Neuer offener Brief an Peter Pilz

Nach Vorwürfen sexueller Belästigung trat der Abgeordnete Peter Pilz zurück, sah sich dann als Opfer einer Intrige, trat doch nicht vom Rücktritt zurück, schürte bei seinen Mitstreitern die Hoffnung auf ein Komplott und postete schließlich auf Facebook, dass er sich dafür entschuldige, Frauen gekränkt und verletzt zu haben. Er ziehe sich jetzt zurück und sei für einige Zeit nicht erreichbar, deutet aber ein Comeback an und meint, dass man ihn in der Opposition gegen Schwarzblau brauche. Manche nehmen ihm auch das noch als heroischen Akt ab, wo er nur feige den Schwanz einzieht, wenn er mal nicht Oberwasser hat. Auch ich kenne seine Skrupellosigkeit,  Brutalität  und – wenn er für seine Untaten Verantwortung übernehmen muss – absolute Feigheit und Erbärmlichkeit. Er lässt auch politisch Scherben zurück, wenn er die Grünen aus dem Parlament schoss,  Noch-Verteidigungsminister Doskozil in eine Anzeige gegen Airbus hineinsetzte und den unter Druck gesetzten Ex-Minister Darabos anzeigte.  Bereits Ende Juli 2017 schrieb ich einen offenen Brief an Pilz, der darauf nie reagierte. Nun lege ich Anbetracht der aktuellen Entwicklung nach:

Lieber Peter,

wir erfahren dieser Tage, dass sich einige Frauen, die bisher Angst hatten, in den Schilderungen einer Mitarbeiterin Mitte 20 wiederfinden, zu der du von Beschäftigungsbeginn Ende 2014 an anlassig gewesen sein sollst. Sie habe sich „wie eine Trophäe“ gefühlt und du nahmst beim Essen ihre Hand und nanntest sie eine der drei „besondersten“ Frauen, denen du in deinem leben begegnet bist. Und du hast ihr davon erzählt, dass dir dein Arzt Potenzprobleme Diagnostizierte. Wenn ein Gleichaltriger so mit einer Gleichaltrigen reden würde, nähme sie unter Garantie Reißaus, doch das wäre auf gleichem Level, da man sich vielleicht übers Internet oder über Bekannte kennenlernt und mal gemeinsam was trinken geht. Hier aber nähert sich ein Anfang 60 jähriger einer 25jährigen neuen Mitarbeiterin an, die zuvor sicher andere Vorstellungen von ihm hatte. Da hilft auch die Ausrede nicht, dass „ältere mächtige Männer“ eben dazulernen müssten (deine PK am 4.11.), zumal du auch vom Feminismus geschwärmt und betont hast, dass du „eine überzeugte Feministin“ geheiratet hast (7.11. bei oe24). Viele Männer in dem Alter, etwas jünger oder älter, kämen nie auf die Idee, so mit Frauen umzugehen. Das heißt nicht, dass sie alle Frauen fachlich ernst nehmen und nicht Probleme damithaben, weibliche Kompetenz anzuerkennen. Aber es erspart uns beklemmende, peinliche Situationen, in denen wir am Iiebsten wegrennen würden, die aber für uns selbst peinlich sind und wo wir außerdem überlegen müssten, wie wir uns aufgrund des Machtgefälles verhalten sollen.

Pilz  bei Fellner

Maria Stern von der Liste Pilz hat das einmal sehr gut erklärt, als die # MeToo-Debatte begann. Anfang September versicherte sie mir übrigens, dass du kein Macho seist und auch die Frauen auf der Liste mit Respekt  behandelst.  Sie habe „nur gute Erfahrungen“ gemacht. Ich sprach am 4.11. während deiner Pressekonferenz mit einem Mitarbeiter des grünen Klubs, der meinte, dass es laufend Vorfälle gab (die PK  sah ich danach auf Video). Ich versuchte vergeblich, Maria Stern zu erreichen, die bis dahin immer zugänglich war und im Parlament feministische Anliegen ansprechen wollte, die bisher etwa bei der SPÖ in Parteiräson untergingen. Und sie wollte, dass Kandidatinnen unterschiedlicher Parteien auch aufeinander Bezug nehmen, da ja ansonsten mit wenigen Ausnahmen Männer den Wahlkampf dominierten. darauf sollten auch Frauengruppen einsteigen, die ja Bewerberinnen zu Themen befragen und die Antworten leicht via Social Media verbreiten konnten. Doch auch diesmal blieb alles männerdominiert,  Liste Pilz inklusive. Stern ist nicht mehr erreichbar, scheint aber zu schwanken, was sie tun soll (siehe dieses Interview, das sie dann doch gab).

Wie üblich dreht sich immer noch alles um dich: Scherbenhaufen für die von dir gegründete Liste, Medienberichte, Krisenmanagement und Diskussionen mit Verschwörungstheorien. Und du bist auf Tauchstation, statt einmal in deinem Leben Verantwortung zu übernehmen. All dies haben die Grünen unzählige Male erlebt, wie diejenigen bestätigen können, die du von dort mitgenommen hast. Das hatte aber nie etwas mit starker Persönlichkeit oder echten Aufdeckerqualitäten zu tun, sondern damit, dass du einer Agenda dienst. Ähnlich Tal Silberstein (der aber Agentenführer und nicht wie du Agent ist) manipulierst du, täuscht du, drohst du und schaffst vollendete Tatsachen. Unerfahrene finden sich in einem Strudel wieder und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Dies betrifft auch deine Liste, wenn Frauen, deren Namen du missbraucht hast, um den Solotrip zu kaschieren, dich immer noch verteidigen wie deine burgenländische Kandidatin Herta Emmer, die auch deinen Angriff auf die Gleichbehandlungsanwaltschaft hinnimmt. Dabei ist es so, wie eine Betroffene jetzt sagt: 60jaehrige Männer sollten ihre erotische Wirkung realistisch einschätzen. Alles andere wird anlassig, übergriffig, peinlich.

Du jammerst bei deinem Kumpel Fellner (s.o.), dass du zwei Jahre unter internem Rufmord gelitten hättest. Das blendet all die Opfer deines öffentlichen und grün-öffentlichen Rufmordes aus, deren Persönlichkeit, Karriere, Chancen du mit Desinformationen attackiert hast. Auch ich gehöre dazu, weil ich in den Grünen kritisch war, Voggenhuber eine Schwäche für mich hatte und deine „Hintermänner“ ihn unter Kontrolle bringen wollten, was sie auch schafften. Als ich ein paar Jahre später rekonstruierte, was passierte und wessen Handschrift es trägt, wollte ich ihn puncto EU unterstützen, obwohl er nie durchschaute, wer ihn sabotiert und untergräbt. Es war für mich sehr brutal und traumatisch, immer Angriffen aus dem Hinterhalt und deinen Anfeindungen ausgesetzt zu sein, auch weil du und andere ein falsches Bild von mir schufen, und es war und ist existentiell sehr schädlich. Trotz klarer politischer Bedeutung meinen manchen immer noch, die Leichen, die deinen Weg pflastern, hätten rein persönliche Motive, dächten an Rache oder seien neidisch. Es sind Menschen, die nicht durch flapsige Bemerkungen gekränkt, sondern nachhaltig in ihren Rechten verletzt wurden und zrstört wurden (sieh dir z.B. Darabos früher und heute an). Und du meinst, ein lockeres meinetwegen entschuldige ich mich und tschüss auf Facebook genüge?

Maria Stern

Das ist auch verantwortungslos gegenüber den von dir beschädigten Grünen, deren Ex-Chefin Eva Glawischnig immer mit offenen Karten spielte und dich von Vorwürfen informierte. Sie sagte auch klar, dass sie deinen Rücktritt wollte, trug das aber nicht nach außen. Und was widerfährt ihr und den Grünen jetzt? Häme und Angriffe und haufenweise Postings über Weiber, die sich nicht so anstellen sollen und eh unglaubwürdig sind. Ich kann verstehen, dass Eva und andere zwischen formaler Macht und der eines auch medial bestens vernetzten Mannes unterscheidet, zumal du dich ja selbst kokettierend als „mächtiger Mann“ bezeichnet hast. Frauen sind viel sensibler für den wirklichen Einfluss einer Person und lassen sich weniger  vom offiziellen Status blenden, weil alle benachteiligten Gruppen lernen, Signale der Herrschenden richtig zu deuten.  Mit anderen Worten sind für Frauen die Kaiser nackt, nicht nur dann, wenn sie Potenzprobleme vor Frauen ausbreiten, die fast ihre Enkelin sein könnten. Zugleich aber fehlt wegen des Machtgefälles vielfach das Herrschaftswissen, sodass Frauen meist eher instinktiv erfassen, was sie nicht als Puzzle Stück für Stück zusammensetzen können. Weil ich auf diesem Weg aber (unter großen Verlusten und weiteren brutalen Erfahrungen) recht weit gekommen bin, wollte ich die Grünen warnen, dass deine Kandidatur nicht mit der anderer Parteien zu vergleichen ist. Deshalb sprach ich auch von einem Drehbuch, das immer ähnlich abläuft und befürchtete, dass sie untergehen, wenn sie dich nicht als das bekämpfen, was du bist.

Sie entschieden sich für m.M.  deplatzierte „Fairness“ und sehen das heute auch wegen deiner aktuellen Reaktionen wohl anders. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie wirklich verloren haben, denn es muss etwas anderes geben als verschwitzte Männerbündelei. Und das werden jetzt immer mehr Menschen, Männer und Frauen, verstehen. Ich weiß nicht, ob du dir die Welt normaler Männer überhaupt vorstellen kannst, die nicht Bewunderung wollen und auch nicht meinen, ihnen stehe etwas zu und das holen sie sich einfach. Sondern die mit Frauen auf Augenhöhe umgehen, Leistungen von Frauen schätzen und auf Signale der Gegenseitigkeit achten, wenn sie sich für eine Frau interessieren. Auf jeden  Fall kommst du nicht so billig davon mit Sorry und ich bin dann mal weg. Daher fordere Ich dich dazu auf, konkret und sofort Verantwortung zu übernehmen:

* die Grünen sagen, dass sich im Wahlkampf viele meldeten, die von dir vertrieben wurden. Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen und denen anderer. Lade sie zu einem von dir bezahlten Treffen ein, an dem du dann teilnimmst, wenn sie dich dabei haben wollen. Das mag etwas von Tribunal haben, doch so hast du immer agiert und musst es einmal selbst durchstehen. Für diese Betroffenen ist es sicher heilsam.
* du weißt, dass Darabos als Minister abgeschottet wurde, was ja auch im Eurofighter-U-Ausschuss zur Sprache kam und Druck und Überwachung impliziert. Du bist bei Pressekonferenzen immer ausgewichen, wenn ich das auch unter Hinweis auf zahlreiche Zeugen aufs Tapet brachte. Am 22.6. hast du Darabos wegen Verdacht der Untreue angezeigt, statt den Verdacht der Nötigung eines Mitglieds eines verfassungsmäßigen Vertretungskörpers und andere u.a. an ihm begangene Delikte. Wende dich mit einer den Tatsachen entsprechenden Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien, wie ich es getan habe.
* erkläre Noch-Minister Hans Peter Doskozil, dass er Airbus in Wahrheit für US-Rüstungsinteressen angezeigt hat, mach das auch Landeshauptmann Hans Niessl klar, der ihn als Nachfolger haben will, und wende dich ebenfalls an die Staatsanwaltschaft.
* sprich mit Johannes Voggenhuber darüber, warum ich ihm gegenüber mit erfundenen Behauptungen diffamiert wurde, bis er mir auswich und „betreut“ werden konnte. Mach ihm klar, welche Möglichkeiten Geheimdienste bei „persons of interest“ haben. Weise ihn auch darauf hin, dass man bei anderen wie Darabos auf Abschottung, Druck, Überwachung setzt.

* leite in die Wege, dass ich für Verluste entschädigt werde, die ich sowohl in den Grünen als auch danach als integre Frau erlitten habe und trage als wohlhabender mächtiger Mann selbst dazu bei. Es war nie möglich, mit den Grünen über dazu zu reden, was mir widerfahren ist, weil ich dir im Weg war, es blieb auch deswegen eine Hypothek, weil es fern der üblichen Erfahrungswelt war und auch die, die wussten, wie gearbeitet wird, keine konkreten Erlebnisse hatten, in die sie verwickelt waren. Als viel später Darabos wissen wollte, welche Journalistin ihn verteidigt, als er den US-Raketenschild kritisiert, hatte ich Angst, dass sie auch auf ihn eine Agentin ansetzen, aber mit wem hätte ich darüber reden sollen? Dies trug sicher dazu bei, dass es für mich besonders schlimm wurde, als ich Darabos‘ Situation immer besser rekonstruierte, die von dir stets gedeckt wurde. Gegen mich und gegen ihn gingen  u.a. Ex-Kabinettschef Stefan Kammerhofer (heute höchstbezahlt bei den ÖBB), Ex-Pressesprecher Stefan Hirsch (heute Doskozil-Kommunikationschef) und Ex-Pressesprecher Answer Lang (dann Wiener Linien und Universität Wien) vor.  Sprich mit den ÖBB, der SPÖ, dem Minister, der Uni, dem ÖGB! Erkläre öffentlich, in welcher Lage Darabos seit dem Silberstein-Wahlkampf 2006 ist und bekenn ein, dass du z.B. in deinem Webtagbuch immer desinformiert hast, um Druck auf ihn zu verschleiern!

Mit anderen Worten: Sei ein Mann!

Alexandra Bader

PS: Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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16 Gedanken zu “Neuer offener Brief an Peter Pilz

  1. ich versteh nicht ganz, warum geht die mit ihm Schuhe kaufen, wenn sie denkt er ist ein Grapscher und nur weil einer über Potenzprobleme spricht zeigt das zwar von Schlüpfrigkeit, aber es ist kein Übergriff oder fehlt da was in dem Bericht (ausgenommen Alpbach)?

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  2. naja aber es geht ja um „Delikte“, über Potenzprobleme zu reden ist zwar geschmacklos und schlüpfrig aber es ist kein Übergriff, das muss man einfach sagen

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  3. Werte Frau Bader!

    Sie scheinen offenbar fest daran zu glauben, dass Herr Peter Pilz sich die Zeit nehmen kann und hier persönlich auf ihrem Blog mitliest; Oder auf welchem Wege sollte Herr PP sonst Ihren „Offenen Brief“ zur Kenntnis nehmen?

    MfG

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    1. Es ist ganz einfach: ich nutze Twitter wie Pilz auch. Und er will jetzt parlamentarischer Mitarbeiter werden und stelle sich das so vor, dass er Daniela Holzinger in einem neuen Eurofighter_Aussschuss die Fragen vorgibt. Näheres um 18 Uhr unter kurier.at

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  4. Tu Gutes und sprich darüber. Eine Devise, die grüne Politiker für sich monopolisiert haben. Dass unsere Vorfahren häufig auch Gutes getan haben – nur ohne deswegen notorisch viel Staub aufzuwirbeln – scheint immer mehr ins Reich der Legende zu rücken, seit es Grüne gibt. Grüne kehren ihre politisch Korrektheit so penetrant nach aussen, daß sie über 90% ihrer Nichtwähler damit heftig auf den Keks gehen. So heftig, daß die Öko-Pharisäer bei den Wahlen im Oktober 2017 mit 3,8% aus dem Parlament geflogen sind. Peter Pilz (63), Ex-Frontkämpfer der Grünen, desertierte von den Grünen und erreichte mit der „Liste Pilz“ 4,3%. Und damit im Gegensatz zu den Grünen den Einzug ins Parlament. Möglich, daß dies für einige Öko-Intriganten Anlaß war, um den Peter Pilz zu diffamieren, dämonisieren und zu denunzieren. Die 3-D-Technologie erfreut sich bei den grünen Öko-Populisten überdurchschnittlicher Beliebtheit.

    Gewiß hat sich Pilz Verdienste in der Aufklärung von Versicherungsbetrug (Lucona-Affäre) oder illegalen Waffen-Exporten (Noricum-Skandal) erworben. Anders als Österreichs abgestrafte Grüne vertrat Pilz vernünftigerweise auch eine restriktivere Migrationspolitik.

    Nun aber scheint die politische Karriere des Peter Pilz am Ende zu sein. Der Korruptionsjäger Pilz sitzt in der Sex-Falle. Weinstein, Kachelmann, Pilz. Eine Ära scheint zu Ende zu gehen.

    Die Basler Zeitung und Alexandra Bader („Ceiberweiber“) liefern informative Beiträge zum Thema Pilz. Alexandra Bader wendet sich an Pilz in einem offenen Brief:

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