Unter Aufdeckern. Unter Aufdeckern?

Es gibt Aufdecker, und es gibt Aufdecker, und gibt es auch Aufdeckerinnen? Doch es sollte nicht um Männlein und Weiblein gehen, sondern darum, wer wirklich dort recherchiert, wo andere zurückschrecken oder gar alles zudecken. Unter anderem durch Dispute auf Twitter wird der Eindruck erweckt, als bestünde ein krasser Gegensatz z.b: zwischen  Richard Schmitt (oe24), Gerd Schmidt (EU-Infothek) und Bastian Obermayer & Frederik Obermaier von der „Süddeutschen Zeitung“. Letztere haben sich anonym Material anbieten lassen, dessen Quelle sie nicht kennen und wurden auch überzeugt, indem die „Oligarchennichte“ nochmal ein kurzes Gastspiel hatte. Das kritisieren andere, weil die Ibiza-Falle natürlich ein krimineller Akt war, auch wenn das Verhalten von Heinz Christian Strache und Johann Gudenus selbstentlarvend war. Auf der anderen Seite, also bei den Kritikern, packen Personen aus, die ebenfalls zwielichtig wirken, was jedoch unvermeidbar scheint, weil man sonst wenig in Erfahrung bringt. Aufdecker und Aufdecker bleiben damit aber in jedem Fall auf der Ebene von Handlangern, die sich sicher keinen raffinierten politischen Plot ausdenken. Es ist die Frage, ob die Justiz dem wirklich auf den Grund gehen will / soll / darf oder ob Auftraggeber auch via Recherche ausfindig gemacht werden.

Man sieht im Clip unten von oe24 (13.12.2019), wie Schmitt von Schmidt Näheres wissen will über einen verhafteten Bosnier im Ibiza-Randbereich, der V-Mann für die Sicherheitsbehörden war. Schmidt meint, er habe Rauschgiftdealer enttarnt oder  Menschenhandel zwischen den Balkanstaaten und Österreich. Die offenbar eher der Dekoration dienende Moderatorin darf dann bemerken, dass das wie in einem Spionageroman klingt, und Schmidt kann erklären, warum V-Leute zwar anrüchig sein mögen, aber für Ermittlungen unverzichtbar sind. Schmitt/Schmidt sind auch ganz „schoaf“ darauf, endlich mehr über die „Oligarchenichte“ zu erfahren, die für Obermayer/Obermaier vor Ibizagate aus Riga eingeflogen wurde. Auch bei der „schönen Maklerin“ geraten beide Herren fast ins Schwärmen, deren Part es war, Familie Gudenus weiszumachen, die „Nichte“ wolle ihr Gut kaufen. An der Seite von Obermayer/Obermaier finden wir inzwischen auch „Aufdecker“ Peter Pilz, da die SZ und seine Webseite Zackzack.at gemeinsam über den mehr als angezählten Ex-FPÖ-Chef Strache veröffentlichen.

Schmitt & Schmidt

 

Die SZ schreibt: „Nun könnten Aufnahmen von Taschen mit Bargeld dubioser Herkunft Strache in Bedrängnis bringen – die Fotos davon wurden SZ und Spiegel zugespielt.“ Zu allererst landeten diese Fotos aus dem Ermittlungsakt bei Peter Pilz, und Strache reagierte darauf, indem er meinte, das habe nichts mit ihm zu tun, sondern jeder könne eine Tasche mit Geld aufnehmen. Die SZ zählt andere Leaks der Behörden auf: „Zu allem Überfluss gibt auch noch Straches Terminkalender aus Regierungszeiten, der dem Magazin Profil zugespielt wurde, erstaunliche Einblicke. Vier Mal soll er 2018 im Vizekanzleramt einen Mann empfangen haben, dessen Spezialgebiet ’schamanische Energiearbeit‘ ist.“ Kalender werden für Regierungsmitglieder geführt und dann  im Staatsarchiv aufbewahrt; was die SZ nicht interessiert und auch von ihrem Kumpel Pilz verschleiert wird, ist das Löschen der für Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos angelegten Kalender. Wenn man anklickt, was via Pilz / Zackzack zu Strache verbreitet wird, findet man natürlich auch weitere Texte, unter anderem einen, der von einem „geheimen Eurofighter-Deal“ bei den Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und Grünen spricht. Dies dient der Desinformation, da Pilz seinen Verbündeten Landeshauptmann Hans Peter Doskoizil, wieder einmal lobt, der einen Ausstieg aus dem System Eurofighter anstrebte, als er Minister war.

Zackzack auf Twitter

Dies nutzt aber ausschließlich den Interessen der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie anderer Staaten, sodass wir uns fragen sollen, welchen „Oligarchen“ Pilz und Doskozil eigentlich dienen. Sie schlossen 2016 einen Pakt, zu dem nicht nur das Vorgehen gegen Airbus gehörte, sondern auch eine Anzeige von Pilz gegen Darabos wegen des Eurofighter-Vergleichs von 2007, um diesen zum Bauernopfer der Gusenbauer-Netzwerke zu machen. Man sieht wieder einmal, dass die SZ bei allen anstreift, von dem man sich fernhalten sollte – sei es das kriminelle Ibizafalle-Milieu, sei es ein „Aufdecker“ und Ex-Politiker, der als Agent bekannt ist. Wie plump Pilz agiert, sieht man daran: „Die Darabos-Eurofighter der Tranche 1 sind nachtblind und haben immer öfter einen Klarstand von Null – kein einziges startklares Flugzeug.“ Der Vergleich mit Verzicht auf DASS und FLIR geht auf die Kappe von Gusenbauers Hintermännern, die nicht davor zurückschrecken, Darabos zu überwachen und zu bedrohen. Die Jets übernehmen zu rund 75% die Luftraumüberwachung und sind regelmässig im Einsatz; nun öfter, weil die alten Saab-105 ausfallen. Eine von Pilz puncto Eurofighter an der Nase herumgeführte Justiz „revanchiert“ sich damit, dass diesem in Serie Ermittlungsakten bei Ibizagate „zugespielt“ werden.

Zackzack auf Twitter

Das Zackzack-Impressum verweist auf die Finanzierung aus Geldern für politische Bildung, die Pilz‘ Liste erhalten hat, als sie noch im Parlament war: „Unsere journalistische Tätigkeit verstehen wir im Sinne eines öffentlichen Bildungsauftrags an mündige Bürgerinnen und Bürger.“ Natürlich weicht Pilz jeder offenen Auseinandersetzung über seinen „Bildungsauftrag“ aus, mit dem er für US-Rüstungskonzerne lobbyierte und einen Unschuldigen anzeigte, damit Doskozil freie Bahn in der Nachfolge für Landeshauptmann Hans Niessl hat. Es fragt sich ohnehin, warum die Pilze dem „Bildungsauftrag“ 2018 nur mit einer einzigen Veranstaltung nachkamen, nämlich einer Buchvorstellung von Hans Peter Martins „Game Over“ (im Dezember). Hingegen wurden alle Anträge abgelehnt, die beisppielsweise Liste Pilz/Jetzt-Aktivisten stellten, die 2017 im Wahlkampf rannten und nun Projekte durchführen wollten. Es gab im Wahljahr 2019 natürlich ein paar eher seltsame Veranstaltungen, unter anderem, um #MeToo in Frage zu stellen und das Zentrum für politische Schönheit aus dem Randbereich von Ibizagate nach Wien einzuladen. Schließlich wurde Zackzack lanciert, wohl schon im Wissen, dass es sich nicht ausgehen wird, die 4 %-Hürde wieder zu nehmen. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Pilz bei den Grünen war, als er Gusenbauer und Druck auf Darabos deckte, mit Doskozil packelte und Darabos zum Sündenbock machte,

Der „Spiegel“ und die Straches

Deshalb sollte Birgit Hebein von den Grünen den Ball besser flach halten, statt zu sagen:  „Was erlauben sich die eigentlich? Verantwortlich für Gesetzespfusch, Bösartigkeit und nebenbei die Republik verkaufen wollen und sich jetzt erdreisten wieder in die Politik einzusteigen?! Strache hat keinen Funken Anstand. Das brauchen wir in Wien ganz sicher nicht.“ Es waren die Pilz-Grünen, in denen kritische Menschen aus dem Hinterhalt attackiert wurden, weil sie zu ahnen begannen, dass Geheimdienste im Spiel sind. Hebein verwendete übrigens den Plural, weil drei FPÖ-Gemeinderäte die Wiener FPÖ verlassen haben, um „Die Allianz für Österreich“ zu gründen. Strache selbst sieht sich nach wie vor als Opfer: „Es ist eine jahrelange kriminelle Struktur gewesen, die das Ziel hatte, mich persönlich massiv zu beschädigen und politisch zu vernichten.“ Wer da an reine Wehleidigkeit denkt, mag durchaus Recht haben, es geht jedoch um weit mehr. Das sieht man auch daran, dass im Ibiza-Randbereich die Sektion Ohne Namen der Wiener SPÖ auftaucht, die ebenfalls eine Rolle spielte, als der (vorübergehende) Rücktritt von Pilz im November 2017 herbeigeführt wurde. Schützenhilfe für Doskozil/Gusenbauer und Hintermänner puncto Airbus und Darabos gab es in jenem Jahr durch einen U-Ausschuss, den Pilz und Strache auf Schiene brachten.

Der „Falter“ zur FPÖ

WIe so oft können wir feststellen, dass alles wie aus einem Guß wirkt: Zu „Süddeutscher“ und „Spiegel“ gehört nicht nur bei Ibiza auch der „Falter“. Es war beim Forum Alpbach 2013, wo Pilz eine Mitarbeiterin der EVP begrabscht haben solll; im Kuratorium des ZPS sitzt auch Phillipe Narval vom Forum Alpbach; man trat auch einmal gemeinsam auf in der österreichischen Botschaft in Berlin. Die Vizepräsidentin des Forum Alpbach, Sonja Puntscher Riekmann, wurde auf den einstigen formalen Chef der Grünen, Johannes Voggenhuber angesetzt, als Pilz erstmals als angeblicher großer Aufdecker (Lucona, Noricum) gepusht wurde. Bei der EU-Wahl 2019 trat Voggenhuber vergeblich für Pilz an – d.h. „unabhängig“, damit dieser mit dessen Scheitern nichts zu tun hatte. Bei Veranstaltungen zur Wahl des Pilzschen Bildungsvereins war „Voggi“ zwar angekündigt; es kam jedoch nur Puntscher Riekmann; die Agentin trug auch ein paar tausend Euro zum Wahlkampfbudget bei. Angesichts dieser Details sollte man „geht’s noch?“ sagen, wenn „Qualitätsmedien“ nicht nur mit dubiosen Ibizagate-Handlangern zusammenarbeiten und so selbst zu solchen werden. Es kommt aber noch mehr, weil Pilz wieder einmal davon profitiert, dass nicht alle beim Abwehramt des Bundesheers vor ihm auf der Hut sind.

Talk über Türkisgrün mit der Ex(?) des Ibizagate-Anwalts

Es ist die Rede von Aufnahmen, die der von Gusenbauer und seinem Anwalt und Freund Leo Specht im Wahlkampf 2006 angeheuerte israelische Ex(?) Agent Chaim Sharvit anfertigte. Sie sollen Eurofighter-Korruption belegen und wurden vom Abwehramt nachgebessert, statt dass es der Frage nachgeht, warum Ex(?) Agenten, darunter auch Tal Silberstein, den 2002/3 beschlossenen Ankauf europäischer Jets sabotieren helfen sollten. Dem Gusenbauer-Hawerer Pilz stehen solche Aufnahmen bzw. deren Transkripte „natürlich“ zur Verfügung, wie man 2019 im 3. Eurofighter-U-Ausschuss sehen konnte. Immerhin wird Sharvit vom Freund des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, Moishe A. Friedman, mit dessen Tod in Verbindung gebracht. Heute regt man sich auch darüber auf, dass Strache eine Firma gegründet hat, die jedoch an jene Projektentwickung – und Beteiligung GmbH erinnert, die Specht im Oktober 2008 für Bundeskanzler Alfred Gusenbauer errichtete und die auch heute in Spechts Büro zuhause ist. In Kooperation mit der SZ schreibt Pilz: „Stück für Stück wird ein Netzwerk sichtbar: Die FPÖ und ihr Geld, ihre Verbindungen ins Rotlichtmilieu und zu osteuropäischen Oligarchen und die Drehscheibe dieser Geschäfte, die Kanzlei Fichtenbauer… Die nächsten Kapitel demnächst auf ZackZack.at.“

Fass ohne Boden (buchstäblich!)

Was verbindet Pilz und Gusenbauer mit einem Oligarchenanwalt wie Specht, können wir uns hingegen fragen. Denn die Connections von FPÖ-Politikern sind zwar interessant, jedoch in ein Netzwerk verwoben, das wenig mit politischer Couleur zu tun hat. Je mehr man Puzzleteile zusammenträgt, umso deutlicher wird, dass für ehemalige Positionen bezahlt wird; da hätte Strache vielleicht als Ex-Vizekanzler ohne Ibizagate einmal mitmischen können. Bei Gusenbauer kommt hinzu, dass in seiner Kanzlerzeit Oligarchen nach Wien kamen bzw. hier investierten, wie man bei Dmytro Firtash oder Oleg Deripaska sehen kann. Wenn es um Zusammenhänge geht, kommen unter Umständen auch diejenigen nicht weiter, die sich von Pseudoaufdeckern wie Pilz und den Herren von der SZ positiv unterscheiden wollen. Denn hier ist ein entscheidendes Kriterium. ob wir zufällige Abläufe rekonstruieren oder Charakteristika einer verdeckten Operation erkennen können. Dafür kann man durchaus auch Gespür haben, muss jedoch allem unvoreingenommen nachgehen; wenn der Verdacht zutrifft, werden neue Teile aber fast von selbst an ihren Platz fallen.

4 Kommentare zu „Unter Aufdeckern. Unter Aufdeckern?

  1. Auch bei der „schönen Maklerin“ geraten beide Herren fast ins Schwärmen, deren Part es war, Familie Gudenus weiszumachen, die „Nichte“ wolle ihr Gut kaufen

    Gibt es für Ihre Behauptungen betreffend „Mittäterschaft der Maklerin“, von behördlicher Seite wenigstens eine offizielle Bestätigung ? Quellenangabe dazu wäre hilfreich. Danke !!!

    Wie auch immer

    MfG

    Gefällt 4 Personen

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