Das ist der grösste Bundesheer-Skandal

Zu Recht wird in der Debatte um Schikanen beim Bundesheer auf falschen Korpsgeist verwiesen, der dazu führt, dass Mißstände zugedeckt werden und so weiter bestehen. Geht man davon aus, dass der Befehlshaber des Heeres, der Bundesminister für Landesverteidigung, ordentliche Ausbildungsbedingungen sichern muss, ist jedoch der größte Skandal, wenn auf den Minister folgenlos Druck ausgeübt werden kann. Als 2007 der ehemalige ZIvildiener Norbert Darabos Minister wurde, war die SPÖ nach 24jähriger Unterbrechung wieder für den Bereich Landesverteidigung zuständig. Man gab Darabos den früheren SPÖ-Klubsekretär Stefan Kammerhofer als „Leihgabe“ der ÖBB und Milizunteroffizier mit. Bald hieß es, dass an ihm als Kabinettschef kein Vorbeikommen sei, es früher übliche Besprechungen und Briefings nicht mehr gab, der Minister abgeschottet wurde.

Dies kam auch im Eurofighter-U-Ausschuss zur Sprache, wo heereseigene Experten, die am Kaufvertrag 2003 mitwirkten, beim Zustandekommen des sog. Darabos-Vergleichs mit EADS nicht beteiligt waren, nie mit dem Minister reden konnten, an Kammerhofer scheiterten. Würde es keinen Korpsgeist geben, der aus einem Befehlshaber des Heeres und damit Vorgesetzten mit militärischen Eigenschaften wegen des Zivildienstes einen Außenstehenden macht, hätten Offiziere sofort bemerkt, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Damit haben sie aber ihre Pflicht nicht nur gegenüber dem Minister, sondern auch der Republik Österreich verletzt, denn er ist auch als Mitglied einer verfassungsmässigen Einrichtung zu schützen, davon abgesehen, dass er und die Befehlskette militärische Rechtsgüter sind. Wer zulässt, dass ein Minister abgeschottet wird, was Druck und Überwachung impliziert, trägt selbst massiv zu dann gerne beklagten Fehlentwicklungen bei. Dank Korpsgeist führten auch Momente der Erkenntnis bei Offizieren nicht zur Kurskorrektur, denn das hieße ja, Fehler einzugestehen.

Video „Wehrhaftes Österreich“

Man(n) jammerte lieber über Darabos und war stolz, ihm 2013 keine Träne nachzuweinen, als ihm Gerald Klug nachfolgte, der zuerst viele Hände schüttelte, was aber vollkommen unverbindlich war.  Zu begreifen, dass die Befehlskette nur in fremdem Interesse via Kammerhofer ausgehebelt wird, hätte auch bedeutet, sich konkret als Landesverteidiger zu betätigen, statt nur einander den Bauch zu pinseln, wie toll man(n) doch ist. Bald kam das böse Erwachen, da Klug nichts durchschaute und das Heer nun erst recht an die Wand gefahren wurde. Das „Bundesheer-Begräbnisvideo“, wie ich den obigen Clip sofort nannte, dient wieder nur der Nabelschau, da die wehrhaften Herren zu strategischem Vorgehen nicht in der Lage sind. Es geht jetzt wegen bekanntgewordener Schikanen um systemisches Versagen und darum, dass der jetzige Minister Hans Peter Doskozil als Ex-Polizist zu sehr selbst von Korpsgeist geprägt ist. Doch wie umfassend muss ein System versagen, in dem der Befehlshaber unter Druck gesetzt und isoliert werden kann, ohne dass jemand einschreitet?

Weil Korpsgeist mit antiquierten Vorstellungen einher geht, war es auch vollkommen unmöglich für Offiziere, die nüchterne Analyse einer Außenstehenden ernst zu nehmen, die u.a. Erfahrungen mit Darabos‘ Abschottung gesammelt hat. Denn er ist auch als formaler Vorgesetzter als Ex-Zivi kein richtiger Mann, und ich als Frau und Zivilistin bin es logischerweise auch nicht. Deshalb sahen die vermeintlichen Männer (= Weicheier?) auch ungerührt zu und ließen auch zu, dass ich als Überbringerin der unangenehmen Wahrheit bis zum Wohnungsverlust schikaniert wurde. Während im zivilen Bereich, wo Frauen ja auch zum Alltag gehören, das Lernen von anderen und deren Blickwinkeln an der Tagesordnung ist, scheint es beim Militär fragile Selbstwahrnehmung vermeintlicher Kronen der Schöpfung zu verletzen. Nicht einmal Aussagen im U-Ausschuss bewegten Offiziere dazu, ihre früheren Äußerungen über Darabos zu korrigieren, denn das hieße ja, Fehler einzugestehen. Den Preis für Vorstellungen von vorgestern bezahlt ein immer noch unter Druck stehender Politiker, aber auch ich als integre, mit allen Mitteln brutal vernichtete Journalistin.

Ministerium

Wie sehr sich alle an den Korpsgeist klammern, sieht man z.B. bei der Offiziergesellschaft, die „den tragischen Tod eines Rekruten während einer militärischen Ausbildung“ bedauert: „Wenn jetzt einzelne Politiker im Wahlkampfmodus noch vor Vorliegen von
Untersuchungsergebnissen den Grundwehrdienst und die Ausbildungsmethodik pauschal in Frage stellen und von systematischen Menschenrechtsverletzungen sprechen, dann ist das verantwortungslos. Und es ist geschmacklos und populistisch, wenn bekennende Bundesheer-Gegner aus dem Tod eines Menschen politisches Kapital
schlagen wollen.“ Was ich durchaus unter Einsatz meines Lebens aufzeigte, ist auch „systematische Menschenrechtsverletzung“, indem die Spitze der Befehlskette vor aller Augen in Geiselhaft genommen wurde, was auch Vereine wie die Offiziersgesellschaft kaschierten.

„Die Ausbildung beim Bundesheer bereitet österreichische Staatsbürger auf einen Einsatz als Soldat vor. Die Bevölkerung kann sich daher darauf verlassen, dass unsere Soldaten auch fähig sind, ausdauernd und durchhaltefähig ihre Aufgaben – von der Katastrophenhilfe, über das Grenzmanagement in der Migrationskrise bis zur
Landesverteidigung – zu erfüllen. ‚Soldaten sind Bürger in Uniform – aus dem Volk und für das Volk‘ betont Cibulka. ‚Diese Aufgabe ist anspruchsvoll und fordernd. Sie ist für jeden gesunden Österreicher zumutbar und leistbar'“ – aber was hier der Präsident der Offiziersgesellschaft behauptet, entspricht nicht der Realität, wenn das Volk dank Korpsgeist nur aus Männern besteht, die mit der Waffe dienten und man(n) auf alle anderen herabsieht und Befehlshaber und Befehlskette nicht geschützt wurden.

PS:  Wie hier beschrieben, suchen die Kater Baghira und Gandalf und ich (und hoffentlich auch Athos, der seit einigen Tagen verschwunden ist) ein neues Quartier, wo wir uns von alldem erholen können und wo ich dann wieder neue Kräfte schöpfe und aus den bisherigen Erfahrungen etwas Neues entsteht. Vor allem möchte ich die Ruhe haben, einmal um Verlorenes und Vergangenes trauern zu können, denn das war bisher nicht möglich. Doskozil findet es übrigens lustig, dass ich wegen der Machenschaften von Kammerhofer und Co. in dieser Lage bin. Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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