Offener Brief an die Chefredakteure

Bereits bei Schwarzblau nach der Jahrtausendwende befürchteten die Medien, dass in den Redaktionsstuben aufgeräumt werde, um den damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider zu zitieren. Aktuell wird die Sorge um die Pressefreiheit festgemacht an Aussagen von Innenminister Herbert Kickl im ORF-Report am 26. Juni mit Kritik an „gewissen Medien“, die immer wieder etwas in der BVT-Affäre ans Licht zerren. Kolportiert wurde im weiteren auch,  dass „mehreren Quellen“ zufolge im BMI darüber gesprochen worden sei, Durchsuchungen in Redaktionen vorzunehmen. Das geht natürlich absolut gar nicht, auch wenn Medien mitunter fragwürdig arbeiten, denn es würde Willkür Tür und Tor öffnen; was auch immer in der Presse schief läuft, muss man anders und zwar offen diskutieren. Als verständliche Reaktion wehren sich nun  Chefredakteure gegen Einschüchterungsversuche und veröffentlichen ihre Stellungnahmen auch sozusagen crossmedial, was wie üblich in der Twitterblase verstärkt wird. Sie erwecken damit aber den Eindruck, dass bisher unerschrocken und ohne Tabus recherchiert wurde und dass man eh unabhängig sei – meine Erfahrungen sehen aber ganz anders aus, sodass ich die Herren und eine Dame beim Wort nehme und mit einem offenen Brief antworte:

Sehr geehrte Chefredakteure und -in!

Einer von Ihnen, Martin Kotynek vom „Standard“, schreibt: „Dort nachzusehen, wo Dinge im Dunklen geschehen; dort zu recherchieren, wo es gilt, die Mächtigen zu kontrollieren; dort nachzufragen, wo Zusammenhänge unklar sind, um die Menschen zu informieren. Das ist der Job von Journalisten. Dafür gibt es die Pressefreiheit, sie erlaubt Redaktionen zu arbeiten, ohne Repressalien der Mächtigen fürchten zu müssen. Eine freie Presse ist die Basis für eine starke Demokratie. Nach den Entwicklungen von vergangener Woche ist unklar, ob alle in der Regierung dieses Prinzip verstanden haben.“ Ich frage mich da, ob Sie selbst verstanden haben, worum es dabei geht, denn ich kann nicht als einzige zzahlreiche Themen nennen, wo sie dieser Richtschnur nicht folgen, einseitig sind, Dinge verzerrt darstellen oder überhaupt ignorieren. Nun ist jede Berichterstattung auch Zensur insofern, als dass aus Sicht der Redaktion Wesentliches herangezogen wird, man aber niemals alles erwähnen kann und so betrachtet auch keiner Sache und keiner Person je ganz gerecht wird. Das sollte aber dadurch kompensiert werden, dass dieses Medium jenes Detail bringt und ein anderes eben etwas anderes innerhalb einer Rahmenerzählungen, sodass mit Querlesen und -hören ein einigermaßen komplexes Bild entsteht.

Ingrid Brodnig auf Twitter

Tatsächlich entsteht aber oft der Eindruck. als sei eine Geschichte aus einem Guß, als sollte ein bestimmtes Bild von Akteuren und Sachverhalten vermittelt und dann bei jeder Gelegenheit bestätigt und verstärkt werden. Nun ist wegen immer heftigerer und manchmal auch unfairer Medienkritik auch viel von Doublechecks und sich selbst unter die Lupe nehmen die Rede, viel mehr aber noch davon, dass Fake News nur irgendwo da draußen im Netz lauern und man die Leserinnen und Leser davor schützen müsse. Esther Mitterstieler von „News“ geht auf die Social Media-Regeln des ORF ein, die mit Unmut (aber auch teilweiser Zustimmung) kommentiert wurden und meint: „Stellt sich die Frage, ob wir jetzt ernsthaft Zuständen wie in Polen oder Ungarn entgegen gehen. Also ob Politiker entscheiden, was in die Öffentlichkeit gehört und was nicht. Wo kämen wir da hin? Das würde zu Klüngelei der schlimmsten Sorte führen. Zu Ende gedacht bräuchte dann jede Partei nur noch ihr eigenes TV-Programm via Social Media oder was immer. Das sind Zustände, die ORF-Kollegen fürchten müssen. Journalismus bedeutet doch vor allem Ernsthaftigkeit bei der Aufdeckung von gesellschaftlich relevanten Themen. Das ist die Freiheit, die wir meinen (sollten). Und wenn ein Minister Probleme bei der Führung seines Ressorts hat wie derzeit der Innenminister, dann ist ganz sicher nicht die Presse daran schuld. So etwas nennt man ein billiges Ablenkungsmanöver.“

Man muss Kickl nicht mögen, sollte sich aber eben nicht gemein machen mit Personen und Dingen, über die berichtet wird. Doch wieweit entsteht der BVT-Skandal in BVT/BMI und auch Justizministerium und welchen Anteil haben Medien? Und welche Rolle spielt „Aufdecker“ Peter Pilz, der seinen Part ohne entsprechenden Rückhalt bei der Presse fast  unter Ausschluss der Öffentlichkeit einnehmen würde? GIbt es die konzertierten Leitartikel, wie es auf der ORF-Webseite heißt, um ein Narrativ wieder einzufangen, das zu entgleiten droht, weil Social Media zumindest zum Teil auch Gegenöffentlichkeit ist? Wenn Christian Rainer kritisiert, dass Kickl einen (natürlich) preisgekrönten „profil“-Redakteur namentlich genannt hat, so mag dies zum Ausdruck bringen, dass sich der Minister (zu Recht oder zu Unrecht) nicht fair behandelt fühlt. Rainer schreibt auch: „Drei Chefredakteure renommierter Medien und mit diesem Text vier? Wir sind nicht wehleidig. Aber hier geht es ums Ganze, nicht um unseres, sondern um die Demokratie. Man beachte: Journalismus ist weniger vierte Macht im Staat als die vierte Säule der Demokratie. In ‚Ungarn und Polen‘ (Mitterstieler) sind Journalisten individuell ‚bedroht‘ (Brandstätter) und Medienunternehmen längst mundtot gemacht worden (in der Slowakei Journalisten auch schon erschossen). Bei einer Regierungsspitze, die sich ja partout weigert, zwischen jenen Visegrád-Staaten und Österreich zu differenzieren, ist also ‚Feuer‘ (Nowak) am Dach.“

Rainer vom „profil“ auf Twitter

Das mag bedeutungsschwanger klingen, blendet aber die Nachkriegs-Mediengeschichte Österreichs aus, die bis heute nachwirkende Verhältnisse geschaffen hat. Bei aller berechtigten Kritik siehe 12 Stunden-Tag an dieser Regierung scheint sie puncto Medien doch nur weniger transatlantisch ausgerichtet zu sein als manch ein Vorgänger. Denn bei Mundtot machen, Einschüchterung, Schikanen sehen Sie dann weg, wenn ein Thema,. eine Person nicht in Ihr (vorgegebenes?) Raster passt. Wenn ein Thema tabu ist, wenn die wahre Situation eines von Ihnen anders dargestellten Akteurs tabu ist, dann ist logischerweise auch alles tabu, was denen widerfährt, die dabei nicht mitspielen, sondern recherchieren. Ich spreche da aus Erfahrung und kann Sie auch fragen – was ich bisher vergeblich getan habe  – wieso Sie sogar mit jemandem kooperieren, ihm Publizität bieten, der mich genau deshalb stalkt und verleumdet. Dabei ist, was ich u.a. darstelle, in Ihren Redaktionen bekannt und wird auch manchmal wenngleich rudimentär erwähnt wie in diesem „Kurier“-Artikel von 2016. Bei mir ging es aber darum, um Kotynek zu zitieren, „dort nachzusehen, wo Dinge im Dunklen geschehen; dort zu recherchieren, wo es gilt, die Mächtigen zu kontrollieren; dort nachzufragen, wo Zusammenhänge unklar sind, um die Menschen zu informieren“.

Das klingt dann zum Beispiel so oder so oder so und brachte und bringt mir eine Menge Ärger ein, weil es sich um von Ihren Redaktionen zugedeckte Mißstände handelt. Es geht hierbei um das Bundesministerium für Landesverteidigung in der SPÖ-Zeit, doch ich halte angesichts des Verhaltens Ihrer Redaktionen in dieser Causa alles für möglich, was das Bundesministerium für Inneres in der FPÖ-Zeit betrifft. Ein weiterer Chefredakteur, Rainer Nowak von der „Presse“ schreibt: „Nur wenn Journalisten über vertrauliche Hinweise an Informationen gelangen, können sie ihre Kontrollfunktion ausüben. Damit sich Menschen an Medien wenden, müssen sie darauf vertrauen können, dass Redaktionen ihre Quellen schützen. Um diese Vertraulichkeit garantieren zu können, gibt es das Redaktionsgeheimnis. Es ist durch die Europäische Menschenrechtskonvention abgesichert und steht im Verfassungsrang.“ Ich weiß nicht mehr, wie oft Ihre Redakteure und -innen achtlos an mir vorbeigegangen sind, wenn ich z.B. die ebenfalls theoretisch kontrollierende Opposition oder auch die Regierung auf Mißstände ansprach, die Sie brennend interessieren müssten. Oder wenn ich vom in Amtsanmaßung illegal „regierenden“ Kabinettschef im BMLV von Terminen ferngehalten wurde, weil ich wie couragierte Offiziere nur den Minister als Minister betrachtete (in Übereinstimmung mit der Bundesverfassung).

Siegi Lindenmayr von der Wiener SPÖ

Helmut Brandstätter meint im „Kurier“: „Donald Trump hat es vorgemacht und da amerikanische Sitten früher oder später nach Europa kommen, erleben wir es jetzt bei uns: Journalisten werden unverhohlen bedroht. Politiker, die es selbst mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, rufen ‚Fake News‘, wenn Unerfreuliches über sie berichtet wird. Im ORF sehen wir, dass der eigene Chef Meinungsäußerungen verbieten will, während er selbst submissest auf Hinweise aus der Regierung wartet. Stiftungsräte bedrohen als Eigentümer-Vertreter offen ORF-Mitarbeiter, andere Journalisten werden bei Eigentümern vernadert. Aber es gibt Solidarität – Heute wehren sich auch Christian Rainer im profil und Rainer Nowak in der Tageszeitung Die Presse.“ Es ist eine längere und eigene Geschichte, aber gerade um Trump gibt es auch Kampagnenjournalismus und Narrative, die aus Hillary Clinton eine Heilige machen, was aber abseits des Mainstream auch gnadenlos zerlegt wird. Und immer mehr Menschen fragen sich, wieso dubiose Quellen wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte oder die White Helmets für sie nach wie vor als seriös gelten, auch wenn diese regelmäßig u.a. von Ex-Mainstream-Journalisten zerpflückt werden.

Wie erklären Sie uns das? Warum steht Trump im Visier weit über das notwendige Maß an kritischer Berichterstattung hinaus, die es übrigens wann jemals bei den Clintons oder bei Barack Obama gab? Ist es da so abwegig, wenn österreichische Politiker auf die Idee kommen, dass sie ebenfalls nach einem bestimmten Muster beschrieben werden, also manchen sowieso nie gerecht werden wird? Medien und Abgeordnete nehmen gegenüber Regierungsmitgliedern in gewisser Weise eine bequeme Haltung ein, denn egal wie heftig sie jemanden attackieren (was aus ihrer Perspektive gerechtfertigt sein mag), der oder die Angesprochene darf niemals entsprechend reagieren. Dass diese Zurückhaltung nichts für Kickl ist, hat er auch im Parlament schon hinreichend unter Beweis gestellt; gehen damit aber gleich konkrete Bedrohungsszenarien für Medien einher? Ich bin absolut für Wachsamkeit, doch sollten Solidaritätsaufforderungen dann auch mit solidarischem Handeln einhergehen. Davon merke ich nach wie vor nichts, obwohl ich detaillierter recherchiere, was in Ihren Medien puncto BMLV nur angedeutet wird, Sie dies aber ignorieren und lieber Verleumder fördern. Es mag Sie jetzt überraschen, aber ich trete denen immer wieder entgegen, die sich vollkommen vom Mainstream abwenden.

PR-Berater Rosam auf Twitter

Denn um ein komplettes Bild zu erhalten, ist es durchaus nützlich, Ihre Arbeit zu untersuchen, auch dahingehend, ob eine Agenda erkennbar ist und um aus Desinformationen Informationen herauszufiltern. Nehmen Sie das nicht persönlich, aber ich weiß, was die Operation Mockingbird ist und empfehle Carl Bernstein anno 1977. Außerdem koppeln sich viele zu sehr von bisher Gewohntem ab, sodass sie dann (ungeübt) im Alternativbereich im Netz alles Mögliche aufschnappen, für das sie journalistisches Handwerkszeug benötigen würden. Ich sehe Sie auch nüchtern als etwas aufgescheucht wegen der Konkurrenz im Netz und weil diese Regierung rechte Alternativmedien nicht ausschließt, sondern teilweise einbezieht. Als linke Journalistin abseits des Mainstream passe ich da natürlich nicht hinein, auch weil rechte Medien oft nur das umdrehen, was Sie verbreiten, jedenfalls von der Tendenz her, und das ist journalistisch betrachtet einfach zuwenig. Aber um zum BVT zurückzukehren, scheinen Sie sich da ja darauf zu konzentrieren, das Narrativ des anonym verfassten Dossiers zu zerstören und somit eine Blamage für Kickl und Co. nachzuweisen.

Warum haben Sie sich nie die Person Peter Pilz näher angesehen, wo selbst bei gewisser Berichterstattung über seine sexistische Seite niemand bereit war, sich mit seiner Rolle auseinanderzusetzen? Mir kommt hier zugute, dass ich einst in den Grünen war und erkannte, dass er im Rahmen einer verdeckt verfolgten Agenda eingesetzt wird; damals half dabei auch, dass er offenbar aus Ihren Reihen gepusht wurde (andere Personen, aber die gleichen Medien), sodass es einen verborgenen Zusammenhang geben musste. Nun ist der BVT-U-Ausschuss noch nicht wirklich angelaufen, doch wir können Sie am letzten U-Ausschuss messen, jenem zu den Eurofightern 2017. Da folgten Sie – von wegen „dort nachzusehen, wo Dinge im Dunklen geschehen“ – dem Pilzschen Narrativ und wollten gar nicht wissen, auf welch dunkle Weise der Vergleich mit EADS zustandegekommen ist. Es war für Sie auch immer klar, dass man die Entscheidung für ein europäisches Produkt holzschnittartig negativ zeichnen muss (mit ein paar Ausreißern, wo sich Angegriffene ein bißchen verteidigen konnten).

Ich nehme Sie bei Ihren hehren Worten und fordere Sie dazu auf, nachzurecherchieren, was ich in zahlreichen Artikeln darstelle, und sich dafür einzusetzen, dass ich nicht länger fertiggemacht werde, weil ich Presse- und Meinungsfreiheit ernstnehme.

Mit kollegialen Grüßen
Alexandra Bader

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3 Gedanken zu “Offener Brief an die Chefredakteure

  1. Etwas nüchterner.

    Die Presseförderung fördert nicht den Journalisten sondern das Walzen des Holzes, das Drucken und das Pressen. Gefördert wird das Verbreitungsmedium.

    Der Boulevard hat viel mit der Verbreitung ‚von zu Papier, sprich gewalztem Holz‘ und dem Bedrucken mit bunten Bildern und Buchstaben zu tun.(Linien kommen insbesondere aus der Metallverarbeitung der Kelten).

    In dem Sinne charakterisiert sich die österr. Presselandschaft im Moment durch das Pressen und die Verbreitung von bunten Bildern und wirren Texten im Kontext des Politboulevards. Das ist nicht nur hier so, sondern ansonst würde die rote Krawatte des Herrn Zipras nicht eine einzige Meldung wert sein.

    Den Politboulevard besser abzubilden eignen sich eigentlich die von ihnen hie und da embeddeden Videos welche Politfernseshow zum Inhalt an.

    Warum?

    Jede neo-klassische Linie (insbesondere Industrielinie) kollabiert am Ende in eine Allmende und hernach wird durch Dematerialisiung von menschlicher Arbeit versucht sie noch solange wie möglich die Verbrauchenden zu erreichen.

    a) Allemende heißt allein, dass Investition keinen Sinn mehr macht.
    b) Der Dematerialisierungprozess bezüglich der menschlichen Arbeit setzt später ein.

    — Klägliche Versuche das nahende Ende abzuwenden —

    Das schleppen der Schulbücher durch die Kinder ist einem Versuch geschuldet dem Dematerialisungszwang entgegenzuwirken. Es werden Aktivitäten als Arbeit interpretiert, die eigentlich der Maschine vorbehalten ist, mit dem Ziel der Dematerialisierung des gewalzten Holzes entgegenzuwirken. Die Stufe hernach ist der Druck.

    Salopp formuliert. Die Kinder in Oberösterreich schleppen sich den Buckel krumm damit der Trauner Verlag nicht pleite geht und nicht nur der.

    Was ist der Broadcast? Allmende. Der ORF ist eine per Definition kollabierte Industrielinie. Wenn man die Allmende mit der ‚linken‘ Idee verbindet, dass eine solche Linie erst dann kollabiert wenn auch noch dem letzten potentiellen Güterempfänger im Wirtschaftsraum (alle) eine Gütermenge im Zwang wird übergeben ist man bei der deutschen GEZ Gebühr. Die wird aber dem ZDF und ARD nichts helfen – die Dematerialisierungslogik läuft gnadenlos rechnerisch voran. Die Notwendigkeit zur Subvention wächst und wächst …

    Der Trick im Industriemodell ist, dass man die Linie automatisiert weiterfahren lässt. Wie beim Standard einfach die APA Newstickermeldung ein wenig in einem anderen Format mit substanzlosem Nichts angereichert zu präsentieren. Daraus folgt direkt, dass die Journalisten in der APA müssten zentralisieren (dematerialisieren aus der Tageszeitung) oder sich dezentralisiert materialisieren (Lokalnachrichten).

    Damit ist nicht gemeint im Beisel sitzen auch wenn diese Informationsquelle gar noch so unattraktiv scheint, denn nicht nur Kindermund tut nach einem einem heftigen Zug von der Quelle die Wahrheit kund.

    Eine Industrielinie ist der Meinung, dass die Werkzeuge im Privathaushalt jene sind die noch nicht bei ihr auf der Maschine montiert wurden resp. den Maschinen. Bevor sie in eine Allmende kollabiert saugt die Linie die Werkzeuge ab.

    Bevor die Linie sich endgültig dematerialisiert setzt sich damit Bedarfe gedeckt bleiben (zumeist bei materialisiertem Preisindikator (teurer)) vorklassische, an Manufakturen erinnernde und klassische Strukturen frei. In Österreich wird der automatisierte Weiterbetrieb auf ewig genutzt die einst am Betriebsgelände verweilenden Menschen und deren an Scheinarbeit erinnernde Aktivitäten bis zu deren Pensionierung aufrechtzuerhalten.

    a) vorklassisch = investigative Journalist vorort
    b) klassisch = Journalist (Jounalismus ist die Ideologie dazu – Übergang zur Neoklassik) – der heute sog. Qualitätsjournalismus
    c) Politboulevardjournaille (Allmende und dahinter) – aus dem Beruf sprich der Berufung wurde der Job.

    Mit der Funktion aus b) hat die Aufrechterhaltung von c) bis die Chefredakteure in Pension gehen nichts zu tun. Die ‚Journalisten‘ oder Nachrichtenschnörkler werden die nicht mehr sehen. Also watch?v=BHcFQ9gaMF4.

    Es wird kein GEZ Gebühr für Zeitungen geben. Das Freisetzen dieser Strukturen basiert auf einem höherem techn. Niveau und einem höheren Grad der Dematerialisierung. Das Bild aus der Klassik geht erst wieder auf, wenn die Linie sich endgültig dematerialisiert hat.

    In der Klassik ist der Kollaps dann gegeben, wenn am Marktplatz unter der Annahme es kommen immer die selben Leute (kein erfolgreicher Wettbewerb) der letzte Bedarfsträger gefunden ist. Daher kommt die Idee es gibt keine Arbeitslosigkeit.

    Alternativen
    Es gab mal den Zeitungsstand. Den Versuch den Informationsstand umlagefinanziert nachzubilden ist nicht beste Idee. Echte umlagefinanzierte Vereinsmeierei oder Verlagsmeierei.

    Augstein selbst halt ja festgestellt, dass das Problem nicht die bereits dezentralisierten Zeitungen mit ihrer Leserschaft sind (eine Art Pay TV ala MTV heute) sondern die Tageszeitungen.

    Es geht allein darum den Markt von den Tageszeitungen zu befreien. Eines ist sicher. Kein Geschäft geht auf ewig und die Tageszeitungen sind durch.

    Die sind bezogen auf das Medium und die Inhalte so von Substanz befreit und doch hat der Prozess gut 70 Jahre gedauert. Das spricht für das Management welches an sich in der Industrielinie den Dematerialisungszwang durch Steuerung der Dematerialisierung von gewählten Faktoren Rechnung trägt.

    Ich bin eher der Auffassung der Alexandra Föderl, dass die Ursache für die mangelnde Verbreitung des Papiers eher den Inhalten geschuldet ist als umgekehrt. Zumindest interpretiere ich ihren Abgang so.

    Ich komme nicht aus der Zeitungswirtschaft, sondern kenne eben den Zustand solcher Linien durchaus gut. Das sind IT Systeme auf Mainstreamtechnologie basierend.

    Der Kollaps des IBM Host ist nicht annähernd vergleichbar, denn das Produkt war einfach zu gut und deswegen hat die Dezentralisierung hin zum PC Server (Client Server) welcher jetzt grad wieder in die Cloud wird konsolidiert genauso wie mit den vielen dematerialisierten Produkten aus der realen Welt der 80er, auch funktioniert. Zu verhindern war einfach, dass die Hardware und alle Software von IBM kommt oder von den großen UNIX Herstellern. Die Client Server Linie ist in 2003 endgültig kollabiert (im kommerziellen Modell). Damals war das zentralisieren aller Server im Rechenzentrum zu teuer, deswegen auch der Wettbewerb der 80er und 90er im Umfeld der Hardware (Silicon Valley).

    Auf der anderen Seite ist Apple die durch die Kombination von Devices die eben beim Peer zu finden sind in Summe die Dematerialisierung der Güter selbst steuern.

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