Was Christian Kern so alles zusteht

Als nicht gerade erfolgreicher Wahlkämpfer tourte Christian Kern gerade durch Österreich, und nun sorgt er für die Zeit vor, wenn ein neuer Kanzler am Ballhausplatz einzieht. Er wird dann Abgeordneter und SPÖ-Klubobmann sein und auch noch einen Dienstwagen bekommen (man gönnt sich ja sonst nichts). Das Gesamtsalär wird sich auf 14.885 Euro belaufen, und dass wir das jetzt wissen, verdanken wir Kern zufolge einer „kleinen Intrige“, die ein Erklärungsmail an die Genossen notwendig machte. Damit nicht genug, wurde es der „Kronen Zeitung“ weitergeleitet, die Kern ohnehin schon im Wahlkampf als feindlich gesonnen empfand. Einige nicht nur in der SPÖ verstehen nicht, warum man zwei Klubobmänner braucht, denn als „geschäftsführender“ Klubchef gilt der jetzige alleinige Klubobmann Andreas Schieder, der Wiener Bürgermeister werden will. Die „Krone“ informiert weiters: „Zusätzlich wird in dem ‚Erklärungsmail‘ der SPÖ-Zentrale auch die Austria Presse Agentur als Unterstützer dieser Meinung zitiert: Die APA habe ‚bei ihrer Recherche festgestellt, dass bei Mangementfunktionen wie Generalsekretär oder Geschäftsführer Zuzahlungen üblich sind'“

Denn es geht ja um mehr Arbeit und mehr Verantwortung, als sie der geschäftsführende Klubobmann übernimmt; dafür zieht man dann auch den Politologen Hubert Sickinger heran, der keine Compliance-Probleme sieht. In der Mail wird beteuert, dass Kern dann eh „kein Spitzenverdiener im Nationalrat“ sei, anders als viele Abgeordnete der FPÖ. Zuerst schrieb die „Krone„: „Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass die Verdächtigen (Info über das Zusatzeinkommen) im Parlament ebenso wie in der Parteizentrale sitzen könnten. Eingegrenzt werden die möglichen lecken Stellen lediglich geografisch: ‚Das war sicher wieder einer aus der Wiener Partie‘, lautet die Mutmaßung. In den Führungsebenen der Bundes-SPÖ wird nun nach dem Informationsleck rund um Kerns Zusatzgage überlegt, die personelle Erneuerung des Parteiapparats deutlich zu beschleunigen. Vor allem das Management und die Kommunikation in der Zentrale in der Wiener Löwelstraße bedürfen nach interner Einschätzung ‚einer gründlichen Erneuerung und Modernisierung‘.“  Da sollte man dann auch Kerns „Kommunikation“ modernisieren, denn er rechtfertigt sich mit: sind ja nur 7000 netto für 70 Stunden-Woche.

Krone auf Twitter

Es wird Kern vielleicht überraschen, aber einige Menschen arbeiten kaum weniger, können aber von 7000 Euro dafür zu ihrer Verfügung nur träumen. Es gibt einige Berufe – und erst recht ist es bei Selbständigen so -, wo Arbeit und Freizeit nicht so klar getrennt sind und die Arbeit im Grunde immer präsent ist. Aber selbst Kern wird wissen, dass man kaum Leute findet, die von sagen wir 35 Stunden pro Woche Arbeit (und der Rest der Zeit wirklich Nicht-Arbeit) 3500 netto haben. Es bleibt auch abzuwarten, was Kern in der Opposition tatsächlich hackelt, denn bisher war er (auch zuvor bei den ÖBB) einer, der anleiert, aber von einem Projekt zum nächsten springt. Immer mehr in der SPÖ meinen, dass er den Job nicht schaffen wird, den er sich jetzt vorgenommen hat, und das nicht nur, weil er die Wahl in den Sand setzte. Was den Doppelklubobmann an sich betrifft, gab es das schon mal als Gespann Alfred Gusenbauer – Josef Cap (das Modell wurde dann auf das Renner-Institut übertragen). Es gab Bundesgeschäftsführer, die zugleich Abgeordnete waren, was aber eher nach relativ klar umrissener Tätigkeit aussieht als bei Kern.

Da der Journalist Markus Huber Kerns Wahlkampf im Tourbus begleitete und darüber das Buch „Die letzte Ausfahrt“ schrieb,  weiss das Volk, wie Kern tickt. Medien nervten ihn, sofern es keine internationalen waren, und einmal sinnierte er, dass ihm eigentlich Schmerzensgeld zustehe für die Gespräche, die er auf Wahlreise führen musste. Geschenke von diversen Stationen landeten ebenso unbeachtet in der Gepäckablage wie Bücher, die ihm Kontrahenten im Fernsehen schenkten. Huber kennt Kern schon aus der Zeit, als dieser Pressesprecher im SPÖ-Parlamentsklub bei Peter Kostelka war; sein professioneller Umgang mit Medien wurde seit damals gelobt. Daher war Kern umso enttäuschter, dass er im Wahlkampf nicht hochgeschrieben wurde, und in den Redaktionen erlebte man ihn von der unprofessionellen Seite. Huber lernte im Verlauf der Tour einzuschätzen, wie Kern „führt“: er fragt viel, holt sich Inputs, entscheidet nicht, saugt dann die nächsten aus. Nur bei Beratern, die sehr dominant auftreten (Huber nennt Tal Silberstein und den von diesem empfohlenen Rudi Fussi), geschieht dann auch wirklich etwas. Es muss immer spürbar gewesen sein, dass Wahlkampf und Medienkontakte eigentlich unter seiner Würde sind.

Es wundert nicht, dass jetzt zu einem Charity-Punsch für Kern eingeladen wird und ebensowenig, dass Kern nicht versteht, wo das Problem ist. Tatsächlich setzte er kaum auf die SPÖ selbst und war nicht motiviert, die besten Kräfte in den eigenen Reihen heranzuziehen. Er fühlt sich offenbar unter Quereinsteigern wie den Ministern Thomas Drozda und Pamela Rendi-Wagner am wohlsten, die Bundesgeschäftsführer werden könnten, wenn die neue Regierung steht. Auch bei den ÖBB galt er unter Mitarbeitern als Perfektionist, was zu geradezu unmenschlichen Anforderungen an Einzelne führte, die nicht 70 Stunden für 7000 netto arbeiteten, sondern mehr für weit weniger. Als Perfektionist scheint sich Kern damit schwerzutun, zwischen Aufgaben mit gewissem Zeitrahmen  und dem zu unterscheiden, was aktuell passieren muss, wie „unperfekt“ etwas auch immer sein mag.  Interviews müssen gegeben werden, Plakate und Texte müssen raus, man kann alles im Nachhinein auch anders machen. Offenbar hat Kern auch nicht verstanden, dass es darum geht, sich selbst zurückzunehmen, mit jedem zu reden, Menschen nicht quasi vorzuwerfen, dass sie keine „Bobos“ aus Wien-Neubau sind. Und mit diesem Rüstzeug will er die SPÖ aus jener Krise führen, in die er sie selbst brachte?

PS: Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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