Wenn Politik über Leichen geht…

….oder auch „die Entzauberung des Peter PIlz“, da beide Titel passen und das Gleiche beschreiben, die Bandbreite zeigen, in der wir uns bewegen. Selbst Menschen, die Pilz aus eigenem Erleben in den Grünen oder / und der Liste Pilz kennen, tun sich schwer damit, bei ihm vollkommene Skrupellosigkeit festzustellen; weniger aus Naivität, sondern weil das doch sehr selten vorkommt, es sonst immer noch gewisse Abstufungen gibt. In den Medien wiederum hatte man es etwas einfacher, weil man ja gefragt war, da Pilz einen brauchte. Aber umso erstaunter sind manche, wie er jetzt etwa im Puls 4-Sommergespräch am 13. Juni gegen die Presse vom Leder zieht. Philipp Wilhelmer vom „Kurier“ stellt einige Passagen exemplarisch dar, schreibt aber, dass Pilz es geschafft habe, „sozusagen ohne Übergang den Wechsel vom charismatischen Aufdecker zum Altpaternalisten mit flacher Lernkurve zu meistern“. Urplötzlich ist es nur aus der Sicht der Presse vonstatten gegangen, die sich in der ungewohnten Rolle einer gebissenen Hand wiederfindet, die doch wieder so gerne füttern würde.

Denn wer Zeuge in U-Ausschüssen, Politiker und manchmal auch -in einer anderen Fraktion oder in den Grünen war, kannte Pilz‘ Schattenseiten nur zu gut bzw, wusste, dass er ausschließlich daraus besteht. Mit gegeneinander ausspielen und sich Weiden am Unglück anderer konnte er war immer wieder manche in Sicherheit wiegen und kurzfristig Verbündete gewinnen, jedoch wussten die meisten, woran sie wirklich waren. Mit einer seltsamen der Zweck heiligt die Mittel-Logik machten sie dabei dennoch mit, nur um zu erkennen, dass Pilz so umso mehr Handhabe gegen alle hat und Material sammelt. Wenn man das Sommergespräch ansieht und Wilhelmers Analyse liest, wird klar, dass Pilz‘ wahres Format deutlich wird, wenn er sich in der Defensive befindet. Denn dann interpretiert er Realitäten um, die zahlreiche Personen bestätigen, um selbst besser dazustehen. In Wahrheit verschlechtert er dadurch seine Position in Kreisen, die ohnehin großzügig echte Gesten der Entschuldigung annehmen würden. Zwar wird medial seine Aufdeckerei noch nicht in Frage gestellt, aber es besagt auch, dass davon ebenfalls nicht viel zu halten ist, sondern Fakten zurechtgebogen werden.

Pilz am 12. Juni 2018 bei Fellner

Lästige Fragerei nach Grabschereien und politischer Moral wollte Pilz in meinetwegen respektiere ich halt Frauen-Manier hinter sich bringen, um davon zu sprechen, dass schon Aktenberge auf ihn warten, weil es im Herbst zwei Untersuchungsausschüsse zu bewätigen gilt. Nur mediale „Sittenpolizei“ ist da noch penibel und reitet wie Moderatorin Corinna Milborn auf eingestellten Ermittlungen herum, doch der vielangekündigte Think Tank der Liste Pilz wird sich mit den großen Themen der Gesellschaft auseinandersetzen, unter anderem dem „neuen Puritanismus“. Dabei strafte er seinen Beteuerungen, Frauen eh fair zu behandeln Lügen, indem er Milborn dauernd unterbrechen und belehren wollte. Dass fast alle weiblichen Abgeordneten bei seiner Angelobung den Saal verließen, interpretierte er zum Ausdruck von Parteidisziplin um, weil die Frauen sitzen blieben, als es arge Zwischenrufe bei Alma Zadic von der Liste Pilz gab. Auf Sendung betont Pilz, dass er „grünes Licht von der österreichischen Justiz bekommen“ habe, weil hinsichtlich Belästigung nicht mehr gegen ihn ermittelt wird. Dass er letzte Woche rein zufällig dann krank wurde, als er wegen übler Nachrede pikanterweise in einem die Eurofighter betreffenden Verfahren vor Gericht stehen sollte, blendet er lieber aus.

Am 14. Juni gab es im Parlament eine Fragestunde mit Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß, in der auch der Fall Pilz angesprochen wurde: „Sie beantworte diese Frage in Abwesenheit des Betroffenen, offenbar nehme Peter Pilz seine Rückkehr ins Parlament nicht wirklich ernst. Zum Grundsätzlichen: ‚Wir haben eine Vorbildwirkung, die wir leben müssen. Wir haben moralische und ethische Grundsätze zu berücksichtigen.‘ Politiker könnten nicht nur das Strafrecht als Norm sehen.  ‚Wir müssen nach anderen moralischen und ethischen Grundsätzen handeln.‘ Als Frauenministerin könne sie nur sagen: ‚Jede Art von sexueller Belästigung, von körperlichen Angriffen, auch nur Berührungen, die nicht gewünscht sind, dürfen einfach nicht erlaubt sein. Die körperliche Integrität muss geschützt sein, von allen, Frauen, Männern, Kindern, hier darf es nicht und niemanden geben, der sich darüber hinweg setzt.'“ Wie Gerald Loacker von den NEOS kritisiert, fehlte Pilz auch weiterhin (fotografierte dann aber Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka beim Dösen). Es waren immer die anderen, für die Spielregeln galten, die sich anhörten, was sie weniger interessierte, die sich um Höflichkeit bemühten und die auch nur selten Pilz-Sticheleien und Provokationen mit gleicher Münze heimzahlten.

Gerald Loacker auf Twitter

Hatte Pilz wieder jemanden gefunden, den er als vermeintlich Verbündeten vorführen konnte, wusste man nicht so recht, ob er (manchmal sie) ihm auf den Leim geht oder froh ist, aus der Schußlinie zu sein. Wenn der Dauergutverdiener mit ungeklärtem Urlaubsstatus nach seinem Rücktritt nun „Armutsbekämpfung“ (als neues Hobby?) entdeckt hat, kann ich aus Erfahrung nur sagen, dass ich wahrscheinlich nicht arm wäre, wenn er 1988 verstorben wäre, als ich über die grüne Bundespolitik nach Wien kam (und viele andere auch weit glücklicher). Nachdem ich dann ein paar Jahre Pilzsche Skrupellosigkeit ohne jede Grenze kennenlernte und schließlich die Grünen verlassen musste, wurde ich Journalistin. Doch da man sich im Leben immer zweimal begegnet, hatte ich dann wieder mit der Pilz-Agenda zu tun, da er MIßstände im Verteidigungsministerium deckte, die gerade er sofort durchschauen müsste. Ohne jede Moral und ohne jedes menschliche Mitgefühl deckte er zu, dass Minister Norbert Darabos abgeschottet, überwacht, unter Druck gesetzt wurde – das konnte ich einem Geheimdienst zuordnen, weil ich in den Grünen u.a. dank Pilz lernte, wozu Geheimdienste fähig sind.

Seine Eurofighter- und generell Bundesheer-Märchen waren lange Zeit für die Medien unbestritten wahr, wie man auch noch beim 2. Eurofighter-Ausschuss 2017 sehen konnte. Weil ich diese Geschichten als Coverstories entlarvte, wurde ich mit allen Mitteln fertiggemacht und auch immer wieder aus dem Hinterhalt verleumdet – unter anderem von jemandem, der mit Pilz per du ist, wie sich im Wahlkampf herausstellte und der Pilz am Montag half, von seinem Sexismusproblem abzulenken. Denn dieser Heckenschütze war es, der als erster per Twitter auf einen Zwischenruf bei Alma Zadic hinwies, sodass es dann breit aufgegriffen werden konnte. Bezeichnend ist, dass Pilz die via Pressesprecherin gestellte Frage nicht beantworten will, ob das Zufall oder abgekartet ist und dass sich Alfred Noll bei einer Anfrage auf diese Person bezieht. Außerdem gibt es Verbindungen zu Karl Öllingers von der Liste Pilz geförderter Seite „Stoppt die Rechten“ und zu Öllingers Freund und Kumpan Uwe Sailer. Alles in allem ganz sicher keine Männer, die sich mit Respekt vor Frauen oder Fairness im Umgang mit anderen lange aufhalten würden.

Clip zum Sommergespräch

Es war früher Außenstehenden, aber auch ängstlichen oder besonders naiven Grünen schwer klarzumachen, dass Pilz für nackte Brutalität steht und mit ihm eine Agenda durchgesetzt wird, zu der immer Medienunterstützung gehörte. Nun aber konfrontieren ihn Journalisten mit Widersprüchen und Falschaussagen, und weil er stets eigene Spielregeln hatte, ist das für ihn Tugendterror und Kampf gegen einen vermeintlich kritischen Abgeordneten. Er ist auch nie jemand gewesen, der genau und akribisch arbeitet, selbst wenn er sich eigenen Angaben zufolge in Stapel von Unterlagen vertiefen kann. Wird es präzise, springt er auf, wo andere schon recherchierten bzw. bekommt etwas zugespielt, das er dann nur mehr lesen, kopieren und halbwegs in einen Zusammenhang bringen muss. Er hatte nie Probleme damit, Menschen zu schädigen und in die Ecke zu drängen, da es für ihn keine Tabus gibt, auch nicht im persönlichen Bereich. Dabei denken jetzt immerhin die meisten an Übergriffe, also unerwünschtes Verhalten seinerseits, doch wer zieht in Betracht, dass er zarte zwischenmenschliche Bande zwischen anderern (zer)stört? Dass er keinerlei Skrupel kennt, ist dabei eine Seite – die andere ist, dass er eingesetzt wird, um Politik zu steuern und wegen des verdeckten Rückhaltes, den er hat(te), auch große Wirkung entfaltet.

Viele verwirrt es, dass Pilz, der doch sonst so geschickt war, jetzt einen Fehler nach dem anderen macht, den Medien, dem Parlament und den Frauen sowieso seine unverhohlene Verachtung zeigt. Und er kommt ihnen fast wie ein Mann von Stepford als männliche Version der Roboter vor, weil er marionettenartig mit „KICKLGATE“ kommt, dazu etwas auf Facebook postet (ein Video und kaum Text), von Aktenbergen spricht, Kunasek vor den Eurofightern warnt, Doskozil lobt und meint, Darabos schon vollkommen erledigt zu haben. „Das Interview beschränkte sich nahezu ausschließlich mit dem Pilz’schen Umgang mit den Vorwürfen,  obwohl diese nicht entkräftet werden konnten“, schrieb Michael Jungwirth in der „Kleinen Zeitung„, um das Sommergespräch zusammenzufassen. Und er meint auch, PIlz .“holte im Zusammenhang mit seinen sexuellen Vorwürfen zu einem Rundumschlag gegen die Medien aus. Die Medien würden sich als ‚Tugendwächter‘ aufspielen und in die Rolle einer ‚medialen Sittenpolizei‘ schlüpfen. ‚Ich bin nicht gewählt worden, um mich einer Medienjustiz aufsetzen.'“ Um zu sehen, welcher Justiz auch durch die Medien Pilz so viele aussetzte, genügt es, seinen Namen in Verbindung mit dem anderer bei Google News einzugeben.

Vor einem Jahr

Pilz zeigte am 22. Juni drehbuchgemäß den unschuldigen, da unter Druck gesetzten Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos bei der Staatsanwaltschaft an und erhielt am 24. Juni nicht den gewünschten Platz auf der grünen Liste. Wenn man seine Präsentation aus heutiger Sicht ansieht, ahnt man, dass er ein tiefes Zerwürfnis mit dem Parlamentsklub nicht nur wegen der Asylfrage, sondern vor allem wegen seines Umgangs mit Frauen andeutet. Er scherzt über sich als angeblich sanfter und sensibler Mann und lobt „starke Frauen“; dann erreichte er nicht Platz 4 und wollte auch nicht weiter kandidieren, sondern gab ein empörtes Interview nach dem anderen. Von einem „Maulkorb“ wie oben im Video kann aber keine Rede sein, als Klubobmann Albert Steinhauser ein Arrangement mit ihm traf, denn dieses war für ihn ohnehin irrelevant. Die Grünen gingen vor dem angeblichen Aufdecker in die Knie, als sie bereit waren, mit ihm gemeinsam den Eurofighter-U-Ausschuss zu beenden und auch einen Bericht zu verfassen; doch es folgten alle Fraktionen seiner Darstellung, die wie üblich wahre Hintergründe verdeckte. Wer sich so wie Pilz verhält, fliegt üblicherweise hochkant raus, da man U-Ausschüsse auch mit eingearbeiteten Ersatzleuten fortführen kann, doch hier ließ man ihm seine „Show“ auf Kosten anderer Menschen und der Wahrheit.

Wenn man einer Agenda dient und keinerlei Respekt vor anderen hat, geht man auch mit Frauen abfällig um und sagt im Sommergespräch Sätze wie „Martha Bißmann war meine Platzhalterin.“ Absurderweise muss Bißmann die Mini-Partei verlassen, bleibt aber im Klub, da sie ihr Mandat nicht hergibt, damit die Liste Pilz noch in Fachausschüssen sein kann. Pilz dreht es so, dass die steirische Gruppe der Liste für ihren Ausschluss gewesen sei, die er selbst jedoch heftig gegen sie aufhusste, doch sie wollten kein Tribunal gegen sie veranstalten. Nur mühsam kaschiert Pilz seine Frauenverachtung, wenn er Alma Zadics Rede im Parlament deswegen lobt, weil Zwischenrufe und die inszenierte Aufregung darüber so wunderbar von seiner Person ablenken. Dabei ist es das eine, wie dumm sich manche Abgeordnete gebärden; das andere ist jedoch, dass man(n) nicht von ungefähr auf die Idee kommt, der Text stamme in Wahrheit von Pilz. Er wird Frauen ganz sicher keinen eigenständigen Platz in den U-Ausschüssen lassen wollen, die er wie eh und je dominieren will (aber ob es ihm noch einmal gelingt?). Dabei fällt auf, dass er nur jenen zum BVT wirklich haben wollte, während bei den Eurofightern die Gefahr besteht, dass doch aufgedeckt wird, was er bislang zudeckte.

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