Was hinter den Kulissen vor sich geht

Man möchte gerne Mäuschen sein, wenn über eine neue Regierung verhandelt wird, doch es gibt immer auch einen weiteren Hintergrund hinter den Kulissen. Dabei geht es nicht darum, Klischees von Marionetten in der Politik zu verbreiten, sondern für die Methoden gewisser Akteure zu sensibilisieren.  Zu den heute beginnenden Treffen der Teams von ÖVP und FPÖ meinte der Journalist Martin Thür auf Twitter, dass jeweils fünf Hauptverhandler vergleichsweise wenig ist und postete eine Übersicht, die bis ins Jahr  1994 zurückreicht. Es ist aber immer die Frage, wer wirklich etwas mitzureden hat und wer nur dabei ist, aber nach Vorgegebenem vorzugehen hat. Seit der Migrationskrise von 2015 ist vielen Menschen bewusst, dass sich Geopolitik auch auf uns auswirkt und sie denken nach über die Rolle von Stiftungen, Think Tanks, Mainstream-Medien, Geheimdiensten und NGOs. Was möglich ist, zeigen auch Beispiele aus anderen Ländern, etwa wenn Stimmen von Abgeordneten gekauft wurden, um die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff  abzusetzen. In Österreich wird sowohl Wahlsieger Sebastian Kurz als auch Verlierer Christian Kern mit George Soros in Verbindung gebracht.

Der SPÖ war aber vorbehalten, einen dem Mossad zugerechneten Wahlkampfberater zu engagieren, der ihnen dann um die Ohren flog, als sein Agieren wochenlang die Schlagzeilen beherrschte. Sieht man sich Netzwerke und Hintergründe zurück bis zur Zeit der Opposition an, kommt man auch zu CIA-Verbindungen und Gladio. Daneben und damit verwoben gibt es diverse Seilschaften, Nepotismus und von der Justiz nicht verfolgte Korruption. Mit anderen Worten haben wir vor unserer Haustür alle Zutaten zu einem Politthriller mit globalem Kontext, den man weit in die Tiefe recherchieren kann, was auch anderswo gilt (z.B. wenn man wissen will, wer Olof Palme warum ermordete). Übrigens ist es auch heute eher Männersache, sich mit solchen Zusammenhängen zu befassen, wie dieses neue Buch zeigt, das ausschliesslich Autoren hat. Fremde Interessen haben mit Geostrategie/Migration, Militär und Wirtschaft und auch mit historischen Komponenten zu tun. Man erkennt sie z.B. bei der im Februar 2017 eingebrachten Anzeige des scheidenden Verteidigungsministers Doskozil gegen Airbus mithilfe einer amerikanischen Anwaltskanzlei. Deshalb ist auch eine Folge von „Unter Verdacht“ zu empfehlen, in der Konkurrenz zwischen den USA und Europa und die Rolle von BND und CIA thematisiert wurden.

Unter Verdacht: Ein neues Leben

Die  Folge „Ein neues Leben“ wurde 2006 erstmals gesendet: „Männer in Machtpositionen, so denkt man, müssten doch eigentlich sehr einfallsreich sein, um ihre Stellung zu behaupten. Sonderbar nur, dass sie so ideenlos agieren, wenn es um die Verteidigung ihrer Pfründe gegen die weibliche Konkurrenz geht. Immer das gleiche: Man desavouiert die Gegnerin mit einem Verweis auf deren Sexualität. Gerade erst wurde der Büroleiter von Edmund Stoiber geschasst, weil er Informationen über das Intimleben der aufsässigen Landrätin Gabriele Pauli gesammelt haben soll. Und so, wie sich der Politskandal zurzeit darstellt, hätte er vortrefflich in die Münchner Krimi-Reihe ‚Unter Verdacht‘ gepasst“, meinte damals der „Spiegel„. Heute denkt man auch an die #MeToo-Kampagne, der sich immer mehr Frauen anschließen, die sexuell belästigt oder sexistisch attackiert wurden und die Männer mit ihrer „Macht“ im beruflichen Umfeld zu Sex zwingen wollten. Bei „Ein neues Leben“ wird Kriminalrätin Eva Maria Prohacek ein Verhältnis mit einem jüngeren Mann unterstellt, den sie erstochen in der Wohnung eines neuen Bekannten findet.

Verhört wird sie ausschließlich von feixenden Männern, darunter auch ihr Chef Claus Reiter, der mit dem bayerischen Amigo-System bestens verhabert ist. Nur ihr Assistent Hauptkommissar Andre Langer ist auf ihrer Seite, während sich all anderen Männer am liebsten vor Vergnügen auf die Schenkel klopfen würden. Denn die Geschichte, die Prohacek ihnen auftischt, wirkt zunächst unglaubwürdig: Am Abend, ehe sie auf Urlaub in die Berge gefahren ist, läutete es an ihrer Tür und der junge Mann stürmte panisch herein und gab Unzusammenhängendes von sich, um dann sofort wieder zu flüchten. Am nächsten Tag reicht ihr ein hilfsbereiter Mann in ihrem Alter den Koffer in den Zug und sie sieht ihn dann am Dorffriedhof wieder, wo ihr Sohn nach einem Autounfall begraben ist. Er verharrt vor einem Holzkreuz, auf dem nur der Name Florian seht und erklärt Prohacek später, dass sein Sohn beim Klettern abstürzte. Herr Stewens, der sich Prohacek vorsichtig annähert, habe einen leichten, vielleicht niederländischen Akzent, sagte sie im Verhörraum. „Es gibt keinen Herrn Stewens“, kontert Reiter, der ihr erklärt, dass die Wohnung, in der Prohacek ihn in München besucht hat, dem Patenonkel des Ermordeten gehört.

Der Alptraum begann für sie, als Langner anrief, dass in ihre Wohnung eingebrochen wurde und alles durcheinander ist; offenbar hat jemand etwas gesucht. Prohacek brach ihren Urlaub ab und verabredete sich dann auch mit Stewens, der sich als Bluter an der Hand verletzt hat und sie daher bat, den Braten zu schneiden, den er ihr serviert. Sie verstehen sich großartig, und als sie wieder daheim ist, ruft er sie verzweifelt an; er schafft es nicht mehr, mit dem Tod seines Sohnes fertigzuwerden. Als sie in Stewens‘ vermeintlicher Wohnung ankommt, findet sie ihren erstochenen Besucher; das Messer trägt ihre Fingerabdrücke, ebenso das Weinglas aus dem Hotel in den Bergen und ein Zigarettenstummel. Ihr ist klar, dass man ihr eine Falle stellte, aber sie versteht nicht, warum; hofft noch, dass Herr Stewens alles aufklärt. Langner lässt sie nicht im Stich und spricht mit der Mutter des Ermordeten, der Friedrich Neugruber heisst und ein Praktikum bei Alpha Sirius Industries abbrechen musste, einem potenziellen Zulieferer für das EU-Satellitenprogramm. Prohacek darf die U-Haft verlassen, um den Betrieb mit Langner aufzusuchen, und erfährt, dass der begabte Neugruber heimlich vertrauliche Unterlagen zu einem Projekt kopierte, das in Konkurrenz zum amerikanischen GPS steht, aber seltsamerweise nicht ganz funktioniert.

Tatort: Deckname Kidon

Auf der Rückfahrt meint Langner, dass sie es mit der CIA zu tun haben müssen, und Prohacek protestiert: „Die CIA! Wir sind hier in Bayern!“ Sie „entkommt“ Langner, der sie zu einem Hotel bringt, in dem sie aber von einer Frau überfallen wird, die  sich als Zimmerservice ausgibt. Prohacek wehrt sich erfolgreich und nimmt der Toten die Autoschlüssel weg; im Wagen in der Tiefgarage findet sie ein Dossier über sich, das genau auf „Schwachpunkte“ wie den Tod ihres Sohnes eingeht. Sie begreift, wie sie benützt wurde und weiss auch, dass sie keine Zeit dafür hat, sich darüber zu kränken, dass sie für Stewens nur ein Auftrag war. Am ehesten ist sie in ihrer Wohnung sicher, wo sie niemand vermutet; als sie heimkommt und Prospekt aus dem Briefschlitz zerrt, fällt eine hinter die Briefkästen geschobene Mappe zu Boden, die der panische Besucher versteckt hat. Damit wendet sich das Blatt zu ihren Gunsten, denn einer von Reiters Spezis, der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Christian Kettler (früher Chef des BND) ist in die Affäre verwickelt. Es gelingt Prohacek und Langner, den Fall aufzuklären, was freilich nur heisst, ihre Haut zu retten, da die Mörder unantastbar sind. Am Ende stellt sie fest, dass sie mehr auf ihren Assistenten hören sollte, der ja von Anfang an mit der Vermutung recht hatte, die CIA stecke dahinter.

Dass „Stewens“ sein Agieren vollkommen auf die Zielperson einstellte, ist typisches Verhalten eines Agenten, der jedoch auch mit unter Druck gesetzten oder freiwillig kooperierenden Personen kommuniziert (zur „Lockvogel“-Methode siehe hier erwähntes Beispiel). Es kann auch eine Mischung aus beidem sein wie bei Projektleiter Walter Crohn, der kleine Rechenfehler gegen viel Geld einbaut, was der Praktikant begriffen hat (daher auch dessen Panik). Man ruft ihn aber auch immer wieder an, spielt ihm kommentarlos das Bellen seines gerade gestorbenen Hundes  oder das Lachen seiner Kinder vor. Das kann viel heißen und belegt zumindest, dass er genau überwacht wird. Da Prohacek im Auto in der Tiefgarage – das wie die Tote im Zimmer verschwunden ist, als Langner ins Hotel kommt – eine Tablettenverpackung findet, können die beiden Kettner und Stewens in Verbindung bringen. Denn das Medikament für Bluter ist in Deutschland nicht zugelassen, in den USA aber überall erhältlich. „Kettner war beim BND, er ist bei der CIA, die kennen sich“, meint Langner aufgeregt, als Prohacek aufgeben will. Wie polizeiliche Ermittlungen manipuliert und gelenkt werden, ohne dass dies zunächst jemand merkt, zeigt der Tatort  „Deckname Kidon“ aus Wien, der so beginnt: „Der iranische Diplomat und Atomphysiker Dr. Bansari stürzt offensichtlich in selbstmörderischer Absicht aus dem obersten Stock eines Wiener Nobelhotels. Moritz Eisner und Bibi Fellner gehen der Frage nach, warum sich ein Selbstmörder vorher noch teure Opernkarten für eine Matinee gekauft haben soll.  Doch das Beweismaterial des Toten, Laptop und Mobiltelefon, wird von einem Vertreter der iranischen Botschaft beschlagnahmt.

Fußnote im Wikipedia-Eintrag von Martin Schlaff

Bei ihren Ermittlungen stoßen die Polizisten auf die Aktivitäten einer Spezialeinheit des Mossad, die unter dem Decknamen Kidon in jüngster Vergangenheit bereits für einige unerklärte Todesfälle verschiedener Personen des iranischen Atomprogramms gesorgt hat. Sara Gilani, angeblich die heimliche Geliebte von Bansari, nimmt Kontakt mit den Ermittlern auf. Bei einem Treffen in einem Wiener Kaffeehaus kann sie durch einen Trick unbemerkt einen Trojaner auf Eisners Mobiltelefon installieren. Der Trojaner sendet alle Gespräche und Positionsdaten auch im inaktiven Zustand des Telefons, so dass das israelische Killer-Kommando, zu dem Gilani in Wirklichkeit gehört, ständig über alle Aktivitäten der Ermittler informiert ist. Außerdem spielen sie Eisner die Adresse einer konspirativen Wohnung der Attentäter zu, wo er Hinweise auf einen weiteren Anschlag findet, die jedoch keinen Aufschluss über das geplante Opfer geben.“ Mord im Hotelzimmer ist eine beim Mossad beliebte Methode, wobei man bei Dr. Bansari Hinweise auf den Gebrauch eines Tasers findet. Als im Jänner 2010 ein Hamas-Führer in einem Hoel in Dubai ermordet wurde, konnte die Polizei den Ablauf anhand von Überwachungsvideos rekonstrieren. Das Kidon-Team und andere Mossad-Leute verwendeten in Wien gekaufte Prepaid-Handys; sie kommunizierten nicht untereinander, sondern mit einem Büro in Wien via SMS (siehe Wikipedia-Faksimile).

Damit sind wir dann aber wieder in der Politik, den besagtes Büro soll zum Imperium von Martin Schlaff gehören, einem Freund von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, der naürlich auch den scheidenden Kanzler Christian Kern kennt. Letzterer hatte 2016 einen 2 Millionen €-Vertrag mit RHI schon in der Tasche, als er doch lieber Werner Faymann nachfolgte; Im Aufsichtsrat von RHI finden wir Martin Schlaffs Sohn David und Gusenbauer, M. Schlaff hält ca. 30 % Anteile am Konzern).  Auch wenn der Einsatz des Gusenbauer-Freundes und Geschäftspartners Tal Silberstein zeigt, wie Agentenführer naive Menschen rekrutieren, benutzen und gegeneinander ausspielen, wird die geschlagene SPÖ da nicht weiter nachforschen wollen (es geht auch darum, Täuschung zu begreifen, siehe Grüne und Peter Pilz). Wie leicht Geheimdienst-Desinformationen geglaubt werden, wenn man beim dafür auserkorenen Publikum auf die richtigen Knöpfe drückt, zeigt „Ein neues Leben“ sehr gut. In Österreich kann man dies beim Verschleiern des Druckes auf Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos gut beobachten, der mit dem Silberstein-Gusenbauer-Wahlkampf 2006 begann. Dass von seiner systematischen Abschottung berichtet wurde, focht die nicht an, die an das Märchen vom „militärphobischen“ Ex-Zivildiener glauben wollten. Es wird dabei stets an niedere Instinkte appelliert, an den Wunsch, sich anderen überlegen zu fühlen, sie zu verhöhnen, wie das Verhör mit Prohacek eindrucksvoll zeigt.

PS: Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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