Wer steht hinter Gusenbauer?

Warum ist Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer für die SPÖ sakrosankt? Und warum inszenierte man ein wenig Pseudo-Kritik über den Gusenbauer-Mann Landeshauptmann Hans Peter Doskozil? Wer setzte auf ihn, als die SPÖ in Opposition zu den Regierungen Schüssel war?  Warum „musste“ Gusenbauer versprechen, den Ankauf der Eurofightrer Typhoon rückgängig zu machen? Wessen Enttäuschung drückte Peter Pilz aus, als 2007 doch nur ein Vergleich mit Eurofighter abgeschlossen wurde? Wem gegenüber war Gusenbauer dadurch unzuverlässig; wen störte es, dass er Gefallen an der Kanzlerschaft fand und die Koalition nicht riskieren wollte? Was war die Absicht des Verteidigungsministers wider Willen Norbert Darabos – am Ende, dass alles wie von Schwarzblau bestellt geliefert wird?  Warum „musste“ Pilz in Absprache mit Doskozil Darabos wegen des Vergleichs anzeigen, und warum lässt sich Darabos alles gefallen? Auf den ersten Blick denkt man bei europäischen Jets an die Konkurrenz mit den USA – aber ist dies wirklich schon die ganze Wahrheit? Wie es sich zeigt, führt der Wirbel um das Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump auf die richtige Spur, denn da geht es auch um den in Wien lebenden ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtash

Die USA wollen nämlich seine Auslieferung wegen eines Deals, der Boeing 2006 den Zugang zu indischen Titanminen ermöglichen sollte. Damals ging es um die 787, den Dreamliner, für den der spätere Vizeverteidigungsminister Patrick Shanahan verantwortlich zeichnete. Titan ist im Flugzeugbau unentbehrlich auch wegen der Leichtbauweise mit Kohlenstofffaserverbundstoffen. Deshalb hat Boeing auch längst ein Joint Venture mit Russland, einem der bedeutensten Lieferanten von Titan. Nicht nur die 737 Max  ist problembehaftet, sodass Aeroflot nun bekanntgab, die Order für 22 Stück 787 zu stornieren. Sieht man sich den Ratgeber „Investieren in der Russischen Föderation“ von 2005 an, so fällt auf, dass zu den Gesprächspartnern auch die Kanzlei Jarolim und Specht zählte, die man durchaus SPÖ-nahe nennen konnte. Hannes Jarolim drückte später u.a. im 1. Eurofighter-Ausschuss alle Hühneraugen zu, und Specht errichtete im Oktober 2008 eine Projektentwicklung- und Beteiligung GmbH ein, die Gusenbauer zwei Monate danach übernahm. Wir hatten also  2005 eine SPÖ in Opposition, die im Jahr darauf einen „Sozialfighter statt Eurofighter“-Wahlkampf führen sollte, als Oligarch Firtash für Boeing indische Beamte bestechen sollte.

Aus „Investieren in der Russischen Föderation

Für das Russland-Handbuch wurde auch Sergej Distergov interviewt, der damals Electrolux-Repräsentant in der GUS war. Heute finden wir ihn u.a. als Geschäftsführer der ATM 2000 HandelsgmbH und als Gesellschafter der K-18 Souvenir GmbH, an der die Habeco GmbH beteiligt ist. An dieser wiederum u.a. die D-Turm BeteiligungsgmbH, womit wir bei den Unternehmungen der Familie Blaguss nicht nur im Donauturm  angelangt sind. Das Land Burgenland (und damit wiederum Doskozil)  ist zu 25% an den Burgenland Tours beteiligt und Blaguss zu 75% (Geschäftsführer ist Paul Blaguss. Ehe Doskozil Landeshauptmann Hans Niessl nachfolgte (als dessen „Kronprinz“ früher Darabos galt) wurde inoffizielle Amtsübergabe am Donauturm gefeiert, der damals im Februar 2019 frisch renoviert seinen Betrieb wieder aufnahm. Weil Anrainer nicht so begeistert waren von den Bauarbeiten (in denkmalgeschütztem Bereich), wurde die Sicherheitsfirma G4S eingesetzt, bei der Oskar Strohmeyer im Aufsichtsrat sitzt. Er war Gusenbauers „Schatten-Innenminister“ und gilt auch als Förderer Doskozils. Bei Electrolux müssen wir auch berücksichtigen, dass das Unternehmen wie Saab zum Wallenberg-Konzern gehört; 2011 warb Êurofighter-Gegner Rudi Fussi für Electrolux in ehemals kommunistischen Ländern.

Aus „Investieren in der Russischen Föderation

Nicht von ungefähr wurde für das Handbuch auch die Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft befragt, in der wir z.B. den verstorbenen Raiffeisen-Manager Ludwig Scharinger oder Ex-Innenminister Ernst Strasser fanden, der auch einmal bei der G4S war. Heute sehen wir in ihrem Präsidium etwa Richard Schenz von der Wirtschaftskammer, Christoph Matznetter von der SPÖ, den Anwalt Gabriel Lansky oder Gerald Gritzner von der Strabag. Bei der langen Liste an Vorstandsmitgliedern fallen etwa Hannes Jarolim, Barbara Kappel (FPÖ), Peter Fichtenbauer (FPÖ), Ex-Innenministeriums-Kabinettschef Michael Kloibmüller, Karlheinz Kopf (ÖVP, Vorsitzender 2. Eurofighter-U-Ausschuss 2017), Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina, Diana Neumüller-Klein von der Strabag, Josef Kirchberger, der mit Sonja Klima verheiratet ist oder Harald Mahrer von der WKO auf; es fehlen eigentlich nur noch Leo Specht, Alfred Gusenbauer, Martin Schlaff und Christian Kern. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich Raiffeisen nicht nur an der Strabag beteiligt, sondern auch Firtash bei der Gründung der RosUkrEngero behilflich war. Als Alfred Gusenbauer 2007 Kanzler wurde, gab es nicht nur diesen Deal und es zog Fritash generell nach Wien; damals beteiligte sich Oleg Deripaska an der Strabag und Martin Schlaff feierte mit Gusenbauer (und stieg bei RHI ein).

Rooseveltplatz 4-5, 1090 Wien

Was 2006 nach außen hin normaler SPÖ-Wahlkampf war, bestand auch darin, dass Gusenbauer und Specht mit den israelischen Ex(?)-Agenten Tal Silberstein und Chaim Sharvit nicht nur gegen die Schüssel-ÖVP siegen, sondern auch EADS (heute Airbus) Schaden wollten/sollten. Dies mag das Puzzle erst recht verkomplizieren, ist jedoch nicht mehr so absurd, wenn wir an jüdische bzw. russisch-jüdische Oligarchen denken. Was nach dem Zusammenbruch des Kommunismus (und teils davor) so alles möglich war, zeigt der Aufstieg des nunmehrigen Mehrheitseigentümers an den Casinos Austria Karl Komarek (Sazka Group). Die britische Firma Hakluyt, die dem MI6 nahestehen soll, hat die Methoden Komareks schon vor Jahren analysiert. Ist es Zufall, dass es bei Ibizagate auch um die ORFG und um die nun (planmäßig) verkauften Anteile an der CASAG geht? Letzteres ist unmittelbare Folge einer anonymen Sachverhaltsdarstellung, die wenige Tage nach Ibizagate bei der Justiz einlangte. Anders als wenn die Machenschaften der Gusenbauer-Netzwerke beschrieben werden, passierte da auch sofort etwas. Nicht von ungefähr sollen die Gusenbauer-Haselsteiner-Parteien SPÖ und NEOS einen Casinos- und Ibiza-U-Ausschuss einsetzen, der nur den Zeitraum seit Dezember 2017 untersucht, was u.a. Gusenbauer, Silberstein, Schlaff, aber auch Peter Goldscheider schont.

Aus „Offengelegt“ über Schüssels Kanzlerschaft

Mit welchen Mitteln wird in der SPÖ Widerstand unterdrückt? Heute hätte es einen Punsch-/Putsch-Stand vor der Parteizentrale geben sollen, der jedoch wieder abgesagt wurde. Das sollte uns nicht davon abhalten, eins und eins zusammenzuzählen, etwa wenn es um eine Einschätzung von Gusenbauers Lobbying-Aktivitäten geht. Nicht nur die Ukraine oder Kasachstan sind gemeint, es geht auch um Serbien – Gusenbauer stieg darauf 2013 ein; zu jenem Jahr heisst es:  „Gerade Serbien steht besonders  in russischem Fokus, soll das Land doch von einem NATO-Beitritt abgehalten werden. 2013 vereinbarten beide Länder eine ’strategische Partnerschaft‘, schlossen ein Abkommen über Verteidigungskooperation und erhielt Serbien einen Beobachterstatus in der von Russland dominierten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit OVKS.“ Darauf weist Ulf Walther im Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies (November 2018) hin. Wir wissen, dass Gusenbauer helfen sollte, Serbiens Weg in die EU zu ebnen; steht dies wirklich im Widerspruch zu russischer Politik oder ist es schlicht „manufacturing dissent“?

Abgesagte SPÖ-Revolte (Twitter)

Der Schwerpunkt jener JIPSS-Ausgabe befasst sich übrigens mit dem „Dritten Mann“ und der Geschichten der in die Produktion involvierten Geheimdienstler/innen; es gibt auch einen Konnex zu den Cambridge Five. Wenn wir heute mit Oligarchen und Offshore-Leaks zu tun haben, so darf dies nicht dazu verleiten anzunehmen, weitreichendes Aufdecken sei erwünscht. Dies wurde Daphne Caruana Galizia in Malta vor zwei Jahren zum Verhängnis, weil sie in den Panama Papers fehlende Puzzleteile der Korruption sozialdemokratischer Politiker durch aserbaidschanische Clans fand. Sie war auf sich allein gestellt, wurde von vielen gemieden, während andere sie bewunderten; alles in allem wurde aber signalisiert, dass sie Freiwild ist, was ich sehr gut nachempfinden kann. Erst nach ihrer Ermordung sprachen mehr Menschen aus, dass Malta zu einem Mafia-Staat wurde; etwas, das es auch in Österreich mehr als nur in Ansätzen gibt – und das nicht nur wegen zahlreicher Querverbindungen nach Malta. In der SPÖ bestehen nur dem Schein nach verschiedene Fraktionen, da alle mit Gusenbauer verbandelt sind und die allermeisten nicht merken, was gespielt wird.

PS: Mehr zu all diesen Verflechtungen auch neu hier.

4 Kommentare zu „Wer steht hinter Gusenbauer?

  1. Gusenbauer ist urfrech mit Hapsburg.
    Karl von Habsburg prüft Klage.

    Gusenbauer nützt den guten Ruf des Kaiserhauses in der Ukraine aus.

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  2. Absage des Punschstandes!

    Liebe Punschistinnen und Punschisten

    Aufgrund massiver Repressalien der Parteiführung gegen uns und zum Schutz der Sympathisanten sowie Basis Mitglieder sehen wir uns gezwungen den Punschstand abzusagen.

    — Putschstand (@putschstand) December 18, 2019

    Abgesagte SPÖ-Revolte (Twitter)

    Für mich liest sich das @putschstand Gezwitscher nach einer vorsätzlich organisierten, Partei schädigen wollenden, Lüge an. Da scheinen gar Einige von der sogenannten „Basis“ zu versuchen, PRW mit allen Mitteln, auch den Unfairen, zu diskreditieren, anstatt sich auf die politische Observation der Mitbewerber zu konzentrieren. Das Julia Herr’chen peinlich zu befragen, könnte Hintergründe beleuchtende Wirkung entfalten. Parteiausschlüsse müssen geprüft und gegebenenfalls vollzogen werden. Mit diesem schädigenden Partei-Bashing aus den Reihen der selbsternannten „Basis“ muss endlich Schluss sein – ones and for all !!!

    Wie auch immer

    MfG

    Gefällt 3 Personen

    1. Gegen PRW richtet es sich nicht – mich rief gestern kurz eine der verhinderten Veranstalterinnen an.

      Eher schon gegen ihr Umfeld, das keine Gespräche zulässt…

      Und Repressalien treffen nicht die Leute, die sich bloss in der SPÖ engagieren, ohne von ihr abhängig zu sein.

      Sie nannte aber z.B. jene, die ihnen Punsch-Equipment (wie immer die korrekte Bezeichnung ist) zur Verfügung stellen wollten.

      Dies sicher deshalb, weil sie sowas auch für Parteizwecke und anderes haben.

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