Demo gegen den 12 Stunden-Tag oder Klassenkampf Neu

Am 30. Juni feierte die Regierung auf der Planai in der Steiermark die Übergabe der EU-Ratspräsidentschaft und die Opposition den Erfolg einer Großdemonstration gegen den 12 Stunden-Tag. Auch die Regierung lud die Bevölkerung ein, doch weit mehr Menschen war nicht nach Picknick, sondern nach Protest zumute. Der ÖGB stellte unter Beweis, dass er doch noch mobilisieren kann, denn Tausende nutzten die Möglichkeit, mit Bussen oder Sonderzügen aus ganz Österreich nach Wien anzureisen. Der Zeitablauf verschob sich nach hinten, weil letztlich mehr als 100.000 durch die Mariahilferstraße zum Heldenplatz zogen, wo die letzten erst ankamen, als die letzten Reden gehalten wurden. Regierungsanhänger insbesondere im Bereich der FPÖ-Fans verbreiteten, dass es sich um bezahlte Demonstranten handle, die Gewerkschaft Übernachtungen bezahle und die Leute verköstige. Beliebt war in den sozialen Medien auch die Unterstellung. dass eh bur Arbeitslose auf die Straße gingen, weil manche nicht begreifen, dass für alle arbeitenden Menschen demonstriert wird. Solidarität bedeutet nicht, dass man sich ausschließlich dann engagiert, wenn etwas zu 100% auf eine/n im Moment zutrifft, sondern dass man sich vorstellen kann, wie es für andere ist und auf ihrer Seite steht. 

Ich bin auch mit dem ÖGB nach Wien gefahren, wobei die Verpflegung aus Getränken und Wurstsemmeln sowie Salzstangerl mit Käste bestand, was alle gerne angenommen haben- Wir sollten als Burgenländer in Wien zusammenbleiben, doch dies liße sich nur realisieren, als es vom Busbahnhof ziemlich weit zum Westbahnhof ging. Ab dann ging es nur zähflüssig weiter, nicht nur, weil an einem schönen Samstagnachmittag auch einige Passanten einkaufen gingen. Die ersten Reden wurden schließlich unterwegs gehalten, es gab auch Musik und Trommeln und einige Demonstranten, die den 12 Stunden-Tag mit Refugees Welcome vermischten. Vom ÖGB verteiltes Material mit durchgestrichenen Ziffern 12 oder 60 dominierten das Straßenbild, auch wenn viele selbst kreative Beiträge leisteten. Man sah auch grüne und unabhängige Gewerkschafter/innen, eine Gruppe Schwarzgekleideter, die bürgerlichen Protest zeigen wollten, die Omas gegen Rechts, das Frauenvolksbegehren und viele andere. Genau genommen sahen alle vieles erst durch zahlreiche Tweets, da man selbst im Gedränge keinen Überblick hatte. Doch auch so war deutlich, dass mit der „Blase“ einer Zivilgesellschaft, die auf Welcome und Antifa abonniert ist, im Vergleich kein Blumentopf zu gewinnen ist, denn kein Protest seit der Regierungsbildung kommt daran ansatzweise heran.

Der ÖGB auf Twitter

Neben den Ansprachen von Gewerkschaftern und Experten (übrigens zu 50% Frauen) gab es auch Statements von Hacklern, die erzählten, was körperlich anstrengende, auch in Hitze oder Kälte verrichtete Arbeit bereits bei 8 Stunden bedeutet. Doch wer denkt, dass es bei geistiger Tätigkeit einfacher ist, wird eines besseren belehrt, da sinkende Konzentration zu Fehlern führt. Es war auch zu hören, dass ein 12 Stunden-Tag autoritäre Verhältnisse nicht zuletzt im Privaten fördert, denn Partnerschaftlichkeit auch in der Kinderbetreuung ist damit unvereinbar. Damit wird die Forderung des Frauenvolksbegehrens nach der 30 Stunden-Woche zu einem wichtigen Gegenpol zum Regierungsmodell einer „freiwilligen“ 60 Stunden-Woche. Es ist charakteristisch für das Weltbild vieler rechts der Mitte, dass sie Rahmenbedingungen nicht erkennen wollen und wie nach dem Motto „was uns nicht umbringt, macht uns härter“ meinen, dass man selbst schuld sei, wenn man Angst um seinen Job hat. Diese Art „Freiwilligkeit“ kennen wir ja auch vom weiblichen Verzicht auf berufliche Ambitionen, weil jemand mehr für Kinder da sein muss und Männer eben immer noch oft mehr verdienen als Frauen, beruflich nicht zurückstecken können (wollen?).

Die SPÖ bei der Demo

Vielfach wurde kritisiert, dass die SPÖ zwar bei der Demo war, sich aber nicht in Szene setzte, Klubobmann Christian Kern im Parlament Gewerkschaftern den Vortritt gelassen hat. Manche mögen seinen Auftritt siehe oben als „cool“ empfunden haben, doch er musste natürlich pausenlos für Selfies posieren, wirkte mit diesem Outfit wie jemand, der zum Vergnügen dabei ist. Da Gewerkschaft Arbeitnehmer/innen und deren Vertretung bedeutet, ist es für die SPÖ auch eine Chance, in der Opposition Tritt zu fassen, sofern man sich nicht mit Forderungen verzettelt, die eher auf die lange Bank schieben als „so nicht!“ ausdrücken. Kern kann sich ein Volksbegehren gegen den 12 Stunden-Tag vorstellen, was zwar der Mobilisierung dienen kann, aber eben doch unverbindlich ist. Der neue ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian spricht nun von einer Volksabstimmung, als ob theoretisch auch möglich wäre, dass ein absolutes No Go vom Volk legitimiert wird (es wird auch Thema bei Betriebsversammlungen). Und weil Spitzengewerkschafter gerne auch kritisiert werden, sei bemerkt, dass manche von ihnen selbst durchaus jene Arbeit kennen, die für die Basis Alltag ist, wenngleich ihr jetziger Job vielleicht dem von Bundeskanzler Sebastian Kurz ähnlicher als gewünscht ist. Gerade der junge Kurz, der nie in der Realwirtschaft tätig war, wurde zur Zielscheibe von Rednern und Demosujets, durchaus nicht unverdient.

Auch Attac war dabei (Facebook)

Nicht vor Ort, aber in Pressemeldungen wird deutlich, dass es nun einen Schlagabtausch gibt zwischen SPÖ und FPÖ; da Letztere ja gerne damit kokettiert, die Nachfolge der Sozialdemokraten in der Arbeiterschaft angetreten zu haben. Nun haben SPÖ und ÖGB viele Fehler gemacht, zum Beispiel, indem die Zunahme an prekären Beschäftigungen übersehen wurde und auch bisherige 12 Stunden-Tage hingenommen wurden, doch es ist interessant, welche Dynamik sich da anbahnt. Man sollte Zeugnisse für Regierungsmitglieder nicht überbewerten, aber einige werden doch zustimmen, wenn „Österreich“ feststellt, dass die meisten FPÖ-Regierungsmitglieder keine gute Figur machen und generell manche kaum in Erscheinung treten, was auch die ÖVP betrifft. Die Klientel der Regierung kam vielfach deshalb an Bord, weil ein Stopp illegaler Einwanderung versprochen wurde, hatte jedoch in der jahrelangen Migrationsdebatte leider gelernt, dass auch Einheimischen nichts zu gönnen ist. Somit verstehen einige nicht, dass es um Gerechtigkeit geht und diese nicht bedeutet, dass jeder und jede andere es exakt genauso schwer haben muss, wie man selbst sein eigenes Los empfindet. Demgegenüber steht die Erfahrung von ÖGB und Arbeiterkammer, dass in der Beratung tagtäglich 12 oder auch 13 Stunden Arbeit pro Tag Thema sind und „Freiwilligkeit“ bedeutet, dass man sich nicht allzu oft weigern darf.

Metaller mit bengalischen Feuern und Vuvuzelas

Viele befürchten, dass der 12 Stunden-Tag („ja eh alles freiwillig! eine Verbesserung gegenüber früher!“) nur der Anfang ist und als nächstes Hartz IV und alles andere kommt, das sich mit satter Parlamentsmehrheit durchsetzen lässt. Was die SPÖ betrifft, mag Kern das Bad in der Menge genießen, doch sein Wahlkampf wurde so versemmelt, dass es jetzt diese Situation gibt und Massenproteste notwendig werden. Es fragt sich auch, ob die Regierung die EU-Ratspräsidentschaft tatsächlich für sich nutzen kann, wenn es ihren Gegnern gelingt, die Proteststimmung aufrechtzuerhalten. Nicht von ungefähr meinen Beobachter, dass Kurz, für den ansonsten alles rund zu laufen scheint, mit dem 12 Stunden-Tag den ersten schweren Fehler begangen hat. Denn auch seine Großspender aus der Industrie machen sich nicht gut und sind Wasser auf den Mühlen der Gewerkschaft und eine Begutachtungsfrist von nur zwei Wochen sieht nach Durchpeitschen aus, ohne dass man polemisch sein muss. In der Opposition wird es wohl doch auf die SPÖ ankommen, da NEOS für neoliberal steht und die Turbulenzen der Liste Pilz noch lange nicht vorbei sind. Die ÖVP sollte mahnende Worte wie von Ex-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hören, die von einem Kniefall vor der Industrie spricht und befürchtet, dass es diejenigen trifft, die sich nicht gegen längere Arbeitszeiten wehren können.

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19 Gedanken zu “Demo gegen den 12 Stunden-Tag oder Klassenkampf Neu

  1. Werte Frau Bader,

    auch ich bin gegen den „12-Stunden-Tag“ als verpflichtende Arbeitsleistung – aber die Regierungsvorlage hat damit halt genau gar nichts zu tun. Die eigentliche Änderung besteht darin, daß nun auch ohne Betriebsvereinbarung fallweise bis zu 12 Stunden legal gearbeitet werden kann. Wurde bisher auch schon fast überall so gehandhabt, war aber streng genommen eben nicht legal. Macht natürlich auch die Betriebsräte in dieser Frage überflüssig…

    Aber klar: Als Gewerkschaft muss ich natürlich mit dem Aufhänger „12-Stunden-Tag“ dagegen mobilisieren – denn der Aufhänger „flexible Arbeitszeit“ lockt heutzutage wirklich keinen Hund mehr auf die Straße.

    Die Demo selbst wäre übrigens wesentlich glaubwürdiger ohne die Slogans „nieder mit türkis-blau“ (freundlich zusammengefaßt) und vergleichbare gewesen, weil da der eigentliche Hintergedanke zu deutlich hervortritt – bei Kerns 12-Stunden-Tag (übrigens der einzige vernünftige Punkt in seinem Plan A) klang das ja ganz anders.

    Stets der Ihre,
    Tomj

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  2. Zu dieser Demo kann ich nur müde lächeln. Wenn man wie ich in der

    Gastronomie arbeitet, ist ein 12-h-Tag zwar nicht üblich, aber wenn es

    notwendig ist, auch nichts besonderes, vor allem am Wochenende. Gerade die

    lieben Gewerkschaftler sollen lieber ganz ruhig sein. Ich darf mich jedes

    Jahr zum 1. Mai über sie ärgern, über ihr Gehabe und die Tatsache, daß

    Trinkgeld für die meisten dieser Ausgebeuteten anscheinend ein Fremdwort

    ist. Es wäre interessant, was für ein Gesicht so ein sozial-gerechter

    Kämpfer machen würde, wenn ich ihm sagte: „Dein Bier kannst dir jetzt

    woanders holen, meine acht Stunden sind vorbei!“ Na, das gäbe ein Theater!

    Die Linken kapieren es einfach nicht. Die Leute drückt der Schuh ganz

    woanders. Jetzt glauben sie, der Regierung eins auswischen zu können. Jo

    eh.

    Sobald in einer Gesellschaft diejenigen, die auf Kosten aller anderen

    leben wollen, die Mehrheit stellen, ist es um den sozialen Zusammenhalt

    geschehen, dann ist der Zusammenbruch – zuerst wirtschaftlich, dann

    gesellschaftlich – nicht mehr zu verhindern. Diesen Punkt haben wir schon

    längst überschritten. Dem linken Gesindel und dem pseudokonservativen

    Staatsprofiteuren sei Dank! Und die ungeheuerlichste Frechheit ist, daß

    beide dem Kaptitalismus bzw. dem Markt die Schuld dafür geben!! Wo bitte

    haben wir in Österreich einen wirklich freien Markt? Wo?? Um diesen zu

    finden, braucht man schon ein Mikroskop, da reicht eine Lupe nicht mehr.

    Was wir in Österreich haben (nicht nur hier), kann man getrost als weit

    fortgeschrittenen Wirtschaftskorporatismus bezeichnen. Mit einem freien

    Markt hat das nichts zu tun.

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    1. Das ist die Falle, in die viele gehen und die Solidarität verhindert. weils mir schlecht ergangen ist, darf es anderen nicht besser gehen. Ich weiss auch, was Gastgewerbe ist.

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      1. Ich bin da in gar keine Falle getappt, es geht mir gut bei dem, was ich tue, sonst wäre ich nicht mehr im Gastgewerbe. Apropos „schlecht gehen“: es ist schon sehr auffallend, daß zumindest im Gastgewerbe die Arbeitsmoral zunimmt, je weiter westlich man geht. Vor allem die Wiener jammern recht bald, wo ein Kellner am Arlberg nur verständnislos den Kopf schüttelt. Beides erlebt, das ist nicht nur ein Erfahrungswert, das ist eine Konstante.

        Mit wem soll ich mich denn „solidarisieren“? Mit ÖGB- und AK-Funktionären? Mit Leuten, die zum allergrößten Teil in geschützten Werkstätten Daumen drehen?

        Kann denn ein Jungunternehmer – heute sagt man ja „Start Up“ – nach acht Stunden sagen, er mag nicht mehr? Oder ein Bauer? Wie soll ein österreichisches Unternehmen überleben, wenn es aufgrund arbeitsrechtlicher Einschränkungen seine Aufträge nicht erfüllen kann und man mit echter Sklavenarbeit wie in China konkurrieren muß? Wie soll eine Catering-Firma eine Veranstaltung durchziehen können, wenn nach acht Stunden Schluß ist? Ist der Konsument denn bereit, die zusätzlichen Kosten, die zwangsläufig entstehen, zu bezahlen?

        Ich denke, er ist es nicht.

        Dieser ganze Wirbel ist eine politische Wasserschlacht. Um wen geht es da konkret? Deutlich über 90 % der österreichischen Unternehmen sind Klein- und Mittelbetriebe. Die sind eh schon überreguliert bis zum geht nicht mehr. Was soll das Ganze?

        Kann mir ein Politiker einen Job verschaffen? Oder ein Kammerfunktionär? Ein Gewerkschafter? Nein. Die können mir nur den Weg in die totale Abhängigkeit vom Staat ebnen, zu Lasten aller anderen. Nein, Danke!

        Dieser linke Schuß wird nach hinten losgehen, ein klassischer Rohrkrepierer. Kein Wunder, wenn man in einer Welt lebt, die von der Realität abgekoppelt ist.

        Sehr geehrte Frau Bader, in diesem Fall drehe ich den Spieß um und sage, daß hier nicht ich, sondern Sie in eine Falle tappen, die den Arneitnehmer nicht nur vom Arbeitsleid, sondern in der Folge sogar komplett von der Arbeit „befreien“ könnte. Die Probleme liegen in einer steuerlichen Überbelastung sowohl für Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber und einem überbordenden Verwaltungsapparat samt widersprüchlichen Auflagen diverser Behörden. Versuchen Sie einmal, aus gegebenen Anlaß zu einer Fußball-WM oder EM ein Public Viewing zu veranstalten. Sie würden Ihren Augen kaum trauen, was da für Auflagen auf Sie zukommen.

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  3. Ja, nehmen wir die Diskussion zum Anlass grundsätzliche Positionen abzuklären.

    Was spricht dagegen, wenn 2 geschäftsfähige Menschen eine individuelle Vereinbarung über Arbeitsleistung, Arbeitszeiten treffen?
    was geht es andere an, was diese vereinbaren?
    Brauchts überhaupt noch arbeitsmodelle, die auf Stundenlohn ausgelegt sind. Wäre es nicht besser ergebnisorientiert entlohnt zu werden?

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      1. Wieso ist die Beziehung in diesem Fall nicht gleichberechtigt?

        Nehmen wir vielleicht ein einfacheres Beispiel: 2 Menschen wohnen zusammen und führen einen Haushalt. Einem Menschen macht das Wäschewaschen nichts aus, hasst aber Bodenaufwischen. Beim anderen ist es genau umgekehrt, deshalb wascht der eine immer die Wäsche und der andere wischt immer den Boden. Beide sind zufrieden.

        Wäre es hier „gleichberechtigt“, wenn sich die beiden Bodenwischen und Wäschewaschen zu jeweils gleichen Teilen aufteilen würde, sodass jeder eine ihm unliebsame Tätigkeit verrichten muss?

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      2. „Die Sozialdemokratie“? Schauen wir mal nach, was der Duden dazu sagt: „(im 19. Jahrhundert innerhalb der Arbeiterbewegung entstandene) politische Parteirichtung, die die Grundsätze des Sozialismus und der Demokratie gleichermaßen zu verwirklichen sucht.“

        Aha, also ein Haufen Geisteskranker, da die Grundsätze des Sozialismus (Zwang) niemals mit den Grundsätzen der Demokratie (Freiheit) gemeinsam verwirklicht werden können.

        Schade, dass sie (wir waren zwar schon mal per Du, aber egal) nicht näher darauf eingehen wollen, wieso Arbeitsteilung zwischen 2 Erwachsenen nicht gleichberechtigt und auf Augenhöhe erfolgen kann und plötzlich mit Arbeitsbedingungen aus dem vorigen Jahrtausend daherkommen.

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    1. Brauchts überhaupt noch arbeitsmodelle, die auf Stundenlohn ausgelegt sind. Wäre es nicht besser ergebnisorientiert entlohnt zu werden

      Natürlich wäre das besser, aber dann würden die ganzen Gewerkschafter-Typen auf der Straße stehen und selbst zum AMS-Härtefall werden, wenn die auf einmal irgendein Ergebnis abliefern müssten.

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      1. meine güte, in welcher welt leben sie denn? was ist ergerbnis? wer definiert das und wer kann dann wem lohn vorenthalten?

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      2. Ich lebe in der realen Welt und kann sogar meinen Lebensunterhalt selbst bestreiten, danke der Nachfrage!

        Was ein Ergebnis ist, darauf können sich 2 Erwachsene Menschen einigen, ähnlich wie beim Bodenwischen und Wäschewaschen. Wenn jemand z.B. Computer zusammenschraubt, dann wird er nach der Anzahl der zusammengeschraubten Computern bezahlt und nicht für die Zeit, die er irgendwo verbringt, in der er die Computer zusammenschrauben sollte.

        Oder jemand programmiert Software, dann würde sich weniger die Zeilenanzahl Code als Ergebniskennzahl für die Entlohnung anbieten, sondern die Tatsache, ob das abgelieferte Programm tut, was ursprünglich vereinbart war.

        Natürlich setzt dies alles zwei erwachsene Menschen voraus, denen der Staat zutraut, selbst für sich Entscheidungen zu treffen.

        Und genau da würden die Gewerkschaftsbonzen, die auf ihren pervers großen Streikkassen sitzen, auf einmal durch die Finger schauen, weil sie eben KEIN Ergebnis abliefern.

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      3. Es geht nicht nur um den Einzelnen, der irgendwie durchkommt oder besonders hart arbeitet, sondern um die Rahmenbedingungen für alle. Da spielen Milliarden an entgangenen Steuern seltsamerweise keine Rolle, wohl aber, dass ein Arbeitnehmer es a bissi einfacher haben könnte als man selbst.

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      4. Es geht nicht nur um den Einzelnen, der irgendwie durchkommt oder besonders hart arbeitet, sondern um die Rahmenbedingungen für alle.
        Wenn sich alle darauf einigen würden, ergebnisorientiert zu entlohnen, dann wären das ja Rahmenbedingungen für alle, worauf wollen sie hinaus?

        Da spielen Milliarden an entgangenen Steuern seltsamerweise keine Rolle, wohl aber, dass ein Arbeitnehmer es a bissi einfacher haben könnte als man selbst.
        Ah, das alte Neid-Argument, welches schon weiter oben bei Walter S. nicht gezogen hat. Sie haben nach wie vor kein einziges Argument nennen können, welches dafür spricht, die Schwätzer von der Gewerkschaft weiterhin zwangsweise durchzufüttern.

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  4. Das Element der Freiweilligkeit stärkt den Arbeitnehmer an sich. Was ist besser daran wenn das betriebsferne Management und die Gewerkschaften, beide Stakeholder und nicht Teil des Betriebs, über die Köpfe anderer hinweg entscheiden? Inbesondere wenn eine Gewerkschaft sowieso heute schon vorbehaltlos dem 12 Tag im Einzelfall zustimmt.

    Mal davon abgesehen, dass die Roten fest mitmachen und den Judaslohn einstreifen …

    Seit den 70ern *) ist klar dass die Verweildauer auf einem Betriebsgelände in einer neoklassischen Linie (sich automatisierenden Güterbereitstellungslinie resp. eine auf die das Industriemodell in der Logik des vordeutschen Wachstumsmodell wird angewandt) in keinem Zusammenhang mit dem Ergebnis der menschlichen Arbeit steht, sodass eine Verbindung von auf einem Betriebsgelände verweilenden Menschen mit bspw. dem Umsatz im sinne einer Gesetzmäßigkeit könnte in Verbindung gebracht werden.

    Im Gegensatz zur vorklassischen Linie (Selbstständige) und Manufakturen (was mal der Handwerker war) bis hin zur klassischen Linie (kleinerer Mittelstand) unterliegt die neoklassische Linie einem laufenden Dematerialisprozess von entweder (und/oder) Preisindikator (auch Kaufkraft des Industrielohns), Gutes oder der Arbeit am Produkt, Mitarbeiterzahl, Betriebsstätte.Die zuvorgenannten Linentypen materialisieren und dematerialisieren mehr oder minder freiwillig.

    An sich kollabiert eine neoklassische Linie welche gegen einen ‚Marktplatz‘ liefert am Ende in eine Allmende (es investiert keiner mehr). Der Zeitpunkt kann mit den vorherrschenden Ideologien in Verbindung gebracht werden.

    a) rechts/Unternehmer. Der Unternehmer vermutet den Kollaps bereits zum nächsten Bilanzierungszeitpunkt und schaut nach.
    b) Marktwirtschaft (Mitte, liberal, eher klassich bis neoklassisch). Sobald alle Bedarfsträger gefunden sind und die Gütermenge optimal bestimmt ist
    c) links/Weltkommunisten. Da die sich automatisierende Güterbereitstellungslinie immer das Maximum liefern und Ziel die potentielle Güterübergabe an alle im Wirtschaftsraum verweilenden Menschen ist, im Falle des Monopols erst wenn das Maximum ‚allen‘ Menschen, selbst im Zwang, eine vermeintlich individuell zu verbrauchende Gütermenge wird übergeben.

    Als Reaktion auf diese Erkenntnis, fehlenden Zusammenhang und des plötzlichen Kollapses einer Industrielinie ging man mit dem sog. Neo-Liberalismus her, tut so als wäre die Linie permanent von Ausfall bedroht und managed die Demateralisierungsprozesse in einer top/down orchestrierten Weise (Management) entlang eines Unternehmensmodells welches die Realitäten im Betrieb schafft und nicht wie zuvor eine Unternehmensrechnung Abbild der Vorgänge im Betrieb ist (bottom up). Die klassische Linie ist letzte Vertreter dieser Art (ohne echten ERP mit WAWI und Kostenrechnung).

    Im Falle des Kollaps saugt die Linie im Endkampf (heutzutage fortlaufend) Werkzeuge aus den Privathaushalten (die Werkstatt vom Opa der noch viel reparierte, selbst die Bohrmaschine und Werkzeuge gebrauchte) welche an der Maschine montiert werden und nicht an den Extremitäten der auf dem Betreibsgelände verweilenden Menschen. (deswegen dünnt die menschl. Arbeit am Produkt aus oder rechnet sich nicht).

    Der Unterschied zur klassischen Linie ist, dass die Linie nach dem Kollaps in eine Allmende heute börseorintiert früher verstaatlicht vollautomatisiert weiterläuft und es verbleiben nurmehr jene Menschen am Betriebsgelände die wirklich gebraucht werden. Alle anderen werden von der Pflicht befreit am Betriebsgelände zu verweilen (Arbeitslosigkeit). Deswegen behaupten die Marktwirtschafter auch gerne, dass es keine Arbeitslosigkeit gibt. Stimmt auch, aber dann müssen Menschen die von neo-klassischen Linien freigegeben werden in klassische Umgebung. Deswegen ist auch viel Neu gefordert bspw. in Form des Start Ups, EPU, Investoren usw…

    In den Modellen bis zur Klassik kollabierte die Linie und das Ergebnis war Mangel. Die Linie kollabiert aber nicht auf einmal sondern sondern wie ein Bird of Prey in Stark Trek. Die setzt während des Kollaps immer mehr vorklassische und klassische Strukturen frei, damit die Menge wieder bereitgestellt werden kann. Das rechnerische Signal zu diesem Zeitpunkt war, dass nicht mehr mehr bereitgestellt werden kann. Noch dazu ist es rechnerisch zu teuer die letzten Güterempfänger zu erreichen (der letzte Kunde kostest ‚alles Geld der Welt‘). Damit ist Armut trivial gegeben, Armut heißt allein – nicht gedeckter Bedarf.

    Zumal die Linie aber weiterbetrieben wird, wird sie entweder aus dem Wirtschaftsraum in ein niedrigeres Preisniveau gerettet (Abwanderung, Faktorenausgleich) oder wie heute üblich andauernd im Zustand des Zeitpunkt des Kollapses betrieben und dabei wird die zunehmende Dematerialisungstendenz gemanaged.

    Praktisches Beispiel bei dem man ein wenig aufpassen muss. Cloud.

    Die IBM Host (Mainfame) Linie kollabierte (will keiner mehr kaufen und Weiterentwicklung für die Wirtschaft hat sich nicht ausgezahlt) in die Client Server Linie die in den 80ern begann zu expandieren.

    Im Zuge dessen wurden Butzi Mainframes in die Abteilungen gestellt (Abteilungsserver Novel, Banyan Veins, Microsoft Server usw…), die wanderten in den Serverraum, dann ins Rechenzentrum (on premise), dann in ein externes (off premise) usw…

    Der PC hat in der Materialisierung (Dezentralisierung) gleichzeitig andere Geräte (Wecker, Uhr usw..) dematerialisiert und hinzu kamen noch Packerl mit Software. Der PC war bestimmt einmalig bisher. Ansonsten wären alle Mainframes bei der IBM oder den anderen bspw. UNIX Systemherstellern im deren Rechenzentrum gelandet rund um 2k.

    Eigentlich wären die PCs dran gewesen mit der Dematerialisierung. Jetzt hatte man in der IT Industrie das Problem ohne End-User Device geht es nicht.

    IoT wäre schon eher Ausdruck der finalen Dematerialiserung des PCs. Eine schwache Version war das Verlagern der Softwarepackerl vom PC aufs Handy aka. Smartphone + Store.

    Jetzt saugen die Cloud Rechenzentren die verwaisten PCs vom Tisch, genauso wie die Packerl mit Software und das Modell der Dematerialisierung des Preisindikators (perod. Miete resp. Leasing aka billiger (kleinere Zahl)) um den Touch auf das Schnurlostelefon.

    Ich weiß Bekannten die Rechenzentren betreiben, dass mit Amazon sie im Preis nicht mithalten können. Keine Chance … IoT und starker Desktop Rechner mit fettem Upstream gingen theoretisch sogar wieder …

    Car Sharing wäre auch dem Kollaps der Industrielinien rund ums Auto geschuldet und damit verbunden die Dematerialisierung der Betriebsstätten und damit einher geht die Dematerialisierung des Preisindikator. Aber nicht vergessen der Güterbereitsteller übergibt die Münzen für den Tausch und damit dematerialisiert sich auch der Industrielohn resp. dessen Höhe für alle Kunden.

    Damit die Verwirrung in den Zenith steigt hat Politik begonnen Arbeit per Gesetz zu definieren, EU Richtlinien, Regeln, Normen usw.. 🙂

    Davon mal abgesehen, dass sie die eigenen Aktivitäten als Arbeit definieren und gleich für die Finanzierung in Form von Politiker als Beruf, fürstlich anmutenden Politikergehältern und Parteienfnanzierung sorgen, so werden auch Aktivitäten im Rahmen des sog. Konsumentenschutzes zu Arbeit erklärt usw… (Umlage(n)finanzierung ist das Schlagwort). Controller ist ähnlich, denn ohne Controller gab es keinen Kredit in den 80ern resp. 90ern und nicht da dieser Beruf in der Breite sinnstiftend per se jemals wäre.

    Mit dem Management der Dematerialiserung einher ging die Objektivierung (bspw. Qualifikationen, Bildungsgrad usw…). Seit längerer Zeit sind wir in der (Re)Subjektivierung. d.h. jeder schreibt Rechnung oder wird so behandelt. Allein ist der Industrielohn der an sich keine Spareinlage per Definition kann bieten der Beschiss schlechthin, der erlaubt nur Zugriff auf die Güter die bereits bereitgestellt wurden und die sind per Definition allein Verbrauchsgüter. Was sind die Verbrauchsgüter in der Klassik resp. Vorklassik? Mehr oder weniger die Nahrung das folgt Trivial aus dem Wachstumsmodell der Vordeutschen.

    Man hat damals die Ernte versucht eilig an lokale Märkte in Städten und Dörfern zu transportieren und durch Rückübergabe von Werkzeugen die Erträge zu steigern. Verblieben sind der Konsument als Rumpfmarktplatz mit einem einzigen Güterempfänger und die globale Wertschöpfungskette der Bauernhof.

    Der Obdachlose bei der Tafel ist das untere Limit und gleichzeitig die Zukunftsaussicht eines Industriearbeiters unter sonst gleichen Bedingungen sobald er oder sie von der neo-klassischen Linie freigegeben wird. Große Überraschung jeder der einen Industrielohn bezieht und das sind alle unselbstständig Erwerbstätigen inkl. Beamte und Pensionisten beziehen einen Industrielohn (er wird je nach Art des Bezug anders genannt).

    Deswegen Vorsicht mit sich bspw. in Selbstständigkeit rein(über)rumpeln zu lassen.

    Eine Diskussion über Arbeitszeiten in der Industrie ist an sich marxistischer Schwachsinn. Aber es ist zu beurteilen ob einem die 12 Stunden aufs Auge gedrückt werden dürfen (ob der top-down orchestrierten Linie gerechnet im Unternehmensmodell durch Stakeholder welche die betrieblichen Abläufe vorgeben), nicht per Gesetz definierte als Arbeit gewertete Aktivitäten die Arbeit am Produkt vereiteln, es nicht besser wäre Mitarbeiter von sich aus die Möglichkeit zur Fertigstellung von Ergebnissen einzufordern usw…

    Wenn die SPÖ versucht in einem Punkt zu wirken, dann dort.

    Freiwilligkeit und Ergebnisorientierung (damit ist nicht der sich maximierende Gewinn gemeint der in der Neo-Klassik sowieso trivial gegeben ist, allein ist relevant die Beziehung zur Menge d.h. der Gewinn pro Mengeneinheit muss, im Modell wohlgemerkt, sinken). Seit gut 20 Jahren sind alle Arbeitsorganisationen eigentlich auf Ergebnis ausgerichtet und nicht an Arbeitszeiten orientiert.

    Bspw. in der Softwarentwicklung,egal welche Arbeitsorganisation man macht
    a) normale Linie mit moderner Priorisierung bspw. als Queues(FIFO, LIFO, … kombiniert mit MRU, LRU, usw…) aka agil.
    b) Kanban, in einem festgelegten Rahmen weiß man was fertig werden soll aber nicht wann resp. die Reihenfolge
    c) Projekt – Man kennt die Struktur des Ergebnisses, aber keiner weiß wer was macht (resp. wer soll was bereitstellen)
    d) Scrum. Keiner weiß was rauskommen soll und schon gar nicht jener der bestellt. (Prototyping, Forschung…).
    d1) Sehr einfach formuliert sagt der Projektleiter zum Kunden, ‚Wenn sie nicht wissen was sie wollen und keiner weiß was er oder sie machen soll, dann ‚Leckt’s mich alle … und du Kunde verhandelst mit jenen die die erzählen müssen was du überhaupt meinst und brauchst und die sollen dir gleich noch dazu sagen wie lange sie dafür brauchen). Das ganze Umfeld ist eine an Marktplatzlogik angelehnter Entscheidungsprozess bei dem dem Arbeitenden die Zeit im Rahmen bspw. von Pokerspielen wird entlockt.

    Projektleiter scheitern an c) da auch sie erfolglos versuchten die Kunde- und Lieferantenbeziehung umzudrehen. Investoren machen das gerne und holen sich mehr Stunden im niedrigeren Preisniveau. Deswegen kommen die Cloud Games bspw. auch aus der Ukraine.

    *) des letzen Jahrhunderts wohlgemerkt, in Österreich dauer alles länger. Im Gegensatz zur ehem. Verstaatlichten bei das Monat und der Tag feststeht, aber nicht das Jahr so ist es in Österreich das Jahr aber nicht das Jahrhundert….

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  5. Also ich persönlich kann mir keine Wirtschaftslage, nicht mal eine Krise vorstellen, welche dafür sorgen könnte, dass die 60-Stunden-Woche im Jahr 2018 auf freiwilliger Basis Normalität wird. Wahrscheinlich wollen die Gewerkschaften nicht, dass jemand bemerkt wie überflüssig sie sind. Schließlich entscheiden nicht ein paar Schwätzer, sondern die Leistungsfähigkeit des Produktionsapparats maßgeblich darüber, wie viel Freizeit die Menschen sich gönnen können. Die Medien sind sicher auch froh darüber, die Regierung abseits des Migrationsthemas, wo ihnen schon lange niemand zuhört, kritisieren zu können.

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      1. Sie mokieren sich über die Wahl eines Internet-Pseudonyms von einem ihrer Leser und „argumentieren“ gleichzeitig mit einem Artikel des ach so unabhängigen Sozi-ORFs, wo eine mehrmals der Manipulation überführte „Wissenschaftlerin“ herumweinen darf, damit der österreichische Konsument und die österreichischen Bauern als die Hauptschuldigen dargestellt werden, während die armen Ausländer darunter zu leiden haben? Und wo sich am Ende alle darauf einigen, dass „der Kapitalismus“ und „die Globalisierung“ an allem Schuld ist?

        Kann man natürlich machen.

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  6. der 12h Tag ist klar eine Aktion gegen den Arbeitnehmer.
    Anstatt in Richtung weniger Arbeit zu gehen, geht die Tendenz in die andere …
    Leider, obwohl ich überzeugt bin, dass die Wirtschaft nicht krachen würde, die kracht eher wegen zweifelhafter Banken und Währungsgeschäften.
    Man muss aber klar sagen, dass kein einziges der sogenannten Arbeiterrechte durch die Sozialdemokraten der letzten Jahre erreicht wurde.
    Man könnte noch wohlwollend sagen zumindest haben sie es geschafft, dass nichts weggenommen wurde, vorwiegend aber haben sie sich selber bedient.
    Die meisten in der Privatwirtschaft werden mit der Freiwilligkeit nichts anfangen können, denn es gilt die Devise ‚allzeit bereit möglichst bilig‘.
    Trotz allem werde ich die Sozialdemokraten nicht mehr wählen, denn sie haben uns die Migranten beschert. Europa für Frauen auf Jahrzehnte zerstört, das wiegt schwerwiegender.
    Die Sozialgelder werden an Männer verteilt, für die Frauenrechte ein Fremdwort ist, die eine Kultur und Religion wollen, die zutiefst undemokratisch und frauenfeindlich ist.
    Ich freue mich daher auf die Europawahlen wo es eine EU Austrittspartei geben wird.

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