, gute Fragen….

Ich habe mich in den letzten Monaten damit befasst, Muster und Strukturen von schrittweiser Subversion herauszuarbeiten, auch Firmenverflechtungen zu folgen, die mutmaßlich mit Geldwäsche zu tun haben. Daher lese ich den Hinweis auf eine Bankkonzession für Wirecard auch mit besonderer Aufmerksamkeit: „Seit Januar 2006 ist die Wirecard Bank Teil der Wirecard-Unternehmensgruppe und verfügt über eine deutsche Banklizenz. Die Bank hat Verträge mit mehreren Kartenorganisationen und kann für deren Kredit- und Debitkarten-Marken Kartenakzeptanzverträge (Acquiring) schließen. Die Wirecard Bank ist Mitglied im Bundesverband deutscher Banken sowie dessen Einlagensicherungsfonds. Die Wirecard Bank ist dem genossenschaftlichen Rechenzentrum der Fiducia & GAD IT AG angeschlossen und nutzt als Kernbankensystem agree21. Vor der Fusion der beiden Vorgängerinstitute der FGI nutzte die Wirecard Bank bank21 von GAD eG. Im November 2006 startete Wirecard den Prepaid-Internet-Bezahldienst mywirecard. Kunden können sich online anmelden und ein Konto bei der Wirecard-Bank eröffnen, das sie dann per Überweisung, Lastschrift, Bareinzahlung oder Einzahlung über die Kreditkarte aufladen. Dabei erhält jeder Kunde grundsätzlich eine virtuelle Prepaid-MasterCard, auf Wunsch auch als Plastikkarte.

Kurz vor ein paar Jahren bei der ORFG

Seit 2010 ist die mycard2go (vormals wirecard 2Go VISA) im Portfolio der Bank – eine Prepaid-Kreditkarte, die im Einzelhandel erworben und bereits beim Kauf mit Guthaben aufgeladen werden kann. Vor der Nutzung ist noch eine Online-Aktivierung notwendig. Wirecard sah sich immer wieder Geldwäschevorwürfen ausgesetzt, was der Konzern stets dementierte. Die Süddeutsche Zeitung mutmaßte im Juni 2020, es scheine so zu sein, dass die Wirecard Bank Betrügerbanden angezogen habe. Finanzkriminelle, die ihren Sitz in Offshore-Oasen hatten, hätten bei ihr Konten offenbar ohne große Kontrollen eröffnen können. Sie zitiert den Münchner Fachanwalt Peter Mattil, der geschädigte Kunden vertritt und Schadenersatzklagen gegen das Institut plane: ‚Unser Eindruck ist, dass diese Banden bei den meisten Banken in Deutschland abgeblitzt waren, bei der Wirecard Bank erhielten sie jedoch ein Konto, Verdachtsanzeigen unterblieben‘.“ Der schöne Schein platzte, als Wirecard am 18.Juni 2020 eingestehen musste, dass die Wirtschaftsprüfer von EY (Ernst & Young) keinen ausreichenden Nachweis für 1,8 Milliarden Euro hatten, die sich auf Treuhandkonten befinden sollten. Staatsekretär Jörg Kukies steht zugleich an der Spitze der BaFin, die man mit der österreichischen FMA vergleichen kann, und war mit Markus Braun noch vor wenigen Monaten bei einer Veranstaltun, sprach aber auch „geheim“ mit ihm.

Zweierlei Klestil: Stefan K. von Wirecard und Thomas K.

Wirecard war immer sehr großzügig bei Garantien für Zahlungsausfall bzw. nahm Bonitätsprüfungen nicht so genau; ist das schlicht ein Äquivalent zu Immobilienkäufen von Oligarchen über dem Marktpreis bzw. Verkäufen untereinander? Was, wenn Wirecard von Anfang an eine Operation eines fremden Staates war? Es erscheint nicht nur seltsam, dass Hochtief und Wirecard so eng verflochten sind; dazu kommt der Benko-Investor Roland Berger und mit Stefan Klestil der Sohn jenes Ex-Bundesüpräsidenten, dessen Witwe österreichische Botschafterin in Moskau war. Bei Boston Consulting und Mei-Pochtler denken viele daran, dass sie (wiederum per „Financial Times“) verkündete, dass „jeder eine App haben wird“ (wegen „Corona“), auch wenn dies am Rande des demokratischen Modells sei; es klingt wie für Wirecard geschaffen. Es passt auch perfekt ins Bild, dass die Kerns von Markus Braun ganz angetan waren und dass er den Deripaska-Parteien ÖVP und NEOS spendete. Mei-Pochtler beteiligte sich an der Planung des „Projektes Ballhausplatz“, das Sebastian Kurz ins Kanzleramt bringen sollte (wo man sie jetzt auch erreicht), und sah dessen Mentor Wolf mit dem Vermerk „Sigi Wolf, Russian Machines“ als einen der Sponsoren vor.

Klimavolksbegehren und Margit Fischer, Doris Schmidauer, Margot Klestil-Löffler

Eine der letzten, wenn nicht die letzte Meldung zu einem Deal von Wirecard betrifft die Kooperation mit dem russischen Online-Versandhandel Wildberries und stammt vom 16. Juni 2020. Zwei Tage später musste man ja gegenüber EY eingestehen, dass 1,9 Milliarden verschwunden sind und am 20. Juni schlug die BaFin Alarm. Wir wissen, dass amerikanische Geheimdienste den Markt und Kapitalbewegungen genau beiobachten; dies ist auch russischen zuzutrauen. Wildberries hat tatsächlich nichts mit Oligarchen zu tun oder mit der VTB Bank oder der Sberbank und ihrem Partner Yandex, sondern wurde von der Lehrerin Tatyana Bakalchuk gegründet, als sie schwanger war und überlegte, wie Frauen wie sie bequem von zuhause aus einkaufen können. Bakalchuk löste Elena Baturina als reichste Russin ab, bei der jedoch Verbindungen zu organisierter Kriminalität eine Rolle spielten und dass ihr verstorbener Mann Juri Luschkow Moskauer Oberbürgermeister war. Da die Sberbank verstärkt im Bereich Technologie und IT ausbauen will, hätte Wirecard wohl kaum Platz in Russland gehabt; es sei denn, um Wildberries mitzureißen?!

 

 

 

7 Kommentare zu „Österreich, Wirecard und russische Geheimdienste

  1. Wenn man/frau alle Links anklickt,
    landet man auch zu Frau Baders Artikel

    vom 9. Juli 2020

    Österreich – ein Land in Oligarchenhand?
    —————————————————————–
    in dem langen Artikel schreibt Frau Bader
    auch Folgendes.

    (….) er hatte u.a. mit Mitt Romney oder dem
    Oligarchen Roman Abramovich zu tun,

    der wie Deripaska Jude ist. (….)

    Sind wir schon wieder im Deutschland von
    Adolf Hitler angelangt?

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    1. Nicht diese alte Platte!

      Nur weil jemand Jude ist, hat er keinen Freibrief, über die Leichen anderer zu gehen….

      BTW vernichteten die Nazis auch Slawen… think about it, wer wird bedroht und ist Slawe?

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    2. Ich finde ja das sehr interessant;

      https://www.freitag.de/autoren/gela/wirecard-jan-marsalek-und-libyen

      Jan Marsalek gab wiederholt an, Miteigentümer einer Zementfabrik, der Libyan Cement Company (LCC) im Osten Libyens zu sein. Für Minenräumaktionen in diesen Industrieanlagen wurde die russische RSB-Group, eine private Militärfirma, unter Vertrag genommen. Ein Sprecher der RSB erklärte, das Unternehmen wisse nichts über Marsalek und habe nur mit dem Direktor der LCC Kontakt.

      LCC befindet sich heute in Besitz der in London ansässigen Libya Holding Group (LHG) und behauptet, von 15 Investoren aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt zu werden. Die LHG geht Partnerschaften mit Drittinvestoren ein, die eine Möglichkeit für Geschäftsbeteiligungen in Libyen suchen, bestreitet aber jegliche Verbindung zu Marsalek. Vor dem Kauf durch LHG im Jahr 2015 war die Zementfabrik im Besitz des österreichischen Mischkonzerns Asamer. Financial Times schreibt, dass jedoch fünf verschiedene Quellen in Österreich, Deutschland, Libyen und Russland sagten, Marsalek habe behauptet, er sei einer der neuen Eigentümer der LCC.

      Daneben geht aus Dokumenten der Münchner Beratungsfirma Wieselhuber & Partner, die für Asamer arbeitete, hervor, dass Marsalek einen Schuldenverzicht in Höhe von 20 Millionen Euro beantragt hat, den der österreichische Staat 2017 als Darlehen für LCC gewährte. Das Geld wurde an Marsalek ausbezahlt.

      Wer regierte schnell nochmal 2017? Kern mit Mitterlehner und dann mit Brandstetter….

      Und wer hat noch mit Zement zu tun? Basel (Deripaska), RHI-Magnesita (Schlaff), Christoiph Matznetter (Österr.- Russ. Freundschaftsgesellschaft), CFO von Lafarge Zement….

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  2. Herr Flynn kommt auch vor…

    Allerdings sagt uns dieser Bericht,
    dass es anders war.

    X-22 Report vom 10.7.2020 –
    Flynn’s Deklassifizierung perfekt geplant – [DS]
    fühlt den Schmerz –

    Bezahlung für Dossier bestätigt – Episode 2221b
    —————————————————————————–
    Der Deep State, die Massenmedien und die korrupten Politiker treiben ihre Veranstaltungen weiter voran.

    Trump und die Patrioten führen sie mit allem vor, was sie tun. Sie zeigen den Menschen auf, wie sie arbeiten und was ihre Absichten sind.

    Wir sehen das sehr deutlich am Beispiel des Richters Sullivan im Fall Flynn.

    Das Justizministerium lies die Anklage gegen General Flynn fallen, weil die Entlastungsbeweise zeigten, dass es keinen Fall gibt. Das Berufungsgericht hat das bestätigt und Richter Sullivan angewiesen, den Fall einzustellen.

    Doch der hat seine Marschrichtung erhalten und die lautet weitermachen und Zeit schinden. Was geschieht, wenn die Anklage gegen General Flynn eingestellt wird?

    ▶ Der Schuß wird auf der ganzen Welt gehört

    und ihr gesamtes Unternehmen, dass auf dem
    ▶ Russland-Absprachen-Schwindel basiert,

    fällt in sich zusammen. Flynn wäre dann vollständig frei und könnte über alles sprechen, was er weiß.

    Und er weiß viel. Er weiß, wo der Deep State seine Leichen versteckt hat.

    Davor haben sie panische Angst…..

    https://qlobal-change.blogspot.com/2020/07/x-22-report-vom-1072020-flynns.html#more

    Gefällt 1 Person

    1. qlobal change ist eine blase, die sich dauernd selbst bestätigt.

      nicht alles ist falsch, aber die anhänger recherchieren nicht selbst…

      flynn hat auch deripaska-verbindungen, was niemanden wirklich überrascht…

      nur dass das halt auch für trumps gegner gilt…

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  3. 02. Juli 2029

    Der Fall Wirecard
    ==============

    Skandal um Wirecard ist schwerer Rückschlag für Finanzplatz Deutschland. Behörden drückten alle Augen zu.

    Mit dem Skandal um den Fintech-Konzern Wirecard stehen Hoffnungen auf eine Stärkung des Finanzplatzes Deutschland vor dem Scheitern.

    Das Unternehmen, das lange Zeit als eine der erfolgreichsten Firmengründungen
    der Bundesrepublik galt, hatte seinen Aufstieg mit der Abwicklung von Kartenzahlungen erreicht und im September 2018 die Commerzbank im Dax, dem Index der 30 größten deutschen Konzerne, abgelöst.

    Wirecard schien Deutschland die Chance zu bieten, im Schnittfeld der Finanz- und der Digitalbranche zur Weltspitze aufzuschließen.

    ▶ Als Journalisten Anfang 2019 Unregelmäßigkeiten im Südostasiengeschäft des Unternehmens aufdeckten, nahmen zwar die Behörden in Singapur, dem Regionalstandort der Firma, umfassende Ermittlungen auf, nicht jedoch die zuständigen deutschen Stellen.

    Die Finanzaufsicht BaFin griff vielmehr Wirecard mit dem raschen Verbot von ▶ „Leerverkäufen“ unter die Arme und erstattete Anzeige gegen einen einschlägig recherchierenden Journalisten.

    Dem Rückschlag für den Finanzplatz Deutschland,
    den der Skandal nun bewirkt, gingen weitere voraus…..

    Singapur:
    Ermittlungen gegen Wirecard
    ———————————————-
    Gegen die deutsche Branchenhoffnung Wirecard
    ist seit mehr als zehn Jahren der Vorwurf erhoben worden, bei der Bilanz des Unternehmens gehe es
    ▶ nicht mit rechten Dingen zu.

    Besonders intensiv hat dazu die Londoner Financial Times recherchiert, die Anfang 2019 mehrere kritische Berichte über die Praktiken des Unternehmens publizierte.[4]

    Dabei ging es unter anderem um offenbar vorgetäuschte Umsätze im Konzerngeschäft in Singapur…..

    Deutschland:
    Strafanzeige gegen Journalisten
    —————————————————-
    …..Darüber hinaus untersagte die BaFin im Februar 2019 das sogenannte Short Selling („Leerverkäufe“) gegen Wirecard, um das Unternehmen gegen gefährliche Spekulationen abzusichern.

    ▶ Im April 2019 erstattete sie zudem Anzeige gegen einen Journalisten der ▶ Financial Times, der mit seinen Recherchen dazu beigetragen hatte, die Wirecard-Praktiken offenzulegen.

    Wirecard selbst kam in Deutschland – anders als in Singapur – ohne ernsthafte behördliche Ermittlungen davon……

    Hier noch viel mehr…

    https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8322/

    Ist das hier inzwischen ein deutscher Blog,
    der falsche Spuren legt. ???

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