Die Liste Pilz und die Frauen

Es ist kein Zufall, dass besonders Frauen bei den Grünen Pilz als Einzelkämpfer auf Egotrip sehen und vorhersagen, dass der erste Konflikt mit seinen neuen Weggefährtinnen und Weggefährten nicht lange auf sich warten lässt. Man muss Pilz erlebt haben, wie er die Gedankengänge und Anliegen anderer zynisch kommentiert, um die Erleichterung vieler zu verstehen. Zugleich laufen diese Grünen aber Gefahr, die Dynamik zu unterschätzen, die seine Kandidatur noch entwickeln wird. Es mag paradox klingen, aber mit Abstand und dem Wissen, was Pilz antreibt, kann man dies leichter einschätzen als wenn man an bisherige grüne Wahlkämpfe denkt oder sich seine gestrige Pressekonferenz ansah.

Vielen fällt auf, dass es wenig  Verbindliches gibt, doch sie brauchen sich nur daran zu erinnern, wie 1992 alles getan wurde, um Pilz zum Parteichef zu machen. Er sollte die Grünen reformieren und zu einer „projektorientierten Rahmenpartei“ umgestalten, in der die Basis wahlkämpfen, aber nicht mitbestimmen darf und Quereinsteiger kandidieren. Mit anderen Worten wird jetzt nach dem gleichen Drehbuch vorgegangen, nur dass es sich diesmal offen gegen die Grünen richtet. Zuvor agierte er teilweise intern, teils mit der üblichen Medienunterstützung öffentlich gegen jene in den Grünen, die sich der von ihm vertretenen Agenda nicht unterwerfen wollten.  Pilz kritisiert an den Grünen Entwicklungen, zu denen er maßgeblich beigetragen hat und bedient jene Klientel, die u.a. von den Grünen enttäuscht ist. Dabei muss er auch auf Frauen setzen, weil dies gut für sein Image ist und suggeriert, es gehe wirklich um Inhalte.

„Kurier“ auf Twitter

Nun mag allgemein bekannt sein, dass er als Einzelkämpfer agiert und das Team nicht seine Sache ist, doch den „Aufdecker“ kauft man(n) ihm immer noch unbesehen ab. Dies bringt ihm Respekt von Männern ein, während Frauen es toll finden, weil sie sich selbst selten mit den Gebieten auseinandersetzen, wo er angeblich Korruption enttarnt.  Doch z. B. die Eurofighter-Causa ist leicht zu verstehen, da Pilz mit Absicht den Falschen anzeigt, wenn er gegen Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos vorgeht. Dass dieser abgeschottet wurde, was Druck und Überwachung impliziert, und Fremdes als „Ministerwille“ ausgegeben wurde, weiss auch Pilz. Daher liegt nahe, dass die für diese Situation Verantwortlichen Darabos jetzt auch noch via Pilz anzeigen. Man kann dies nüchtern darstellen und die Staatsanwaltschaft auf Erkennungsmerkmale verdeckter Aktionen hinweisen, wie ich es hier getan habe, und auf Pilz den Fachbegriff „non-official cover“ anwenden. Grüne sollten dafür inzwischen empfänglich sein, doch sie müssen zunächst begreifen, dass er die Tür zu ihnen zugeschlagen hat und wirklich gegen sie kandidiert.

Dann werden sie auch begreifen können, dass er nie grün war, sondern immer einer Agenda folgte; ähnlich einem Ehepartner, der jahrzehntelang ein Doppelleben führt und anderswo sechs Kinder hat. Sein Repertoire ist dabei begrenzt, was zugleich ein Unterscheidungsmerkmal zu echtem Engagement darstellt, denn dieses ensteht auf natürliche Weise und ist wandelbar.  Hier aber wird uns als große Wahlkampf-Sensation projektorientierten Rahmenpartei 2.0 aufgetischt, garniert auch mit ein paar Frauen, die für jede politische Bühne dankbar sind. Mit Eigenständigkeit von Frauen konnte Pilz noch nie etwas anfangen, da dies bedeutet, andere Interessen zu haben als jene, denen er dient. HIngegen sind Ahnungslose auch puncto Parlamentarismus ideal, die er – Zitat von der Pressekonferenz gestern – „an der Hand nehmen“ kann. Es ist nachvollziehbar, dass sich seine Kandidatinnen (und ebenso die Kandidaten) geschmeichelt fühlen, wenn sie als Abgeordnete in spe plötzlich im Mittelpunkt medialen Interesses stehen.

Es gibt andere Aufdecker (Twitter)

Sie sind jedoch nur Bestandteil der Coverstory für die Pilz-Kandidatur und können ihre Inhalte ruhig vertreten, da sie ohnehin keine Umsetzungsmöglichkeiten haben werden; es sei denn, sie versuchen es gar nicht erst parlamentarisch. Mit der Frauenkarte wird aus der Ego-Sache ein Teamprojekt und man(n) kann es als „Bewegung“ verkaufen. Auch Frauen haben eine lange Geschichte des in der Politik nicht ernst genommen Werdens, sodass die Aussicht auf ein Mandat verführerisch erscheint. Es wird sinnlos sein, mit den „Frischg’fangten“ über die wahre Rolle von Pilz zu diskutieren, zumal ihre Inhalte (um die es nicht gehen wird) ja durchaus in Ordnung sind. Frauen nach vorne zu stellen ist auch ein Seitenhieb auf die Grünen, die bislang ja als einzige Partei etwas mehr Frauen als Männer im Parlament hatten. Auffallen könnte, welch eine Bandbreite an Themen schon deshalb Pilz vorbehalten bleibt, weil nur er danach gefragt wird.

Hier findet „Pinkwashing“ in Reinkultur statt, da soziale Anliegen (gestern Alleinerziehend, Tierschutz, Konsumentenschutz, Flüchtlinge) dazu benutzt werden, Interessen des militärisch-industriellen Komplexes der USA zu bedienen. Nicht von ungefähr betont Pilz immer wieder, dass er ein starkes Mandat wolle, um gegen Airbus zu kämpfen, also gegen einen europäischen Rüstungskonzern. Und wer jetzt meint, dass man(n) Frauen hat leicht beeinflussen kann, sei auf Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil verwiesen, der sich in eine Anzeige gegen Airbus und in die Unterstützung eines U-Ausschusses hineinreiten hat lassen. Eine ebenso manipulative Kollegin von Pilz, Sonja Puntscher Riekmann (innerhalb der Grünen als Referentin, Programmkoordinatorin und kurz auch als Abgeordnete eingesetzt), leistet ihm gerade Schützenhilfe. Die bisher bekannten Kandidatinnen Stephanie Cox und Maria Stern betätigen sich als „embedded feminists„, ohne sich dessen auch nur ansatzweise bewusst zu sein.

PS:  Auf den Wunsch vieler treuer Leserinnen und Leser hin ist finanzielle Unterstützung  jederzeit willkommen: Alexandra Bader, Erste Bank BLZ 20111, BIC GIBAATWWXXX, IBAN AT592011100032875894. Ihr erreicht mich unter 06508623555, alexandra(at)ceiberweiber.at und ich bin auf Facebook und Twitter (cw_alexandra)

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3 Gedanken zu “Die Liste Pilz und die Frauen

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