Männliche Eitelkeiten in der SPÖ

Zum ersten Mal in der langen Geschichte der SPÖ soll eine Frau an der Spitze stehen, doch Pamela Rendi-Wagner begeht schon die ersten Fehler. So macht sie sich in der Öffentlichkeit rar und meidet TV-Diskussionen; bezeichnend ist aber auch, dass Bundesgeschäftsführer Thomas Drodza nicht das Gefühl bekommen soll, er wäre nur die Nr. 2. Oder wie sollte man sonst das Bild unten mit zwei Rednerpulten interpretieren, das nichts Vergleichbares aus der Zeit der Parteichefs und Bundesgeschäftsführer kennt? Würde es einen Mann kränken, „nur“ der Geschäftsführer zu sein, wenn der Parteichef eine Chefin ist? Oder was hat man(n) sich dabei gedacht? Es erweckt den Eindruck. als müsse Drodza symbolisch aufgewertet werden. wenn es doch ohnehin „kränkend“ ist, dass eine Frau an der Spitze steht – was sie optisch aber gar nicht mehr tut. Immerhin wollte sie die Arbeitsteilung Klubchef(in) und geschäftsführender Klubobmann nicht (was Andreas Schieder vergrätzte), sondern es alleine machen, was ein klares Signal sein sollte. Es sollte in der SPÖ doch den einen oder anderen Mann geben, der es erträgt, als Geschäftsführer einer Frau zuzuarbeiten.

Es ist natürlich etwas anderes, in einem Klub männliche und weibliche Abgeordnete zu haben und dann die Aufgaben aufzuteilen. Wenn aber eine Spitzenfunktion nur ein Mal zu vergeben ist, schließt es einen Mann aus, wenn die Wahl auf eine Frau fällt. Das nennt sich Gleichberechtigung wie auch, wenn eine Frau eine Aufgabe deshalb übernimmt, weil nur sie es in einer bestimmten Situation von ihren Voraussetzungen her kann. In der Twitter-Blase werden Parteichefs mit-gemacht und wieder fallengelassen; bei Rendi-Wagner ist der Daumen in den letzten Tagen stark nach unten gegangen. Davn muss sie sich nicht beeindrucken lassen, nimmt doch z.B. die FPÖ auch keine Rücksicht auf dortige Stimmungen; doch wer auch immer für die SPÖ spricht, will in der Regel die Bubble hinter sich haben. Es überrascht wenig, dass ihr Zores mit Männern, oder auch: männliche Eitelkeiten auf den Kopf fallen; dazu trägt Drozda bei, der stets in Erinnerung rufen muss, dass er doch ein Bobo ist. Mit seiner Kür verärgerte die Neue gleich mal die Steirer, deren Max Lercher als Bundesgeschäftsführer mehr der Kumpeltyp war.

Rendi-Wagner und Drozda

Vom Setting bei Medienauftritten her scheint sie Pressekonferenzen zu meiden, bei denen man sitzt, Papiere vorlegt und einige Fragen beantwortet, gerne auch bei Sachthemen Experten beizieht. Freilich wird auch nach allem gefragt, was gerade darüber hinaus politisch aktuell ist; hierfür braucht man Erfahrung und Flexibilität wie bei Podiums- und TV-Diskussionen. Stehsätze im Stehen fallen in eine andere Kategorie, was manchmal okay ist, man aber nicht zur Gewohnheit werden lassen darf. Während Frauen in der SPÖ meist damit hinterm Berg halten, was politische oder Personalentscheidungen für sie bedeuten, zelebrieren Männer persönliche Kränkungen auch dann, wenn sie nicht „Prinzessin“ Christian Kern heißen. Siehe Landeshauptmann Peter Kaiser, der es nicht packt, dass seinem Sohn Luca der wählbare 6. Listenplatz bei der EU-Wahl vorenthalten wird: „Das war eine klare Demütigung der Kärntner SPÖ. So eine Demütigung habe ich noch nie erlebt. Auch andere Bundesländer haben in der Sitzung gesagt, reiht Kärnten doch zumindest auf den siebten Platz. Platz neun hat fast schon konstruiert gewirkt.“  Man beachte, dass er sich hinter der Landespartei verschanzt, um der Kritik die persönliche Komponente zu nehmen, sie zu legitimieren.

Davon profitiert übrigens eine Frau, die SJ-Vorsitzende Julia Herr, die wie Nr. 7 auf der Liste Christian Dax aus dem Burgenland kommt. Ohne Männer-Eitelkeiten und -Machtansprüche wäre die SPÖ nie in der Krise gelandet, wobei es mit dem unstillbaren Ehrgeiz des Alfred Gusenbauer begann, der feststellte, dass ein Kanzler ohne Richtlinienkompetenz nur auf EU-Ebene (mit)regieren kann (er ist auch mit Kaiser verhabert). Er wollte dafür dann eben negativ gestalten, indem er versuchte, EADS ein Geschäft (Eurofighter) zu vermasseln, was die US-Rüstungsindustrie freut. Und konnte nach der Kanzlerzeit nach Herzenslust lobbyieren, in diverse Aufsichtsräte gehen und in erlauchten Runden reden, in denen es um Geopolitik, Energie, Rohstoffe und Wirtschaft ging. Sein Nachfolger Werner Faymann warf das Handtuch, weil ihn gezieltes Mobbing aus der SPÖ selbst so sehr verletzte; Christian Kern, der Gusenbauer-Rückendeckung hatte, erwies sich dann als weit weniger belastbar und wird nächste Woche aus dem Parlament ausscheiden. Rendi-Wagner hinterließ er nicht nur Chaos, sondern auch einen Pool an männlichen Eitelkeiten, gegen den sich die Neue rasch behaupten wird müssen.

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8 Gedanken zu “Männliche Eitelkeiten in der SPÖ

  1. Ohne Männer-Eitelkeiten und -Machtansprüche wäre die SPÖ nie in der Krise gelandet,

    Weder Männer noch Frauen Eitelkeiten tragen mMn am offensichtlichen Zerfall der SPÖ die Schuld, sondern, der seit 100 Jahren durchgehend vorgegaukelte, jedoch nie zur Anwendung geführte Sozialismus der SP-Ösen ist es, von dem sich nun schon selbst der bildungsfernste Pöbel angewidert abzuwenden gedenkt.

    Insofern stecken die Sozialdemokraten [insgesamt] weniger in einer Krise, davon würden sie sich mit Glück erholen können, sondern, und das scheint untrüglich, ist die SPÖ im 21. Jahrhundert, spät aber doch, nach 100 jährigem praktizierten Tarnen und Täuschen, am, bereits zu Kreiskys Zeiten in den 70ern vorhersehbar gewesenen, Ende der Zeit für linksLinke, Emotionen vereinnahmende, Gefühlsduselei angelangt.

    Dem HerrGott sei gedankt dafür !!!

    Wie auch immer

    MfG

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    1. Ich stimme Fledgling ebenfalls zu. Es geht nicht direkt um Eitelkeiten, die sind nur Oberfläche, sondern der Grund liegt in den sozialistischen Inhalten. Die sind die tiefere Ursache, weil sie zeitlich kaum angepasst wurden seit ihrer Einführung vor mehr als einem Jahrhundert.
      Die sozialistische Ideologie ist wirklich staubalt, wenn sie den Bedürfnissen der heutigen Zeit nicht mehr gerecht wird, dann verliert sie halt Zustimmung. Das ist normal.

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  2. Werte Frau Bader,

    als die SPÖ 2000-2006 das erste Mal seit 1971 in Opposition geschickt wurde, wurde das Gefüge, das die Partei zusammenhält, erstmals bis zum Zerreißen gespannt: Die beiden höchst gegensätzlichen Positionen „nie mit der FPÖ“ und „nie in Opposition“ wurden damals mit Ach und Krach nicht ausdiskutiert. Sowohl unter Faymann als auch unter Kern ist diese Diskussion immer mehr hochgekocht (die rot-blaue Koalition im Burgenland und die rot-grüne Koalition in Wien entsprechen diesen unvereinbaren Positionen), konnte aber noch irgendwie halbwegs unter Kontrolle gehalten werden, solange die SPÖ wenigstens den Bundeskanzlersessel innehatte.

    Mittlerweile greift das allgemeine Hauen und Stechen in der Partei bereits so massiv um sich, daß es egal ist, ob da jetzt ein Mann oder eine Frau Vorsitzende(r) ist – die nominelle Nummer Eins kann in dieser Situation nur verlieren. So gesehen halte ich PRW für eine vorübergehende Erscheinung und wäre äußerst verwundert, wenn sie tatsächlich bis zur nächsten NRW die Top-Position halten kann.

    Es geht inzwischen auch weniger um Eitelkeiten als um die nackte Existenz; zu viele Einnahmemöglichkeiten hängen fast ausschließlich am roten Wien (Kärnten und das Burgenland sind einfach zu klein für ausreichende Versorgungsposten). Würde tatsächlich ein nicht-SPÖ-Bürgermeister daherkommen, könnten ganze Seilschaften – was sage ich: Heerscharen! – um jahrzehntealte Pfründe umfallen, da wäre vielleicht sogar die bekannt rote Staatsanwaltschaft nicht mehr in der Lage, alles zuzudecken (und die Richterschaft ist selbst in Wien nicht komplett auf Linie). Daher auch die Panik und damit einhergehend die mittlerweile öffentlich ausgetragenen Grabenkämpfe.

    Ein Jammer für die SPÖ, aber unterhaltsam zum Zuschauen. Der Standard bietet – vor allem in den Kommentaren – erste Reihe fußfrei. Ein Genuß.

    Stets der Ihre,
    Tomj

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  3. Ich kann den Kampf der Geschlechter, der hier herbei-fantasiert wird, leider nicht nachvollziehen.

    Wenn aber eine Spitzenfunktion nur ein Mal zu vergeben ist, schließt es einen Mann aus, wenn die Wahl auf eine Frau fällt. Das nennt sich Gleichberechtigung wie auch, wenn eine Frau eine Aufgabe deshalb übernimmt, weil nur sie es in einer bestimmten Situation von ihren Voraussetzungen her kann.

    Interessant, wenn eine Frau den Job bekommt und kein Mann, nennt man das „Gleichberechtigung“. Wenn die Frau aber den Job bekommt, weil nur sie das nötige Fachwissen dafür hat, nennt man das ebenfalls „Gleichberechtigung“.

    Auch wirkt ihre Einschätzung, dass Drozda PRW aus gekränktem männlichen Stolz oft begleitet, damit sich auch er im Sonnenlicht der Medien präsentieren kann, reichlich konstruiert, wenn man die Tatsache bedenkt, das PRW sehr viele Termine mit Medien sausen lässt. Einleuchtender klingt hier, dass sich PRW noch unsicher als Frontfrau ist und sie sich leichter tut, wenn jemand aus ihrem Vertrautenkreis daneben steht.

    Und ob der Kaiser-Sohn oder Julia „Venezuela ist unser Sozi-Vorzeigeland“ Herr auf dem 6. Listenplatz fürs EU-Parlament steht, ist genauso interessant, wie wenn in China ein Sack voll Reis umfällt. Oder eben der berühmte Vergleich zwischen Pest und Cholera.

    So gern ich ihre sonstigen Artikel auch lese, aber hier scheinen sie noch die rosa Gender-Brille aus ihrer Zeit bei den Grünen aufzuhaben.

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    1. Auch wirkt ihre Einschätzung, dass Drozda PRW aus gekränktem männlichen Stolz oft begleitet, damit sich auch er im Sonnenlicht der Medien präsentieren kann, reichlich konstruiert, wenn man die Tatsache bedenkt, das PRW sehr viele Termine mit Medien sausen lässt. Einleuchtender klingt hier, dass sich PRW noch unsicher als Frontfrau ist und sie sich leichter tut, wenn jemand aus ihrem Vertrautenkreis daneben steht.

      Ja, genau so kommt’s rüber !!!

      Wie auch immer

      MfG

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    2. ich kann den Kampf der Geschlechter, der hier herbei-fantasiert wird, leider nicht nachvollziehen.

      Neither do I ! Wahrscheinlich war dieser Artikel gar nicht für uns Österreicher zum Lesen gedacht, sondern für die, die aus islamisch geprägten Staaten kommend, reihenweise um Asyl ansuchten und suchen? Damit sich diese wenigstens dem Schreiben nach, leichter wie zu hause fühlen. Eine Integrationsmaßnahme, vielleicht ?

      Ich, zumindest, kann es mir nur so erklären. LOL

      Wie auch immer

      MfG

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    3. Man kann es nicht besser auf den Punkt bringen als the one and only „DJ Kurt Razelli“, wie der Artikel von Frau Bader gemeint gewesen sein könnte.

      Wie auch immer

      MfG

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