Werden Journalistinnen wirklich diskriminiert?

Am 6. November 2019 feierten sich Österreichs Journalistinnen, wie jedes Jahr seit mehr als 20 Jahren, im Haus der Industrie in Wien. Am Vorabend wurden traditionell Preise vergeben, die Medienlöwin genannt werden, aber in Kritik an Eitelkeit in der Branche eingeschlossen werden sollten. Beim Kongress wird stets betont, dass Frauen im Journalismus, deren Anteil in den letzten Jahren zugenommen hat, etwas Besonderes seien und vor dem „Backlash“ gewarnt. Nun gibt es natürlich (wie anderswo auch) Sexismus in der Art und Weise, wie manche Männer Frauen beurteilen und das ist nicht zitabel. Ein Beispiel findet sich aber im Newsletter von Michael Fleischhacker (Addendum, Servus TV), der beklagt, dass aus „Hausfrauenjournalisten Hobbypolitiker werden“ und entweder auf die weibliche Form vergessen hat oder Leserinnen abqualifizieren wollte. Obwohl die Besucherinnen und Referentinnen beim Kongress alle wohlversorgt sind, sprechen sie von „Leben und Überleben“ und von endlosen Kämpfen. Sie offenbaren Meinungsunterschiede, wenn es um Objektivität geht, unter anderem mit einer Teilnehmerin, die über Carola Rackete und die Sea-Watch 3 berichtete und ihre „Haltung“ durchblicken ließ (was frau durchaus kritisch sehen kann).

Unter dem Hashtag #joko19 twitterten manche Besucherinnen begeistert Ansagen von Referentinnen, etwa von Melisa Erkurt vom „Falter“: „Immer, wenn ich mir etwas nicht zutraue, denke ich mir: Was würde ein weißer, alter Mann machen?“ Sie wird auch dafür gelobt, dass sie sagt „Gendern? Oh ja, dsas kann ich!“. Wer schon mehrmals beim „JoKo“ war, hat den Eindruck, dass sich kaum etwas ändert, abgesehen vom einen oder anderen neuen Gesicht primär durch Teilnehmerinnen aus Deutschland. Mit der „Medienlöwin“ wird ein Zeichen in Richtung jenes Machterhalts und jener Definitionsmacht gesetzt, für die transatlantischer Mainstream steht. Vielfach wird schlicht vernebelt, etwa wenn Angelika Hager („profil“) sagte: „Wir müssen aggressiver werden, dieses Harmonisierende ablegen. Man darf nicht mehr lieb sein wollen, das ist eines der Grundübel.“ Das hörte frau beim „JoKo“ schon oft, sollte sich aber fragen, was damit eigentlich ausgedrückt wird – dass sich Frauen bislang zu wenig duchsetzten, zu wenig sie  selbst sein wollten. Und dass viele sich für den Weg des geringsten Widerstands entschieden haben, sich dann aber wundern, wenn sie nach Äußerlichkeiten beurteilt werden, weil ihnen niemand packende Recherche zutraut.

Tweet des ORF 

 

Wenn ein ORF-Team ausgezeichnet wird, dann folgte es natürlich einer Agenda, auch wenn es sinnvoll ist, die Geschichte des Frauenwahlrechts zu thematisieren. Auch bei Corinna Milborn von Puls 4 ist dies der Fall, die nicht als einzige auch mit „Refugees Welcome“ auffiel, was längst nichts anderes als Migration meint. Es ist clever, Frauen die Ebene individueller Schicksale zuzuschreiben, weil viele sie immer noch eher dort sehen als bei geopolitischen Analysen. Nach dem 11. September 2001 erschienen zahlreiche Bücher, von Männern zur Militärintervention in Afghanistan, von Frauen über andere Frauen, die vor den Taliban flohen. Es ist kein Zufall, dass wir Greta Thunberg und Carola Rackete bewundern sollen und keinen männlichen Teenager bzw. einen jungen Mann, der ein Schiff steuern kann (und dass der ökologische Fußabdruck von Kriegen nie Thema ist) Jüngste Berichte über EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer scheinen dem zu widersprechen, denn sie fordern eine aktivere sicherheitspolitische Rolle der EU und Deutschlands. Dies erinnert aber daran, dass die Teilnahme Deutschlands am Kosovokrieg mit Rotgrün einherging, während es bei einer anderen Regierung, etwa von CDU/CSU und FDP wohl noch mehr Proteste gegeben hätte.

Eine Löwin für Milborn

Zu Kramp-Karrenbauer schreibt Thomas Röper auf seiner Webseite „Anti-Spiegel“: „Daher bin ich auch für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Deutsche Soldaten kämpfen heute in so vielen Kriegen, wie nie zuvor in der Geschichte. Deutschland ist im Krieg, aber die Menschen im Lande bemerken es nicht, weil nur eine kleine Zahl freiwilliger Soldaten daran teilnehmen. Und die sind ja quasi selbst Schuld, wenn ihnen was passiert, sie hätten sich ja einen anderen Job aussuchen können. Das hört man ja oft als Argument. Dabei hat die Abschaffung der Wehrpflicht es überhaupt erst möglich gemacht, dass Deutschland an so vielen Fronten kämpft, weil nun nicht mehr jeder junge Mann zur Bundeswehr muss, bekommt die Gesellschaft gar nicht mit, dass Deutschland im Krieg ist. Es ist ganz so, wie in den USA, wo die Menschen nicht mitbekommen, dass ihre Soldaten in Kriegen viele Länder komplett zerstört haben. Die USA sind fast ununterbrochen im Krieg, aber die Menschen zu Hause bemerken es nicht einmal. Den Menschen zu Hause geht es ja gut. Das gleiche Spiel läuft nun auch in Deutschland ab.“ Exakt diese Debatte hatten wir in Österreich 2012/2013 vor der Volksbefragung über die Wehrpflicht, wo zu Recht gewarnt wurde, dass Einheiten für Kampfeinsätze siehe US-Armee das Ziel sind.

Melisa Erkurt

Via SPÖ und Personenkomitee „Unser Heer“ sollte die Bevölkerung eingelullt werden, weil „Profiheer“ so schön modern klingt und Frauen dort als „high Potentials“ alle Chancen haben sollten. Selbstverständlich machten auch Journalistinnen diesen Zirkus mit, nachdem sich kaum eine ernsthaft mit dem Bundesheer befasst hatte. Bei der Bundeswehr werden Gender, LGBTQ, Vereinbarkeit, aber auch das Gewinnen von weiblichem Nachwuchs nun sehr betont, wie auch eine Youtube-Serie für Mädchen zeigt („Die Rekrutinnen“, hier Folge 1). Ziel ist aber, die Verwicklung Deutschlands in (noch) mehr Kampfhandlungen zu erreichen, was man immer im Auge behalten muss. Dagegen treten „altmodische“ Menschen auf, also „alte, weiße Männer“ jeden Alters und Geschlechts, die nach wie vor meinen, dass die Aufgabe von Armeen nur Landesverteidigung sein darf. Dazu ist aber unumgänglich, das zu Grunde liegende Denken zu verstehen und sich zu eigen zu machen. In einer Öffentlichkeit, die mittels Sprache domestiziert und gesteuert ist, folgen allzu viele gerne jedem vorgebenen neuen Begriff, auch wenn es um Pseudofeminismus geht. Gerade gibt es in Großbritannien eine Debatte darüber, dass eine Charity Frauen durch Personen mit Gebärmutter ersetzte und jede Referenz auf alte Begriffe wie Mann oder Frau gebrandmarkt wird.

Die Bundeskanzlerin im Presseclub Concordia

Wenn Melisa Ekurt beim „Falter“ gendern will, sollte sie darauf achten, dass Mann und Frau als Basis unserer Identität nicht verschwinden, sondern sich darauf konzentrieren, dass alle Bereiche des Journalismus Frauen zugänglich sind. Sicher gibt es Transgender, aber weit seltener, als uns weisgemacht wird, wobei man inzwischen schon Kinder im Visier hat. Neben „wir sollten nicht mehr so harmoniebedürftig sein“ (Angelika Hager sinngemäss) ist immer noch Fakt, dass Männer „investigativ“ unterwegs sind und Frauen da im Mainstream nur ein bissl mitnaschen dürfen. Dies erfuhr Anna Thalhammer (derzeit in Karenz) mit ein paar Silberstein-Geschichten bei der Wahl 2017, die von Männer jedoch eher als Spielfigur betrachtet wurde. Am Beispiel von Florian Klenk zeige ich u.a. anhand der Eurofighter-Affäre, dass hier nur (warum?) Zugespieltes eingesetzt wird, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. „Aufdeckerei“ findet meist so statt, dass etwa Akten der Justiz, aus dem Innenministerium usw. bei Journalisten landen oder/und dass Informanten ihnen Tipps geben. Üblich ist, damit dann Personen zuzusetzen, von denen man Infos möchte oder/und die sich in einen Wirbel reden sollen.

Fangirls beim #joko19

Mit anderen Worten hat es nicht viel mit Recherche zu tun, eher schon damit, dass man eine Figur auf dem Schachbrett ist, deren Wert umso höher scheint, je mehr Menschen man erreicht. Etwas Unterdrücktes aufzudecken, ist das exakte Gegenteil, weil es immer gegen Widerstände zutage gefördert wird. Eben wurde bekannt, dass Amy Robach bei ABC News vor drei Jahren eine Story über Jeffrey Epstein fertig hatte, aber der Sender wegen der Involvierung von Prinz Andrew entschied, nicht ein geplantes Interview mit Kate und William zu riskieren. Dass es lebensgefährlich sein kann, Dingen auf den Grund zu gehen, sah man bei Daphne Caruana Galizia in Malta, die als Journalistin und Bloggerin über Geldwäsche recherchierte und ermordet wurde. Auch Player in Österreich haben einiges mit Malta zu tun, wie wir hier sehen können. In krassem Gegensatz zu investigativer Arbeit stehen jene Medien-Sternchen, die „Society-Reporterinnen“ sind oder u.a. bei Wolfgang Fellner moderieren wie früher Philippa Strache.

Über Amy Robach

Das untenstehende Posting weist auf „Krone“-Moderatorin Katia Wagner und ihre Ibizagate-Verwicklungen hin und klingt im ersten Moment vielleicht sexistisch. In Wahrheit aber machen es manche Frauen für andere schwieriger, wenn sie sich  so mit dem System arrangieren. Denn andere müssen dann erst recht unter Beweis stellen, dass sie tatsächlich etwas auf dem Kasten haben. Schließlich gibt es Journalistinnen und Politikerinnen, die zwar bei „alten weißen Männern“ gegen das Patriarchat sind, es jedoch bedenkenlos aus fernen Ländern willkommen heißen. Was soll man dazu sagen, wenn die steirische FPÖ (Wahlkampf ist’s) SPÖ-Soziallandesrätin Doris Kampus das Misstrauen aussprechen will: „Die rote Landessozialreferentin hat dieses Vorgehen selbst provoziert, indem sie der Öffentlichkeit über Jahre hinweg hunderte Straftaten und dutzende Gewaltdelikte in steirischen Asylheimen verschwiegen hat. So ergibt sich aus der Beantwortung einer Anfrage von FPÖ-Sicherheitssprecher NAbg. Hannes Amesbauer an das Innenministerium, dass es in den letzten vier Jahren zu rund 700 Polizeieinsätzen in derartigen Einrichtungen gekommen ist, wobei hunderte Körperverletzungen, dutzende gefährliche Drohungen und sogar drei Morde zur Anzeige gebracht wurden.“

Kritisches über Katia Wagner und Co. 

Als bei der Maifeier der Grazer SPÖ eine Coverband ein Lied von Andreas Gabalier spielte, ging Kampus auf die Bühne, um dies abzudrehen. Gabalier-Kritik wird, auch mal differenziert, auch von Frauen betrieben, die vielfach vollkommen importierte Gewalt gegen Frauen ausblenden. Und was ist von der medial gehypten grünen Abgeordneten Sigi Maurer zu halten, die den „Bierwirt“ sexistischer Postings bezichtigte, aber nun den daraus entstandenen Prozess schwänzt? Klar ist, dass wir es hier nirgendwo mit Emanzipation zu tun haben, sondern eifrig mit dem Strom geschwommen wird. Wer die Richtung vorgibt, kann frau erahnen, wenn Ibiza via „männliche Aufdecker“ gespielt wurde, diie nichts aufdecken, sondern Teil einer verdeckten Operation waren. Damit sind wir bei Geheimdiensten, die auch im Mainstream nun mit Frauen verbunden werden, wie man angesichts der Medienpräsenz der ehemaligen CIA-Agentin Amaryllis Fox sehen kann. Auch wenn manches daran zu kritisieren ist, bringt es doch einen Schuß Realismus in die Berichterstattung.

Medienlöwin mit Kanzlerin

Außerdem regt Fox dazu an, über einen weiblichen Zugang zu (mythenumwobenen) Männerjobs nachzudenken. Bei uns ist frau bislang noch nicht so weit, sondern will siehe BVT-Affäre als Journalistin und Abgeordnete auf ausgelatschten Männerpfaden wandeln. Doch es ändert sich auch nichts an einer Verflechtung von Akteurinnen, wie frau gut an der Doppelrolle von Maria Rauch-Kallat sehen kann- Sie ist seit jeher Gastgeberin beim Journalistinnenkongress, mischt aber auch mit in der Politik, wird etwa jetzt zu Türkisgrün gerne interviewt. Vor jeder Wahl gibt es auch eine Diskussion mit Kandidatinnen in ihrem Club Alpha in Wien, die von Jahr zu Jahr seichter wird. Natürlich geht es um Macht – die jedoch entweder über Besitz /Status oder über Wissen erreicht wird – Ersteres funktioniert für Frauen immer noch oft indirekt über Männer, Zweiteres ist Knochenarbeit und erfordert Einsatz und bisweilen Risikobereitschaft. Wenn eine Frau diesen Weg geht, kann sie sich nicht so schnell gar nicht umsehen, wie sie von anderen Frauen im Stich gelassen wird – jenen, die bei Kongressen und Diskussionen so gerne Frauensolidarität beschwören.

10 Kommentare zu „Werden Journalistinnen wirklich diskriminiert?

    1. Danke sehr 😉

      Nein, ich wäre sicher nicht willkommen gewesen, also ging ich auch nicht hin….

      außerdem, was hätte es mir gebracht, anderen zuzuhören, die von ihren Befindlichkeiten sprechen?

      Austausch über Recherche und Kontakte wäre etwas, aber da bin ich quasi in einem anderen Land unterwegs.

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  1. Sehr geehrte Fr. Bader!

    SIE sind eine Löwin, gezwungenermasen! Ansonsten: Das „System“ zeichnet seine Systemlinge aus! Also, nix Neues und vernachlässigbar.

    MfG Michael!

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    1. Danke, mir bleibt ja in der Tat nichts anderes übrig. Und gerade deshalb trennen mich Welten von Frauen, die sich für ein Binnen-I als Heldin feiern….

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  2. Guter Artikel Frau Bader. Besten Dank.

    Braucht sich die Melisa Erkurt nur in den Spiegel zu blicken und sie sieht einen ‚Alten Weißen Mann‘. Was ist denn das wieder für eine? Bitch Butterfly?

    Jo mei. Ein anderes Format außerhalb der andauernden Selbstbeweihräucherung dieser Gruppierungen. Gääähn. Die können mir allesamt weit dort vorbeirauschen, wo zart mein Blümchen sprießt.

    Es ist schon erstaunlich was solche Kreaturen die Steuern Erwirtschaftenden zumuten und deren Lebenszeit verschwenden, von der eigenen Mal abgesehen. Weswegen ich zusehends überzeugter bin, meine Entscheidung auf Konsum und Bereitstellung von Produktivität zu verzichten war richtig.

    Gott Sei Dank habe ich mein mühselig erarbeitetes Investitionskapital nicht mehr in der E.U. investiert und nurmehr in den Finanzmärkten gemehrt. Jede Minute Lebenszeit über die letzten 8 Jahre in Arbeit investiert wäre für Arsch und Friedrich gewesen.

    Mit einem lieben Gruß an die versammelten Herrschaften, jene im Artikel und jene in den anderen Artikel, ‚Ihr konntet mich schon immer alle zusammen und werdet dies auch ganz ungeniert in Zukunft dürfen und können sowieso‘.

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    1. Danke, das sehe ich auch so – wobei sie auch noch den Vorteil hat, Migrationshintergrund zu haben; etwas zieht daher immer, wenn mal kein Frauenbonus verlangt werden kann…

      Wenn sie mal etwas gegen Widerstände recherchiert, wird sie merken, dass niemand solche Krücken braucht, um einen Stellenwert zu haben.

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  3. Sehr zutreffender Text, wobei sich herausstellt, dass das Gros der oesterr. Journalisten-Darsteller mittlerweile schon beliebig austauschbar scheint, schreiben alle jenen Stil mit erhobenem Zeigefinger, belehrend und überflüssig…

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