Bundesheer: Totalversagen des Systems

Sowohl auf der untersten als auch auf der höchsten Ebene versagt das Bundesheer, was mit Mythen über vermeintlich gelebte Tugenden und Pflichterfüllung kaschiert wird. Nachdem ein Rekrut bei einem Marsch bei großer Hitze starb, war man im Ministerium nach medialer Kritik an Ausbildern zunächst erleichtert, dass Toni P. auch an einer Infektion litt. Doch das macht es noch schlimmer, denn niemand fällt tot um, ohne dass es vorher Anzeichen wie fiebrig wirken oder Schwindel gibt. Tatsächlich bat Toni andere um Hilfe, die ihm auch mangels adäquater ärztlicher Versorgung nicht zuteil wurde, und war wie andere durch Bemerkungen eines Vorgesetzten im Stil von „Wer Luft hat, sich zu beschweren, hat auch Luft zum Atmen!“ eingeschüchtert. Wie immer, wenn Schikanen und Gewalt medial thematisiert werden, melden sich Betroffene und zwar meist anonym. Und es gibt Nebelgranaten Verantwortlicher, wie der „Falter“ aktuell darlegt.

Es sei z.B. an #ichhabnichtangezeigt erinnert, eine Kampagne, die sich an Frauen wadte, die Opfer sexueller Gewalt oft auch in der Kindheit wurden und Angst vor den Tätern hatten, deren Umfeld zu ihm hielt oder die eine Anzeige als aussichtslos betrachteten. Wenn nun das BMLV, die Offiziersgesellschaft oder die Interessensgemeinschaft der Berufsoffiziere den Tod von Toni P. als Einzelfall herunterspielen, negieren sie damit, dass viele sich jetzt zu Wort melden und von Schikanen und Quälereien berichten. Sadismus hat nichts mit der Ausbildung für Aufgaben der Landesverteidigung zu tun, und doch erkennen Männer, deren Wehrdienst Jahrzehnte zurückliegt, ihre Erfahrungen in aktuellen Schilderungen wieder. Es ist auch zu wenig, wie die FPÖ Aussagen der Grünen in Richtung Abschaffen des Heeres empört zurückzuweisen, ohne sich der Auseinandersetzung mit Fehlern im System – Stichwort falscher Korpsgeist – zu stellen. Denn kein Mißstand dürfte in einer straff hierarchischen Organisation vom nächsten Vorgesetzten gedeckt werden, und schon gar nicht darf es über Jahre bei Grundwehrdienern berüchtigte Ausbildner geben.

 

Ministerium

 

Es ist absurd, wenn manche auf mögliche Hitzetote z.B. bei Sportereignissen verweisen, denn da ist medizinische Versorgung gewährleistet. Auch bei Veranstaltungen wie dem 1. Mai-Aufmarsch der SPÖ stehen Sanitäter bereit – so beobachtet heuer in Oberpullendorf u.a. mit Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil. Dieselben Offiziersvertreter, die in Aussendungen alles auf Einzelfälle reduzieren und rundum Einsatzbereitschaft des Heeres beschwören, versagen auch volkommen beim Schutz des Befehlshabers, wie deutlich wurde, als Norbert Darabos Minister war. Man stelle sich einmal vor, einer sagt „ich hab‘ dort einen fremden Panzer gesehen“ und ein anderer „und ich da“ und der Nächste „ich komm‘ aus dem Norden, dort waren ein paar fremde Panzer“ usw. Und dann wird nicht die Lage analysiert, sondern jeder verbucht es als persönliches Erlebnis und fühlt sich dadurch gekränkt. Mit Recht würde man solche Offiziere als Witzfiguren betrachten, die unfähig zur Lagebeurteilung sind. Wenn aber ein Minister von Personen und Infos abgeschottet wird, sich nicht frei bewegen kann, die Befehlskette ausgehebelt wird, scheitern sie kläglich – am Erkennen, am Handeln und daran, sich nicht im nächsten Mausloch zu verkriechen.

Dazu gehört auch massives Mauern, wie man bei Ressortsprecher Michael Bauer sehen kann, der weder auf die hier formulierten noch auf diese Fragen antwortet: „Hier möchte ich die letzte Frage aufgreifen: ‚Arbeitet das Bundesheer bzw, der Heeresnachrichtendienst mit US-Geheimdiensten zusammen? Völlig ausgeschlossen.‘ Jetzt frage ich Sie, ist es KEINE Zusammenarbeit mit US-Diensten, dass militärische Rechtsgüter wie die Befehlskette und der Befehlshaber, wie bei Darabos deutlich wurde, NICHT vom Abwehramt geschützt wurden? Was haben Sie unternommen (und was andere), als Sie feststellen mussten, dass es mit Darabos keine Besprechungen, Briefings, Termine gab, Sie nur Papiere aus dem Ministerbüro erhielten? Warum haben Sie (und andere) sich nicht vergewissert, dass es sich verfassungs- und rechtskonform um den Ministerwillen handelt? Sie wissen doch, dass Kammerhofer ohne Grundlage dafür, sein Agieren als Ministerwillen zu betrachten (kaum Verschriftlichung siehe Kritik im U-Ausschuss),herumlief und rechtswidrig ‚Weisungen‘ (i.e.Weisungsversuche!) erteilte?

Bundesheer-Inserat (Twitter)

Ist es KEINE Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten, dass alle -oft auch passiv – an der Abschottung des Ministers mitwirkten? Ist Ihnen und anderen nie seltsam vorgekommen, dass man nur selten oder nie mit Darabos sprechen konnte, dass nicht mal der Generalstabschef Zugang zum Befehlshaber hatte? Hat auch der Korpsgeist (von wegen Ex-Zivi, obwohl als Befehlshaber Vorgesetzter mit militärischen Eigenschaften) Sie und andere daran gehindert zu erkennen, dass Darabos massiv unter Druck gesetzt und rundum überwacht sein muss, um sich nicht zu wehren? Wie ist es möglich, dass der während Darabos‘ Zeit im BMLV geführte Terminkalender gelöscht wurde? Was soll da vertuscht werden? Wird das Ressort Aussagen zum Umgang mit Darabos und zur Rolle Kammerhofers zusammenstellen, um den Ex-Minister bei der Staatsawaltschaft Wien zu entlasten? Entspricht diese meine Darstellung (verdeckte Aktionen) den Tatsachen?“

Keine Antwort ist natürlich auch eine Antwort, ebenso darauf:  „Stichwort Bundesheerdienste: Wieso wende ich mich stets vergeblich an den Rechtsschutzbeauftragten (und ans Ressort), wenn es um deren Instrumentalisierung für via Kammerhofer lancierte auch mich betreffende Desinformationen geht? Warum ist er nie persönlich zu sprechen? Ist Kontrolle, auf die Sie jetzt in der (verfehlten) Krisenkommunikation verweisen, reine Farce? Kammerhofer- (CIA?) Desinformationen bestehen fort und sind für den derzeitigen Minister sakrosankt, dies nur nebenbei. Sind Sie bereit – nachdem Sie hinsichtlich des Abwehramts mir gegenüber immer sehr zugeknöpft waren – ein Treffen zwischen mir und dem stv. Chef Ewald Iby in die Wege zu leiten? Er wohnt nur ein paar Ortschaften entfernt von Darabos und wird daher wissen, dass er fertig und unter Druck wirkt (man kann davon ausgehen, dass sich an Darabos‘ Situation nichts geändert hat, wie auch im U-Ausschuss zu sehen war).“

PS: Ich wollte natürlich schriftliche Antworten und hatte einige Medienleute im CC. Die Pflichtverletzung gegnüber Darabos bedeutet, dass die, die nur verbal Landesverteidigeer sind, Mitverantwortung für den Druck auf ihn tragen und ebenso dafür, dass ich fertiggemacht werde, weil ich anders als sie Landesverteidigung ernst nehme.

PPS:  Wie hier beschrieben, suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich (und hoffentlich auch Athos, der seit einigen Tagen verschwunden ist) ein neues Quartier, wo wir uns von alldem erholen können und wo ich dann wieder neue Kräfte schöpfe und aus den bisherigen Erfahrungen etwas Neues entsteht. Vor allem möchte ich die Ruhe haben, einmal um Verlorenes und Vergangenes trauern zu können, denn das war bisher nicht möglich.  Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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2 Gedanken zu “Bundesheer: Totalversagen des Systems

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