Hat Maria Butina für Russland spioniert?

Liest man Medienberichte zum Schuldeingeständnis von Maria Butina in den USA, scheint die „Red Sparrow“-Fiktion des Ex-CIA-Agenten Jason Matthews Wirklichkeit geworden. Darin ging es um eine Schule, in der junge Agentinnen für sexuelle Missionen ausgebildet werden. Jetzt ist von Sex und Verrat die Rede, weil die junge Frau einen älteren Freund hatte und ihr wird gleich eine ganze verdeckte Operation nachgesagt. Sie kam sogar Donald Trump im Wahlkampf 2016 nahe – zumindest so weit, um eine Frage aus dem Publikum zu stellen und zu erklären, dass sie aus Russland stammt. Nun kann es durchaus sein, dass sie nicht viel herausgefunden hat, die Absicht aber vorhanden war; dies sollte dann vor Strafe nicht schützen. Was aber ist mit Kritikern, die anmerken, dass sie weder verschlüsselt kommunizierte noch geheime Dokumente beschaffte? Und darauf hinweisen, dass sich wie der Geschäftsmann Aleksandr Torshin in einer Waffenvereinigung engagierte, was dann für Konzakte zur National Rifle Association in den USA prädestinierte?  Es müsste Indizien dafür geben, dass das russische Pendant eine Frontorganisation ist, die eine Legende für das Anknüpfen bei der NRA verschafft, zumal Butina in Russland wie in den USA stark in densozialen Medien und auf Youtube präsent war.

Doch auch wenn dies plausibel wäre, könnte es nichts daran ändern, dass sich die NRA ausschließlich für das Recht, Waffen zu tragen einsetzt. Sie ist damit keine Eintrittskarte bei den Republikanern, zumal Butina als Studentin ohnehin zahlreiche Einladungen zu unterschiedlichen Veranstaltungen wahrnahm. Ihr „Boyfriend“ Paul Erickson, ein Republikaner, wird wohl kaum wissen, wie Ihm geschieht auch dank Vorstellungen von „Honeytraps“.  Er wird nicht der erste und nicht der letzte Mann sein, der sich mit einer jüngeren Frau einlässt. Die Butina-Story passt, schon weil ihr Name dem des Präsidenten so ähnlich ist, wunderbar zum gängigen Narrativ. CIA-Chefin Gina Haspel und die Frauen beim Mossad müssten sich empört abwenden von den dick aufgetragenen Klischees, die jedoch einem Zweck dienen. Wenn Spionagetechnisch wenig vorhanden ist, kann man die Story eben in „Sex und Verrat“ weben. Was Geheimnisverrat bedeutet, sei an einem österreichischen Beispiel illustriertet: im August 2016 wurde dem Abgeordneten Peter Pilz wieder ein militärischer Verschlussakt zugespielt. Es handelte sich um den Eurofighter-Vergleich, was einem weiteren U-Ausschuss und einer dann von Pilz eingebrachten Anzeige gegen Ex-Minister Norbert Darabos dienen sollte. Pilz hat mittlerweile eine eigene Partei, deren Abegordnete Alma Zadic u.a. wegen eines mutmaßlichen GRU-Spions gegen ein Katastrophenschutzabkommen mit Russland ist.

Die New York Times über Butina

Bei den Eurofightern mischte aber nicht die GRU mit, sondern amerikanische und israelische Dienste und man kann das verdeckte Agieren rekonstruieren. Die holzschnittartige Berichterstattung über Butina besteht aus Wiederholungen und gibt zu wenig her, um sagen zu können, ob sie verdeckt operierte. Es wäre im Kalten Krieg sicher mehr aufgefallen, wenn eine Russin in  die USA zieht; dass sie dies offen tat, spricht daher nicht unbedingt gegen Spionage. Und auch wenn mehr Infos denn je ohnehin öffentlich verfügbar sind, muss man sie verstehen, richtig kombinieren und auf “ Human Intelligence“ zurückgreifen, also Gespräche führen. Auch dieser Aspekt führt die Anschuldigungen nicht ad absurdum, aber wenn sie Torshin von solchen Gesprächen berichten musste, war sie nicht besonders wichtig, dies sieht nach einer Zuträgerin aus. Die „verdeckte Operation“ ist nicht zu erkennen, die sie laut Medien auch noch selbst durchziehen sollte. Dazu wären Täuschungen notwendig und dass sie Organisationen und Gruppen unterminiert, dafür auch andere rekrutiert (auch ohne dass sie dies merken), um ein Ergebnis (aber welches?) zu erzielen. Absurd wirkt es,  wenn Butina vorgeworfen wird, mit anderen „Freundschaftsdinners“ wischen den USA und Russland veranstaltet zu haben, was wirklich sehr konspirativ aussieht.

ABC News

Dies passt z.B.  auf Vorgänge im österreichischen Verteidigungsministerium nur bei den Eurofightern, da auch verdeckt und diskreditierend/ablenkend  gegen Kritiker vorgegangen und der Minister abgeschottet wurde. Was eine Annäherung an die Republikaner betrifft, geht es bestimmt viel subtiler, was jene den Russen zutrauen  müssten, die Putin überall sehen. Von Honigfallen-Geschichten bleibt siehe britische Doku unten meist nur, dass es um die Gleichung Männer = leichtgläubig / Denken mit dem ***** = Agentinnen haben leichtes Spiel geht. Ist es nur Russophobie oder hat sich auch etwas seit jenen Zeiten geändert, in denen Frauen unterschiedlichen Alters auch mit Kindern für Geheimdienste tätig waren und dies ganz ohne horizontalen Einsatz (mehr dazu hier – auch zu dieser Doku)? Interessant ist, dass auch der zeitweise Berater von Donald Trump, Paul Manafort verstrickt sein soll. Doch er ist fast allgegenwärtig wie Putin und die GRU, etwa wenn er Julian Assange getroffen haben soll. Manche meinen, Butina habe schlicht für Russland lobbyieren wollen, was in den USA legal wäre, wenn sie sich registriert hätte. Und zwar nach dem Foreign Agents Registration Act, der auch für NGOs  und Stiftungen gilt.

Britische Doku über vermeintliche „Honytrap“

Dies betrifft auch Ermittlungen wegen Lobbying für die frühere ukrainische Regierung, das neben Manafort  (mit Verbindungen zur Clinton Foundation) auch die Podesta Group und Alfred Gusenbauer betrieben haben. Gegen den Ex-Kanzler wird nicht ermittelt, der aber wie die Podestas de facto für Lockheed lobbyierte, indem er gegen den Konkurrenten EADS/Airbus auftrat. Man muss übrigens keineswegs im realen Leben präsent sein, um verdeckt zu beeinflussen, da gezielte Verstärkung in der virtuellem Welt genügt und es die Allerwenigsten durchschauen (und es Hacker gibt). Außerdem bleibt von Maria Butina und vor ihr Anna Chapman, dass sie zwar Klischees bedienen, aber nicht sonderlich erfolgreich waren,  weil sie enttarnt wurden. Anders als etwa Ruth Werner, die als Mutter von drei Kindern die erfolgreichste GRU-Spionin des 20. Jahrhunderts war. Übrigens hält auch Ex-KGB-Agent Wladimir Putin ihr Andenken in Ehren, was dann wieder ins Klischee passt. Was Butinas Geständnis betrifft, weisen Kritiker darauf hin, dass in den USA (wie in Israel) Folter von Häftlingen erlaubt ist. Wie das Vorgehen gegen Ex-Berater Michael Flynn dient der Fall der „Sibirischen Prinzessin“ auch dazu, Trump in die Ecke zu drängen.

PS: Einfach zum Nachdenken, denn wenn es so ablief, ist das eine typische verdeckte Operation: „Ein Anschlag wie beim Weihnachtsmann bestellt, um die Gelben Westen auszubremsen.“ Gemeint ist Straßburg mit von den Sicherheitskräften erschossenem Attentäter.

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