Regierung, Medien und Widerstand

Kürzlich gab es das erste Kanzlerfest mit Sebastian Kurz, und manche kamen beim Betrachten der Fotos zum Schluss, dass einige Promis auch bei SPÖ-Kanzlerfesten eingeladen waren. Mit dem offiziellen Status steigt die vergängliche Beliebtheit, die man nicht mit Wertschätzung der eigenen Person verwechseln darf. Auch wenn einige Medienleute viele Follower auf Twitter haben, gilt dies weniger ihnen persönlich als ihrer Redaktion, sodass sie auch niemals wirklich rein privat posten. Einige versuchen, eine alternative und dazu noch widerständige Position zu erringen, was haargenau der Show entspricht, die 2000 bei Schwarzblau abgezogen wurde. Wieder wird Abscheu gegenüber einzelnen Regierungsmitgliedern (wie mutig!) artikuliert und der Mainstream verkauft Doron Rabinovici, Isolde Charim und Robert Misik als „engagierte Intellektuelle„. Schon vor Türkisblau gab es Veranstaltungen, die wie ein Flashback in Schüssel-Zeiten wirkten, etwa als die Retter des Funkhauses in der Wiener Argentinierstrasse aufmarschierten und NATO-konforme ORF-Berichterstattung mit Meinungsfreiheit verwechselten. Manche Personen, die heute gepusht werden, waren damals noch zu jung wie Stefanie Sargnagel, die 1986 geboren wurde. Sie kommt in der „Faz“ in einem Schwerpunkt „Mit Rechten leben“ zu Wort und weist darauf hin, wie gefragt sie heute ist: 

„In allen Interviews zu meiner Kunst werde ich von deutschen Medien momentan eins gefragt: Wo bleibt der Widerstand in Österreich angesichts einer rechten Regierung? In der Außenwahrnehmung stagniert die österreichische Linke offenbar vor diesem Rechtsruck. 2000, als das erste Mal eine schwarz-blaue Regierung angelobt wurde, gab es Sanktionen seitens der Europäischen Union, ein Weisenrat wurde entsandt, österreichische Schulklassen wurden vom Sprachaufenthalt in Frankreich wieder ausgeladen, und jeden Donnerstag fanden Demonstrationen am Ballhausplatz statt.“ Was sie nur aus der Wikipedia oder von Berichten kennt, war zunächst wirklich eine Bewegung, weil binnen weniger Tage vollendete Tatsachen geschaffen wurden und als Reaktion Tausende in Wien jeden Abend demonstrierten. Wie zu erwarten flaute es ab, während aber noch längere Zeit viel diskutiert wurde und sich zahlreiche Gruppen bilden, für die u.a. die erwähnten „engagierten Intellektuellen“ sprachen. Was persönliche Preise für „Widerstand“ und „Kritik“ betrifft, ging es den ständig Vorgezeigten jedoch finanziell keineswegs schlechter als zuvor, eher schon besser, weil sie jetzt gefragter waren.

Sargnagel liest in Deutschland 

Sofern es heftige Reaktionen auf Einzelne gab, hatte das wie heute auch sehr viel mit ihrer Wortwahl zu tun, die damals noch nicht durch Social Media verbreitet wurde. Sargnagel schenkte sich schon vor der Angelobung der neuen Regierung im Dezember 2017 nichts und ist auch jetzt nicht um Bashing verlegen: „Österreich war immer schon ein außergewöhnlich chauvinistisches Bauerndorf, die meisten Männer in meiner Familie wählen FPÖ, in den politischen Machtpositionen sitzen, seit ich denken kann, untersetzte, stämmige Hinterwäldler, eine Mischung aus Bayer, Slawe und Schwein. In Wien, dem kulturellen Zentrum Österreichs, das traditionell eine Einwandererstadt und der Hort einer starken Sozialdemokratie ist, bekommt man von diesem Rechtsruck als weiße Künstlerin vielleicht am wenigsten zu spüren.“ Man kann Sargnagel auch als Rassistin bezeichnen und sich wundern, wie sie zur Selbsteinschätzung „Künstlerin“ kommt. Denn wie Beliebtheit im Umfeld einer Regierung temporär ist, bedeutet mediales Hätscheln nicht zwingend, dass jemand großartig ist und daher sein/ihr Schaffen bekannt gemacht werden muss. Sargnagel passt nur gut in den Kram, da sie viele Klischees auf einmal bedient, von ihrem auch obszönen Schimpfen über die Blauen bis zum Loblied auf eine widerständige Subkultur, die von staatlichem Wohlwollen abhängt und Widerstand nie wirklich unter Beweis stellt.

Dort gehörte Sargnagel immer schon hin, denn ihr Umfeld ist „schwul, lesbisch, arbeitslos, depressiv, exzentrisch, tagträumerisch und feministisch. Viele funktionieren nicht richtig und beziehen Mindestsicherung. Das war für mich immer selbstverständlich, und mit dem Rest der Welt war ich nach der Schule nur noch familiär oder nachts in Kneipen in Kontakt. Seit ich mit meinen Texten und Zeichnungen eine große Öffentlichkeit habe, werde ich aber wieder daran erinnert, als wie provokant, widerständig und abnorm meine Äußerungen wahrgenommen werden.“ Fast scheint es, dass sie in ihrer Fantasie in der Fantasie der Rechten eine Widerständige ist und sich so selbst legitimiert und für viele weitere Artikel, Interviews und Lesungen (nach dem Jan Böhmermann-Muster?) empfiehlt:  „Mein Humor, mein Schreiben, mein Hang zur Ehrlichkeit, meine Zeichnungen und sogar mein Körper werden von Rechtskonservativen und Bürgerlichen als widerständiges Handeln interpretiert. Als junge Frau in der Öffentlichkeit wird eine durchschnittliche Figur mit durchschnittlicher Körper- und Kleidergröße schon als aktive Verweigerung gesehen. Etablierte Feuilletons wie die ‚Zeit‘ schrieben darüber, wie außergewöhnlich es wäre, dass ich als Buchautorin mich trauen würde, einen Körper jenseits der Norm (ich habe Kleidergröße 42) über die deutschsprachigen Bühnen zu schleppen. Als Frau ist der eigene Körper schon eine aktive politische Handlung an sich, egal, was man macht: Man verführt, man verweigert, man täuscht Schwäche vor, oder man hält sich auch nobel zurück, je nach Körperbau, Kleidungsstil und Raumeinnahme wird der eigene Körper zum geschlechtspolitischen Schlachtfeld.“

Sargnagel bei den Linken 

Ist diese Batterie an Selbstbeweihräucherung ihre Kompensation dafür, dass sie bei diesen Regierenden ebenso wenig dazugehört wie bei den Vorangegangenen? Wenn sie ihren Körper zur aktiven politischen Handlung erklärt, erinnert dies an Lena Dunham, deren Tweets in Abscheu vor Trump immer absonderlicher wurden. Dazu meinte Camilla Paglia, dass Dunham typisch ist für eine bestimmte Art von Neurose, die sich als Feminismus verkleidet. Sie habe eine Menge Probleme, die etwas mit Körperbildern zu tun haben, aber nichts mit der Gesamtgesellschaft, sondern mit dem Chaos in ihrem familiären (intellektuellen) Hintergrund. Dazu gehört auch, dass die „Feministin“ Dunham Hillary Clinton unkritisch verherrlicht und sich auf Trump (stellvertretend für andere Männer) einschießt. Dunham ist wie Sargnagel 1986 geboren und beschreibt in ihrem Buch „Not that Kind of Girl“ (das natürlich im Mainstream gelobt wird) eine Enttäuschung mit Männern nach der anderen. Es ist, als ob in dieser Generation nach der Frauenbewegung der 1970er Jahre Frauen jedes noch so unerträgliche Männerverhalten aushalten, nur um nicht allein zu sein.

Sargnagel wird für im Grunde pubertäre Aktionen gefeiert:  „Noch besser aber ist, dass Sargnagel keine Hemmungen hat, Feindschaften zu unterhalten. Den FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer – einen Mann, der einer deutschnationalen Burschenschaft angehört und sich gerne eine blaue Kornblume ans Revers steckt, das Erkennungszeichen der illegalen Nationalsozialisten vor dem „Anschluss“ im März 1938 – verglich sie in einem Facebook-Posting mit Hitler, in einem anderen hieß es: ‚Mir grausts so vor dem Bild von Straches Eichel und seinem dicken stinkenden Brunzstrahl der schüttelt sicher nicht gründlich ab und dann fahrt er seiner 18 jährigen Silikontittenfreundin damit rein und röhrt wie ein Hirsch es ist widerlich‘. Und erst vor zwei Wochen hat sie bei einer Demo der Identitären in Wien, die nicht sehr lange friedlich blieb, den Neurechten zwei Fahnen abgenommen, um sie zu vernichten.“ Mit der Trump folgenden Lena Dunham scheint Sargnagel mehr zu verbinden als nur das Alter. Denn beide Frauen scheinen unfähig, Politik zu analysieren, und verwechseln persönliche Untergriffe und die zu erwartenden Reaktionen mit politischer Einflussnahme. Über die Verschwörer des 20. Juli 1944 hieß es, dass einer sich über seine Frau ärgerte, die es für widerständig hielt, in Geschäften nicht mit „Heil Hitler!“ zu grüßen. Sie verstand nicht, dass man ein großes und wichtiges Ziel nicht mit einer kleinen banalen Handlung aufs Spiel setzen darf.

Die FAZ mit Sargnagel 

Wären Sargnagel, Dunham und Co. tatsächlich in einer Situation, in der es auf Widerstand ankommt, würden sie ihr Pulver mit kindischen Aktionen verschießen, die im Social Media-Zeitalter zu virtuellen Attacken und Drohungen führen. Aber es passt zum Selbstbild Sargnagels, dass der Verfassungsschutz (statt sich mit Wichtigem zu befassen) nach Drohungen gegen sie ermittelt und Vice (wo sie auch Autorin war) eine Story über „Alphamännchen“ veröffentlicht, die gegen sie auftreten. In der FAZ klingt die Märtyrerinnenpose so: „Die FPÖ hat im letzten Jahr auf verschiedene Arten versucht, mich öffentlich zu diffamieren. Zuletzt erfand sie, auf Basis eines veröffentlichten Reiseberichts, dass ich eine Tierquälerin sei, die Babykatzen quäle, woraufhin ich mit wochenlangen Gewaltandrohungen umgehen musste, bis ich im April 2017 einen Hörsturz erlitt und seitdem auf dem rechtem Ohr schlechter höre. Es ist nicht unüblich für die Rechten, Einzelpersonen zum Ziel ihrer Hetzkampagnen zu machen, dabei zeigt man keinerlei Hemmungen, auch wenn die Vergewaltigungsdrohungen gegen die Zielpersonen schon öffentlich bekannt sind.“ Sargnagel vergißt, dass sie damit kokettierte, Babykätzchen zu quälen, um dann nachzuschieben, das alles nur satirisch gemeint war.

Wie jedoch Lisa Fitz zu Recht feststellt, bedürfen Satire und Kabarett der Recherche, man muss sich auf der ernsthaften Ebene auskennen, um sie dann zu überzeichnen und auf diese Weise hochpolitische Inhalte rüberzubringen. Sie spricht von „systemimmanenten Hofnarren“, die uns als Kabarettisten und Satiriker verkauft werden, aber wie Mainstream-Journalisten einen bestimmten Rahmen nie verlassen. Diese Grenzen ermöglichen aber Deutungshoheit, Zugehörigkeitsgefühl und dadurch auch Macht und Anerkennung, die sofort in Gefahr sind, wenn sich Gewichtungen verschieben, wie man in der aktuellen Mediendebatte sieht. Man erkennt echte Satire immer u.a. daran, dass sie nicht erst erklärt werden muss und bei der Realität ansetzt, diese aber ins Absurde verfremdet und so Wahrheiten mit Humor vermittelt. In der FAZ geht aber Sargnagels Hymne auf sich selbst weiter: „Witze und Frauen sind eine eigene Liga. Gelungene Humoristik manipuliert den Menschen zum Lachen oder zum Nachdenken, eine Fähigkeit, die Frauen offenbar immer noch der Hexerei verdächtig macht. Schon mehr als einmal habe ich gehört, ich würde als eine Art Hexe empfunden werden, als bösartige, verschlagene Frau.“

Lisa Fitz 

Sargnagel betreibt auch Werbung für die von ihr mitgegründete und ebenfalls medial gefeierte Burschenschaft Hysteria, die z.B. so verkauft wird: „Die Burschenschaft wächst, hat nach eigenen Angaben eine dreistellige Mitgliederzahl, es gibt zahlreiche Aspirantinnen und Anträge, Ableger auch in deutschen Städten zu gründen. Bei der Einweihung im einstigen Nazi-Keller sah man Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, aber auch Filmemacherinnen, Schauspielerinnen, Juristinnen und Politikerinnen.“ Die Hysteria mit Obfrau Sargnagel ist nach wie vor auffallend stark medial präsent, was bei feministisch deklarierten Aktionen doch eher ungewöhnlich ist, zumal die Presse dabei mitspielt. Im Vergleich zu anderem, das von Sargnagel kommt, ist die Hysteria ein  gelungenes Projekt, bei dem das Wohlwollen im Mainstream dennoch bezeichnend ist. Wenn Sargnagel schreibt: „Zuletzt hat man über die weitreichenden Beziehungen eine Förderung der Stadt Wien von 100.000 Euro bekommen“, werden sich bestimmt manche fragen, ob das Satire oder Ernst ist. Aber immerhin bezieht Hysteria ihre Legitimation aus der Parodie aus dem krassen Gegensatz zu Burschenschaftern, die ja jetzt mitregieren.

Wäre Österreich so, wie Sargnagel es in der FAZ (aber auch im „Standard„) beschreibt, müsste sie hungern und unter der Brücke schlafen, statt eifrig herumgereicht zu werden und bei Auftritten am Land keck „Nazi-Rabatt“ zu geben. Es scheint, als seien Denis Yücel und Jan Böhmermann zu einem weiblichen Klon zusammengefügt worden. „Man kommt nicht umhin festzustellen, dass Sargnagel inzwischen zu guten Teilen nur noch von der Vermarktung der an sie gerichteten Anfeindungen lebt. Das ist auch der Grund warum sie diese mit ihren billigen Dauerprovokationen ständig neu anfacht. Eine Vertreterin der modernen Aufmerksamkeitsökonomie halt, wobei das für eine Schriftstellerin ein Armutszeugnis ist“, postet jemand beim „Standard“-Artikel „Sargnagel auf Österreich-Tour: ‚Unsere eigene Heimat, Naziland'“. Es ist verständlich, dass Autorinnen und Autoren Erwähnung finden müssen, um von ihrer Arbeit leben zu können, und doch geht es auch um andere Motive. Deutlich wird, dass mit Bekanntheit einhergehende Reaktionen eine Belastung darzustellen scheinen, obwohl die von Sargnagel und anderen „Widerständigen“ so sehr angefeindeten Politiker damit noch viel mehr konfrontiert sind. Interessant ist, dass Vizekanzler Heinz Christian Strache beim Talk auf Servus TV als Überraschungsgast seine Ehefrau Philippa mitnahm, die ihre politischen Standpunkte kundtat. Und er selbst meinte, praktisch immer in der Öffentlichkeit zu stehen, außer zu Hause und im Ausland, auch weil stets jemand etwas von ihm will.

Sargnagel unterwegs in Deutschland

Freilich kann Strache mit Öffentlichkeit nicht so zimperlich umgehen wie Sargnagel und Co., wenngleich er sich natürlich jederzeit Anwälte leisten kann. Ironischerweise setzte die FPÖ auf alternative Öffentlichkeit, ehe sie in die Regierung kam, während sich jetzt die Berichterstattung im Mainstream teilweise geändert hat. Ein ehemaliges Regierungsmitglied sagte mir einmal, dass mit der Rückgabe des zur Funktion gehörenden Handys auch alle Kontakte mit einem Schlag weg waren – dies auch ganz konkret, weil diese Person von anderen sofort als weniger wichtig betrachtet und nicht mehr überallhin eingeladen wurde. Dennoch werden Minister/innen a.D. natürlich stärker wahrgenommen und auch einbezogen als Durchschnittsbürger/innen, das dürfen wir nicht vergessen. Aber aus ihrer Sicht ändert sich einiges, wie auch bei einem anderen Ex-Regierungsmitglied zu beobachten war, das wegen negativer Schlagzeilen seines Ehepartners von vielen in den eigenen Reihen geschnitten wurde, was sich auch auf Einladungen niederschlug und bis zum damaligen Parteichef ging. So sind von vielen belächelte Aussagen von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser verständlich, der sich rund um seine Auftritte im BUWOG-Prozess beklagt, wie viele sich von ihm abgewendet haben. Er sieht sich, siehe „Österreich“-Beilage „Seitenblicke“ vom 28. Juni 2018, als Opfer von acht Jahren medialer „Hetzjagd“ und man muss feststellen, dass sich auch die meisten seiner „guten“ Freunde von ihm abwandten.

Nun war Grasser sicher immer ein Selbstdarsteller, doch das Gericht klärt (endlich), inwieweit er auch mit staatlicher Macht versehen zum Hochstapler wurde, der öffentliches Eigentum veruntreute. Es fragt sich nicht nur bei ihm, welche Substanz er je hatte und wie er mit seiner Verantwortung umging, denn die Schaumschlägerei anderer Selbstdarsteller/innen hat auch etwas mit Hochstapelei zu tun. Verantwortung wahrnehmen kann auch bedeuten, sich nicht zum Hofnarren oder zur Hofnärrin machen lassen, die für die Agenda anderer kurzzeitig berühmt wird, weil sie das eigene Land verunglimpft. Klassisch linke Herangehensweise ist ja, Rahmenbedingungen zu erkennen und zu analysieren und nicht Menschen dafür zu bashen, dass sie diese nicht überwinden, sondern ihnen tolerant zu begegnen und auf Solidarität zu setzen, wo immer sie möglich ist. Damit aber gewinnt man keinen Blumentopf, wenn die Position der Regierenden besetzt ist, diese eine/n sicher nicht einbeziehen werden und man mangels politischer Gestaltungschancen nur das Handeln anderer kritisieren kann. Wenn man genau hinsieht, wird nicht nur Sargnagel, die immer etwas verschlafen-bekifft in die Kamera blickt, medial vorgeführt, sondern auch Conchita, was besonders bei „Österreich“ deutlich wurde. Besonders am Life Ball wurde hier jede „ihrer“ Regungen verfolgt, wobei das „sie“ umso absurder wird, je mehr sich Tom Neuwirth auch in seiner Kunstfigur als Mann zeigt.

Ein Conchita-Fan auf Twitter

Bei Conchita war jedoch bereits beim Song Contest 2014 klar, dass eine Agenda verfolgt wird, denn es war jenes Jahr, in dem ein Regime Change in der Ukraine stattfand, man aber Russland wegen der „Annexion“ der Krim mit Sanktionen belegte. Dass die Krim für Russland wegen der Schwarzmeerflotte strategische Bedeutung hat und dort vor allem Russen leben, ging in Ablenkungsmanövern unter wie der Agitation von LGBTIQ-Organisationen gegen Putin bereits bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi und davor. Da passte auch Conchita mit ein paar flotten Sagern in Richtung Putin nach „ihrem“ Sieg gut rein („we are unstoppable“) und verkörperte Genderfluidität, was letztlich das Auflösen traditioneller Identitäten als Person bedingt. Dass ausgerechnet – aus der Sicht von Sargnagel, FAZ, Standard und anderen – Hinterwäldler eine Conchita hervorbrachten, führte zu Enthusiasmus in einer beeinflussten Szene. 2015 wurde klar, dass nicht nur Mann und Frau austauschbar sind, sondern auch Grenzen keine Gültigkeit mehr haben sollen, da man „refugees“ endlos willkommen heißen soll. Einen Großteil der Ablehnung und des Hasses, den diese Regierung auf sich zieht, haben damit zu tun, dass sie illegale Einwanderung nicht zur Flucht schönredet. Es ist nichts dagegen einzuwenden, die Regenbogenparade zu besuchen und für die Ehe für alle einzutreten – man sollte aber wissen, dass alles auch von anderen benutzt werden kann.

Wer plötzlich im Focus der Medien steht und vorher auch nicht gänzlich unbekannt war, wird dazu verleitet anzunehmen, dass es wirklich an ihm oder ihr liegt. So sah sich Maria Stern nach ihrem „zutiefst feministischen Akt“ des Verzichts für Peter Pilz schon als machtvolle Obfrau einer Parlamentspartei. Ihren Zweck hat sie aber bereits erfüllt, sodass kein Hahn mehr nach ihr kräht und auch niemand mehr fragt, wie das denn jetzt ist mit den versprochenen Aspekten von #MeToo. Was in den Zeitungen steht, ist nicht wichtig, und was wichtig ist, findet man nicht in den Zeitungen heißt es. Das stimmt insofern, als dass vieles verschwiegen oder nur teilweise dargestellt wird, sodass Narrative geschaffen werden. Politiker, Journalisten, Autoren, Intellektuelle brauchen Öffentlichkeit und neigen dazu, ihre Präsenz als persönliche Anerkennung zu betrachten und sich nicht zu fragen, ob sie nicht bloß jemandem gerade in den Kram passen. Sieht man sich etwa die Berichte über Karl-Heinz Grasser mit seinen O-Tönen an, so hat er sich noch nicht davon erholt, dass er weder in der Regierung ist noch ihm die Einheirat in den Swarovski-Clan besonders viel hilft. Aber er muss nicht wie andere Gestrauchelte knausern, sondern kann im Sacher logieren; auch nicht schlecht, wenn man zugeben muss, eigentlich keinen Beruf mehr zu haben.

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3 Gedanken zu “Regierung, Medien und Widerstand

    1. dem gesagten schließe ich mich an!

      dazu ist zu sagen, dass es entweder steuern sind von denen diese genannten gruppen leben, oder aber grosskapitalisten, die sich einen hofstaat halten…

      und so ist es eben so, dass sie wohl oder übel dessen lied singen müssen, dessen brot sie fressen…

      was die be- (oder besser gesagt ge-) -steuerten betrifft so gilt natürlich ihre fest-stellung: „Sollen ja alle so dumm wie sie werden das ist klar.“

      denn dann wird ihnen nicht bewusst, wo sie hinge-steuert werden über (zwangs?)-arbeit und steuern…

      die die sich arbeits- und konsum-zwang nicht unterwerfen sind einfach nicht steuer-bar. (also über die finanzielle schikane)

      die wurden dafür geholt um einen sündenbock abzugeben, auf dessen rücken jetzt der polizeistaat gestärkt wird. da bekommen die schäferhunde jetzt neue stachelhalsbänder, quasi…

      und die lämmer finden es toll, denn schließlich werden sie von wölfen bedroht…

      dabei war der wolf bei uns schon so gut wie ausgestorben…

      aber er wurde wieder angesiedelt…

      (in wirklichkeit sind die stachelhalsbänder natürlich stichschutzwesten, kavallerieeinheiten und elektronische totalüberwachung)

      und natürlich tanzen für die truppe und die lämmer ein paar hofnarren herum…

      trotzdem gehts mit volldampf zur schlachtbank…

      hier ein paar einblicke in die vermutlich realen zusammenhänge…

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  1. Stefanie Sargnagel macht wirklich erstklassiges Kabarett. Aufmerksam bin ich auf sie durch die Burschenschaft Hysteria geworden. Die Hysteria ist eine feministische Glanzleistung, über die ich mich immer noch sehr freue. Inzwischen wurden bereits einige neue Matriarchale Burschenschaften in verschiedenen Universitäts-Städten gegründet (Molpadia …). Wenn Stefanie Sargnagel auftritt, hat man einiges zu lachen und ihr Programm ist politisch feministisches Kabarett vom Feinsten!

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