Die Silberstein-Affäre und der Antisemitismus-Vorwurf

Der Ex-Grüne Peter Pilz sprach von „silbersteinfrei“, ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz meinte, wir bräuchten „keine Silbersteins“. Prompt war von Antisemitismus die Rede und schließlich auch von antisemitischen Codes, als FPÖ-Chef Heinz Christian Strache im TV-Duell mit Kurz am 10. Oktober auf Verbindungen zwischen dessen Unterstützer Georg Muzicant und der israelischen Firma Foresight von Kanzlergattin Eveline Steinberger-Kern zu sprechen kam. Dies verstanden aber nur Insider, zumal Strache den Konnex zu Ex-SPÖ-Berater Tal Silberstein über dessen Verbindung zum Holzindustriellen Gerald Schweighofer herstellte, der am selben Tag wie Georg Muzicant Vorzugsaktien der Foresight erhalten hat. Wie man auf Twitter sehen kann, machten sich manche Journalisten über „Verschwörungstheorien“ lustig von wegen, Mossad und Securitate spielten eine Rolle. Die israelischen Firmen von Frau Kern sind aber in einer Branche tätig, in der man ehemalige Angehörige des signals intelligence-Geheimdienstes Unit 8200 findet, bei dem viele ihren Militärdienst machen.

Während diese Feststellung Wissen voraussetzt, erinnern sich viele an einen typischen Haider-Sager, der Georg Muzicants Vater betraf.  „Wie kann einer, der Ariel heisst, so viel Dreck am Stecken haben“, tönte Jörg Haider bei einer Pressekonferenz zur Wiener Gemeinderatswahl 2001 (wo SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl übrigens Silberstein engagiert hatte). Wollte Strache solche Assoziationen wecken oder geht es einzig um Querverbindungen Kurz-Unterstützer und Kern? Ich dachte sofort an die Haider-PK, aber ich besuchte sie ja auch und war wie andere empört über den Ausspruch und stellte dazu auch eine Frage. Was „silbersteinfrei“ betrifft, denkt man unweigerlich an „judenfrei“, sodass Pilz dann auch zurückruderte, während „keine Silbersteins“ diesen Typus Berater meint. Viele lassen sich sofort in Ablenkungsdebatten verstricken, statt den Silberstein, von dem die Rede ist, an seinen Handlungen zu messen. Diese analysiere ich auch unter Bezugnahme auf Medien in Israel, doch manche lesen nicht einmal bis zum ersten Link z.B. zu „Haaretz“. Wer weiss schon, dass Silberstein in Israel als Berater gilt, der dem Auftraggeber die Agenda zu diktieren versucht, was exakt das ist, das gerade SPÖ-Spitzenkandidat Christian Kern zum Verhängnis wird.                                                                                                                                                                                                                                                                

„Österreich“ am 2. und 1.10.

 Als verquere Art der positiven Diskriminierung beschreiben Medien seit ein paar Wochen Silbersteins Agieren im Detail, scheuen sich aber davor, anders als Presse z.B. in Rumänien oder Botswana, das Wort „Mossad“ auszusprechen. Jüngst stellte der „Falter“ exakt dar, wie Kern, auf den die Zeitschrift lange setzte, von Silberstein zu fatalem Fehlverhalten manipuliert wurde. Wäre Silberstein ein russischer Berater, würde man nicht zögern und hätte schon längst entsprechend berichtet, was Kern und die SPÖ wohl gerettet hätte. Es gibt auch keinen Unterschied zwischen einem „katsa“ (Agentenführer) des Mossad und einem „case officer“ der CIA, außer dass der Mossad in der jüdischen Gemeinde viele Helfer hat („sayanim„). Jacob Cohen ist Jurist und Politologe und thematisiert den Einfluss Israels in der Diaspora basierend auf realen Gegebenheiten in der Erzählung „Frühling der Sayanim„. Im Mittelpunkt steht der „Versuch eines Sohnes von marokkanischen Einwanderern, des Geschichtslehrers Youssef El Kouhen, der sich vollkommen in die republikanische Gesellschaft zu integrieren versucht und in der Freimaurer-Loge ‚Grand Orient de France‘ seine bitteren Erfahrung macht. Andere Episoden zeigen die Verbindungen französischer Sayanim mit dem Mossad, dem israelischen Geheimdienst, womit sie die Heiligkeit Israels zu verteidigen und die Medien in diesem Sinne zu manipulieren versuchen.“

Cohen zeigt, wie verdeckt agiert wird: „Beim Theater und abgeleitet in der Politik spricht man von der ‚Vorderbühne‘ und von der ‚Hinterbühne‘ (Erwing Goffman). Der Soziologe umschreibt damit das offenbare Geschehen auf der Vorderbühne und das geheime auf der Hinterbühne und deren Interdependenzen. Jacob Cohen macht etwas Ähnliches. Er untersucht die verborgene Machenschaften auf der ‚Hinterbühne‘ und ihre Auswirkungen auf die bekannten Ereignisse auf der ‚Vorderbühne‘: die konkrete Politik Israels und des weltweiten Judentums, für welche von der ‚Hinterbühne‘ ideelle und finanzielle Hilfen geleistet und Netzwerke zu den Medien und in die Regierung gezogen werden – alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit, selbst der im Allgemeinen gut informierten.“ Es überrascht nicht, dass der ORF Cohen als „Verschwörungstheoretiker“ abtut. Uns sollte daher nicht wundern, dass Medien das zerstörerische Agieren des „katsa“ Silberstein zugleich beschreiben und verschleiern, da sie alles als mysteriös, peinlich und einzigartig darstellen.

  „Krone“ am 30.9.

Dazu gehört auch, dass frühere Silberstein-Wahlkämpfe nicht untersucht wurden, was insbesondere bei dem von 2006 nach wie vor dramatische Konsequenzen hat. Denn damals geriet der formale Wahlkampfmanager der SPÖ Darabos unter Druck, der Silbersteins „Sozialfighter statt Eurofighter“-Versprechen als Verteidigungsminister umsetzen sollte.  Und hier geht es auch ohne Antisemitismusvorwurf um Gusenbauers Netzwerke, in denen österreichische Juden und Israelis eine wichtige Rolle spielen. Es war „Gusi“, der Kern Silberstein empfohlen hat, der wiederum zweifelhafte Personen im Umfeld des Kanzlers platzierte. Unter anderem Rudi Fußi, der wie Gusenbauer gegen den Ankauf der Eurofighter war und im Wahlkampf 2006 mitmischte wie Paul Pöchhacker, der als Verbindungsmann zwischen der Parteizentrale und dem nun nicht mehr geheimen Dirty Campaigning-Büro fungierte. Auch der Sprecher der Signa Holding, die zeitweise mit dem mit Silberstein in Israel festgenommenen Beny Steinmetz Geschäfte machte, war als Ex-Gusenbauer-Sprecher im Wahlkampf 2006 dabei („Gusi“ ist Geschäftspartner von Silberstein und Steinmetz) und wurde jetzt von seinem Freund Silberstein einbezogen.

Dass große Hemmungen bestehen, Dinge beim Namen zu nennen, hat nicht nur mit den „sayanim“ zu tun. Denn die Allermeisten, die sich empören, sind Pseudoantifaschisten, die nie auch nur einen Funken von politischem Mut und Zivilcourage zeigten. Dazu gehört auch die SPÖ selbst, die sich als Opfer der ÖVP und nicht der eigene Dummheit sieht. Als Darabos nach dem Silberstein-Wahlkampf 2006 als Minister abgeschottet, überwacht, unter Druck gesetzt wurde, zuckten die Genossen die Achseln: „der Norbert tut uns eh leid“ und „der Norbert wird halt abgeschirmt“ – mit anderen Worten kann man sich gut vorstellen, was für Typen 1938 am Heldenplatz standen und jubelten. Liest man das Dokument von Kerns Scheitern im neuen „Falter“, wird klar, was ein Wahlkampfmanager bedeutet hätte, der nicht nur strategisch denken kann, sondern auch nicht auf den Mossad reinfällt. Wie das seit Oktober 2016 bekannte neuerliche Silberstein-Engagement auf die ÖVP wirkte, kann man sich lebhaft vorstellen; es wäre ein ganz anderes Signal gewesen, den auch von Wolfgang Schüssel geschätzten Darabos wieder nach Wien zu holen.

Was Antisemitismus und Silbersteins bisheriges Wirken betrifft, wandte ich mich auch bislang vergeblich an die Israelitische Kultusgemeinde, das DÖW, das Mauthausen Komitee, Stoppt die Rechten, Linz gegen Rechts und die Offensive gegen Rechts (Letztere sind Plattformen u.a. mit roten und grünen Mitgliedsorganisationen). Zum einen möchte ich es vermeiden, eventuell unbeabsichtigt missverständlich zu formulieren und darauf von Kundigen hingewiesen werden. Zum anderen kann es ja wohl nicht sein, dass das unselige Wirken eines Geheimdienstes einfach so hingenommen wird. Was die Folgen des Wahlkampfes 2006 betrifft, hat IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer offensichlich kein Problem damit, dass der ausgewiesene Antifaschist Darabos, mit dem er am 3.9. bei einem Festakt in Koberdorf war, damals unter Druck geriet. Dies interessiert auch den Leiter des Dokumentationsarchivs  Gerhard Baumgartner nicht, der u.a. den Umgang mit den Minderheiten des Burgenlands laut DÖW-Arbeitsaufteilung beobachten soll (weiss er vielleicht nicht, dass Darabos Kroate ist?). Vorsitzender des Mauthausen Komitees ist ÖGB-Sekretär Willy Mernyi, der offenbar ein Parteigenosse von Darabos im Sinn von Freund – Feind – Parteifreund ist.

PS: Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte attackiert; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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11 Gedanken zu “Die Silberstein-Affäre und der Antisemitismus-Vorwurf

      1. „österreich“ in print macht firma black cube verantwortlich; das war dann schnell ermittelt, online fehlt der hinweis; presse versuche ich zu kontaktieren, aber die redakteurin war noch nicht da; bin gespannt…ein rückruf oder nicht? ich habe sie eh gleich auf black cube per mail hingewiesen, da sollte sie reagieren, sich bedanken oder so…

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      2. Die Krone online nennt auch „Black Cube“…und bis dato immer noch kein
        Artikel auf der HP der betroffenen „Die Presse“…das ist doch vielsagend…
        Bin sehr gespannt, wie das weitergeht, schön langsam kann man systemseitig nicht mehr einfach so tun, als wäre nichts passiert, wo ja auch das BVT ermittelt und es veröffentlicht wurde.
        Und ob sich die Redakteurin bei Ihnen meldet/bedankt..? Halten Sie uns auf dem Laufenden, Gruß
        Ron Nie

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