Täuschung und Politik

Immer mehr Menschen entscheiden erst spät, wen sie wählen; zugleich aber sind viele von bestimmten Kandidaten überzeugt und wischen dabei alles beiseite, was ihre Meinung beeinflussen könnte. Das geht weit hinaus über Wahlhelfer, da gerade Enttäuschte jemandem vertrauen wollen, der ihnen Sicherheit zu bieten scheint. Dass man sich frühere Handlungen und Positionen ansehen kann und so selbst zu einem Urteil kommt, ist manchen auch zu mühsam. So wird ignoriert, dass ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz 2015 wie die gesamte Bundesregierung für illegale Masseneinwanderung war, die nichts mit der Genfer Flüchtlingskonvention zu tun hatte. Man muss sich da natürlich ansehen, unter welchen Rahmenbedingungen die Politik so agierte, doch das schafft dann weitere Illusionen über Macht aus dem Weg, die man jetzt braucht, um jemanden zu wählen.

Das Hauptthema von Kurz ist Migration, und ihm gelingt es auch, sich und die ÖVP als „neu“ zu präsentieren u.a. dank zahlreicher Quereinsteiger. Diese stellen einerseits in Frage, dass Politik ein Handwerk ist, das man lernen muss, andererseits haben sie ohne Basis in der Partei eine schwache Position, wie manch einer ihrer Vorgänger schon erkennen musste. Wie SPÖ-Spitzenkandidat Christian Kern wurde auch Kurz seinen Angaben zufolge aus heiterem Himmel Parteichef und hatte rein gar nichts mit der Demontage seines Vorgängers zu tun. Die SPÖ versucht sich ebenfalls als „neu“, wie man am Newsletter von Kerns Team sieht, in dem wie bei der ÖVP Wahlhelfer geworben werden und man natürlich per Du ist. Weil sie weder SPÖ noch ÖVP trauen, setzen viele Hoffnungn in die FPÖ, jedoch wiederum ohne sich anzusehen, wo diese konkret wurde und wo sie nur heiße Luft verbreitete. Wie Kurz war auch Peter Pilz jahrelang Teil des Systems, verkauft aber seine gegen die Grünen und gege die SPÖ gerichtete Kandidatur mit eigener Liste als „neu“.

Sebastian Kurz auf Twitter

Die Grünen klammerten sich zeitweise an die Hoffnung, dass Pilz aus dem Stand kein eigenes Antreten schafft und unterschätzten dabei die Dynamik, die durch Berichterstattung und Pilz‘ Selbstinszenierung als „Opfer“ entsteht. Und sie wollten gar nicht wissen, dass er sie immer getäuscht hat, weil er – der jetzt „Heimat verteidigen“ will – fremde Interessen vertritt. Die Psychologin Maria Konnikova befasst sich mit Hochstaplern und Betrügern und traf auch einige für ihr Buch „Täuschend echt und glatt gelogen“. Im „Kurier“ sagt sie, dass Menschen „ihre Reputation über alles schätzen und nur selten zugeben, dass sie auf einen Betrüger hereingefallen sind“. Bequemer ist es, sich als Opfer eines Unglücks zu betrachten, sodass manche dem Betrüger sogar den Anwalt bezahlten, weil das alles nicht wahr sein darf. Es scheint einfacher zu sein, sich selbst mit dem Rest der Menschheit als Opfer z.B. von medial verbreiteten Kriegslügen zu sehen als in der näheren politischen Umgebung oder gar in der eigenen Partei Täuschung zu erkennen. Die Grünen waren damit einverstanden, dass Pilz noch am Bericht über den Eurofighter-Ausschuss mitarbeitet und wollten nicht wahrhaben, dass er nicht auf-, sondern zudeckt und auch den Falschen bei der Justiz angezeigt hat.

„Der wahre Hochstapler zwingt uns nicht, irgendetwas zu tun, er macht uns zum Komplizen. Er stiehlt nicht, wir geben“, wie Konnikova erklärt. Dies kann man auf den U-Ausschuss ebenso anwenden wie darauf, dass die Leute scharenweise der Pilz-Liste auf den Leim gehen und für sie kandidieren wollen. „Heimat verteidigen“ und Pilz für jede US-Militärintervention ist für sie kein Widerspruch. Konnikova sagt auch: „Es ist eine dünne Linie zwischen Betrügern und guten Vermarktern, guten Politikern, guten Anwälten, und es gibt so viele Berufe, die diese Art von Technik die ganze Zeit verwenden.“  Und wir vertrauen, weil wir vertrauen wollen und Mißtrauen und Skepsis einen schlechten Ruf kommen haben. Was die Grünen betrifft, werden einige immer noch nicht realisiert haben, dass sie für Pilz ein Auftrag  waren, sie ihm aber nichts bedeutet haben; sie also mehr über ihn nachdenken als er über sie. Außerdem stellen sie sich nicht auf die mit seinem Antreten veränderten Bedingungen im Wahlkampf ein, mit dem Resultat, dass er in Umfragen mit ihnen gleichzieht oder sie überholt.

Die SPÖ auf Twitter

Kurz-Bewunderer werden auf Facebook aggressiv, wenn man sie daran erinnert, dass ihr Idol sich angeblich weltweit für Pressefreiheit einsetzt, in Österreich aber brutale Schikanen duldet. In solchen Fällen hat ein angeblich allmächtiger Politiker und Kanzler in spe keinerlei Einfluss bzw. ist alles „rein persönlich“ auf der Seite des Opfers. Für die SPÖ gilt natürlich das Gleiche, denn hier wird zwar über eine Abkehr von sozialdemokratischen Werten gejammert, doch wenn man Hintergründe, Zusammenhänge, Akteure benennt, wollen es nur die wenigsten hören. Der Status Quo bietet auch Sicherheit, während Erkennen zu Handlungen führen müsste, bei denen man wegen des Sicherheitsbedürfnisses anderer kaum Verbündete hat. So wird nicht nur in der SPÖ da und dort gemurrt, dass der Spitzenkandidat eigentlich ein Blender sei, doch dies hat keine Konsequenzen.  Wie aber Konnikova sagt, verläuft „eine dünne Linie“ zwischen Betrügern und guten Politikern, sodass Kern vielleicht nicht so kann, wie er will und deshalb Versprechen leer sind.  Ein aktuelles Beispiel ist seine Nicht-Reaktion auf Enthüllungen im Mainstream zu den Geschäftspartnern seines Förderers Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer.

Und als sein von Gusenbauer empfohlener Wahlkampfberater und „Gusi“-Gschäftspartner Tal Silberstein in Israel festgenommen wurde, schwieg Kern zwei Tage, bis er alles wegwischte und so tat, als habe Silberstein nur eine unbedeutende Nebenrolle (für üppiges Honorar) gespielt. Erst wenn mit der SPÖ eng verbundene Ungeheuerlichkeiten außerhalb der SPÖ genug Resonanz habe, wird es zum Problem für die Reputation der Genossen, Täuschung und Betrug in den eigenen Reihen auszublenden. Bis dahin wird man als „persönlich frustriert“ etc.  attackiert oder überhaupt ignoriert, wenn man den Finger in offene Wunden legt. Wie weit Verdrängung in der SPÖ reicht, sieht man daran, dass selbst im Burgenland hingenommen wird, dass Genosse Darabos als Opfer der Machenschaften u.a. von Gusenbauer via Eurofighter-Vergleich draufzahlen soll, mit unhaltbaren Vorwürfen allein gelassen wird. Auch dass durch Infos über Gusenbauers Netzwerke neues Licht auf seine Situation geworfen wird, lässt Genossen kalt. Sie wollen auch nicht wahrhaben, dass in der Parteizentrale und im Bundeskanzleramt auf kritische Fragen mit Mauern reagiert wird, sodass Journalisten ihre Schlüsse eben ohne offizielle Statements ziehen müssen.

PS: Die Liste GILT des Kabarettisten Roland Düringer wollte alles anders machen, verloste die Mandate unter jenen der rund 1000 Bewerber, die von Düringers erste Mitstreitern als akzeptabel beurteilt wurden. Doch sie scheitert spektalurär, da der so erkorne Spitzenkandidat auf seiner Webseite zu den antisemitischen „Protokollen der Weisen von Zion“ verlinkt hat. Nun muss sich die Liste, kaum dass die Kandidatur eingereicht wurde, von ihm distanzieren.

PPS:  Wie hier beschrieben werde ich seit Jahren wegen kritischer Berichte fertiggemacht; nun suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich ein neues Quartier, bevorzugt in Wien oder Wien-Umgbung. Wer etwas für mich hat oder weiss hilft mir damit sehr. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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9 Gedanken zu “Täuschung und Politik

  1. Erst wenn die manipulierten von sich aus die von den Manipulatoren gewünschten Maßnahmen ergreifen, ist der höchste Stand der Manipulationskunst erreicht.

    Wenn eine Lüge 100 mal wiederholt wird, wird sie zur Wahrheit. Wenn Aussagen des Main Stream kritisch hinterfragt werden, ist man rechts bzw „Rechtsextremer“ oder „Nazi“.

    Die Nazikeule ist derzeit die wirkungsvollste Waffe, um Kritiker oder „Andersdenkende“ mundtot zu machen.

    Und wenn mundtot machen nicht reicht, dann gibt es ja noch die Rufschädigung, die berufliche Existenzvernichtung und wenn das alles nicht reicht, die JFK-Lösung

    In diesem Sinne – viel Spaß noch mit der Politik – und immer wachsam bleiben!

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    1. Cher (chère?) „Sarden“,

      darf ich Ihr prägnantes Posting auf dem LePenseur-Blog als „Zitat der Woche“ bringen?

      U.A.w.g. (entweder hier oder unter „Kontakt“ auf dem LP-Blog)

      LePenseur

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    2. JA dass es mal wieder soweit kommt. Vor Jahren habe ich schon prophezeit, daß viele aus der Geschichte gelernt haben. Nämlich wie man sich der Methoden der Gestapo, SA/SS, Stasi u. der Inquisition bedienen kann, für den guten und heiligen Zweck, so nach dem Motto Deus Volt oder Aluah Akkbar

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  2. Danke!
    Zu der Arbeit von DÖW stellt sich folgende dringliche Frage:

    Warum „dokumentiert“ es nur den Widerstand von damals bzw. verfolgt nur das Gespenst Antisemitismus. Wenn es seinem Namen gerecht werden wollte, müßte es sich mindestens genauso um den

    aktuellen Widerstand

    kümmern — z.B. Alexandras.

    Da fällt mir so ein alter Spruch ein: Wenn du jung bist, glaubst du, daß Gerechtigkeit das Mindeste ist, was du erwarten kannst; wenn du alt bist, weißt du, daß es das Höchste ist.

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