SPÖ: Feministisch oder sexistisch?

Es sind nur wenige Sekunden, aber sie bringen das Denken vieler Politiker auf den Punkt: SPÖ-Landtagsabgeordnete Georg Dornauer meinte, er wolle sich die kranke Landesrätin Gabriele Fischer von den Grünen „nicht in der Horizontalen vorstellen“. Nach der Landtagssitzung warf die Tiroler Parteichefin Elisabeth Blanik das Handtuch und Dornauer folgte Landtagssitzung warf die Tiroler Parteichefin Elisabeth Blanik das Handtuch und Dornauer folgte ihr nach, bescherte aber der designierten Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner ein veritables Sexismusproblem. herausreden wird er sich nicht können, da er vor seinem Sager schon beifallheischend in die Runde blickte. Wie denn soll frau/mann eine explizite Ansage verstehen, die deutlich macht, was in den Köpfen mancher Männer immer noch vor sich geht? Es half auch nichts, dass bei der Bundesfrauenkonferenz, die traditionell de Parteitag vorangeht, von Feminismus und Mut die Rede war. Denn bei dieser Gelegenheit haben sich auch Parteichefs schon kurzfristig emanzipiert.

Eine Haltung, die jedwede politische Arbeit von Frauen mit einer Handbewegung vom Tisch wischt, ist leider weit verbreitet. Das verstehen die meisten Frauen, ohne dass sie viel mit Landesrätin Fischer verbinden müssen. Hingegen zeigen rote Landesparteichefs wie Michael Ludwig (Wien), Peter Kaiser (Kärnten) oder Landeshauptmann Hans Niessl (Burgenland) Verständnis für Dornauer. Es kommt selten vor, dass SPÖ-Frauen Männern widersprechen, hier aber verteidigen sie Rendi-Wagner, die Dornauer nicht inBundesgremien haben möchte. Und es geht auch gar nicht anders, will Rendi-Wagner politisches Profil zeigen, nachdem sie sich bislang auch zu rar gemacht hat. Gerade Ludwig undder burgenländische SPÖ Chef Hans Peter Doskozil machten es der Neuen ohnehin nicht leicht, indem sie auf Mansplaining setzten. Man darf auch nicht vergessen, wie Christian Kern seinen scheibchenweisen Abgang gestaltete, der nun doch am Parteitag reden wird. Er wollte Rendi-Wagner ja als Nachfolgerin und war darin auch erfolgreich, doch dies kann sich als Hypothek für die Quereinsteigerin erweisen. Sonderlich feministisch ist weder männliche Protektion, noch dass sie weitgehend Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda das Feld überlässt.

Zur Bundesfrauenkonferenz

Zwar wird beteuert, dass nun eitel Wonne herrsche zwischen den SPÖ-Frauen und der Chefin, doch Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek nutzt die Gunst der Stunde und fordert den Rücktritt Dornauers. Damit ist sie weitaus konsequenter als sie es bisher bei noch ärgerem Männerverhalten war, wird sich also daran messen lassen müssen. Kommentatoren meinen, Rendi käme ohnehin nur deshalb zum Zug, weil es nach einem Jahr in der Opposition nichts zu gewinnen gibt und daher z.B. Kaiser oder Doskozil kein Interesse an ihrer Funktion hätten. Dies wird schon mal mit Angela Merkel verglichen, die aber weit mehr politische Erfahrung hatte, als sie an die Spitze der CDU gelangte. Rendi ist auch für Journalisten ein weitgehend unbeschriebenes Blatt und könnte sich als kurzlebiges Phänomen erweisen. Eine Sexismusdebatte hat die Partei schon lange nötig, doch ausgerechnet jetzt wird sie die fehlende Geschlossenheit kaum herstellen können.

Dornauer im Landtag 

Zugleich geht es um mehr Mitbestimmung gerade auch von Jüngeren, die meist schon moderne Rollenvorstellungen haben. Dass Rendi-Wagner bei den SPÖ-Frauen gut ankommt, ändert noch nichts daran, dass Männer Weichen stellen und Frauen meist lieber nicht anecken wollen. Kein Wunder, wenn sie immer wieder sexistischer Beurteilung ausgesetzt sind? Oder muss Mut eben mehr sein als eine Parole, wenn Frauen unter sch sind, ohne aber konkrete Folgen zu haben? Und es braucht immer noch Mut anzusprechen, dass der Niedergang der Partei kein unabwendbares Schicksal war, sondern eine Kette an Entscheidungen und Ereignissen die Ursache ist. Zumindest die letzten Jahre kann man Revue passieren lassen, etwa beginnend mit dem Wahlkampf 2006, der die SPÖ zwar wieder ins Kanzleramt brachte, aber auch mit Tal Silberstein und der Eurofighter-Frage verbunden war. Dies hat Auswirkungen bis heute auch in Form von Gerichtsverfahren, welche die bislang als stabil geltende SPO Burgenland jederzeit in Aufruhr versetzen können. Und das ist wohl noch vor der EU-Wahl die erste Bewährungsprobe für Rendi-Wagner.

PS: Neu „Offener Brief an Pamela Rendi-Wagner„.

12 Kommentare zu „SPÖ: Feministisch oder sexistisch?

  1. S.g Fr. Bader!

    Der Sager vom Sozen Dornauer war mehr als entbehrlich gewiss, aber sexistisch? Das wäre für mich dann der Fall, wenn er gesagt hätte, er könne sich die Landtagsabgeordnete gut in der Horizontalen vorstellen. Hat er aber nicht, ganz im Gegenteil!
    Der Dornauer wird sowieso medial „gegrillt“ bis möglicherweise nichts mehr von ihm übrigbleibt, bildlich sozusagen. Allerdings ist die personelle Decke der SPÖ im nicht mehr so heiligen Land Tirol (gibt’s die da überhaupt?)so dünn, dass dagegen eine Fensterscheibe wie Panzerglas wirkt!

    Respektvoll!

    Michael

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  2. eine Partei die gegen das Kopftuchverbot für Mädchen in Volkschulen votiert, nach dem Hochverrat der „Balken hoch “ Politik von Faymann und der Kern Allüre, HAT FERTIG
    Das Wort Feminismus dürfen die nicht mal mehr in den Mund nehmen.
    Allerdings die ersten Migrantenparteien scharren schon in den Startlöchern, der Vorhang fällt bald.

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  3. joy pamela ist eine lichtgestalt, so wie kern vor ihr und in deutschland schulz…

    mit 100% zustimmung an die spitze gesetzt, um den sozial-fighter VORZUSPIELEN.

    in wirklichkeit wird von ALLEN parteien ein brutal neoliberaler kurs gefahren, der eben dem einzig erlaubten in europa entspricht…

    völlig unbekannte, die das auswahlverfahren der anpassung an diesen kurs erfolgreich durchlaufen haben, werden vor allem in der angeblich linken reichshälfte auf den schild gehoben…

    in frankreich gibt es inzwischen eine totgeschwiegene revolution der unzufriedenen gelbjacken, die angeblich deshalb rechtsradikal sind, weil sie anders als bei uns nicht von gewerkschafterInnen und kämmerInnen auf die straße geschickt werden…

    links und rechts unterscheidet sich im wählbaren spektrum nur mehr darin, ob man es gut findet, dass frau in der fussgängerzone fahrradfahren darf oder nicht.

    das ist nicht das problem der stunde. und schon gar nicht ob ein tiroler mit „nicht in der horizontalen vorstellen wollen“ ein positives, negatives, sexistisches oder bodyshamendes bild im kopf hatte:

    es geht darum, dass nicht jede menschliche regung öffentlich an den pranger kommt und eine gemein-schaft ge-bildet und ge-fördert wird, statt jede abweichung sofort dazu zu nutzen, die EIGENE mann-schaft zu spalten, öffentlich bloßzustellen und sozial zu ermorden.

    wo wird man so asozialisiert? ist es die uni, die das aus den menschen heute macht?oder beginnt es schon bei der ausbildung der stadt-lichen kindergärtnerInnen?

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  4. Joy pamela ist eine lichtgestalt, so wie kern vor ihr und in deutschland schulz…

    mit 100% zustimmung an die spitze gesetzt, um den sozial-fighter VORZUSPIELEN.

    in wirklichkeit wird von ALLEN parteien ein brutal neoliberaler kurs gefahren, der eben dem einzig erlaubten in europa entspricht…

    Ich fürchte, Sie haben recht, mit dem, was Sie da sagen 😦

    Das selbe „VORSPIELEN“ trifft übrigens auch auf das vermeintliche „Gegenlager“ [FPÖ/ÖVP] zu, welches sich im Grunde auch nur geschickt dem Anschein nach, als bodenständig, Traditions bewusst konservativ, Heimat verbunden, sozial [LOL] usw., mit steigendem Erfolg, den Schlafschafen gegenüber anbiedert.

    Politikverdrossenheit ist daher für meine Stimmungslage nur noch ein Hilfsausdruck 😦

    Wie auch immer

    MfG

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    1. „Das selbe „VORSPIELEN“ trifft übrigens auch auf das vermeintliche „Gegenlager“ [FPÖ/ÖVP] zu, welches sich im Grunde auch nur geschickt dem Anschein nach, als bodenständig, Traditions bewusst konservativ, Heimat verbunden, sozial [LOL] usw., mit steigendem Erfolg, den Schlafschafen gegenüber anbiedert.“

      fpö und övp SIND die neoliberalen, die für stabilitätsmechanismus und bankenrettung statt trombosefrühpension mit aufsichtsratposten entlohnt werden.

      ohne reaktion im volk. und weiterhin in den seitenblicken gern gefilmt…

      die indoktrination hat funktioniert, kann man da nur sagen.

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  5. es kann sich ja jeder selbst deren Programm durchlesen
    https://zukunftsprogramm.at/sites/zukunftsprogramm.at/files/leitantrag_1_parteiprogramm_2018.pdf
    ich als EX SPÖ Wählerin werde eher zornig

    Hier nur einige Sätze der Pam

    die ehe soll allen offen stehen..es schadet niemanden
    migration…helfen wo helfen geboten weil es kostet ja weniger als die bankenrettung
    ein einheitliches eu asylrecht
    un migrationspakt nicht zu unterschreiben ist falsch
    mehr mehr mehr geld für integration“
    Das ist eindeutig keine sozialistische Partei mehr, sondern eine EU Partei.

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  6. hier ein paar klare Worte von Theresa May zum Brexxit und zur EU
    that is what is deal delivers:
    control of our borders
    394 million pounds per week – no more to EU
    control of our laws
    no control from brussels
    that is in our national interest
    leider haben die Briten ihr UK schon vorher zertrümmert mit einer ungebremsten Invasion und gnadenlosen Kapitalpolitik, aber nun ziehen sie die Notbremse die Glücklichen

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  7. SPÖ Migrationspapier
    MIR WIRD SCHLECHT

    https://www.kleinezeitung.at/politik/politikaufmacher/5536068/Mit-grosser-Mehrheit_SPOe-beschloss-Auslaenderpapier

    Gewünscht wird ferner ein gemeinsames europäischen Asylsystem sowie ein europäisches Quotensystem zur Verteilung von Asylwerbern auf die Staaten der Union. Erstverfahren für Flüchtlinge dürften maximal drei Monate dauern, stufenweise sollten europäische Verfahrenszentren eingerichtet werden. Die Außengrenzen der Union sollen durch eine gemeinsame europäische Mission kontrolliert, Rückführungsabkommen verstärkt ausgehandelt werden.

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